16
May, 2015

Osama und die CIA-ISI-GID-Connection

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16.05.15 16:14-BildschirmkopieDass der jüngste Report von Seymour Hersh “ein wenig Licht” in die mysteriöse Geschichte um die Ermordung Osama Bin Ladens bringen könnte, wenn auch keine wirkliche Aufklärung und schon gar nicht einen Beweis für seine 9/11-Täterschaft, hatten wir schon kurz angemerkt. In den USA ist der Reporter, weil er seine entscheidenden Informanten nur anonym zitiert, schwer unter Beschuss geraten, “völliger Unsinn”  sei das, sagte ein CIA-Sprecher und das Weisse Haus monierte “zahlreiche Ungenauigkeiten”. Hersh seinerseits reagierte auf die Kritik äußerst unwirsch – wie man seinen Antworten auf die  (auch eher dümmlichen) Fragen eines “Slate”-Journalisten entnehmen kann. Dass die Kritiker jetzt  auch die Investigativ-Koryphäe Hersh  in die Schmuddelecke “Verschwörungstheorie” stellen wollen, scheint dem  mittlerweile automatischen Reflex geschuldet, mit denen jeder Überbringer von Nachrichten über Staatsverbrechen gegen die Demokratie diffamiert wird. Tatsächlich könnte Hershs Version, nach der Bin Laden seit 2006 unter Aufsicht des pakistanischen Geheimdiensts ISI stand, der Realität zumindest ein Stück näher zu kommen, auch wenn ein nachvollziehbarer Beweis, dass es sich bei der in Abottabad ermordeten und dann seebestatteten Person wirklich um Bin Laden handelte nach wie vor fehlt. Deutlicher als zuvor aber wird mit Hershs Story, dass der angebliche Weltfeind Nr. 1 kein autonomer Terrorist, sondern eine Figur unter der Kontrolle der Geheimdienste war.

Die “CIA-ISI-Osama”-Connection war mir zum ersten Mal im November 2001 aufgefallen, nachdem Berichte über seinen Aufenthalt im “American Hospital” in Dubai im Juli 2001 aufgetaucht waren, und CBS über eine Einweisung des nierenkranken Bin Laden berichtete, in ein Militärhospital in Rawalpindi (Pakistan) – am 11.9.2001 !

In “Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.”  hatte ich diese Meldungen wie folgt kommentiert:

“Die neue Inquisition, die sich im Besitz der »Wahrheit über den Terror« befindet und zum Kampf gegen »frevelhafte Verschwörungstheorien« aufruft, wurde nicht von ungefähr Mitte November verkündet. In den Tagen zuvor hatten französische Medien gemeldet, dass das letzte Treffen von Bin Laden und der CIA noch im Juli 2001 im American Hospital in Dubai stattgefunden hätte (siehe »4.11.01: Osama meets CIA«), womit die Mär von der lange beendeten Zusammenarbeit mit islamistischen Terroristen aufzufliegen drohte. Einem Bericht des CBS-Korrespondenten Barry Petersen zufolge dürfte den US-Geheimdiensten auch bekannt gewesen sein, wo sich Bin Laden um den 11.9. herum befand: Am Abend zuvor wurde er in das Militärkrankenhaus in Rawalpindi zu einer Dialysebehandlung eingeliefert. Der Mastermind des avanciertesten Terroranschlags der Geschichte hängt also während des finalen Countdowns am Tropf des pakistanischen Militärs und wird vor einem Nierenversagen gerettet – wenn hoffentlich bald die Terrorklamotte »Die nackte Kanone 23,5« gedreht wird, dürfte das eine schöne Szene abgeben.”

Daraus wurde bekanntlich nichts – wobei die Serie der in  den folgenden Jahren immer wieder auftauchenden Droh,- und Bekenntnis-Videos mit ihren immer neuen Bärten und schrägen Übersetzungen durchaus schon in das Genre “Klamotte” driftete – von CIA-Offiziellen und Fernseh -“Terrorexperten” aber stets als authentisch  deklariert wurde. Als Watschenmann im “Global War On Terror” war der nierenkranke Osama, der nach einem pakistanischen Zeitungsbericht schon im Dezember 2001 gestorben sein soll, einfach unverzichtbar.

Dass er  laut Hersh seit 2006 unter Kontrolle des ISI stand und der saudische Geheimdienst (GID)  für seine diskrete Unterbringung bezahlte, weil die Saudis verhindern wollten, dass er den USA in die Hände fiel und über die saudische Unterstützung von Al Qaida plauderte – diese Story wirft  mehr Fragen auf als sie welche beantwortet. Vorallem, warum ausgerechnet in Sachen des meist gesuchten Terroristen der Welt der Schwanz (ISI und GID) fünf Jahre lang  mit dem Hund (CIA) wedeln konnte – die Amis also angeblich von nichts wußten bis zufällig ein Überläufer des ISI vorbeikam, der auf die 25 Mio. Belohnung scharf war. Und selbst wenn dem so gewesen sein sollte und der Deal so gelaufen ist: warum dann die aufwändige Nacht,-und Nebel-Aktion im Luftraum einer pakistanischen Garnisionsstadt, warum hat der ISI ihn nicht einfach über die afghanische Grenze gebracht um dann dort das SEAL-Team oder eine Drohne zuschlagen zu lassen ?

Auch wenn Hershs Geschichte, die in Grundzügen schon seit 2011 bekannt ist und mittlerweile auch von anderen Quellen bestätigt wurde, die Unwahrheit der offiziellen Legende über die Tötung Bin Laden offenlegt, bleibt diese Liquidation in hohem Maß mysteriös. Zumal Hersh 2003 selbst enthüllt hatte, dass der ISI Bin Laden und seine Entourage schon im November 2001 unter Kontrolle hatte: Truppen von US-Spezialeinheiten hatten ihn damals nördlich von Kunduz eingekreist, doch der Zugriff wurde ihnen  von höchster Stelle im Pentagon verwehrt –  weil sich hohe Offiziere des ISI in der Gruppe befanden. Einigermaßen fassungslos mußten die US-Marines mit ansehen, wie Bin Laden samt Familie und Leibgarde vom ISI nach Pakistan ausgeflogen wurde. Dass er danach vom Erdboden verschwunden und dann laut Hershs Geheimdienstinformanten vom ISI erst wieder 2006 irgendwo im Hindukusch ausfindig gemacht worden sein soll,  riecht streng nach Nebelkerze.

Sehr viel naheligender ist, dass er nicht nur in den Jahren vor 9/11 – wie es die ehemalige FBI-Übersetzerin und Whistleblowerin Sibel Edmonds enthüllt hat –  sondern eben auch danach unter ständiger Kontrolle der CIA und ihrer ausführenden Partner ISI und GID operierte. Zur selben Zeit als 15 seiner “Schüler” in trauter Kooperation von CIA und GID trotz fehlerhafter Visa über das US-Konsulat in Dschiddah problemlos zum Flugunterricht nach Florida eingeschleust wurden.  Um dann von ihren Aufsehern vor Ort zu einem  kleinen “Nebenjob” – Statisten bei  einem Air Force-Manöver  – engagiert zu werden, für ein bißchen Geld und mit einem Satz wie: “Ihr müßt euch um nichts kümmern, nur die Tickets für diese Flüge kaufen und ein Teppichmesser einstecken.” Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte…

Update: Wenn “Bild am Sonntag” anonyme Geheimdienst-Insider zitiert geht der Bullshit-Detektor ja üblicherweise sofort hoch in den roten Bereich, für diese Meldung aber reicht die Skala kaum noch aus: der BND hat für die USA nicht nur Selektoren-Strippen gezogen und deutsche Bürger und Unternehmen ausspioniert… nein, er hat auch ansonsten viel Gutes getan:  er hat der CIA das Versteck von Osama Bin Laden verraten!

(Dieser Beitrag erschien auch auf Telepolis)

Kommentare

5 Kommentare zu “Osama und die CIA-ISI-GID-Connection”

  1. Roland am 17.05.2015 um 08:22 Uhr 

    Matthias, Du hast ja sicher auch die aktuelle Geschichte über den Hacker Chris Roberts gelesen, der vom FBI beschuldigt wird, sich nicht nur in Flugzeuge gehackt, sondern diese auch manipuliert zu haben.

    Neues Thema:
    Schreib doch mal ein Buch über den neuen Welt-Bösewicht Kim Yong Un.
    Nordkorea ist ein interessantes, extrem rohstoff-reiches Land (u.a. die weltgrößten Vorkommen an seltenen Erden) in einer geopolitsch hochbrisanten Lage.

     
  2. Stefan Miller am 19.05.2015 um 12:51 Uhr 

    Hersh arbeitet für die CIA. Es ist die übliche Mischung aus etwas Kritik, etwas Vermutung und etwas Lob, die er da präsentiert. Im Wesentlichen stützt er die offizielle Story, daß Bin Laden bis vor kurzem noch gelebt hat, daß er ein Bösewicht war und daß die Amis den erst jetzt “gefunden” haben. Er stellt nicht in Frage, daß es die Islamisten waren, die 911 zu verantworten haben. Er geht nicht der Frage nach, ob 911 ein Inside Job war. Ein Pseudo-Debunker, nichts weiter.

     
  3. gaijinette am 21.05.2015 um 05:15 Uhr 

    Zum Thema ‘Bin Laden’ kann ich wenig beitragen.

    Zu Seymour Hersh hingegen mein Eindruck: Wenn er für die CIA arbeitet, wie ein gewisser Stefan Miller ohne die geringste Anstrengung einer Beweiserbringung behauptet, dann hat die CIA ja womöglich mit Rußland kooperiert denn… Hersh hat die Grundlage der Argumentation Washingtons zugunsten eines Kriegseinsatzes in Syrien widerlegt… ganz im Sinne Putins (der bekanntermaßen die Invasion der USA in Syrien… naja, (leider nur) bis zu deren Anti-IS-Einsatz… verhindert hat)… hat Putin ihn bezahlt? Ist die CIA vom FSB (einstens KGB) infiltriert bzw. aufgekauft??? Fragen über Fragen… —- übrigens, die ‘heute-show’, die wie alle Mainstream-Medien/-Sendungen (taz inclusive, lieber Mathias Broekers!) NATO-treu gegen Rußland & Putin hetzt, hat eine neue ‘Rubrik’: ‘Verschwörungstheorien’ — so lustig das zu sein scheint aber, wenn man bedenkt, daß ‘Verschwörungstheorie’ ein Kampfwort der Faschisten ist, ist klar, daß es dabei um den Kampf gegen Systemkritiker geht… das Kampfwort ist kaum besser als ‘Paranoiker!’ oder ‘Verfolgungswahn!’…

    Die Website ‘Democracy Now!’ ist sowieso erwähnenswert, z.B. findet man da auch Interviews mit Julian ASSANGE… hier ein Interview der verehrenswerten Amy Goodmann mit Hersh:
    http://www.democracynow.org/2013/12/9/seymour_hersh_obama_cherry_picked_intelligence

    P.S…. N-Korea… ich frage mich, was an der N-Korea-Berichterstattung auch nur entfernt wahr sein könnte… ich fürchte, so viel wie an der Irak-‘Bericht-Erstattung’ um Saddam Hussein… die ‘Nachricht’, der Präsident Nord-Koreas habe einen Minister mit einem Lufabwehrgeschütz exekutieren lassen, paßt zwar zu seinem hierzulande / im Westen / in den NATO-Staaten erzeugten Image eines verrückten Diktators, tatsächlich war diese Nachricht die wohl absichtsvolle (weil zur Propaganda passende) Umwandlung einer parodistischen Äußerung über Kim den Dritten oder Soundsovielten (ich kann ja nicht bis drei zählen, geschweige denn weiter, von daher die Vorsichtsmaßnahme) von N-Korea als ‘Nachricht’ – es war aber eben keine.

     
  4. jaja am 21.05.2015 um 23:00 Uhr 

    Bravo Miller! Touché! Lass Dich von den Jubelpersern nicht beirren.
    Setz lieber gleich noch Chomsky, Savange und Snowden mit auf die RAND-Gatekeeper-Liste.
    Psychologische Kriegsführung und Full Spectrum Dominance!

     
  5. jaja am 22.05.2015 um 13:00 Uhr 

    Ein totalitäres Regime, wird immer einen neuen Emanuel Goldstein erfinden.

    Die eigentlich interessante Frage ist doch: wer wird der nächste Bin Laden? Der nächste absolute Feind?

    Feinde im Inneren? Feinde im Äußeren? Unfassbare, geheimdienstkonstruierte Organisationen wie (IS)IS? Kontrollierte Bürgerrechtsaktivisten wie Savange oder Snowden? Nationalstaatliche “Demokratiefeinde”? Oder greift man irgendwann zu dem größen, gemeinsamen Feind.. einem Kometen oder gar Außerirdische, wie Wernherr von Braun vorschlägt, um die neue Weltordnung im Angesicht der globalen Bedrohung zu zementieren und mit weltraumbasierten Waffen absolute Kontrolle über die Bürger dieses Planteten zu erlangen?

    Bin Laden und die Diskussion ist Vergangenheit. Interessant ist nur, die Marionetten der Zukunft wirkungsvoll und früh zu erkennen oder es wird der Moment kommen, an dem Planet Erde der vielleicht größten und letzten Lüge auf den Leim geht.

     

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