Die dunkle Seite von Amazon

Auf die kleine Amazon-Polemik meines Bruders Johannes Bröckers hatte ich hier schon kurz hingewiesen, die Frankfurter Rundschau hat jetzt ein ausführliches Gespräch mit ihm geführt.

Sie haben sich für Ihr Buch „Schnauze, Alexa“ intensiv mit Amazon und dessen Gründer Jeff Bezos befasst. Sie legen dar, wie Bezos seinen Laden zum Marktführer gemacht hat, wie Zehntausende kleiner Händler ruiniert oder geschluckt werden, wie Amazon Gewinne kleinrechnet, bis das Unternehmen in Europa eine Steuerrückzahlung von 15 Millionen Euro bekommt. Angesichts der Wucht, mit der Amazon den Onlinehandel umgekrempelt hat, können ein paar Konsumverweigerer ja wohl nicht viel ausrichten… 
Amazon ist ja nicht der einzige smarte Laden im Internet. Aber Amazon ist ein gutes Beispiel, weil Jeff Bezos so marktradikal vorgeht. Da kann man alles ablesen, was ein Unternehmen an Schaden anrichten kann. Für diesen vermeintlichen Komfort, der uns da verkauft wird, bezahlen wir nicht nur mit unseren Daten, sondern mit unseren individuellen Persönlichkeitsrechten. Und wenn ich das ein bisschen weiter nach vorne spiele, dann wird mir Angst und Bange,.. 

Warum das?
Am Beispiel China kann man schon ablesen, was da kommen könnte. Der chinesische Staat will ja sein Bürgerbewertungssystem Citizen Scoring einführen. Und für die Verarbeitung der Daten nutzt er dann Alibaba, das chinesische Pendant zu Amazon. Problematisch ist dabei nicht nur, dass die Bürger mit einem Bonussystem klassifiziert werden, etwa 500 Millionen Chinesen machen ja sowieso schon mit bei Alipay und was Alibaba noch so an Dienstleistungen bietet. Bedrückend ist, dass Finanzgeschäft, Konsumwelt und Staat quasi schon ein Konstrukt sind. Wenn du kein Geld hast oder der Staat findet, du darfst aus bestimmten Gründen nicht mehr mitmachen, dann heißt es: Ein Klick und du bist draußen. Eine grauenhafte Vorstellung.

Das komplette Interview hier

“Schnauze Alexa!” ist im Westendverlag erschienen, 96 Seiten, 7,50 Euro

4 Comments

  1. Ich wäre mir nicht so sicher, dass es im Westen (anders als in China) keine staatliche Überwachungs-Komponente hinter dem massenhaften Onlinehandel und der damit verbundenen Datenschnüffelei und dem Persönlichkeits-Profiling gibt. Hörte mal von Gerüchten (oder Erkenntnissen?), die Dienste (NSA & Co?) haben seinerzeit durch Finanzierung und Förderung der Forschung in den Gründungsjahren nachgeholfen, die ganzen tollen (heute milliardenschweren) jungdynamischen Internet-Startups aufzubauen. Warum wohl?

    Übrigens: Die nachvollziehbaren Sorgen um die Privatisierung auch z.B. des massenhaften Speicherns vertraulicher, persönlicher und sicherheitskritischer Daten (und quasi der meisten eigentlich hoheitlichen Aufgaben) sind die Rückseite der Medaille, den Staat (nach dem dann plötzlich gerufen wird) tendenziell für etwas Schlechtes, zu Überwindendes zu halten. Der Staat ist (noch) Nationalstaat, also irgendwie “rechts” und große Teile der progressiven Linken fordern bekanntlich seine Abschaffung und erweisen damit den Superkapitalisten von amazon & Co einen ganz großen Dienst.

    Ich sehe da einen gewaltigen Widerspruch im linken Weltbild, den (National-)Staat einerseits zu verteufeln und dessen Schwäche oder Versagen dann im Angesicht aggressiver Großkonzerne gleichzeitig zu beklagen.

    1. Ich bin mir nicht einmal sicher, dass in China Derartiges tatsächlich geplant ist oder schon existiert, denn die Erfahrung zeigt, dass es über kein Land auch nur annähernd so viel Desinformation gibt wie über China. Vielleicht kommt Nordkorea annähernd ran, Russland bei weitem nicht. Und gerade im Zusammenhang mit China kommen auch jede Menge uralter Vorurteile ins Spiel, die das Ganze zu einem unappetitlichen Brei vermischen. Da ich von mir behaupte, über China – auch aufgrund intensiver eigener Anschauung und zwischenmenschlicher Beziehungen – weit mehr zu wissen als die meisten “Westler”, fällt mir das wesentlich häufiger auf als den meisten anderen. Ich rate daher dazu, die Sache mit Skepsis zu betrachten. Ich glaube, es wird anders kommen. Also in China. Bei uns sehe ich sehr wenig Grund zum Optimismus.

  2. @Stefan
    20/11/2018 at 12:08

    nehme mal an amazon ist nur ein kleiner..
    aber wichtiger Baustein im “Social Control-Grid” globally

    Andere Läden wie google-ebay-paypal-facebook-twitter-etc. gehören da wohl auch mit rein. Sieht man ja an den gestreamten Hirnfick-Kampagnien mit denen die uns behelligen :

    “Und jetzt alle Licht aus fürs Klima ..” jetzt alle Klospülung drücken für den Regenwald” ….7,9 Milliarden Erdlinge machen mit…und DUUU ?”

    Irgendwann klingelt dann bei die Abstitenten die Umwelt-Gestapo an der Haustür
    Rosa Koire: Agenda 21. Open Mind Conference 2013
    https://www.youtube.com/watch?v=7ykELwj1Ta8

    Ein Bewertungssystem “UNO-Weltbürger-Scoring” läßt sich sicherlich
    problemlos ausformen bei einer vorhandenen und unterstellten
    amazon + nsa+ pentagon+ UNO-Connectivity

    https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/medienberichte-amazon-erhaelt-angeblich-10-milliarden-dollar-auftrag-vom-pentagon/21144044.html?ticket=ST-2697574-9R5w3kIYHRVyoqKxsDPN-ap1

    Bei allen Fragen des menschheitlichen Rückschreitens in ein digitales globales Diktatursystem via UNO Agenda 21 – UNO Agenda 2020 bleibt die Frage offen :

    “Wer bekommt nun eine Drohne aufs Haupt… wer bekommt eine Cruise Missile spendiert….und mit welchem Algorithmus muss man sich gut stellen…
    damit unser deutsches UNO-Resettlement-Kontingent…( sehr gerne das aktuelle Pudding-und Kindertagesstätten-Abi 2018-Volk ) eine Lehrstelle in Sierra Leone
    oder in Belgisch-Kongo antreten kann ?

    Frage eines Lehrlings an die amazon-hotline
    ” Wie schicke ich “Coltan” und ” Blut-Diamanten” ( die DVD hab ich von Euch )
    nach Deutschland….um meine Familie im Bürgerkriegsgebiet Berlin-Mitte / Berlin-Kreuzberg zu unterstützen…damit die aus dem Kessel noch rauskommen 🙂

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article184158560/UN-Abkommen-Teil-zwei-Migrationspakt-Ueber-den-Fluechtlingspakt-spricht-bisher-niemand.html

  3. Mehr noch als die Schnüffelei und Überwachung durch Internetriesen sorgt mich die “Generation der gesenkten Häupter”, die “Smartphonezombies”, die so verkabelt sind, dass sie ihre Umwelt nicht mehr wahrnehmen und regelmäßig von der Straßenbahn plattgefahren werden.

    Ich frage mich immer, wie weit da noch der Schritt der Internetriesen von der – passiven – Schnüffelei zur – aktiven – Verhaltenssteuerung ist. Also nicht das indirekte “Belohnen” gewollten Verhaltens durch irgendein “Scoring”, sondern quasi die unmittelbare Einflüsterung im Kopfhörer: Kaufe dies, wähle das, geh dahin. Es gab ja mal in den 50ern ähnliche Versuche – subliminale Projektion genannt – mit unbewusst kurzen Filmsequenzen im Kino.

    Heute scheint man fast am Ziel: Wenn die Leute dazu gebracht werden, durch Smartphoneeinfluss im Verkehr unter die Räder zu geraten, also nicht mehr (über)lebensfähig zu sein, dann ist auch vieles andere denkbar. Haben wir irgendwann auf den Straßen nur noch von google und amazon Ferngesteuerte? Eine sehr reale Zombieapokalypse…

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