Rinks & Lechts & Quer & Queer

weapons-of-mass-destruction-700x4374Über das Phantom einer “Querfront”, in der sich Rechtspopulisten und Pegida-Fans mit Linksradikalen und “Verschwörungstheoretikern” vereinen, wird derzeit wieder viel fabuliert und im Zusammenhang mit einer mißratenen (und zurückgezogenen) Studie zum Thema hatte ich meine 2 Cent zu diesem halluzinierten “Netzwerk” eigentlich schon abgeliefert. In einem Artikel, der in der “Berliner Zeitung” und der “Frankfurter Rundschau” erschien, ist dieser Unsinn jetzt aus Anlass des Rücktritts von Wolfgang Lieb aus der Redaktion der Nachdenkseiten wieder aufgewärmt worden. Wie üblich wird auch hier wieder zusammengerührt, was nicht zusammengehört, um Leute wie etwa  den Nachdenkseiten-Chef Albrecht Müller, den Journalisten Ken Jebsen oder yours truly mit völkisch-brauner Soße zu kontaminieren. Weil Argumente dafür in den Arbeiten der Genannten nicht zu finden sind, müssen sie in freier Assoziation konstruiert werden – was in meinem Fall zu unfreiwilliger Komik führte:

“Der einstige taz-Journalist Mathias Bröckers (61) verkauft heute seine Bestseller über den 11. September 2001 als Terrorwerk der US-Regierung und seine „Ansichten eines Putinverstehers“ an Linken- wie AfD-Anhänger.”

Außer der Altersangabe stimmt an diesem Satz nichts: ich bin nach wie vor Journalist und arbeite (seit 2007) als Berater wieder für den taz-Verlag; Bestseller über den 11. September 2001 “als Terrorwerk der US-Regierung” habe ich nie geschrieben, sondern drei Bücher, die die offizielle Legende des 11.September in Frage stellen, und diese wurden wie auch die „Ansichten eines Putinverstehers“ keineswegs  nur von “Linken- und AfD-Anhängern” gelesen, sondern definitiv auch von Mitgliedern  von CDU/SPD/FDP/Grünen. Sogar dass der eine oder andere Nazi sie in die Hände bekam (und mit Gewinn gelesen hat) kann ich nicht auschliessen. Und somit von Glück sagen, dass der Autor des FR-Artikels den nicht ausfindig gemacht hat, weil sonst…uuuaaah. Nazis lesen Bröckers und verstehen Putin… da ham wir’s mal wieder.

Auch wenn es bisweilen schwer sein mag, Rinks & Lechts & Quer & Queer zu unterscheiden und es sich angesichts von Überschneidungen einen Reim auf die verschiedenen Bewegungen und Gruppen zu machen, mit nur ein wenig Recherche etwa auf den Nachdenkseiten, bei Ken FM oder in diesem Blog könnte man ermitteln, wes Geistes Kind die Macher sind, und Belege, Zitate, Beispiele für ihre Haltung beibringen. Weil sich da aber auf weiter Flur nicht “Völkisches”, “Rechtspopulistisches” oder sonstwie Reaktionäres finden läßt müssen, muss der Rufmord via Kontaktschuld konstruiert werden.  Oder mit schlichten Falschbehauptungen (“11. September 2001 als Terrorwerk der US-Regierung”) ein Extremismus insinuiert werden, der allein den linken wie den rechten Rand begeistert.

Da wundert es nicht, dass nach einer neuen repräsentativen Umfrage 44 % der Deutschen dem Vorwurf “Lügenpresse” zustimmen (aber nur 10 % den anderen Pegida-Parolen) – die meisten Journalisten aber nach wie vor überzeugt sind, dass sie an diesem gravierenden Vertrauensverlust vollkommen unschuldig sind und nur ein paar üble Demagogen der Bevölkerung diesen Unglauben eingeimpft haben. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen in den “Leitmedien”: dem ist nicht so! Die Leute sind nicht so blöd wie ihr glaubt oder sie gerne hättet. Und ihr werdet sie nicht zurückgewinnen,  wenn ihr euren Medienzirkus weiter “as usual” betreibt und jede Kritik daran als rechtspopulistische Verschwörungstheorie abwatscht. Nicht nur die Massenvernichtungswaffen des Irak waren eine große Lüge, auch Osama Bin Laden und seine 19 Teppichmesser als 9/11-Alleintäter sind eine solche, ebenso wie die Alleinschuld des “Aggressors” Putin am Ukraine-Konflikt. Wer Glaubwürdigkeit zurückgewinnen will, muss da ran…

Update: Authentischer Linkspoulismus – Ken Jebsens Rede in Plauen ( ungeschnitten auf Youtube )

27 Comments

  1. > …Ken Jebsen oder yours truly
    > mit völkisch-brauner Soße zu
    > kontaminieren. Weil Argumente
    > dafür in den Arbeiten der
    > Genannten nicht zu finden sind

    Nicht? Nun, das Landgericht München I sieht das anders. Jebsen gab bekanntlich an zu wissen, dass Edward Bernays „den Holocaust als PR“ erfunden habe und wie entsprechende Kampagnen von Propagandaminister Joseph Goebbels aufgelegt wurden. Das Landgericht München I stellte in einem Urteil vom 10. Dezember 2014 fest, dass zwei Äußerungen Jebsens “mit Recht als antisemitisch bewertet werden können” und bezog sich dabei explizit auf obigen Passus.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ken_Jebsen#Kontroverse_und_K.C3.BCndigung_durch_den_RBB

     
  2. Wikipedia ist natürlich eine seriöse, objektive Quelle, wenns um Personen geht die mit Ismen überzogen werden sollen. Das ist ja mal klar…
    Aber wenn Sie sie schon zitieren, sollten Sie nicht unterschlagen, dass dort auch steht, das Urteil sei noch nicht rechtskräftig.
    Ken Jebsen behauptet, seine Rechtsabteilung habe von 41 Prozessen gegen ihn 40 gewonnen. Vielleicht ist dies hier angeführte das noch fehlende 41.?
    Ich bin übrigens auch antisemi, d.h. gegen Halbheiten…

     
  3. Och nö, das mit KenFM ist wirklich halb so wild…

    Wenn du dir richtige Judenhasser angucken willst musste mal bei den Neuschwabenland-Leuten und dem “Honigmann” vorbeischauen (wobei der auch gerne von diesem Mährholz als Informationsquelle rangezogen wird / wurde – so genau verfolge ich das jetzt auch net, aber für ein paar Lacher sind diese Bauern allemal gut…)

     
  4. Marc-André inder Quelle heißt es
    “Der Satz […] geistert […] vollkommen isoliert durch die Medien. […] Eine Leugnung des Holocaust findet […] nicht statt”
    Was wollen Sie denn mit dem Hinweis erreichen und warum?
    Zum RBB steht dort:
    “Das Verfahren endete mit einer außergerichtlichen Einigung, über deren Details Stillschweigen vereinbart wurde”
    Das kann kaum anders als die Zahlung einer Abfindung durch den RBB bedeuten.

    Aber wie gesagt die Frage ist was wollen Sie mit dem Hinweis erreichen?

     
  5. … ist eher davon auszugehen, dass der 41. nicht gewonnene Rechtsstreit von KenFM der mit der “Antilopengang” wegen ihres Liedes “Beate Zschäpe hört U2” war… aufgrund der künstlerischen Freiheit ist in solchen Fällen ordentliches rumdenunzieren wohl erlaubt 🙂

     
  6. @ Marc Andre: Edward Bernay, Sigmund Freuds Schwiegersohn und Urvater der “Propaganda” – so auch der Titel seines Standardwerks – war in der Tat der PR-Berater der israelischen Außenministerin Golda Meir. Bis dahin spielte der Holocaust und der Opferstatus keine Rolle für das nationale Narrativ des jungen Israel, seitdem ist er prägend geworden. Dass der “Father of Spin” den “Holocaust als PR” empfohlen hat mag missverständlich formuliert sein, weil es als Leugnung desselben verstanden werden kann – im Zusammenhang mit Bernay, in den Jensen das stellt, ist es aber sachlich richtig.

     
  7. Leute, es ist doch wohl ein Stück aus dem Tollhaus, wenn der “Recherchierjournalist” par excellence, Mathias Broeckers, allen Ernstens behauptet, es gäbe “keine (!!) Argumente in den Arbeiten” Jebsens, die auf “völkisch-braune Soße” hindeuteten. Was, bitte, ist denn das oben erwähnte Urteil eines deutschen Landgerichts anderes als ein Argument? Klar, man muss es nicht teilen, aber zu behaupten, es gäbe KEINERLEI Argumente, wenn selbst ein Diether Dehm auf SPIEGEL-TV sich von Jebsen wegen dessen Holocaust-Bullshit distanzierte, ist ja wohl gaga. Desweiteren war Jebsen bei zahlreichen Elsässer-Veranstaltungen dabei (z.B. im Berliner Viethaus), als bereits abzusehen war, dass Elsässer verbalen Amok läuft. Elsässers Satz “Beate Zschäpe, ich finde Sie sympathisch” war da bereits gefallen.

     
  8. @ Tom: Mit Fakten brauchst du Kommentatoren wie “Marc Andre” nicht kommen – denen geht es um Spaltung und Sabotage jeder Art von linker Protest,- und Friedensbewegung. Wenn bei den 200.000 TTIP-Demonstranten auch 200 Nazis mitgelaufen ist das natürlich klar eine rechtspopulistische, anti-amerikanische, anti-semitische Veranstaltung !!! Und wenn einer wie Elsässer Sarrazin gut findet oder Zschäpe und einer wie Jebsen schon mal mit Elsässer aufgetreten ist ist ja wohl klar, dass das alles eine braune Sippe ist… Nach diesem Muster – “Kontaktschuld” – spritzen die Freunde von der pseudolinken Transatlantifa eben ihr Gift mit dem Pazifismus und Anti-Militarismus diffamiert werden…

     
  9. @Andre 08.11.15, 14:29

    Wiki:”…Im Nachhinein stellte das Landgericht München I in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil vom 10. Dezember 2014 zu einer Klage Jürgen Elsässers gegen Jutta Ditfurth fest, dass zwei Äußerungen Jebsens “mit Recht […] als antisemitisch bewertet werden [können]” und bezog sich dabei explizit auf den Passus aus der Nachricht, die Henryk M. Broder veröffentlichte…”
    Ein nett gemeinter Hinweis: Lesen allein hilft noch nicht zur Gänze. Es ist das verstehende Lesen, das Herstellen von Zusammenhängen, was die hohe Kunst der mentalen Textverarbeitung ausmacht.
    Die ganze Perfidie von Wiki beim Teeren und Federn von Menschen besteht hier darin, dass in einem Artikel über Ken Jebsen ein noch nicht rechtskräftiges Urteil über Jürgen Elsässer herangezogen wird, in dem Äußerungen Ken Jebsens mit Recht als antisemitisch bewertet werden können.
    Mit Recht im Konjunktiv(!!)

    Die magische Kugel im Fall Kennedy ist nix dagegen…

     
  10. Es fällt mir schwer, aber ich muss diesem Mark-Andre recht geben. Jebsen hat gestern vor 4000 Vogtländern in Plauen gesprochen. Die örtliche Pegida heißt “Wir sind Deutschland” (WsD). Wie Michaela Oheim vom Plauener WsD-Organisatoren-Team auf Nachfrage der “Freien Presse” berichtete, habe Jebsen selbst den Kontakt gesucht. ARD-Journalisten kamen in der Doku “Dunkles Deutschland” zu dem Schluss, es handele sich bei WsD um eine umlackierte Pegida. An der Kundgebung nahmen auch 200 der als neofaschistisch eingeschätzten Partei “Der III. Weg” teil. Jebsen hätte das alles wissen können. Mir ist der Typ hochsuspekt. Gruß aus Riesa/Sachsen

     
  11. @Plocki: Selbst die Jebsen und den “Mahnwachen” schwer abgeneigte taz kommt zu ganz anderen Schlüssen was die Bewegung in Plauen betrifft…
    http://www.taz.de/Buergerinitiative-Wir-sind-Deutschland/!5246503/
    … Was an Jebsens Rede, die mittlerweile unter dem Artikel verlinkt ist, “rechts” sein soll erschliesst sich mir nicht… falls ich etwas überhört haben sollte, bitte posten. Mir scheinen die Vorwürfe gegen ihn wie auch Ihr Posting und das von Marc Andre einmal mehr nichts anderes als Rufmord.

     
  12. > in einem Artikel über Ken
    > Jebsen wird ein noch nicht
    > rechtskräftiges Urteil über
    > Jürgen Elsässer herangezogen

    Informier dich gefälligst, Berndchen. Das Urteil ist seit zwei Wochen rechtskräftig. Unter großem Applaus hat das Elsässer im Rahmen seiner Berliner COMPACT-Konferenz (an der auch Hochhuth teilnahem, man fasst es nicht) vor 14 Tagen mitgeteilt. Ditfurth muss sämtliche Verfahrens- und Anwaltskosten tragen. Fakt ist: Jebsen blinkt links und biegt rechts ab. Den größten Beifall und grölende Zustimmung erntete in Plauen eine Rednerin, die Gabriel wg. dessen “Pack”-Äußerung in Heidenau in die Tonne kloppte. Man kann über den opportunistischen Vizekanzler denken was man will, aber als er die Nazis vor dem Heidenauer “Praktiker”-Markt als Pack titulierte, lag er mal goldrichtig. In Ostdeutschland herrscht in weiten Teilen unverhohlener völkischer Nationalismus. Zum Vergleich: Die Düsseldofder Pegidioten um Melanie Dittmer bringen momentan 35 (!) Hohlbrote auf die Straße. Zuletzt am Freitag in Düsseldorf-Unterrath. 400 Antifanten machten denen die Hölle heiß. Darunter meine Wenigkeit.

     
  13. @ Marc-Andre
    … möcht mich in so eine hochgeistige Diskussion eigentlich nicht einmischen.
    Aber lieber Marc-Andre: Bist ein armes Würstchen, das leider nix drauf hat, als dumme Parolen nachplappern!

     
  14. @Marc-André am 10.11.2015 um 17:25 Uhr:

    …”Die Düsseldofder Pegidioten um Melanie Dittmer bringen momentan 35 (!) Hohlbrote auf die Straße. Zuletzt am Freitag in Düsseldorf-Unterrath. 400 Antifanten machten denen die Hölle heiß. Darunter meine Wenigkeit…”
    Okay,Marc-André, woGEGEN die Antifa ist, weiß ich zur Genüge. Bitte beantworten Sie mir doch einmal die Frage, woFÜR sie eigentlich steht.
    +++++
    Zum eigentlichen Thema:
    Zur derzeit oft gestellten Frage, wieso sich die Systemmedien so auffallend neutral zu WsD Plauen verhalten, hatte ich auf der Zunge: Nun ja, man weiß noch nicht so recht und wartet auf Weisung bzw. eine geeignete Wording-Vorgabe.
    Da geriet mir soeben diese Seite unter die Augen:

    http://www.medienanalyse-international.de/index1.html
    “(Video: KenFM am Set: Rede von Ken Jebsen in Plauen (8.11.2015) “Was war zuerst: der Bombenteppich oder der Flüchtling?” Ein Plädoyer gegen das Bomben!
    Was macht daraus die Junge Welt? Eine sich radikalisierende Kleinbürger-Mischpoke, bei der Ken Jebsen nicht habe fehlen dürfen.usw.)”

    Da!! Jetzt fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren. Die L i n k e n sollten den ersten Batzen Dreck werfen!!
    Ab morgen dann hemmungslose Anti-WsD-Hetze.
    Wett’ ich.

     
  15. wie es scheint wurde auch dieser Blog mit Counterintelligence Trollen (Marc-André) kontaminiert. Wetten, bald wird die Kommentarfunktion abgeschaltet werden? Kopp erlaubt auch keine Kommentare mehr. Sämtliche Mainstream Seiten zensieren alles bis zur Unkenntlichkeit. Nur auf PI kann man noch alles schreiben (stimmt das noch?). ROFL!

     
  16. Liebe Alice (08.11., 13:24),nicht dass Sie denken, sie werden hier (zu Unrecht!) mit Nichtachtung gestraft. Hab drüber nachgedacht und finde auch, “queer” hat nichts in dieser Überschrift verloren. Gehört nicht zum Thema.
    “Quer” meint offensichtlich “Querfront”, aber das in Relation zu “Queer” zu setzen ist fehl am Platze.

     
  17. Berndchen, abgesehen davon daß es der selbe Wortstamm ist kann man an queer und Quer- doch festmachen wo einer steht falls Zweifel bestehen.

    Ist also nicht nur ein Wortspiel im Titel sondern bringt mal kurz klare diametrale Unterschiede auf den Punkt.
    Auch wenn mancher jetzt widerspricht.

    Und das natürlich nicht heißt daß es keine schwulen Nazis oder Rechte gäbe.

     
  18. Sehr geehrter Herr Bröckers,

    es ist eine Wohltat, dass Sie sich in diesen Krisenzeiten so sehr dafür engagieren, Unheil von den Menschen abzuwenden. Mein später bescheidener Beitrag nimmt vielleicht nicht dirket bezug auf die jüngsten Detaildiskussionen. Ich möchte nur soviel beisteuern:

    Der Zuzug von mehr als einer Million Muslime nach Europa macht mir Angst um unsere Zukunft, aber um die könnte man noch aus andern Gründen besorgt sein. Ich finde Buzz-Wörter wie “Leitkultur” so lange oberblöd, als nicht näher definiert ist, worin die denn bestehen sollte und ob sie tatsächlich von einer Mehrheit noch mitgetragen, d.h. eben auch unter Verlusten gegen die Versuchungen alleine schon der Indifferenz oder Ignoranz verteidigt würde. Während es in unserem säkularen System völlig unerheblich ist, wenn auf einmal eine weitere Million Menschen dieser oder jener Glaubensrichtung anhängen, hat es das Zeug zu seiner Anfechtung, wenn die Leute, die die nach ihren Vorstellungen göttlichen Prinzipien und Massregeln bis ins kleinste zum gültigen Gesetz machen wollen, zur Wählermehrheit werden können. Die Geburtenzahlen sprechen für sich, und Verlautbarungen in die Richtung, dasss ja genau dies beabsichtigt sei, hat es auch schon gegeben. Aber das ist blödes Fahrwasser. Viele Menschen leiden bittere Not, ihnen blieb nur die Flucht, und sie brauchen Schutz und Hilfe. Das müsste man in einem reichen Land gewähren können, ohne dass deshalb gleich das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht aus seinen Angeln gehoben wird. Und vor allem: Sie sind Mitmenschen, und wir an ihrem Unheil nicht ganz unbeteiligt.
    Es war ein schwerer Patzer, immer wieder das fast bedingungslose Dauerbleiberecht, die Ausstattung mit Dingen über Hartz-IV-Niveau usw. grosskotzg ins Gespräch zu bringen. Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld? Und jetzt überbieten sie einander wie die Kinder mit Härteparolen und Streichprogrammen, dass die Kanzlerin fast vom Thron gefegt wird. Nicht, dass man der amerikanischen Kanzlerin viele Tränen nachweinen sollte, aber Regierungschaos in einem bis dahin sich immer als mustergültig gerierenden Staat als Preis für Unbedarftheit und aus so geringem Anlass? Heftig!

    Hier treffen die Wahrheitsverweigerung und die antiaufklärerischen Tendenzen unserer sogenannten Eliten mit der “Lawine” des Unaufgeklärtseins tragisch aufeinander. Reflexartig könnte man das in das Argument umfunktionieren, dass es ungeachtet der religiösen Ausprägung in jedem Falle die Unaufgeklärtheit ist, die unsere Gesellschaft ablehnen muss. Sie passt halt einfach nicht hierher. Sie ist hier zwar auch, aber das bekräftigt nur wieder, dass wir schon genug eigene Problemfälle haben und keinen Import brauchen.

    Jetzt muss man aber, um massenhaften Zuzug von Kulturfremden abzulehnen, selbst kein Vorzeigeaufklärer sein. Der Vorwurf der Dumpfheit trifft wahrscheinlich hie und da ins Schwarze. Aber in der Generalisierung steckt das Problem. Dass Leuten wie Ihnen dabei von der Presse systematisch und bald im Chor Unrecht getan wird, gilt noch nicht einmal als Kollateralschaden, sondern ist Teil einer erweiterten Absicht.

    Die Eliten ziehen nämlich jetzt, den Durchblick zu haben, ganz auf sich und behaupten, woran sie sich ihre Köpfe blutig rammten, seien die Sturheit und Uneinsichtigkeit des gemeinen Volkes vermittels derer, die es in dieser Umnachtung (Dunkeldeutschland) auch noch bestärkten, auf die Spitze getrieben. Es ist alles ziemlich deutsch: Schon Schopenhauer wusste, dass “Klugheit stets bei wen’gen nur gewesen” sei.

    Während des kalten Krieges habe ich gelernt, den Gleichklang aus Demokratie, Freiheit und freier Marktwirtschaft zu verinnerlichen. Und wie böse war nun das Erwachen, erst als der PATRIOT Act durchgesetzt wurde und wir alle zu spüren bekamen, dass die Freiheit auch im Vorzeigeland der Demokratie (Alexis de Tocqueville) empfindlich eingeschränkt werden kann. Dann mit Jakob Augsteins Artikel vor nicht allzu langer Zeit, in dem er darlegte, dass der Kapitalismus eigentlich eher das Gegenprogramm zur Demokratie darstelle und es auf eine Entscheidung zulaufe, die jeder für sich und ganze Gesellschaften ziemlich bald mal fällen müssten.

    Wen hat denn die Demokratie noch an ihrer Seite von den alten Weggefährten? Die Aufklärung! – Sollte man meinen. Die beiden sind blutsverwandt in einer Linie.

    Und jetzt wird hier ein Szenario entwickelt, in dem die – nur usurpierte und auf eitlen Behauptungen beruhende – Aufklärung, sich anschickt, die Demokratie zu einem letzten Kampf auf Leben und Tod herauszufordern. Motto: Wenn der gemeine Bürger so schlechten Durchblick hat, dann muss die Demokratie an seinem erklärten Willen vorbei oder notfalls geopfert werden. Hiltibrant enti Hadubrant. Sehr deutsch, sehr archaisch. Oder auch nicht: wir dürfen alle forfait geben und sagen, dass die Demokratie zurückgebaut werden sollte, weil zu viele in unseren eigenen Reihen einfach zu blöd sind, zu verstehen, was wirklich gut ist für uns und wie unsere Zukunft geplanter Weise (historischer Materialismus) zu sein hätte. Oh, wow! Danke fürs Angebot. Wir denken drüber nach.

    Bei dieser Hollywood-Schmonzette (in Star Wars wird das Vater-Sohn-Duell ja irgendwie rezirkuliert) stören alle, die rufen könnten: “Er hat ja nichts an!”, “Er ist ja gar nicht aufgeklärt, er will Verdunkelung!” Während wir hoffen, dass der Sohn seinen Vater noch rechtzeitig als ebenden erkennt und es vielelicht doch noch zu einer gütlichen Einigung kommt, scheint die Politik auf Endsieg aus zu sein. Und mit ihr weite Teile der Presse. Müssen sie ja, ihr Anspruch, besserdurchzublicken udn mit der Aufklärung auf besseremFusse zu stehen als der Normalbürger, ist Lug und Einbildung.

    In Wahrheit sind es die Eliten, die die Aufklärung von grossen Mehrheiten fernhalten wollen. Jeder, der das überzeugend herausarbeitet, muss ihr Feind sein. Wahrscheinlich gehören Sie, Her Bröckers, dazu.

    Warum das dann mit dem Links und Rechts noch nie klappen konnte, erhellt dieser Vortrag von Gilad Atzmon in meinen Augen so gut, dass ich ihn hier weiterempfehlen möchte.

    Kognitive Elite und Gaussverteilung

    https://www.youtube.com/watch?v=RNYiNf0DAbw

     
  19. Kann das alles stimmen?

    06.10 Uhr: Julien Pearce ist Journalist beim französischen Radiosender Europe 1 und war bei dem Konzert der US-Rockband “Eagles of Death Metal” im Bataclan in Paris, als die Attentäter den Konzertsaal stürmten. Der Journalist hat den verheerenden Angriff nach eigener Aussage überlebt, weil er sich über die Bühne zu einem Ausgang retten konnte, als die Terroristen nachluden.

    05.39 Uhr: Von den acht Attentätern, die ums Leben kamen, starben sieben durch Bombengürtel und einer durch die Polizei, wie aus Ermittlerkreisen zu erfahren war. Vier kamen demnach im Konzertsaal Bataclan zu Tode, drei starben nahe dem Stadion und einer wurde auf der Straße im Osten von Paris getötet.

    5.12 Uhr: Bei den Anschlägen vor dem Stadion kamen auch Handgranaten zum Einsatz. Von ihnen könnten die im Stadion zu hörenden Explosionen hergerührt haben. Auch bei der Attacke auf den Musikclub warfen die Attentäter Bomben. Zuvor exekutierten sie die Besucher des Heavy-Metal-Konzerts mit Gewehren.

    http://www.focus.de/politik/ausland/anschlag-in-paris-im-live-ticker-60-tote-explosionen-schiessereien-und-geiselnahme-mit-100-menschen-in-paris_id_5087185.html

     
  20. @ Markus Weber: Schopenhauer wußte aber sicher auch, daß das angeführte Zitat von Schiller war.

     
  21. @Marc-André am 07.11.2015 um 18:07

    Na, wo sind bei ihnen die Problemstellungen?
    Das Lesen oder das Verstehen, evtl sogar beides?

    Ken Jebsen hat den Holocaust -ansich- nicht bestritten. Es ging aber um den Holocaust als “PR”. Dazu sollten sie mal bei Finkelstein “Holocaustindustrie” nachschlagen. Aber hey, nach ihrer Diktion, ist das wahrscheinlich auch so ein Nazi.

     

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