Die Angst vor dem Frieden

Eine “altehrwürdige” journalistische Institution ist die 1785 gegründete Londoner “Times” ja spätestens nicht mehr, seit sie 1981 dem Murdoch-Konzern einverleibt wurde. Aber bisweilen scheint sie dann doch noch der Wahrheit verpflichtet, wobei man bei dieser Headline nicht weiß, ob sie nicht doch unfreiwillig zustande gekommen ist. Denn wer kann überhaupt Angst vor dem Frieden haben, wessen Ängste wachsen durch Friedensverhandlungen, wer entspannt sich wenn Aggression und Krieg herrschen ? Es sind die Kriegstreiber und Waffenhersteller, die Privatarmeen und Terrorsöldner, die Invasoren und Aggressoren, kurz: alle, für die Krieg und Terror ein Geschäft ist. Aber auch nur für die. Für alle anderen – also den Rest der Welt –  sind  Verhandlungen über Abrüstung, Deeskalation und Frieden ein Segen. Dass sie nicht diese Hoffnungen befeuert, sondern die Angst um schwindende Kriegsprofite zum Thema macht, zeigt was die “Times” hier macht. Es ist der Militärisch-Industrielle-Medien-Komplex at work….

12 Kommentare

  1. Gut gesehen , Broeckers, thanks fuer “aha” , denn hier am vergessenen Axxx der welt , Salomonen, krieg ich ja nicht so viel mit. thanks.

  2. “Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind,
    wir sehen sie so, wie wir sind.” Anaïs Nin

    Es beißen sich verschiedene Auffassungen und Einschätzungen
    das Verhältnis Trump-Putin (USA -Russland ) betreffend
    1.
    Trump sei amerikanischer Patriot…der den „Swamp“…also die US-Mafia aus MIK- Medical-Media-Educational Komplex trockenlegen will…und gute Beziehungen zu Russland anstrebe im Unterschied zur „Hitlery Clinton“

    2.
    Trump habe im Amt erkennen müssen…dass er nichts ausrichten kann…und er habe jetzt mehr Generäle und Falken ( Neo-Cons & War-Mongers) im Kabinett als Obama…alle wollten einen „Show-Down“ mit Russland

    2.
    Trump sei von der „Globalisten“ gesteuert…
    die den Planeten zwar amerikanisieren wollen,
    dabei aber die Zerstörung Amerikas als Verfassungsstaat billigend in Kauf nehmen… oder diese Zerstörung gezielt betreiben….zu Gunsten Top-down administrierbarer Großräume mit Mergers von z.B. Kanada-USA-Mexiko.

    Diese Globalisten würden Russland-und China massiv aufrüsten…die USA hingegen massiv „abrüsten“ (durch Überschuldung und Überdehnung des US-Empire )
    um eine Bühne für eine direkte Militärkonfrontation der Mächte zu bauen
    Motto :
    Order out of Chaos = NWO = Die neue Weltordnung

    3.
    Trump agiere in totaler Abhängigkeit von Putin…dem an einer inneren Erosion der USA gelegen sei….weil er Amerika militärisch nicht direkt angreifen kann. Eine Erosion mit „ Cultural Subversion“ die Trump freiwillig-unfreiwillig umsetzt (Make America great again….im Ergebnis würde-wird Trump das genaue Gegenteil erreichen…mit einem finalem US-Bürgerkriegs-Szenario…das von den „Hintermännern“ auch so beabsichtigt sei

    4.
    Putin sei nicht Ex-KGB-Agent—sondern KGB-Agent ( Die Sowjet-Union sei nur zum Schein untergegangen ) und weil es ohne westliche Finanziers auch NIE zur russischen Revolution gekommen wäre ( War auch keine…sondern ein Putsch von Lenin ) würde Putin in der Rolle des „jetzt gewendeten russischen Nationalisten…der in Europa überall die Rechte finanziert…weiterhin das Spiel der Finanz-Oligarchie mitspielen….mitspielen müssen. Putin sei abhängig von BIS und IWF-und weil seine Rubelwährung weiterhin an den USA-Dollar gebunden ist, sei er deshalb auch nur eine „Schachfigur“. BRIC oder „Eurasische Union“ als Counterpart „ Nationaler Souveränitäten“ zur US-Hegemonie seien Seifenblasen… for public consumption

    Welche Einschätzung stimmt nun …oder welche noch unbekannte Einschätzung….stimmt oder stimmt auch ?

    1. @roc, gute Übersicht.

      Ich persönlich nehme Szenarien, die im Zusammenbruch des Ostblocks einen superschlauen Plan erkennen, nicht ernst.

      Zum einen, weil die Zustände dort -gerade auch in der UdSSR – tatsächlich sehr desolat waren und der Dogmatismus der ideologieverbohrten Gerontokraten in den Führungen nichtmal eine sachliche Analyse oder Kritik gestattete, schon gar nicht die Suche nach Auswegen. (Verbohrtheit geht auf Dauer nie gut, da ist der Westen mit seiner Flexibilität und ständigen Erneuerung meilenweit überlegen.)

      Gorbatschow kam für Reformen zu spät, er wollte durch den “Verkauf” des übrigen Ostblocks wenigstens die UdSSR retten, scheiterte damit aber auch. Denn der Osten war nicht nur im Innern marode, er hatte auch einen starken äußeren Gegner.

      Der Westen führte den Kalten Krieg, spätestens in Reagans 80ern, mit aller Härte. Diese Leute hätten sich mit einer reformierten Sowjetunion a la Gorbatschow nicht abgefunden, sie wollten offenbar mehr, nämlich sich Russland quasi einverleiben. (Ein sehr interessantes Kapitel, mit welchen – ökonomischen, geheimdienstlichen, psychologischen – Mitteln die Sowjets damals schachmatt gesetzt wurden. Vieles ist schon offiziell geschrieben und gesendet worden, aber mit Sicherheit gibt es noch einiges zu enthüllen.)

      Vor allem sollte man die Jelzin-Jahre in Russland nicht vergessen und dass sich das Land bereits auf den Knien befand. Die Reichtümer (Öl und Gas) waren bereits an Oligarchen mit Verbindungen zum Westen verhökert, westliche neoliberale Wirtschaftsberater hatten das Sagen, die Medien waren umgepolt, Industrie, Rüstung und Militär lagen am Boden, die Menschen verarmten. Im Prinzip hatte das neoliberale US-geführte Imperium sein Ziel fast schon erreicht, den “Jackpot” gewonnen. Ein “sowjetischer Geheimplan” war da beim besten Willen nicht zu erkennen.

      Putin kam gerade noch rechtzeitig und hat das Steuer rumgerissen: die Oligarchen vertrieben oder diszipliniert, die Medien kontrolliert, Rohstoffvorkommen reverstaatlicht, Industrie und Militär wieder aufgebaut, den Lebensstandard gehoben. Und ja, er tritt den USA auf der Weltbühne offen entgegen, indem er ihren Exzeptionalismus bestreitet und Multipolarität fordert.

      Was Trump betrifft: Ja, er hat wohl verstanden, dass sein Amt nur bedingten Einfluss besitzt und er sich einer übergeordneten Linie (die der “Permanenten Regierung” vielleicht?) fügen muss. Die Erinnerung an 1963 hilft Präsidenten, die das nicht einsehen wollen.

    2. @ roc on the rocks 29/06/2018 at 10:51

      “Pessoa said it best: ‘All is religion.'” (G. G. Preparata)

      [Thx for the Anais-citation, by the way]

      Es liegt doch auf der Hand, und ich muss nicht unken: Solange diejenigen, die vom heutigen Finanzsystem – welches ja nicht gerade vom wohl einzig und allein allgemeinverträglich erscheinenden Gedanken des ‘perishable money’ geleitet wird – profitieren/exorbitant und geradezu schwindelerregend und berauschend profitieren/, alle Schalthebel der Geschichte besetzt halten – und wo sie das tun und/oder nicht tun, gnadenlos, lieblos, herzlos und gemein zuschlagen (während sie dies mit ihrem lichtscheuen, mephistophelischen Geschmarre von nichtexistenten “Werten” dank der heute im Allgemeinen schon zuverlässig erreichten Debilität freilich erfolgreich zu kaschieren vermögen) -, werden wir alle als klägliche Verlierer hinter einem (nie zu erreichenden, höchstens hinter einem zu lassenden) “Verständnis” irgendwelcher, letzlich vollkommen irrelevanter Konzepte herjapsen (in denen zuverlässig dünnste, um nicht zu sagen leere Luft regiert).

      “Knowledge is a deadly friend,
      when noone sets the rules –
      the fate of all mankind, I fear,
      is in the hands of fools.”
      Pete Sinfield for ‘King Crimson’, late 60ies

  3. Das ist die Angst der Europäer vor Trumps, resp. der Politik der USA. Die Angst davor das man nur Mittel zum Zweck der USA ist, dass man belächelt und nicht ernst genommen wird und dass man gerade von Deutscher Seite, wieder mal auf das falsche Pferd gesetzt hat. Flintenuschi und all die anderen Scharfmacher, wie auch unsere MSM, sollten anfangen ihre Taktische Ausrichtung überdenken!

  4. Angst vor dem Frieden hat in der politischen Spitze der “freien Welt” eine gewisse Tradition: Berühmt war die Aussage des damaligen US-Außenministers General A. Haig, es gebe “Wichtigeres als den Frieden”.

    Wenn die “Times” solche Sorgen der Elite offen beim Namen nennt, sollte man ihr für diese Transparenz dankbar sein. Könnte bei der politischen Willensbildung und beim Gang zur Wahlurne helfen.

    Als alter “Aluhut-Träger” ist meine Befürchtung (ich hoffe, dass ich mich irre) aber noch eine ganz andere, nämlich dass es nicht nur die altbekannten Bellizisten und die Waffenindustrie sind, die den Frieden fürchten.

    Sondern – viel schlimmer – dass es auch Leute gibt, die sich vielleicht für Philantropen und Retter des Planeten halten und deren Ziel darin besteht, die Anzahl der hungrigen Mäuler um jeden Preis zu reduzieren (aber nicht etwa durch mehr Nahrung, sondern durch weniger Mäuler).

    Wenn es per “demografischer Sterilisation” klappt, wie im egoistisch-neoliberalen Westen (dem Nachwuchs zu teuer wird) dann sei es so, aber in weniger entwickelten Teilen der Welt mit hoher Geburtenrate ist Krieg ein probates Mittel und ein zünftiger Weltkrieg gar könnte die lästige Spezies Mensch aus der Perspektive solcher “Vordenker” ziemlich gründlich dezimieren. Wie gesagt – ich hoffe, ich irre…

  5. @Stefan
    29/06/2018 at 13:36

    Eine weitere wichtige Einfluß-Größe innerhalb der USA könnte daran bestehen, dass seit 100 Jahren die Masse der amerikanischen Steuermittel dem Militär zufließt….das weniger als 0,1 % der Bevölkerung ausmacht…aber regelmäßig über 50% des Haushaltsbudgets abgreift.
    Dafür wird
    1.
    für die eigene Bevölkerung keinerlei äußere “Sicherheit” produziert
    ( siehe offene US-Grenzen–9/11 -Conspiracy or not )
    2.
    von deren „Demokratie“-Kriegen hat die US-Bevölkerung auch rein gar nichts
    (Es gibt keine “Beute” die unter Ihnen verteilt würde ) Ein Audit…oder ein Rechenschaftsbericht der Mittelverwendung gibt es von Seiten des Pentagon….das selber nichts herstellt und ausschließlich „Private Contractors“ beauftragt… grundsätzlich auch nicht…mit ziemlich negativen Konsequenzen
    https://missingmoney.solari.com

    In den 3 gelinkten Interviews….kommt zusätzlich zum Ausdruck…dass das US-Militär in seiner Spitze über die Jahrzehnte…bereits vor WK 2 ….schleichend von einem “Kult” übernommen worden ist…dessen Religion der “Satanismus” sei…in der Traditionslinie des berühmt-berüchtigten britischen „Hell Fire Clubs“
    Massenweise ” Tod-Leid-Zerstörung” zu verursachen… würden von deren Anhängern als notwendige Opfergaben betrachtet werden…damit die Dämonen und Anti-Götter… die man selber zur eigenen Stärkung herbeigerufen habe…genug “Nahrung“ fänden…und diese nicht ausgehungert über die Zauberlehrlinge selber herfielen

    Für den “normalen Hausverstand”
    hört sich das erstmal total abwegig und absurd an…allerdings:
    “They” believe in it…nicht zuletzt aus Gründen eigener empirischer Selbsterfahrungen mit ” Black Magik” ( In a ritual context…it works for them )

    For your information :
    Part1
    https://www.youtube.com/watch?v=ACNt2uJb2cc
    Part2
    https://www.youtube.com/watch?v=5729UOEj7SE
    Part3
    https://www.youtube.com/watch?v=69WknK39Qhs

    Diese Ausführungen könnten eventuell eine zusätzliche Erklärung dafür anbieten …warum die USA….ohne ein noch vermittelbares politisches Kampfziel… überall nur verbrannte Erde hinterlassen… denn zur effektiven “Ausbeutung” und “Versklavung” der angegriffenen Länder…wäre eine dort befriedete funktionierende Vasallen-Diktatur doch wesentlich effizienter und effektiver geeignet.
    Diese gibt es aber nicht als aktuellen „Mehrwert der US-Kriege“
    ( Opium ausgenommen ) Es gibt :

    Endless Wars …mit unklaren wechselnden Bündnis-und Frontverläufen… Söldnereinsätze ( Blackwater etc ) kein kampffähiges stehendes US-Herr im klassischen Sinn….den “Permanent Drain of the own Tax-Payer”… „ The missing Money“… ..Megatonnen von Toten sämtlicher Fraktionen… Verbündete-eingeschlossen…“ Friendly Fire“…sinnlose Folter-Camps weltweit…“Drone-Attacs“ :

    Überall nur Schutt und Asche im Ergebnis…..also „imperialistisch produktiv“ gesehen…haben die USA wenig oder praktisch GAR NICHTS vorzuweisen…
    wo immer ihr Militär offiziell-oder auch inoffiziell einschreitet.

  6. @roc
    30/06/2018 at 11:47

    „USA…imperialistisch un-produktiv“ ???

    Also weder ” Operation Freedom-noch “Nation Building”-noch “Winning Heart and Minds”-noch “Order out of Chaos”….sondern….Chaos alone ??

    Irgendwie scheint da was dran zu sein, dass es dem US-Militär in der Hauptsache
    um
    1. Tod-und Zerstörung
    2. Um Ausplünderung der eigenen + der Nato-Tax-Payer geht…
    und eben genau NICHT um klassische Ressourcenaneignung fürs Empire…
    wie es Alt-Media als ” War for Oil”- ( mögliche Fehlspur ) behauptet
    3. Es könnte sich in Konsequenz des Over-Spendings im Miliitärbereich auch
    um die bewußte, endgültige Inflationierung des US-Dollars handeln…frei nach dem Motto : “Let’s make America a Banana-Republic too”

    zu 1.
    “….those 70,000 bombs dropped by Bush—it was child’s play. Obama dropped 100,000 bombs in seven countries. He out-bombed Bush by 30,000 bombs and 2 countries–Under Trump, five bombs are dropped per hour—every hour of every day. Trump’s military dropped 44,000 bombs in his first year in office –most of them killing 98 % non-targets…with no end in sight.”

    https://www.truthdig.com/articles/trumps-military-drops-a-bomb-every-12-minutes-and-no-one-is-talking-about-it/

    zu 2.+3.
    https://www.truthdig.com/articles/the-pentagon-cant-account-for-21-trillion/

    Trump :
    “Deutschland bezahlt zu wenig”

  7. @Stefan, 29/06/2018 at 13:36 “Putin kam gerade noch rechtzeitig und hat das Steuer rumgerissen: die Oligarchen vertrieben oder diszipliniert, die Medien kontrolliert, …”
    … sonst wäre Russland vom Imperium schon annektiert worden. yes.

    Rechtswissenschaftler Reinhard Merkel: “Was auf der Krim stattgefunden hat, war etwas anderes: eine Sezession, …”
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-krim-und-das-voelkerrecht-kuehle-ironie-der-geschichte-12884464.html

  8. Sie sollten sich die Ereignisse in und nach Helsinki vielleicht mal genau daraufhin anschauen, ob es dort nicht einen Schweinebucht-Moment gab: die öffentliche Bloßstellung der Geheimdienste durch einen Präsidenten und dessen anschließende oberflächliche Besänftigung ihrer hellen Empörung.

  9. Kein Land mischt sich penetranter und umfassender in die Politik anderer Länder ein als die USA, egal unter welchem Präsidenten. Von analogen Gegenmaßnahmen hört man erst, seit die russophobe Killary-Clinton-Bande es nicht mehr schaffte, das eigene Wahlvolk zu manipulieren. Die Niederlage (anstelle eines irrtümlich als sicher erwarteten Sieges) muss noch sehr schmerzen, wenn diese Russen-Lüge so zur fixen Idee und außenpolitischen Paranoia werden konnte. Dementsprechend erneuerte Dan Coats, US-Geheimdienstkoordinator, kürzlich seine Panikmache gegen die Russen:
    “Sie sind es, die versuchen, unsere Grundwerte zu untergraben, uns von unseren Alliierten zu entzweien, bei unserem Wahlprozess Chaos anzurichten.”

    Unbeirrt reiste Trump nach Helsinki und twitterte im Nachgang zu seinem konspirativen Treffen mit dem dunklen Führer vom Reich des Bösen:
    “Die Fake-News-Medien wollen unbedingt eine große Konfrontation sehen, sogar eine Konfrontation, die zum Krieg führen könnte”.
    Die sogenannten Fake-News-Medien erfänden Geschichten, ohne dafür Quellen oder Beweise zu haben, twitterte Trump. “Viele Beiträge, die über mich oder die guten Leute um mich herum geschrieben werden, sind reine Fiktion.”

    Trotz allem – in solchen Momenten muss muss einem dieser windige Geschäftemacher einfach sympathisch sein. Oskar Schindler war auch ein Lebemensch, Geschäftemacher und Pleitier wie Trump – und zeigte doch Verstand, Rückgrat und menschlichen Anstand genau zu der Zeit, wo die vermeintlich so biederen Mehrheiten, aufgehetzt von den damaligen MSM und einem (Kriegs-)Führer, wie eine Horde Lemminge nicht schnell genug sich über die Klippen stürzen konnten.

    Wenn er sich nur nicht täuscht in den “guten Leute um mich herum” und die “unsichtbaren Meister” unter ihnen nicht erkennt; auch einem Kennedy wurde der eigene Vize zum Brutus.

  10. https://www.kla.tv/12750&autoplay=true

    Amerikas Fünfte Kolonne wird Russland zerstören (Einschätzung von Paul Craig Roberts) 21.07.2018

    „Amerikas Fünfte Kolonne wird Russland zerstören“. So lautet der Titel eines Vortrags, den der US-amerikanische Ökonom und Publizist Paul Craig Roberts gehalten hätte, wenn er der Einladung zur St. Petersburger Wirtschaftskonferenz in Russland hätte folgen können. Der Vortrag wurde am 25. Mai 2018 auf der Webseite von Paul Craig Roberts veröffentlicht. Roberts war von 1981 bis 1982 während der Regierung Reagan stellvertretender Finanzminister. Von sich selber sagt er, dass er kein „prorussischer Antiamerikaner“ sei, aber er sei „gegen den Krieg, besonders gegen den Atomkrieg“.

    In dieser Sendung soll beleuchtet werden, was Roberts mit seiner prägnanten Aussage, „Amerikas Fünfte Kolonne wird Russland zerstören“, genau gemeint hat:

    1. „Amerikas Fünfte Kolonne“: Dieser Begriff stammt aus dem Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939). Einer der militärischen Führer des damaligen Militärputsches gegen die gewählte linke Regierung in Madrid hatte verkündet, er werde vier Kolonnen gegen Madrid führen. Den Angriff einleiten werde jedoch „die fünfte Kolonne“, nämlich eine in Madrid im Untergrund operierende, den Militärputsch unterstützende Kämpferschar.
    Paul Craig Roberts meint also mit „Fünfter Kolonne“, dass Russland von innen her, aus dem Landesinneren, durch die US-amerikanisch geprägte, neoliberale Wirtschaftswissenschaft zerstört werde und nicht von außen durch Krieg

    2. Was genau hat es mit dem Neoliberalismus auf sich? Laut Manfred Julius Müller, der seit über 30 Jahren weltwirtschaftliche Abläufe analysiert, verstand man ursprünglich unter “Neoliberalismus” einen Mittelweg zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Anders als beim Sozialismus vertraute man beim Liberalismus allein auf die Kräfte des Marktes. In den 1930er Jahren erkannte man aber, dass dies zwangsläufig zur Monopolisierung führen muss, d.h., dass der Markt von einem großen Unternehmen oder einer Unternehmensgruppe bestimmt wird. Müller nennt dies „Raubtierkapitalismus“. Die einheimischen Produzenten werden durch Abbau der Zölle gezwungen, mit allen Billiglohnländern dieser Erde in einen gnadenlosen Wettstreit zu treten, was oft zu deren Konkurs und Aufgabe ihrer Unternehmen führe. Fast alles, was der neoliberalen „Heilslehre“ an Positivem angedichtet werde, sei absoluter Stuss, so Müller.

    3. In welcher Weise wurde Russland, laut Paul Craig Roberts, vom Neoliberalismus unterwandert?
    Nach dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 war Russland in großer Not und das „erfolgreiche“ Amerika mit seiner „helfenden“ Hand da. In Wirklichkeit aber griff diese Hand durch Privatisierung nach den russischen Ressourcen und gab den amerikafreundlichen Oligarchen die Kontrolle darüber. Während der Jelzin-Jahre (von 1991 bis 1999) seien Russlands Wirtschaftswissenschaftler wie auch die russische Zentralbank von amerikanischen neoliberalen Ökonomen zu einer in ihrem Sinne ökonomischen Denkweise hirngewaschen worden. Fortan herrschte der Glaube, dass die wirtschaftliche Entwicklung Russlands von ausländischen Investitionen abhänge. Dieser Irrglaube bedrohe die Souveränität Russlands bis heute. Wladimir Putin habe zwar einen Teil der Privatisierungen unter Jelzin rückgängig gemacht und die Energieindustrie wiederum verstaatlicht, sei aber immer noch überzeugt, dass die wirtschaftliche Entwicklung Russlands von der Integration in die westliche Wirtschaft abhänge.

    4. Welche Folgen werde der Neoliberalismus auf Russland haben?
    Putin kämpfe für die Integration Russlands in das westliche Wirtschaftssystem unter Beibehaltung der Souveränität Russlands. Dies habe ihn veranlasst, Provokationen und Demütigungen des Westens in Kauf zu nehmen, da er sonst seine Hoffnungen auf die wirtschaftliche Entwicklung Russlands aufgeben müsse. Jedoch würden, so Craig, die US-Strategen der Integration Russlands ins westliche System nur zustimmen, wenn Putin die Privatisierung der Jelzin-Ära wieder aufleben ließe. Westliche Finanzinstitute würden Russland Vermögen entziehen und gleichzeitig Schulden aufladen. Die „mangelnde Entschlossenheit“ Putins fördere eine Eskalation der Provokationen, bis Russlands einzige Option Kapitulation oder Krieg sei. Paul Craig Roberts endet seinen Vortrag mit der Überzeugung, dass die neoliberale Ökonomie, die die russischen finanziellen Interessen, die russische Regierung und augenscheinlich auch Putin selbst im Griff habe, Russland ohne Krieg zerstören werde.

    Noch handelt es sich hier nur um eine Annahme, dass Russland durch den Neoliberalismus zerstört werde. Dennoch sollte man Putins Verhalten nun auch einmal unter diesem Blickwinkel beobachten und beurteilen: Wird er weiterhin auf eine Zusammenarbeit mit dem westlichen Wirtschaftssystem setzen – und sich dadurch vom Neoliberalismus kleinkriegen lassen – oder wird er den entscheidenden Bruch mit dem Westen wagen, um schlussendlich überleben zu können?

    von dd.
    Quellen/Links:
    http://antikrieg.com/aktuell/2018_05_26_amerikas.htm

    https://www.paulcraigroberts.org/2018/05/25/americas-fifth-column-will-destroy-russia/

    https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnfte_Kolonne

    http://www.neo-liberalismus.de/neo-neoliberalismus.html

    http://www.das-kapital.eu/manfred-mueller.html

    http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/monopol/monopol.htm

Schreiben Sie einen Kommentar!

Your email address will not be published. Required fields are marked *