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May, 2016

Timothy Leary (1920-1996)

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AsahiTimothyLearyHeute vor 20 Jahren starb Timothy Leary. Letztes Jahr schrieb ich für  das Magazin “Lucy’s” über James Penner’s  Buch: „Timothy Leary – The Harvard Years. Early Writings on LSD and Psilocybin with Richard Alpert, Huston Smith, Ralph Metzner and others“ einen längeren Artikel, hier ein kurzer Auszug:

“Er war der „Staatsfeind Nr.1“ für den US-Präsidenten Richard Nixon – und der Hohepriester und Lehrmeister für die Gegenkultur der 1960er Jahre; er wurde gejagt, gefangen und in Einzelhaft gehalten – und er wurde gefeiert, verehrt und inspirierte die Massen. Er war Provokateur, Politiker und Popstar – und er war Psychologe, Philosoph und Pionier der Bewusstseinsforschung. Dies alle und einiges mehr war Timothy Leary und gäbe es eine Wahl der schillerndsten und einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, das 1920 in Springfield/Massachusetts geborene Multitalent gehörte sicher auf einen der vorderen Plätze. Wobei „umstritten“ noch eines der neutralsten Prädikate wäre, die ihm die Mainstream-Medien anheften.

Von den Historikern der Zukunft wird seine Person einst als einer der wichtigsten kulturrevolutionären Kristallisationspunkte des 20. Jahrhunderts eingestuft werden. Denn nicht umsonst rief die Nixon-Regierung den flüchtigen Ex-Harvard-Professor zum Staatsfeind Nr. 1 aus, nicht umsonst brummte man ihm für ein paar Gramm Marihuana dreißig Jahre Gefängnis auf, von denen er fast acht Jahre absaß, nicht umsonst wurde er als “Verderber der Jugend”, “LSD-Papst” oder “CIA-Agent” verrufen – denn niemand anderes als Leary hatte die revolutionärste und subversivste Parole des Jahrhunderts ausgegeben: tune in (stimme dich ein, werde dir deiner Programmierungen und Prägungen bewußt), turn on (erweitere dein Bewußtsein), drop out (stelle jede Realität und Autorität in Frage).

Schon Ende der 50er Jahre hatten die Schriftsteller Aldous Huxley und Arthur Koestler diskutiert, auf welchem Wege das chemische Wunder der Bewusstseinserweiterung gesellschaftlich am besten wirksam zu machen sei; als der smarte Harvard-Psychologe Leary zu ihnen stieß, glaubten sie, den richtigen Mann für ihre Strategie – die Missionierung der Eliten, der Staats- und Industrieführung und der Intellektuellen – gefunden zu haben. Doch Leary beschränkte die Weitergabe seines Wissens und des (damals noch legalen) LSD nicht auf Professoren und Führungspersönlichkeiten – er ermunterte alle Studenten, zum Operator ihres Gehirns zu werden. Deshalb schalt seinem Namen bis heute der Ruf “unverantwortlich” nach, auch wenn Leary niemals vergaß, auf die Grundregeln für erfolgreiche psychonautische Reisen – die strenge Beachtung von set und setting, von Gefühlslage und Umgebung – zu verweisen. Learys Propaganda für die psychedelische Erfahrung hätte eine systematische medizinische und therapeutische Erforschung unmöglich gemacht und überhaupt erst zu den Verboten dieser Substanzen geführt, klagen bis heute manche akademische Vertreter. Auch Albert Hofmann, der Entdecker des LSD, hat kritisiert, dass Learys Profanisierung dieser „sakralen“ Substanz unverantwortlich gewesen sei – sich aber gleichwohl mit dem berüchtigten Professor immer sehr gut verstanden. Was einerseits bei dem intelligenten und humorvollen Charakter Learys kein Wunder war, andererseits aber auch seiner bedeutenden Rolle auch angemessen ist. Ohne Learys Popularisierung der Bewusstseinserweiterung hätten viele der kulturrevolutionären Impulse der sechziger Jahre (“Summer of Love”, “68”) niemals gezündet, wäre das “Sergeant Pepper”-Album der Beatles, die Keimzelle heutiger Popmusik, so nicht entstanden, wären Kommunen und Kollektive im insektoiden Mao-Murximsus steckengeblieben, hätten weder die “Rainbow Gatherings” der 70er, noch ihre Folgeerscheinungen wie “Greeenpeace” oder die “Grünen” solche Bedeutung erlangt. Als Impulsgeber für die (Gegen-)Kultur des ausgehenden 20. Jahrhunderts kann Tim Leary insofern kaum überschätzt werden.(…)

Dass die mit der Kriminalisierung von Psilocybin und LSD in den Untergrund verbannte Erforschung psychedelischer Bewusstseinszustände mittlerweile auch im akademischen und klinischen Bereich wieder eine Renaissance erlebt, macht diese frühen Versuche einer Kartographierung dieses unbekannten Kosmos über ihre historische Bedeutung hinaus wichtig. Die heiligen Pilz und das LSD, die dem Psychologen Dr. Timothy Leary die Augen öffneten, weil sie einen Blick in den Weltraum der Seele ermöglichten, werden von der Wissenschaft vorsichtig wiederentdeckt. Das Potential, das Leary und seine Kollegen diesem bio-chemischen Teleskop in die Dunkelkammer des Gehirns vor mehr als einem halben Jahrhundert zusprachen, wird von den neuen Ergebnissen durchaus bestätigt: in der Vorbereitung auf das Sterben, bei der Behandlung von post-traumatischen Störungen oder von Autismus und ganz grundsätzlich zur therapeutischen Förderung von Einsichten in das eigene „Selbst“. Insofern ist es durchaus an der Zeit, dass sowohl „Einsteiger“ als auch langjährige Forscher hinter der schillernden Figur Timothy Leary den ernsthaften Wissenschaftler und Pionier der Bewusstseinsforschung wieder entdecken, was mit James Penners hervorragend kommentierter Edition jetzt möglich ist. Von dem „wissenschaftlichen“ Leary sollte sich dabei niemand schrecken lassen, denn auch schon aus diesen frühen akademischen Schriften atmet der Geist und die grundlegenden Prinzipen, die seine Existenz geleitet haben. In seinem nach seinem Tod 1996 erschienen „Totenbuch“ hat er es so formuliert: “Bewahren Sie Ihren Humor. Befolgen Sie die Gesetze der Leichtfertigkeit. Denken Sie. Stellen Sie Autorität in Frage. Feiern Sie das Chaotische. An Erkenntnis und Verständnis gewinnen ist ein Mannschaftssport. Sei es Leben oder Sterben… tun Sie´s immer mit Freuden.”

Update: Rechtzeitig zum Todestag ist Tim Learys letztes, posthum erschienenes Werk – ein teure Rarität in den Antiquariaten –  wieder als e-Book erhältlich: “Chaos & Cyber-Kultur – Mit Beiträgen von William Gibson, Winona Ryder, William S. Burroughs, David Burne”.

Erinnert sei auch an den Anfang des Jahres verstorbenen Computer-Artisten und Kooperationspartner Bernd Brummbär, der seinem Freund auf einem  Videotrip in die Fraktale auf die Spur ging: “Where in The Universe is Timothy Leary ?”

Kommentare

8 Kommentare zu “Timothy Leary (1920-1996)”

  1. Stefan Miller am 31.05.2016 um 12:51 Uhr 

    Timothy Leary und Ram Dass waren CIA Agenten beauftragt die LSD unter die Studenten zu bringen. Leary hat keinen Tag im Gefängnis verbracht. Lesen Sie die Wikipedia-Seite. Wie kommen Sie überhaupt auf 8 Jahre? Er wurde 1965 mit etwas Hash erwischt und zu 33 Jahren verurteilt (wo der doch früher schon LSD um sonst an Studenten verteilte), was aber 1969 wieder aufgehoben wurde, dann wurde er Juni 1970 nochmal verurteilt, diesmal für 10 Jahre und ist im September 1970 aus dem Knast geflohen mit Hilfe der Weathermen. Ergibt das einen Sinn? Solche Geschichten werden ebenfalls von der CIA inszeniert, um ihren Agenten mehr glaubwürdigkeit zu verleihen. Oder die Chicago Eight (oder auch Seven) Prozesse, wo T.Leary als Zeuge auftrat. Und die Merry Pranksters (falsche Hippies, die z.B. LSD verseuchte Brause auf unbeteiligte warfen) nicht zu vergessen. Das alles wurde von der CIA organisiert, um die damals wirklich gefährliche weil noch saubere Hippie-Friedensbewegung zu diffamieren und die Hippies als schmutzige, faule, drogensüchtige und gefährliche Chaoten zu prägen.

     
  2. Obi am 31.05.2016 um 13:57 Uhr 

    Ach Miller, Tim Leary war doch gar keine reale Person, sondern nur ein Schauspieler, der Leary spielte; auch der CIA-Direktor, der ihn einstellte, war ein Schauspieler und in keiner Weise echt; und die Studenten, die von “Leary” in Harvard (Schauspielschule!) unterrichtet wurden, waren bezahlte Statisten; er saß auch keine Minute im Knast, sondern natürlich nur in den Kulissen, die einen Knast darstellten, weshalb ihn die Terroristen-Schauspieler auch so leicht befreien konnten. Er ist dann auch nur zum schein nach Afghanistan und in die Schweiz geflüchtet, eigentlich aber saß erdie ganze Zeit in Langley/Virginia , lachte sich ins Fäustchen und trank “verseuchte Brause”. Beziehungsweise ein Placebo, denn die Brause war natürlich nicht echt. Kuckst du Wikipedia weißt du voll Bescheid!

     
  3. Stefan Miller am 31.05.2016 um 14:36 Uhr 

    obi, weil ich gerade etwas Zeit habe, lasse ich Ihre Polemik nicht unbeantwortet. Wenn ich Schauspieler schreibe, meine ich Menschen, die unter Vertrag stehen und sich nach vorgegebenem Skript verhalten. Sie spielen Rollen, wie die Schauspieler in Filmen nur werden sie uns nicht als solche präsentiert. Ich werfe CIA, Hollywood, Mainstreammedien und sogar das Millitär mitsamt der NASA gern in den selben Hut. Warum? Weil sie alle selben Ursprungs sind und die Aufgabe verfolgen, uns mit einer falschen Realität zu umhöllen, damit wir verängstingt und gehorsam jeden Tag fleissig zu Arbeit gehen deren Früchte wir uns von ihnen dann zum großen Teil abnehmen lassen. Die Bienenanalogie läßt sich schwer leugnen. Learys-Biographie liest sich für mich wie ein klassisches CIA-Drehbuch, einige Ungereimheiten habe ich genannt, aber natürlich bei weitem nicht alle. Wenn Sie dagegen argumentieren können, dann raus damit, aber hören Sie bitte auf, mit solch dämlichen Geschwätz. Was soll das bewirken? Sie machen sich damit selber nur lächerlich.

     
  4. Ben Roth am 31.05.2016 um 21:52 Uhr 

    Ich mach’s ganz kurz: Wer Timothy Leary, Ram Dass oder jeden anderen Fürsprecher der psychedelischen Erfahrung für eine Marionette der Mächtigen hält, hat solche Erfahrungen selber noch nie gemacht. Sonst wüsste er wie unsinnig eine solche Idee ist.

     
  5. required am 31.05.2016 um 22:45 Uhr 

    “Stefan Miller” ist nicht echt Leute, das ist ein gefälschter Diskordianer der das Blog in Verrufung bringen soll.
    Nicht drauf eingehen.

     
  6. Obi am 01.06.2016 um 10:20 Uhr 

    @Required: Ich glaub, der ist ausnahmsweise echt, denn so paranoid verstrahlt daher zu kommen, wäre jedem Drehbuchautor für seinen Schauspieler zu plump.

    @Ben Roth: Genau so ist es! Wenn Blinde von Farben reden muss man nicht zuhören, sie haben keine Ahnung…

     
  7. Stefan Miller am 01.06.2016 um 12:26 Uhr 

    Ben Roth: welche Erfahrungen meinen Sie? Mit LSD? Das ist ein chemisches Gift, was Störungen im Gehirn verursacht, was wiederum zu Halluzinationen führt. Das sind dann keine Erfahrungen sondern Wahnvorstellungen. Verstehen Sie die Distinktion?

    @required: ein Contrarianer und kein Diskordianer. Meine Argumente sind recht klar nachvollziehbar und niemand traut sich, diese zu widerlegen? Statt dessen wird alberne Polemik betrieben wie im Fall von obi.

    @Herr Bröckers: mein letztes Kommentar kam nicht durch. Warum das denn?

     
  8. Lim Teary am 01.06.2016 um 13:22 Uhr 

    @Miller: “LSD erzeugt psychotisches Verhalten in denen, die es nie genommen haben!” Terence McKenna

     

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