Putins Koch und die Wilde Dreizehn

Wie schon die amerikanischen Demokraten sind jetzt auch die deutschen Sozialdemokraten von russischen Trollbrigaden bedroht. Aktuell im Visier der Behörden: Die Wilde Dreizehn. Hier mit Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer (4. und 5. v.l.) .

(Mit Update) Bevor wir zum Drama der SPD kommen, ein Disclaimer: ich war da mal Mitglied! Willy Brandt stand zum ersten Mal zur Wahl und ich vor der Verhandlung zur Anerkennung der Kriegsdienstverweigerung. Dabei handelte es sich um eine gerichtsähnliche Befragung, bei der eine Kommission die pazifistischen Motive des Verweigerers überprüfen wollte. Mit Fragen wie: „Stellen Sie sich vor, sie gehen mit ihrer Freundin im Wald spazieren und es kommen zwei Russen mit einer Waffe aus dem Gebüsch und drohen mit Gewalt. Würden Sie dann nicht auch zur Waffe greifen?“ Mit solchen Fangfragen wurde versucht, den Kandidaten in die Enge zu treiben, um seinen Antrag dann abzuweisen und ihn zur Bundeswehr zu schicken. Ich fand das unwürdig und unverschämt, und war begeistert, dass im Wahlprogramm der SPD die Abschaffung dieser Verhandlungen gefordert wurde. Eine einfache Erklärung des Wehrpflichtigen, statt Ausbildung an der Waffe Zivildienst zu leisten, sollte künftig reichen. Darum trat ich in die Partei ein, demonstrierte gegen den Alt-Nazi Kiesinger, der für die CDU kandidierte, und machte als Erstwähler mein Kreuzchen für die SPD.

Doch kaum war Willy gewählt und die erste SPD-Regierung der Bundesrepublik im Amt, wurde ein gewisser Schorsch Leber Verteidigungsminister und verkündete, dass man zu wenig Soldaten habe und Kriegsdienstverweigerer sich auch weiterhin diesen Befragungen stellen müssten. Da zerriss ich mein Parteibuch und schickte es mit einem bösen Brief an die Geschäftsstelle zurück.

Den bekannten Spruch der Linken: „Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten!“ kannte ich damals noch nicht, sonst hätte ich ihn darunter geschrieben, denn ich fühlte mich persönlich verraten von dieser Partei. Das ist lange her, aber gelernt ist gelernt, und seitdem kann mich bei der SPD nichts mehr erschüttern, sie ist einfach die Umfallerpartei schlechthin. Und wenn sie so weitermacht bald nur noch einstellig bei den Wahlergebnissen.

Doch als ich letzte Woche die Umfrage mit 16% für die Sozialdemokraten schon mit „selber schuld“ quittieren wollte, ereilte mich eine Meldung der „Tagesschau“, dass jemand anderes an diesem Niedergang der SPD  schuld ist: die Russen!

„Ein Russe namens „Juri“ aus St. Petersburg“, so meldet Deutschlands führende Nachrichtensendung, soll dem Juso-Vorsitzenden Kühnert „Unterstützung bei der Kampagne gegen die Neuauflage der Großen Koalition angeboten haben. Kühnert habe diese Hilfe gerne angenommen, so der angebliche Informant.“

Mal abgesehen davon, dass es jetzt nicht mehr lange dauern kann, bis ein Mann namens Hase, der angeblich von nichts weiß, als angeblicher Informant der „Tagesschau“ auftaucht, ist nun aber wenigstens klar, wer für das Drama bei den Sozen verantwortlich ist: nicht die Schulzes, Gabriels, Nahles, sondern der Gottseibeiuns Putin, der jetzt auch die SPD unterwandert und destabilisiert.

So wie er es ja schon in Amerika getan hat, als er Donald Trump auf den Thron hievte. Das hat jetzt nach neun Monaten akribischer Recherchen der Ermittlungsausschuss unter dem ehemaligen FBI-Chef Mueller aufgezeigt, und 13 Russen angeklagt. Der Kopf der Wilden Dreizehn, ein reicher Gastronom, der auch „Putins Koch“ genannt wird, soll eine „Verschwörung“ zur Einmischung in den US-Wahlkampf finanziert haben, mit dem Ziel Hillary Clinton zu kritisieren und Bernie Sanders und Trump zu unterstützen. Dieser „Informationskrieg“, so der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein, hätte allerdings „den Ausgang der Wahl nicht beeinflusst“.

Wie bitte? Ein russischer Koch wird angeklagt, weil er Geld sammelte, um in den Social Media Anti-Clinton-Werbung für Sanders und Trump zu machen, was aber den Ausgang der Wahl gar nicht beeinflusst hat. Wahnsinn! – hätten wir noch Karneval käme an diesem Punkt der Büttenrede ein Tusch, wären wir in einer Seifenoper, käme die Lachmaschine vom Band – wir sind aber in der großen Politik und dürfen nicht lachen. Denn die Anklageschrift, so teilt das ehemalige Nachrichtenmagazin mit, „ist ein einmaliges Dokument: Erstmals erhält die Öffentlichkeit einen präzisen und detaillierten Einblick in den geheimen Wahlkampf russischer Agenten in den USA zwischen 2014 und 2016.“

Wow! Präzise und detailliert kann man da nachlesen, wie  die  Wilde 13 doch tatsächlich Twitter- und Facebook-Accounts unter falschem Namen eröffnet und Anti-Hillary-Botschaften gepostet hat – und sogar „über hundert Amerikaner“ kontaktiert haben soll. Und das mitten im Wahlkampf, dessen Ausgang davon aber nicht tangiert wurde. Wahnsinn, diese russischen Agenten!

Großspurig angekündigte und kläglich gescheiterte Vorhaben werden ja gern als Tiger bezeichnet, die als Bettvorleger enden. Aber das wäre in diesem Fall übertrieben. Nicht der Tiger, der in 9 Monaten Großermittlung auf allen Kanälen täglich „Russiagate“ fauchte, sondern der Bettvorleger. Dass er von der „Tagesschau“ jetzt schon mal prophylaktisch der SPD untergeschoben wird, falls mit der GroKo was schiefgeht, ist beruhigend. Wie bei Hillary in Amerika können auch bei den  Schulzens und Scholzens nur russische Trolle schuld am Niedergang der Sozialdemokraten sein. Gegen die Wilde Dreizehn ist einfach kein Kraut gewachsen….

Auch als Podcast auf KenFM

Update: “Juri aus St.Petersburg”, der es als Troll bis in die “Tagesschau” schaffte, ist entarnt: er stammt aus der Redaktion der “Titanic” und meldete sich als Informant per email zuerst bei “Bild”, die sogleich einen Aufmacher daraus bastelte. Fake oder Nicht-Fake ist nicht mehr Frage, wenn etwas gleich doppelt in die Kampagne passt (gegen Jusos, gegen Russland) kommt’s auf die Titelseite und von da in alle Wiederholungsschleifen, bis in Dr. Gniffkes “Tagesschau”.

6 Kommentare

  1. Das mit Putin’s Koch und der “Wilden 13” ist eine fast so amüsante Theorie wie die, dass die englische Königin ein Reptil ist, bzw. zu den “Reptiloiden” gehört – wie sie auch vom ehemaligen englischen Profifußballer David Icke gern verbreitet wird. Die “Reptiloiden” sind menschenähnliche Schlangenwesen, die angeblich auf die Erzählung “The Shadow Kingdom” von Robert E. Howard (1906–1936) zurückgehen und 1929 in dem Pulp-Magazin “Weird Tales” veröffentlicht wurden. Darin muss der Protagonist, der aus Atlantis stammende Kull, gegen Schlangenmenschen kämpfen, die ihre Gestalt verändern können und aus ihrem Schattenreich die Herrschaft über die Menschheit erringen wollen.
    Vielleicht sollte man im Fall der britischen Queen einfach einmal den Versuch antreten und ihrer Majestät eine Heuschrecke oder ein paar leckere Fliegen anbieten – es wäre eine amüsante Vorstellung, wenn dann eine Zunge, wie die eines Leguans hervorschnellen würde…

    Als bekennender Fan (oder sagt man mittlerweile (Fan*in?) des Films “MIB” (Men in Black) kann ich ein gewisses Faible für absurde Geschichten und Fantasien nicht leugnen. Besonders gut gefiel mir in diesem Film die Idee, dass eine Murmel am Halsband einer Katze eine bedrohte Galaxie beherbergt, die von bösen Küchenschaben eines feindlichen Planeten gesucht wurde.

    Nun aber zurück zur angeblichen russischen Einmischung in die kommende SPD-Mitgliederabstimmung und dem schlechten Wahlergebnis dieser Partei: Es wäre natürlich wirklich absurd und im Bereich der Fantasyfilme und Verschwörungstheorien anzusiedeln, wenn man den Niedergang dieser ehemals stolzen Volkspartei mit der seit Jahren abgelieferten politischen Arbeit und den entsprechenden Errungenschaften der Parteifunktionären, vor allem der leitenden, begründen wollen würde. Geht doch allen super in D! Die Schulen auf dem neuesten Stand, eine fantastische Infrastruktur in Stadt und Land, Arbeit lohnt sich, wir haben keinen großen Niedriglohnsektor, die Gewerkschaften setzen sich erfolgreich für die Interessen der Werktätigen ein, die Familien werden gefördert und entlastet und alle finden schöne bezahlbare Wohnungen, die Rentner freuen sich über auskömmliche Altersbezüge nach ihrem 40jährigen Arbeitsleben und Strom und Energie sind erschwinglich für jedermann. Nur hat uns noch keiner erzählt wo diese deutsche Galaxie der Glückseligen versteckt wurde. Blöd auch, ob uns die M.I.B helfen können?

  2. Sorry, aber soviel gequirlte Shit, kann nur von den Amis kommen. Noch schlimmer das unsere “Qualitätsmedien” und Personen aus der SPD auf diesen Zug aufspringen und es den Bürger als Faktum verkaufen wollen. Wer solchen Storys glaubt, der fragt auch nach der Leiter wenn es heißt, “Im Himmel ist Jahrmarkt!”.

  3. Herrlich: so zwischen Bliny und Borschtsch überlegt sich ein russischer Koch, wen er als nächsten US-Präsidenten auf den Speiseplan setzt. Jetzt ist also auch die Erklärung für den Niedergang der SPD gefunden. Vermutlich hat der perfide Russe schon dem Schulz geflüstert, er solle sich nach seiner grandiosen Leistung, von 100 % Zustimmung die SPD zum bislang schlechtesten Wahlergebnis zu führen, selbstverständlich – nachdem er zunächst jeden Regierungseintritt abgelehnt hatte – das Amt des Außenministers anmaßen, weil er mit diesem irren Zickzackkurs Deutschland wunderbar würdig in der Welt repräsentieren würde.

    Besser kann das transatlantische Medien-Establishment die letzten Fragmente seiner Glaubwürdigkeit kaum entsorgen. Die USA selbst machen sich offenbar kaum noch die Mühe, Wahlkämpfe vorab zu manipulieren. Bei Bedarf wird die betreffende Regierung gekauft oder per Regimechange weggeputscht oder weggebombt – wie nur in jüngster Zeit in Irak, Libyen, Syrien, Ukraine etc.

    Das eigentlich Unverschämte ist, dass die von unseren Zwangsgebühren und Steuern alimentierte Elite glaubt, irgendjemand würde ihr diesen maximal lächerlichen Schwachsinn noch abnehmen. Die denken wirklich, es würde funktionieren, alles was sie nicht wollen, mit dem Reizwort “Russland” so zu kontaminieren, dass die Menschen zurückschrecken. Es wird nach hinten losgehen, inzwischen halten nachweislich mehr Deutsche die USA für die größere Bedrohung als Russland. Vielen dämmert inzwischen, dasss sie pausenlos verarscht werden und agieren im Trotzmodus, nach dem Motto: Da die Elite offensichtlich schwer verwirrt ist und uns erzählt, dass die Sonne scheint wenn es in Strömen regnet, sollten wir besser immer das Gegenteil von dem tun oder glauben, was deren Propaganda uns weismachen will.

    Die bundesdeutsche Politklasse hält also unbeirrt ihren “alternativlosen” Kurs – und reiht sich damit ein in die Liste der Herrschaftscliquen, die glaubten, den Druck selbstverschuldet herangereifter Veränderungen ignorieren zu können, bis sie vom Strom der Ereignisse weggerissen werden. Oder – wie noch so ein “perfider Russe” wusste – “wer zu spät kommt, den bestraft das Leben”.

  4. Schönes Ding von der Titanic mit dem SPD Wichtel. Noch besser wurde es, als der Chefredakteur mit RT sprach und der Reichelt fast aus dem Anzug sprang. Das Bild mit der Augsburger Puppenkiste, besser hätte man das ganze Theater um den bösen Russen gar nicht darstellen können.

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