Häuptling Silberlocke R.I.P.

Richard von Weizsäcker ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Ich habe ihn nur einmal persönlich erlebt, an einem denkwürdigen Abend im Dezember 1983  als er – noch als Berlins Regierender Bügermeister – zusammen mit Wolfgang Neuss, der gerade 60 geworden war, zum “Leute”-Talk ins Café Kranzler geladen war. Den Nachmittag hatte ich schon mit Neuss und der Sichtung eines ganzen Waschkorbs voller Geburtagsgrüße verbracht – darunter u.a. ein Schmucktelegramm des regierenden “Richie” und ein langer, mit Zeichnungen verzierter Brief eines Knackis, der wegen Haschisch im Knast saß, und mit dem Satz schloß: “Auf deutschem Boden darf nie wieder ein Joint ausgehen!”

Und wie solche Pointen ins Haus flogen, flogen sie auch wieder hinaus. Wolfgang nahm das Telegramm, schrieb den Satz hinein – und las ihn abends in der Talkshow als Glückwunsch des Regierenden Bürgermeisters vor. Aber nicht nur deshalb wurde sein erster TV-Auftritt seit zehn Jahren als Talkshow des Jahres ausgezeichnet. Auch v. Weizsäcker war noch nach Jahrzehnten sehr davon beeindruckt.

12 Comments

  1. Gegen “Ritchie” läßt sich eigentlich wenig einwenden.

    Auch das sein Juden deportierender Vater, im Prozess die Auffassung vertrat, die Juden hätten es im Osten besser gehabt, und von deren Vernichtung nichts gewußt zu haben…und “Ritchie” auf seiten des Vatis stand…geschenkt nach einem 1/2 Jahrhundert !
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_von_Weizsäcker

    Den 8 Mai 45 den „Tag der Befreiung“ genannt zu haben…auch total gebongt !
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/richard-von-weizsaecker-im-alter-von-94-jahren-gestorben-a-1016056.html

    Leider liegt „ Ritchie“ nicht so ganz richtig :
    The Third Reich never died
    http://www.youtube.com/watch?v=G9LRjhzTHEA

    Der westdeutsche Wiederaufbau nach 45 hätte ohne das eingefütterte Nazi-Raub-Vermögen niemals geklappt.
    http://www.amazon.de/Daimler-Benz-die-Argentinien-Connection-Rattenlinien-Nazigeldern/dp/3935936338

    und zuständig dafür waren u.a. auch die „Dull-Duller-Dulles-Bros.“ Beide Brüder frühe Leuchtürme von „Deep-State USA“

    http://www.larouchepub.com/eiw/public/2005/2005_30-39/2005_30-39/2005-31/pdf/54-71_31_ratline.pdf

     
  2. Soweit ich sehe, war – Altgermane oder nicht – RvW der letzte (der einzige?) in den höchsten Rängen der deutschen Politik, dem so etwas wie Größe eignete, etwas, das sich beispielsweise am Wahlvorabend der Präsidentenwerdung Horst Köhlers (“Merkels Junge”) anno 2004 in einem spontanen Ansteuern des Rednerpodestes manifestierte:

    Wie Gertrud Höhler in ihrem Buch Die Patin (p. 201f.) notiert, «(war) die dreiste Funktionalisierung dieses Präsidenten in spe durch die Merkel-Truppe einigen Beobachtern schon klar geworden. (…) Richard von Weizsäcker hatte aus [derlei] Versuchung seiner Kollegen zum Missbrauch des höchsten Amtes für seine eigene Präsidentenzeit einen konsequenten Schluss gezogen: Für die Amtsdauer seiner Präsidentschaft, so teilte er damals mit, lasse er seine Parteizugehörigkeit ruhen. (…) Das Amt, so wiederholte er am Vorabend der Wahl Köhlers, verlange “absolute Überparteilichkeit”.»

    Genützt hat’s nichts. «Ohne das Votum des Bundespräsidenten abzuwarten, der [nach der Neuwahl-Forderung durch den SPD-Chef Müntefering, die der verlorenen Wahl in Nordrhein-Westfalen 2005 folgte] das Verlangen nach Neuwahlen im Lichte der Verfassung zu prüfen hatte, ließ Angela Merkel sich zur Kanzlerkandidatin ihrer Partei ausrufen. Ein halbes Jahr später ernannte Horst Köhler sie zur Bundeskanzlerin. Von da an schwand sein Einfluss.» (Ebd.)

    RIP, RvW, trotz alledem.

     
  3. Bleibt zu hoffen das kein verklärender Hype aufkommt in Richtung “Einer der letzten Aufrechten” usw…..

    Was gerade bei einem Politiker zählen sollte sind nicht seine charmanten Worte, sondern Taten, Standpunkte. Und hat RvW nicht den kalten Nachkriegs-Konfrontationskurs der CDU gg. Rußland mitgetragen, war er nicht auch strammer Atlantiker. Einer seiner letzten medialen Auftritte dürfte bei Jauch gewesen sein zum Alten Fritz. Das fühlte sich eher an nach unverbesserlichem Haudegen anstatt besonnener Geist!

    Gleichwohl – RIP

     
  4. OT:

    oha! mathias wird doch nicht etwa im bevorstehenen us-primary-wahlkampf jeb bush die daumen drücken? die beiden wären in ihrer jugend gut miteinander ausgekommen….

    Jeb Bushs Zensuren waren so schlecht, dass er – wäre er kein Bush gewesen – vermutlich von der Elite-Schule Phillips Academy in Andover (nördlich von Boston) geflogen wäre. Seine Klassenkameraden sagten, dass er vorwiegend zwei Interessen gehabt hätte: „Kiffen – bevorzugt Hasch – und Tennis.“ Er zog offenbar sogar seine Freunde mit rein. So sagte Andover-Student Peter Tibbetts: „Das erste Mal, dass ich stoned war, war in Jebs Zimmer. Er hat damals Steppenwolf für mich aufgelegt.“ Einer der Hits der Band: „Born to be wild“. Und der Song der Bush-Clique war „Magic Carpet Ride“ (übersetzt etwa: Eine Tour mit dem Fliegenden Teppich).

     
  5. Was ich noch nicht wusste und mich erschüttert:

    (medienanalyse-international.de)
    Nachruf auf Herrn von Weizsäcker – bevor er heilig gesprochen wird …

    Frage: Sind DIEDAOBEN alle so??

     
  6. @berndchen. Davon will während des Kondolenzgeschwurbels niemand etwas wissen. Der “große” Deutsche wird jetzt erstmal in der selbstbeweihräuchernden Establishmentkaste zum Volkshelden hochstilisiert. Dabei war er einfach nur ein Lobbyist der im Eigeninteresse Millionen Menschen geschädigt und getötet hat. Ein Kriegsgewinnler und zudem noch Deserteur.

     
  7. @ jaja am 01.02.2015 um 15:42 Uhr

    “Dabei war er einfach nur ein Lobbyist der im Eigeninteresse Millionen Menschen geschädigt und getötet hat. Ein Kriegsgewinnler und zudem noch Deserteur.”

    Haben Sie die Güte, diesen vor allem im abschließenden Satz verwirrend widersprüchlichen “Sachverhalt” einmal für normale Begriffe nachvollziehbar zu erläutern?

    Oder handelt es sich bloß um den notorischen, offenbar für alle Zeiten erfolgreich gehirngewaschenen “Ex”-DDR-Dribbel, welcher jedwede deutsche Schuldverantwortung in Überbietung aller menschlichen – also in eingefleischt-systematischer, und daher würde ich sagen in unverbesserlich individuell-neurotischer – Feigheit heute noch blindlings auf alle Anderen, selbst oder gerade wenn sie tot sind, projiziert, der Ihnen dabei vollautomatisch aus dem Hosenbein läuft?

    Dann hat sich eine Beantwortung freilich schon erledigt (und einen Troll gefüttert habe ich somit auch nicht).

    Es geht – diesseits der vollkommen richtig angemerkten, unterschiedslos in Ost und West mit ganz genau derselben Automatik einsetzenden und absolut jenseitigen bzw. unterirdischen “Selbstbeweihräucherung der Establishmentkaste” – im Fall RvW in Wirklichkeit um eine Größe, die auf der persönlichen Ebene immer seltener wird und auf der öffentlichen Seite, von genau dieser Establishmentkaste und in den von ihr verfassungsbeseitigend besetzten Institutionen gegenüber der z. B. Merkel-propagandistisch in den Tiefschlaf gelullten Öffentlichkeit verdammtnochmal als bereits verschwunden behandelt wird: nämlich das (wie auch immer geartete, intuitive, oder im modernen Westen – und das ist eine doppelte Unterscheidung – sogar zumindest bis 1990 unaufgehoben institutionalisierte) Wissen, dass die beiden Top-Elemente des politischen und des rechtlichen Spiels “auctoritas” und “potestas” – in der “leider Gottes” spätestens seit den so gesehen wunderbar passenden Angriffen am 11. September 2001 unterirdisch suspendierten deutschen Verfassung personalisiert und verkörpert durch Bundespräsident und Bundeskanzler – in ihrer lebens-, aber nicht rechtsnotwendigen Dialektik nur funktionieren können, “wenn sie [nicht] tendenziell in einer einzigen Person zusammenfallen [.] [W]enn der Ausnahmezustand, in dem sie sich verbinden und indeterminieren, die Regel wird, dann transformiert sich das politisch-rechtliche System in eine tödliche Maschine.” (G. Agamben, Ausnahmezustand)

    Mag sein, dass sich etliche “Ex”-DDR-Bürger und etliche Ex-“BRD”-Bürger erst dann wirklich (wieder) zuhause und in Sicherheit fühlen, wenn sie neuerlich und zuverlässig hinter derlei unsichtbaren, dafür umso wirkmächtigeren Gittern sitzen.

    Dass der verstorbene RvW zu dieser Kaste gehört hätte, kann man glaube ich jedenfalls nicht sagen, und dass er jetzt von ihr mit Dreck beworfen bzw. instrumentalisiert wird, ist doch ein- und dasselbe.

     
  8. @jaja:

    Deserteur??? Wovor?? hat er nicht mit an allen Fleischtöpfen mitgerührt und mitgefressen, deren er habhaft werden konnte?

     
  9. @pecas:

    Jetzt weiß ich endlich, was Geschwurbel ist:
    Wenn die Tastatur nur eine stark begrenzte Anzahl von Punkten als Satzende bereithält.
    🙂

     
  10. Berndchen am 02.02.2015 um 20:53 Uhr

    Ach sieh da – das ist ja genau, was ich meine:
    es handelt sich also um Neid, genau genommen sogar um einen falschen.
    Ob dahinter auch immer ein falscher “Sieger” steckt, das wäre zwar die Frage von allgemeinem Interesse gewesen, aber mir scheint sie gleich mitbeantwortet worden zu sein
    🙂

     
  11. @pecas am 03.02.2015 um 12:47 Uhr:

    Yep. Wie sang schon CCR (Friedens Klirrfaktor Reibeisen Band)? “Hey To Neid”!

    🙂

     

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