7
Jul, 2015

Warum es keinen Grexit geben wird

categories Uncategorized    

Dass es zu einem Grexit so bald nicht kommen wird, hatten wir ja schon vor dem Referendum vermutet –  und auch dass danach neue Verhandlungen stattfinden werden, wie sie aktuell in Brüssel begonnen haben. Der Grund, warum den Griechen kein Rauschmiss aus der Euro-Zone droht, hat wenig mit Ökonomie, aber viel mit Geopolitik zu tun. Für das Imperium in Washington ist Griechenland aus strategischen Gründen unverzichtbar und weil klar ist, wer sofort mit Krediten bereit steht, falls Brüssel den Griechen die Tür zuschlägt und unbedingt verhindert werden muss, dass Russen und Chinesen einen Fuss in diese Tür kriegen, werden die Verhandlungen zäh aber am Ende erfolgreich enden. Die Börsen, die auf das klare “Oxi” aus Athen völlig entspannt reagiert haben deuten das ebenso an wie der  – in dem von der EU bis nach dem Referendum zurückgehaltenen IWF-Memo – schon signalisierte notwendige Schuldenschnitt. Da mögen die Griechen-Basher und Pickelhauben-Demagogen von “Bild” bis CSU noch so sehr hetzen und schäumen – auf der Atlantik-Brücke hat immer noch Uncel Sam das Sagen und der läßt auf dieser Bastion im Mittelmeer garantiert nichts anbrennen.
Dass “Gazprom” statt der von den USA verhinderten “South Stream”Pipeline” durch Bulgarien jetzt den “Turkish Stream” verlängert und durch Griechenland baut – und soeben den Bau einer zweiten “North Stream”-Röhre durchs baltische Meer verkündet hat, zusammen mit EoN und Shell (soviel zu den “Sanktionen”) – schon diese Entwicklungen werden von dem auf Kontrolle von Pipelinenistan ausgerichteten Pentagon mit Argwohn betrachtet. Weshalb die Griechen jetzt auf keinen Fall auch noch aus dem Euro gekickt und an die offnen Finanzkörbe des “Feinds” getrieben werden dürfen. Und so wird jetzt in Brüssel wohl eigentlich nur noch um Details und Sprachregelungen verhandelt, auf dass Schäuble seinen Wählern sagen kann, dass den Griechen kein Cent Schulden erlassen wird, aber dass man sich – aus europäischer “Solidarität” – auf eine Zinsreduktion und eine Verlängerung der Laufzeit verständigt habe.  Statt bis 2037 wird Griechenland  bis 2057 alles zurückzahlen und hat durch den niederigen Schuldendienst eine Chance,  mit den “notwendigen Reformen” einen echten Aufschwung zu realisieren.
So oder so ähnlich wird es enden. Bleibt für das Imperium und die EU-Bürokraten nur noch das Problem einer explizit linken Regierung in Athen, die mittlerweile auch Unterstützung fast sämlicher Oppositionsparteien hat. Ob die dann mit einer “Farbenrevolution”, wie hier befürchtet wird,  beseitigt werden kann, und/oder zu härteren Mitteln (“Gladio”) gegriffen wird, muss sich noch zeigen. Klar ist, dass man einen Erfolg solcher Regierungen nicht dauerhaft zulassen wird – das “Gespenst des Kommunismus” gilt nach wie vor als ansteckend…

Kommentare

9 Kommentare zu “Warum es keinen Grexit geben wird”

  1. Stefan am 08.07.2015 um 13:20 Uhr 

    Das mit der explizit linken Regierung ist für die Machteliten kein Problem, wenn Tsipras und Co. wieder auf Linie gebracht wurden, d.h. sich dem neoliberalen Generalkurs des Westens (die Kleinen werden nicht gefragt und zahlen für die Großen und die Banken) öffentlich wieder unterworfen haben. Diesen Preis wird Syriza jetzt für neue Gelder zahlen müssen. Der Systemelite ist es dann egal, ob Regierungen schwarz, grün, gelb, rot, braun oder wie auch immer sind, solange sie im Kern die gleiche Politik verfolgen und die Farbspielchen das bleiben, was sie sind: Demokratiesimulationen zur Beschäftigung des Stimmvolks.

    Geopolitisch geht es nicht nur um die NATO, sondern auch darum, dass innerhalb des Westens keine Alternative zum derzeitigen wirtschaftsimperialen Herrschaftsmodell entstehen darf. Man stelle sich vor, die Griechen bleiben stolz, verkaufen sich doch nicht an die Eurokraten und kommen nach einem Grexit allmählich wieder auf die Beine, erreichen einen (bescheideneren) Wohlstand für’s breite Volk, mehr direkte Demokratie und v.a. Souveränität statt Abhängigkeit von nicht gewählten transnationalen Macht- und Geldeliten.

    Wenn das Schule machen würde (Spanien, Italien z.B. wären Kandidaten), wäre das westliche Imperium nicht etwa von Russland oder China, sondern in seinem inneren Wesenskern bedroht. Deshalb darf ein Griechenland ohne Unterwerfung keinen Erfolg haben.

     
  2. Wimmy Willer am 08.07.2015 um 16:57 Uhr 

    Ein Großteil der “Griechenland-Rettung” in 2010 war ja eine Rettung deutscher und französischer Banken. Die Spielschulden dieser Banken alleine der griechischen Bevölkerung aufzulasten, ist schon starker Tobak. Genauso, wie die Iren die Zockereien der irischen Dependencen deutscher Banken begleichen müssen. Die Deutschen haben sich bislang noch in keinster Weise real an diesen Rettungsaktionen deutscher Finanzinstitute beteiligt – Mutti mit ihrem Schäufele hat sie davor bewahrt; nicht aus Menschenliebe, sondern allein wegen ihrer Liebe zur Macht. Sie sonnt sich völlig unverdient in der Wählergunst.

     
  3. Erich Moenninghoff am 09.07.2015 um 05:51 Uhr 

    Mathias Broeckers, Sie machen m.E. einen Denkfehler. Als jemand, der einer Renationalisierung der europäischen Völker das Wort redet, täten Sie gut daran, nicht den Grexit herbeizuschreiben, sondern für die Beibehaltung des Status quo, des Durchwurstelns, zu plädieren. Warum? Nun, solange es die Währungsunion gibt, wird die Erhaltung des gegenwärtigen Abstands zwischen den reichen und armen Mitgliedstaaten, von der erhofften wirtschaftlichen Konvergenz zu schweigen, nur durch wie immer deklarierte Ausgleichs-, Unterstützungs-, Hilfs- und sonstige Zahlungen überhaupt vorstellbar sein. Gewährt werden derartige Mittel in der realen Welt aber nur gegen Kontrolle, also verbunden mit tiefen Eingriffen von oben, in die staatliche Souveränität der Empfängerländer. Dabei ist abzusehen, dass diese die ihnen zur Verfügung gestellten Mittel als unzulänglich und das im Gegenzug verlangte “Durchregieren” des Nordens in ihre inneren Angelegenheiten als exzessiv empfinden und die Geberländer umgekehrt sich zugleich materiell überfordert und politisch übervorteilt fühlen werden. Entlang dieser Linie wird sich die Innenpolitik der Währungsunion stabil nationalistisch polarisieren. Ist es nicht das, was Sie sich sehnlichst wünschen? Der Euro ist in Wahrheit Ihr Freund; seine bloße Existenz sichert völkisch-nationalistischen Bewegungen Zulauf. Sie sind doch ein völkischer Nationalist, gell, Broeckers? Alle Putinversteher sind das.

     
  4. Jens am 09.07.2015 um 20:06 Uhr 

    Off Topic:
    Das Laden von breockers.com lässt den Browser für bis zu 15s einfrieren. Unbedingt Abhilfe schaffen. Und das mir jetzt keiner mit NoScript kommt!

     
  5. Gast am 10.07.2015 um 15:46 Uhr 

    @Jens: Das habe ich vor einer Weile schon mal geschrieben und hätte es beinahe vor zwei Tagen noch mal geschrieben. Ist ein Grund, die Seit6e nicht öfter aufzurufen – nicht selten bricht es auch andere Sachen im Hintergrund ab (z.B. Downloads oder Laden von Videos in anderen Tabs). Da laufen vermutlich irgndwelche Scripte im Hintergrund. Vom Handy-Internetbrowser lässt sich die Seite bei mir gar nicht aufrufen …

     
  6. Berndchen am 10.07.2015 um 16:21 Uhr 

    Die klügere Zahnbürste gibt nach:
    Bevor sattsam bekannte Kreise in GR einen blutigen Regime Change (auch als offener Militärputsch bezeichnet und schon einmal durchlitten) durchziehen, um die NATO-Habe in diesem geostrategisch so bedeutenden Land zu retten, gibt sich die Syriza auf, um ihrem eigenen Volk das nicht auch noch zuzumuten.
    Nach eingehender Gehirnwäsche und aggressiver politisch-ideologischer Diversion halte ich übrigens die Akzeptanz unter den Deutschen für einen Militärputsch derzeit für gegeben.

     
  7. Berndchen am 10.07.2015 um 16:24 Uhr 

    @Jens am 09.07.2015 um 20:06 Uhr,

    Nein, kein NoScript. Versuchen Sie mal statt breockers.com:

    “broeckers.com”.

    Mal sehen, was Ihr Brauser dann macht…
    🙂

     
  8. Wimmy Willer am 12.07.2015 um 10:42 Uhr 

    Die deutsche Öffentlichkeit wird seit 2010 sytematisch belogen und in die Irre geführt. Von Merkel und Schäuble, die offenbar die MSM voll hinter sich gebracht haben (wodurch eigentlich?)
    Schon 2010 war klar, das Griechenland INSOLVENT ist, und wie Wikileaks Enthüllungen zeigen, wusste das die Merkel ganz genau. Trotzdem hat man dann einem INSOLVENTEN Staat verboten, in die Insolvenz zu gehen und hat gutes Geld dem schlechten hinterher geworfen und den sogenannten Griechenland-Bailout eingefädelt (das war wohl hauptsächlich Sarkozy der das betrieben hat, aber die Merkel war dabei). Warum wird klar, wenn man schaut, wieviele griechischen Schuldverschreibungen deutsche und französische Banken in 2009 und 2014 hatte:
    2009: D: 45 Mrd €, F: 78 Mrd €
    2014: D: 13 Mrd €, F: 2 Mrd €.
    Die Differenz ist jetzt bei den europäischen Steuerzahlern dank der EZB.

     
  9. Wimmy Willer am 12.07.2015 um 10:45 Uhr 

    Der “Griechenland-Bailout” war ein Banken Bailout. Und Merkel und Schäuble lassen die Menschen dafür in Griechenland verhungern!
    Die Banken müssen gerettet werden, koste es was es wolle. Diesem Ziel haben sich Merkel und Schäuble verschrieben.

     

Leave a comment!