Real Game of Thrones: King Donald vs. Deep State – Der „Sumpf“ schlägt zurück

Die Gilde der Herolde und Lautsprecher hatte sich über König Donald einmal mehr mächtig erregt, weil er sie als “Feinde des Volkes” bezeichnet hatte. Aber die Leute im Königreich, vor allem jene auf dem flachen Land, die ihn gewählt hatten, stimmten Donald durchaus zu. Sie hatten sich ja schon während des Wahlkampfs nicht umfassend und neutral, sondern nur sehr einseitig informiert gefühlt und waren den Empfehlungen nahezu sämtlicher Lautsprecher, die sich allesamt für Hillary aussprachen, nicht gefolgt. Die Gilde hatte aus diesem Verlust von Vertrauen und Glaubwürdigkeit keine Konsequenzen gezogen, außer einigen alternativen Herolden und auch Donald selbst die Verbreitung von Lügen, die sie “Fake News” nannten, vorzuwerfen. Davon seien die Massen verwirrt worden und hätten den Verkündigungen der Gilde, bei denen es sich stets um die reine Wahrheit handelt, keinen Glauben geschenkt.

Nun hatte man Wahlveranstaltungen im exzeptionalistischen Königreich wegen der Bausicherheit schon seit langem ins Freie verlegt, weil sich wegen der zahlreichen Lügen und falschen Versprechungen regelmäßig die Balken bogen. “Fake News” waren also keineswegs etwas Neuartiges und in den Kämpfen um den Thron durchaus an der Tagesordnung; dass Kandidaten sich gegenseitig Lügen vorwarfen, nachwiesen, um die Ohren schlugen,  war selbstverständlich, üble Nachrede gehörte gleichsam zum guten Ton.

“Donald der Dünnhäutige” und die kindischen Herolde

Dass Donald in dieser Beziehung neue Maßstäbe gesetzt hatte, war ihm oft angekreidet worden und nach seiner Inauguration schlug er dann zurück, als er  einen Herold von “CNN” mit der Bemerkung abwies: “You Are Fake News!” – weil sie den Gerüchten über angeblichen Donald-Orgien in der Hauptstadt des Ultrabösen eine Bühne geboten hatten. Mittlerweile aber, so teilte er dem bei einer Konferenz erneut fragenden CNN-Herold mit, habe er seine Meinung geändert: “You Are Very Fake News!” Und zwitscherte gleich noch hinterher, dass sich New York Times, ABC,  NBC und CBS auch angesprochen fühlen dürfen.

Der Grund für diese weitere Eskalation seines Clinchs mit der Lautsprecher-Gilde lag vielleicht nur daran, dass sich CNN für die Diffamierung nicht sofort bei Donald entschuldigt hatte – als mega-narzistischer Egomane ist der neue König ja derart empfindlich, dass er von einigen schon “Donald der Dünnhäutige” genannt wird – aber jenseits solcher psycho-politischer Deutungen könnte er die Parole “Very Fake News” auch ganz gezielt eingesetzt haben, weil er weiß, dass er damit bei den Leuten punktet. Die Glaubwürdigkeit und  das Vertrauen in die Herolde war ja schon seit Jahrzehnten stetig zurück gegangen, dass sie wirklich frei, objektiv  und unabhängig Bericht erstatteten nahm ihnen kaum noch jemand ab.

Dieses Misstrauen in die Nachrichten war nicht zufällig entstanden und hatte seine Ursachen auch nicht in der Böswilligkeit des Publikums, sondern  war vielmehr Ergebnis einer Entwicklung, mit der die Unabhängigkeit und Vielfalt der Nachrichten im exzeptionalistischen Königreich zum Verschwinden gebracht worden war. Hatte anno 1983, unter Ronald I., die Gilde der Herolde und Lautsprecher noch aus 50 verschiedenen Großbetrieben bestanden, die das Volk mit Nachrichten, Meinungen und Unterhaltung versorgten, waren 2010 unter Obama nur noch sechs gigantische Unternehmen dafür zuständig. Diese waren sich untereinander zum Verwechseln ähnlich und das galt dann auch für ihre Nachrichten, die überall im Land aus sämtlichen Kanälen schallten.

Dass eine große Mehrheit der  Leute auf diesen Einheitsbrei nichts mehr gab – nicht einmal jeder Dritte hielt ihn noch für glaubwürdig – war da eigentlich kein Wunder. Wenn König Donald also gegen die Herolde heftig vom Leder zog konnte er sicher sein, dass er einem Großteil seiner Untertanen durchaus aus der Seele sprach. Und erstaunlicherweise ebenso sicher, dass die Attackierten in Schnappatmung gerieten und mit neuen Angriffen gegen ihn zurückschlugen – obwohl doch eigentlich zu Neutralität und Zurückhaltung verpflichtet gebärdeten sie sich ebenso kindisch wie der dünnhäutige Donald. So schaukelte sich die Stimmung im Königreich immer weiter hoch, beide Seiten warfen sich gegenseitig nur noch “Fake News” vor.

Dass  gegen Donalds Regentschaft und sein Vorhaben, mit dem Ultrabösen “klar zu kommen” und gemeinsam dem Wickelmützen-“Kalifat” ISIS den Garaus zu machen, eine sehr merkwürdige Koalition entstanden war, hatten wir im letzten Kapitel schon festgehalten. Die Meister der Intelligence, die von Donald ihre wichtigsten Fleischtöpfe bedroht sahen, bildeten zusammen mit den Leuten, die man  “Demokraten”, “Liberale” oder „Progressive“ nannte und denen Donald wegen seiner rassistischen, sexistischen Tendenzen ein Graus war, eine gemeinsame Opposition, zu der auch noch die “Neocons” genannten Kriegstreiber zählten, die unter W. und Obama einen Krieg nach dem anderen angeheizt hatten –  sowie nahezu die komplette Lautsprecher-Gilde.

Die Anti-Donald-Querfront

Ihre Macht hatte die sinistere Anti-Donald-Querfront erstmals mit der Beseitigung von Donalds höchstem Sicherheitsberater General Flynn offen demonstriert, bei der die Meister ganz ungeniert auf kriminellen Verrat zurückgreifen konnten, ohne befürchten zu müssen dass dies öffentlich angeprangert wird, denn die Herolde und Lautsprecher waren ja allesamt mit im Boot. Wenn auch mit gemischten Gefühlen, sodass selbst devote Stenographen der Atlantikbrücke nicht umhinkamen, von den Mächten eines tiefen Staats sprechen, was bisher eigentlich nur in den als gefährlich deklarierten Banden von Diskordianern und sogenannten “Verschwörungstheoretikern” üblich war. Denn offiziell konnte es solche in den Tiefen verborgenen Machstrukturen gar nicht geben, weil im exzeptionalistischen Königreich  alles transparent und streng nach demokratischen, rechtsstaatlichen Prinzipien, den sogenannten “Werten”, ablief.

Um den Springteufel Donald von der Bühne zu kriegen war aber offenbar jetzt jedes Mittel recht und die Herolde und Lautsprecher taten was sie seit Jahrzehnten taten, wenn “Werte” einfach ignoriert wurden: sie guckten weg. So wie bei den Untaten des “Hoffnungsträgers” Obama und so wie bei allen Verbrechen, die die Meister der Intelligence und ihr Militär überall auf der Welt begingen und begehen:  die Wahlmanipulationen, die regime changes, der Handel mit Rauschgiften und die Ermordung von Millionen Menschen in illegalen Kriegen.  Wer in der Gilde der Lautsprecher etwas werden wollte, musste lernen darüber entweder völlig hinweg zu sehen oder diese schrecklichen Fakten so zurecht zu schwurbeln, dass sie nicht unangenehm auffielen, also quasi “postfaktisch” zu berichten. Da konnte man über so einen kleinen Verrat am König schon mal locker hinwegsehen.

Doch auch wenn König Donald den tiefen Teller nicht erfunden hatte, also mehr dem Machertum als der Denkerei zugeneigt war und letztlich eher auf einen Ganoven als auf ein  Genie herauskam, war er natürlich nicht blöd. Er wusste im Voraus, dass der “Sumpf” der Hauptstadt, dem er im Kampf um den Thron den Krieg angesagt hatte, sich nicht kampflos ergeben würde. Sowohl Donald als auch General Flynn, als ehemaliger Großmeister der militärischen Intelligence, wussten, dass sie sich in eine Schlangengrube begeben – und der General ging mit Sicherheit davon aus, dass seine Gespräche mit dem Botschafter des Ultrabösen abgehört werden. Das merkwürdige Szenario seines Blitzrücktritts könnte, so meinen einige Beobachter, eine vorbereitete Aktion gewesen sein, bei der es gar nicht um Flynn geht, sondern darum, Lecks ausfindig zu machen.

“Die Lecks sind die wahre Geschichte, alles andere sind Fake News”, hatte Donald am Tag des Rücktritts gezwitschert – es scheint ihm darum zu gehen, die undichten Stellen im Tiefenstaat und die mit ihm kooperierenden Herolde ausfindig zu machen. Flynn und sein Team sollen weiter für ihn arbeiten, nunmehr im “Bureau of Intelligence and Research”. Ob es sich bei der Sache um eine Sting-Operation handelte, mit der Donald und sein mit allen Intelligence-Wassern gewaschener General begonnen haben, den “Sumpf” trockenzulegen, bleibt abzuwarten – in diesem Fall müsste es in nächster Zeit einige Entlassungen und wohl auch Festnahmen geben.

Ein Kenner dieses „Sumpfs“, Paul Craig Roberts, der einst für Ronald I. die Finanzen verwaltet hatte, glaubt, dass Donald nur eine Chance hat, wenn ihm das Großreinemache bei den Meistern der Intelligence gelingt. Gleichzeitig müsse er die Kartellgesetze benutzen und das Oligopol der Lautsprecher-Konzerne zerschlagen, um wieder eine Vielfalt von Berichten und Meinungen herzustellen. Andere wiederum, wie der Pate der „Neocons“ Bill Christol, begrüßten die neue Koalition von „Liberalen“, „Progressiven“ und der Lautsprecher-Gilde mit den unsichtbaren Meistern: „Wenn’s drauf ankommt, lieber mit dem Tiefenstaat als mit dem Donaldstaat.“

Einem gelehrten Chronisten des exzeptionalistischen Königreichs, David Talbot, der wegen seiner Forschungen über den Mord an König Jack gerühmt worden war und zuletzt eine ausgezeichnete Biographie über den „Vater“ des Tiefenstaats, Allen Dulles, vorgelegt hatte, standen bei Äußerungen wie dieser die Haare zu Berge. So wichtig es wäre, den „verrückten König“ loszuwerden, sei es noch viel wichtiger, dafür nicht die letzten Reste der Demokratie den unsichtbaren Meistern zu opfern, „den militaristischsten, heimlichsten und übelsten Elementen unserer Gesellschaft“. Tatsächlich konnte ja eigentlich auch niemand, der mit Frieden, Fortschritt und Freiheit irgendetwas im Sinn hatte mit Kräften zusammen arbeiten, deren Aufgabe in Krieg und Kontrolle bestand. Die Frage, die sich diese Menschen im Königreich jetzt stellten, war denn auch weniger wann und wie sie König Donald loswerden, sondern: Was kommt danach?

Auch auf Telepolis erschienen

5 Comments

  1. Gibt es wirklich eine Anti-Donald-Querfront? Große Teil der selbsternannten “Progressiven” sind nämlich nur die andere Hälfte eines Machtsystems zu dem auch die “Konservativen” gehören. In der Summe bilden beide Teile eine Herrschaftskaste, die keine Abschaffung des derzeitigen neoliberalen Weltherrschaftsmodells will. Hillary gehört genauso dazu wie die SPD in Schland oder mancher Grüne und “Salonsozialist”. In der BRD hat die CIA nachweislich “linksliberale Intellektuelle” finanziert und so für ihre strategischen Ziele eingebunden: https://de.wikipedia.org/wiki/Kongress_für_kulturelle_Freiheit

    Gegen Rassismus und Sexismus zu sein ist noch kein Kriterium dafür, wie jemand zum neoliberalen Machtestablishment steht. “Echte” Progressive bzw. Linke wären für mich z.B. bestimmte indigene Präsidenten Lateinamerikas, oder vielleicht jemand wie Labourchef Jeremy Corbyn oder Teile der deutschen Linkspartei. Die werden vom Establishment – egal ob es in seiner “konservativen” oder “progressiven” Rolle auftritt – genauso als „Populisten“ geschmäht und von der Macht ferngehalten oder bekämpft wie bestimmte rechte Populisten, die sich gegen die Interessen der Elite stellen (wie derzeit anscheinend Trump).

    Wer nicht für eine Friedens- und Sozialpolitik ist, die ein Ende der aggressiven US-Hegemonie, die Abschaffung der NATO und einen Stopp der Umverteilung des Reichtums von Unten nach Oben fordert, der missbraucht die Begriffe “links” oder “progressiv” nur für manipulative Zwecke oder fällt auf einen alten Fake herein. Leider hat genau das bisher gut funktioniert.

     
  2. Kapier ich nicht, die Lösung wäre doch so naheliegend…
    Anstatt sich die ganze Mühe zu machen, könnte die IC der Weltöffentlichkeit doch auch einfach ein mehr oder weniger überzeugendes, viel einfacher zu kontrollierendes Trump-Simulacra* präsentieren, die AI dürfte ja wohl kein Problem sein…

    Wobei: Donalds “Pressekonferenz” vom 16.02 war allergrösstes Kino. Nie zuvor war ich von einem audiovisuellen Input derart geschockt und belustigt zugleich. 10 Sterne. Das trau’ ich einer AI erst in 20 Jahren zu.

    Aber mal ganz pragmatisch: Der US-Tiefenstaat ist mächtig, aber wie mächtig ist er wirklich? Kann er etwa Wahlen beeinflussen und kennt er den Zaubertrick “Aus drei Türmen mach zwei”?
    Blöde Frage, sorry.
    Ja was kann er denn nicht? Informationen erschaffen, Informationsflüsse nach Belieben (um-)leiten, Personen instrumentalisieren?
    Hmm..
    Wir eleben hier entweder ein historisches Coming-Out, (show some empathy!!) und Donald ist effektiv eine False-Flag, die bewusst zugelassen wurde, oder der Tiefensalat ist einfach nur ein – gewiss teuflischer – “bunch of frustrated losers”.

    *”The Simulacra”, Philip K. Dick, 1964

     
  3. Beste Arbeit, eine tolle Fortsetzung! Sehr gut erzählt, und doch fehlen mir einige tagesaktuellen Entwicklungen, die den Stoff aufkochen sollten, etwas mehr Biss – in der Erzählung oder den Links!
    Vielleicht bekommst du es hin, auch weiterhin aktuell krititsche Entwicklungsstänge einzubauen und aufzuzeigen.
    Sicher wirst du mit deiner genialen Schreibe, diese Entwicklung früher oder später auch wieder aufgreifen wollen!

    Hier zwei Links als Appetiser
    The Left is Intentionally Creating a Coordinated Revolution
    https://www.armstrongeconomics.com/international-news/politics/the-left-is-intentionally-creating-a-coordinated-revolution/

    Obama is the Source of the Coup
    https://www.armstrongeconomics.com/world-news/civil-unrest/obama-is-the-source-of-the-coup/

    Sicher liegst du richtig mit „Ein Kenner dieses „Sumpfs“, Paul Craig Roberts, der einst für Ronald I. die Finanzen verwaltet hatte!!!
    War das nicht dieser Ronald und die Contra-Affäre – Rauschgift / Waffen / Latainamerika.
    Irgendwie bin ich schon zu alt, ich kann mich nicht mehr richtig erinnern – Hat Roberts sich damals als whistleblower geoutet? Oder hat er in seinem Job, nur die Sahne abgeschöpft?

    In Erwartung der weiteren Folgen, von König Donald, hier lässt er seine fünfjährige Enkelin https://www.nytimes.com/2017/02/03/world/asia/arabella-kushner-ivanka-trump-china-song.html?_r=0 ein Neujahrsständchen in Mandarin für die Chinesen singen – wie Nixon mit seiner Ping Pong Strategie.

    Viel Erfolg weiterhin, MB did it again!

     
  4. Trump ist ein Falke, keine Taube. Heute sagte er im Weißen Haus, am Rande eines Treffens mit Gouverneuren:

    “We have to start winning wars again. I have to say, when I was young, everybody used to say we never lost a war. We never lost a war. You remember, some of you were right there with me, you remember, America never lost. We never win and we don’t fight to win. We must ensure that our courageous servicemen and women have the tools they can be to deter war, and when called upon to fight in our name, only do one thing — win.”

    http://www.mediaite.com/online/we-never-win-and-we-dont-fight-to-win-trump-attacks-military-during-speech/

     

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