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Mar, 2017

Real Game of Thrones: König Donald und die Känguru-Ökonomie

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Das epidemische Anti-Donald-Syndrom (ADS) ist im exzeptionalistischen Königreich nach wie vor virulent und die besonders stark betroffene Gilde der Herolde und Lautsprecher zählt noch immer zu den Risikopatienten: „Sie sehen die Pressefreiheit in ihrem Land in Gefahr. Eine Studie führt Repressalien auf, Überwachung, Strafverfolgung und Blockaden. Seit Richard Nixon habe sich kein Präsident so aggressiv verhalten…“, verkündete entsetzt „Der Spiegel“, den man „das ehemalige Nachrichtenmagazin“ nannte. Und listete auf, dass sich die Herolde vom „Geheimdienstsystem“, den Meistern der Intelligence, überwacht fühlen, dass „Intransparenz“ herrsche, weil nur noch „mit Twitter und Facebook“ regiert werde, dass Pfeifenbläser wie der mutige Ed und die tapfere Chelsey mit Spionagegesetzen von 1917 verfolgt werden, „Mitarbeiter eingeschüchtert“ und „abgehört“ und insgesamt ein „Klima der Angst“ herrsche. Schwere Vorwürfe, zumal wenn man bedenkt, dass den Herolden als „vierte Säule“ der Demokratie ja eine eminent wichtige, staatstragende Rolle zukommt.

Dass König Donald angesichts dieses Sündenregisters natürlich gleich wieder „Fake News“ rufen würde, wäre absehbar. In diesem Fall allerdings auch berechtigt, den der Vorwurf so aggressiv wie sein Vorgänger „Tricky Dick“ Nixon gegen die Gilde der Herolde vorzugehen war nicht gegen ihn gerichtet: es handelte sich um das Sündenregister von Obama aus dem Jahr 2013. Wenn es auch auf Donald zutrifft, der wegen seiner Zwitscherleidenschaft sogar schon mit „Heil Twittler!“ verspottet wurde, wenn der neue König sich also gegenüber den Herolden kaum anders gebärdet als der alte, warum sorgt er jetzt für so gewaltige Empörung und apokalyptische Warnungen vor einer in Dunkelheit sterbenden Demokratie ?  Liegt das allein daran, das Donald der Herold-Gilde mit seinen „Fake News“-Salven die permanente Kurzfassung der Leviten liefert, die ihnen einst der große John Swinton las ? Bellen die Hunde nur so laut, weil sie schwer betroffen sind ?

Kriegsverbrecher mit „innerem Rembrandt“

Fast scheint es so, denn zu ihrer Ehrrettung kamen sie jetzt auf die Idee, den unbedarften Ex-König W. zu entmumifizieren und ihn auf dem Kanal NBC zur Verteidigung der „Pressefreiheit“ sagen zu lassen: “Wir brauchen sie, um Leute wie mich zur Verantwortung zu ziehen.” Das Statement wurde dann nicht mit einem Orkan aus der Lachmaschine unterlegt, sondern allen Ernstes weltweit verbreitet, weil ja jeder weiß, dass auf die Unabhängigkeit der Herolde und Lautsprecher jederzeit Verlass ist und sie W., Cheney und Rumsfeld einst massiv für die Lügen zur Verantwortung zogen, mit denen sie zum Irak-Krieg hetzten und eine Million Leichen produzierten. Dass sie heute als Massenmörder und Kriegsverbrecher eingekerkert sind, verdankt sich allein der Unnachgiebigkeit, mit der die Gilde der Herolde ihrer Kontrollfunktion als „vierte Säule“ der Demokratie nachkam und diese Verbrechen aufdeckte und vor Gericht brachte.

Wie ? Das ist gar nicht so ? Sie feiern W. stattdessen, dass er seinen „inneren Rembrandt“ entdeckt hat und Veteranen, die zumindest körperlich heil aus dem von ihm befohlenen Ölkrieg heimgekehrt sind, in Öl malt ? Da wunderte es nicht, dass das Vertrauen in die Gilde der Herolde im exzeptionalistischen Königreich auf immer niedrigere Tiefpunkten gesunken war und selbst ein König Donald dagegen locker bestehen konnte, obwohl er doch einen Fake nach dem anderen raushaute. Dass er damit durchkam, lag nicht nur an der Ignoranz seiner Hardcore-Anhänger, die auf ihren neuen König einfach nichts kommen lassen, sondern vor allem an der langen Fake-Historie der Herolde und Lautsprecher, denen niemand mehr abnahm, dass sie nunmehr auf den Pfad der Wahrheit zurückgefunden hätten. Das exzeptionalistische Königreich befand sich somit in einer Endlos-Schleife gefangen, die jenem Paradox glich, das einst von einem weisen Seher im alten Griechenland entdeckt worden war, von dem es hieß: „Epimenides der Kreter sagte: Alle Kreter sind Lügner.“

Große Sprünge mit leerem Beutel

Unterdessen dräut für König Donald ein Datum, an dem das Fake-News-Pingpong für’s erste ein Ende haben dürfte, weil es um harte und nackte Zahlen geht: am 15. März haben die Regierungsschulden des Königreichs die gesetzlich festgelegte Obergrenze von 20 Billionen Talern erreicht. Der Finanzminister darf dann keine weiteren Schulden mehr aufnehmen und das was er in den Schatzkammern noch zur Verfügung hat, reicht gerade mal für knapp drei Monate. Danach droht König Donald ein Zustand, den er aus seiner Vergangenheit als Baulöwe und Immobilienhai sehr gut kennt: er ist pleite. Man kann ihm persönlich zwar nicht anlasten, dass er mit dem Regierungssitz im Weißen Haus einen überschuldeten, konkursreifen Laden geerbt hat – sein Vorgänger Obama hatte mit fast 10 Billionen mehr Schulden angehäuft als alle 43 Könige vor ihm zusammen ! – aber was die drohende Zahlungsunfähigkeit für Donalds Pläne bedeutet, das Königreich „great again“ zu machen – die Infrastruktur aufzubauen, die Rüstungsausgaben zu erhöhen und gleichzeitig die Steuern zu senken – ist ziemlich klar: sie können nicht aufgehen. Die wenigen Taler, die bei den Ausgaben für die Wohlfahrt, die Armen, die Kultur und den Umweltschutz gekürzt werden könnten, werden da hinten und vorne nicht reichen.

Da König Donald sich bekanntlich in fast jeder Hinsicht für „sehr gut“ und in vielen Dingen für „absolut großartig“ hält, wozu er vor allem seine Fähigkeit zum Verhandeln zählt, wird er in Sachen Staatsschulden sein Verhandlungsgeschick jetzt unter Beweis stellen müssen. Immerhin könnte ihm dabei zum Vorteil gereichen, dass er nie Politiker war, sondern ein Geschäftsmann, dessen Unternehmen ein halbes Dutzend Konkurse hingelegt haben – und hinterher stand „The Donald“ stets eher besser da als vorher Er weiß also, wie man Gläubiger und Banken unter Druck setzt, zum Vergleich zwingt und am Ende über den Tisch zieht. Als gelernter Pleitier beherrscht er zudem ein Verfahren, das im Königreich auch „Känguru-Ökonomie“ genannt wird und die Technik bezeichnet „große Sprünge mit leerem Beutel“ zu machen. Wie weit König Donald mit seiner leeren Staatskasse nun springen kann, wird für den Erfolg seiner Regentschaft ziemlich entscheidend werden.

Anders als bei seiner düsteren Rede zur Inauguration überraschte Donald den Kongress des Königreichs bei seinem ersten Auftritt dort mit einer vergleichsweise positiven, optimistischen Ansprache, was den „Dow Jones“ genannten Spekulationsindex der Schatzkammern gleich auf neue Rekorde springen lies. Das Datum des oben genannten Schuldenstopps haben die Spekulanten dabei aber offenbar noch nicht im Auge, spätestens dann aber wird diese Donald-Blase an der Börse wieder platzen – zumal der König keineswegs konkret wurde in seiner jüngsten Rede, die man so zusammenfassen könnte: das Königreich zuerst, Details später.

Kein „Dispo“ für Donald

Wie diese „Zuerst“-Politik, die auch „Nationalismus“, „Protektionismus“ oder „Isolationismus“ genannt wird, ökonomisch laufen soll, ist unklar. Die von Donald-Fans gern ins Spiel gebrachten „Reaganomics“, mit denen Ronald I. einst die „Wirtschaft ankurbelte“, lassen sich nicht wiederholen. Bei Ronalds Amtsantritt lagen die Staatsschulden bei 30% der jährlichen Wirtschaftsleistung, die man BIP nannte, und er nahm zum Kurbeln einfach reichlich Kredite auf; Donald hingegen steht mit 20 Billionen in der Kreide, was 106 % des BIP bedeutet, also mehr als sein gesamtes Königreich in einem Jahr erwirtschaftet wenn es gleichzeitig keinen Cent ausgibt. Donald hat also keinen „Dispo“ mehr und ob er känguru-ökonomisch aus dieser Schuldenkrise herauskommen wird, bleibt eine spannende Frage.

Im Wahlkampf hatte er ja mehrfach davon gesprochen, die Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken wieder einzuführen, und auch mit einer Wiederkehr des Goldstandards für den Taler geliebäugelt. Der Goldstandard – die Tatsache, das jeder ausgegebene Geldschein durch Gold in der königlichen Schatzkammer gedeckt sein muss – war damals unter „Tricky Dick“ Nixon aufgehoben worden, weil seine Staatskasse wegen des Kriegs in Vietnam leer war und er mehr Geldscheine brauchte als Goldbestände vorhanden waren. Seitdem sind die Scheine, die von den königlichen Schatzkammern ausgegeben werden, eigentlich nur noch das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurden. Bis dahin waren die Währungen der anderen Königreiche, mit denen man Handel betrieb, „fix“ – ihr Wert richtete sich nach dem Goldbestand in der jeweiligen Schatzkammer und konnte nicht beliebig vermehrt werden. Weil sich nach dem exzeptionalistischen Königreich dann auch alle anderen vom Goldstandard verabschiedeten – sehr zum Bedauern von Donalds berühmten Onkel Dagobert übrigens! – gaben sie die Kontrolle über ihre Währungen auf.

Jahrtausende lang hatten Kaiser, Könige und Republiken die Entscheidungen über die auf ihrem Territorium gültigen Zahlungsmittel und ihren Wert in der Hand gehabt, doch jetzt kontrollierte eine weitegehend unsichtbare Institution, die „internationale Finanzmärkte“ genannt wurde, sämtliche Währungen. So entstand auch die Möglichkeit, mit der Währungsentwicklung zu spekulieren und den Kurs einer Landeswährung von außen zu manipulieren – was einigen Vampiren und Geldhaien in der Folge so erfolgreich gelang, dass sie ganze Volkswirtschaften in den Ruin trieben.

Die „internationalen Finanzmärkte“, die ihrerseits von einigen Großvampiren aus der Tiefe der Schatzkammern manipuliert werden, wollen sich diese Macht nur ungern nehmen lassen. Donalds Vorhaben, rabiate „Leitplanken“ in das globale Finanzcasino einzuziehen – und nichts anderes wäre die Bankentrennung und der Goldstandard – werden die zahlreichen „Goldmänner“ in seinem Kabinett zu verhindern wissen. In seiner Ansprache vor den Volksvertretern war davon jedenfalls nichts zu hören. Ohne solche Leitplanken aber wird König Donald mit seiner „Zuerst“-Ökonomie definitiv keine großen Sprünge machen – selbst wenn er als Verhandlungsgenie in Sachen Schulden zum leibhaftigen Känguru mutiert.

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Kommentare

4 Kommentare zu “Real Game of Thrones: König Donald und die Känguru-Ökonomie”

  1. Traumschau am 02.03.2017 um 17:44 Uhr 

    Naja, ich denke dass die Obergrenze für die Verschuldung wie immer fallen wird.
    Zudem sind 106% Verschuldung zum BIP tatsächlich eine Lachnummer, zumal wenn man selbst die Weltleitwährung druckt. Japans Staatsverschuldung beträgt roundabout 250% des BIP – und die Japaner leben immer noch …
    Wenn die Investitionen in die Infrastruktur getätigt werden, entstehen neue Jobs, wenn Trump es hin kriegt, außerdem viele neue Jobs durch seine Kooperation mit den großen Firmen zu schaffen, durch seine angekündigte Initiative die KMU´s zu fördern und das Handelsdefizit von ca. 800 Mrd. Dollar pro Jahr durch seine angeündigten protektionistischen Maßnahmen auf ein erträgliches Maß abzuschmelzen, sehe ich keine großen Probleme – bis auf große Augen bei Deutschlands bzw. Europas Politikdarstellern und das Heulen und Zähneklappern der hiesigen Exportlobby …
    Aber mal sehen was daraus wird, ist ja nicht mehr lang hin. LG

     
  2. pecas am 02.03.2017 um 19:00 Uhr 

    Ein nicht zu unterschätzender Kopf im Hintergrund des Spiels – David Brock – den (zusammen mit den von ihm ausgeübten, dezidiert geschichtsmanipulativen und in der Regel definitiv schmutzigen Glanzleistungen) wohl kaum noch jemand kennt…
    Wichtige Durchsagen zur schwarzen Agitation und Propaganda des US- Deep State von Thierry Meyssan:

    http://www.voltairenet.org/article195462.html

     
  3. Balken am 02.03.2017 um 20:14 Uhr 

    Heisst das Syndrom nicht ADHS? Anti-Donald-pro-Hillary-Syndrom.

     
  4. Stefan Miller am 03.03.2017 um 13:45 Uhr 

    getroffen, versenkt:

     

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