
(Hinweis: Facebook hat das obenstehende Foto gelöscht, da “unabhängige Faktenprüfer” es als Fake entlarvt hätten. Ich kann die Echtheit nicht beurteilen, würde russischen Militär-Truckern auch nicht jeden Humor absprechen.)
Hatte Russland bei seiner “Operation Z” – mittelerweile wg. Buchstabenverboten im Westen praktischerweise auf A-Z umgetauft – in der Ukraine auf die Zerstörung von ziviler Infrastruktur bisher weitegehend verzichtet, sind seit dem vergangenen Wochenende wichtige Eisenbahn-Knotenpunkte und Umspannwerke zum Ziel von Raketenangriffen geworden. Der bisher noch über Bahnlinien noch mögliche Nachschub der im Osten konzentrierten Truppen wird dadurch weiter erschwert und was an “schweren” NATO-Waffen im Westen ankommt, staut sich dort in Depots – die, wenn sich nicht von russischen Präzisionsraketen zerstört werden, wie schon mehrfach geschehen, dem schwarzen Loch des ukranischen Waffenhandels anheimfallen und irgendwo in Afrika, im Nahen Osten oder anderswo wieder auftauchen, wo für Stinger, Javelin & Co. gutes Geld gezahlt wird. Auch für die ausrangierten Leopard 1 und den Flak-Panzer Gepard, die Deutschland jetzt der Ukraine verkaufen will, besteht anderswo Bedarf wenn sie an der Front nicht ankommen.
Dass in NATOstan nach wie vor große Kriegseuphorie herrscht und “Experten” und Ex-Generäle in Funk und Fernsehen versichern, dass ein paar Panzer und Haubitzen mehr “den Krieg entscheiden” könnten, hat mit der Realität am Boden eher wenig zu tun, und sehr viel mehr mit dem hier schon oft zitierten Diktum von Karl Kraus zum 1. Weltkrieg: “Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt? Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen”.
Und so holt der britische Verteidigungsminister Wallace mal eben 15.000 russische Gefallene und 500 Panzer aus dem Hut, die bis dato keinem Menschen aufgefallen sind, sonst wären sie auf den Social Media längst viral gegangen. Es wird einfach gelogen wie gedruckt. Und zwar von denselben, die uns die “Massenvernichtungswaffen” im Irak, das “Giftgas” in Syrien, die “Befreiung” Libyens und den 20 Jahre anhaltenden “Sieg” in Afghanistan angedreht haben… aber dieses Mal – großes Indianer:innen-Ehrenwort – geht alles mit rechten Dingen zu. Und es ist ja wohl offensichtlich, dass unsere Freiheit statt “am Hindukusch” jetzt am Donbass bis zum letzten Ukrainer verteidigt werden muss, weil bei uns sonst Saddam Husseins Raketen “in 45 Minuten”…ääh… Bin Laden und sein Al Qaida Terror…ääh, natürlich Putin und seine brutalen Russenhorden… unsere Fußgängerzonen in die Luft jagen und Babys vergewaltigen. Da kann man nicht mehr wegschauen und untätig bleiben… Panzer, Raketen, Bomben…Hauptsache irgendwas…
So ungefähr liest und hört es sich derzeit an, was einem aus dem westlichen Medienwald entgegendröhnt. „Die Ukraine glaubt eindeutig daran, dass sie gewinnen kann, und alle hier glauben das auch“, betonte der US-Verteidigungsminister beim heutigen NATOstan-Treffen in Rammstein. Woher die Gemeinschaft der Gläubigen ihre Zuversicht holt ist unklar, historisch bekannt hingegen ist, dass Niederlagen nicht mehr weit sind, wenn unbedingtes “Glauben an den Endsieg” beschworen wird. Dass Deutschland ukrainische Truppen an den neuen Gerätschaften ausbilden will bevor sie an die Front verlegt werden, dies aber keinesfalls als Kriegsbeteiligung verstanden wissen will, zeugt ebenfalls von hoher Glaubensfestigkeit, dass die Russen schon nicht den Gashahn abdrehen werden, wenns ihnen zuviel wird mit der Safari deutscher Leoparden und Geparden vor ihrer Haustür. Wobei: die aktuelle Abschussliste steht am 26.4. bei “2,576 tanks and other armored combat vehicles”, hundert Panzer mehr sind da nicht spielentscheidend. Allerdings hat Außenminister Lavrov angekündigt, dass man auch den Transport schweren Geräts in die Ukraine als feindlichen Akt betrachtet. “Wenn die Nato über einen Stellvertreter de facto in einen Krieg mit Russland tritt und diesen Stellvertreter bewaffnet, dann tut man im Krieg, was man im Krieg tun muss.”
Es sollte sich also niemand wundern, wenn dann alsbald ein Bahnhof in Polen oder einem anderen Ukraine-Anrainer unfreundlichen Besuch von Kinzhal bekommt, was natürlich den Bündnisfall bedeuten würde und NATOstan zeigen müsste, was es militärisch drauf hat um diese “Regionalmacht mit Tankstelle” (Barack Obama) in die Schranken zu weisen. Niemand kann sich das wünschen, weil damit ein nukleares Armageddon droht, aber dann sollte auch niemand weiter an der Eskalationsschraube drehen, um es dazu kommen zu lassen. Wenn in den Regierungen und Komissionen Europas noch irgendwelche Erwachsenen eingreifen können, sollten sie das dringend tun.
Und das nicht nur was Waffen, sondern auch was den Wirtschaftskrieg betrifft, mit dem die deutsche Außenministerin “Russland ruinieren” will – eine Idee, auf die nur kommen kann, wer wie unsere Völkerballexpertin in Erdkunde offenbar nicht richtig aufgepasst hat:
Wie das ZDF berichtet, muss “Deutschland bis 2030 für russisches Erdgas selbst dann bezahlen, wenn das Gas nicht mehr importiert wird. Grund dafür sind sogenannte Langfristverträge mit Laufzeiten bis zu 30 Jahren, die deutsche Unternehmen mit dem russischen Konzern GAZPROM abgeschlossen haben. Das zeigen frontal-Recherchen. Insgesamt geht es um mehr als 140 Milliarden Euro.”
Dass BASF, der größte Chemie-Standort Europas, langfristige Verträge macht um günstige Energie für seine Produktion zu sichern, macht zwar betriebswirtschaftlich absolut Sinn, läuft aber unter der ZDF-Headline “Die Gier nach russischen Gas”, was ebenfalls von Erdkundeschwäche zeugt, denn ohne russisches Gas kann BASF den Laden dicht machen. Während Robert Habeck in seiner “dienenden Führungsrolle” gegenüber den USA verkündet, “in wenigen Tagen” zu einem Ölembargo bereit zu sein, sieht sich Brandenburgs Ministerpräsident noch eher als Diener seiner eigenen Bevölkerung und warnt: “Wenn gelegentlich von drei Millionen zusätzlichen Arbeitslosen geschrieben wird, falls kein Gas und Erdöl mehr aus Russland geliefert wird, so halte ich das für eine Untertreibung. Wir müssen davon ausgehen, dass ein Lieferstopp sofort Auswirkungen auf jeden einzelnen Haushalt in Deutschland hätte.”
Polen und Bulgarien kommen seit heute als erste in den Genuss einer “russenreinen” Energieversorgung, nachdem Gazprom die Lieferungen durch die Jamal-Pipeline gestoppt hat. Sie werden damit zu den ersten Experimentierfeldern, auf denen Europa sich ohne Energie aus dem Osten künftig durchschlagen will und können einen kleinen Vorgeschmack darauf liefern, wenn “Nordstream-1” und damit Deutschland ebenfalls abgeklemmt werden. Aber, “keine Panik”, verkündet die FAZ, weil so ” kommt Deutschland schneller damit voran, sich von russischen Rohstofflieferungen unabhängig zu machen.” Sorgen über einen “veheerenden Schaden” der Volkswirtschaft müssen wir uns keine machen, denn “Ökonomen schätzen”, dass nur “bis zu 6 Prozent der Wirtschaftsleistung verloren gehen.” Na dann ist ja alles halb so wild… und diese Top-Ökonomen haben den Nobelpreis schon sicher: ihr Konzept einer Industriegesellschaft, die trotz Ausbleiben von 40% der Energie (die Europa aus Russland bezieht) mit 94% wirtschaftlicher Leistungskraft weiter brummt, dürfte weltweit gefragt sein.
Unterdessen wird gemeldet, dass Deutschland nun doch kein Leos, sondern nur Flugabwehrpanzer “Gepard” lieferen will, weil die, so Verteidigungsminsterin Lambrecht, “genau das sind was die Ukraine jetzt braucht um den Luftraum zu sichern.” Dafür holte sie sich in Rammstein von ihrem US-Kollegen brav ein Lob ab und brachte ihren Kanzler aus der Schußlinie, der sich jetzt nicht mehr nachsagen lassen muss, dass er keine schweren Waffen liefern will. Wenn es Olaf Scholz ist, der in der Ampelregierung in Sachen Waffenlieferungen auf der Bremse steht, wie mir ein Mitarbeiter unlängst versicherte, dann hat er mit diesem Coup seine kriegsgeilen Koalitionären ein cleveres Schnippchen geschlagen. So sieht es auch Bernhard vom Blog “MoonOfAlabama”, der den Oldtimer noch aus seiner Bundeswehrzeit kennt :
“Dass Scholz sich entschlossen hat, diese anzubieten, statt echter Panzer oder Schützenpanzer, wie es die USA und die camouflage-grüne Partei forderten, ist ein schöner Ausweg. Er garantiert, dass die Ukrainer sie nicht vor Kriegsende einsetzen können. Das Gepard-System mit seinen zwei 35-mm-Kanonen ist mehr als 50 Jahre alt, wurde aber zwei- oder dreimal aufgerüstet. Die Bundeswehr hat ihr letztes Exemplar im Jahr 2010 ausgemustert. Seitdem sind sie eingelagert. Ich kenne sie noch gut aus meiner Zeit bei der Bundeswehr. Während ich in erster Linie als Richtschütze auf einem echten Panzer, dem Leopard 1A3, ausgebildet wurde, wurden zwei Leute, die ich kannte, als Richtschützen für den Gepard ausgebildet. Es gab jedoch einen großen Unterschied. Man brauchte 6 Monate Ausbildung, um ein einigermaßen guter Panzerschütze zu werden. Um Schütze auf einem Gepard zu werden, brauchte man 12 Monate, einschließlich Hunderter von Stunden in einem Simulator. Für die Rolle des Kommandanten war sogar noch mehr Ausbildung erforderlich. (…)
In der heutigen Bundeswehr gibt es wahrscheinlich weniger als zehn Personen, die noch wissen, wie man einen Gepard bedient und wartet. Die Chancen, deutsche Besatzungen für sie zu finden, sind also gering. Wenn die Ukrainer diese veralteten Systeme wirklich einsetzen wollen, müssen sie mindestens ein Jahr lang neue Besatzungen ausbilden. Andernfalls werden diese Geschütze ineffektiv und von geringem Nutzen sein.Ich vermute jedoch, dass keines dieser Geschütze jemals ausgeliefert werden wird. Dafür haben die Schweizer gesorgt, die die Kanonen und deren Munition hergestellt haben:
“Die neutrale Schweiz hat ein Veto gegen die Wiederausfuhr von in der Schweiz hergestellter Munition für die Gepard-Flugabwehrpanzer eingelegt, die Deutschland an die Ukraine liefert, wie die Regierung am Dienstag mitteilte.(…)Das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) bestätigte einen Bericht des Senders SRF, wonach es Deutschland daran gehindert habe, Munition für den Gepard-Panzer in die Ukraine zu liefern.”
Bundeskanzler Scholz dürfte das alles gewusst haben. Das Angebot der Gepards ist ein sicheres Mittel, um den auf ihn ausgeübten Druck, Waffen in die Ukraine zu liefern, zu mindern. Es ist ein Angebot für ein System, das innerhalb des Zeitrahmens des Krieges nicht eingesetzt werden kann und für daser die notwendige Spezialmunition nicht liefern kann.”
(wird fortgesetzt)
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Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)
Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)












Es war das Zündnadelgewehr, das den “Deutschen Krieg” zwischen Preußen und Östereich entschied. Kurz zuvor hatten die beiden Mächte noch gemeinsam Dänemark besiegt, doch sich beim Streit um Schleswig und Holstein dann derart überworfen, dass es 1866 zur Schlacht in Königgrätz in Böhmen kam. Dass bei den etwa gleichstarken Truppen (jeweils etwa 200.000 Mann) die Östereicher schnell unterlagen und ein Vielfaches an Verlusten und Verletzten erleiden mussten, verdankten die Preußen der technischen Innovation dieses Gewehrs, mit dessen Entwicklung für die preußische Armee der Büchsenmacher Nikolaus von Dreyse 1840 begonnen hatte. Nachdem er sich bei der Arbeit an einem Vorderlader mit seinen neuartigen Patronen die Hand verletzt hatte, hatte er einen Hinterlader entwickelt. Er ermöglichte nicht nur eine 3-mal schnellere Schussfolge als traditionelle Vorderlader, sondern konnte vor allem auch im Liegen nachgeladen werden, sodass die Schützen länger in Deckung bleiben konnten. Nachdem Preußen dank dieser militär-technischen Innovation seine Macht in Deutschland zementiert hatte, setzte vor allem in Frankreich ein Rennen um die Herstellung solcher “Schnellfeuerwaffen” ein, die dann auch bald, mit dem “Chassepotgewehr” im folgenden deutsch-französischen Krieg, zum Einsatz kamen.



Professor Dugin, hierzulande gern als rasputin-artiger Einflüsterer Putins porträtiert, kommt in seinem