Selten hat ein Beitrag hier im Blog so viele “Likes” bekommen, wie mein letztes Posting mit der Empfehlung von Oliver Stones Interview mit Wladimir Putin. Und ich hoffe, dass einige sich die Zeit genommen haben, diese Gespräche anzusehen. Der Beitrag war ja mit “Der amerikanische Partner” überschrieben, weil Putin diese Bezeichnung sehr oft als Synonym für die USA verwendete. Seitdem habe ich mir die Frage gestellt, warum eigentlich eine Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Russland nicht möglich ist, und warum Europa und Deutschland in fast schon hündischer Vasallentreue an einer Spaltung festhalten. An ehrlichen Offerten – von Gorbatschow über Putins Rede im Bundestag 2001 bis zur Münchner (Un-)Sicherheitskonferenz 2007 – hat es in der Vergangenheit von russischer Seite ja nicht gefehlt und wie jetzt beim Streit um eine zweite Erdgaspipeline durch die Ostsee deutlich wird, ist es ein vitales Interesse der rohstoffarmen EU-Länder und allen voran Deutschlands, zuverlässig mit Energie versorgt zu werden. Ebenso ist es ein vitales Interesse des Rohstoffriesen Russland, diese Versorgung möglichst direkt und kostengünstig zu gewährleisten – eben durch die Ostsee, statt auf dem Landweg, wo die Anrainer mit Transitgebühren die Hand aufhalten oder, wie die Ukraine, den Stoff illegal gleich selbst abzapfen. Für Westeuropa und für Russland ist “Nord Stream 2” deshalb eine Win-Win-Situation – so wie es auch “South Stream” durchs Schwarze Meer gewesen wäre, deren Bau gestoppt wurde, nachdem Onkel Sam den armen Anrainern wie Bulgarien die Pistole auf die Brust gesetzt hatte.
Dass Kanzlerin Merkel und Vize Gabriel wegen des Streits um die zweite Ostseeröhre es nun wagten, in Richtung Washington lautstark zu kläffen, zeigt, wie essentiell die Sache für den Industriestandort Deutschland ist.
Zur Lage in Pipelinistan hatte ich zuletzt hier und hier etwas gebloggt – und das dort gezogene Resümee beantwortet die Frage, warum ein partnerschaftliches Verhätniss US/EU/RU so schwer möglich ist : “Dass die energiehungrige EU aus Regionen versorgt wird, die sich nicht dem Diktat des Imperiums beugen, läuft der Doktrin der “Full Spectrum Dominance” zu wider und wird von Washington als feindseliger Akt betrachtet.” That’s it. “Kauft nicht beim Russen!” lautet die geopolitische Parole, kauft beim Kopf-Ab-Saudi und den wahabitischen Wickelmützen oder, noch besser, lasst euch direkt von uns versorgen: mit Fracking-Gas per Schiff – aber keinesfalls direkt und kostengünstig von eurem Osteee-Nachbarn Russland.
Dass selbst ökologisch und ökonomisch aberwitzige Projekte wie die Fracking-Gas-Verschiffung ernsthaft diskutiert werden, zeigt wie wichtig die Sache für die “einzige Weltmacht” ist: es kann und darf zwischen Europa und Asien, zwischen Deutschland und Russland, keinen friedlichen Handel und “Wandel durch Annäherung” (Willy Brandt) geben, weil dieses kontinentale Zusammenwachsen im ost-mitteleuropäischen “Herzland” – wie es einst der britische Geo-Stratege Mackinder nannte und sein jetzt verstorbener Schüler Zbig Brzeziński fortschrieb – die unipolare Vormachtstellung der Vereinigten Staaten verhindert.
Um die und um nichts anderes gehts auch bei dem Streit um “Nord Stream 2”, sowie bei der gesamten grotesken Legende von russischen Aggressionen, Hackern, Wahlbeeinflussungen und der “Bedrohung” unserer “Demokratie” durch Putin – ein Spektakel, das nur dazu dient, eine gefährliche militärische Aufrüstung voranzutreiben. Dass sich schon die Kaiser Napoleon und Wilhelm sowie Herr Hitler äußerst blutige Nasen geholt haben als sie sich mit Mütterchen Russland anlegten scheint dem Westen als historische Lektion offenbar nicht genug, er ist gerade dabei – siehe dazu die lesenswerte Analyse von Dmitry Orlov – schlafwandelnd in einen nuklearen Konflikt zu geraten, den er ebenfalls niemals gewinnen kann. Die “Titanic” hatte das mit ihrem Titel im Mai 2017 schon sehr schön erfasst…










