Der “Panzerbär” ist wieder da

Das Vorwahl-Spektakel in den USA bleibt spannend: Donald Trump führt bei den Republikanern haushoch, Hillary Clinton hat in Oregon, West Virginia und Indiana verloren, liegt aber wegen des dubiosen “Superdelegierten”– Systems immer noch deutlich vor Bernie Sanders. Der müßte alle ausstehenden  Abstimmungen mit 90% Abstand gewinnen, um  mehr Stimmen zu bekommen als Clinton, was unwahrscheinlich ist. Doch auch wenn Bernie das nicht schafft, könnte der demokratische Konvent ihn am Ende zum Kandidaten machen – weil nur er  in der Lage ist, gegen Trump zu gewinnen. Denn Clinton liegt schon aktuell in den verschiedenen Umfragen hinter Trump, ein Rückstand,  an dem sich wenig ändern wird, wenn sie weiterhin einen Wahlkreis nach dem anderen gegen Sanders verliert – oder wie zuletzt in Nevada nur mit Tricks so hauchdünn gewinnt, dass es stark nach Schiebung riecht. Dass Bernie nicht aufgibt, hat einen guten Grund: er ist in nahezu allen demographischen Schichten beliebter als Hillary und würde Trump klar schlagen. Die von den Clintons auf “War” und “Wallstreet” getrimmte demokratische Partei könnte das freilich ebenso zerreißen wie bei den Republikanern die Nominierung von Trump. In diesem Fall haben die ersten Hardcore-Neocons schon angekündigt bei der Wahl für Clinton zu stimmen. Zwei Außenseiter von rechts und links mischen also das Parteienestablishment mächtig auf, und ginge es bei diesem Spekatkel um echte Demokratie wären Sanders und Trump eindeutig die Kandidaten. Geht es aber nicht, weshalb wir uns traurig abwenden, um in den Untiefen der deutschen Lückenpresse zu entdecken:

Der “Panzerbär” ist wieder da. Das in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs in sieben Ausgaben erschienene “Kampfblatt für die Verteidigung Gross-Berlins” wurde zwar nicht neu aufgelegt, doch jetzt hat es die FAZ übernommen, Gastbeiträge im Geiste dieser Frontzeitung unredigiert zu drucken. “Wann raffen wir uns endlich auf ?” fragt ein Landser der ganz alten Schule, Wolf Poulet, und führen statt “perpetuierter Gutmenschlichkeit” und „2.0-Abbitte für Adolf Hitler“ endlich wieder ordentliche Angriffskriege ? Wer in unserer “friedensverstiegenen Generation” sorgt dafür, dass die Bundeswehr endlich ihre  “ca. 4500” Panzer wieder kriegt, die sie im Kalten Krieg vor 1989 befehligte: “Heute sind es noch zwischen 225 und 300”. Klar, dass Gross-Berlin damit nicht zu halten sein wird, gegen die aggressive Übermacht der  Roten Armee von Stalin aka Putin.  Und gegen die Islamisten überall, und die ganzen Flüchtlinge. Halb Afrika sitzt schon auf gepackten Koffern! Und das nur, weil Westerwelle und Merkel “durchdrungen von ihrer Friedensneigung” den Libyen-Einsatz verweigerten, und an der “Seite von Russen und Chinesen für Enthaltung stimmten.” Was soll man von einer Pfarrerstochter und einem Homo auch erwarten, außer dass sie mit dem Iwan und den Schlitzaugen paktieren und  die Alliierten “desavouieren” – bei ihrem großartigen Libyen-Einsatz, dank dem jetzt der IS und Al Qaida in Tripolis regieren. Mit 4500 Bundeswehr-Panzern (Rommel 2.0!) wär’ das natürlich nicht passiert.  Zudem würde der “Abbau der unspezifischen Friedensverstiegenheit” zu Hause zum Aufbau  der  “nationalen Verteidigungsfähigkeit” beitragen und verhindern, dass  “Parteien mit verquaster chauvinistischer Heilslehre” an die Regierung kommen. Wer also Pegida & AfD verhindern will, muss die Abbitte für Adi einfach mal stecken lassen und wieder ein paar ordentliche “Kampfeinsätze” hinlegen.  Mit Hitlary als voraussichtlicher Präsidentin wird es auf jeden Fall reichlich Gelegenheit geben…

6 Comments

  1. Schön, dass unsere älteren Herren mal wieder aus dem Kreuz kommen, und in schickals-härteren Zeiten das Verhältnis USA-Europa-Deutschland als das beschreiben…was es ist :
    Herr Puntila und sein Knecht Matti

     
  2. Nicht nur in Nevada wurden zumindest “Wahlbeugung” zugunsten von H.Clinton betrieben, sonden auch in Kentuky, was die MSM (auch in D.) tunlichst verschwiegen.
    Am Morgen nach der Kentucky-Wahl meldeten die Nachrichtenagenturen und erste Zeitungen:
    “Democratic primary between Clinton and Sanders too close to call => also Unentschieden!!!

    Die Begründung lautete:
    “The latest results, with 99 percent of precincts reporting, show Hillary Clinton with 212,549 votes and Bernie Sanders with 210,626. A difference of less than 2,000 votes. A deciding factor in the race is over 24,000 uncommitted votes.”
    http://www.wsaz.com/content/news/AP-Ky-Democratic-primary-between-Clinton-and-Sanders-too-close-to-call-379886561.html

    Es ist für jeden Beobachter mit einem Minimum an Statistik-Kenntnissen klar, daß bei einer Differenz von weniger als 2.000 Stimmen bei mehr als 24.000 unbestimmten Votes eine Zuweisung eines Siegers unseriös ist.

    Trotzdem reklamierte Hillary Clinton und die dem. Partei-Bürokraten im Laufe des folgenden Tages den Wahlsieg fälschlicherweise für sich…. und die meisten Mainstream-Medien (incl. dem Spiegel) folgten ihr kritiklos.
    “The AP reports that Clinton and Sanders will each pick up at least half of Kentucky’s delegates.
    Kentucky Secretary of State Alison Lundergan Grimes declared Clinton the unofficial winner”.
    https://berniesanders.com/press-release/statement-nevada/

    Nach Abschluß der Wahlen, überlegte Sanders wegen dem knappen Ausgang eine Nachzählung in Kentucky zu fordern, was gemäß Wahlordnung durchaus berechtigt war.
    “Sanders spoke after the polls closed … and after Clinton ended up with a razor-thin edge in the unofficial vote tally there. The Sanders campaign said it would decide on Wednesday whether to seek a recount.”
    (Quelle s.o.)
    Dies wurde von der demokratische Partei-Organisation jedoch aus Kostengründen abgelehnt !!

    Man kann übrigens die Argumentation des Autors bezuglich des Ausgangs der Vorwahlen auch umdrehen:
    Es ist nach den letzten demokr. Vorwahlen klar, daß Clinton bis zum Wahlparteitag KEINE Chance mehr hat, die 2383 Delegieren (ohne Super-Delegierte)aus EIGENER KRAFT zu erreichen.
    Dazu müsste sie 614 der noch offenen 930 Wahlmänner gewinnen, dies ist nach den bisherigen Wahlumfragen völlig utopisch!!
    http://www.nytimes.com/interactive/2016/03/30/upshot/clinton-sanders-delegate-calculator.html

     
  3. Was den US-Vorwahlkampf betrifft, gibt es auch eine andere Theorie, nämlich dass beide – Sanders und Trump – Hillarys Wahl ermöglichen sollen. Fakt ist: Seit Kriegsende wechselten sich stets (in regulären Wahlen, nicht bei vorzeitigem Wechsel wie bei Kennedy u. Nixon) Demokraten und Republikaner nach einer oder zwei Amtszeiten ab. Denn die Stimmung & die Hoffnungen beim Wahlvolk wechseln hin und her. Mit einer Ausnahme: Bush sen. folgte auf Reagan. Das war 1989 und in der kritischen Endphase des Kalten Krieges war der Ex-CIA-Chef wohl der gewünschte Garant für Kontinuität in heikler Zeit.

    Jetzt will die Wallstreet und Neocon-Elite Hillary, aber eigentlich wäre nach obiger Beobachtung mit einem Wechsel zu den Reps zu rechnen. Was tun? Der Kandidat der Reps (Trump) gewinnt mit übertriebenem Zirkus die Vorwahlen, ist aber für die durchschnittliche Mehrheit der Wähler dann zu radikal und schrill. Hillary ist als Establishmentfrau eigentlich unbeliebt, aber im Vergleich zu Sanders wirkt sie – nun ja – jünger und sie muss sich die Kandidatur scheinbar hart erkämpfen, was ihren belastenden Elitenbonus beim Wahlvolk mildern und ihr Sympathiepunkte bringen soll.

    Ich weiß nicht, ob da was dran ist, wir werden es ja im Herbst sehen.

     
  4. @Stefan am 23.5,:
    Das sehe ich genauso. Das Kalkül ist: Weder Trump der unseriöse Spinner, der Klapskanther, der Hofnarr noch der Gottseibeiuns!! Commie Sanders taugen letztlich zum Präsidenten. Dann schon eher die einer aus mit allen Wassern gewaschenen und lang erfahrenen Politikerkaste entstammende (diesmal alternativ: Frau!) Hillary Clinton.
    Aber letztlich alles egal, alle drei hätten im Falle eines Falles nach bestimmten Pfeifen zu tanzen – immer den”Grassy Knoll” im Hinterkopf.
    Was bei Hille allerdings überhaupt kein Problem ist.

     
  5. Bei den US-Vorwahlen wird ein Faktor immer wichtiger und vermutlich sogar entscheidend: es verdichten sich die Anzeichen, dass das FBI dem Justizministerium eine Anklage Clintons vorschlagen wird.

    Gerade jetzt kommt die Meldung, dass der rumänische Hacker Guccifer, der Clintons Server gehackt haben will und in FBI-Gewahrsam ist, auf schuldig plädieren wird. Was auf einen Deal hindeutet, bei dem Guccifer, sich selbst natürlich dabei belastend, auspackt.

    Paul Thompson hat sich wegen der Sache zurückgemeldet und eine eigene Timeline zum Clinton-email-Skandal erstellt. Auch er sieht ziemlich schwarz für Clinton.

    http://thompsontimeline.com/The_Clinton_Email_Scandal_Timeline

     
  6. > Hillary liegt aber wegen des dubiosen
    > “Superdelegierten”– Systems immer noch
    > deutlich vor Bernie Sanders

    gar nicht dubios. prominente demokraten dürfen halt abstimmen wie sie wollen. zweitens: hillary hat 3 mio. mehr stimmen als sanders geholt. broeckers vergisst zudem zu erwähnen, dass ein superdelegierten-system auf seiten der republikaner trump verhindert hätte. somit wäre der partei ein faschistischer sexist und daher unwählbarer kandidat erspart geblieben. paul ryan überlegt gerade, einen derartigen mechanismus für 2020 einzuführen.

     

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