28
Dec, 2016

Real News aus Pipelinestan

categories Uncategorized    

Die Mainstreammedien in den USA beginnen in Sachen Syrien zurückzurudern und ihre bisherigen “Nachrichten” über den Konflikt als das zu diskreditieren, was sie waren: Fake News. Siehe zum Beispiel diesen “Reality Check” auf CBS, der “3 Facts the National Media Isn’t Telling You About Aleppo” richtigstellt, auf denen die hier erzählte Legende bisher basierte: Erstens die Tatsache, dass es keine “moderaten Rebellen” sind, die in Syrien gegen Assad kämpfen, sondern islamistische Kopf-Ab-Briagden; zweitens, dass die syrische Armee nicht “die eigene Bevölkerung bombardiert”, sondern die einzige Kraft in Syrien ist, die mit Hilfe Russlands gegen ISIS und Al Qaida vorgeht; und drittens, dass die “White Helmets” keine neutrale Sanitätsabteilung sind, sondern eine vom Westen finanzierte Kriegspartei und Propagandatruppe.

Nun macht zwar eine kleine “Real News”-Schwalbe auf CBS noch keinen Sommer, aber deutet immerhin an, dass die ersten nicht völlig verblendeten und gehirngewaschenen Journalisten kapieren, dass sie mit der Story vom “demokratischen” Kampf gegen einen “blutigen Diktator” einem ähnlichem Fake aufgesessen sind wie 2003 mit den Massenvernichtungswaffen Iraks. Dass die angeblich massakrierte Zivilbevölkerung in Aleppo massenhaft jubelte und die dort lebenden Christen erstmals seit Jahren friedliche Weihnachten feiern konnten,war in den noch auf Fake News geeichten Leitmedien zum Fest allerdings nicht die Top-Meldung, sondern fiel in der “Lückenpresse” weitgehend unter den Tisch. Immerhin konnte Götz Aly in der Berliner Zeitung darauf aufmerksam machen, dass es an der Zeit ist, die Polit-Märchen über Syrien zu beenden und statt ideologischem Wunschdenken wieder Realpolitik zu betreiben.

Dies bedeutet, nach dem Scheitern von Plan A – dem Regime Change in Damaskus – jetzt auch den Plan B, die Zerschlagung und Balkanisierung des syrischen Territoriums fallen zu lassen, und eine echte Friedenspolitik für Syrien zu betreiben. Nicht wie die Briten und die USA, die sich mit der Niederlage nicht abfinden wollen und weitere Waffenlieferungen an die Al Nusra-Terroristen planen, sondern eher so wie es die Russen tun, denen es bereits Anfang Dezember gelungen ist, einen der Hauptfinanziers der Dschihadisten in Syrien – Katar – umzudrehen und einen Stopp der Geldströme zu erreichen – indem sie ein Fünftel der Aktien von “Rosneft”, des größten russischen Energiekonzerns, an Katar verkauften. Wer die Hintergründe des ganzen Syrienkriegs kennt – die Tatsache, dass es dabei nicht um “Menschenrechte” und “Demokratie”, sondern um Öl und Gas (-Pipelines) geht, kann die Bedeutung dieses Deals zwischen Moskau und Doha ermessen: hinter den Kulissen haben sich die beiden größten Erdgas-Produzenten der Welt geeinigt und betreiben nun gemeinsame Geschäfte.

Ob nun Gazprom seine schon bis in die Türkei führende “Blue Stream”-Pipeline verlängert und/oder der Iran sein Öl künftig ans syrische Mittelmeer liefert und/ oder am Ende  doch noch Katar und Saudi-Arabien mit ihren Plänen zum Zuge kommen, deren Absage durch Assad dazu führte, dass der  “sympathische Augenarzt” Assad in den Medien zum “blutigen Diktator” mutierte, der entfernt werden musste – dieser Ausgang der Schlacht um Pipelinenistan ist noch nicht entschieden. Mit der Vertreibung der Dschihadisten aus Aleppo scheint aber ein entscheidender Schritt gemacht, dem Treiben der islamistischen Söldner in Syrien und ihrem ISIS-“Kalifat” ein Ende zu setzen. Dann ist noch immer kein Frieden, aber das tägliche Morden und die Vertreibung wären weitgehend eingedämmt. Und auf Basis von Real News könnte Politik gemacht werden, statt mit Fake News immer nur Krieg…

14
Dec, 2016

Endlich: Fake News werden illegal

categories Uncategorized    

roter Hinweis-Zettel an Volksempfänger (DKE GW 110-240): “Denke daran”

Aufmerksamen Lesern dieses kleinen Blogs ist ja nicht entgangen, dass es in Syrien nicht um die Durchsetzung von “Menschenrechten” und Beseitigung eines “Diktators” geht, sondern um Öl,-und Gas-Pipelines, wie schon 2012 hier und danach zB hier und hier berichtet wurde. Und wer einem berühmt-berüchtigten Konspirologen wie yours truly nicht traute konnte es auch in der sogennanten “Qualitätspresse” nachlesen, zB am 24.7.2012 ausführlich in der FAZ. Dort wie im gesamten Mainstream hatten solche echten Hintergrundinformationen aber keine Chance und ertranken in den Fluten von “Fake News” über Fassbomben, Giftgas und die als “moderate Rebellen” verkleideten Al Qaida-Truppen. Nachdem Bashar Assad die Pipeline abgesagt hatte, mit der Kataris und Saudis ihre Rohstoffe zum Mittelmeer pumpen wollten, mutierte er vom “sympathischen Augenarzt” in Windeseile zum “Schlächter von Damaskus”, vom säkularen, weltoffenen Präsidenten zum Tyrannen eines Terrorstaats. Nachdem nun Ost-Aleppo von der Besetzung durch Al Qaida-Terroristen befreit und der von USA und Nato mithilfe ihrer arabischen Kopf-Ab-Kameraden inszenierte regime change vor dem endgültigen Scheitern steht, müssen die Medien nun ihre Erzählung erneut revidieren. Statt Fake News aus und über  Aleppo wäre wieder  wirklicher Journalismus gefragt – statt Geschwätz von Pseudo-Korrespondenten, die aus Kairo oder Beirut oder Berlin “live” über Syrien berichten, echte Journalisten vor Ort, wie etwa Robert Fisk oder Karin Leukefeld oder Eva Bartlett, statt den “Schlächter” zu beseitigen, müssen die Medien sich nun wieder mit dem “Augenarzt” arrangieren. Vorerst tut man sich aber noch  schwer mit dem zurückrudern und ballert noch mal volle Breitseiten mit Fake News über “Grausamkeiten” , die auschließlich von syrischen Truppen und nie von “unseren” salafistischen Söldnern begangen werden.

Aber, und das ist die Nachricht des Tages, mit solchen einseitig gefälschten Nachrichten wird es bald ein Ende haben, Rechtspolitiker der CDU wollen ein neues Gesetz gegen Fake News: “Gezielte Desinformation zur Destabilisierung eines Staates sollte unter Strafe gestellt werden.”  Desweiteren “müssen wir überlegen, ob es eine Art “Prüfstelle” geben soll, die Propaganda-Seiten aufdeckt und kennzeichnet.”  Bis zur  schon erwähnten WÜV-Plakette vom “Wahrheits Überwachungs Verein” wird es bis zum Wahlkampf wohl nicht mehr reichen, aber so einen offiziellen Pranger für sämtliche alternativen Nicht-Mainstream-News-Seiten und Blogs könnte die Regierung noch hinbekommen. Und damit wären wir dann fast schon wieder bei der Geschichte meines Großvaters, der in einem Schrank auf dem Dachboden ein Radio versteckt hatte und heimlich “Feindsender” hörte, um über den Krieg informiert zu sein. Aber soweit muss es nicht kommen, denn zahlreiche Ratgeber warnen die Bürgerinnen und Bürger derzeit ja quasi rund um die Uhr: “Praktischer Nebeneffekt für Leuchttürme der Glaubwürdigkeit wie Spiegel.de, Bild.de, die Tagesschau oder focus.de: Wer über Fake-News berichtet, erscheint automatisch wie ein glaubwürdiger True-News-Verbreiter.”

3
Dec, 2016

Yankee and Cowboy War 2.0 – 6. Folge

categories Uncategorized    

coz_b_9xeaattrl-646x437Dass Donald Trump, auch wenn er während es Wahlkampfs stets gegen das “Establishment” wetterte, natürlich ein Teil desselben ist und “Yankees” und “Cowboys”  nur verschiedene Clubs derselben Eliteliga hatten wir in den vorhergehenden Folgen schon betont. Dass er nun sein Kabinett mit bekannten Figuren der Wallstreet und von Goldman Sachs besetzt, die er als Wahlkämpfer noch dem “Sumpf” zugeordnet hatte, den er “trocken legen” wollte, macht das ebenso deutlich, wie die Börsen, die nach dem Wahlsieg sofort auf neue Höchststände sprangen. Was kein Wunder ist, wenn man das finanzstarke rechtskonservative Netzwerk der Männer hinter Trump betrachtet, deren marktradikale, gewerkschaftsfeindliche Haltung die Börsen logischerweise stimuliert.  Ebenso wie die angekündigte Senkung der Unternehmenssteuer von 35% auf 15%, mit denen eine weiterer Abzug von Arbeitsplätzen ins Ausland gestoppt und neue im Inland gefördert werden sollen. Weil Konzerne und Milliardäre geschont werden können die Steuereinnahmen dann natürlich nicht reichen, schon gar nicht für das große Infrastrukturprogramm, das Trump angekündigt hat. Zu erwarten ist also, dass die “Trumponomics” analog zu den berüchtigten “Reaganomics” verlaufen werden: mit einem gigantischen Anstieg der ohnehin astronomischen Staatsschulden.

Während hier also eher business as usual zu erwarten ist, verspricht die Ära Trump außenpolitisch eine deutliche Wende: den Bruch mit der von CIA und Militär seit den 80er Jahren geopolitischen Strategie der Aufrüstung islamistischer Söldner und Terroristen:

“Wir möchten eine starke Armee – und wir wollen sie nicht einsetzen müssen. Idealerweise werden wir sie nicht einsetzen müssen. Aber wir werden ISIS zerstören. Gleichzeitig werden wir eine neue US-Außenpolitik verfolgen, die endlich aus den Fehlern der Geschichte lernt. Wir werden mit dem Versuch aufhören, Regime zu Fall zu bringen und Regierungen zu stürzen. Erinnern Sie sich: Sechs Billionen Dollar haben wir an Kosten im Nahen Osten ausgeben. Unser Ziel ist Stabilität, nicht Chaos. Denn wir wollen unser Land aufbauen – es ist an der Zeit“, sagte Trump bei einer Rede am Donnerstag in Ohio.

Dies sagte Trump ohne Not, denn der Wahlkampf  ist vorüber. Man kann also davon ausgehen, dass die neue US-Regierung diese Wende tatsächlich vollziehen will.  Die Nominierung seines Sicherheitsberater,  des Ex-Generals Michael Flynn, der als Chef des Militärgeheimdiensts DIA seiner Regierung 2012 dringende Massnahmen gegen das im Aufbau befindliche”Kalifat” des IS empfahl –  was Obama ignorierte und ihn 2014 feuerte –  scheint ebenfalls dafür zu sprechen, dass es mit der einst von Zbigniew Brzezinski (Zbig To Jail) entworfenen Strategie eines radikalisierten und militarisierten Islam zur gewaltsamen Durchsetzung amerikanischer Interessen tatsächlich zu Ende gehen könnte. Gerade wo jetzt die letzten “Rebellen” (= islamistische USA/NATO Söldner) aus Ost-Aleppo vetrieben werden  und  der Stellvertreterkrieg in Syrien eine Ebene nach oben rückt – schon rufen kinderfressende Monster-Falken wie Madeleine Albright zum letzten Bombengefecht – wäre es für eine solche Wende der amerikanischen Außenpolitik allerhöchste Zeit.

9
Oct, 2016

Russland zieht die rote Linie

categories Uncategorized    

Der Syrien-Experte Professor Günter Meyer gibt in diesem Interview eine realistische Einschätzung zur Lage des Stellverterterkriegs in Syrien – und hat auf die Frage, wer hier eigentlichen die Guten und die Bösen sind, eine ebenso realistische wie richtige Antwort: “Aus meiner Sicht sind die USA die Hauptverantwortlichen für diese humanitäre Katastrophe, die wir im Moment erleben. Seit der US-geführten Invasion im Irak 2003 haben die Regierenden in Washington eine falsche Entscheidung nach der nächsten getroffen und damit die gesamte Region ins Chaos gestürzt.” Nachdem Amerika nun die bilateralen Abstimmungen mit Russland abgesagt hat, droht das Chaos in Syrien weiter zu wachsen. Der Kessel um die von Al Qaida besetzten Teil von Ost-Aleppo zieht sich Tag für Tag enger, wie sich den aktuellen Frontberichten hier entnehmen läßt, die jeder als Antidot zu den Verdrehungen und Lücken der hiesigen Mainstreammedien zur Kenntnis nehmen sollte.  Ebenso wie diese ausführliche Analyse des Saker zur aktuellen Lage.

Schon seit langem und jetzt wieder hat die syrische Armee sowohl die Evakuierung der Zivilbevölkerung als auch die Amnestie für jeden sich ergebenden Jihad-Kämpfer angeboten – die Schlacht um Aleppo könnte morgen zu Ende sein, würden die USA ihre salafistischen Terror-Söldner zurück ziehen. Daesh und das ISIS- “Kalifat” wären dann ebenfalls in Kürze Vergangenheit, Assad bliebe bis zu Neuwahlen an der Macht und Syrien ein säkularer Staat inklusive  einer kurdischen Region mit besonderen Autonomierechten.

Das wäre fraglos eine Niederlage für das Imperium, etwas was für die “exzeptionalistische” Nation natürlich nicht in Frage kommt, schließlich ist man rüstungsmäßig dem Rest der Welt dutzendfach überlegen. Wie aber sähe ein Sieg aus ? Damakus und sogar das ganze Land zu Schutt und Asche zu bombardieren, wäre für die US-Airforce kein Problem. Aber was dann ? Die Kopfab-Jihadisten, die man gegen Assad aufgerüstet hat, an die Regierung ?  Nur ein militärisch-industrieller-Komplex, für den Krieg in Permanenz Geschäft bedeutet, kann eine solche Lösung favorisieren. Doch zu der wird es wohl auch nicht kommen, denn der Rest der Welt wird sich das nicht länger bieten lassen.

Dieser “Rest der Welt” steht in Syrien dem Imperium schon jetzt  in Form von 4+1 (Syrien, Iran, Russland, China + Hisbollah) gegenüber und wie es ausschaut, wird er nicht zulassen, dass das Empire of Chaos weiter wütet. Der US-Doktrin der globalen “Full Spectrum Dominance”, der gewaltsamen Formung einer unipolaren Welt, wird ein Riegel vorgeschoben. Russland hat unmißverständlich klar gemacht, dass es ab sofort eine Flugverbotszone über Syrien gibt, nämlich für US-Flugzeuge. Auch Cruise Missiles gegen syrische Einheiten haben keine Chance mehr gegen das “Höllensystem”, wie n-tv die mobile russische Luftabwehrwaffe S 300/400 nannte, die als beste der Welt gilt. Die Luftunterstützung, wie sie die Al Nusra-Söldner von ihren Herrn in Washington fordern, wird also nicht kommen. Oder frühestens, wenn Obama als lame duck durch Clinton und ihre bellizistischen Neocons ersetzt wird, im neuen Jahr. Bis dahin aber wäre Aleppo befreit und damit der Krieg verloren sowie die US-Hegemonie im Mittleren Osten beendet. Deshalb ist jetzt die Gefahr sehr groß, dass das Pentagon auf eigene Rechnung und ohne präsidiales OK  “Zwischenfälle” arrangiert, wie unlängst das Bombardement von syrischen Kasernen, oder dass versucht wird, mit  “False Flag”-Operationen wie den Giftgas-Einsätzen vor zwei Jahren  die “rote Linie” zu überschreiten, um die Lage weiter zu eskalieren.

Weil ich zum 100. Geburtstag von John F. Kennedy im kommenden Frühjahr  gerade eine Neuauflage des Buchs “JFK – Staatsstreich in Amerika” vorbereite, kam mir in letzter Zeit öfter die Kuba-Krise in den Sinn, in der die beiden Atommächte USA und UdSSR kurz vor einem nuklearen Krieg standen. Hätte Kennedy damals auf seine säbelrasselnden  Generäle gehört und einem regime change via Bombenteppich zugestimmt – vorbereitet durch die Operation Northwoods, die “False Flag”-Angriffe  auf US-Passagierschiffe vorsah – wären die Metropolen der US-Ostküste von einem Hagel nuklearer Mittelstreckenraketen zerstört worden. Dass solche Sprengköpfe in Kuba bereits installiert waren, war  dem Generalstab und auch der CIA  schlicht entgangen. (Sie erfuhren erst 40 Jahre später auf einer Konferenz in Havanna davon, als die Russen dies erstmals enthüllten.) Ihr Plan, die Insel in zwei Tagen zu erobern, wäre auf tragische Weise schief gegangen. Nur weil Kennedy hinter dem Rücken seiner schießwütigen Militärs im Geheimen mit Präsident Chrustschow verhandelte, blieb diese Katastrophe aus.

Solche Diplomatie wäre auch jetzt das Gebot der Stunde, nicht nur um die Tragödie in Aleppo zu beenden, sondern um weitaus größere Katastrophen verhindern. Dass sich noch weitere Staaten (Israel, Saudi-Arabien, Türkei) in diesem Krieg Landgewinne versprechen, macht die Sache nicht einfacher. Doch ein “Weiter So!” wird es für das Imperium jetzt nicht mehr geben – das Chaos in Afghanistan, im Irak, in Libyen und 1,5 Millionen Leichen sind auch wahrlich genug. Die rote Linie, die Russland gezogen hat, ist kein Bluff. Mehr als die halbe Welt steht dahinter. Amerika spielt bekanntlich Monopoly und Russland Schach.  Mit ihrem Lieblingsspiel kommen die Amis jetzt aber nur noch  um den Preis der “mutual nuclear destruction” weiter. Dass es heute, wie damals in JFKs Generalstab, durchgeknallte Militärs geben könnte, denen das egal ist, macht die Lage äußerst gefährlich.

2
Oct, 2016

Weisse Helme, finstere Show

categories Uncategorized    

white-helmet-infographic-2

Die Brutkasten-Lüge, nach der die irakische Armeee bei der Invasions Kuwaits 1990 in Krankenhäusern Neugeborene getötet hätte, gilt mittlerweile als Klassiker der Desinformation und Propaganda, mit der Öffentlichkeit und Medien damals kriegsreif gemacht wurden. Daran erinnerte ich mich,  als mit der Eskalation des Kampfs um Ost-Aleppo in den letzten Tagen immer häufiger Krankenhäuser und  tote oder schwerverletzte  Kinder in den Medien auftauchten, als Opfer der syrischen Armee und der Russen. Während seinerzeit die Tochter des kuwaitischen Botschafters als Zeugin für die Barbarei der Bösen durch die Weltpresse ging, scheint es heuer ein ganzer Trupp von Hilfskrankenpflegern zu sein, die den Medien mit Weissen Helmen die grauenhaften Übeltaten des “Feinds” präsentieren. Dass die mittlerweile schon für den Friedensnobelpreis nominierten Trupps keine  ehrenamtliche NGO sind, die Mutter-Teresa-artig Kriegsopfern helfen, sondern eine von USA und Nato lancierte und finanzierte Medienoperation, verdeutlicht die kürzlich erst aus Syrien zurückgekehrte unabhängige Journalistin Vanessa Beeley hier und hier im Interview.  Der Grund, warum die News über diese heldenhaften Lebensretter seit Wochen Schlagzeilen machen, scheint daran zu liegen, dass die große Erzählung vom zivilen Auftsand gegen Assad und  den “moderaten Rebellen” nicht länger haltbar ist: selbst die Leitmedien in den USA müssen  mittlerweile einräumen, dass es keinen Unterschied zwischen  diesen “Rebellen” und Al Qaida/Al Nusra und anderen salafistischen Söldnern gibt. Es sind Terroristen, die aufgerüstet und gesteuert vom Westen Ost-Aleppo besetzt halten, islamistische Kopf-Ab-Briganden, die selbst ein noch so dreister Propagandasender schwerlich als “die Guten” in diesem Krieg präsentieren könnte. Deshalb werden die White Helmets gebraucht und die von den Terrorbrigaden erbeuteten Krankenwagen, damit sie “die Guten” spielen. Dass dabei wirklich Verletzte und Verschüttete gerettet werden mag außer Frage stehen, ändert aber nichts an dem entscheidenden Problem: warum man die Zivilisten aus dem belagerten Stadtteil nicht abziehen läßt. Syriens Regierung hat das ebenso angeboten wie eine Amnestie für alle Jihad-Kämpfer, die sich ergeben.  Aber das ist keine Option für den Westen, denn wenn Aleppo befreit ist wäre der Krieg bald zu Ende. Weder “Assad muss weg!”  noch Plan B, die Balkanisierung und Aufteilung Syriens, liesse sich dann durchsetzen Die Zivilbevölkerung muss deshalb weiter als Geisel gehalten werden – und mit der Weisshelm-Show im Weltfernsehen präsentiert werden, dass nicht die Geiselnehmer die Bösen sind, sondern die, die sie bekämpfen.

27
Sep, 2016

Terrorists’R Us

categories Uncategorized    

blog-86-300Jürgen Todenhöfer hat einen Al Nusra/Al Qaida Kommandanten in Aleppo interviewt – und was Herr Abu Al Ezz  berichtet, will sich so gar nicht mit der Geschichte decken, die uns die hiesigen Großmedien seit Jahren erzählen. Dafür aber sehr wohl mit dem, was man aus alternativen Kanälen schon lange wissen kann: dass diese Kopf-Ab-Salafisten Söldner des Westens sind, von Saudis und Kataris bezahlt und von den USA bewaffnet und dirigiert werden. Allerdings sind sie mit der Unterstützung durch ihre Dienstherren nicht zufrieden: “Wir werden kämpfen bis zum Sturz des Regimes. Wir werden Russland und den Westen bekämpfen, da der Westen nicht auf unserer Seite steht. Der Westen schickt uns nur Mujahedin, er erleichtert diesen Kämpfern den Weg. Warum unterstützt der Westen uns nicht richtig?”  Immerhin, so der Al Nusra Führer, gäbe es jetzt Hilfe von israelischer Seite:

„Wir sind ein Teil von Al Qaida. Unsere Prinzipien sind: Bekämpfung der Lasterhaftigkeit, Ehrlichkeit und Sicherheit. Unsere Angelegenheiten und unser Weg haben sich geändert. Zum Beispiel gewährt uns jetzt Israel Unterstützung, da Israel sich im Krieg mit Syrien und mit der Hisbollah befindet. Auch Amerika hat seine Meinung über uns geändert. Eigentlich waren der „IS“ und wir eine Gruppe. Aber der „IS“ wurde entsprechend den Interessen der großen Staaten wie etwa Amerika für politische Zwecke benutzt. Und von unseren Prinzipien weg gelenkt. Die meisten seiner Führer arbeiten mit Geheimdiensten zusammen, das ist uns klar geworden. Wir, die „Al Nusra-Front“, haben unseren Weg. Sie waren früher mit uns, sie waren unsere Unterstützer.Unser Ziel ist der Sturz des diktatorischen Regimes, des Tyrannen-Regimes, des Regimes der Abtrünnigen. Unser Ziel ist auch die Durchführung von Eroberungen, wie sie [der große arabische Feldherr] Khaled Ben Al Walid gemacht hat. Erst in der Arabischen Welt und dann in Europa.“

Soweit die Durchsage von der Aleppo-Front, von einem unserer Alliierten, die mit unserem Geld und unseren Waffen die Bevölkerung von Aleppo als Geisel genommen haben, um den gewünschten Regime Change zu erreichen – für ihre Auftraggeber, die nach wie vor an der  Durchsetzung ihres alten Masterplans, der Zerschlagung und Balkanisierung Syriens arbeiten. Und dazu nicht nur isalimistische Terroristen vom Kaliber des Herrn Al Ezz mobilisiert und bewaffnet haben, sondern auch zuliessen, dass sich aus ihren Reihen ein salafistisches “Kalifat” abspaltete. Dies alles ist dokumentiert und belegt, passt aber ebensowenig in das offizielle Narrativ von der Beseitigung eines “Diktators”, der von den “bösen” Russen gestützt wird und fällt in der “Lückenpresse” von FAZ bis taz in  der Regel unter den Tisch. Ganz auf Linie mit dem Imperium wird stattdessen das fromme Lied von der “humanitären Intervention” gesungen. Doch es ist ein schmutziger Krieg – und wird es bleiben, solange er Seit an Seit mit solchen Terroristen geführt wird.

22
Sep, 2016

Neues aus Pipelinistan

categories Uncategorized    

blog-86-300Dass es bei den Kriegen in der Ukraine und in Syrien nicht um Demokratie und Menschenrechte, sondern um Öl und Gas geht, haben wir in “Wir sind die Guten” ausführlich dokumentiert; vor knapp einem Jahr – nach dem Eingreifen Russlands in Syrien – habe ich eine längere Passage daraus hier zitiert. In beiden Kriegen geht es darum, Russland, das über ein Drittel sämtlicher globaler Bodenschätze verfügt, vom Verkauf dieser Ressourcen nach Europa abzuschneiden. Syriens Assad wurde zum Feind, als er 2009 die von den USA, Katar und Saudi-Arabien geplante Pipeline ans Mittelmeer absagte, und sich stattdessen mit dem Iran  und Irak über eine 1o-Milliarden-$-Pipeline verständigte, sowie mit Russland, dessen “Blue Stream”-Pipeline schon bis nach Ankara führt.

Dass aber die energiehungrige EU aus Regionen versorgt wird, die sich nicht dem Diktat des Imperiums beugen, läuft der Doktrin der “Full Spectrum Dominance” zu wider und wird von Washington als feindseliger Akt betrachtet. Zum Zwecke des “regime change” wurden deshalb islamistische Söldner nach Syrien geschleust, die dort den “demokratischen” Aufstand inszenierten, der in den schrecklichen Krieg mündete. Der Vormarsch der von dem westlichen Pipeline-Konsortium gestützten Al Nusra/Al Qaida/ISIS-Truppen wurde erst gestoppt, als die Russen Syrien vor einem Jahr militärischen Beistand leisteten. Seitdem die russischen s-400 den Luftraum kontrollieren  ist der US-Plan einer Balkanisierung Syriens ins Stocken geraten. Nach dem Putschversuch in der Türkei und dem Ende der türkisch-russichen Eiszeit wegen des an der Grenze abgeschossenen russischen Jets, wurden jetzt die Pipeline-Verhandlungen wieder aufgenommen. Einmal mehr ein Zug auf dem geopolitischen Spielfeld,  der Uncle Sam nicht gefallen kann und zu bestätigen scheint: Amerika spielt Monopoly, Russland spielt Schach.

16
Feb, 2016

Für ein säkulares, ganzes Syrien

categories Uncategorized    

“Ist er so perfide..oder sind wir so dumm?” fragt  Bernd Ulrich in der  “Zeit” in Sachen Putin und verspricht, “die  neue geopolitische Lage illusionslos in den Blick zu nehmen.” Ergebnis und Siegerehrung:

„Offenbar hat der Westen in den falschen Kriegen der Ära Bush seine Entschlossenheit, seinen Heroismus, seine Opferbereitschaft weitgehend aufgebraucht; jetzt, da die Lage im Mittleren Osten kritischer ist als je zuvor, hat er infolgedessen kaum noch mentale und moralische Ressourcen, um der Lage Herr zu werden – ohne sich das jedoch eingestehen zu wollen.“

“Falsch” waren die Kriege gegen Afghanistan und Irak, weil es dort keine echte Opposition gab, die der Westen hätte unterstützen können, richtig dagegen die Kriege im Kosovo, Libyen und Syrien, weil hier Menschrechte verletzt und Diktatoren beseitigt werden. Diesen konfusen Menschenrechtsbellizismus hatte der Leitartikler der Zeit 2011 bereits in Buchform dargelegt, um zu begründen “Wofür Deutschland Krieg führen darf. Und muss.”  Nach dem mittlerweile als False-Flag-Operation enttarnten angeblichen Giftgaseinsätzen Assads rief er dann energisch zu den Waffen: “Ein Militäreinsatz nützt den Menschen in Syrien mehr als keiner”. Dass sich die Bundeswehr mittlerweile daran beteiligt, den Menschen in Syrien “zu nützen” reicht aber nicht, weshalb den unvorbereiteten Leserinnen und Lesern mit einer Salve Laptop-Bomber-Prosa die Augen geöffnet werden müssen: es fehlt ihnen, dem “Westen”, also uns allen, einfach nur ein wenig Heroismus und ein bißchen Opferbereitschaft – und schon könnte man den weder perfiden noch dämonischen sondern nur geschickten Feldherrn Putin ausmanövrieren.

Um dann mit wunderbarem “regime change” einen  demokratischen Wandel wie im Kosovo und Libyen auch in Damaskus herbeizuführen… nein, das schreibt Kamerad Ulrich natürlich nicht, denn es ist ja gerade das Chaos, das diese in seiner Konnotation “richtigen” Kriege hinterlassen haben,  welches  für den “mentalen und moralischen” Ressourcenverbrauch verantwortlich ist. Wer mental noch halbwegs beisammen ist kann weder für den Mafiastaat Kosovo noch für das von islamistischen Milizien terrorisierte Libyen irgendeine moralische Begründung finden – und wird einen Teufel tun sich entschlossen und heroisch in die Fortsetzung dieses mörderischen Wahnsinns zu stürzen. Da zu mehr Heldentum und Opferbereitschaft aufzurufen ist nicht nur dumm und perfide, sondern zynisch und verantwortlungslos.

Gottlob sind die entscheidenden Player in diesem Krieg entschieden besonnener als die Volkssturmtrommler  und russophoben Wortverdreher der hiesigen “Qualitätspresse” –  wie man der Pressekonferenz  der Minister Kerry und Lawrow sehr  gut entnehmen kann:
” Wir versuchen jetzt alles, was in der Macht der Diplomatie steht, um diesen Konflikt auf eine Weise zu Ende zu bringen, der in einem vereinten, nicht-konfessionellen, die Minderheiten schützenden, säkularen, ganzen Staat endet.”
Diese Worte des amerikanischen Außenministers könnten bestätigen, was Thierry Meissan in seiner Analyse vermutet: “Das Treffen der Internationalen Gruppe zur Unterstützung Syriens scheint zu bedeuten, dass das Weiße Haus wieder das Heft in die Hand nimmt auf Kosten der „Neokonservativen“ und der „liberalen Falken“…. Es scheint, dass das Weiße Haus die Absicht, Syrien zu zerstückeln, aufgegeben hat und mit dem Kreml übereingekommen ist, das französisch-britische Vorhaben der Errichtung eines Pseudo-Kurdistan im Nord-Osten des Landes zu verhindern.”

Deutlich pessimistischer schätzte – vor der Münchner Konferenz –  der Saker die Lage ein: “Die letzten Meldungen legen meiner Meinung nach nahe, dass das Weiße Haus entschieden hat, die Türkei und Saudi-Arabien in Syrien einfallen zu lassen.”  Heute melden die Nachrichten, dass Sultan Erdogan von der türkischen Seite der Grenze weiter nach Syrien feuern läßt.  “Russia Insider” vermutet dahinter allerdings nur einen Bluff, weil weder Türken noch Saudis ohne ein Okay Washingtons  in Syrien einmarschieren. Wenn die Wünsche einer Landnahme durch den  Groß-Osmanen Erdogan und der  Etablierung einer salafistischen Region in Syrien/Irak  durch die Kopf-ab-Saudis von der Agenda der USA tatsächlich gestrichen sind, wenn also die Vereinbarungen von Genf umgesetzt und jetzt alle bewaffneten Islamisten auf syrischem Boden bekämpft werden, ist der Spuk des “islamischen Staats” schnell beendet. Dass mittlerweile auch der apostolische Vikar des Papstes in Aleppo das russisch-syrische Vorgehen begrüsst, sollte allen Verteidigern des christlichen Abendlands jedenfalls mehr zu denken geben als das hysterische Putin-Bashing der hiesigen “Lückenpresse”….

8
Dec, 2015

Krieg in Pipelineistan

categories Uncategorized    

history

Eine gewisse Erfahrung, ohne Sinn und Verstand in aussichtslose Kriege zu ziehen, kann man Deutschland ja nicht absprechen. Insofern hat die blitzkriegartig durchgepeitschte Beteiligung am Syrien-Krieg etwas typisch Deutsches. Für das Imperium in Washington indessen, das sich in Sachen Krieg seit Jahrzehnten darauf verlegt hat, wehrlose Länder von oben zu bombardieren und auf dem Boden Chaos zu hinterlassen (“Mission accomplished!”), ist der Syrien-Krieg  mittlerweile eher untypisch, weil Russland dem Herrscher Assad zu Hilfe geeilt ist und die Söldner-Truppen des Imperiums (IS, Al Nusra, Al Qaida) und ihre zentrale Versorgungslinie in die Türkei attackiert. Mit soviel Erfolg, dass der anglo-amerikanische Plan, mithilfe der wahabitischen Kopf-Ab-Milizien den regime change in Damaskus zu erzwingen, Syriens Öl und Pipeline-Zugänge zum Mittelmeer unter Kontrolle zu bekommen und dem Iran auf die Pelle zu rücken, zu scheitern droht. Sowohl die Türkei als auch Israel versprechen sich von der Beseitigung Assads Landgewinne – Sultan Erdogan will sein ottomanisches Reich bis in den Irak ausdehnen und ein autonomes Kurdistan verhindern, Israel die schon seit 1967 besetzten Golan-Höhen erst recht nicht mehr räumen, seit dort jüngst Milliarden Barrel Öl entdeckt wurden.

Seit Assad 2009 die projektierte Katar/Saudi-Arabien-Pipeline absagte und sich für eine Iran-Irak-Syrien-Pipeline entschied, mit der die EU übers Mittelmeer versorgt werden kann, mutierte er in Windeseile vom sympathischen Augenarzt zum üblen Diktator. Nun wäre es für die Öl,-und Gas-Bedürftigen Europäer, die nach dem Willen des Imperiums ihre Abhängigkeit von russischen Lieferungen reduzieren sollen,  völlig egal, ob ihr Gas aus Katar oder Iran stammt. Nicht aber Onkel Sam: nach der Einigung im Atomstreit und der Aufhebung der Sanktionen gegen Teheran wäre der Iran mit dieser Pipeline dick im Geschäft. Und das ist das Problem, wie Pepe Escobar messerscharf analysiert:

Yet, from the point of view of Washington, a geostrategic problem lingered: how to break the Tehran-Damascus alliance. And ultimately, how to break the Tehran-Moscow alliance.

The «Assad must go» obsession in Washington is a multi-headed hydra. It includes breaking a Russia-Iran-Iraq-Syria alliance (now very much in effect as the «4+1» alliance, including Hezbollah, actively fighting all strands of Salafi Jihadism in Syria). But it also includes isolating energy coordination among them, to the benefit of the Gulf petrodollar clients/vassals linked to US energy giants.

Thus Washington’s strategy so far of injecting the proverbial Empire of Chaos logic into Syria; feeding the flames of internal chaos, a pre-planed op by the CIA, Saudi Arabia and Qatar, with the endgame being regime change in Damascus.

An Iran-Iraq-Syria pipeline is unacceptable in the Beltway not only because US vassals lose, but most of all because in currency war terms it would bypass the petrodollar. Iranian gas from South Pars would be traded in an alternative basket of currencies.

Wer als Regierender aus dem Petrodollar ausschert,  wie Sadam Hussein und Gadaffi , hat bekanntlich keine allzu lange Halbwertzeit mehr in Pipelineistan. Aber anders als bei diesen beiden nahezu wehrlosen Gegnern sind jetzt “4+1” (Russland, Syrien, Irak, Iran + Hisbollah) schon im Spiel und im Hintergrund hat China seine Solidarität  mit dem russischen Einsatz bekundet. Das ist nicht mehr die Konstellation eines Bürgerkriegs, sondern für einen veritablen Weltkrieg der Atommächte.  Paul Craig Roberts – Ökonom, einst Staatsekretär unter Reagan – sieht das kommen:

“Washington und die Leichtgläubigkeit seiner europäischen Vasallen haben die Menschheit in eine sehr gefährliche Lage gebracht, da die einzigen Wahlmöglichkeiten für Russland und China darin bestehen, entweder Amerikas Vasallen zu werden oder sich auf den Krieg vorzubereiten.” … Es besteht kein Zweifel, dass Washington die Welt dem Armageddon entgegentreibt, und Europa ist der Wegbereiter. Washingtons gekaufte und bezahlte Marionetten in Deutschland, Frankreich und im Vereinigten Königreich sind entweder dumm, gleichgültig oder zu kraftlos, um Washingtons Griff zu entkommen. Wenn Russland Europa nicht aufwecken kann, dann ist Krieg vorprogrammiert.”

5
Dec, 2015

Wir lassen’s einfach mal dabei

categories Uncategorized    

Völkerrecht, Grundgesetz…? In der Bundestagsdebatte hatte Außenminister Steinmeier die Frage danach unverschämt mit dem Hinweis abgebügelt, man sei hier ja wohl “nicht in einem juristischen Seminar”. Jetzt bittet sein Pressesprecher auf Nachfrage von Tilo Jung es dabei doch bitte zu belassen.

1
Dec, 2015

Die Terrormaschine

categories Uncategorized    

MattWuerker-Politico

 

Mit dem “Krieg gegen den Terror” hat sich der Tiefenstaat – die Verbindung staatlicher Organe mit dem militärisch-industriellen Komplex – eine Art Perpetuum Mobile erschaffen, einen Krieg ohne definiertes Ziel und ohne Exit-Strategie, der seine Ursache immer wieder selbst erzeugt und sich so die nötige Energie – ein nie versiegendes Budget – verschafft. Als Generator dieser Energie fungieren Furcht und Schrecken der Bevölkerung, weshalb dem  Geheimdienst,- und Kriegsapparat noch eine “Kirche der Angst” zugeordnet ist, die den Schrecken des Terrors multimedial inszeniert und die Alternativlosigkeit des “Kriegs gegen Terror” predigt. Fragen nach dem Sinn, dem Zweck, der Strategie , dem Ziel sind dann überflüssig: “Ziel ist der Krieg gegen den Terror”. Und der ist selbsterklärend. Er braucht auch kein UN-Mandat und was das deutsche Grundgesetz über Angriffskriege sagt ist ja schon bis zum Hindukusch dehnbar und reicht dann natürlich auch bis nach Syrien/Irak. Kann man im Bundestag schnell abnicken… “Sicherheit”, “Freiheit verteidigen”, “Solidarität mit Frankreich” und natürlich “GEGEN DEN TERROR”. Da geht dann alles… ohne Plan, ohne Sinn, ohne Verstand, aber wir sind automatisch die Guten, weil gegen den Terror….

In “Wir sind die Guten” hatte ich im Kapitel “Wer sind die Guten?”   den schießwütigen amerikanischen Patienten, in dessen Terrormaschine die Bundeswehr jetzt verstärkt zum Einsatz kommen soll, mal kurz auf die Couch gelegt. Jetzt entdeckte ich den wunderbaren Cartoon (von Matt Wuerker/Politico)  zu diesem Text – hier ein kurzer Auszug:

“Könnte es sein”, würde der einfühlsame Seelenarzt den auf der Couch liegenden Uncle Sam dann vielleicht fragen, »dass Ihr ständiges Misstrauen daher rührt, dass Sie sich unterbewusst, im Geheimen, diese Monster selbst erschaffen? Dass irgendeine Instanz in Ihrem Inneren dauernd Feinde aufbauen muss, um eine Rechtfertigung für Ihr expansives, gewalttätiges Verhalten zu haben? Könnte es sein, dass dieser Komplex etwas mit dem militärisch-industriellen Komplex zu tun hat, vor dessen ›unbefugten Einfluss‹ auf die Regierung schon Präsident Eisenhower gewarnt hat?«
Ein halbes Jahrhundert später müssen wir feststellen, dass diese Warnung vergeblich war: »Die Macht und der Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes bei der Förderung einer Serie von Kriegen hat sich in außergewöhnlichen Profiraten niedergeschlagen. Einer neuen Studie von Morgan Stanley zufolge, sind die Aktien der größten US-Waffenhersteller in den vergangenen fünfzig Jahren um 27699 Prozent gestiegen, verglichen mit 6777 Prozent Wachstum des allgemeinen Markts. Allein in den letzten drei Jahren haben Raytheon 124 Prozent, Northrop Grumman 114 Prozent und Lockheed Martin 149 Prozent für ihre Investoren eingebracht.«
Ende Juni 2014 hat Präsident Obama weitere 500 Millionen Dollar für die »moderaten Rebellen« in Syrien bereit gestellt, während ihre nunmehr nicht mehr moderat genannten, unter der Hand aber akzeptierten Kollegen der islamistischen Terrorgruppe ISIS derweil an der Dreiteilung des Irak arbeiten.”

 

29
Nov, 2015

Wer mit wem gegen wen ?

categories Uncategorized    

 

29.11.15 20:06-Bildschirmkopie

Auf der Pressekonferenz mit Präsident Hollande hat Präsident Putin nochmals klargestellt, dass Russland die Routen und Ziele aller geplanten Angriffsflüge in Syrien vereinbarungsgemäß den Amerikanern mitteilt: “The US-led coalition, which includes Turkey, was aware of the time and place where our planes would operate. And this is exactly where and when we were attacked.” Damit sollte das Propaganda-Gedröhn von 17 Sekunden “Luftraumverletzung” nun wirklich ein Ende haben: der Abschuss war ein Hinterhalt, den Erdogans Luftwaffe ohne US-Unterstützung nicht hätte legen können. Dass der US-Syrien-Koordinator General John Allen (Obama-Feind und Neocon) den Hit genehmigte ist wahrscheinlich.  Aber kaum hat  Erdogan den schmutzigen Job für den großen Bruder – und für die IS-Öl-Geschäfte seines Sohnes Bilal  –  absolviert, kriegt der Sultan kalte Füße. Präsident Obama setzt ihn  laut War  Wall Street Journal  massiv unter Druck, die Grenze zu Syrien zu schliessen, die Russen haben sofort massive Wirtschaftsanktionen eingeleitet, Frankreich ist ebenfalls nicht entzückt – doch die EU-Kommission stellt der Türkei beschleunigte Beitrittsverhandlungen in Aussicht, sowie sofort  Milliarden Euro für die Flüchtlinge. Dass Erdogan als entscheidender Unterstützer des IS selbst zu den Hauptverantwortlichen der Flüchtlingskatastrophe gehört, scheint bei den Verhandlungen gar keine Rolle zu spielen. Solange die Hauptschlagader für die Logistik des Islamischen Staats weiter völlig ungehindert in die Türkei läuft,  kann der Krieg in Syrien nie zu Ende gehen – und solange die Türkei diesen Korridor nicht dicht macht, sollte sie keinen Cent von der EU bekommen.

Dass Erdogan mit der mafiosen Attacke letztlich weder der Türkei, noch den NATO – Allierten einen wirklichen Gefallen getan hat, zeigt auch eine weitere Entwicklung: nicht die USA, wie es Erdogan wünschte, sondern Russland hat jetzt faktisch eine “No-Fly-Zone” über Syrien eingerichtet, indem es seine S-400 Flugabwehr dort stationiert hat. Das als derzeit weltbeste Flak geltende System kontrolliert einen Umkreis von 400 Kilometern. Bevor unsere Tornado-Uschi also die ersten “Aufklärer” losschickt sollte sie unbedingt Putin Bescheid sagen. Der hat sicher nichts dagegen, weil er mit Frankreich gerade eine echte Anti-IS- Koalition schmiedet – sonst hätten die Franzosen auch gar nicht ihren Flugzeugträger “Charles de Gaulle” in die Krisenregion schicken können. Dort taucht schon länger das russische Monster- U-Boot”Dmitri Donskoy” mit 200 Nuklearsprengköpfen an Bord. Was den “Schutz der Charles de Gaulle”, zu dem die Bundesregierung jetzt eine “Fregatte”  in den Krieg schicken will, unmittelbar als Lachnummer erweist.

Abgesehen davon, dass es für diesen Bundeswehr-Einsatz noch kein UN-Mandat gibt und es sich somit um einen grundgesetz,- und völkerrechtswidrigen Kriegseinsatz handelt, müßte vor einem solchen Mandat ja die Frage geklärt werden, wer hier überhaupt mit wem gegen wen kämpft. Wenn ich aus der sicheren Deckung meines Schreibtischs die Lage auf dem geopolitischen Schachbrett analysiere, sieht es auf den ersten Blick so aus wie in dem Cartoon oben oder  unter diesem Posting. Etwas sortiert ergibt sich folgendes Bild:

– der Großplan des US-Imperiums sieht nach der Zerstörung Libyens und des Irak vor,  Syrien und Iran unter Kontrolle zu bekommen. Um einen regime change in Damaskus zu erzwingen wurden die salafistischen Milizen zu einem “Islamischen Staat” und die syrische Opposition zu einer “Befreiungsarmee” aufgerüstet, die im Kern ebenfalls aus islamistischen Söldnern (Al Qaida /Al Nusra) besteht. Finanziert und unterstützt wird diese “Armee” von Saudi-Arabien und Katar auf der einen und von der Türkei auf der anderen Seite, sowie generell auch von den USA. Der IS ist also kein zufällig entstandenes Monster, sondern ein gezielt herangezüchtetes Werkzeug in diesem Krieg.

– vor dem Eingreifen der von der Assad-Regierung zur Hilfe gerufenen Russen, war der Kampf des Westens “gegen den IS” ein Schaukampf. Außer der regulären syrischen Armee und den Kämpfern der Peshmerga und der PKK, die ihre kurdischen Gebiete verteidigten, kämpfte niemand gegen das “Kalifat”, das seine Einflusszonen weitgehend ungehindert ausdehnte. Erst der Einsatz der russischen Luftwaffe, der gezielt gegen die Versorgungswege des IS vorging, brachte eine Änderung. Das Millionengeschäft mit gestohlenem Öl, das der IS der Firma von Erdogans Sohn liefert, geriet ins Stocken – und damit auch der von der Türkei geförderte Kampf der Islamisten gegen die Kurdengebiete im Norden Syriens. Dass Russland nach dem türkischen “Dolchstoss” die kurdische Autonomie nun noch stärker mit Waffen unterstützt als bisher – und damit indirekt auch die Todfeinde des Sultans, die PKK  – scheint nach dieser ausführlichen und sehr lesenswerten Analyse der “Oriental Review” recht wahrscheinlich.

– und so liest sich, auf FB bei Pepe Escobar – wie die syrischen Kurden auf Twitter Daesh/IS/ISIL einschätzen: “Housed in Turkey, trained in Jordan, logistics by Pakistan, literature from Saudi Arabia, funding from Qatar and Saudi Arabia, on the ground day to day running by Israel, weapons by the US, intelligence by the British, Germans and French, original weapons from Muslim Brotherhood helping them take it out of Libya.” Also wäre,  wenn es denn dem barbarischen IS tatsächlich an den Kragen gehen soll,  außer mit der Türkei und den Saudis auch noch mit einigen anderen “Verbündeten” (von der aktiven Beteiligung Israels wird bis dato mehr gemunkelt als dass handfeste Belege vorliegen) sehr ernsthaft zu sprechen. Deutsche Tornados und Fregatten braucht es dazu defintiv nicht.

– Weil jeder weiß, dass der “Islamische Staat” nicht mit Bomben besiegt werden kann, und jeder der noch bei Verstand ist einsehen muss, dass der Großplan des Imperiums mit dieser Bande die Hegemonie im Mittleren Osten zu erobern nur noch um den Preis eines Weltkriegs “erfolgreich” durchgeführt werden kann, ist nach einer Viertelmillion Leichen und 10 Millionen Geflohenen eine internationale politische Lösung jetzt unausweichlich: D.h. 1) Isolierung der Finanz,-und Waffenströme in das Kalifat 2.)  Vertreibung der IS-Kämpfer durch reguläre irakische und syrische Bodentruppen mit internationaler Unterstützung  3.) Einsatz einer robusten Blauhelmtruppe aller fünf Vetomächte zur Friedenssicherung und  Gewährung von Autonomierechten für die unterdrückten religiösen und kurdischen Minderheiten in Syrien und Irak. 4) Neuwahlen

Solange wir über 1) nichts Konkretes erfahren ist davon auszugehen, dass die wahabitischen Kopf-Ab-Milizen des Islamischen Staats weiterhin als unsere (un-)heimlichen Verbündeten agieren.

26
Nov, 2015

Tornados für oder gegen Terror ?

categories Uncategorized    

24.10.15 16:40-BildschirmkopieIrgendwie scheint mal wieder alles nach Drehbuch zu laufen: schrecklicher Terror-Anschlag bei gleichzeitiger Anti-Terrorübung,  tote Attentäter mit überlebenden Ausweisen, ungeklärte Bekennerschreiben, unkonkrete Ermittlungen…klare Schuldzuweisungen…. Ausnahmezustand…. Kriegserklärung…Beistandsersuchen. Und jetzt, man konnte es ahnen, eben auch deutsche Tornados. Dass deren Einsatz in Syrien ohne UN-Mandat völkerrechtswidrig ist, dass von allen fremden Streitkräften in  Syrien allein Russland legal dort operiert, weil es von der  Regierung des Landes zu Hilfe gerufen wurde, ist “in der Stunde der Not” erstmal zweitranging… und die eingebetteten Nato-Postillen stimmen die Bevölkerung schon mal ein. Es gibt ja auch noch nicht genug Kampfflugzeuge in der Region und da muß man in “Solidarität gegen den Terror” dem Franzosen natürlich beistehen. Dass der mit seinen britischen und amerikanischen Freunden dort schon seit Jahren rumbombardiert, Libyen in ein Dschihadisten-Paradies verwandelt hat und Terrorismus nicht eingedämmt sondern produziert hat; dass der Islamische Staat ein Geschöpf der US-Geheimdienste ist, das mit saudischem Geld und Support durch die Türkei, Israel und die NATO  am Leben gehalten wird – und benutzt, weil die Türkei ihre Grenzen gerne 35 Kilometer nach Syrien ausdehnen will und Israel die seinen auf die schon besetzten syrischen Golan-Höhen. All das und noch einiges mehr müßte öffentlich diskutiert werden bevor das Parlament darüber abstimmt, ob ein Bundeswehreinsatz gegen dieses selbstgeschaffene Monster gerechtfertigt und rechtmäßig ist.

Dass es strategisch ohne große Bombardements ein Leichtes wäre, dem Islamischen Staat den Saft abzudrehen, haben zahlreiche Beobachter ad infinitum betont: wenn die Grenze zur Türkei geschlossen und die Zufuhr von saudischem Geld und Waffen gestoppt wird –  beide Staaten sind enge Verbündete des Westens in diesem Krieg ! – geht im “Kalifat” sofort das Licht aus. Dies aber war bis dato nicht im Sinne des Erfinders, der diese salafistischen Wahnsinnigen bis an die Zähne bewaffnet hat. Was geschieht wenn man ernsthaft gegen ihre Versorgungslinien vorgeht mußte vor drei Tagen der russische Bomber erfahren. Auch wenn die hiesigen Großmedien nach wie vor von “Luftraumverletzung” fabulieren, sollte mittlerweile vollkommen klar sein, dass es sich bei diesem Abschuss um einen kriminellen Akt handelte – ausgeführt von der tükrischen Luftwaffe im Auftrag des Erdogan-Mobs. Der Sohn des Sultans, Bilal Erdogan, ist dick im Geschäft mit dem IS und verschifft das gestohlene Öl, das wegen der russischen Attacken auf die Tanklastwagen-Flotte nun auszubleiben droht.

Soll die Bundeswehr jetzt in einer Koalition mit den Kopf-Ab-Saudis und der islamistischen Erdogan-Mafia weiter Schaukämpfe gegen den IS führen, um letztlich doch nur den vom netten Augenarzt zum “Schlächter” mutierten Assad zu beseitigen, wie es der Großplan des US-Imperiums vorsieht ? Dann stünden deutsche Soldaten mit den nunmehr zu netten “moderaten Rebellen” mutierten Al Qaida/Al Nusra-Brigaden in einer Front – um gegen “4+1” (Russland, Syrien, Iran, Irak plus Hiszbollah) Damaskus, Teheran und den gesamten Mittleren Osten zu unterwerfen. Oder soll  es wirklich gegen den Terror des IS gehen ? Dann braucht es keine Tornados und keine Kriegsschiffe, sondern politische Maßnahmen gegen die Türkei und Saudi-Arabien. Sonst bleibt jeder Kampf gegen den IS ein Fake. Falls es Frankreich gelingt, eine große militärische Koalition (inkl “4+1”) zu schmieden, ist der Islamische Staat in wenigen Tagen Geschichte. Viele Flüchtlinge könnten zurückkehren, unter internationaler Aufsicht könnten Neuwahlen stattfinden – und Assads Baaht-Partei würde sehr wahrscheinlich  gewinnen. Das ist das Problem. Die syrische Bevölkerung wird solange bombardiert bis sie endlich “richtig” wählt. Sollte das Grundgesetz noch irgendetwas wert sein, dürfte sich die Bundeswehr an solchen Angriffskriegen natürlich nicht beteiligen. Wie’s ausschaut kann unsere Panzer-Ursel aber kaum abwarten zur Tornado-Uschi promoviert zu werden…

27.11.15 09:02-Bildschirmkopie

24
Oct, 2015

Patridiotismus

categories Uncategorized    

24.10.15 16:40-BildschirmkopieUnter Führung des ehemaligen Nachrichtenmagazins schwingt sich der investigative Journalismus unserer Qualitätsmedien derzeit zu neuen Höchstleistungen auf – mit akribischen Recherchen für den Nachweis, dass die FIFA korrupt ist und der DFB, als weltgrößter FIFA-Verband, ebenso. Wow – wer hätte das jemals geahnt ? Und welche Abgründe tun sich durch diese Enthüllungen auf, welche unfassbaren Konsequenzen drohen quasi keinen Stein mehr auf dem anderen zu lassen, wie wird unser aller Leben nach diesen abgrundtiefen Erschütterungen weiter gehen ? Die große Schland-Party 2006 war gekauft – das mus man erst mal verkraften. Mit fehlen die Worte. Ein Glück dass es noch investigativen Journalismus gibt, der solche Schandtaten  schlußendlich dann doch aufdeckt. Demnächst in diesem Enthüllungstheater: der Papst ist katholisch!

*

Noch ist diesem Blog ja kein Propheten-Preis oder Forecast-Award verliehen worden, aber das kann nicht mehr lange dauern wie wir am Beispiel “Dieselgate” jetzt wieder sehen. Am 28. 9. hieß es an dieser Stelle: “Für die von diversen Konspirationisten vorgebrachte Mutmassung, dass die fiesen Amis Deutschland abstrafen wollen und deshalb VW an den Pranger stellen, gibt es keinerlei Indizien – sehr viel wahrscheinlicher ist, dass es sich um branchenüblichen, markenübergreifenden Betrug, also um organisierte Kriminalität,  handelt, und der VW-Konzern als zweitgrößter Hersteller der Welt eben nun als erster erwischt worden ist.   Auch wenn der sog. “Motor-Journalismus” notorisch korrupt ist,  sollte man schon sehr bald damit rechnen, dass auch die Abgasreinigung anderer Hersteller genauer unter die Lupe genommen wird und ähnliche Hintertüren offenbart.” Jetzt hat die “Deutsche Umwelt Hilfe” einen Opel  (eine Marke des US-Konzerns General Motors) auf den Prüfstand gestellt und – siehe da –  “Messresultate zeigen, dass das Fahrzeug sich anders verhält, wenn der Rollenprüfstand im 4- oder 2-Rad Modus betrieben wird.”  Was – höchstwahrscheinlich – für denselben Fake wie bei den VW-Dieseln spricht. Dass nach der DUH jetzt auch der lupenrein objektive Motorjournalismus unserer Qualitätsmedien diesem millionenfachen Betrug demnächst dann – langsam – auch nachgehen wird, sagen wir hier schon mal voraus….

*

Dass die russische Armee im Syrienkrieg ein hoch wirksames Störungssystem einsetzt, scheint die atlantischen Truppen etwas nervös zu machen. Um die offenbar wirkungsvollen Bombardements der Russen einzuschränken erwägt man im US-Senat mittlerweile, Flüchtlinge als “menschlische Schutzschilde” einzusetzen. Während aus solchen Planspielen eher die nackte Verzweiflung spricht, mit der sich im Pentagon nach vier Jahren Bürgerkrieg die Planlosigkeit fortsetzt, mit der man z.B.  letzte Woche  Munition und Waffen für 50 Mio. Dollar über Syrien abwarf ohne zu wissen bei wem diese überhaupt landeten,  spucken die  großartigen Verbündeten Saudi-Arabien und die Emirate jetzt  große Töne und Katar – bisher nur der  Großsponsor durchgeknallter “heiliger Krieger” – droht den Russen nun mit einer eigenen Militäraktion. Womit ein weiterer Player im Krieg in Pipelinistan direkt ins Spiel käme, denn das kleine Emirat Katar ist mit Russland der Erdgas-Riese der Welt – und will (mit den Saudis und den USA) eine Pipeline ans Mittelmeer bauen. Wohingegen Assad dem Iran und den Russen, deren Blue-Stream-Pipeline schon in die Türkei führt, den Mittelmeer-Zugang zu den energiehungrigen EU-Anrainern öffnen möchte. Wegen diesen Markt,- und Machtspielen (und nicht wegen “Menschenrechten”) soll der syrische Machthaber weichen – worüber in unseren investigativen FIFA-Medien freilich wenig zu erfahren ist. Auch darüber, dass Obama höchstselbst den Irakkrieg mittlerweile als  gescheitert ansieht und weitere militärische Abenteuer in Syrien ausschließt, waren noch keine großen Schlagzeilen zu lesen.  Dass unterdessen die Zustimmungsraten für Putin auf sagenhafte  89,9 %  gestiegen sind, wird von den hiesigen Bratwurst-Journalisten vermutlich nur als weiterer Beleg für  dessen abgrundtiefe Boshaftigkeit ausgelegt.  Nichts auszudenken, wenn die russische Intervention gegen die Islamisten Erfolg hätte und eine politische Lösung in Syrien (Abgang von Assad und Neuwahlen) ermöglicht…

*

“Jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein” notierte Arthur Schopenhauer  schon vor 200 Jahren, und Heinrich Heine  hielt im “Wintermärchen” fest:
“Fatal ist mir das Lumpenpack/ das, um die Herzen zu rühren/ den Patriotismus trägt zur Schau/ mit allen seinen Geschwüren.”
Diese Geschwüre bestehen nicht in der Liebe zum Eigenen – als welche gegen Patriotismus ja gar nicht einzuwenden wäre –  sondern im  Hass auf Andere, der Heimatliebe und Nationalstolz als Deckmantel für Ressentiments und Herabwürdigung dieses Anderen benutzt. Dass Deutschlands bekanntester Rechtspopulist gebürtiger Türke ist und die Hochburg des Fremdenhasses jene Region des Landes, in der am wenigsten Migranten leben, diese verkehrte Welt macht deutlich um was es bei Pegida & Co. geht: nicht um Liebe zu Deutschland und Angst vor Islamisierung, sondern um “erbärmliche Tröpfe” –  Arme, Abgehängte, Perspektivlose – die mit dem “Ausländer”, dem  “Flüchtling”, dem “Moslem” einen willkommenen Sündenbock finden.

2
Oct, 2015

Krieg in Pipelinistan

categories Uncategorized    

23.06.14 17:05-Bildschirmkopie

Weil der Kollege Fefe fast nur im Internet und kaum Bücher liest, stellt er  erst jetzt fest, dass in “Wir sind die Guten” auch etwas über den Hintergrund des Syrien-Konflikt steht. Nämlich über den  Krieg in Pipelinistan, in dem sich auf der einen Seite Assad, Russland und Iran und auf der anderen Katar, Saudi-Arabien und die USA gegenüberstehen. Unten zitiere ich mal einen kurzen Abschnitt dazu, denn auch für Nicht-Buch-Leser ist dieser Hintergrund interessant, zumal Russland jetzt in Syrien ebenfalls militiärisch eingreift.

Dass die ersten Berichte über die zivilen Opfer der russischen Luftschläge schon erschienen, bevor die Bomber überhaupt in der Luft waren, passt zu der desinformierenden Art und Weise der gängigen Berichterstattung über den Konflikt. Beim durchscannen der Artikel dazu war immer wieder zu lesen, dass die Russen die falschen, nämlich die von der CIA gesponsorten “moderaten” Terroristen getroffen hätten. Und nicht den IS – der freilich ebenfalls CIA-gesponsort ist, und zwar  von “Exon”-John McCain persönlich, welcher jetzt logischerweise zu den ersten gehörte, der die russischen Luftschläge scharf verurteilte.

 “Schon seit 2010 in Betrieb ist die russische Pipeline Blue Stream, die Gas durch das Schwarze Meer in die Türkei befördert und die Russland mit Blue Stream 2 verlängern möchte – nach Syrien. Dass sich Syriens Diktator Assad auf dieses Angebot eingelassen hat und das Angebot einer von den USA und der EU projektierten Pipeline, die Erdgas aus Katar durch Jordanien und Syrien ans türkische Mittelmeer befördern soll, ablehnte, ist vermutlich der eigentliche Grund für den vom Westen massiv propagierten Regimewechsel in Damaskus sowie für die Tatsache, dass Katar und Saudi-Arabien die Rebellen im syrischen Bürgerkrieg finanzieren und mit Al-Qaida-Söldnern unterstützen. Es geht dabei nicht um Demokratie oder Menschenrechte, sondern um das Milliardengeschäft mit den energiehungrigen europäischen Anrainern des Mittelmeers. Diesem Geschäft ist Assad im Weg und will zudem nicht nur russischem Erdgas Zugang zum Mittelmeer verschaffen, sondern hat auch mit dem Iran einen milliardenschweren Lieferungsvertrag geschlossen. Das – und nicht die unzweifelhaften Diktatur des Herrschers Assad – ist der Grund für den vom Westen mit Geld aus Katar und Saudi-Arabien geförderten Bürgerkrieg in Syrien und für die Unterstützung, die Assad in diesem Konflikt durch Russland erfährt. Es ist das große Spiel um Ressourcen und Marktzugänge – und hier gelten der Doppelstandard und die Gesetze des Dschungels: Täuschung, präemptive Attacken, Krieg.
Im August 2013 standen die Truppen der USA, Englands und Frankreich kurz davor, mit Bombardements in den syrischen Konflikt einzugreifen, weil nach mehreren Giftgaseinsätzen, die der Assad-Regierung zugeschrieben wurden, laut Präsident Obama eine »rote Linie« überschritten war. Nachdem am 21. August in der Stadt Ghuta erneut mehrere hundert Zivilisten durch den Einsatz chemischer Waffen ums Leben gekommen waren, legte Präsident Obama den Termin des Bombenangriffs auf den 2. September fest, England verlegte ein U-Boot und Kampfflugzeuge nach Zypern, eine Staffel der französische Luftwaffe wurde in Bereitschaft versetzt. Ohne Frage wäre es zu diesem Angriff auf Damaskus gekommen – der US-Präsident hatte ihn sogar schon öffentlich angekündigt. Dass er im letzten Moment abgewendet wurde, verdankte sich einem russischen Agenten, der dem britischen Geheimdienst MI 6 ein Muster des in Ghuta verwendeten Giftgases zukommen ließ – samt eines vertrauenswürdigen Belegs, dass dieses nicht aus russischen Beständen stammte und daher auch nicht im Arsenal von Assad gewesen sein konnte. Nachdem die Chemiker des MI 6 dies geprüft hatten, funkten sie eilig nach Washington: »Wir wurden reingelegt!« Wie dies geschah, deckte Seymour Hersh in zwei investigativen Reportagen einige Monate später auf: Als eine klassische »False-Flag-Operation« hatten die »Rebellen« selbst das Giftgas eingesetzt. Die Kampfstoffe stammten aus der Türkei und waren auf der von der CIA eingerichteten »Rattenlinie« zur Versorgung der Aufständischen nach Syrien gebracht worden. Mit dem von der Türkei, Katar und Saudi-Arabien ausgeheckten Plot sollten die Großmächte in den Konflikt hineingezogen werden, was Russland verhinderte und danach einen Deal mit Assad aushandelte, sämtliche syrischen Chemiewaffen zu vernichten.
Wer nun glaubt, dass das Auffliegen der Geschichte und die Beweise, dass nicht der »Schlächter« Assad gegen sein eigenes Volk einschließlich Kindern mit Chemiewaffen vor- ging, sondern die vom Westen eingeschleusten Söldner der Al-Nusra-Front, zu einem Ende des verdeckten Kriegs in Syrien geführt haben, irrt. Die »rote Linie«, die gesetzt wurde, gilt nach dem doppelten Standard eben nur für eine Seite: Wir, die Guten, dürfen so etwas, weil wir für »Freiheit« und »Menschenrechte« unterwegs sind, weil wir »Diktatoren« beseitigen und den »Terror« bekämpfen. Und wenn unsere Helfershelfer dabei auch mal Giftgas einsetzen und einen Massenmord unter falscher Flagge veranstalten, ist das kein Grund, sich von ihnen zu trennen: Es geht um Größeres, um das große Spiel, in dem jedes Mittel erlaubt ist und in dem »wir« immer die Guten sind. (Bröckers/Schreyer: Wir sind die Guten, Frankfurt 2014, S. 58 ff.)

 

Ein ausführlicher Report über die aktuelle militärische Lage ist heute auf Telepolis erschienen: “Terrorismusbekämpfung zwischen Kuhhandel und Blockkonfrontation”

Next Page →