3 JT #72: FREE YOUR MIND

Die Situation spitzt sich an allen Ecken und Enden zu. Doch zum Jahresende wollen wir in dieser Sendung mal nicht in den Abgrund schauen, denn sonst schaut er zurück.

Stattdessen reden wir diesmal über ein Thema, das uns Anlass zu großer Hoffnung gibt: Den Tod. Eine aktuelle Entwicklung wollen wir aber nicht auslassen: Julian Assange. Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #72 des 3. Jahrtausends.

9 Comments

  1. Fassen wir uns alle an den Händen
    Ziehen wir uns alle nackt aus..und pinkeln dann gemeinsam ein Loch in den Ozean
    Vielleicht hat Gevatter ” Tod” dann ein Einsehen…und… er kommt nicht.

    So geht praktizierte globale Sozialdemokratie 2021/22

    Join the Party ? 🙂

  2. Dank wieder für eine sehr schöne, sehenswerte Sitzung der Drei.
    Auch, daß trotz Julian Assange, der Covid-Plandemie, der Ukraine-Aufrüstung usw. mal ein ganz anderes Thema vorgeknöpft wird, fand ich richtig gut.
    Denn wie ich beim Surfen durch andere Blogs deutlich bemerke nimmt die Depression bei den nicht völlig Verblödeten einfach enorm zu.

    Aber man sollte durchaus etwas tiefgründiger und insbesondere rationaler vorgehen, als es “die Drei” tun.
    Ich will mal ein Beispiel geben: Wenn ich gefragt würde, ob ich an “Außerirdische” glaubte, wurde ich in eine gewisse Verlegenheit geraten. Denn wenn ich den Weltanschauungshintergrund des Fragenden einbeziehe, müßte ich mit “Nein” antworten. Wenn ich hingegen meine eigene Weltsicht zugrundelege, müßte ich mit “Ja” antworten.
    Dies deshalb, weil ich an Außerirdische “vom Mars” oder vom System “Orion” (die schicke Fernsehserie “Raumschiff Orion” aus den 60er Jahren!) gerade nicht glaube. Hingegen habe ich keinen Zweifel an der Existenz von anderen Wesen aus andern Welten – aber gerade nicht aus dem “Weltall” (dem unserigen oder den benachbarten – nach Buddha gibt es so viele Weltalle, wie es “Sandkörner am Ufer des Ganges” gäbe).

    Nach “Außerirdischen” befragt, antworte ich deshalb meist, daß ich an “Außerirdische der Vertikalen” glaube – nicht jedoch an “Außerirdische der Horizontalen” (Weltall). Denn dessen, daß in diversen Himmeln (übergeordnet) und Höllen (untergeordnet) Wesen existieren, bin ich sicher. Als Buddhist habe ich z. B. keinen Zweifel, daß die Gottheit, die von sich behauptet – und dies auch selbst glaubt! – die Welt erschaffen zu haben (von den Christen “Gott” genannt) tatsächlich existiert. Aus buddhistischer Sicht irrt er sich allerdings, wenn er glaubt, die Welt erschaffen zu haben. Aber dieser “Gott” ist nun definitiv kein Terrestrischer! Also ist er ein “Außerirdischer”!
    Für jeden Christen ist Jesus doch jetzt auch ein “Außerirdischer”! Denn sein Wohnsitz/seine Meldeadresse ist nicht mehr auf der Erde (ähnliches müßte für Moslems hinsichtlich “Allah” und “Mohammed” gelten).

    Nach buddhistischer (auch hinduistische) Sicht gibt es sehr viel Wesen in höheren Welten.
    Buddha warnt sogar ausdrücklich davor, sich mit diesen einzulassen, wenn sie, was oft passiert, auf die Erde ‘herunterkommen’. Denn diese hätten regelmäßig Übles vor. Auch “Mara” (die buddh. Bezeichnung für “Satan”) lebt nicht etwa in den Höllen (wie die Christen vermeinen), sondern in den Himmelswelten.

    Jetzt zum Rationalen:
    Das vorstehende kann man glauben oder nicht. Aber schon etwas einfach zu “glauben” ist ein schwere Fehler. Die Welt ist zu gefährlich, um einfach etwas zu “glauben” – wie es leider gerade auch fast alle, die sich “Buddhisten” nenne, tun.
    Wie wäre es wenn man sich dem Welträtsel allein rational und allein logisch nähert – und auch so was Gelesenes von einem “Buddha”, “Vishnu”, “Jahwe”, “Gott”, “Allah” einfach mal erst beiseite läßt, und erst einmal gründlich NACHDENKT? ….(wird fortgesetzt).

  3. Teil 2: Kosmologie: Wieso ist die Welt da?
    Als ich pubertierte, war ich ein sehr überzeugter Christ. Damals gab es den “Kindermörder Bartsch” (der Knaben mißbrauchte und ermordete). Für mich war klar, daß dieser Mann in die Hölle käme. Das fand ich aber ungerecht. Damals (in den 60er Jahren) wurde heftig gestritten, ob man durch die Genetik oder aber durch die Umwelt geprägt werde. Ich umging das Problem, indem ich feststellte, daß ich, wenn ich genau dieselbe Genetik dieses Bartsch gehabt hätte u n d auch jeden seiner Umwelteinflüsse, daß ich dann genau dieser Bartsch geworden wäre. Denn an meiner Person wie an denen anderer gibt es nichts, was originär (selbsterschaffen) wäre. Auch die Fähigkeit, sich selbst zu erziehen und zu disziplinieren (sehr wichtig), fußt nur auf der schon vorgefunden Konstellation.

    Daß dieser Bartsch in die Hölle gehen mußte, war also ungerecht. An einen ungerechten Gott wollte ich aber nicht glauben.
    Nachdem mir nun aber der “Schöpfergott” abhanden gekommen war, hatte ich das Problem, daß ich die Existenz der Welt nicht erklären konnte: Wieso war die Welt da?
    Sogar wenn ein Gott sie geschaffen hätte – woher käme dann dieser Gott? Vielleicht von einem höheren Gott. Aber das würde die Frage lediglich verlagern. Denn dann müßte man fragen: Aber woher käme dann jener (höhere Gott) usw.?

    a) Das Problem mit dem “Anfang der Welt”
    Die These von einer Schöpfung und einem Schöpfergott führt also zu einem unauflösbaren Widerspruch.
    Als junge Mann nahm ich meine Frage aus der Schülerzeit wieder auf: Nämlich die Frage, wenn es keinen Schöpfergott gibt bzw. wenn es keine Schöpfung gab, wieso tritt dann die Welt in Erscheinung.
    Denn die Annahme eines Schöpfergottes ist auch unter dem Aspekt eines “Anfangs” logischem völlig unbefriedigend. Denn wenn es einen “Anfang” gegeben haben soll, wie dies die Vertreter der Schöpfungslehre behaupten, dann wäre dies der Anfang des “Seins”. Vor dem Anfang des “Seins” kann es demnach nur das “Nicht-Sein” gegeben haben. Wie soll da ein Schöpfergott vor Beginn des Seins aus dem Nicht-Sein entstanden sein?
    Wenn jetzt die Vertreter der Schöpfungsansicht behaupten, ihr Schöpfergott ‘sei ja schon immer da gewesen’, dann muß man Ihnen, sofern sie Christen sind, zunächst vorhalten, daß sie sich selbst widersprechen. Denn den von ihnen behaupteten “Anfang” – in der Bibel z. B.: “Am A n f a n g schuf Gott Himmel und Erde” – hätte es also nie gegeben! Denn ihr Gott muß ja schon da gewesen sein. Also muß es eine Zeit d a v o r gegeben haben!
    Bevor man weiter diskutiert (hier mit einem Christen), sollte man diesen dazu bringen, zuzugeben, daß hier ein ganz erheblicher und geradezu grausiger Redaktionsfehler im Bibeltext vorliegt, der unbedingt sofort gestrichen werde muß, weil er einfach logisch unzutreffend ist. Vielmehr hätte man zumindest die Stelle von “Am Anfang schuf Gott …” zu streichen und statt dessen nunmehr einzufügen, z. B.: ‘Die Welt hatte nie einen Anfang und Gott existierte schon immer. I r g e n d w a n n e i n m a l (!) schuf Gott plötzlich Himmel und Erde. Seine Gründe für dieses Vorgehen sind nicht näher bekannt, da Gott sich bis heute hierzu nicht weiter äußern wollte’.

    Sodann hätte man seinen Gegenüber darauf hinzuweisen, daß es für die Frage “Woher kommt die Welt” völlig egal ist, ob die Welt einen Anfang hatte oder keinen (Buddha spricht übrigens von der “anfangslosen Zeit“!), oder ob in ihr schon immer ein Gott enthalten war oder nicht. Denn dieses “Woher” meint den k a u s a l e n Ursprung.
    Die Frage des kausalen Ursprungs wäre allenfalls dann obsolet, wenn es keine Kausalitäten gäbe. Etwa wie ein ewiger kosmischer Billardtisch, der mit seinen Kugeln unvergänglich/ewig im Ruhezustand verbleibt.
    Das ist aber nicht unsere Welt! Denn hier prasselt es ja nur so von Kausalitäten/Impulsen.
    Und das ist eben die Frage: Woher kommen die Impulse? Und wenn es “am Anfang” nur einer war (der z. B. eine Welt mit einem ewigen und handelnden Gott geschaffen hat): Woher kam denn der Impuls bzw. diese Kausalität?
    Wenn der Gesprächspartner sich nun darauf einläßt, daß Kausalitäten/Impulse auch ursachelos entstehen könnten, sollte man nicht widersprechen, sondern das Gespräch abbrechen. Denn das kann man nicht widerlegen. Vielleicht trifft es sogar zu – was weiß man schon? Nur: Eine vernünftige argumentative Erörterung ist allein auf der Grundlage der Ratio, der Vernunft, der Logik möglich. Wenn das, was die Welt bewegt ursachelos ist, lohnen sich rationale Überlegungen doch gar nicht. Dann sollte man lieber auf eine Party gehen oder sich an seine Arbeiten oder den Hausputz machen.

    Der Buddha hat ja auch nicht behauptet, daß seine Lehre objektiv beweisbar sei, sondern er hat nur ausgeführt: ‘Etwas besseres habe er nicht gefunden’.
    …..(wird fortgesetzt)

  4. Fortsetzung Teil 2
    b) Die Welt: Ein ‘gespreiztes Nicht-Sein’ – oder ‘ein Sein im Nichtsein’
    Als Student kam ich dann darauf, daß eine Welt – obwohl ungeschaffen bzw. ohne “Schöpfer” – sehr wohl dann erlebt werden kann, wenn sie insgesamt sowohl existiert, wie auch nicht existiert.
    Wie kann die Welt zugleich sein und nicht sein? Nehmen wir ein Beispiel: Gerade so, wie eine lange Zahlenkolonne von Plus- und Minuszahlen (oder ein großer Zahlenkranz) im Ergebnis “Null” sein kann, m. a. W. ‘nach außen’ (unter dem Summierungsstrich) nicht existiert (“0”), bzw. nie erschaffen werden mußte, kann es nach ‘innen’ ein ganzer Kosmos sein. Wenn man sozusagen eine der Zahlen wäre, existieren für einen alle anderen Zahlen (Phänomene), obwohl es die Welt – ‘nach außen’/unter dem Summenstrich – nicht gibt (“0”).
    Man kann auch die uns gewohnte mathematische Gleichung nehmen und links vom Gleichheitszeichen eine ewige Reihe von Plus- und Minuszahlen schreiben, deren Summe “Null” wäre. Und rechts vom Gleichheitszeichen stände dann eine “0”. Dies wäre die einzige logisch befriedigende Erklärung für das Sein der Welt. Die Welt ist demnach also ein ‘gespreiztes Nicht-Sein’ – oder ‘ein Sein im Nichtsein’.

    Daß aus einem “Nichts” etwas gemacht werden kann, ist uns auch durchaus bekannt: Nehmen wir z. B. eine Person, die noch nicht einmal soviel wie einen einzigen Cent hat. Diese Person bekäme nun auf Kreditbasis 100 € ausbezahlt. Zugleich wäre sie aber auch an eine Schuldverpflichtung gebunden und bekäme einen Schuldschein in Höhe von 100 € ausgehändigt. Obwohl das Vermögen der Person unverändert exakt “0” wäre, kann sie nun für 100 € etwas kaufen. Sozusagen ein Haben im Nichthaben.

    Was freute ich mich, als ich vor etwa 10 Jahren in einem buddh. Heft auf diese Äußerung Buddhas stieß, die dieses ‘Sein im Nichtsein’ ansprach:
    SN XII, 15 (Samyutta Nikaya- Kaccayanagotta)
    “‘Alles ist’., das, Kaccàyana, ist das eine Extrem. ‘Alles ist nicht’, das ist das andere Extrem. Diese beiden Extreme vermeidend verkündet der Erhabene die Lehre des Mittleren Weges: Aus dem Nichtwissen als Ursache entstehen die Gestaltungen, aus den Gestaltungen als Ursache entsteht Bewußtsein …(usw.) “.

    Übrigens: Als junger Mann hielt ich damals den Zeigefinger hoch und stellte mir einen Punkt über der Spitze meines Zeigefingers vor, und dachte mir: Dies könnte ein riesiges Universum mit unzähligen vielen Wesen sein. Aber da ich nicht Bestandteil (im obigen Beispiel: eine “‘Plus- oder Minuszahl”) dieses Universums war, war dieses Universum für mich gänzlich nichtexistent.
    Irgendwo sagt Buddha auch, daß es so viele Weltalle gäbe, “wie es Sandkörner am Ufer des Ganges gäbe” – und der Ganges ist ziemlich lang!

    c) Die Welt ein “Nullsummenspiel”
    Dieses ‘gespreizte Nicht-Sein’ ist aber substanzlos, d. h. letztlich ist es auch nicht nach Freude oder Glück wirklich ausbeutbar. Es rechnet sich auf Dauer (nimmt man alle Wiedergeburten zusammen) nicht.
    Das ist so wie mit dem oben aufgezeigten Beispiel der völlig vermögenslosen Person, die auf Kredit 100 € ausbezahlt bekommt. Diese 100 € müssen aber irgendwann zurückgezahlt werden. wenn das Ausgeben der “100 €” für Vergnügen, Freude, Lust stehen, so erfolgt die Rückzahlung zumeist – s. noch u. – über Leiden, Kummer, Verzweiflung. Dies ist nach buddh. Ansicht der Grund für die Wiedergeburt in den Leidenswelten (die Höllen, die Tierwelt usw. – aber auch ein kummervolles Leben z. B. auf der Erde). Denn dieses ‘Nullsystem’ kann kein noch so hoher Gott (im Buddhismus werden die sehr zahlreichen Bewohner der Himmelswelten stets als “Götter” bezeichnet) oder ein noch so kundiger Zauberer überlisten.

    Vor langer Zeit sah ich Fernsehen einmal einen in Stein gehauenen kreisrunden Maya- (oder Azteken﷓?) Kalender, der von zwei Schlangen umkreist wurde, die sich gegenseitig vom Schwanz her anfraßen. Aus buddh. Sicht würde man aus den beiden Schlangen ein einzige machen. Diese stillt beim (unwissentlichen) Verzehr ihres eigenen Schwanzendes zwar zunächst ihren brennenden Hunger -﷓ aber anschließend wird sie unter der schweren Selbstverletzung sehr leiden müssen.
    Die Welt ist eben letztlich völlig substanzlos – eben ein “Gespreiztes Nicht-Sein”. Und der Versuch, diese Welt nach Freude, Glück, Liebe, Reichtum, Sex, Anerkennung usw. auszubeuten, bleibt angesichts des ‘Nullsummenspiels’ immer eine ausgleichspflichtige “Entnahme” (wie ein Buchhalter das nennen würde). So wie die der Schlange, die sich aus Unwissenheit durch das leckere Schwanzteil zunächst bereichert glaubt, tatsächlich aber in demselben Augenblick zugleich entreichert ist.

    Man kann aber aus diesem fruchtlosen und leidvollen Lebenskreislauf aufwachen und zur Besinnung kommen.
    Dazu passend

    Dazu das Bild “The Dreaming Jewels” (“Die träumenden Juwelen”) von Rowena Morrill, das sie als Cover für ein Science Fiction Heft gefertigt hat:

    https://dyn1.heritagestatic.com/lf?set=path%5B7%2F7%2F7%2F777322%5D%2Csizedata%5B850x600%5D&call=url%5Bfile%3Aproduct.chain%5D

  5. …Fortsetzung Teil 2
    d) Das a-priori-Problem
    Diese vernünftige Konzeption eines ‘gespreizten Nicht-Sein’ bzw. ‘Sein im Nichtsein’ löst auch ein weiteres Problem: Das a priori (“von vornherein”)-Problem.

    Denn wenn die Welt einfach als ‘echtes Sein’ existierte, dann hätte es am (kausalen) Anfang a priori entsprechende Voraussetzungen dafür gegeben haben müssen. Und dann wäre die Frage: Wo kommt denn das a priori her? Und diese Frage wäre logisch nicht zu beantworten.
    Und wenn die Welt von Anfang an nicht wäre, hätte dafür auch a priori entsprechende Bedingungen vorliegen müssen. Und auch dann wäre die Frage, wo kommt denn das a priori her? Und diese Frage wäre logisch ebenfalls nicht zu beantworten (das Problem, daß bei einer Nicht-Welt niemand mit dem a priori hadert, ignoriere ich jetzt mal elegant).
    Wenn die Welt aber weder ist noch nicht ist (“gespreiztes Nicht-Sein”) dann ist sie dies gerade, w e i l es am (logischen, kausalen) Anfang eines jeglichen a priori ermangelte.

    Wenn man also schlußfolgert, daß es kein a priori gibt oder gab, dann wäre die Welt deshalb, weil sie sowohl ist wie auch nicht ist. Denn “Die Welt ist”, wäre ein logisch nicht begründbares a priori und “die Welt ‘ist nicht”, wäre auch ein logisch nicht begründbares a priori.
    Diese nichtlogische Annahme eines a priori kann nun vermieden werden.

    e) Das Problem von Ordnung und Gesetzmäßigkeit in der Natur
    Friedrich der Große glaubte fest an einen Schöpfergott – der sich seiner Ansicht nach allerdings nicht um uns kümmere. Das sei ihm, so Friedrich, auch nicht vorzuwerfen. Denn auch wir kümmern uns ja auch nicht um die Stäubkörner, welche unsere Kutsche (so Friedrichs Beispiel) mit einer Staubfahne aufwirbelt, wenn wir über Land fahren. Er hielt aber die Existenz eines Schöpfergottes deswegen für geradezu bewiesen, weil er von der Ordnung und Gesetzmäßigkeit in dieser Welt fasziniert war – und diese sei niemals zufällig oder aus dem Nichts entstanden. Noch zu Friedrichs Zeiten war man ja von einem geradezu uhrwerkartigen Sonnen- und Planetensystem tief beeindruckt.

    Nur: Aus unserer Sicht des ‘gespreizten Nicht-Seins’ ist Friedrichs Schlußfolgerung nicht stichhaltig. Denn daß Dinge (übrigens nur “Sinnenprodukte” – s. noch u. “TEIL 3”) sowohl Ordnung wie Gesetzmäßigkeiten haben, weist durchaus nicht logisch zwingend auf einen Schöpfergott hin. Denn wenn die Welt ‘gespreiztes Nichts-Sein’ ist, m ü s s e n alle Erscheinungen einander derart intensiv bedingen, daß sie gar nicht ohne Ordnung auftauchen k ö n n e n .
    Übrigens: Friedrich und seine Zeitgenossen wären erstaunt, wenn sie mit unserem heutigen Wissen erfahren hätten, daß z. B. unser Sonnen- und Planetensystem alles andere als ‘uhrwerksartig’ exakt ist. Dort – und im gesamten Weltall – herrscht mindestens soviel Chaos (erinnert noch jemand die “Chaos-Theorie, die in den 1980er Jahren Furore machte – und heute praktisch vergessen ist?) wie Ordnung. Friedrich und seine Zeitgenossen wären auch überrascht, zu erfahren, daß wie heute wissen, daß Etliches n i c h t mathematisch und physikalisch bestimmt werden kann. Man denke an die “Heisenbergsche Unschärferelation”. oder an “Schrödingers Katze”.

    4.) Rechtfertigung der vorstehenden kosmogonischen Überlegungen.
    Welche Erkenntnismethode kann man überhaupt verwenden?
    Z. B. Isaac Newton, berechnete, inspiriert von einen vom Baum fallenden Apfel, die Erdanziehungskraft. Daß sich Newton irrte, weil es eine “Erdanziehungskraft” ja überhaupt nicht gibt, sondern nur Einsteins “Raumkrümmung”, sehe ich ihm gerne nach.
    Anders steht es damit, daß Newton völlig unwissenschaftlich bzw. ‘objektivistisch’ vorging. Denn statt eine objektive Behauptung aufzustellen (“Apfel fiel vom Baum”), hätte er erst einmal feststellen müssen, daß er bei der Beobachtung des fallenden Apfels lediglich einen eigenen/inneren W a h r n e h m u n g s p r o z e ß bekunden konnte. Niemand kann eine objektive Behauptung aufstellen. Denn wer etwas objektives über die Welt behauptet, tut fälschlich so, als sei er ein Supergott, der losgelöst über der Welt schwebt und ihr nicht angehört und nun eine ‘objektive’ Aussage machen könne.
    Das trifft auf uns aber nicht zu! Der Erlebende ist eher wie ein “x” oder ein “y” in einer langen mathematischen Gleichung mit ungezählten übergreifenden Klammerausdrücken. Mit Glück kann er gerade noch das sehen, was in seiner Klammer los ist. Aber diese Klammerausdruck kann eingebettet sein in eine Vielzahl weiterer dominanter/äußerer Klammerausdrücke. Er weiß nicht, ob vor seiner Klammer ein Multiplikator steht, und welcher das sein könnte, und ob der Multiplikator eine Pluszahl oder eine Minuszahl ist oder vielleicht wiederum ein Klammerausdruck.

    Man könnte nun denken, daß deshalb jede – auch noch so vernünftige – Wahrheitssuche demnach fruchtlos bleiben müßte. Das hieße, daß die obigen Überlegungen zu einer Welt des “gespreizten Nicht-Seins” nicht nur anmaßend, sondern logisch unzulässig wären. Denn als Bestandteil des Systems man kann keine objektive Aussage machen. Das heißt man kann schon eine Aussage machen – sie wäre aber grundsätzlich unverwertbar. Das vergleicht sich mit dem Verbot in der Mathematik, durch Null zu teilen. Das gilt als “unzulässig”. “Unzulässig” heißt nun nicht, daß gleich die Polizei an der Haustür läutet, wenn man durch Null teilt, sondern nur, daß das E r g e b n i s , das beim Teilen durch Null herauskommt, stets unverwertbar ist.
    Beispiel:
    10+15-25 = 14+21-35 …da können wir ausklammern:
    5x(2+3-5) = 7x(2+3-5) … die gleichlautenden Klammerausdrücke können wir wegkürzen und erhalten
    5 = 7 … und das ist einfach Quatsch! Das passierte, weil der Klammerausdruck (2+3-5), den wir wegkürzten, die Summe “0” ergab.

    Seinem von Buddhisten völlig unterschätzten Ausspruch: “Meine Lehre steht im Widerspruch zu gar nichts“, kann man aber entnehmen, daß der Buddha ein Prinzip erkannt hatte, das einen Ausweg aus dem logischen Dilemma bietet.
    Und mit “Widerspruch” meinte Buddha nicht, daß er nicht widerspräche. Denn seine Lehre stand selbstverständlich im Widerspruch zu den zahlreichen anderen damaligen indischen Religions- und Weltanschauungsschulen. Außerdem liebte es der Buddha sogar, mit Lehrern oder Anhängern anderer Schulen Streitgespräche zu führen – und bei diesen widersprach er seinen Gesprächspartnern durchaus und sogar sehr häufig!

    Was Buddha meinte, ist das, was auch Sokrates (so ungefähr ein Zeitgenosse Buddhas) zumindest teilweise erkannt hatte. Mit seiner “Mäeutik” (“Hebammenkunst”) wandte Sokrates eine Methode an, bei Streitgesprächen seinem Gegenüber nicht einfach zu widersprechen (etwa: “Da irrst Du aber, mein Lieber!“), sondern diesen geduldig zu befragen, bis er seinen Gegenüber zu dem inneren Widerspruch von dessen eigener Ansicht hingeführt hatte – so daß dieser seine Ansicht aufgeben mußte..
    Anders als Buddha hatte Sokrates leider nicht erkannt, daß seine “Mäeutik” ein grundlegendes Prinzip wissenschaftlicher Vorgehensweise (auch der Kosmogonie) ist.

    Mit seinem “Meine Lehre steht im Widerspruch zu gar nichts“ wies der Buddha nach meinem Verständnis darauf hin, daß in einem relativen und subjektiven System die Wahrheit oder die Erkenntnis nicht durch Ergreifen, sondern nur durch Loslassen – sprich: Beseitigen von Widersprüchen – möglich sei.

    Oder unsere weiter oben getroffen Feststellung, daß die ganze Welt (gemeint ist immer nur die ‘erlebbare’ Welt – nie eine “objektive”) eigentlich im Kopf des Beobachters ist. Diese Feststellung ist im ersten Moment richtig und auch nötig. Aber auch sie weist noch einen Widerspruch auf. Denn der “Kopf” selbst tritt ja “hier” bzw. “innen” in Erscheinung – ist also selbst “inneres” Sinnenprodukt.

    Der Buddha hat deshalb zu Recht darauf hingewiesen, daß er die Richtigkeit seiner Lehre nicht (objektiv) beweisen könne. Zu seiner Lehre sagte er deshalb auch nur: “Ich habe nichts Besseres gefunden“.
    Daß man die Richtigkeit seiner Lehre erfahren kann, indem man durch das von den Christen so mißverstandene (Bergpredigt) “Armut im Geiste” ein höheres Bewußtsein erreicht, steht auf einem anderen Blatt.

    Übrigens: Wilhelm Busch, der mit dem damals gerade erst in Deutschland bekanntgewordenen Buddhismus sympathisierte, hatte das Prinzip der ‘Widerspruchsbeseitigung’ sehr gut verstanden. Das entnehmen wir seiner – zunächst merkwürdig anmutenden – Definition von “gut”:
    “Das Gute,
    dieser Satz steht fest,
    ist stets das Böse,
    das man läßt.”

    Ganz anders dagegen (der von mir durchaus geschätzte) Erich Kästner:
    “Es gibt nichts gutes,
    es sei denn man tut es”

    D. h. die Wahrheits-/Realitätssuche besteht eigentlich aus einer schrittweisen Beseitigung von Irrtümern (Wahn).
    Wenn ein kleines Kind weint und Schmerz empfindet, weil im Kinderfilm etwas trauriges passiert war, dann trösten wir das Kind doch mit: “Hör mal …daß ist doch nur ein Film, und das sind doch nur Schauspieler – auch die Kinder im Film! Und die kriegen sogar viel Geld dafür!“.
    Die Beseitigung eines Irrtums führt also zum Erfolg. Der gegenteilige Weg, z. B. das Kind dadurch zu trösten, daß man jetzt in die Geschichte/den Plot des Films einsteigt, um dort etwas tröstliches für das Kind herauszuarbeiten, ist ein Weg, der entweder völlig scheitert oder aber nur zu einem recht begrenzten Ergebnis führt. Außerdem rüsten wir das Kind mit unserer Methode bereits für zukünftige Fälle.

  6. @jörg
    am Gymnasium-Klasse Untertertia:
    Deutsch-Aufsatz-Thema:
    “Sollen wir uns kurz fassen ?”
    Antwort: ” Ja ”
    Pauker :
    ” Sehr gut…brilliante Arbeit..glatte.1 ” 🙂

    1. Zu den Themen ….
      “Außerirdische der Vertikalen” und “Außerirdische der Horizontalen”
      “Wieso ist die Welt da?”
      “Das Problem mit dem ‘Anfang der Welt'”
      “Die Welt: Ein ‘gespreiztes Nicht-Sein’ – oder ‘ein Sein im Nichtsein’ ”
      “Das a-priori-Problem”
      “Das Problem von Ordnung und Gesetzmäßigkeit in der Natur”
      “Rechtfertigung der vorstehenden kosmogonischen Überlegungen. Welche Erkenntnismethode kann man überhaupt verwenden?”

      … einfach nur mit “Ja” zu antworten kann nur einem heutigen Deutschen einfallen. Das hat für mich absolut Bearbock-Niveau! Und das liegt noch unter “Untertertia”!

      Ich will mich aber nicht auf meinen Lorbeeren ausruhen und verweise beim Stichwort “heutige Deutsche” auf das ganz ausgezeichnete Audio von InDubio von heute:
      https://www.achgut.com/artikel/indubio_folge_189_19_12_2021_frau_buyx_macht_faxen

  7. Auch wenn die von Dirk Pohlmann erwähnten PSIRAM-Leute eiskalte Rationalisten sind, die sich gegen spirituelle Einsichten u.ä. wenden, sind PSIRAM und auch Wikipedia gerade auch durch ihre problematischen Seiten ganz nützlich: Man lernt kennen, was man nach Meinung dieser Leute ignorieren bzw. ablehnen soll – das kann ein ganz guter Einstieg sein, wenn man sich nur bewusst bleibt, dass man eben beim “Feind” liest. Denn die anonymen, hochprofessionell schreibenden angeblichen Freiwilligen wollen zwar von einer Art Verbraucherschutz-Idealismus getrieben sein, können mit ihrer Schreibe aber kaum leugnen, dass ihre Finanziers aus einer ganz anderen Ecke kommen.

    Auf der Hauptseite nennt PSIRAM seine 4 Hauptgebiete – schon optisch ganz dominierend: “Pseudowissenschaftliche Heilmethoden”.
    Im Umkehrschluss fehlt erwartbar nicht nur jegliche Kritik an der Pharmaindustrie, sondern alles rund ums Thema Pharma: von knallhart wirkenden wirtschaftlichen Interessen über Lobbyismus bis hin zur politischen Korruption – und den schädlichen, mitunter tödlichen Folgen für die zu ahnungslosen Pillenfressern degradierten Pharma-Endkunden.

    Zum Vergleich: Selbst die „Deutsche Apotheker-Zeitung“ (die nicht wie PSIRAM einen auf anonyme Revoluzzer macht und deren Leser ja immerhin im Endvertrieb für die Pharma-Industrie tätig sind!) hat ihre Kritikfähigkeit nicht verlernt, auch nicht gegenüber dem „eigenen Lager“. Und sie versteckt dergestalt „heikle“ Artikel nicht einmal hinter einer Bezahlschranke (etwa, um Brisantes von Endkunden fernzuhalten und nur „intern“ zu behandeln).

    „Pharmaindustrie schlimmer als die Mafia“ lautete ein Artikel von 2015 über den dänischen Mediziner Peter Gøtzsche, „der zunächst für Arzneimittelhersteller arbeitete und heute das Nordic Cochrane Center in Kopenhagen leitet. Seine These: Die Pharmaindustrie bringt mehr Menschen um als die Mafia. Er hält das gegenwärtige System der Arzneimittelproduktion, -vermarktung und -überwachung für gescheitert“,
    https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2015/02/06/pharmaindustrie-schlimmer-als-die-mafia

    Rationales Denken muss also nicht von vorneherein schlecht sein. Ein Meister dieses Fachs (und vor kurzem mit Max Otte und Mathias Bröckers im Gespräch) ist Norbert Häring. Auch er schlägt gelegentlich „alternative Töne“ an; ganz nach dem Motto „Free your mind“ beschäftigt er sich in einem neuen Blog-Beitrag mit dem Oxford-Ökonom Martin Schmalz, der seiner völlig im westlichen Geist wirkenden Zunft ein schlechtes Zeugnis ausstellt:

    Schnöder Eigennutz wird unter dem Namen „Nutzenmaximierung“ von westlichen Ökonomen zu einem höheren geistigen Prinzip geadelt, dass über die Ökonomie hinaus für das ganze private und gesellschaftlich-politische Leben erstrebenswert sei.

    Dies widerspricht dem Blickwinkel der fernöstlichen Traditionen, „die auf eine jahrtausendealte Geschichte der Erforschung des Wohlbefindens zurückblicken. Eine Grundlage des menschlichen Wohlbefindens in der yogischen Philosophie ist das Gebot, anderen Wesen keinen Schaden zuzufügen.
    Im krassen Gegensatz dazu ist es in der Mainstream-Wirtschaftswissenschaft schlicht eine Frage der Legalität und des Preises, ob es für Individuen vernünftig ist, anderen ,negative Externalitäten’ aufzuerlegen, also ihnen Schaden zuzufügen.“

    (Aktuelles praktisches Beispiel: Wir verhandeln nicht mit Putin, wir sorgen dafür dass er „einen Preis zahlen muss“.)

    „Einem Yogi oder einem Buddhisten ist dagegen klar, dass es nahezu unmöglich ist, ein emotional-geistiges Gleichgewicht auf einem so wackeligen Fundament zu halten. Für sie sind die Ersten, die durch unheilsame Handlungen geschädigt werden, die Handelnden selbst. (…) Der Weg sollte das Ziel sein“,
    https://norberthaering.de/reform-der-wirtschaftswissenschaft-dossiers/oekonomie-glueck/

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