“Liefern Satiriker Journalismus und Journalisten Satire? Diesen Eindruck haben zumindest die beiden Kabarettisten aus der ZDF-Sendung “Die Anstalt”. Max Uthoff und Claus von Wagner haben in zwei Sendungen der Anstalt vor einem Millionenpublikum eine Medienkritik artikuliert, die in ihrer eigenwilligen Art kaum hätte pointierter sein können”- schickte Telepolis gestern einem Interview mit den beiden Kabarettisten voraus, in dem sie von ihrem Eindruck berichten, dass sich derzeit “Journalisten förmlich im Schützengraben einzubuddeln” scheinen. Dass dieser Eindruck nicht falsch ist erschließt sich unmittelbar aus den Reaktionen auf die geleakte Analyse des ARD-Programmbeirats, die der aktuellen Berichterstattung über die Ukraine ein Armutszeugnis ausstellten. “Es gibt keinen Grund, sich für Fehler zu entschuldigen.” bekundete ARD-Chefredakteur Kai Gniffke, selbst wenn man vielleicht manchmal “dem Nachrichten-Mainstream zu leicht gefolgt” sei. So sieht es auch der WDR TV-Direktor Jörg Schönenborn, der die Ukraine-Berichte der ARD als “vielfältig, differenziert und klug” bezeichnet:
“Wir sind nicht neutral, wir arbeiten wertgebunden”, so Schönenborn. Er verweist etwa auf das WDR-Gesetz, dem zufolge insbesondere Werte wie “Menschenrechte, Völkerverständigung, europäische Einigung, Gewaltfreiheit und Frieden” zu beachten seien. “Danach beurteilen wir Russland”, argumentiert Jörg Schönenborn.”
So klar es ist, dass Vorgesetzte Kritik an ihrem Produkt oder Personal zuerst einmal zurückweisen, so klar scheint auch, dass der “wertgebundene” Herr Schöneborn natürlich nur Russland so genau auf Menschenrechte und Gewaltfreiheit abklopft, weil das dem Tagesbefehl auf der Brücke seiner transatlantischen Burschenschaft entspricht. Und Chefredakteur Gniffke sieht nach ein wenig wohlfeiler Selbstkritik ebenfalls keinen Grund, irgendwie “gegenzusteuern”. Tja, also weiter so mit business as usual….und wenn dann die Fälscherei und der “wertgebundene” Schurnalismus doch mal etwas zu dicke aufgetragen haben, dann zieht man – wie gestern abend in den “Tagesthemen” – eine Lügengeschichte nach vier Monaten halt mal wieder zurück. Sorry, ist ja so schwierig, die Kriegsberichterstattung, kann ja mal vorkommen, so ein Fehler…
Wer freilich einen Medienwatchblog wie Propagandaschau einmal durchscrollt stellt schnell fest, dass es sich nicht um einen Fehler, sondern um Methode handelt, dass solche Propagandaglügen in den letzten Monaten nicht nur einmal sondern dutzende Male nachweisbar sind. Da zu behaupten, es gebe “keinen Grund, sich für Fehler zu entschuldigen”, zeugt von dem Mut, damit weiter durchzukommen – mit Rückendeckung von oben. Wie der CBS-Nachrichtenchef Dan Rather, eine Koryphäe des amerikanischen Journalismus, der nach 9/11 bekundet hatte: “George Bush ist der Präsident. Er trifft die Entscheidungen – und wie es sich für einen Amerikaner gehört: Wo immer er mich haben will, ich reihe mich ein, sag mir nur, wo.” – so haben sich auch die deutschen Nachrichtenchefs im Schützengraben eingereiht. Kritik, dass sie mit illegaler Munition permanent Propagandasalven abfeuern, wird da als Dolchstoß von der Heimatfront empfunden, als Sabotage von “Putinverstehern” und “Verschwörungstheoretikern”. Und machen die Russen nicht auch Propaganda – na also! Da wird man doch wohl noch gegenhalten dürfen. Schließlich sind wir doch die Guten…
Update: Ein ursprünglich falsches Link oben ist korrigiert, ein weiterführendes Update “ARD verheddert sich in den Untiefen der Ukraine-Berichterstattung” gibts auf Telepolis.





