Notizen vom Ende der unipolaren Welt (4)

Seit die Russen bei ihrem Vormarsch geheime Biolabore entdeckt haben, die  im Auftrag des Pentagon arbeiteten  – und deren gegen die Biowaffen-Konvention verstossende Existenz die USA jahrelang abgestritten hatten – sind jetzt vielfach Warnungen vor einem russischen Chemiewaffenangriff  laut geworden. Wozu eine Armee, die nach zwei Wochen schon das halbe Land und den gesamten Luftraum unter Kontrolle hat eine derartige Attacke durchführen soll, wird dann aber nicht weiter erklärt – dem Ultrabösen ist eben einfach alles zuzutrauen. Falls so etwas jetzt passiert können sie getrost ihr letztes Hemd darauf wetten, dass es sich um eine False Flag handelt –  als letzten Versuch mit einer verdeckten Operation Pentagon und NATO-Generäle doch noch dazu zu bringen, aktiv in der Ukraine einzugreifen. Doch diese wissen spätestens seit dem vergangenen Wochenende, dass Russland nicht blufft: am Freitag hatte ein Sprecher des Verteidigungsminsteriums angekündigt, dass Russland den Transport von Waffen und von Söldnern in die Ukraine unterbinden wird, am Sonntag früh wurde ein Trainingscamp in Yavoriv nahe der polnischen  Grenze, in dem die NATO Truppen ausbildete,  von 30 Cruise Missiles zerstört. In dem Camp mit dem schönen Namen “Peacekeeping und Security Center” wurden Legionäre und Freiwillige geschult, um dann im Osten gegen die Donbass-Republiken eingesetzt zu werden, was sich für  etwa 200 ihnen jetzt erledigt hat, denn sie wurden ohne Vorwarnung im Schlaf erwischt – und die Überlebenden schauen jetzt, dass sie schleunigst wieder nach Hause kommen. Dass kein Alarm ausgelöst wurde, weil die niedrig und langsam fliegenden Lenk-Raketen offenbar weder vom Radar noch von der ukrainischen Luftabwehr erfasst wurden, dürfte eine ziemliche Schockwirkung im NATO-Kommando ausgelöst und klar gemacht haben: Russland meint es ernst mit der “De-Militarisierung” und wir können es von diesem Ziel nicht abbringen.

Ein Chefberater der Zelenski-Regierung, Oleksiy Arestovyc, hat in einem unterdessen aufgetauchten Video-Interview schon 2019 klar gemacht, dass Kiew es auf eine solche Intervention anlegt  hat – und sie “für 2020-22” vorausgesagt: “Unser Preis für den NATO-Beitritt ist ein großer Krieg mit Russland.”

Noch haben sie einen wirklich “großen” Krieg mit Russland nicht angezettelt, weil die russischen Truppen nach wie vor ihrem Operationsziel “De-Militarisierung” folgen, nur Militäreinrichtungen zerstören und weder – a la “Operation Desert Storm” – Wasserwerke, Stromversorgung und zivile Infrastruktur angreifen, noch die Zivilbevölkerung bombardieren. Aber deutlicher als Herr Arestovych kann man nicht ausdrücken, dass das Regime in Kiew diesen Einmarsch provozieren und erzwingen wollte, was spätestens die von den Russen erbeuteten Einsatzpläne der ukrainischen Armee für einen Großangriff auf die Donbass-Region bestätigt haben, der für Mitte März  in Vorbereitung war.

Dass die Land und Leute schonende russische Kriegsführung  zeitaufwendiger ist als die US-üblichen zerstörerischen Bombardements als Overtüre einer Invasion, hat schon zu schwachsinnigen Artikeln über das Versagen und Scheitern der russischen Operation  geführt, doch “on the ground” kann davon keine Rede sein. Schon vor vier Tagen forderte der Kommandeur des Asov-Regiments in Mariupol per Selfie Nachschub und Munition an, die aber genauso wenig kommen können wie für die  im Osten nahezu eingeschlossenen Offensivtruppen der ukrainischen Armee (etwa 70.000 Mann), denen angeblich sogar schon das Benzin ausgegangen sein soll. Wer da noch vom sicheren Schreibtisch aus irgendeinen “heldenhaften” ukrainischen Widerstand anfeuert, tut nichts anderes als betrogene Vasallen zur Schlachtbank zu treiben. Die Russen haben sowohl die ukrainische Luftwaffe wie auch die Seestreitkräfte nahezu komplett ausgeschaltet und schon über 3.000 Militäreinrichtungen zerstört. Und sie werden mit dieser systematischen De-Militarisierung erst aufhören, wenn dem traurigen Komiker Zelensky von seinen CIA-MI6-Regisseuren erlaubt wird, mit der weißen Fahne die Niederlegung der Waffen zu verkünden.

Da Russland weiß, dass ein zermürbender Krieg samt Häuserkampf und Zerstörung der Städte die Falle ist, in die es gezogen werden sollen, muß es einen Plan haben,  ihr zu entgehen. Darüber kann man im Moment nur spekulieren, klar scheint nur zu sein, dass sich die Truppen erst wieder zurückziehen, wenn die “Entrussifizierungs”-Kräfte im Osten ausgeschaltet und mit dem “De-Militarisierungs”-Programm auch alle Einrichtungen, Waffendepots und Gerätschaften in der West-Ukraine funktionsuntüchtig gemacht worden sind. Daran wird NATOstan nichts ändern, denn die “No Fly Zone”, deren Einrichtung neokonservative Kriegstreiber in den USA noch immer fordern, existiert ja längst, weil Russland sie eingrichtet hat und mit  S-500-Argusaugen  bewacht – weshalb die Idee im Pentagon auf eisernes Kopfschütteln stößt: “Luftunterstützung für die Proxies und “moderate” Terroristen leider nicht machbar….Waffen und Munitionslieferung dauerhaft garantiert, aber nur bis Grenze… Eingreifen am Boden unmöglich, sonst Krieg mit Russland, zu dem wir nicht bereit sind. Ende der Durchsage.” So ähnlich dürften die knappen Kommentare aus dem Generalstab lauten… während die Chefin der Demokraten, Nancy Pelosi, den Präsidentendarsteller Zelenski im US-Kongreß mit dem Schlachtruf des Nazi-Kollaborateurs Stefan Bandera begrüßt: “Ruhm der Ukraine!” – und  wie einst  von Breszinksi fanatische Islamisten gegen “gottlose Russen”  jetzt rassistische Hakenkreuz-Fanatiker gegen “russische Untermenschen” hetzt.

Dass es sich bei diesen Kombattanten nicht um eine unbedeutende radikale Minderheit handelt, sondern um den harten Kern der Zelenski-Regierung und ihrer Medien wurde gerade auf dem News-Kanal “Ukraine 24” wieder deutlich, wo ein Moderator im Namen von Adolf Eichmann zum Mord an russischen Kindern aufrief. Willkommen im Freiheitskampf der demokratischen Ukraine, deren Endsieg wir mit allen Mitteln unterstützen müssen…

Ja aber Zelenski ist doch jüdischer Abstammung, der kann doch nicht mit solchen Hardcore-Rassisten zusammenarbeiten …das mit den “Nazis” ist doch nur ein Vorwand Putins, die Ukraine zu erobern. So habe ich es jetzt schon oft gehört, aber es ist leider falsch. Auch der Mäzen und “Erfinder” von Zelenski, der Oligarch, Ex-Gouverneur und Medienmagnat Ihor Kolomoisky, ist Jude… und schon  seit 2014 einer der Finanziers der Nazi-Milizen – sowie der Partei “Diener des Volkes”, die er nach dem auf seinen Kanälen gepushten Erfolg der gleichnamigen TV-Serie startete, den beliebten Hauptdarsteller Zelenski als Präsidentschaftskandidaten engagierte, den Wahlkampf finanzierte und seinen “Diener” an die Regierung brachte – wo man ihm seitdem, wenig überraschend, kompetente Kameraden des Rechten Sektors an entscheidender Stelle zur Seite stellte. Schließlich ist der gute Wolodomir ja nur Schauspieler. (Macht aber nix, schließlich war der mit 50.000 im Monat honorierte Aufsichtsrat in Kolomoiskys Gaskonzern “Burisma” ja auch nur ein Crack-Junkie, aber er war eben auch Hunter Biden und es hat sich gerechnet – sein Papa hat dem Laden den Korruptions-Staatsanwalt vom Hals gehalten…)

Während sich nach Karl Marx` berühmten Diktum die Tragödien der Geschichte als Farce wiederholen, haben wir es hier offenbar mit einem Dreiteiler zu: die Tragödie einer fremdgesteuerten Oligarchenrepublik, in der ein Putsch und ein blutiger Bürgerkrieg in der Farce münden,  dass eine Komiker zum Chef einer Marionettenregierung aufgebaut wird, der diese lokale Farce wiederum zu einer noch größeren Tragödie bis an die Schwelle eines atomaren Weltkriegs anheizt. Sein Skript sieht offenbar weiterhin vor, hamlet-artig aus dem Füherbunker mehr Waffen zu fordern, die NATOstan auch verspricht und liefert. Auf die Zusage, “Freiheit und Werte” des Westens bis zum letzten Ukrainer zu verteidigen, will man in Washington, London und Berlin nichts kommen lassen…
(wird fortgesetzt)

Mehr zum Thema:
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -3 (16.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  2 (14.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 1 (13.03.22) 
Das Kriegsmotiv (08.03.22)
Was spricht eigentlich gegen eine militärisch neutrale Ukraine? (6.3.22)
Warum ich noch immer Putinversteher bin (25.02.22)
Das Jugoslawien Russlands in der Ukraine – und NATOstan muss wütend zuschauen (24.02.22)
Die Geduld des Bären ist zu Ende(23.02.22)
Wir sind schon wieder die Guten (17.02.22)
Drei Riesen und die “neue Ära der Multipolarität” (12.02.22)
Frisch aus dem Archiv: Ansichten eines Putinverstehers (18.02.22)
Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt (3)


Dass Russlands Präsident Wladimir Putin seine Staatsgäste, Bundeskanzler Olaf Scholz und Präsident Emmanuel Macron, im Februar an einem endlos langen Tisch empfing, war als Symbol nur oberflächlich der Pandemie und der Verweigerung russischer Tests geschuldet – es war das Symbol für ein Abschiedsgespräch, eine Kündigung. Jemanden, dem man noch zuhören, wirklich etwas sagen und  mit Aussicht auf einen Kompromiss verhandeln kann, empfängt man nicht so. Diese Hoffnung hatte Putin ganz offensichtlich aufgegeben. Russland wendet sich vom Westen ab, wohl wissend, dass die Boykott-Orgie schmerzen wird, aber ebenso sicher, dass es sie überstehen wird – mit China, Indien und dem gesamten globalen Süden an seiner Seite. Die unipolare Welt, die von militärischer “Full Spectrum Dominance” des US- Imperiums  diktierte “regelbasierte” internationale Ordnung, ist mit dem  24.2.2022 zu Ende gegangen.

Als sich im ersten Krimkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts England, Russland und Frankreich auf dem Gebiet der heutigen Ukraine Schlachten lieferten, bedienten die kämpfenden Parteien – wie unter “zivilisierten Nationen” üblich – weiter ihre gegenseitigen Schulden und hielten Kreditverträge ein. Derlei zivilisatorischen Anstand hat das US-Imperium nun aber  (und nicht zum ersten Mal)  beiseite gelegt und die russischen Dollar-Reserven  (630 Mrd. $ ) in den USA “eingefroren”, wie man in finanziellen Mafiakreisen solchen Diebstahl nennt, um so dafür zu sorgen, dass die Russen die Abwertung des Rubels an den internationalen Märkten nicht mit Ankäufen kontern konnten. Kein schöner Zug, aber wie schon der Rauswurf der größten russischen Banken aus dem SWIFT-System  droht auch diese Waffe als Boomerang zurück zu kommen – in Form der De-Dollarisierung der Finanzwelt. Welches Land wird seine nationalen Reserven künftig noch einem “Partner” anvertrauen, der sie jederzeit konfiszieren/einfrieren/stehlen kann?

Schon rechnen China und Russland ihre gigantischen Energiegeschäfte nicht mehr in Dollar ab, Indien, die Türkei, der gesamte “globale Süden”, können russisches Öl, Gas, Diamanten, Mineralien, Weizen etc.pp. in Rubel,  Rupien, Lira oder Pesos bezahlen… jede Währung ist im Handel auf der neuen Seidenstraße willkommen. Während die USA jetzt mit erpresserischem Druck auf diese Länder das Unterlaufen der Russland-Sanktionen verhindern wollen, und damit scheitern werden. Die Letzten, die versucht hatten, ihr Öl  gegen Landeswährungen  zu  verkaufen – Iraks Sadam Hussein und Libyens Gaddafi  – konnten noch gnadenlos weggebombt werden. Aber das ist jetzt vorbei, weil zwei Weltmächte gegen diesen Wirtschaftserror aufstehen. Wenn aber der “Petrodollar” – der globale Zwang, Öl in US-Währung zu bezahlen – verfällt, wird die Rolle  des Dollars als weltweite Reservewährung und das Finanzmonopol des Imperiums verschwinden. Willkommen in der neuen multipolaren Welt und dem Ende einer globalen Ökonomie wie wir sie kannten. Und in einer neuen globalen Geldordnung, in der –  nach “Bretton Woods” III – das westliche FIAT-Money, der aus Luft geschaffene Euro/Dollar, einem rohstoff,- und goldgedeckten Rubel/Remnibi gegenüberstehen wird. Weil “Feindsender” wie Sputnik in unserer sog. freiheitlichen Demokratie mittlerweile blockiert werden, hier im Wortlaut die  Meldung, dass diese neue internationale Währung schon in Arbeit ist:

JEREWAN, 14. März – Sputnik. Die Mitgliedsstaaten der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAEU) und China werden ein Projekt für ein unabhängiges internationales Währungs- und Finanzsystem entwickeln. Darauf einigten sich die Teilnehmer des Wirtschaftsdialogs “Eine neue Stufe der währungs-, finanz- und wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit zwischen der EAEU und der VR China”. Globale Transformationen: Challenges and Solutions”, der am 11. März per Videokonferenz stattfand. Das System soll auf einer neuen internationalen Währung basieren, die als Index der nationalen Währungen der beteiligten Länder und der Rohstoffpreise berechnet wird. Der erste Entwurf soll bis Ende März zur Diskussion gestellt werden.

Das ist kein Scherz von Radio Eriwan,  sondern das Ende  des unipolaren Geldsystems, das von der Wall-Street und der City of London kontrolliert  wird. China, Russland und Eurasien machen ihren eigenen Finanzladen auf und da mit der Volksbank Chinas (PBoC) auch der größte Gläubiger der USA dort  an Bord ist, kann das überschuldete Imperium nichts dagegen tun. Dass der neue  Eiserne Vorhang, der mit dem Ukraine-Krieg errichtet wird, Geburtshilfe einer alternativen globalen Leitwährung leistet, die für die riesigen Märkte jenseits von NATOstan höchst attraktiv ist, hatte man bei den Boykott-Planungen wohl nicht auf dem Zettel.
Ganz oben auf diesem Zettel sollte aber gewesen sein, dass es in Europa kalt und dunkel wird, wenn Russland wirklich ernst macht und den Gashahn zudreht, denn  50 % des Bedarfs sind kurz- und mittelfristig nicht zu ersetzen. Auch nicht für die USA, wo Joe Biden im vor Kurzem noch erfolglos beputschten und sanktionierten Venezuela um Öl betteln muss, weil er seinen zweitgrößten Importeur Russland boykottieren will. Er wird nicht der einzige bleiben, dem der hysterische Sanktions-Aktionismus auf die Füsse fällt – weshalb aus Frankreich schon gemeldet wird, dass “Renault” und seine Lieferanten in Russland weiter produzieren. Und  es den “normalen” Russen – wie der putin-kritische Filmemacher Andrei Nekrasow in diesem lesenswerten  Gespräch erzählt – eher freut als juckt, wenn BMW und Porsche sich zurückziehen und die Bonzen dort nicht mehr direkt einkaufen können. Insofern sollte auch wenig Zweifel daran bestehen, dass  Russland den Rückzug von McDonalds, Starbucks, Ikea et.al. genauso verkraftet wie die lachhafte Verbannung von “Russisch Brot” bei Lidl & Co. In Deutschland aber wird bald die Hölle los sein, wenn die Strom,- Heiz,- und Benzinkosten weiter im Tempo der letzten Wochen steigen, wenn die Lebensmittelpreise mangels russischem Dünger und Weizen weltweit zulegen und die Inflation vom Trab in den scharfen Galopp übergeht – “The Return Of The Yellow Vests” wird für die europäischen Regierenden dann ein echter Horrorfilm.  Anders als die Prognosen von einem nordkorea-artig abgeschotteten und verarmten Russland, das sich von den Sanktionen aus der Hölle niemals erholen wird und am Ende in Washington händeringend um einen Regime Change und die Wiederkehr von Disney Channel und YouPorn bitten muss. Dazu wird es nicht kommen, denn Russland ist nicht isoliert von der Welt, sondern nur von NATOstan und mit über 3/4 der Menschheitsfamilie nach wie vor verbunden und im Geschäft.

Das russisch-chinesische  Joint Statement, das die Präsidenten Putin und Xi am 4. Februar 2022 unterzeichneten, hat nicht nur die militärische Allianz zweier Atommächte geschmiedet, sondern auch eine nie dagewesene Kooperation zwischen dem rohstoffreichsten und dem bevölkerungsreichsten Land der Erde. Dass dieser weltpolitisch höchst relevante Pakt den westlichen Medien kaum mehr als eine Kurzmeldung wert war, kann einmal mehr als Beispiel für exzeptionalistische Ignoranz und Arroganz des Imperiums gelten. Sollte China morgen in den Wirtschaftskrieg einsteigen und Sanktionen gegen die USA beschliessen, können Apple &Co. nichts mehr liefern, im Walmart bleiben 80% der Regale leer und  im Silicon Valley gehen die Computerchips aus, weil es für das Palladium und Neongas zur Herstellung von Halbleitern, Lasern etc.pp. aus  Russland keinen Ersatz gibt. So wie in Europa keinen schnellen Ersatz für russischen Stahl und unverzichtbare Mineralien, was die Produktion von Autos extrem verteuert, die sich aber wegen astronomischer Spritkosten mangels russischem Öl und Gas ohnehin kaum noch jemand leisten will. Willkommen im NATOstan-Krieg gegen  den Rohstoffriesen und den Produktionsriesen des Planeten – und bei der unschönen Aussicht, dass nordkoreanische Verhältnisse eher den abgehängten europäischen Kolonien des Imperiums blühen als den Russen und Chinesen.  Und dass der totale Wirtschaftskrieg, den NATOstan ausgerufen hat, genauso wenig zu gewinnen ist, wie der militärische Krieg in der Ukraine.

Deshalb glaube ich, dass  wir gerade das Ende der unipolaren Welt erleben, den Anfang vom Ende des “amerikanischen Jahrhunderts” und eines Reiches, das wie alle Imperien der Vergangenheit an  Größenwahn und Überdehnung zu Grunde geht. Und das mit dem über viele Jahre provozierten Konflikt mit Russland jetzt seine Vasallen in einen fernen Krieg schicken muss, um seine kranke Vision der “Full Spectrum Dominance” der gesamten Erde durchzusetzen, wozu die Kontrolle über die größten Rohstoffreserven des Planeten ebenso gehört wie die über die größten Produktionsstätten, also über Russland und China. Das russische Eingreifen in der Ukraine, für das sich Putin die Rückendeckung Xis geholt hatte, hat nun aber definitiv klar gemacht, das sich diese Länder der Hegemonie des Imperiums nicht länger unterwerfen werden. Dass die NATO kein “Verteidigungsbündnis” ist, wie der Westen gern behauptet, sondern eine ruchlose Mordmaschine haben die Angriffskriege der letzten Jahrzehnte mehr als einmal bewiesen; dass sie nicht “Freiheit” und “Demokratie”, sondern Tod und Zerstörung verbreitet, davon legen Millionen Leichen in Afghanistan, Irak, Libyen und zuletzt Syrien tragisches Zeugnis ab.

Sind Sicherheitsbedenken berechtigt, wenn sich ein schwer bewaffnetes Monster, dessen Meister im Pentagon seit 1945 mindestens  20 Millionen Menschenleben auf dem Gewissen haben, direkt vor meiner Haustür niederlassen will ?
Sind mit dieser Bilanz und einer riesigen Armee im Rücken Zweifel an seiner Zusicherung angebracht, mit dieser Niederlassung keinerlei böse Absichten zu hegen ?

Wenn Sie wie jeder mit gesundem Verstand gesegnete Mensch zwei Mal mit “Ja” antworten, ist Vorsicht geboten, denn damit sind Sie schon mehr als zur Hälfte “Putinversteher” oder “Russlandfreundin” und lassen es an Empörung über den Krieg und an Empathie mit den geschundenen Yemeni:tinnen Ukrainer:innen wirklich fehlen. Aber dafür haben sie schon etwas über das Motiv, die Begründung für die russische Intervention und die Art und Weise ihrer Durchführung erfahren.   Auch wenn man im “Nebel des Kriegs”die aktuelle Situation nie genau erkennen  kann –  wir können sie, so Clausewitz,  nur “fühlen” – und sich dem dröhnnden Propagandafeuer  außer infantilem  “Putin ultraböse – wir sind die Guten” kaum Informationen entnehmen lassen, gibt es militärische Fachleute und Kenner des Kriegshandwerks, die sich um eine sachliche  Einschätzung der Lage bemühen. – und sich einig sind, dass diese Schlacht für die Ukraine verloren ist. Wie etwa Andrej Martyanov, der die russsische Intervention als “kombinierte Militär,-  und Polizeioperation” beschreibt, oder der Ex-US-Marine und UN-Waffeninspekteur Scott Ritter, der staunt, wie effizient sie mit vergleichsweise wenig Truppen und geringer Zahl an zivilen Opfern und Zerstörungen durchgeführt wird. Darauf weist auch  Jacques Baud hin, der in ähnlicher Funktion wie Scott Ritter als Oberst der Schweizer Armee für die UN in der Ukraine und Russland gearbeitet hat. Das ausführliche Gespräch mit ihm ist wegen seiner Hintergrundinformationen vor allem für jene heilsam, die nach der Coronaphobie – und dem Neuen Journalismus auf dem Bild oben  – jetzt nahtlos von Russophobie infiziert worden sind.
(wird fortgesetzt)
Erschienen auch auf Rubikon

Mehr zum Thema:
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  2 (14.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 1 (13.03.22) 
Das Kriegsmotiv (08.03.22)
Was spricht eigentlich gegen eine militärisch neutrale Ukraine? (6.3.22)
Warum ich noch immer Putinversteher bin (25.02.22)
Das Jugoslawien Russlands in der Ukraine – und NATOstan muss wütend zuschauen (24.02.22)
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Drei Riesen und die “neue Ära der Multipolarität” (12.02.22)
Frisch aus dem Archiv: Ansichten eines Putinverstehers (18.02.22)
Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt (2)

Wie  Elon Musk empfiehlt, für das laufende Ding immer ein passendes Fähnchen parat zu haben, hat auch ein Schlachtfeld Europa für das Imperium einen Mehrfachnutzen: zum einen kann ein langer, blutiger  Krieg in der russischen Nachbarschaft dem Planziel “Regimechange Moskau” äußerst dienlich sein; und zum anderen zieht er einen neuen Eisernen Vorhang zu, schneidet die europäischen Kolonien von Handel und Wandel mit Russland und China ab und zwingt sie zu neuen Tributen. In Form von Rüstungsabgaben – 100 Milliarden musste Kriegskanzler Olaf aus der Hüfte schon locker machen – oder dem ökonomischen und ökologischen Irrsinn von Frackinggas, das der olivgrüne Wirtschaftsminister Habeck jetzt importieren muss, um der westlichen “Werte” willen. Die fordern mittlerweile schon an jeder Tankstelle große Opfer, obwohl Russland sein mächtigstes As – die Engeriewaffe – noch nicht einmal gezückt hat und “Nordstream 1” zur Zeit mehr Gas liefert als vor Kriegsbeginn. Das Gesetz, das den Rohstoffexport an “feindliche Staaten” verbietet, hat Putin der Schreckliche  allerdings Anfang letzter Woche  unterzeichnet, die Ausführungsbestimmungen sind noch nicht bekannt. Wenn Europa keine neutrale Ukraine akzeptiert und weiter Krieg führt, muss es fortan täglich gewahr sein, dass ihm über Nacht 50% seiner Energie fehlen. Und weder Heizung runterdrehen noch solidarisch kaltduschen wird an der resultierenden Katastrophe etwas ändern, auf die Sanktions-Hysteriker und Embargo-Fetischisten des Westens hemmungslos zusteuern. Wer aber in den Krieg zieht, sollte wissen, wie er wieder rauskommt, was auch für Wirtschaftskriege gilt. “Wer glaubt, dass man Sanktionen erlassen kann, die Russland maximalen Schmerz bereiten und gleichzeitig die Risiken finanzieller Stabilität im Westen minimieren, glaubt auch an das Einhorn” –  so Zoltan Poszar, einer der renommierten  Finanzmarktanalysten der  Credit Suisse.

Zwar  verlangt die deutsche Regierung mittlerweile händeringend, Öl,-und Gasgeschäfte von den Sanktionen auszunehmen, weil sonst Werksschließungen, Konkurswellen und Aufstände zu befürchten sind. Doch ganz vorne mit dabei sein, Russland zu “ruinieren” (A.Baerbock), gleichzeitig aber dort weiter billig  einkaufen, wird nicht funktionieren. Genausowenig wie “gegen den Krieg” demonstrieren und weiter Waffen zu liefern. Es entspricht der gleichen zynischen Doppelmoral, mit der sich die Kriegsverbrecher von gestern über die von heute mokieren, in einem Überbietungswettwerb des Abscheus vor dem neuen Superhitler Putin, gegen den man dann aber (wg. “Aussicht auf Schaden”) nicht selbst antreten,  sondern nur ukrainische Vasallen und Terror-Söldner verheizen will.

Dass Europa Russland braucht, wenn seine Industriestaaten überleben wollen, Russland aber nicht Europa, weil es genügend Rohstoffe hat, um sanktionsfest und autark zu werden, hatten wir hier schon mehrfach aufgezeigt, ebenso wie die auf Mackinder und Brezsinski basierende Doktrin der anglo-amerikanischen Geostrategie, friedlichen Handel und Wandel auf der eurasischen “Weltinsel”, und besonders zwischen Russland und Deutschland,  um jeden Preis zu verhindern. Der Zweck der NATO –  nach den Worten ihres ersten Generalsekretärs Lord Ismay “die Russen draussen, die USA drin und die Deutschen unten” zu halten – entsprach dieser Zielsetzung und wie an dem aktuellen Krieg zu sehen, entspricht er ihr noch immer. Er macht ein Zusammenwachsen Europas und Asiens mit dem Angelpunkt Russland/Ukraine in der Mitte auf absehbare Zeit unmöglich.

Es erstaunt, dass in der Ukraine und in  Europa offenbar wenige diesen Kontext begriffen haben und bereit sind zu sehen, welche Rolle ihnen als Figuren im geopolitischen Schach des Imperiums da aufgewzungen wird – aber es erstaunt auch nicht, da Medien und Intelligentsia einem derart idiotischen Anti-Russismus verfallen sind, dass dort jede nur halbwegs rationale Analyse ausgeschlossen ist. Und das nicht erst seit dem russischen Einmarsch. Schon seit 2016 wird dem westlichen Medienpublikum das haltlose Verschwörungsmärchen “Russiagate” ernsthaft als Realität präsentiert, in der Putin die Wahlen manipuliert und Trump ins Weisse Haus gebracht hat – und jetzt eben auch die Ukraine mit einem “Angriffskrieg” überzieht, weil er die Ukrainer und ihre Freiheit hasst und seinem “Reich des Bösen” einverleiben will. Doch so wenig der Trump-Sieg mit Russland zu tun hatte, so wenig hat Russlands Militäroperation in der Ukraine mit der Realität eines “Angriffskriegs” zu tun. Der wäre nach zwei Wochen schon beendet, mit Hundertausenden Toten und einem Dutzend zerstörter Städte – und “Mission Accomplished”-Foto des siegreichen George W. Putin.

Aber Russland führt keinen Shock&Awe-Krieg mit Bombenhagel wie das Imperium, es kämpft nicht im “Collateral Murder”-Stil gegen Land und Leute, sondern folgt, jedenfalls bisher, exakt dem angekündigten Ziel der Operation: “De-Militarisierung” und “De-Nazifizierung”. Ersteres war mit der Vernichtung der wichtigsten militärischen Einrichtungen durch Raketen schon nach wenigen Tagen weitgehend  erreicht, sodass die Ukraine seitdem nicht mehr über einsatzfähige Luft, -und Seestreitkräfte verfügt;  was die  “De-Nazifizierung” betrifft, ist der Kern der Hakenkreuz-Bataillone im Osten mittlerweile von russischen Kräften nahezu umstellt und von der Versorgung abgeschnitten. Wenn der Kessel in einigen Tagen geschlossen ist, werden normale Mitglieder der ukrainischen Armee ihn mit erhobenen Händen verlassen können, die Asov-Brigadisten, wenn sie sich in Städten verschanzen, aber wohl nur im Leichensack. Für diese schmutzige Arbeit sollen mittlerweile legendäre Spezialkräfte,  5000 tschetschenische “Spetsnatz”,  an der Front eingetroffen sein und die NATO  wird die Asov-Nazis, die sie in (gestern von Cruisse Missiles zerstörten) Trainingszentren im Westen der Ukraine ausgebildet hat, vor ihnen nicht retten. Mit Kampfflugzeugen eine “No Fly”-Zone über der Ukraine durchzusetzen, wie es anhnungslose Laptop-Bomber und Desktop-Strategen in Washington fordern, wird für das “Höllensystem” (n-tv) der russischen S-400/500-Luftabwehr ein triumphales Tontauben-Schießen. Kein Kommandeur wird seine teuren Vögel für eine solche Kamikaze-Operation opfern – zumal wenn seinem europäischen Hauptquartier danach ein sehr unfreundlicher Besuch von Kinzhal droht.

Mit der absehbaren Niederlage der “Entrussifizierungs”-Truppen im ukrainischen Osten  wäre der wichtigste  Teil der russischen Kriegsoperation  – ein Stopp der Angriffe auf die Donbass-Region – erreicht. Und spätestens dann auch der nächste und wohl letzte Zeitpunkt für die Regierung in Kiew gekommen,  im Amt zu bleiben, zu kapitulieren und ernsthafte Zusagen über die  militärische Neutralität der Ukraine zu machen. Ansonsten hat das Land wohl keine besseren Ausssichten als wie einst Jugoslawien in einem langen Krieg zerstört und in drei oder mehr Einzelteile zerlegt zu enden. Noch wäre möglich das zu verhindern, noch wäre eine blockfreie Föderation Ukraine mit autonomen Kantonen machbar, denn Russland will weder Land gewinnen, noch Rohstoffe ausbeuten, noch eine Fortsetzung des Kriegs. Und die europäischen Staaten sollten das im ur-eigenen Interesse auch nicht wollen – nicht nur um des Friedens willen, sondern ihrer Zukunft im 21. Jahrhundert. Wenn sie vom Rohstoffriesen Russland und dem Wirtschaftsriesen China abgeschnitten werden und bleiben, blüht ihnen statt einer prosperierenden Zukunft nur die Aussicht verarmter Kolonien am Rande eines untergehenden Imperiums. Immerhin: halbwegs klimaneutral weil de-industrialisiert und dank Windrädern und Flüssiggas ab 2032 (?!)  völlig unabhängig von Russland, mit unverzichtbarem Hydrocarbon nur noch aus den transatlantisch korrekten Kopf-Ab-Monrachien Arabiens…
(wird fortgesetzt)

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Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 1(13.03.22)

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

Notizen vom Ende der unipolaren Welt (1)

Es ist Krieg in Europa. Seit acht Jahren, weil die Bewohner der  Krim und der Ostukraine die mit dem “Maidan”-Putsch installierte Regierung in Kiew nicht anerkennen wollten und seitdem von der ukrainischen Armee und faschistischen Milizen  beschossen werden – und seit zwei Wochen, als Russland mit einer “militärischen Operation” in diesen Bürgerkrieg eingriff, um eine “De-Militarisierung” und “De-Nazifierung” der Ukraine gewaltsam durchzusetzen. Da der achtjährige blutige Bürgerkrieg in der Ostukraine mit 13.000 Toten und 3 Millionen Flüchtlingen in den westlichen Nachrichten aber nie Thema war, glauben jetzt viele, erst mit dem russischen Einmarsch  habe der Krieg begonnen und allein Russland sei der “Aggressor”. Und man kann es den armen Medien-Konsument:innen nicht mal verübeln, denn dem anti-russischen Propaganda-Tsunami, mit dem die Intervention aus jedem Kontext gerissen und der Zoom einzig auf “böse Russen” und ihren wahnsinningen “Diktator” gerichtet wird, ist schwer zu widerstehen.
Den Informationskrieg hat der Westen auf ganzer Linie gewonnen, was aber den realen Kampf “on the ground” und den Wirtschaftskrieg betrifft, sieht die Lage anders aus. Und das nicht nur, weil USA und Russland über 90% aller Nuklearwaffen verfügen; auch was konventionelle Luftabwehr und überschallschnelle Rakten betrifft, kann Russland sich gegen die materialmäßig 10-fache Überlegenheit von NATOstan erfolgreich wehren. Das deshalb in der Ukraine zur Zurückhaltung gezwungen ist. Die Zeiten, in denen die Flugzeugträger der US-Navy irgendwo vorfahren und ein wehrloses Land in Schutt und Asche legen konnten, sind vorbei,  gegen Kinzhal & seine Freunde können sich die milliardenschweren Dickschiffe genausowenig verteidigen wie jedes andere Ziel. Und mit einem Gegner, der einem per Knopfdruck solche Prachtstücke versenken oder das Weisse Haus einfach kaputtmachen kann, legt man sich besser nur soweit an, dass es dazu nicht kommt. Diese erzwungene Zurückhaltung sorgt für das aktuelle Paradox von schäumendem  Fake-Furor im Informationskrieg ( ACHTUNG: die “Brutkastenlüge” heißt jetzt “Geburtstklinik” _ UPDATE: oder noch nicht?) und Samthandschuhen in der Realität: etwas anderes als einen der beliebten Proxie- oder Stellvertreterkriege, in dem Vasallen, -und Söldnertruppen verheizt werden, kann sich das Imperium nämlich nicht erlauben. Aus diesem Grund können “Freiheit” / “Demokratie” /”Werte”  des Westens jetzt nur bis zum letzten Ukrainer (und notfalls bis zum letzten Europäer) verteidigt werden, aber keinesfalls durch die exzeptionalistischen Vereinigten Staaten selbst.  “Was den Gegner vom Kommen abhält”, wußte schon SunTzu, “ist die Aussicht auf Schaden.”

Und so darf der traurige Komiker Zelensky auch nicht die Weiße Fahne schwenken und den Forderungen der überlegenen russischen Streitmacht nachgeben – was einer schändlichen Niederlage des Imperiums gleichkäme – sondern muss zum Widerstand aufrufen und einen “Volkssturm” bewaffnen. Nicht um den Krieg zu beenden, sondern um ihn in die Länge zu ziehen und Russland in einen zermürbenden Guerillakrieg, “Afghanistan 2.0” , zu verwickeln. Dieses mal nicht mit fanatischen Islamisten vom Kaliber Mujaheddin/Al Qaida, sondern mit einer Untergrundarmee waschechter Nazis, wobei einige unserer bewährten “moderaten” Al Nusra-Terroristen aus Syrien ebenfalls schon eingeflogen wurden. Der Plan ist nicht neu – wie beim Maidan-Putsch spielten die vom Westen aufgerüsteten Nazi-Milizen bei den Angriffen auf die Donbass-Republiken eine entscheidende Rolle. Sie wurden mittlerweile in die reguläre Armee integriert, ihre Führer von Präsident Zelensky zu Chefberatern ernannt und als “Helden der Ukraine” dekoriert, während ihre Truppen an der “Ent-Russifizierung” arbeiteten und auf Donezk und Luhansk feuerten. Deren im Januar anstehende Anerkennung als unabhängige (und schutzbedürftige) Staaten durch das russische Parlament hatte Russland im Dezember wohl auch den USA mitgeteilt, als es seinen Vertragsvorschlag für eine militärisch neutrale Ukraine, ein atomwaffenfreies Osteureopa und einem Stopp der Attacken auf die Ostukraine schriftlich einreichte. Nachdem man in Washington darauf zuerst gar nicht und dann nur auf Nebensächlichkeiten reagierte, bekam Russland dann im Januar die eigentliche Antwort: US-Waffenlieferungen im Wert von 200 Millionen Dollar trafen in der Ukraine ein. Gleichzeitig prahlte Zelensky auf der Münchner (Un-)Sicherheitskonferenz  damit, dass er sich notfalls Atomwaffen beschaffen würde (was wegen noch vorhandener Sowjet-Technologie für die Ukraine machbar wäre), und bekam von NATOstan standing ovations. Zur selben Zeit wurde der Beschuss der Donbass-Republiken massiv verstärkt. Und so bekam das Imperium die gewünschte russische Intervention.

Dass ein NATO-Beitritt der Ukraine eine Rote Linie darstellt und in dem gespaltenen Land zu  einem Bürgerkrieg führen würde, der Russland zum Eingreifen zwingt, wussten die USA – wie aus einer von Wikileaks 2008 publizierten diplomatischen Depesche hervorgeht, schon lange  sehr genau. Dass der 2014 inszenierte Putsch nicht ganz plangemäß lief und sich mit den industriellen Ostgebieten auch die militärisch relevante Krim abpsaltete, führte dann zu diesem Bürgerkrieg. In den Russland allerdings aktiv nicht eingriff und  mit der Nicht-Anerkennung der Ostrepubliken acht Jahre lang versuchte, die Minsk-Verhandlungen für eine friedliche Wiedervereinigung zum Erfolg zu führen. Was freilich nicht im Interesse des Imperiums lag,  das seine Unterlinge in Kiew denn auch anwies, Verhandlungsbereitschaft nur pro forma durchblicken zu lassen, ansonsten aber weiter an einer militärischen Lösung zu arbeiten. Auch den NATO-Vasallen Deutschland und Frankreich,  die “Minsk” in Gang gebracht hatten, wurde signalisiert, dass erfolgreiche Verhandlungen unerwünscht sind und die Ukraine nicht weiter zu einer friedlichen Lösung gedrängt werden soll, was Herr Steinmeier und seine Kollegen auch brav befolgten. So kam es dann zum Einmarsch der Russen, der leicht hätte vermieden werden können – in einer militärisch neutralen, föderalen Ukraine, die ihren Regionen Autonomierechte zuspricht und sowohl mit der EU wie auch mit Russland Handel und Wandel betreibt. Doch leider dient eine derart befriedete Ukraine nicht dem Planziel von Uncle Sam – die Halliburton und Exxon-Fahnen über Russlands Rohstoffquellen wehen zu lassen und einen Jelzin II. als Präsidentendarsteller  im Kreml zu platzieren – weshalb der arme Zelenski, obwohl die Russen  bereits über 40% des Territoriums und den gesamten Luftraum der Ukraine kontrollieren, jetzt keine Friedensverhandlungen führen kann. Nicht nur weil es die Herren in Washington verbieten, sondern auch weil seine eigenen Hakenkreuz-Brigaden schon gedroht haben,  ihn dann wegen “Verrat” aufzuhängen. Es ist also zu befürchtern, dass NATOstan diese Brigaden weiter vorantreiben und die Ukraine zum Schlachtfeld eines anhaltenden Kriegs machen wird.
(Wird fortgesetzt)


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Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

3. JT #75: Fog Of War

Was erlauben Putin?! Jetzt ist er doch in der Ukraine einmarschiert. Was ist da passiert? Und was kann man im Nebel des Krieges überhaupt erkennen? Wir versuchen uns dem Propaganda-Tsunami entgegenzustellen: Was hat es mit den amerikanischen Biowaffenlaboren und den Nuklearwaffen in der Ukraine auf sich? Was bedeuten die Sanktionen wirklich für uns? Was rollt da auf uns zu? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #75 des 3. Jahrtausends.

 

Das Kriegsmotiv

“Wenn man ein Dilemma vereinfacht, wird es dadurch nicht falsch, sondern nur kürzer: Wenn Putin Kiew erobert, weil der Westen, also vor allem die Mitglieder der Nato, keinen militärischen Widerstand leisten, ist der Westen geschwächt. Wenn der Westen geschwächt ist, werden die Chinesen Taiwan annektieren. Wenn Taiwan ohne Widerstand übernommen wird, ist der Westen politisch am Ende. Deshalb müssen die Nato-Mitglieder JETZT handeln. Sie müssen JETZT ihre Truppen und Waffen dahin bewegen, wo unsere Werte und unsere Zukunft NOCH verteidigt werden. Zur Not auch ohne Nato.“

Dass den Kommentar des kriegsgeilsten deutschen CEOs – Springerkonzern-Chef Matthias Döpfner – “nicht einmal Julius Streicher, der Herausgeber des politpornografischen Nazi-Hetzblattes DER STÜRMER” gedruckt hätte, wie der Kollege Dirk Fleck meinte, ist gut vorstellbar. So verrückt, dass der Westen am Ende ist wenn China eine Insel erobert waren nicht einmal die Geostrategen Hitlers. Als Herr der BILD-Zeitung und anderer Organe der Niedertracht hat Dr.Döpfner aber völlig freie Hand beim Veröffentlichen  hetzerischer Politpornos. Dass der musikwissenschaftlich studierte Milliardär von Friede Springers Gnaden selbst die Springer-Stiefel anzieht und in die Entrussifizierungs-Offensive an der Donbass-Front einrückt, ist indessen nicht zu erhoffen… das “Zur Not auch ohne Nato” ist so zu verstehen, dass der Westen “unsere Werte” dort bis zum letzten Ukrainer verteidigt.
Mehr ist – wg. Atomkriegsgefahr –  im  CIA-Drehbuch, den Russen in der Ukraine “ihr Afghanistan” zu bereiten,  nicht vorgesehen, und mehr als einen “Volkssturm” gegen eine militärische Übermacht zu verheizen ist nicht drin. Weil Russland den gesamten Luftraum der Ukraine kontrolliert und mit seiner S 400/500 Luftabwehr über ein “Höllensystem” verfügt, das schon in Syrien der entscheidende Game Changer war, haben Pentagon und US-Außenministerium klar gemacht, dass sie Forderung nach einer “Flugverbotszone” nicht nachkommen werden. Und weil sie keine Chance haben, wenn Mr.Kinzhal und seine Freunde, die jedes Ziel auf der Welt zerstören können, wirklich losgelassen würden, ist NATOstan zur Zurückhaltung gewungen. Mehr als eine Proxie-Armee und fanatisierte Söldner in die Schlacht zu schicken ist auch dieses Mal nicht drin. Wird ein solcher  “Volkssturm” freilich  lange genug mit Geld und Waffen versorgt und von kriegsgeilen Ejakulaten a la Döpfner vorangetrieben, kann sich ein solcher Krieg hinziehen und eben dies ist die Absicht des US-Imperiums. Ein endloser Krieg weit weg von Amerika, höchst profitabel für die Rüstungskozerne bei gleichzeitg niedrigen “menschlichen Kosten” für die USA und geopolitisch nützlich, weil es die Kolonien in Europa durch einen neuen “eisernen Vorhang” vom Handel und Wandel mit Russland und China abschneidet und in noch größere Abhängigkeit des Imperiums zwingt. Und falls sich der  mit dem Maidan-Putsch angestiftete Bürgerkrieg nach dem russischen Eingreifen zu einem größeren Krieg in Europa ausweiten sollte – nichts Besser als das,  schließlich konnte die marode und überschuldete Ökonomie des Imperiums dank des Großgemetzels in Europa  1939 ff. schon einmal richtig durchstarten. Es hatte sich gerechnet, die Milizen Hitlers einige Jahre zuvor mit nagelneuen Remington-Pistolen auszustatten; jetzt werden aufgehetzte Jugendliche und Braunhemden von NATOstan bewaffnet und in Kiew müssen Zivilisten vor Schießereien und Banden mehr Angst haben müssen als vor russischem Beschuss.

Soweit in etwa der Plan des MICIMATT, wie  der CIA-Veteran Ray McGovern  den “Military-Industrial-Congressional-Intelligence-Media-Academia-Think-Tank”-Komplex nennt, der in Washington für die “Farbenerevolution”,-“Regime Change”,- und Kriegsplanungen zuständig ist und 2014 mit dem Maidan-Putsch eine Marionetten-Regierung in Kiew installierte, die von den Bewohnern der Ostukraine und der Krim nicht anerkannt wurde.  Deshalb ging auch der feuchte NATO-Traum nicht auf, Russlands wichtigsten Stützpunkt am Schwarzen Meer, den Hafen Sewastopol, gratis im Handstreich zu übernehmen, und deshalb wurden die Schlichtungsversuche mit dem Minsk-Abkommen vom Tag eins an unterlaufen – eine friedliche Wiedervereinigung der Ukraine war nicht erwünscht, ein Bürgerkrieg gegen die Donbass-Republiken war das Mittel der Wahl und für die blutige Drecksarbeit wurden die Nazi-Milizen des “Rechten Sektors” aufgerüstet. Die Dokumentation über die Kriegsverbrechen im Donbass und die 13.000 Morde dieser Truppen, die unser Kriegskanzler Scholz als “lächerlich” abgetan hat, hat  Russland mittlerweile bei der UNO in Genf eingereicht. Am 7. März, als Wladimir Putin am langen Tisch die Fragen einer “Aeroflot”-Besuchsgruppe beantwortete, was er unter “De-Militarisierung” und “De-Nazifierung” der Ukraine verstehe, kam das zur Sprache. Wer sich – Audiatur et altera pars! – selbst ein Bild machen will über die russischen Absichten und Pläne und über den vom westlichen Mainstream cartoonartig zum Ultrabösen verzerrten russischen Präsidenten, sollte sich das Gespräch (mit englischen Unteriteln) anschauen – Teile auf deutsch hier, eine englische Transkription hier. Als Gegengift zu der hysterischen anti-russischen Agitation und Dämonisierung im Overdrive.

Nachdem aus dem 1990/91 zugesagten “kein einziges Inch” 900 Kilometer geworden waren, die USA und NATO seit 1991 in Richtung der russischen Grenzen vorgerückt sind, hatte Russland Mitte Dezember 2021 seine Sicherheitsbedenken zu einem weiteren Aufmarsch in der Ukraine schriftlich an die USA übermittelt und Verhandlungen über eine atomwaffenfreie Zone östlich der Oder gefordert. Nachdem Washington darauf zuerst gar nicht und dann ausweichend reagierte und stattdessen allein im Januar 2022 Waffen im Wert von 200 Millionen Dollar in die Ukraine schaffen lies, nachdem Präsident Zelensky auf der Münchner Sicherheitskonferenz mit der Ankündigung beklatscht wurde, sich mit atomaren Waffen auszurüsten, und nachdem nach der russischen Anerkennung der beiden Republiken der ukrainische Beschuss verstärkt wurde, sah Russland sich zum Eingreifen gezwungen. Und nahm sich dasselbe (völkerrechtswidrige) “Right To Protect” (R2P) heraus wie die NATO in Jugoslawien – mit dem Unterschied, dass es sehr guten Grund hatte, sich von dem NATO-Vormarsch in die Ukraine bedroht zu fühlen.

Die weitgehende Zerstörung ukrainischer Militäreinrichtungen durch russische Raketen hat die Luft-und Seestreitkräfte mittlerweile nahezu außer Gefecht gesetzt, etwa 40 % des Territoriums sowie der gesamte Luftraum der Ukraine sind unter russischer Kontrolle. Der immer noch auf Donezk und Luhansk feuernde Nazi-Kern der ukrainischen Truppen wird in den nächsten Tagen umzingelt und ausgeschaltet sein. Militärisch ist die Sache dann gelaufen, der Krieg ist für die Ukraine verloren und jeder Tag, den die Kiewer Regierung von ihrer Führung in Washington vom Hissen der Weissen Fahne abgehalten wird, produziert nicht nur Leichen, sondern verringert auch den Spielraum der Verhandlungen und wird zu nichts anderem führen als einem häßlichen und zerstörerischen Krieg in den Städten, in die sich der fanatische Widerstand zurückzieht.Wenn Russland etwas aus seiner Besatzung in Afghanistan in den 1980er Jahren gelernt hat, als die USA islamistische “Mudjaheddin” aufrüsteten, um die Sowjets am Ende erfolgreich zu vertreiben, dann dass es sich jetzt, wo vom vom Westen statt fanatischer Wickelmützen fanatische Hakenkreuzler zur Entrussifizierung hochgerüstet werden, nicht erneut auf eine solche Zermürbungsschlacht einlassen wird.

“Was tun?” lautete die berühmte Frage von W.I.Lenin, dem Erfinder und Architekten des Sowjetstaats Ukraine, den seine Nachfolger, die Genossen Stalin und Chrustschow, 1922 und 1954 noch mit Anbauten bestückten. Dieses Gebilde ist schon Geschichte, seit sich die Ostprovinzen und die Krim 2014  abspalteten – und am Ende des Kriegs wird wahrscheinlich eine Teilung des Landes stehen: mit einem russischsprachigen und russlandfreundlichen Osten, einer geschrumpften Ukraine in der Mitte und einem westlichen “Banderastan”, wo alte und junge Nazis weiter ihrem Helden frönen, allerdings unbewaffnet. Die Föderation einer großen Ukraine – militärisch neutral und atomwaffenfrei – könnte aus einer solchen “Nachkriegsordnung” durchaus wieder entstehen, wenn Uncle Sam ein Einsehen hätte. Hat er aber wohl nicht. Sonst hätte schon Kanzler Adenauer 1953 das Angebot des Genossen Stalin – Wiedervereinigung Deutschlands bei militärischer Neutralität – um des Friedens willen annehmen dürfen. Durfte er aber nicht. So wie Kriegskanzler Olaf heute nicht für Frieden, Handel und Nordstream eintreten darf, sondern 100 Milliarden für Krieg bereitstellen muss. Einen Krieg, in dem es für Deutschland und Europa nur eins zu gewinnen gibt: absolut Nichts. Die Verluste dagegen werden hoch sein – und was Tankstellen und Heizkostenrechnungen jetzt schon zeigen, ist erst der zaghafte Anfang. Denn der Bär, den man mit einem Sanktions-Feuerwerk aushungern und “ruinieren” (A.Baerbock) will, ist zufällig der Rohstoffriese dieses Planeten und schon bevor er mit entsprechenden Gegensanktionen geantwortet hat, hat allein die Möglichkeit einer Reaktion ein Massaker an den Rohstoffbörsen ausgelöst – obwohl “Nordstream 1” aktuell mehr Gas liefert  als in den Vormonaten und russische Exporteinschränkungen von Palladium, Nickel,Weizen oder Öl und Gas etc.pp. noch nicht einmal begonnen haben.

Die “feindlichen Nationen”, die von solchen Maßnahmen betroffen werden, wurden unterdessen offiziell benannt: USA, UK und sämtliche EU-Staaten an erster Stelle, interessant aber ist was komplett fehlt – China, Indien und der gesamte globale Süden, also locker 2/3 der Menschheitsfamilie. Hier zeichnen sich die Bruchstellen und die Kampflinien der  neuen multipolaren Weltordnung deutlich ab: USA und NATOstan gegen den Rest der Welt, der anglo-amerikanische Block gegen friedlichen Handel und Wandel in Eurasien, der militärische Riese USA gegen den Rohstoffriesen Russland und den Wirtschaftsriesen China. Willkommen im Fight Club des 21. Jahrhunderts, der sich vom Keller im ukrainischen Armenhaus Europas, wo ihn die amerikanischen Freunde eingerichtet haben, schnell  in die höheren Etagen ausbreiten wird. Spätestens wenn die europäische Industrie durch Rohstoffmangel ins Stolpern und Stürzen gerät, wenn sich die Kosten für Benzin, Brot und Heizung  verdoppeln und verdreifachen und die Bürger:innen anfangen zu fragen, wieviel Schmerz ihnen Kriegskanzler Olaf und seine EU-Kollegen eigentlich noch angedeihen lassen wollen, um Soldiarität mit einem maroden, pseudo-demokratischen Oligarchenstaat zu zeigen und Russland zu boykottieren. Ohne zu kapieren, dass der Bär nahezu sanktionsfest ist und vereint mit dem chinesischen Drachen auf Europa verzichten kann  – aber keinesfalls umgekehrt. Weshalb Europa und allen voran Deutschland der erste und große Verlierer eines fortgesetzten Kriegs sein werden – nach den armen ukrainischen und russischen Seelen, die dafür noch ihr Leben lassen müssen. Über all das und mehr habe ich gestern in Walter van Rossums “Great WeSet” mit Oberstleutnant a.D. Jürgen Rose, Stefan Korinth von Multipolar und dem Ökonomen Prof. Christian Kreiß gesprochen.

UPDATE: Kaum gepostet schon passiert: Interfax meldet, dass Präsident Putin Exportverbote für Öl, Gas und andere Rohstoffe erlassen hat.  Bis heute haben Nordstream1 und die Druschba-Pipeline durch die Ukraine mehr Gas geliefert als vor dem russischen Einmarsch – jetzt ist Schluß mit lustig. Das Rohstoff-Imperium schlägt zurück. Wer wird länger durchhalten: der russische Staatshaushalt oder die europäischen Haushalte & Industriebetriebe ? Fragen Sie ihren “Kriegskanzler” Olaf und die hysterischen Sanktionsisten der EU!

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Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

Was spricht eigentlich gegen eine militärisch neutrale Ukraine?

Eine Woche weitgehend abstinent von Medien und Internet habe ich mich bei wunderbarem Wetter in den Schweizer Bergen sehr gut erholt. Zum Glück, denn anders hätte die Durchsicht des Medien-Outputs zum Krieg in der Ukraine zu schwersten Übelkeitsanfällen geführt, so aber konnte ich kopfschüttelnd und halbwegs entspannt ertragen, was da an realitätsfremdem Propaganda-Dauerfeuer auf einen herabregnete. Angefangen vom Chefstrategen der “freien Welt”,  Sleepy Joe Biden, der meinte “Putin mag Kiew mit Panzern umstellen, er wird niemals die Herzen und Seelen des iranischen Volkes erorbern” bis zum hinterletzten Kommentator dieses Cartoons hier, den ich unter der Woche auf Facebook reingestellt hatte. Es scheint, dass von ganz oben bis ganz unten kaum noch irgendwer in der Lager ist, plumpe Narrative von der komplexen Wirklichkeit zu unterscheiden. Die nach zwei Jahren “Killervirus”-Gehirnwäsche zu “Zeugen Coronas” weichgespülte Öffentlichkeit glaubt jetzt einfach alles, was ihnen von den Kanzeln der Konzernmedien gepredigt wird. Den Informationskrieg hat der Westen schon jetzt haushoch gewonnen, selbst die wokesten Anti-Rassisten sind zu  Hardcore-“Russisten” verkommen und schauen begeistert zu, wie “Kriegskanzler” Olaf  statt auf den Spuren von Willy auf denen von Wilhelm und Adolf wandelt und die Bundeswehr gegen den Iwan aufrüstet. Denn der spießt ja ukrainische Babys auf seinen Bajonetten auf und beschießt (in den Fake-News)Atomkraftwerke – da darf man nicht zusehen, sondern muss eingreifen und nicht nur Schutzhelme sondern  echte Waffen liefern. Selbst die gute alte Schweiz gibt ihre bewährte Neutralität auf und schließt sich dem Sanktionszirkus der EU an. Und niemand in Europa scheint zu merken, in welche Falle sie da gelockt werden von den drei Gangstern, die den tumben Ukrainer verheizen um den Bären zu reizen.

Es ist nicht die Bärenfalle, die sich die CIA-Strategen ausgedacht haben um Russland in einen zermürbenden Guerillakrieg in der Ukraine zu verwickeln – in die werden die Russen sich nicht ziehen lassen, denn das Muster ist bekannt und die Ausbildung einer neuen Al Qaida/IS-artigen Truppe von Terror-Söldnern – diesmal mit weiß-suprematischer “Entrussifizierungs”-Ideologie – kein Geheimnis mehr. So wie im Nahen Osten mit Kopf-ab-Islamisten hat das US-Imperium in der Ukraine kein Problem mit Hakenkreuz-Faschisten, die seit acht Jahren die Donbass-Republiken angreifen und dafür von Präsident Zelenksy mit Heldenorden ausgezeichnet wurden. Dass ein deutscher “Kriegskanzler” die über 10.000 Opfer und 3 Millionen Flüchtlinge, die diese “Helden” in der Ostukraine auf dem Gewissen haben, als “lächerlich” abtut, war nicht nur ein diplomatischer Faux Pas, sondern hat die Geduld des Bären definitiv beendet. Jetzt einen neuen “Volkssturm” mit weiteren Waffen auszurüsten und für den heldenhaften Widerstand der tapferen Ukraine zu beten wird so wenig helfen wie der alte von Adolf gegen die Rote Armee. Weil Europa aber genau das jetzt tut  schnappt die eigentliche Falle, in die es gelockt werden soll, schon zu: der endgültige Bruch mit Russland und Eurasien, der neue “eiserne Vorhang” zwischen Europa und der “Weltinsel”.  Zur großen Freude der grinsenden anglo-amerikanischen Gang, die garnichts mehr dafür tun muss, dass die EU bei der Selbstschädigung durch Sanktionshysterie voranmarschiert. Dmitry Orlov hat für diesen galoppierenden Irrsinn eines von vielen möglichen Beispielen:

Unterdessen dämmert es im Westen vielleicht endlich einigen, dass das Ausmaß des selbstverschuldeten Schadens durch die antirussische Hysterie größer ist, als irgendjemand erwartet hatte.
So verlangte die EU beispielsweise, dass alle russischen Leasingverträge für Airbus-Flugzeuge – über 500 Stück – gekündigt werden. Sie blockierte auch den Verkauf von Airbus-Teilen an Russland und verbot die Wartung russischer Flugzeuge. Außerdem sperrte sie ihren Luftraum für russische Flugzeuge, woraufhin Russland seinen Luftraum für EU-Flugzeuge sperrte. Die EU blockierte auch das Zahlungssystem SWIFT. Das bedeutet Folgendes:
– Die europäischen Leasinggesellschaften müssen Russland hohe Geldstrafen für die Kündigung von Leasingverträgen zahlen, können dies aber nicht, weil SWIFT nicht funktioniert.
– Die europäischen Leasingfirmen müssen ihre Flugzeuge aus dem russischen Hoheitsgebiet herausholen, können dies aber nicht, weil ihre Flugbesatzungen nicht nach Russland einreisen können und die Flugzeuge, sobald sie in ihren Besitz gelangt sind, nicht mehr starten dürfen (der Luftraum ist gesperrt).
– Die Flugzeuge können nicht mehr gemäß dem Wartungsplan gewartet werden, was bedeutet, dass sie in ein paar Monaten überhaupt nicht mehr fliegen können.
– Da es sich hier um einen Umstand höherer Gewalt handelt, kann die russische Regierung diese Flugzeuge sehr leicht verstaatlichen, einschließlich des gesamten geistigen Eigentums und der Patentrechte, die darin enthalten sind, und damit beginnen, ihre eigenen Teile herzustellen und ihren eigenen Service anzubieten.
– In Anbetracht all dieser Umstände ist es für die europäischen Leasingunternehmen naheliegend, Konkurs anzumelden und den Betrieb einzustellen. Das haben Vertreter der Unternehmen auch gesagt.

Noch hat Russland nur verhalten auf die Sanktionen reagiert –  “Nordstream1” und die ukranischen Pipelines liefern weiterhin Gas, sogar mehr als vor Beginn der Intervention  – doch wenn es ernst wird mit Gegensanktionen wird es sehr eng… bei uns.  Und das nicht nur in Deutschland und nicht nur wegen Energiemangel, sondern wegen des täglichen Brots: Weizen und Düngemittel. “Russland kann sich den Bruch mit Europa leisten, Europa den Bruch mit Russland nicht –  die USA wollen nur kassieren” hatte ich hier schon zitiert und da klingt es nicht gut, wenn sich der deutsche Wirtschaftsminister Habeck gegenüber Washington in einer “dienenden Führungsrolle” versteht.

Während Deutschland als führender Diener also blind  in die transatlantische Falle tappt, wird sich eine weitere erhoffte “Bärenfalle” – dass die Sanktionen zu Aufständen und gar zu einem Regierungswechsel in Russland führen könnten – als illusionär erweisen. Nach aktuellen Umfragen sind 70% der russichen Bevölkerung mit der militärischen Intervention einverstanden. Auch wenn schon in den ersten beiden Tagen der Großteil der ukrainischen Militäreinrichtungen eliminiert  worden ist, wird von ukrainischer Seite weiter auf die beiden autonomen Republiken  gefeuert, Präsident Zelensky ruft mit Durchhalteparolen zu fortgesetztem Widerstand auf und fordert – statt endlich die Weisse Fahne zu schwenken und zurückzutreten –  von der NATO das Unmögliche: eine Flugverbotszone. Die hat US-Außenminister Blinken natürlich abgelehnt, weil das zum direkten  Krieg Russlands mit den USA führen würde – und unmöglich ist sie wegen der Überlegenheit der russsichen Luftabwehr ohnehin, die schon in Syrien kriegsentscheidend war. Neben diesem Schutzschild  sind es vor allem die hyperschallschnellen Raketen Russlands, gegen die sich NATOstan nicht verteidigen kann und zur militärischen Zurückhaltung gezwungen ist. Wäre Russland ein wehrloses Land, hätten die USA als führende Völkerrechts,- und Souveränitätsverletzer des Planeten schon eine “Koalition der Willigen” gebildet, um es platt zu machen. So aber wird die russische Operation der Entwaffnung und Demilitarisierung der Ukraine also weitergehen und dies – verglichen etwa mit dem 72-tägigen NATO-Bombardement Jugoslawiens oder der massenmörderichen US-Invasion im Irak – mit bisher relativ wenigen zivilen Opfern. Russland führt keinen Krieg gegen ein Land und seine Bevölkerung, sondern gegen ein korruptes Regime und seine faschistischen Milizen, es umzingelt Städte um sie zur Aufgabe zu zwingen statt sie in Schutt und Asche zu zerlegen, es hat kein Interesse an Besatzung oder gar Annektion, es will nur keine Nazis mit NATO-Raketen vor seiner Haustür. Und es wird sich diese weder von Sanktionen, noch von einem irrsinnigen ukrainischen “Volkssturm” aufzwingen lassen. Wer wirklich Menschenleben schützen und das Leid der Zivilbevölkerung beenden will, muss jetzt zur Kapitulation aufrufen und Verhandlungen beginnen.

„Lasst uns nie aus Angst verhandeln. Aber lasst uns nie Angst davor haben zu verhandeln.“ – die Worte aus der Antrittsrede John F.Kennedys wären ein guter Rat für seinen amtierenden Nachfolger im Weissen Haus, doch wenig deutet darauf hin, dass er gehört wird. Umso dringender wird es, dass Deutschland und Europa Ohren und Augen dafür öffnen, was mit ihnen hier gespielt wird im Great Game des anglo-amerikanischen Empires. Und dass nicht Russland, sondern sie die großen Verlierer sein werden, wenn sie sich weiter in diesen hybriden Krieg und den ökonomischen Selbstmord treiben lassen. Mit teurem Fracking Gas aus den USA, das der führende translatlantische Diener Habeck einkauft, mit 100 Milliarden Euro für Aufrüstung, die Kriegskanzler Olaf den  einzigen Profiteuren dieses Kriegs – Lockheed, Raytheon & Co. – zuschustern will, und mit Massen von Flüchtenden,  die das Chaos der Stunde nutzen und von denen Polen schon jetzt sagt “Wir schaffen das nicht!”
Nachdem der größte Teil ihrer Einrichtungen zerstört ist, kann die ukrainische Armee keine strategischen Operationen mehr durchführen, der gesamte Luftraum und 40% des Territoriums werden mittlerweile von Russland kontrolliert und jeder halbwegs vernunftbegabte  Kommandeur müsste einsehen, das es Zeit ist, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. Dass sich Brigaden in Städten verschanzen  und die Bewohner als Schutzschild benutzen (wie in Mariupol) kann am Ausgang des Krieges nichts mehr ändern, sondern nur die Zahl der zivilen Opfer und der Zerstörungen in die Höhe treiben. Das wissen die Kommandeure der drei grinsenden Gangster auf unserem Cartoon natürlich auch, doch sie wollen kein Ende dieses Kriegs und treiben mit Waffenlieferungen die Ukrainer als Kanonenfutter weiter an die Front. Und je deutlicher wird, dass die Schlacht in der Realtität verloren ist, umso mehr müssen sie das Narrativ ihrer psychologischen Operation  füttern: von der freiheitlichen “Demokratie” der Ukraine (die de facto von einer Handvoll Oligarchen und den USA ausgebeutet und kontrolliert wird), von einem liberalen, jüdischen Präsidenten, der  Komiker und kein Neo-Nazi ist (sich de facto aber mit ihnen verbündet hat) und von dem mörderischen Psychopathen namens Putin, der nach der Ukraine die gesamte Welt seinem Reich des Bösen einverleiben wird, wenn ihm nicht bis zur letzten Patrone Widerstand geleistet wird.

Wem es um ein Ende des Konflikts geht, darf kein Waffen liefern, wer das Leid der Menschen in der Ukraine beenden will, muss verhandeln statt schießen, wer Frieden will, darf nicht dem Plan der anglo-amerikanischen Geo-Strategen folgen, den Russen in der Ukraine “ihr Afghanistan” zu bereiten und sie in einen endlosen Guerillakrieg zu verwickeln. Und schon gar nicht darf er sich dazu – zumal als Deutscher – mit lupenreinen Nazis verbünden. Und sollte sich fragen, was eigentlich verdammt noch mal gegen die  Sicherheitsforderungen Russlands – eine militärisch neutrale Ukraine ohne schwere Waffen – spricht. Und warum man diese nicht ernst nehmen und um des lieben Friedens Willen akzeptieren kann. Bis es soweit ist, bleibe ich “Putinversteher”  – und bitte alle NATO-Versteher und Freunde der Jugoslawien-, Irak-, Libyen-, Syrien- und Afghanistan-Kriege, ihre Position zu überdenken. Peace!

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Warum ich noch immer Putinversteher bin

Es ist schon toll, wie die Empörten in NATOstan jetzt hyperventilieren…und vollmundig “Völkerrecht”, “territoriale Souveränitat”, “Angriffskrieg” und ähnliche Begriffe abspulen, sowie natürlich die seit Killary Clinton gängige “Putin = Hitler”-Analogie. Würden die in den letzten Jahrzehnten begangenen Verletzungen des Völkerrechts und der Souveränität anderer Länder durch diese Bande alle angeklagt, kämen sie aus dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag freilich nie wieder hinaus – weshalb sie  als führende Völkerrechts-und Souvernitätsverletzter des Planeten diese Gerichtsbarkeit  vorsorglich erst gar nicht anerkannt haben. Und jetzt können sie nicht fassen, dass ihr “Quid licet Jovi non licet Bovi” nicht mehr gilt und sich andere herausnehmen was für sie eine Selbstverständlichkeit war und ist. Willkommen in der neuen (Un-)Ordnung einer multipolaren Welt!

Dass ich als anerkannter Kriegsdienstverweigerer und Antimilitarist gegen jede Rüstung und jeden Krieg bin, will ich als Disclaimer noch ausdrücklich anmerken, um nicht mißverstanden zu werden, wenn ich hier mein Verständnis für die russische Militäroperation in der Ukraine darlege:

  1. Weil die nach dem vom Westen initiierten Maidan-Putsch mit Maschinengewehren im Kiewer Plenarsaal “gewählte” Regierung von den Bewohnern der Ostukraine und der Krim als Verfassungsbruch gesehen und nicht anerkannt wurde, traten diese Regionen aus dem Staatsverbund aus. Die Krimbewohner stimmten dann mit grosser Mehrheit für einen Beitritt zu Russland, die Ostprovinzen erklärten sich zu unabhängigen Republiken.
  2. Die von Deutschland und Frankreich angeregten Minsk-Verhandlungen über den autonomen Status der Provinzen wurde von den Regierungen in Kiew auf Weisung ihrer Meister in Washington acht Jahre blockiert und sabotiert. Stattdessen wurde versucht, die Donbas-Region militärisch zu erobern.
  3. Russland unterstützte die Verteidgung des Donbas durch die Milizien der “Volksrepubliken” nur aus dem Hintergrund und drängte diplomatisch und politisch erfolglos, die Minsk-Verhandlungen voranzubringen. Stattdessen stand die Region bis gestern fast täglich unter Beschuss durch die ukrainische Armee und die faschistischen Asov-Brigaden, die sich die “Ent-Russifizierung” der Ukraine auf die Fahne geschrieben haben.
  4. Nachdem wegen der militärischen Aufrüstung der Ukraine die im Dezember  an die USA ergangenen Sicherheitsforderungen Russlands zurückgewiesen und aus den NATO-Staaten weiter Waffen importiert wurden; nachdem man Ukraines Präsident Zelensky auf der Münchner SiKo als Messias feierte, wo er um mehr Waffen inklusive nuklearer gebeten hatte und nachdem der unsägliche Scholz Putins Hinweis auf einen Völkermord im Donbass (mindestens 10.000 Tote, über 3 Mio. Flüchtlinge) als “lächerlich” abgetan hatte, war es mit der Geduld Russlands zu Ende.
  5. Die Anerkennung der beiden “Volksrepubliken” als unabhängige Staaten verstößt weder gegen das Völkerrecht noch gegen die Souveränität der Ukraine. Anders als NATOstan  in Jugoslawien, als Genscher die abgespaltenen Provinzen quasi über Nacht anerkannte, hat Russland das acht Jahre lang verweigert und auf einer internen Wiedervereinigung der Ukraine bestanden.
  6. Das “Right To Protect” (R2P), unter dem die NATO Jugoslawien bombardierte und in Einzelstaaten zerlegte, verstieß zwar gegen das Völkerrecht, wurde hierzulande aber allenthalben gefeiert. Wenn Russland jetzt, außer die Grenzen der neuen Republiken zu sichern auch Ziele in der Ukraine angreift, ist auch dies ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Anders als die NATO von Jugoslawien, das niemanden bedrohte,  hat Russland allerdings gute Gründe, sich von den aufgerüsteten ukrainischen Militäreinrichtungen bedroht zu fühlen.
  7. Nachdem diese Einrichtungen innerhalb weniger Stunden von russischen Raketen weitgehend zerstört wurden, meldet sich prompt Präsident Zelensky und sagt, dass er zu Gesprächen über Neutralität bereit ist. Er wollte nicht hören, jetzt muss er (falls ihn seine Meister nicht noch schnell absetzen) – etwas anderes als Heavy Metal kann NATOstan offenbar nicht verstehen.
  8. Die USA und Joe Biden, der zuletzt die Souveränität der Ukraine verletzte, als er für die Absetzung eines Staatsanwalts sorgte, der gegen den Gaskonzern Burisma wegen Korruption ermittelte – von dem sein Sohn Hunter 50.000 im Monat für einen No-Show-Job kassierte –  werden außer mit Verbalinjurien und weiteren Sanktionen militärisch wohl nicht eingreifen. Sie wissen das Putin nicht blufft, wenn er bei jedem Angriff auf Russland mit einer umgehenden Antwort droht und dass sie keine Chance haben – Mr.Kinzhal läßt grüßen.
  9. Wir hatten den Algorithmus hier schon zitiert: Russland kann sich den Bruch mit Europa leisten. Europa kann es nicht. Die USA wollen nur kassieren. Das scheint man vor allem in Deutschland  nicht verstanden zu haben, die Schwachköpfe der Regierungs-Ampel und in Brüssel plappern immer noch transatlantische Textbausteine nach, statt einzusehen, dass allein Europa der Verlierer sein wird, wenn es zu  einem völligen Bruch kommt. Und dass es  einem Selbstmord auf Raten- der Zukunft einer heruntergekommenen,verarmten Kolonie – gleichkommt, dem US-Imperium und seiner Doktrin der globalen Alleinherrschaft weiter zu folgen. Wer die Zukunft der Industrienationen Europas mit Fracking-Gas von Uncel Sam und Windrädern sichern will gehört in die nächste Klapsmühle aber nicht in ein Parlament.
  10. Wie es weitergeht auf dem Schlachtfeld Ukraine ist schwer zu prognostizieren nachdem die Entmilitarisierung, was technisches Gerät betrifft, im Blitzkrieg weitgehend erledigt ist. Unklar ist auch, wie  die Ankündigung Putins einer “Entnazifierung” erreicht werden soll –  ohne Invasion und Besatzung, die Russland unter allen Umständen vermeiden will. Greiftrupps nach den Tätern von Odessa und den Köpfen der Neonazi-Brigaden werden aber wohl schon unterwegs sein. Am Ende wird möglicherweise (wie einst in Jugoslawien) eine Teilung des Landes stehen – mit östlichen, russlandfreundlichen Republiken, einer neutralen Ukraine in der Mitte und einem nazi-durchseuchten “Banderastan” im Westen, mit dem sich dann Polen und die EU herumschlagen dürfen. Die halbe Weisse Fahne, die Zelensky jetzt geschwenkt hat, könnte eine Teilung noch verhindern, wenn er bzw. eher eine neue Regierung die “Entnazifierung” selbst in die Hand nehmen, sich aller Faschisten im Parlament entledigt und den Hakenkreuz-Brigaden den Prozess macht.

Insofern bin ich bis auf Weiteres noch immer Putinversteher, halte die NATO mehr denn je für überholt und abschaffungswürdig und plädiere für eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa, die Russland und China einschließt, Abrüstung auf allen Seiten und Friedens-und Handelsverträge von Lissabon bis Peking ermöglicht. Peace!

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird (2019)

“Die Lunte brennt” – Rubikon-Gespräch