Birdie Sanders fliegt…

Seit dem Osterwochenende pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Bernie, Bernie, Bernie! Der Senator gewann die Vorwahlen in Alaska, Hawaii und Washington haushoch und während einer Rede in Portland/Oregon flog ein Spatz auf die Bühne, das Publikum lachte, Sanders unterbrach und der Vogel setzte sich für einen Moment direkt vor sein Mikrofon (Video hier). “Ich weiß, dass das keine Taube ist, aber dieser kleine Vogel steht für den Weltfrieden. No more wars!” Und nicht nur der Saal jubelte, sondern auch die sozialen Medien, in den sich die symbolische Szene in Windeseile verbreitete – und Sanders nicht nur weitere Wählerstimmen zutreiben wird, sondern vermutlich auch dafür sorgt – wie ein Kommentar vermerkte – dass Hillary für ihre nächste Rede wohl schon Tauben gemietet hat…  Als Sven mich vor einigen Wochen, nach den ersten Erfolgen Bernies, auf unserem Blog zum Buch fragte, ob sich Sanders  nicht auf dünnem Eis bewegt, weil ihn ein irrer Einzeltäter aus dem Rennen nehmen könnte, sah ich für einen neuen Lee Harvey Oswald keinen Bedarf, weil über den Kandidaten nicht von den Wählern, sondern letztlich von den Funktionären der Partei entschieden werden, die als “Superdelegierte”  das Wählervotum überstimmen können.  Was sie freilich noch nie getan haben in der Geschichte. Es bleibt also spannend und nachdem einer der zuverlässigsten US-Demoskopen nach den vorliegenden Umfragen voraussagt, dass Bernie alle noch ausstehenden Vorwahlen gewinnen wird, denke ich mittlerweile auch, dass er gefährlich lebt. Zumal Sanders in den Umfragen zur Präsidentschaftswahl sehr viel deutlicher vor Trump liegt als Clinton – und er wegen massenhafter Kleinspenden mehr Wahlkampfgeld als Hillary akquiriert. Und riesige Stadien für seine Auftritte mieten kann und  – anders als Clinton – Zehntausende meist junger WählerInnen begeistern, was auch die orchestriert auf Clinton/Trump fixierten Leitmedien dazu zwingt, dem “Außenseiter” endlich faire Sendezeit einzuräumen. Was seiner Kampagne für die entscheidenden Abstimmungen in Kalifornien und New York (im April bzw. Juni) weiteren Auftrieb geben dürfte. Und auch wenn Bernie keine echte Friedenstaube, sondern nur ein Spatz ist… man kann nur wünschen, dass er weiter und noch höher fliegt. Und am Leben bleibt…

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7 Comments

  1. Er sagt nicht, dass Sanders alle Vorwahlen gewinnen wird, sondern dass er die nächsten 8 gewinnen wird. Inkl. der 3,die er gestern gewonnen hat.

     
  2. Das ist der definitive Test: Sollte Sanders die Wahl, und zwar nicht nur die Vorwahlen, gewinnen und lebend überstehen – sollte er weiterhin einige seiner Wahlversprechen wahrmachen, dann sind die U.S. eine Demokratie (und zwar eine bessere als so manche “sozialdemokratisch” regierte europäische Staaten).

    Falls nicht, dann höchstwahrscheinlich nicht.

    Der GAU wäre sein Tod als Präsident oder siegreicher Kandidat: Dann würde auch den allerletzten Hillbillies aus Montana klar, in welcher Staatsform sie lebten.

     
  3. Präsident wird Trump, wer etwas anderes glaubt hat das System nicht verstanden.

    Killary Clinton ist heutzutage nach Clinton, Bush und Obama obsolet, da steht nichts mehr dahinter, und Sanders braucht man gar nicht zu diskutieren.
    Ein heuchelnder Sozialdemokrat als Präsident?

    Trump scheint anti-Establishment und unberechenbar, aber das ist ein kompletter Trugschluß daß er deswegen nicht Häuptlingsdarsteller wird. Im Gegentum.
    Er scheint ein Clown, aber auch Reagen war eine Art Clown.
    Und er ist *der* Clown mit dem schlicht *alles* geht.
    Inhaltlich stehen Sanders und Clinton für nichts, Trump für alles im Sinne einer Wild Card.
    Die starken Reden dürfen da nicht drüber weg täuschen.

     
  4. nur falls es hier Missverständnisse gibt:

    persönlich würde ich Sanders wählen und mich freuen daß so jemand es bis dahin geschafft hat, aber ich würde weder von Ihm viel erwarten noch erwarten daß er überhaupt Kandidat wird, geschweige denn gewinnt, geschweige denn als Präsident dann mehr reissen würde als Obamas “Change we can believe in” – schon vergessen?

    Trump ist ein dummer Egomane aber er wird es, und er wird tun was immer der Apparat anpeilt, der nicht nur aus mächtigen Eliten sondern eben auch aus tausenden Wasserträgern besteht die nun mal im Sinne ihrer Agenda weiter machen werden wie ein Öltanker, unstopbar.
    Egal ob Trump oder (hahah) Sanders oder(oh Gott) Clinton.

    Als Präsident kann man da nur von Board springen wie Kennedy (Scherz).

     
  5. Für den Rest der Welt währe Sanders die bessere Wahl, doch der Apparat im Amiland tickt da anders. Ich denke auch, dass sie Trump zum Pausenclown machen werden. Er verkauft sich halt besser als die Geierwally Hillary. Ich glaube kaum, dass die Strippenzieher Sanders mit seinen Plänen gebrauchen können, und ja er hätte nicht mehr lange zu leben.

     
  6. Bisher konnte nur Präsident werden, wer dem Narzismus in ‘Gods own country’ genug Futter gegeben hat, sprich er musste sich in seinen Reden immer irgendwie auf Gott beziehen. Dieses Vöglein ist vermutlich ‘das Vöglein an der Waage’ fuer Sanders. Ein ‘göttliches Zeichen’..
    Es ist anzunehmen, das Sanders dann ermordet wird. Allerdings ist ein Bürgerkrieg dann auch sehr wahrscheinlich, da sich die Zustände für die 99 Prozent bei einem “weiter so” zunehmend verschlechtern werden. Rom lässt grüßen 😉 ( One Empire has gone, the second must fall.)

     
  7. … göttliches Zeichen …

    ja, mein erster Impuls war auch
    “Eywa hat dich erhört!”
    (Szene aus dem Film “Avatar”)

    wenn selbst die Natur für ihn spricht 🙂

    (könnte er eigentlich, sobald die ‘Demokraten’ Hillary lieber wollen, trotzdem als Unabhängiger antreten?)

     

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