Neues vom Knochensägenmassaker

Das Khashoggi Knochensägenmassaker ist noch immer ein Mordfall ohne Leiche, aber anders als Saudi-Arabiens grausamer Krieg im Jemen mit zehntausenden Toten nach wie vor ein internationaler Aufreger ersten Ranges. Dass im saudischen Konsulat in Istanbul ein Mord stattfand, hat die Regierung in Riad mittlerweile zugegeben – zuerst wurde von einem tödlich ausgegangenen Faustkampf gesprochen, dann zitierte Reuters einen Sprecher, der von “Erwürgen” sprach und dass die Leiche in einen Teppich eingerollt außer Haus geschafft worden sei. Im Zusammenhang mit dem Mord seien jetzt 18 saudische Staatsbürger festgenommen und fünf Geheimdienstmitarbeiter gefeuert worden. Eine Kommission unter Kronprinz Mohamed Bin Salman (MBS) würde die Vorgänge jetzt weiter ermitteln, der Kronprinz selbst freilich – so der saudische Außenminister am Sonntag früh bei Fox News – habe davon natürlich  “keinerlei Kenntnis” gehabt.
Unterdessen hat der türkische Präsident Erdogan angekündigt, am Dienstag die “nackte Wahrheit” über den Mord in der Botschaft zu veröffentlichen. Die türkische Presse berichtet weiterhin aus den Audio-Aufzeichnungen der verwanzten Botschaft, die auch schon der CIA zumindest teilweise vorgelegt worden sein sollen. “Macht das draußen, ich bekomme sonst Ärger” wird der Botschafter zitiert, nachdem das 15-köpfige Fachkräfteteam Khashoggi nach seinem Eintritt in die Botschaft betäubt und sodann getötet und die Leiche dann in Einzelteile zerlegt haben soll. Zuvor aber, so berichten türkische Medien, soll Kashoggi aber noch einen Anruf empfangen haben – vom Kronprinz Mohamed Bin Salman persönlich.

Deutschland hat letztes Jahr für 245 Millionen Euro Waffen nach Saudi-Arabien exportiert, ein Klacks verglichen mit dem 100-Milliarden-Deal den Trump nach seinem Amtstantritt mit MBS vereinbarte, aber dennoch verfassungswidrig, denn Waffenlieferungen an kriegsführende Länder sind in Deutschland nach wie vor verboten. Dass Merkel und Maas jetzt wegen dem Mord an Khashoggi – und nicht wegen des grausamen Kriegs im Jemen – die Geschäfte mit den Saudis vorsichtig in Frage stellen, zeigt einmal mehr den Doppelstandard in Aktion: MBS mag ein Hurensohn sein, aber er ist unser Hurensohn und in solchen Fällen müssen Recht und Moral einfach ausgeblendet werden. Angesichts des bizarren Knochensägenmassakers aber fällt das jetzt einigermaßen schwer. Denn was muss der Herrscher einer martialischen Feudaldiktatur eigentlich noch alles veranstalten, bis ihn der “Werte”-Westen sanktioniert und isoliert ? 

Wie schon  sein Vorgänger Obama laviert auch US-Präsident Trump in scheinheiliger Komplizenschaft mit der wahabitischen Kopf-ab-Monarchie herum, die wegen ihrer Milliarden und dem Öl einfach zu wichtig ist, um ihr die Freundschaft zu kündigen.  Vor zwei Wochen, bevor der Mord bekannt wurde, hatte Trump noch getönt, dass er König Salman gesagt habe, er wäre ohne den Schutz der USA  “keine zwei Wochen mehr da”.  Dass sein barbarischer Lieblingssohn MBS weiter im Amt bleibt, die Unterstützung für den Jemen-Krieg nicht umgehend gestoppt wird, die saudischen Botschaften nicht geschlossen und ihre lügenden Botschafter bis zur definitiven Klärung des Falles nicht ausgewiesen werden, verdankt sich allein der Protektion Washingtons. An dieser wird sich weder in zwei Wochen noch in zwei Jahren etwas ändern –  selbst wenn der im “Werte”-Westen als  “Modernisierer” gefeierte MBS der Flagge des Kopf-Ab-Königreichs ein zeitgemäßes Update (siehe die zwei Vorschläge oben) verpassen sollte…

7 Kommentare

  1. Natürlich hat MBS davon nichts gewußt! Wie kann man nur auf solchen Gedanken kommen? Selbst in den USA weiß der Präsident nicht, was sein Geheimdienst CIA an Undercoveraktionen plant. Man denke nur an die Schweinebuchtinvasion zu Zeiten Kennedys. Den Befehl Kashoggi zu beseitigen, wird aber jemand gegeben haben? Denn so ad hoc können selbst Folterknechte (Und dann noch in der Botschaft!) nicht tätig werden, das bedarf schon einer gewissen Planung. Bin ja mal gespannt, was man uns da Medial für Schauermärchen auftischen wird, um das Gesicht zu waren. Habe noch gut, die “logischen” und damit “schlüssigen” Erklärungen unsere Gerichte, zu den NSU Morden, in Erinnerung.

  2. Die Bundesregierung hat beschlossen, künftig keine Knochensägen mehr nach Saudiarabien zu liefern.

  3. Im ganzen vom Islam beherrschten Erdteil sitzt halt die Rübe ziemlich locker. Das war nicht anders unter den Sultanaten im Osmanischen Reich. Da hat sich nichts geändert. Warum sollte gerade MBS das ändern. Er ist doch selbst nur auf diese Art und Weise an die Macht gekommen. Anderes kennt er doch nicht.
    Ein wenig moderater läßt Angela doch auch die Köpfe der potentiellen Gefährder ihrer Kanzlerschaft rollen. Im Übrigen hat Kohl das nicht anders gehandhabt.
    Auch MBS wird eine Angela als Nachfolger haben, nur ein wenig blutiger.
    Bei beiden weint keiner eine Träne nach.

  4. Merkwürdige Geschichte. Woher kommt das Interesse, diesen (angesichts des omnipräsenten Massenmordens) bloßen Einzelfall so auffällig hochzupushen – obwohl es mal nicht zur Fortsetzung der beliebten Abenteuerserie “Putin war’s” passt. Die Saudis sind doch liebe Freunde und Verbündete des Westens von Trump über Europa bis Israel, Erzfeinde Irans usw.

    Und der Kronprinz verkauft sich auch noch als Erneuerer und pseudo”liberaler” Reformer? Eigentlich alles Gründe, das Ganze offiziell auf kleiner Flamme zu köcheln: Staatswohl, äußere Angelegenheiten, marktkonform handeln, das übliche Blabla. Statt dessen wird die Episode in westlichen MSM fleißig skandalisiert. Welche Roll spielt Erdogan dabei und wo liegt dessen Interesse?

    Die Handlungen des Westens und seiner Elite werden in der Spätphase seines Zerfalls zunehmend unverständlich. Die Auflösung kommt vielleicht noch.

  5. Na ja da war doch schon einmal ein treuer Vasall der USA, der so ziemlich jedes Verbrechen an seinem eigenen Volk begehen konnte, ohne das ihm einer ans Bein pisste, bis er sich dann mit Kuwait doch etwas zu weit aus dem Fenster lehnte. So lange MBS diese Grenze nicht überschreitet, wird er kaum Probleme haben, weder mit den USA, noch mit der Europäischen ” Wertegemeinschaft “. Allemal kann es so schlimm ja auch nicht sein, dürfen dort mittlerweile sogar Frauen hinters Lenkrad, etwas, was manch einer sogar bei uns gerne verbieten würde…Ironie off.
    Und nicht zu vergessen, die schönen Geschäfte die man mit den Saudis machen kann. Entsetzen heucheln, wenn mit unseren Waffen Menschen ermordet werden gehört mittlerweile zum kleinen Einmaleins eines Politikers…

    1. Ich dachte, Saddam war sauer, daß die Kuwaitis ständig schräg bohrten um irakische Ölreserven anzuzapfen. Als es ihm zu bunt wurde, rief er die Amis an, um sich rückzuversichern, daß eine kleine Klatsche ok geht. Die Amis gaben ihm grünes Licht.
      Und standen dann Tage später “Mörder! Diktator!” rufend auf der Matte..

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