Reichtagssturm abgewehrt – Demokratie gerettet!

Wie schafft man es, einen friedlichen Massenprotest gegen die Coronamaßnahmen  so zu kontaminieren, dass die Medien nicht über eine Demonstration von Hundertausenden, sondern von einem “Sturm” auf den Reichstag berichten ? Ganz einfach: man genehmigt einem Verein von Reichsbürgern eine Bühne direkt am Reichstagsgebäude (Anmelder: Ex-NPDler Rüdiger Hoffmann) und platziere am Westeingang trotz polizeilichem Großaufgebot überall in der Umgebung ganze drei Polizisten. Dann läßt man eine durchgeknallte  Q-Anon-Tussi (laut Tagesspiegel eine Heilpraktikerin aus der Eifel)  ins Mikrofon kreischen, dass Donald Trump die Freiheit ausgerufen hat, dass die Polizisten ihre Waffen abgelegt haben und man jetzt die Treppen des Reichstags besetzen soll – und schon hat man die Bilder, die die Berichterstattung dominieren: ein Mob von ein paar Dutzend mit Schwarz-Weiss-Roten Fahnen, die “den Reichstag stürmen”.

Dass die große Demonstration und Veranstaltung von “Querdenken 711” an der Siegessäule mit diesem Event einer rechtsextremen Splittergruppe absolut nichts zu tun hatte, ist dann nicht mehr der Erwähnung wert. Denn schon im Vorfeld war die Demonstration ja als Veranstaltung von Reichsbürgern und Aluhut-Irren diffamiert worden und jetzt lieferte man eben die passenden Bilder dazu – und die SPD-Vorsitzende macht aus ein paar Dutzend Zehntausende, die den “Umsturz” vorbereiten:

Auch Parlaments-Oldie Schäuble rollt ans Mikro und sieht “unsere Demokratie” in Gefahr und wenn man die Kommentare von taz bis FAZ liest, dann waren ein Häufchen Reichsbürger und Fernsehkoch Atilla schon drauf und dran wie einst Adolf die Macht im Staat zu übernehmen – was nur dank des beherzten Einsatzes der Polizei, die für “unsere Demokratie den Kopf hingehalten hat” (Esken) gerade noch verhindert wurde.

Abgesehen von der heldenhaften Verteidigung des Parlaments durch drei Musketiere agierte die Polizei aber keineswegs so, wie es bei einer vom höchsten Gericht genehmigten und absolut friedlichen Demonstration geboten wäre. Sie behinderte den Aufzug  quer durch die Innenstadt und löste ihn dann auf, weil die Teilnehmer sich nicht an die Auflagen gehalten haben sollen. Doch ist das wirklich so? In einer Spezialausgabe von des 3. Jahrtausends werden die Geschehnisse ausgewertet – gemeinsam  den beiden Organisatoren, Nils Wehner und Nadine Müller.

The War On Journalism

Journalists are under attack globally for doing their jobs. Julian Assange is facing a 175 year sentence for publishing if extradited to the United States. The Trump administration has gone from denigrating journalists as ‘enemies of the people’ to now criminalising common practices in journalism that have long served the public interest. WikiLeaks founder and editor Julian Assange’s extradition is being sought by the Trump administration for publishing US government documents which exposed war crimes and human rights abuses. He is being held in maximum security HMP Belmarsh in London and faces a 175 years sentence if extradited.
There is a war on journalism – Julian Assange is at the centre of that war. If this precedent is set then what happens to Assange can happen to any journalist.
Join director Ken Loach and film-maker Suzie Gilbert for a discussion with Juan Passarelli about his new documentary – The War on Journalism: The Case of Julian Assange

Dass mir der Geisel ja nicht auf Noske macht!

Wie wir in der 3 JT-Sendung gestern schon erwartet  haben, ist das vom Berliner Innensenator Andreas Geisel verhängte Verbot der Demonstration gegen die Corona-Politik nicht gerichtsfest und wurde denn auch heute vom Verwaltungsgericht Berlin kassiert. Auch die Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht wird daran nichts ändern, die Demo kann also legal stattfinden und die Veranstalter können sich beim rot-rot-grünen Berliner Senat für die kostenlose Werbemaßnahme bedanken. Dass die Proteste von dort und aus der links-grünen Ecke – wie schon bei der Demo am 1. August – als Aktion von Rechtsextremen, Reichsbürgern und Aluhut-Irren diffamiert werden, wird dem Zulauf bei der Demo wohl auch nicht schaden. Für Kabarettisten ist es jedenfalls schwer, den Aufruf des Vorstands der Partei der Linken gegen die Demo zu toppen:

“Am 29. August 2020 wollen noch mehr Anhängerinnen und Anhänger von Verschwörungserzählungen, Rassistinnen und Rassisten, Islamfeindinnen und Islamfeinde, Antisemitinnen und Antisemiten, Holocaustleugnerinnen und Holocaustleugner sowie extreme Rechte von AfD, NPD bis hin zu Reichsbürgerinnen und Reichsbürgern, III. Weg und Nazihools nach Berlin kommen und die Gelegenheit eines ungeahnt großen Publikums nutzen. Das nicht genug, handeln sie ohne Rücksicht auf Gefährdete – die Vergangenheit zeigt häufig große Menschenansammlungen ohne Abstand und Masken. Auch wenn nicht alle Demonstrantinnen und Demonstranten Nazis sind: Hier erscheint das Potential einer neuen Pegida-ähnlichen Straßenbewegung. Dem ist entschieden entgegenzutreten.”

Nun hatte schon der Verfassungsschutz höchstselbst nach der Großdemo am 1. August festgestellt, dass Nazis dort keinerlei Rolle gespielt haben – und der kennt sich im rechten Sumpf bekanntlich allerbestens aus. Dass dieses Mal ein paar mehr braune Glatzen hingeschickt werden und für die Kameras Fahnen schwenken und Parolen brüllen ist vorstellbar – ebenso wie inszenierte Antifa-Randale, um die “Gewalttätigkeit” der Protestbewegung zu illustrieren. Vorsicht vor agents provocatuers ist deshalb erste Bürgerpflicht bei dieser Demonstration, die möglicherweise ein chaotischer Massenspaziergang wird, weil viele Straßen gesperrt sind und massenhaft Polizei den “Infektionsschutz” sicherstellen soll. Im Idealfall kämen ja zu diesen Protesten gegen den Corona-Maskenball alle Demonstrierenden mit einer Gesichtswindel und hielten einen derartigen Abstand, dass sich der Zug bis nach Potsdam zieht.

Unterdessen hat “Querdenken 711” gerade einen prominenten Redner angekündigt: Robert F. Kennedy jr. wird auf der Bühne sprechen. Der Neffe von JFK – als Vorsitzender  der “Childrens Health Defense” ein führender “Big Pharma”-Kritiker – hat diese Woche auf seinem Instagram-Account gerade einen Artikel der “Columbia Journalism Review” gepostet, der die 250 Millionen Dollar Spenden der “Bill &Melinda Gates Stiftung” an Medien untersucht (“Journalism’s Gates Keepers”). Solche Faktenchecks finden die von Corona-Bill gesponsorten “Faktenchecker” natürlich nicht hilfreich, weshalb Kennedy  wohl nicht mit “guter Presse” rechnen kann  – ganz gleich was er sagt. Und war nicht schon sein Großvater lange Nazi-Sympatisant ? – Na also!  Und sollte Reichsbürger RFK jr. den Massen dann in Memoriam noch ein solidarisches  “Ich bin ein Berliner” zurufen – hui, da wär was los bei den Torwächtern der Leitmedien.

Wäre “Sars-Cov2” so gefährlich, wie immer noch allseits behauptet wird, müssten sich nach der Großdemo vom 1. August in Berlin ja die Leichensäcke stapeln – de facto waren in ganz Deutschland von 30.000 Intensivbetten gestern 231 (zweihunderteinunddreißig) mit Covid-Patienten belegt. Von Pandemie keine Spur mehr. Aber die Zahl der Infizierten steigt doch wieder. Ja, weil immer mehr getestet wird (letzte Woche fast 1 Million) – und nein, weil die PCR-Tests gar keine Infektion messen. Sie können nur die Anwesenheit eines DNA-Partikels des Virus feststellen, aber nicht, ob die Zellen wirklich infiziert sind und die Virenmenge ausreicht, andere anzustecken. Positiv getestete “Infizierte” sind also weder “krank” noch “infektiös”, weshalb über 85% gar keine Symptome haben. Durch immer mehr Tests können die “Infizierten” freilich ad infinitum hochgehalten werden, wie eine Börsenblase durch ständigen Cashflow. Es wird höchste Zeit, die Corona-Blase auf den Boden der Tatsachen zurück zu führen, was nicht heißt, die Gefahren der Erkrankung zu leugnen, sondern die Zahlen in Relation zu setzen und die Schutzmaßnahmen der Realität anzupassen. Den Zirkus fortzusetzen bis Onkel Bill mit einem fragwürdigen Impfstoff um die Ecke kommt – die Russen haben zwar schon einen, aber der ist genauso Pfui wie Nordstream ! – mag den Regierenden gefallen, dass weiten Teilen ihrer Wählerinnen und Wählern das nicht gefällt, müssen sie sich aber auch gefallen lassen. Bleibt zu hoffen, dass Spezialdemokrat Geisel nicht auf Noske macht, sondern statt die Demonstration nieder zu knüppeln auf infektionsicherer Abstandswahrung der Einsatzkräfte besteht…

(Abbildung: Camp von Querdenken 711 in Berlin, Foto: Deutsche Welle)

No Demo-Kratur

Die geplante Corona-Demo in Berlin soll verboten werden. Gilt das Grundgesetz jetzt nur noch bei schönem Wetter? Hunderte Schüler und Lehrer wurden seit Schulanfang positiv getestet – aber Tausende sitzen in Quarantäne. Wie soll das weitergehen?

Außerdem: Endlich gibt es einen Impfstoff gegen Covid-19, aber alle Welt schimpft darüber, weil er aus Russland kommt. Und wer steckt eigentlich hinter der mysteriösen Explosion in Beirut? Über all das und mehr berichten die Journalisten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #50 des 3. Jahrtausends!

Es war ganz schrecklich

Für “Gutenbergs Welt” (WDR 3) habe ich Garett M.Graffs „Und auf einmal diese Stille – Oral History des 11. September“ (Suhrkamp Verlag) besprochen. Ich war gespannt auf das Buch, weil ich den Großmeister der us-amerikanischen “oral history“ , Studs Terkel, sehr schätzte. Er ließ einst den „einfachen Amerikaner“ im Radio und in Büchern zu Wort kommen und Unerhörtes sagen – Garret M. Graff hingegen illustriert mit seinem komponierten Stimmengewirr nur das, was als offizielle Geschichte ohnehin in jedem Lexikon steht. Deshalb erfahren wir in dieser oralen Echokammer in jedem Kapitel immer nur dasselbe: Es war ganz schrecklich.

Unten der Podcast der Sendung, die Rezension beginnt  bei Minute 15:00. Zuvor spricht Walter van Rossum mit Klaus Theweleit über dessen neues Buch “Warum Cortez wirklich siegte” (Matthes & Seitz), das ich gerade gelesen habe und – wie fast alles von Theweleit – nur empfehlen kann. Deshalb hört die Sendung von Anfang an.

Das 3. Jahrtausend #49: DDR 2.0

Die Corona-Demo am 1. August in Berlin – nicht nur die Berichterstattung der Massenmedien erinnert an die Zustände in der untergehenden DDR, sondern auch die Reaktionen aus der Politik. Wer es wagt, den offiziellen Regierungskurs in Sachen Corona zu kritisieren, wird als “Covidiot”, “Rechtsextremer” oder “Verschwörungsideologe” beschimpft, Proteste werden kleingeredet. Doch sollte sich herausstellen, dass am 1. August deutlich mehr als 20.000 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert haben – und dafür spricht einiges! – muss die Bundesregierung die Kritik ernst zu nehmen und darauf reagieren. Wir liefern brisante Details – und da aus den Massenmedien fast nichts über die berechtigten Kritikpunkte der Demonstranten zu erfahren ist, holen wir das nach. Außerdem: Die Anzeichen verdichten sich, dass die “Corona-Pandemie” das Vorzeichen einer viel größeren Katastrophe ist – der endgültigen Errichtung des Überwachungskapitalismus. Über all das und mehr berichten die Journalisten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #49 des 3. Jahrtausends!

Covid 9/11

“Das Klima der Angst und Einschüchterung, die autoritäre Radikalisierung der Politik – das alles gab es schon einmal: in den Monaten nach dem 11. September 2001. Was damals terroristische „Schläfer“ waren, sind heute die Viren – unberechenbare Feinde, vor denen die Regierung Schutz verspricht. Dieses Narrativ lädt zu Manipulationen ein.”

So der Kollege Paul Schreyer, der auf Multipolar eine “Warnung” veröffentlicht hat:

“Es mag seltsam anmuten, eine Verbindung zwischen dem Terroranschlag und der Pandemie zu ziehen, doch ein Vergleich mit den Ereignissen vor gut 20 Jahren ist erhellend. Sowohl 9/11 wie auch Covid-19 sind Auslöser für eine große gesellschaftliche Umgestaltung gewesen, welche in beiden Fällen auf Angst basiert, einer Kriegslogik folgt und die Aufmerksamkeit der Masse dauerhaft in eine Richtung lenkt. Die Gemeinsamkeiten sind zahlreich:

  • Sicherheit wird zum Leitgedanken, der alles andere verdrängt
  • das Gefühl der Bedrohung wird durch ständige Wiederholung in den Medien wach gehalten
  • die Exekutive kann ihre Befugnisse ohne größeren Widerstand ausweiten
  • eine internationale, dezentrale „Wahrheitsbewegung“ entsteht, deren Äußerungen pauschal zu „Verschwörungstheorien“ erklärt werden

Diese Gemeinsamkeiten sind objektiv feststellbar, unabhängig davon, welche Hintergründe man bei 9/11 oder der Corona-Krise vermutet und ob man der Regierung vertraut oder nicht. Wie auch immer man dazu steht, Fakt bleibt: Angst macht Menschen lenkbar und ist damit stets auch ein politisch nutzbares Werkzeug.”

Als Machttechnik ist die Erzeugung von Angst sehr viel wirksamer als eine Manipulation von Meinungen. Meinungen sind zumeist flüchtig und haben in unserem psychischen Apparat (…) eine geringere Bedeutung. Angst ist eines der stärksten Gefühle. (…) Zu den Psychotechniken der Angsterzeugung gehört vor allem die propagandistische Erzeugung einer massiven vorgeblichen Bedrohung, die entschlossen zu bekämpfen vordringliche Aufgabe der Bevölkerung sei.“ (1)

So schreibt es der Psychologieprofessor und Kognitionswissenschaftler Rainer Mausfeld in seinem 2019, wenige Monate vor der aktuellen Krise, veröffentlichten Buch „Angst und Macht“. Mausfeld weiter:

„Dem Zweck einer Verdeckung eigener Ziele und Absichten dient eine Angsterzeugung durch propagandistische Deklaration einer großen Gefahr X, der die Bevölkerung durch einen ‘Kampf gegen X’ entschlossen entgegentreten müsse. (…) X kann dabei so ziemlich alles sein, was sich irgendwie wirksam zur Angsterzeugung nutzen lässt. (…) Bei einem von oben verordneten ‘Kampf gegen X’ geht es nie um das, was als zu bekämpfen deklariert wird. (…) In einem Kampf gegen X geht es gar nicht um X; vielmehr wird die Verwerflichkeit und Destruktivität eigenen politischen Handelns auf den vermeintlichen oder tatsächlichen Feind projiziert, um politisch nutzbare Angst in der Bevölkerung zu erzeugen. All das, was hier als Kampf gegen eine Bedrohung verkauft wird, darf gar nicht erfolgreich sein, weil sein Erfolg für die ökonomischen und politischen Zentren der Macht gerade darin liegt, nicht erfolgreich zu sein und als Mittel der Angsterzeugung und Herrschaftssicherung erhalten zu bleiben.“ (2)

Diese Analyse, die man auf 9/11 und den „Krieg gegen den Terror“ ebenso anwenden könnte wie auf die Corona-Krise, unterstellt eine manipulative Regierung oder Machtelite, die die Angst vor einer Gefahr zur Ausweitung der eigenen Macht ausnutzt. Folgt man dem Gedankengang, dann ist es aus Sicht einer solchen Machtelite angeraten, die Angst vor der Gefahr stetig anzuheizen, um das neu etablierte politische Werkzeug nicht wieder zu verlieren.”

Weiter lesen auf MultiPolar.

Bimbophil und Spaß dabei

“Du Neger ?” fragt Otto einen schwarzen Soldaten, der nicht versteht. “Schwarzer Kopf, schwarzer Bauch, schwarze Füß”, erklärt Otto, zieht die Strümpfe aus und zeigt seine dreckigen Füße. Da fällt seinem Gegenüber der Groschen: “Ah, du Neger!”. In der Folge gelingt es Otto,  seinen neuen schwarzen Freund als Sklaven an eine ältere Dame zu verkaufen (“Wenn Sie denn näher treten wollen, Herr Bimbo”) und von ihr 100 Mark zu erschwindeln. So weit, so flach eine Szene aus “Otto – Der Film” aus dem Jahr 1985. Der Sketch stammt ursprünglich aus einem Bilderwitz von Robert Gernhardt , der mit seinen “Titanic”-Kollegen Bernd Eilert und Pit Knorr das Buch zum Film geschrieben hatte. Weil der  mit 15 Millionen Zuschauern  meist gesehene deutsche Film aller Zeiten zum 35-jährigen Jubiläum wieder in einigen Kinos laufen sollte, ist er wegen Verwendung des N-Worts jetzt unter Rassismusverdacht geraten. Und mir fiel ein, dass ich den Film damals gesehen und darüber geschrieben hatte – schwer enttäuscht, weil ich den Humor von Gernhardt und der Neue Frankfurter Schule eigentlich hochgradig schätzte:

Waalkes, Waalkes noch ein Weilchen…

Es musste ja so kommen: Nach der Platte, der Show, dem Buch, dem T-Shirt jetzt „Otto — der Film“. Keine Frage, daß er einschlagen wird, wie alle Produkte des Otto-Versands — es geht nicht mehr um Witz, Komik, Satire und “Anartistik”, es geht um „Otto“. D.h. umso etwas ähnliches wie „adidas“, was ja mit Sport auch nichts zu tun hat. Oder nur insofern, als sich die Fans jedes Jahr das neuste Modell reinziehen. So wie jetzt also „Otto — der Film“, bei dem, wie sollt’s anders sein, gelacht werden darf. Nicht über die dürftig-dämliche Story, nicht über die Figuren (außer Otto darf niemand witzig sein, alles reine Retorte), nicht über Situationen, Überraschungen — die Spannung geht chronisch gegen Null — sondern über den, der ihr völliges Absinken verhindert und immer wieder diese Lachsalven auslöst: Otto, der Mann mit den drei Problemen, der Otto wie wir ihn kennen und lieben, der mit den drei Grimassen, den drei Kalauern und den drei Gitarrenriffs, immer frech, immer frisch, immer fröhlich, mit Breitband-Gags für Sechs bis Sechzigjährige, vom hochsubtilen Nonsens bis zur dumpf-regressiven Zote, von wahnwitziger Komik zum flachsinnigen Grimassieren, der einzige Volks-Otto mit den drei Prädikaten: allen wohl, keinem weh und trotzdem einen la-Witz auf der Pfanne, hervorragend unter den Didis und Supernasen des komischen Gewerbes. Noch hervorragend, denn mit seinem Film ist Otto auf dem besten Weg, ein ebenso widerlicher Peinsack zu werden.

„Otto — der Film“ ist eine Nummern Revue, die durch ein Drehbuch unter aller Humor-Kritik (Ostfriesenjüngling in den Mühlen der Großstadt) zum Film gestreckt wird, statt sie, wie bisher im TV und bei Ottos Live-Auftritten, zur raffinierten Show zu verdichten. Hätten sich Otto und seine drei Pointenschmiede von der „Titanic“ (Eilert, Gernhardt, Knorr) statt auf die Konstruktion einer Handlung auf das besonnen, was sie können (kleine, feine, gemeine Witze zu machen) — es hätte eine fetzige, neo-banale Kino-Show werden können. So aber ist ein plattes, belangloses Komödchen herausgekommen, die ehemalige Perle Otto wirft sich vor die Säue der überparteilich unerheblichen Zwerchfellanimation. Die PR-Lawine mit Jubel von ‘Bild* bis ‘Spiegel* läßt darauf schließen, daß Otto der Durchbruch zum „Lachmann der Nation“ endlich geglückt ist.

Bleibt zu hoffen, daß er nicht, wie der Film es bereits andeutet, zum Flachmann wird. Der Bedarf an kotzblöden Kichererbsen ist überreichlich gedeckt, was wir brauchen, ist ein ostfriesischer Woody Allen, ein Nationalphilosoph, über den man lachen kann…

Soweit mein Artikel aus der taz vom 23. Juli 1985, der ja nicht mit Kritik spart, die  “Neger”-Szene aber gar nicht erwähnt – was natürlich auf einen Autor mit mangelnder Sensibilität für “strukturellen Rassismus” zurückgeführt werden könnte. Wenn die Debatte darauf kommt, antworte ich immer noch gern mit dem Bekenntnis: “Ich bin  bimbophil!” – was politisch korrekte Anti-Rassisten damals wie heute als Affront empfinden, aber der Wahrheit entspricht. Denn ich habe nichts gegen “Bimbos” und ich liebe “Negerküsse”. Was ich aber gar nicht mag sind fundamentalistische Mimosen, die sich als Diskurswachtmeister, Wortwarte und Humorpolizei aufspielen und für die jeder Spaß aufhört, wenn es um ihren Mohamed, ihr Judentum, ihren Jesus, ihre “Identität” oder andere Vorlieben geht. 

Wäre Robert Gernhardt noch am Leben, würde sein lakonisch-minimalistischer Cartoon heute mit der Frage “Du People of Colour?” anfangen und es würde defintiv komisch. So wie es ja auch die Zeitanalysen im Trio mit F.W.Bernstein und F.K.Waechter waren, die zum Beispiel die Beziehungsprobleme der “freien Liebe” in den 70ern so wohlklingend in den Zweizeiler brachten: “Am Abend hilft die Jägerin / dem Jäger auf die Negerin”. Was man natürlich als zutiefst rassistisch,  sexistisch, jägerinnenfeindlich, heterodogmatisch, menschenverachtend usw. empfinden kann –  aber nicht muss. So wie die “Neger”-Szene in diesem Otto-Film, die Rassismus und Sklavenhandel thematisiert,  auf nicht besonders tiefsinnige, kritische Art, aber auch keinesfalls affirmativ.

Soll der Film  nun wegen Gebrauch des N-Worts als “nicht jugendfrei” in den Giftschrank ? Darf man man über Otto noch lachen, wo ihm doch jetzt irgendwie “struktureller” Rassismus vorgeworfen wird ? Steckt der  – subtil – auch noch in seinen anderen Witzen, auch wenn das N-Wort dort nicht vorkommt ? Werden unsere Kleinen durch die lustigen  “Ottifanten” unterschwellig zu rassistischem Reichsbürgertum verführt ?  So rhetorisch, wie diese Fragen klingen, sind sie leider nicht. Nachdem unlängst schon das N-Wort in Astrid Lindgrens Klassiker “Pippi Langstrumpf” korrigiert wurde, klagte eine tierschützende Veganerin in meiner alten Heimatstadt Limburg gegen das Lied “Fuchs du hast die Gans gestohlen”, welches vom Glockenspiel des Rathauses erklang: die Zeile “Sonst kommt dich der Jäger holen mit dem Schießgewehr” war zu heftig für die Betroffene, auch wenn es nur als Instrumental durch die Stadt schallte. Was zeigt: Betroffenheit kennt keine Grenzen, ein Angriff muss weder sichtbar noch hörbar sein, es reicht, wenn er mit gedacht, gefühlt, empfunden werden kann. Wie bei der  Berliner “Mohrenstr.”, die jetzt umgetauft werden soll – wobei der Vorschlag es mit zwei Pünktchen über dem “o” effektiv und politisch korrekt zu erledigen keine Mehrheit fand –  von der “Mohrenstrasse”  fühlte sich fast 300 Jahre lang niemand betroffen fühlte, weil das Wort “Mohr” in der deutschen Sprache gar nicht negativ besetzt war. Heute ist es überhaupt nicht mehr in Gebrauch – außer bei den Restbeständen  von “Mohrenköpfen”, die jetzt “Schaumküsse” oder in der Schweiz “Choco-Köpfli” heißen,  –  um also von “Mohren” noch betroffen zu sein, muss man sich die Reihe “gleich Neger gleich Kolonialverbrechen gleich Rassismus”  dazu denken. Wer sich dann aber ethymologisch verirrt, und wort-historisch bei den “Mauren” oder dem Ägypter St.Mauritius und in St.Moritz landet,  begeht ein Gedankenverbrechen, ist also quasi Rassist, hat es nur noch nicht gemerkt… So wie ich vor 35 Jahren in diesem doofen Otto-Film, der dann auch noch den “Stadtneurotiker” Woody Allen lobte,  über den man wegen #metoo und Pädogerüchten mittlerweile auch nicht mehr lachen darf. Davon aber, ich schwöre, war 1985 wirklich nichts zu ahnen…..

Auch als Podcast auf KenFM

Drohnenmorde nur noch ohne Hate Speach!

Der geschätzte Senior-Korrespondent und Gonzo-Kolumnist der „Asia Times“, Pepe Escobar, hat unlängst auf Facebook 30 Jahre Geschichte in einer Minute erzählt:

„Eric Hobsbawm zeigte uns, wie das kurze 21. Jahrhundert mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 und dem Ende der UdSSR 1991 endete.  Dann kam der unipolare Moment – im Zeichen dieses pathetischen, neo-hegelianischen “Endes der Geschichte”.   Doch es brauchte einen neuen Feind – für die Zwecke der nie aufgelösten Kriegspartei. Betreten Sie die Galaxie der “muslimischen Terroristen”.

Während der Hegemon den globalen Krieg gegen den Terror (GWOT) entfaltete – Bombenangriffe, Invasionen und Plünderungen,  machte sich China bereit – “den Fluss überqueren und dabei die Steine spüren” (Deng):  die Führung zu übernehmen.

Die Finanzkrise von 2008 erschütterte den Kapitalismus bis ins Mark. Vorhersehbar war jedoch die Option, virtuelles Kapital anstelle des realen Lebens zu privilegieren.

Der Hegemon war bereits umstritten – selbst als die Achse der Weltwirtschaft bereits nach Asien zu weisen begann.

Bereits 1997, wenige Tage vor der Übergabe Hongkongs, hatte ich ein Buch mit dem Titel “21st: the Asian Century” veröffentlicht. Damals waren wir sehr wenige, die das sagten.

Später kam die fabelhafte Arrighi-Wallerstein-Debatte, in der Arrighi weit vor der Meute erklärte, wie China sich durchsetzen würde.

Die Krise von 2008 nahm kein Ende. Und im Jahr 2020 stand sie kurz davor, erneut zu explodieren. Das tat sie tatsächlich.

Jetzt ist klar: Der Feind, den man fürchten muss, ist Asien – speziell China. Die Ankunft eines unsichtbaren Feindes wurde als die perfekte Metapher verpackt: der “chinesische Virus”.

Aber die Geschichte wird nicht aufhören. Das 21. wird nicht nur das asiatische, sondern auch das eurasische Jahrhundert sein. Multipolar, interdisziplinär, gegen Krieg und gegen Hegemonie.“

Das ist, wie ich finde, ein guter Überblick zur Lage beziehungsweise dazu, wie es historisch zur aktuellen Stellung im geopolitischen Schach gekommen ist. Und zu der im transatlantischen Westen immer lauter werdende Ausrufung des neuen Großfeinds China und der Dämonisierung der kommunistischen Partei. Da kam Corona gerade recht – und in dem nun folgenden, mit dem Lockdown unausweichlichen ökonomischen Niedergang, wird ein Sündenbock mehr denn je gebraucht. Und zwar ein gefährlicher, gegen den man weiter aufrüsten muss, sonst könnte am Ende jemand auf die Idee kommen, die ebenso riesigen wie unberührbaren Rüstungsbudgets anzutasten. Im Schauwahlkampf des US-Imperiums können wir uns deshalb darauf einstellen, dass der außenpolitische Pissing-Contest darum geht, wer am lautesten „Tough On China“ ist. Innenpolitisch wird es dagegen um Rassismus, Black Lives Matter und die Polizei gehen – die letzte Trumpfkarte, die die Demokraten gegen Trump noch im Ärmel haben und deshalb Verständnis nicht nur für die Proteste äußern, sondern sogar für die gewalttätige Randale in vielen Städten. Aber nach dem Fake-News-Zirkus von Russiagate über Ukrainegate und Impeachment, den die demokratische Partei und ihre Medien gegen Trump veranstalteten, könnte auch dieser Schuss nach hinten losgehen. Schon 2017 hatte Trumps Strategie-Berater Steve Bannon frohlockt:

„Wenn sie (die Demokraten) immer weiter über Identitätspolitik reden, haben wir sie. Ich will, dass sie jeden Tag über Rassismus reden. Solange die Linke auf Rasse und Identität fokussiert ist und wir den ökonomischen Nationalismus durchziehen, können wir die Demokraten vernichten.“

Weil das mit der Ökonomie wegen Lockdown und Depression wohl nicht so gut laufen wird, empfiehlt  Bannon  für den Wahlkampf jetzt den  Akzent eher auf die Außenpolitik legen und die „Gangster“ der Kommunistischen Partei Chinas in den Mittelpunkt zu stellen. Wegen Corona und um „Freiheit und Demokratie“ nach China bringen.

Da die Demokraten gemerkt haben, dass sie mit ihrem Kandidaten Joe Biden, der als Vizepräsident seinem Sohn ja nicht nur in der Ukraine, sondern auch in China lukrative Geschäfte eingefädelt hat, gegen Trumps China-Bashing nicht ankommen, haben sie jetzt schnell noch eine neue Russiagate-Nebelkerze gezündet. In der New York Times wird behauptet, dass „Russen“ den Taliban in Afghanistan „Kopfgeld“ für getötete US-Soldaten zahlen… tolle Geschichte, die sich aber ausschließlich auf  anonyme Geheimdienstquellen beruft –  und ohne die offensichtliche Frage zu beantworten, seit wann man Afghanen dafür bezahlen muss, auf die Besatzungstruppen zu schießen, die ihr Land seit 20 Jahren belagern ? Als „Beweis“ für die Beutezahlungen wird eine große Geldmenge angeführt, die in einem Taliban-Lager entdeckt und beschlagnahmt wurde. Mit den Fingerabdrücken Putins… könnte man glauben, wenn man die durchgeknallte Moderation Rachel Meadows auf dem US-Mainstreamsneder MSNBC hört. Aber alles ist wie im Russiagate-Zirkus üblich nur heiße Propagandaluft – doch Trump, der die Truppen aus Afghanistan eigentlich abziehen will, soll davon gewusst und nichts unternommen haben, ….wegen Putin, der ihm nach 2016 auch die Wahl 2020 sichern soll.

Man könnte abwinken, dass eine derart krude Verschwörungstheorie doch von niemandem mehr ernst genommen wird, aber sie wird auch Linksliberalen und Progressiven in den USA seit Jahren derart ins Hirn geblasen, dass sie noch immer Wirkung zeigt –  Hauptsache es geht gegen den „faschistischen Clown“ in Orange. Aber keinesfalls gegen den 20 Jahre währenden Krieg in Afghanistan, oder gegen die größte Opium,-und Heroin-Produktion aller Zeiten, die unter CIA-Aufsicht dort läuft. Themen, die jede echte „Resistance“, jede Opposition gegen die US-Regierung aufzugreifen hätte.

Aber nichts davon… stattdessen: Proteste gegen Rassismus, Sturm auf Denkmäler der alten weißen Männer: in Boston wird Christopher Columbus geköpft, in Oregon die Statue George Washingtons verbrannt, auch Gründervater Thomas Jefferson  musste dran glauben und in San Francisco wird General Ulysses Grant gestürzt, obwohl der doch eigentlich gegen die Südstaaten und die Sklaverei gekämpft hatte. Egal… die verpeilten Rebellen, die sich selbst „woke“ – erwacht – nennen, nehmen es im Eifer des revolutionären Gefechts halt nicht so genau. Im Golden Gate Park haben sie dann auch gleich auch noch das Denkmal von Miguel de Cervantes beschmiert:  ein europäisches Gesicht vor dem zwei Figuren knien kann halt nur ein rassistischer „Bastard“ sein. Dass es sich um Don Quichotte und Sancho Pansa handelt, die dort ihrem literarischen Schöpfer Ehre erweisen, dem „Erfinder“ des modernen Romans, der selbst fünf Jahre in der Sklaverei leben musste, nachdem er von ottomanischen Piraten entführt worden war  – geschenkt! Hauptsache irgendwas gegen Rassismus -und gegen Trump, den Oberrassisten…

Wer da WTF oder auf deutsch „Was soll der Scheiß?“ ruft bewegt sich bereits auf dünnem Eis selbst des Rassismus beschuldigt zu werden. Denn jenseits von Randale und Bilderstürmerei geht es in den US-Talkshows derzeit rauf und runter um den Bestseller   „White Fragilty“ – Die Schwierigkeit weißer Personen über Rassismus zu reden“ – ein Buch der Beraterin Robin di Angelo, von der „Rolling Stone“-Reporter Matt Taibbi schreibt, sie sei „sicher nicht die erste Person, die einen Dollar macht, indem sie pseudointelektuellen Schwachsinn als Unternehmensweisheit verkauft, aber sie könnte die erste sein, die das mit hitlerartiger Rassentheorie tut. „White Fragility“ hat eine einfache Botschaft: Es gibt keine universelle menschliche Erfahrung, und wir werden nicht durch unsere individuelle Persönlichkeit oder moralische Entscheidungen definiert, sondern nur durch unsere Rassenkategorie.“

Rassismus,  sagt die Autorin in einem Interview,   ist „eine internalisierte Haltung, die in jeder und jedem Weißen steckt.“ …..und wir wollen dann schon gar nicht mehr wissen, was in jedem Juden, Chinesen oder “Neger” steckt, …aber verbannen Mark Twains Klassiker “Huckleberry Finn” wegen Gebrauch des “N-“Worts vorsorglich schon mal von den Schulen…

Entlang solcher Identitätslinien zieht sich der Protestdiskurs, die Kulturrevolution, die da angeblich in Gang gekommen ist – und die nichts, nothing, nada an den bestehenden Verhältnissen ändern wird. Warum ich mir da so sicher bin? Weil eine Revolution, der von CNN, MSNBC, New York Times und Washington Post das Wort geredet wird, keine sein kann. Und sich die Erniedrigten und Beleidigten dabei vor den „Rassismus“-Karren spannen lassen und aufeinander losgehen, statt gemeinsam gegen die 0,1 %, die das Land kontrollieren. Denn nicht ehemalige Sklavenhalter wie Washington, Jefferson oder die weißen Gründerväter sind das Problem, sondern Neo-Feudalherren wie  Jeff Bezos, Warren Buffet, George Soros oder Bill Gates. Dass sie hundert Millionen Dollar an „Black Lives Matters“ gespendet haben garantiert, dass diese anti-rassistische Rebellion  ihr Geschäftsmodell keinesfalls in Frage stellen wird. Sie würden wahrscheinlich sogar die Freiheitsstatue in die Luft jagen lassen, denn die „Freiheit“, die sie verkündet wurde schließlich durch den Holocaust der indigenen Bevölkerung geschaffen. Sie würden auch niederknien, aus Solidarität und für die Schuld, die die Nation auf sich geladen – Hauptsache, keine Krankversicherung, keine kostenlose Bildung und keinesfalls Abrüstung und Ende der Kriege überall. Stattdessen: Marschbefehle nur noch mit Gender-Sternchen, militärische Eroberungen nur noch in politisch korrekten Transgender-Uniformen und Drohnenmorde bitte ohne Hate Speach….

Auch als Podcast auf KenFM