Wenn ein Palästinenser-Führer einen permanenten Waffenstillstand mit Israel vorbereitet – wie der militärische Chef der Hamas-Regierung in Gaza, Ahmed Jabari, in der vergangenen Woche – und dann durch einen israelischen Bombenanschlag ermordet wird, läßt das eigentlich nur einen Schluß zu: an Frieden besteht auf Seiten Israels kein Interesse. Verständlich wird dieses Desinteresse mit einem Blick auf die Landkarte der palästinensisch und israelisch kontrollierten Gebiete, die zeigt, wohin die “Selbstverteidigung” Israels in den vergangenen Jahrzehnten geführt hat. Der permanente Krieg ist für Israel äußerst erfolgreich und jeder Waffenstillstand oder gar Friedenschluß bedroht diesen Erfolg – weshalb Israel, als Arafats Fatah sich in den 80ern in diese Richtung bewegte alles dafür tat, die islamistische Hamas in den besetzen Gebieten zu etablieren. Auf die Dschihadisten war denn auch Verlass, auch wenn seit 2004 in Israel nur 26 Zivilisten durch Hamas-Raketen starben (und 258 an Erdnuss-Allergie), lieferte dieser Terror den Anlaß für weitere militärische Operationen (mit tausenden getöteten Zivilisten in Gaza), weitere jüdische Siedlungen in besetzen Gebieten, den Mauerbau und andere Schikanen der arabischen Bevölkerung.
Bibi Netanjahu will die Wahl im Januar gewinnen und das funktioniert in Israel am besten mit der Entschlossenheit, Palästinenser zu killen. Dass das brutale Bombardement des Freiluftgefängnisses namens Gaza-Streifen – “Ziel ist Gaza ins Mittelalter zurückzubomben” so Innenminister Eli Yishai – zu einem regionalen Konflikt mit Ägypten eskalieren könnte, würde Bibis Traumziel – ein Krieg gegen den Iran – möglicherweise ein Stück näher rücken. Aber nur wenn USA, NATO und der Rest der westlichen Welt so wahnsinning sind, dabei mit zu machen. Anstatt einzusehen, dass hier auf beiden Seiten religiöse Verrückte am Werk sind – die Israelis haben ihren Krieg (nach dem Buch Exodus) “Operation Wolkensäule” genannt, die Islamisten ihre Rache-Raketen (nach der Koran-Sure 105.4) “Operation Schieferstein”. “Eine Bodeninvasion könnte kurz bevorstehen,” meint Pepe Escobar, “Bibi könnte aber – wieder einmal – einen Happen zu viel an Gefilte Fisch abbeißen, als er kauen kann. (…)Wenn Obama Eier hätte, würde er vor Wut schnauben. Dann würde er Bibi zu Boden strecken. Man sollte nicht darauf wetten. Wir wissen, er wird es nicht tun.”
John Denvers alte Country-Hymne
Die Realität ist manchmal phantastischer ist als die phantasievollste Einbildung und die Wirklichkeit oft komischer als die verrückteste Satire. Bisweilen aber sind Fiktionen den Fakten auch ein Stück voraus und nehmen als Vorstellung schon vorweg, was später zur Wirklichkeit wird. Ob es sich dabei Zufall oder um selbsterfüllende Prophezeiungen handelt, bei denen die Fakten die vorgegebenen Fiktionen einfach nur imitieren, ist unklar, manchmal scheint die fiktive Vorwegnahme von später eintretenden Tatsachen in ihrer Detailgenauigkeit geradezu an Magie zu grenzen. Berühmtes Beispiel ist die “Liebesgeschichte auf hoher See”, in der der amerikanische Autor Morgan Robertson 1898