“Der Westen hat die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Ideen oder religiösen Werte erobert (zu denen nur wenige Angehörige anderer Zivilisationen bekehrt wurden), sondern durch seine Überlegenheit bei der Anwendung organisierter Gewalt. Westler vergessen diese Tatsache oft, Nichtwestler nie”, schrieb Samuel Huntington in seinem Klassiker “The Clash of Civilizations”.
Da die hypersonischen Kollegen Kinzhal und Zirkon dieser militärischen Überlegenheit nun auf absehbare Zeit beendet haben – und mit Überlegenheit im “totalen” Informations,-und Propagandafeuer kein Krieg zu gewinnen ist – wird NATOstan, der hochgerüstete aber tödlich verwundbare Goliath, in der Ukraine nicht eingreifen.
Und im Rest der Welt stößt das Propagandageorgel von “Angriffskrieg” und “Kriegsverbrechen” auf weitgehend taube Ohren weil jeder Nichtwestler weiß, dass bei uns Kriegsverbrecher frei und hochgeehrt herumlaufen, selbst wenn sie Millionen Menschenleben auf dem Gewissen haben. Säßen Gewalttäter wie Bush, Blair, Clinton, Schröder, Fischer & Konsorten hierzulande im Knast, würde die internationale Gemeinschaft von 85 Prozent der Weltbevölkerung (oben grau markiert) diesen Krieg und Putin sicher anders beurteilen, so aber sieht sie in der Verdammung und dem Boykott Russlands nur einmal mehr die übliche transatlantische Doppelmoral am Werk. Wie übrigens auch bei der jetzigen blau-gelben Solidaritätswelle mit den Ukrainer:innen, für deren Leid sich acht Jahre lang niemand interessierte, als sie im Donbass unter Beschuß standen und 14.000 Menschen das Leben liesen, was Kriegskanzler Scholz bekanntlich “lächerlich” findet und den Tätern weiter Waffen liefern will. Jetzt auch 56 alte DDR-Panzer, mit denen für die “Freiheit” bis zum letzten Ukrainer gekämpft werden soll, denen zusätzlich für 300 Mio. Kleinwaffen zur Verfügung gestellt werden. Ganz im Sinne der US-Strategie, mit einem möglichst langen Guerillakrieg den regime change in Moskau vorzubereiten.
Weil dieser militärisch jetzt nicht zu machen ist, kamen die “Sanktionen aus der Hölle” zum Zuge – und schon nach vier Wochen als Bumerang zurück. Sowie als rollender Rubel. Schon muss Joe Biden die unantastbare “Strategic Petroleum Reserve” anzapfen (und heimlich weiter russische Crude Oil importieren), weil seine Sanktionen sich als Turbo für Energiekosten und Inflation erweisen, Energieminister Habeck ruft die erste Gas-Notfallstufe aus und in manchen Leipziger Wohnungen sind die Heiz,- und Nebenkosten schon jetzt höher als die Miete. Auch wenns gerade schneit draußen können wir uns bei den Russen eigentlich für die Konzilianz bedanken, die “Rubelisierung” ihrer Öl,-und Gaslieferungen im Frühjahr vorgenommen zu haben – sodass unvermeidliche Holprigkeiten bei so einer Umstellung nicht gleich echte Notsituationen schaffen. Europäische Hardcore-Sanktionisten, die kein einziges Hydrocarbon russischer Abstammung mehr ins Land lassen wollen haben so zumindest den Sommer über Zeit, sich auf den Abstieg ins prä-industrielle Zetialter ein wenig vorzubereiten. Die Amish sollen ja sehr glückliche Menschen sein, sagt man….
Unterdessen heißt Pepe Escobar für die Welt jenseits von NATOstan und seiner Vasallen (oben rot markiert) schon eine neue rohstoff-basierte gloable Reservewährung willkommen:
“Während die transatlantische herrschende Klasse völlig durchgedreht ist, aber immer noch bis zum letzten Europäer um den verbleibenden, greifbaren Reichtum der EU kämpft, gibt sich Russland gelassen. Moskau war sogar recht nachsichtig und drohte damit, im Frühjahr kein Gas mehr zu liefern statt im Winter. Die russische Zentralbank hat die Deviseneinnahmen aller großen Exporteure verstaatlicht. Es gab keinen Zahlungsausfall. Der Rubel steigt weiter – und ist jetzt wieder ungefähr auf dem gleichen Stand wie vor der Operation Z. Russland ist nach wie vor Selbstversorger was Lebensmittel angeht. Die amerikanische Hysterie über das “isolierte” Russland ist lächerlich. Alle wichtigen Akteure in Eurasien – ganz zu schweigen von den anderen vier BRICS-Staaten und praktisch dem gesamten globalen Süden – haben Russland nicht verteufelt und/oder mit Sanktionen belegt. Als zusätzlicher Bonus ist der wohl letzte einflussreiche Oligarch in Moskau, Anatoli Tschubais, verschwunden. Nennen wir es eine weiteren historischen Trick : Die westliche Sanktionshysterie hat die russische Oligarchie – Putins Lieblingsprojekt seit 2000 – de facto zerlegt. Das bedeutet die Stärkung des russischen Staates und die Konsolidierung der russischen Gesellschaft.
Noch liegen nicht alle Fakten vor, aber man kann davon ausgehen, dass sich Putin nach jahrelanger sorgfältiger Abwägung dazu entschlossen hat, wirklich aufs Ganze zu gehen und dem Westen das Genick zu brechen – wobei er diese Dreierkonstellation (bevorstehender Blitzkrieg im Donbass, US-Biowaffenlabors, ukrainische Arbeiten an Atomwaffen) als casus belli nutzte. Das Einfrieren der Devisenreserven musste vorhergesehen werden, insbesondere weil die russische Zentralbank seit November letzten Jahres ihre Reserven an US-Staatsanleihen aufgestockt hatte. Außerdem besteht die ernsthafte Möglichkeit, dass Moskau auf “geheime” Offshore-Devisenreserven zugreifen kann – eine komplexe Matrix, die mit Hilfe chinesischer Insider aufgebaut wurde.
Die plötzliche Umstellung von Dollar/Euro auf Rubel war knallhartes geoökonomisches Judo auf olympischem Niveau. Putin verleitete den kollektiven Westen dazu, seine wahnwitzige Hysterie als Sanktionsangriff zu entfesseln – und wendete sie mit einem einzigen, raschen Schachzug gegen den Gegner. Und nun versuchen wir alle, die vielen synchronen, spielverändernden Entwicklungen zu verarbeiten, die auf den als Waffe benutzten Dollar folgen: der Rupien-Rubel mit Indien, der saudische Petroyuan, die von russischen Banken ausgegebenen Mir-Union Pay-Karten, die russisch-iranische SWIFT-Alternative, das EAEU-China-Projekt eines unabhängigen Währungs-/Finanzsystems. Ganz zu schweigen von dem großen Coup der russischen Zentralbank, 1 Gramm Gold an 5.000 Rubel zu koppeln, die bereits bei 60 Dollar liegen, Tendenz steigend. In Verbindung mit No Rubles No Gas haben wir es hier mit einer de facto an Gold gekoppelten Energie zu tun. Die Chihuahuas in der EU und die japanische Kolonie müssen eine Menge Rubel in Gold kaufen oder eine Menge Gold kaufen, um ihr Gas zu bekommen.”
Aus dem Westen, wo man den Game Changer im Weltfinanzsystem noch nicht richtig verstanden hat, wird vom Rest der Welt weiterhin und erfolglos gefordert, sich an der Wirtschaftsblockade Russlands zu beteiligen. China Daily hatte dazu einen netten Cartoon.
Etwas Vergleichbares gab es zuletzt vor 200 Jahren, als Napoleon mit einer “Kontinentalsperre” das britische Empire vom Handel abschneiden wollte – vor allem von dem für Flotte der Seemacht England unverzichtbaren Hanf, dem wichtigsten Exportgut Russlands. Obwohl Zar Alexander sich nach dem Vertrag von Tilsit verpflichtet sah, an den Sanktionen teilzunehmen, konnte er sich den Verzicht auf den Rohstoffhandel mit England nicht leisten und versuchte mit “neutralen” Handelschiffen weiter zu exportieren, was französische Spione aber schnell herausfanden.
Nachdem Russland auf die Abmahnungen Frankreichs nicht reagierte, marschierte die “unbesiegbare” Grande Armeé 1812 ein und Napoleon erlitt eine vernichtende Niederlage, die dann zu seinem Sturz führte.
Auch wenn die meisten Think-Tanker NATOstans noch immer ein Russlandbild aus den James Bond Filmen der 1980er hegen, kennen sie doch ein wenig Geschichte und wissen, dass man sich mit dem nuklearen Bären besser nicht direkt anlegt. Doch Proxy-Kriege, bei denen man andere kämpfen und bezahlen läßt, sind nach wie vor das Mittel der Wahl – sie rechnen sich für das Imperium, auch wenn sie verloren gehen. Was – mal abgesehen von Grenada und Panama – in den letzten Jahrzehnten ja auch stets der Fall war und in der Ukraine nicht anders sein wird. Auch wenn die Propagandamaschinen ihre Konsumenten nach wie vor für dumm verkaufen und Durchhalteparolen verbreiten, obwohl die Lage aussichtslos ist.
Der Kern der ukrainischen Armee – etwa 50.000 der besten und gut ausgestatten Truppen – ist im Osten nahezu eingeschlossen und von der Versorgung abgeschnitten. Die russischen Streitkräfte setzen die Umkesselung dieser Region fort und dann wird es wohl oder übel – falls nicht Kiew doch noch die Weiße Fahne schwenkt – dazu kommen, dass Russland die größte Schlacht seit dem 2. Weltkrieg kämpfen wird. Nicht weit von der Stelle, wo 450 Kilometer östlich in Stalingrad vor 79 Jahren die Rote Armee der deutschen Wehrmacht die entscheidende Niederlage beibrachte. Dass die anschließende “De-Nazifizierung” bis in den Führerbunker nach Berlin durchgeführt wird, ist aber nicht zu erwarten. Genauso klar ist aber auch, dass Russland diese Schlacht in der Ostukraine auf gar keinen Fall verlieren wird. Für das US-Imperium ist dies nur einer von den Dutzenden Kriegen, für die Russen ist er existenziell. Nur eine Kapitulation der Ukraine kann ein schreckliches Blutbad an der Donbass-Front noch verhindern.
(wird fortgesetzt)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -10 (31.03.22)
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Die westlichen Medien senden nur noch in manichäischem Schwarz/Weiß – wir sind die Guten, Russland ultraböse – und da die 

