Für ein säkulares, ganzes Syrien

“Ist er so perfide..oder sind wir so dumm?” fragt  Bernd Ulrich in der  “Zeit” in Sachen Putin und verspricht, “die  neue geopolitische Lage illusionslos in den Blick zu nehmen.” Ergebnis und Siegerehrung:

„Offenbar hat der Westen in den falschen Kriegen der Ära Bush seine Entschlossenheit, seinen Heroismus, seine Opferbereitschaft weitgehend aufgebraucht; jetzt, da die Lage im Mittleren Osten kritischer ist als je zuvor, hat er infolgedessen kaum noch mentale und moralische Ressourcen, um der Lage Herr zu werden – ohne sich das jedoch eingestehen zu wollen.“

“Falsch” waren die Kriege gegen Afghanistan und Irak, weil es dort keine echte Opposition gab, die der Westen hätte unterstützen können, richtig dagegen die Kriege im Kosovo, Libyen und Syrien, weil hier Menschrechte verletzt und Diktatoren beseitigt werden. Diesen konfusen Menschenrechtsbellizismus hatte der Leitartikler der Zeit 2011 bereits in Buchform dargelegt, um zu begründen “Wofür Deutschland Krieg führen darf. Und muss.”  Nach dem mittlerweile als False-Flag-Operation enttarnten angeblichen Giftgaseinsätzen Assads rief er dann energisch zu den Waffen: “Ein Militäreinsatz nützt den Menschen in Syrien mehr als keiner”. Dass sich die Bundeswehr mittlerweile daran beteiligt, den Menschen in Syrien “zu nützen” reicht aber nicht, weshalb den unvorbereiteten Leserinnen und Lesern mit einer Salve Laptop-Bomber-Prosa die Augen geöffnet werden müssen: es fehlt ihnen, dem “Westen”, also uns allen, einfach nur ein wenig Heroismus und ein bißchen Opferbereitschaft – und schon könnte man den weder perfiden noch dämonischen sondern nur geschickten Feldherrn Putin ausmanövrieren.

Um dann mit wunderbarem “regime change” einen  demokratischen Wandel wie im Kosovo und Libyen auch in Damaskus herbeizuführen… nein, das schreibt Kamerad Ulrich natürlich nicht, denn es ist ja gerade das Chaos, das diese in seiner Konnotation “richtigen” Kriege hinterlassen haben,  welches  für den “mentalen und moralischen” Ressourcenverbrauch verantwortlich ist. Wer mental noch halbwegs beisammen ist kann weder für den Mafiastaat Kosovo noch für das von islamistischen Milizien terrorisierte Libyen irgendeine moralische Begründung finden – und wird einen Teufel tun sich entschlossen und heroisch in die Fortsetzung dieses mörderischen Wahnsinns zu stürzen. Da zu mehr Heldentum und Opferbereitschaft aufzurufen ist nicht nur dumm und perfide, sondern zynisch und verantwortlungslos.

Gottlob sind die entscheidenden Player in diesem Krieg entschieden besonnener als die Volkssturmtrommler  und russophoben Wortverdreher der hiesigen “Qualitätspresse” –  wie man der Pressekonferenz  der Minister Kerry und Lawrow sehr  gut entnehmen kann:
” Wir versuchen jetzt alles, was in der Macht der Diplomatie steht, um diesen Konflikt auf eine Weise zu Ende zu bringen, der in einem vereinten, nicht-konfessionellen, die Minderheiten schützenden, säkularen, ganzen Staat endet.”
Diese Worte des amerikanischen Außenministers könnten bestätigen, was Thierry Meissan in seiner Analyse vermutet: “Das Treffen der Internationalen Gruppe zur Unterstützung Syriens scheint zu bedeuten, dass das Weiße Haus wieder das Heft in die Hand nimmt auf Kosten der „Neokonservativen“ und der „liberalen Falken“…. Es scheint, dass das Weiße Haus die Absicht, Syrien zu zerstückeln, aufgegeben hat und mit dem Kreml übereingekommen ist, das französisch-britische Vorhaben der Errichtung eines Pseudo-Kurdistan im Nord-Osten des Landes zu verhindern.”

Deutlich pessimistischer schätzte – vor der Münchner Konferenz –  der Saker die Lage ein: “Die letzten Meldungen legen meiner Meinung nach nahe, dass das Weiße Haus entschieden hat, die Türkei und Saudi-Arabien in Syrien einfallen zu lassen.”  Heute melden die Nachrichten, dass Sultan Erdogan von der türkischen Seite der Grenze weiter nach Syrien feuern läßt.  “Russia Insider” vermutet dahinter allerdings nur einen Bluff, weil weder Türken noch Saudis ohne ein Okay Washingtons  in Syrien einmarschieren. Wenn die Wünsche einer Landnahme durch den  Groß-Osmanen Erdogan und der  Etablierung einer salafistischen Region in Syrien/Irak  durch die Kopf-ab-Saudis von der Agenda der USA tatsächlich gestrichen sind, wenn also die Vereinbarungen von Genf umgesetzt und jetzt alle bewaffneten Islamisten auf syrischem Boden bekämpft werden, ist der Spuk des “islamischen Staats” schnell beendet. Dass mittlerweile auch der apostolische Vikar des Papstes in Aleppo das russisch-syrische Vorgehen begrüsst, sollte allen Verteidigern des christlichen Abendlands jedenfalls mehr zu denken geben als das hysterische Putin-Bashing der hiesigen “Lückenpresse”….

5 Comments

  1. Ich bin mir gar nicht sicher, ob die Schmierfinken der MSM wirklich russophob oder bellizistisch sind. Denn das würde ja bedeuten, dass sie einen eigenen – wenn auch bescheuerten – Standpunkt hätten. Aber damit belasten sich solche Leute nicht, das hält nur auf. Ich denke, es sind einfach opportunistische Karriereristen in der guten alten Tradition von Reichsschrifttumskammer oder DDR-Journalistenverband. Diese Edelfedern hetzen so lange, bis die Herrschaft etwas anderes bestellt oder jemand den Stecker zieht. Abo kündigen könnte auch helfen.

     
  2. Man kann nur hoffen, dass sich die beiden “Grossen” in diesem Spiel jetzt zusammengerauft haben, die Russen die als “moderate Rebellen” getarnten Islamisten aus Aleppo vertreiben und den IS-Versorgungs-Highway in die Türkei dichtmachen. Dann ist zwar der Krieg noch nicht zu Ende, aber zumindest der “islamische Staat”. Wie es dann weiter geht in Syrien, ob Bashir “Fassbombe” Assad sich zur Wiederwahl stellt oder ins Exil geht. Ob es den dann notwendigen UN-Friedenstruppen gelingt, den Wiederaufbau eines säkularen Syriens und Iraks zu bewerkstelligen, muss sich zeigen. Aber das Bomben und Morden hätte ein Ende und die Flüchtlinge könnten in ihre Heimat zurückkehren. Deshalb kann man der aktuellen syrisch/russischen Offensive nur Erfolg wünschen… und die Hetzer und Hysteriker der “Qualitätspresse” zum Teufel

     
  3. ha,ha…was für ein Schmierentheater. Putin trifft Entscheidungen genauso wenig wie Merkel welche trifft oder Obama. Das sind doch alles nur Schauspieler, genauso übrigens wie Hitler einer war, der auch nur den Diktator gespielt hat. Auch er hat keine Entscheidungen getroffen. Die Großindustrie, wie es früher hieß, bzw. der militärisch industrielle Komplex, wie es heute heißt, bzw. die Menschen, denen es gehört, treffen Entscheidungen und Politiker, egal in welchem Land und egal von welcher PArtei, müssen diese nur glaubhaft auf der politischen Bühne vorspielen. deswegen übrigens auch der Begriff “politische Bühne” Es ist nur ein Theater. sich darüber den Kopf zu zerbrechen, macht genauso wenig Sinn, wie sich den Kopf über den letzten Tatort zu zerbrechen.

     
  4. “Der grosse Diktator” (1940) wurde von Charlie Chaplin gespielt. “Der Diktator” (2012) von Sacha Baron Cohen.
    Ansonsten Zustimmung: Politiker für Entscheider zu halten ist albern.

     

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