Bilanz eines Jahrhundertverbrechens
Die Anschläge des 11. September 2001 dürften als das Jahrhundertverbrechen in die Geschichte eingehen. Wie aber kann es sein, dass auch nach zwanzig Jahren noch immer an der „offiziellen Wahrheit“ festgehalten wird, obwohl die objektiven Unstimmigkeiten an dieser Version erdrückend sind? Der “Rubikon” hat einen Auszug aus dem neuen Buch “Mythos 9/11” veröffentlicht.
“Man könnte diese konfuse Informationspolitik als Versuch deuten, einen fehlerhaft verlaufenen Einsatz zu vertuschen, der in einem Blutbad endete und bei dem wegen eines defekten Hubschraubers einige Zeugen und Leichen zurückgelassen werden mussten. Dass Elitesoldaten bei der Festnahme eines unbewaffneten älteren Mannes und seiner Familie ein solches Schlachtfeld hinterlassen, scheint dafür zu sprechen, dass bei der Operation nach der Methode „Shoot first, ask later“ vorgegangen wurde und etwas anderes als eine Hinrichtung nie geplant war. Diese wäre freilich auch mit einer ferngesteuerten Rakete zu haben gewesen, wenn auch längst nicht so spektakulär, mit heldenhaften Elitesoldaten und einer gebannt zuschauenden Regierungsmannschaft.
Umgehend überschlugen sich die Hollywoodproduzenten mit Ideen zur Verfilmung des Events — bei der dann die Helmkameras garantiert funktionieren! — und mit der Präsident Obama als erfolgreicher Jäger des Topterroristen sein Ticket für die Wiederwahl lösen würde. Der Skalp indessen, der Beweis, dass Osama Bin Laden (geschmackloser Weise unter dem Codenamen „Geronimo“, nach dem letzten widerständigen Apachen-Häuptling) bei der Operation „Neptun Spear“ tatsächlich ums Leben kam, liegt bis heute nicht vor — und das Flip-Flop im offiziellen Narrativ seiner Ergreifung, Hinrichtung und Beseitigung deuten an, dass die ganzen Unklarheiten Methode hatten, dass die Konfusion und Widersprüchlichkeit der Informationspolitik, geleitet von Professor Sunstein, als Versuch eines Anheizens der Gerüchteküchen und der Provokation von Verschwörungstheorien beabsichtigt war — zwecks „kognitiver Infiltration“.
Auf dass die substanziellen Fakten — der Bruch rechtsstaatlicher, völkerrechtlicher und moralischer Normen durch solche Mordkommandos, die fehlenden Beweise für die Identität und die Schuld der Hingerichteten und somit die Fragwürdigkeit der gesamten Operation — in einem spekulativen Nebel aus dem Blick gerät. Und jede Kritik an diesem Zustand mit dem Stigma „Verschwörungstheorien“ sofort vom Tisch gewischt werden kann. Wenn Dutzende dubioser „Osama-Bin-Elvis“-Legenden blühen und widerlegt werden, fällt es nicht mehr auf, dass es sich bei der mit präsidialer Autorität verkündeten „Wahrheit“ ebenfalls um eine dubiose Legende handelt.
Während sich dort also schon subtilere Methoden im Wahrnehmungsmanagement und der Verteidigung der offiziellen Verschwörungstheorie andeuteten, wurden in Deutschland weiter mit den Brachialmethoden Diffamierung und Zensur gearbeitet. Als ich im Juli 2011 einen Anruf bekam: „Hier ist Ken Jebsen, Radio Fritz, wir würden gern ein Interview mit Ihnen machen über Ihr neues Buch zu 9/11“, dachte ich an den üblichen Drei-Minuten-Schnack, doch wir redeten dann nicht nur eineinhalb Stunden, sie wurden dann auch, auf vier Stunden Sendung verteilt, komplett gesendet.
Ich war total überrascht, nicht nur über diesen Reporter, der das Buch wirklich gelesen hatte und mit einem langen Katalog spannender Fragen angerückt war, was in der Branche keineswegs üblich ist, sondern vor allem darüber, dass meine Antworten ungekürzt gesendet wurden. Dieser Ken Jebsen hatte es gewagt, das 9/11-Tabu zu ignorieren und zur Prime Time im ARD-Radio der Kritik an der offiziellen Legende breiten Raum zu verschaffen. Und die Botschaft rüberzubringen: Jeder, der sich nur zwei Stunden mit den Ungereimtheiten dieser Legende befasst und mit einem IQ über Bordsteinkante ausgestattet ist, kann alles in allem nur zu dem Schluss kommen, dass es sich um ein Märchen handelt — und eine neue Untersuchung des Verbrechens fordern.”
Weiter lesen hier, oder im Buch: Mythos 9/11 – Bilanz eines Jahrhundertverbrechens. Westend. August 2021. 144 Seiten. 14 Euro.
3JT #66: Vietnam 2.0
Der Regierungswechsel in Afghanistan lief reibungsloser als nach der US-Präsidentenwahl. Ohne einen Schuss abzugeben, haben die Taliban am Wochenende in Kabul die Macht übernommen. Haben die Amerikaner in Afghanistan gerade ihr “Vietnam 2.0” erlebt? Sind die Taliban 2.0 noch dieselben, die 2001 verjagt wurden? Und was bedeutet das auf dem geopolitischen Schachbrett? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #66 des 3. Jahrtausends.
So sehen Sieger aus!
“Die Leute sagen, das Pentagon hätte keine Strategie”, sagte der Militär-Stratege und Air-Force-Pilot John Boyd einmal, “aber sie liegen falsch. Das Pentagon hat eine Strategie und die lautet: Unterbreche niemals den Geldfluß, vermehre ihn.” Weil kein 4-Sterne-General und kein Politiker für verlorene Kriege zur Verantwortung gezogen wird, kann auch “Sleepy Joe” Biden, der einen halbwegs geordneten Abzug verschlafen hat, das Chaos in Kabul einfach den “den Afghanen” zuschreiben. Und seine Generäle müssen nach dem nunmehr versiegenden gigantischen Geldfluß im “Great War On Terror” neue Dollarströme generieren. Willkommen auf der neuen “Achse des Bösen”, deren Route nicht zufällig längs der alten (und neuen) Seidenstraße – China-Taliban-Pakistan – verlaufen wird. Unter dem Dach der SCO (Shanghai Cooperation Organisation), der außer China und Russland noch Kasachstan, Kirgistan, Tadschikstan, Usbekistan, Indien, Pakistan und seit letzter Woche auch der Iran angehören.
Diplomatische Delegationen der Taliban sind in den letzten Monaten bei allen diesen Nachbarstaaten vorstellig geworden und haben ihre Kooperationsbereitschaft signalisiert und den Chinesen und Russen garantiert, das von ihrem Boden aus keine islamistischen Infiltrationen durch “Al CIAda” mehr stattfinden werden. In Turkmenistan wurden sie vorstellig um die Sicherheit der geplanten Unocal-Pipeline durch Afghanistan zu garantieren – anders als ihren Vorgängern 1996-2001 kann man den Taliban 2.0 jetzt nicht mehr mit einem “Teppich voller Bomben” drohen, wenn sie “zu hohe” Transitgebühren für ihr Land fordern. So etwas entlockt ihnen nur noch ein mitleidiges Schulterzucken. Auch die Ausbeutung ihres wichtigste Rohstoffschatzes – die größten Lithium-Reserven der Welt – werden sie sich fair bezahlen lassen. Sowie die Heroin Ratten-Linie der CIA dicht machen und selbst die Exportgewinne einstreichen.
Die Karten im Great Game werden gerade neu gemischt, der Poker in Pipelinestan geht in eine neue Runde und wie es ausschaut hat das Team USA/NATO inkl. der heldenhaften Bundeswehr maximal verzockt und wenig Chancen, dort nach 20 Jahren Kriegslügen als Freiheits,-und Friedenstsifter noch ernst genommen zu werden. Frankreichs Mini-Napoleon Macron hat deshalb schon mal empfohlen, am Besten mit Bürgerkrieg weiter zu machen und die Tadschiken gegen die Taliban aufzurüsten. Frieden in Afghanistan soll es also nicht geben: Unterbreche niemals den Geldfluß…und wenn du selbst nicht die Eier hast, gegen die seit Alexander dem Großen (326 v.Chr.) unbezwingbaren Paschtunen anzutreten, dann hetze ihre Nachbarstämme gegen sie auf. Dem großen Eroberer gelang es seinerzeit immerhin, ein buddhistisch-griechisches Königtum zu etablieren, das sich knapp 200 Jahre halten konnte, doch seitdem ist die Halbwertzeit der von Invasoren installierten Marionettenherrscher rapide gesunken. Und spätestens jetzt, wo die hochgerüstete Supermacht USA samt ihrer NATO-Vasallen wie ein Hund vom Hof gejagt wird, sollte klar sein: der Stamm der Paschtunen, dem auch die meisten Taliban-Kämpfer angehören, läßt sich nicht unterwerfen.
Ja aber den Sieg dieser Fundamentalisten, die jetzt ihr islamistisches Emirat errichten und für Spotify, Netflix und Frauenrechte keinerlei Verständnis zeigen, das kann man*frau doch nicht gutheißen ? Weil der zu erwartende Turbo-Modus der Propaganda über die neue “Schreckensherrschaft” der Taliban derlei woke Bullshit-Empörung noch steigern wird, die Taliban*innen 2.0 aber schon angekündigt haben, dass sie sich bei der neuen afghanischen Verfassung an der von 1964 orientieren wollen, hier ein fotografischer Rückblick auf diese Zeit, in der Frauen studierten und Kabul über eine weltweit anerkannte Spitzenuniversität verfügte – sowie in den 1970er Jahren über eine quasi sozialdemokratische Regierung, die gute Beziehungen zur Sowjetunion unterhielt. Bis Zbigniew Brzezinski – nationaler Sicherheitschef unter Jimmy Carter, außenpolitischer Berater von vier weiteren Präsidenten inkl. Obama und neben “Bloody Henry” Kissinger der große alte Mann der amerikanischen Geopolitik- auf die Idee kam , in Pakistan massenhaft Koranschulen einzurichten und religiös motivierte bewaffnete “Freiheitskämpfer” der Mujaheddin (“Gott ist an eurer Seite!”) nach Afghanistan zu schicken – und mit einem Aufstand die Russen zum Einmarsch zu locken. “Zbig” kann somit nicht nur als Erfinder und Züchter des terroristischen Islamismus und “Al Qaida” gelten, sondern auch als Vater der Taliban. Er war bis an sein Lebensende 2005 stolz, mit bewaffneten religiösen Fanatikern den “gottlosen” Russen ein Falle gestellt und ihnen in Afghanistan “ihr Vietnam” bereitet zu haben. Tatsächlich hat er jetzt mit dieser Methode den Amerikanern ihr “Vietnam 2.0” beschert.
Wie eingangs zitiert, geht es nicht darum, in Schlachten zu siegen und Kriege zu gewinnen – und schon gar nicht um “Demokratie”, “Menschenrechte”, “Freiheit” usw. – es geht darum, mit permanenten Kriegen den Geldfluß in Gang zu halten. Für die Leichenberge und Billionenkosten dieses Kriegs wird NIEMAND zu Verantwortung gezogen, so wenig wie für 20 Jahre Lügen über diesen Krieg und über die große Lüge, die an seinem Anfang steht: 9/11. Dass aber die nächste große Kriegslüge gegen die nächste “Achse des Bösen” schon in Arbeit ist, darauf kann man*frau jede Wette halten…
Uncle Sams Junk: Heroin, Taliban, Pakistan
Nach der weitgehend unblutigen Übernahme der Hauptstadt Kabul und dem Abzug der US-und Nato-Besatzung aus Afghanistan ist jetzt die (mindestens) 20 Milliarden $-Frage offen: wer übernimmt das Opium/Heroin-Geschäft, das unter der ersten Regierung der Taliban (1996 -2000) fast auf Null reduziert worden war und von Uncle Sam’s NATO in 20 Jahren Besatzung auf historisches Rekordniveau gepusht wurde ? Nachdem die gestern hier erschienene Kolumne vom 6.Oktober 2001 ein wenig Hintergrund zur Entstehung der “Heiligen Krieger” und des islamistischen Terrorismus lieferte, heute ein weiterer Auszug aus der 9/11-Trilogie 11.9. – 20 Jahre danach. Einsturz einer Legende , die in den nächsten Tagen erscheint – zur Rolle und Bedeutung des Drogengenschäfts in imperialistischen Kriegen.
10.10.01
Uncle Sams Junk: Heroin, Taliban, Pakistan
»Germans to the front!« Dieser Befehl eines alliierten Generals erschallte zuletzt im Sommer 1900, als ein deutsches Kontingent die britischen Truppen gegen den »Boxeraufstand« unterstützte, mit dem sich die Chinesen gegen die Besatzung der Kolonialmächte auflehnten. Vor den ausrückenden Truppen hielt Kaiser Wilhelm seine berüchtigte »Hunnen-Rede«:
“Kommt ihr vor den Feind, so wird er geschlagen, Pardon wird nicht gegeben; Gefangene nicht gemacht.Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bekannt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.”
Von derlei martialischem Sound sind wir 100 Jahre später nun nicht mehr allzu weit entfernt. Eine lancierte Geheimdienstmeldung dürfte ausreichen – wie damals die Falschmeldung an den Kaiser, am Tag zuvor seien alle deutschen Botschaftsangehörigen in China ermordet worden–, und die »Hunnen« wären wieder da. Wie damals geht es im Hintergrund des »Zivilisationskrieges« freilich um eher unzivilisierte, konspirative Geschäfte, und wie in China steht auch in Afghanistan dabei ein ganz besonderes Produkt im heimlichen Mittelpunkt: Opium.
»Es ist eine Forderung der Natur, dass der Mensch mitunter betäubt werde, ohne zu schlafen« – auch wenn man Goethes Erkenntnis als frühes Plädoyer eines natürlichen Rechts auf Rausch auslegen kann, spielten die Deutschen im Betäubungsmittelgeschäft der Kolonialmächte keine große Rolle. In China hinterließen sie nur ihr bis heute berühmtes »Tsingtau-Bier« und heimsten sich trotz Kaiser Wilhelms spontanen Hunnenausfalls dort keinen Ruf als brutale Imperatoren ein. Anders die Engländer, die Ende des 17. Jahrhunderts ihren Handel mit China begannen, deren Handelswaren wie Wolle und Eisen dort aber kaum gefragt waren. Um die begehrten chinesischen Seidenstoffe, Tees und Gewürze nicht in Silber zahlen zu müssen, beginnt die britische Ostindische Kompanie, aus ihrer frisch eroberten Provinz Bengalen Opium nach China zu exportieren. Sie lässt sich dabei auch von einem kaiserlichen Import- und Rauchverbot, das 1729 ergeht, nicht abhalten und liefert 200 Kisten (13 Tonnen). 1767 sind es schon fünfmal soviel, 1820 werden 670 Tonnen, 1838 schon 2680 Tonnen Opium nach China geliefert. Damit ist Opium nun das umsatzstärkste Produkt der Weltwirt- schaft – und als der aufrechte chinesische Beamte Lin Tse-Hu 950 Tonnen des lukrativen Stoffs vernichten lässt, beginnt England den ersten Opiumkrieg, an dessen Ende es Hongkong und weitere fünf chinesische Hafenstädte erobert und das Geschäft weiter ankurbelt. 1880 werden gigantische 7 000 Tonnen aus Indien nach China geschifft, mindestens zehn Millionen Chinesen sind nunmehr opiumsüchtig. (Zum Vergleich: Hundert Jahre später, in den 1980ern, wurden für den medizinischen Weltverbrauch jährlich ca. 1 700 Tonnen Opium gewonnen. 1999 produzierten afghanische Farmer CIA-geschätzte 1 670 Tonnen, ca. 80 Prozent des – illegalen – Weltverbrauchs.) Das Geld für den Aufstieg der englischen Schäfer- und Fischerinsel zur Weltmacht des Britischen Empire kam im Wesentlichen aus diesem schmutzigen Hinterhofgeschäft der »Honorable East India Company«. Und als die Chinesen derlei Zivilisationsleistungen des Westens endgültig überdrüssig wurden, trat für die Deutschen der »Bündnisfall« ein, und sie wurden, wenn auch nur für ein kleines Scharmützel, an die Front zitiert.
Dass jetzt ausgerechnet Tony Blair auf die Taliban als »die größten Heroinproduzenten der Welt« hinweist und für die Germans erneut der Bündnisfall eingetreten ist, entbehrt insofern nicht eines gewissen Déjà-vu – zumal wenn man sich anschaut, wie das Opium- und Heroingeschäft in der pakistanisch-afghanischen Region organisiert ist. Als die Pioniere des psychedelischen Großhandels, die kalifornische Brotherhood of Eternal Love, in den 60er Jahren für erste internationale Nachfrage nach den lokalen Hanf- und Mohnprodukten sorgte, zahlten sie fünf bis zehn Dollar für ein Kilogramm Haschisch und 50 bis 100 Dollar für ein Kilo Opium. Die Wiederentdeckung dieser Substanzen in der westlichen Kultur und die verschärften Prohibitions- und Kontrollmaßnahmen sorgten dafür, dass sich diese landwirtschaftlichen Produkte in den folgenden zwei Jahr- zehnten im Preis mehr als verhundertfachten. Heroin jedoch spielte in der Region keine Rolle, was sich mit dem Einmarsch der Sowjetunion 1979 aber ziemlich abrupt änderte. Entlang der Grenze wurden vom pakistanischen Militärgeheimdienst ISI Heroinlabors angelegt. Professor Alfred McCoy, Autor des Standardwerks “The Politics of Heroin. CIA-Complicity in the Global Drug Trade”, schreibt dazu 1997:
»Diesen Heroinhandel kontrollierten CIA-Mitarbeiter. Bei ihrem Vorrücken auf afghanisches Territorium forderten die Mujaheddin die Landwirte auf, Mohn als Re- volutionssteuer anzubauen. Entlang der Grenze in Pakistan operierten unter dem Schutz des pakistanischen Geheimdiensts Hunderte Heroinlabors. In dieser Dekade des völlig offenen Drogenhandels unternahm die US-Drug Enforcement Agency (DEA) in Islamabad nichts, keine Beschlagnahmungen oder Verhaftungen die Regierung hatte untersagt, den Heroinhandel zu verfolgen, und den Krieg gegen Drogen dem gegen die Sowjetunion untergeordnet. 1995 gab der frühere CIA-Direktor der afghanischen Ope- ration, Charles Cogan, zu, dass die CIA den Drogenkrieg tatsächlich dem Kalten Krieg geopfert hatte: »Unser Hauptziel war, den Sowjets soviel Schaden wie möglich zuzufü- gen. Wir hatten nicht die Möglichkeiten, auch noch den Drogenhandel zu verfolgen. Ich denke, dafür müssen wir uns nicht entschuldigen. Jede Situation hat unerwünschte Nebeneffekte, einen Fallout … ja, es gab einen Fallout an Drogen. Aber das Hauptziel haben wir erreicht: Die Sowjets verließen Afghanistan.«
Der »Fallout« resultierte nicht nur in einem Wachstum von null auf ca. 1,5 Millionen pakistanische Heroinabhängige, sondern auch in einer weltweiten Heroinschwemme in den 80er Jahren – und in einer bis heute anhaltenden »Heroinisierung« der pakistanischen Wirtschaft. Nach aktuellen Schätzungen der indischen Regierung lag das Heroingeschäft Pakistans mit einem Volumen von elf Milliarden Dollar im, Jahr 1999 um 30 Prozent höher als der gesamte Staatshaushalt, der ohne diese Schattenfinanzierung nach zehn Jahren Rezession längst kollabiert wäre. Dass der »Kollateralschaden« Heroin nach dem Sieg im Kalten Krieg in Pakistan genauso wenig gestoppt wurde wie die Ausbildung von Assassinen in Terrorlagern, hatte mit ihrer fortgesetzten Nützlichkeit zu tun: Die Heiligen Krieger wurden noch für die Destabilisierung in Tschetschenien und anderswo gebraucht und die Heroindollars zur Begleichung der pakistanischen Waffenkäufe (in den 90er Jahren über 30 Milliarden Dollar). Erst als den CIA-Oberen ihre Kreation Osama Bin Laden 1998 langsam recht ungemütlich wurde, drängten sie die Pakistani ernsthaft, auch die Heroinproduktion herunterzufahren – was diese brav taten und sie auf Taliban-Gebiet verlegten, während die Labors weiter unter pakistanischer Kontrolle stehen. Seitdem ist der Mohnanbau in Afghanistan schwunghaft gestiegen und war für die Taliban die einzige Einnahmequelle, bis sie sich auf Drängen der Amerikaner auf einen Produktionsstopp einließen. Als der Taliban-Botschafter im Mai 2001 in Islamabad mit den Amerikanern über Entschä- digungszahlungen für die Farmer verhandelte und ziemlich exakt die zwölf Milliarden, die das Heroingeschäft per anno abwirft, »für das afghanische Volk« forderte, wurden ihm zuerst 1,5 Millionen angeboten und dann 43 Millionen Dollar zugesagt und überwiesen. So hoch sollen nach pakistanischen Schätzungen die Einnahmen der Taliban aus dem Rohopiumhandel im Vorjahr gewesen sein.
In seinem allerletzten Interview, das Scheich Massud, der von zwei Selbstmord-Reportern wenige Tage später ermordete Chef der Nordallianz, zwei regulären Reportern des Pariser Figaro und des Rolling Stone gab, erfahren wir dazu:
»Die Taliban haben ausreichend Vorräte, um noch zwei oder drei Jahre weiter zu exportieren. Es waren im Übrige die großen Drogenhändler, die den Produktionsstopp veranlassten, nicht Mullah Omar. Sie wollen, dass die Preise steigen … Die Taliban kassieren zehn Prozent Landwirtschaftssteuer für die Opiumfelder ein. Dann kassieren sie eine Fabrikationssteuer: 180 Dollar pro Kilopaket, das offiziell abgestempelt wird. Dann folgen Verkaufssteuer und schließlich noch eine Transportsteuer, wenn die Ware mit dem Flugzeug erst nach Kabul und dann nach Kunduz geflogen wird. Ohne Stempel und Deklarationen der Taliban passiert kein Paket die Grenze. «
Das eigentliche Geschäft wird dann in den von CIA und ISI kontrollierten Labors entlang der Grenze und in der Distribution gemacht. Wie in einer Nussschale haben wir hier die beiden Monster der Neuzeit – »Terrorismus« und »Drogen« zusammen und können erkennen, dass es sich um zusammenhängende und hausgemachte Phänomene handelt. Die Junkies in aller Welt – und da die USA mit fünf Prozent der Weltbevölkerung ca. 50 Prozent aller illegalen Drogen verbrauchen, sind das meist amerikanische – haben in den vergangenen 20 Jahren nicht nur die korrupte Clique eines Militärgeheimdiensts finanziert, sondern auch den Aufbau von Islamschulen (Taliban = Schüler des Islam) und die Züchtung Tausender gehirngewaschener Terrorkrieger – und zwar im höheren Sinne ihrer Regierung, den Sowjets »soviel Schaden wie möglich zuzufügen«. Da kein demokratisches Parlament der Welt einer solchen geopolitischen Guerillastrategie öffentlich zustimmen, geschweige denn sie finanzieren würde, braucht man dafür andere, diskrete Einnahmequellen. Eben deshalb stoßen die Drogenfahnder der Drug Enforcement Agency bei 75 Prozent aller großen Fälle, so der bereits zitierte Andreas von Bülow, »auf die schützende Hand« der Geheimdienste. Als »Schmiermittel des Terrors« waren illegale Drogen mit ihren riesigen Gewinnspannen bis dato für die Geheimdienste unverzichtbar, und wir dürfen gespannt sein, wie sich die Lage jetzt entwickelt. Seit dem Militärputsch 1999 war Pakistan von neuen IWF-Krediten ausgeschlossen und konnte seine alten Kredite nur noch mit riesigen »privaten« Zuschüssen aus dem Heroin-Business bedienen. Sollte es dem jetzt ernsthaft an den Kragen gehen, stünde der Staatsbankrott Pakistans unmittelbar ins Haus, doch das werden die USA ihrem nunmehr wichtigsten Verbündeten nicht zumuten. Weil sie aber als größter globaler Schuldner selbst pleite sind und nicht mal locker per Marshallplan zwölf Milliarden im Jahr spendieren können, dürfen die »nützlichen Hurensöhne« des pakistanischen ISI ihr Heroin wohl erst mal weiter produzieren. (10.10.2001)
Im April 2002 melden die Nachrichtenagenturen eine der größten Opiumernten in Afghanistan seit langem. Überall hatte die Nordallianz auf ihrem Vormarsch die Bauern wieder animiert, Mohn anzubauen. Laut BBC soll die Ernte den Bedarf der Heroinlabors für die kommenden zwei bis drei Jahre decken.”
P.S. 16.8.2021: Die Opiumproduktion stieg von 185 Tonnen im letzten Jahr der Taliban-Regierung 2001 dank der heldenhaften “Verteidigung der Freiheit am Hindukusch” bis zum Jahr 2017 auf 9000 Tonnen und betrug 2020 6300 Tonnen.
Taliban ? Da war doch was….
Die großen Chinook-Hubschrauber auf diesem Video evakuieren nicht die Belegschaft der US-Botschaft in Saigon 1975, sondern am 15.8.2021 die Angestellten des Empire of Chaos aus der Botschaft von Kabul. Einige Stunden zuvor wurde schon gemeldet, das Taliban-Truppen das Walhalla der Nato, die US- Militärbasis Bagram, belagert und übernommen haben. Einmal mehr haben die tapferen Stämme des Hindukusch dem Nimbus und Namen Afghanistans als “Friedhof der Imperien” Ehre gemacht. Und werden uns jetzt in der Presse als “Taliban” einmal mehr als islamistische Terrorherrscher präsentiert, die “das Land in’s Chaos stürzen” – als ob es da nach 20 Jahren Krieg und Besatzung nicht längst wäre. Und als ob die militanten “Schüler des Islam” nicht genauso von Uncle Sam herangezüchtet und ausgestattet worden wären wie ihre Kollegen von “Al Qaida”. Und als ob man nicht bis Mai 2001 mit ihnen über die Transitzahlungen für die gepante Pipeline aus Usbekistan verhandelt und sie vor die Wahl zwischen “einem Teppich voller Geld” oder “einem Teppich voller Bomben” gestellt hätte. Und als ob nicht die Taliban-Regierung nach 9/11 sogar der Auslieferung Osama Bin Ladens zugestimmt hätte, sofern die USA Beweise für seine Täterschaft vorlegen (die niemals kamen). Diese Hintergründe sollten stets dazu gedacht werden, wenn der Abzug der Nato-Truppen und der Sieg der Taliban nun in apokalyptischen Bildern ausgemalt wird. Wie die Aufrüstung religiöser “heiliger Krieger” zu Söldnern und “moderaten Terroristen” vonstatten ging, hatte ich vier Wochen nach 9/11, am 6.Oktober 2001, in meinem konspirologischen Tagebuch notiert.
Der Text ist Teil der 9/11-Trilogie 11.09. – 20 Jahre danach. Einsturz einer Legende. (Westend 1179 Seiten. 18 Euro), der Ende August erscheint.
6.10.01
Jihad Inc. – Made in USA
“Dass im Zuge der »emotional correctness« derzeit jeder Hinweis auf die katastrophale US-Außenpolitik als »antiamerikanisch« gilt, kann nicht weiter überraschen – schließlich gilt ja auch der bis vor kurzem von aller Welt als Pappnase eingestufte Dabbelju Bush mittlerweile als weiser, besonnener, quasi-heiliger Großimperator. Bis vor kurzem traute ihm kaum jemand zu, dass er Afghanistan korrekt buchstabieren kann, nun sollen ihn alle Nicht-Terroristen dufte finden, weil er die Welt vom Terror befreit. Bin Laden hingegen, mit dessen Familienclan die Bush-Family schon vor über 20 Jahren Geschäfte machte, der von den USA als Anführer des saudischen Mujaheddin-Kontingents im Afghanistankrieg ausgebildet und finanziert wurde, ist zum globalen Satan des 21. Jahrhunderts mutiert. Und die Taliban, Mitte der 90er unter Patronage der CIA vom pakistanischen Geheimdienst Inter Services Intelligente (ISI) installiert, wandelten sich zu archaischen, zum Abschuss freigegebenen Untermenschen. Doch auch auf dieses Drama passt der Titel, den der Konspirologe Antony Sutton einst für die US-Finanzierung Hitlers und der Sowjets prägte: Best Enemy Money Can Buy.
Zwar wird auch in der CNN-Version der Realität in den Lebensbeschreibungen Bin Ladens seine Zusammenarbeit mit der CIA in den 80er Jahren manchmal kurz gestreift – sie war so offen und ist so gut dokumentiert, dass sie nicht völlig ausgespart werden kann –, ansonsten aber starten die Biographien vom reichen Saudi-Erben zum globalen Terrormonster in der Regel erst in den 90ern. Im Zuge der medialen Gleichschaltung fällt das im Westen kaum noch jemandem auf, in anderen Teilen der Welt bemerkt man indessen nicht ohne Ironie den »loss of memory«, den ausgerechnet das Supermekka der Informationstechnologie in Sachen ihres ehemaligen Angestellten befallen hat. So der indischen Zeitung The Hindu am 27. September in einem Artikel über »The Creation of Osama«, die in diesem Zusammenhang auch ein aktuelles Statement zitiert, das in den Westmedien natürlich unter den Tisch fällt:
»Die Revolutionary Association of the Women of Afghanistan (RAWA), die seit langer Zeit in Opposition zum Taliban-Regime steht, unterstrich in ihrem Statement, das die terroristischen Attacken verurteilt, die Tatsache, ›dass die Menschen in Afghanistan nichts mit Osama und seinen Komplizen zu tun haben. Aber unglücklicherweise müssen wir feststellen, dass es die Regierung der Vereinigten Staaten war, die den pakistanischen Diktator Gen. Ziaul-Haq dabei unterstützte, Tausende von Religionsschulen zu eröffnen, die den Keim für die Entwicklung der Taliban legten. In einer ähnlichen Art war Osama, wie jeder weiß, der blue-eyed boy der CIA.‹
Nun mag man eine feministische, vermutlich links orientierte Zelle als Beweis für die aktive Rolle der USA bei der Züchtung von neuen Assassinen als nicht ausreichend empfinden. Anders sieht es allerdings bei der Quelle aus, auf die der Artikel verweist und die er ausgiebig zitiert: das im Frühjahr 2000 bei Yale-University-Press erschienene Werk “Taliban. Militant Islam, Oil and Fundamentalism in Central Asia.” Der Autor, Ahmed Rashid, ist als Seniorkorrespondent der Far Eastern Economic Review und des (konservativen) Daily Telegraph in London sowie als ausgewiesener Kenner der Region über jeden Zweifel an seiner Seriosität erhaben – und lässt dennoch keinen Zweifel daran, dass es die Amerikaner waren, die die Brutstätten des islamistischen Terrors in Pakistan und Afghanistan förderten und massiv unterstützten.
1986, so Rashid, verschärfte CIA-Chef William Casey den Krieg gegen die Sowjetunion mit drei Maßnahmen: Er überzeugte den Kongress, die afghanischen Mujaheddin mit Stinger-Raketen auszurüsten und ihnen Ausbildung und Unterstützung für den Guerillakrieg zukommen zu lassen. In Zusammenarbeit mit dem pakistanischen ISI und dem britischen MI 6 war darüber hinaus geplant, mit »islamischen« Terrorattacken die angrenzenden Sowjetrepubliken Usbekistan und Tadschikistan zu destabilisieren. Drittens unterstützte die CIA fortan die Bemühungen des ISI, in anderen islamischen Ländern Kämpfer für den Heiligen Krieg zu akquirieren und sie in einem Netz von Lagern und »Religionsschulen« ideologisch und militärisch auszubilden:
»Zwischen 1982 und 1992 erhielten 35000 radikale Muslime aus 43 islamischen Ländern ihre Feuertaufe bei den afghanischen Mujaheddin. Zehntausende mehr kamen, um in einem der Hunderte von Madrassas zu studieren, die Zias Militärregime in Pakistan und entlang der Grenze eröffnet hatte. Insgesamt kamen über 100000 radikale Muslime in Pakistan und Afghanistan in Kontakt mit dem Jihad …
In Camps bei Peshawar und in Afghanistan trafen sich diese Radikalen zum ersten Mal und lernten und trainierten miteinander. Es war ihre erste Gelegenheit, etwas über islamische Bewegungen in anderen Ländern zu hören. So wurden taktische und ideologische Verbindungen gelegt, die sich in der Zukunft als nützlich erweisen sollten. Diese Camps wurden zu den virtuellen Universitäten für die Zukunft des islamischen Radikalismus. «
Nicht in Hamburg-Harburg, sondern an diesen Terroruniversitäten wurden die neuen Assassinen ausgebrütet und jene Spezies gehirngewaschener islamischer Gotteskrieger programmiert, deren Kommilitonen mit dem perversen Anschlag vom 11.9. nun ihrem Hauptsponsor aufs Dach gestiegen sind. »Pack schlägt sich, Pack verträgt sich«, könnte man dazu zynisch feststellen: So wie den Amerikanern in ihrem heiligen Krieg gegen das »Reich des Bösen« jedes Mittel recht war auch die Unmoral, unschuldige junge Muslime von religiösen Fanatikern zu Selbstmordbombern drillen zu lassen und ihnen dann Sprengstoff in die Hand zu drücken –, so kennen diese heiligen Krieger im Kampf gegen ihren Lehrherrn jetzt keinerlei moralische Grenzen mehr.
Dies alles gilt es festzuhalten, nicht um einer dümmlichen »Ätsch«- oder »Selber Schuld«-Geste willen – sondern um bei der Frage, wie der Terrorismus künftig wirksam bekämpft werden kann, wirklich weiter zu kommen. Der Anfang muss auf dem schmuddeligen Hinterhof der inoffiziellen US-Außenpolitik gemacht werden, jenem geostrategischen Genlabor, das monströse Produkte wie Bin Laden und seine Assassinen freigesetzt hat – und das ein Regime wie die Taliban noch im Mai 2001 mit 43 Millionen Dollar sponsort, so wie die Todesschwadronen in Kolumbien, die »Befreiungsarmee« im Kosovo usw.
Zu Osama vermerkt Ahmed Rashid in seinem Buch noch ein weiteres interessantes Detail: Der ISI hatte sich beim saudischen Geheimdienstchef Prinz Turki Bin Faisal beschwert, dass sich aus seinem Land nur Taxifahrer, einfache Studenten und Beduinen für den Jihad melden würden, aber kein Mitglied der königlichen Familie bereit sei. Mit Bin Laden war dann 1982 zwar kein echter »Royal«, aber doch ein Spross aus einem der mächtigsten Clans des Landes gefunden, um das saudische Kontingent im Heiligen Krieg anzuführen. In Bin Ladens Familie und auch im Königshaus soll der Entschluss enthusiastisch begrüßt worden sein. Dass das saudi-amerikanische Engagement für die Mujaheddin und Bin Laden seit 1990 beendet sein soll, wie es in der CNN-Version der Realität immer wieder beschwörend heißt, wird von Ahmed Rashids Studie leider nicht bestätigt. Noch im Juli 1998 machte Prinz Turki einen Besuch in Kandahar, wenige Wochen später, so Rashid, wurden den Taliban 400 Pick-up-Trucks geliefert, noch mit arabischen Nummernschildern. Kurz darauf gingen die Bomben in den afrikanischen US-Botschaften hoch, wahrscheinlicher Organisator: Bin Laden; wahrscheinlicher Aufenthaltsort: Kandahar – dort, wo jetzt die ersten Bombardierungen der »Terrorlager« der Taliban erwartet werden. Was die Lokalisierung angeht, wird die NATO dabei keine größeren Probleme haben – sie haben die Lager ja schließlich selbst gebaut. ” (6.1.2002)
Der Text ist Teil der 9/11-Trilogie 11.09. – 20 Jahre danach. Einsturz einer Legende. (Westend 1179 Seiten. 18 Euro), der Ende August erscheint.
Mythos 9/11 und die Medien
Der zweite Teil des Interviews für die Nachdenkseiten, das Marcus Klöckner mit mir führte.
Der Begriff „Verschwörungstheorie“ ist eine „Diskurskeule zur Desinfektion des Meinungskorridors“. Das sagt Mathias Bröckers im zweiten Teil des NachDenkSeiten-Interviews (den ersten Teil finden Sie unter diesem Link). Der Begriff, so Bröckers, erlebe mit den Varianten „Verschwörungserzählung“, „Verschwörungslegende“ oder „Verschwörungsideologie“ geradezu eine „virale Inflation“. Und damit ist der Mitbegründer der taz und Bestsellerautor auch schon mittendrin in der Beschreibung des Kampfes um die Deutungshoheit. Ein Interview über den Umgang der Medien mit den Anschlägen vom 11. September 2001, über die Erfahrungen, die Bröckers mit Journalisten im Zusammenhang mit 9/11 machen musste, sowie über die Frage, ob sich an der Strategie der Medien im Umgang mit unliebsamen Meinungen etwas geändert hat.
Herr Bröckers, wie haben Sie den Zustand der Medien in der Zeit nach dem 11. September wahrgenommen?
Die Reporterlegende Dan Rather, Nachrichtenchef des Senders CBS, hatte es auf den Punkt gebracht: »George Bush ist der Präsident. Er trifft die Entscheidungen. Und wie es sich für einen Amerikaner gehört: Wo immer man mich haben will, ich reihe mich ein.« Die Berichterstattung über die Anschläge vom 11. September und ihre direkten Folgen, die Kriege in Afghanistan und im Irak, waren dann auch von einer Einheitlichkeit geprägt, die mit Journalismus nichts mehr zu tun hatte: Die »freie Presse«, die Wachhunde der Demokratie, waren zu Schoßhunden und Lautsprechern der US-Regierung mutiert. Sie produzierten Propaganda. Und reagierten auf Gegenstimmen genauso, wie es die CIA 1967 für Kritiker der offiziellen Einzeltäter-Version des Kennedy-Mords empfohlen und George W. Bush es gerade noch einmal bekräftigt hatte: Sie wurden als frevelhafte Verschwörungstheoretiker und boshafte Lügner durchs mediale Dorf getrieben.
Wie ist der Zustand der Medien heute?
Eine Besserung sehe ich nicht, im Gegenteil, denn als Kampfbegriff der psychologischen Kriegsführung erlebte die Phrase „Verschwörungstheorie“ als Diskurskeule zur Desinfektion des Meinungskorridors ja eine virale Inflation sondergleichen, mittlerweile auch in den Varianten „-Erzählung“, „-Legende“, „-Ideologie“ usw. Skepsis und Kritik gegenüber Regierungs-Verlautbarungen werden damit systematisch tabuisiert und können mit dieser Denunziationsvokabel einfach unter den Teppich gekehrt werden.
Damit wären wir auch beim Hauptthema dieses zweiten Teils unseres Interviews: Medien und Medienkritik. In den vergangenen 20 Jahren wurde die Medienkritik immer lauter. These: Die Anschläge vom 11. September und das Verhalten der Medien danach, haben dazu geführt, dass die Medienkritik sich in die Breite gestreut hat und viele Bürger die Berichterstattung heute viel sensibler und kritischer betrachten, als es noch vor 9/11 war. Stimmen Sie der These zu?
Internet und digitale Medien steckten 2001 noch in den Anfängen, sich jenseits des Nachrichten-Mainstreams zu informieren, war noch nicht so einfach und diese Möglichkeiten werden von Vielen stärker genutzt. Insofern sind sicher viele Menschen skeptischer geworden, weil sie leichter überprüfen können, inwieweit die in der „Tagesschau“ präsentierte Realität den wirklichen Ereignissen entspricht. Das erfreulichste Feedback auf meine 9/11-Serie bei Telepolis und das erste Buch 2002 war der Dank vieler Leser, dass sie wegen der zahlreichen Links und Quellen gelernt hätten, selbst im Netz zu recherchieren. Kurz vor Drucklegung hatte mich der Verleger noch um einen Vorspann gebeten: „Du musst erklären was eine Suchmaschine ist, das kennen die Leute nicht.“ Die kleine web-pädagogische Handreichung „Zweimal täglich googeln“ gereichte mir allerdings eher zum Nachteil. Meine Quellen wurden durchweg als »unseriös«, »dubios« und »lachhaft«, weil »nur bei Google recherchiert« eingestuft, obwohl mehr als 90 Prozent der angegebenen Links auf bekannte »seriöse« Medien verwiesen. Dass das Internet ein Übermedium ist, in dem alle anderen Medien erreichbar sind, hatte der »Holzjournalismus« 2001 noch nicht verstanden und verkaufte das Internet als Drohkulisse für die garantierte Unseriosität gefährlicher Informationen.
Im ersten Teil Interviews wurde schon deutlich, dass Sie auch im Zentrum des Kampfes um die Deutungshoheit gestanden haben. Sie selbst haben Medien immer wieder kritisiert, aber auch Medien haben Sie scharf attackiert. Würden Sie uns mehr von Ihren Erfahrungen erzählen?
Ich hatte ja ordentlich recherchiert, so gut wie ich es als freier Ein-Mann-Betrieb konnte und war schockiert, wie blind und taub sich sämtliche Großmedien stellten angesichts der haarsträubenden Ungereimtheiten, Widersprüche und offenen Fragen in der offiziellen Darstellung der Ereignisse. Das musste man einfach scharf kritisieren, wenn einem Rechtsstaat und Pressefreiheit noch irgendetwas wert waren. Dass ich selbst heftig angegriffen und diffamiert wurde, lag dann weniger an meiner Person und ihrem weitgehend untadeligen Lebenslauf, sondern folgte eher dem klassischen „Kill The Messenger“-Muster: den Überbringer unerwünschter Nachrichten zu denunzieren um sie leichter ignorieren zu können. Dass die Weltöffentlichkeit über 9/11 massiv getäuscht worden war, dafür gab es Dutzende materielle Beweise, die sich nicht mehr einfach als »spekulativ« vom Tisch wischen ließen – außer mit der Stigmatisierung des Überbringers als frevelhafter „Verschwörungstheoretiker“
Nach der Regel, wie derlei Disqualifikation in Deutschland abläuft – und die mein einstiger taz-Kollege Wiglaf Droste einmal auf den Punkt brachte: »Wer zuerst Auschwitz sagt, hat gewonnen!« –, hatte mir der damalige Spiegel-Autor Henryk M. Broder ja schon gleich am 14. September 2001 im Radio und auf seiner Webseite ein »krankes Hirn« bescheinigt, das in einer Reihe mit Auschwitz-Leugnern und den »Protokollen der Weisen von Zion« stünde – und wünschte mir zum Abschluss seiner Suada den Tod als „Fettfleck an einer Hochhauswand“. Weil ich den selbsternannten „Antisemitismusbeauftragten“ Broder noch nie wirklich ernst nehmen konnte, antwortete ich nur mit einer Mail, dass ich, mit 65 Kilo und 177 Zentimetern, anders als kleine Fettsäcke, keine Flecken hinterlasse. Als Ken Jebsen mich dann 2011 über das Buch zum 10. Jahrestag im rbb interviewte, wurde Denunzinant Broder erneut aktiv, um ihn aus dem Sender zu mobben.
Damals haben Sie sich mit einem Spiegel-Reporter getroffen. Im Cafe „Einstein“ in Berlin. Sie saßen dort und waren: „aufgeräumter Stimmung“. Der Spiegel-Reporter hat zumindest diese Formulierung verwendet. Eine eigenartige Formulierung. Ich zitiere aus dem Artikel: „Bröckers, 48, er nennt sich einen ‚Konspirologen‘, hat einen Bestseller des Unbehagens verfasst. Er trinkt Milchkaffee im West-Berliner Café ‚Einstein‘, er ist aufgeräumter Stimmung, er raucht kurze Zigaretten ohne Filter. Er sagt, die Sonnenbrille auf die Stirn geschoben: ‚Es geht doch hier nicht darum, Herrn Bush irgendwie dumm anzupissen‘, und das sagt er, als müsste ‚Herr Bush’ ihn, Bröckers, kennen. Oder fürchten.“
Erinnern Sie sich noch daran, was Sie damals gedacht haben, als Sie den Artikel gelesen haben?
Zum Glück hat er nicht erwähnt, dass ich auch gern mal lange Zigaretten mit Haschisch rauche – wobei in dem Artikel schon vorkam, dass ich mal ein Buch über Hanf geschrieben habe und schon von daher womöglich wirr im Kopf sein könnte. Aber im Ernst: Ich dachte natürlich: „So ein A….!“, weil in dem ganzen Artikel weder der Buchtitel noch der Verlag genannt und aus dem knapp zweistündigen Gespräch über 9/11 als einziger O-Ton nur dieser bescheuerte Nebensatz zitiert wurde. Als nach dem Treffen der Spiegel-Fotograf anrief und für das Foto einen „mystischen Hintergrund“ wünschte war mir aber schon klar, dass es in dem Artikel nicht um Wahrheitsfindung, sondern um das Porträt eines durchgeknallten Spinners mit irrem Blick gehen sollte. Weil das Foto dann aber stinknormal geriet, packte man noch eine „Teufelsfratze im WTC-Rauch“ dazu, um dann daneben mit der ganz großen Keule zuzuschlagen „Was für manchen Rechten die ›Auschwitzlüge‹ ist, konnte für manchen Linken die ›Septemberlüge‹ werden. Eine verdrängte Wahrheit, um die Weltanschauung nicht verändern zu müssen.“
Lügner und Nazi – mehr Höchststrafe geht für einen Autor eigentlich nicht. Doch was hier mit küchenpsychologischer Begründung als Totschlagargument gedacht war, liefert glaube ich die Erklärung für die höchst eigene Verdrängungsleistung des Spiegel (und der Medien insgesamt) in Sachen 9/11. Nicht ich musste zwanghaft lügen und Bin Laden und Co. reinwaschen, um meine »Weltanschauung« zu retten, sondern umgekehrt: Der Spiegel und die Großmedien mussten das Osama-Märchen erzählen, damit ihr »altes Weltbild« von der freiheitlichen, demokratischen Führungsmacht USA nicht zusammenbricht.
Der Spiegel-Reporter war Ulrich Fichtner. Spulen wir nach vorne in das Jahr 2018. Stichwort: Der Skandal um die gefälschten Beiträge des Spiegel-Reporters Claas Relotius. Die etwas zu kreativen Beiträge von Relotius hatten dann laut Medienberichten auch Auswirkungen auf Fichtner. Was waren Ihre Gedanken?
Dass ich ihm diese Art von Pseudo-Journalismus schon im Oktober 2002 vorgeworfen hatte, als Walter van Rossum uns zu einem „WDR-Funkhausgespräch“ live in den Ring geladen hatte. Fichtner hatte die »9/11 – Was wirklich geschah«-Serie des Spiegels, eine im Reportagestil von einem Dutzend Autoren montierte Geschichte der »wirklichen« Ereignisse, als Buch mit herausgebracht – und warf mir in der Diskussion immer wieder meine »unseriösen Quellen« aus dem Internet vor. Ich hielt dagegen, dass die Real-Life-Suggestionen der Spiegel-Reporter, die so tun, als würden sie den »Terroristen« bei der Vorbereitung des Anschlags über die Schulter schauen, die ganze szenische Dramaturgie mit atmosphärischen Einsprengseln und der »Wir waren dabei und kennen die Wahrheit«-Gestus, nichts mit Journalismus zu tun habe. Nach Punkten und dem Beifall der 200 Zuschauer hatte ich das Match damals klar gewonnen, Fichtner stieg mit diesem Reportage-Schwurbel dann beim „Spiegel“ auf und wäre heute Chefredakteur, wenn sein Musterschüler Relotius nicht aufgeflogen wäre.
In dem Artikel „Die September-Lüge“ wählt Fichtner einen szenischen Einstieg: „Trocken und heiß zog der 9. September über Toronto auf, Montag vor fünf Wochen, für Punkt 10 Uhr Ortszeit war Delmart »Mike« Vreelands Verhandlung bei Gericht angesetzt, aber Vreeland kam nicht, und so begann, im Wirrwarr der Geschichten, schon wieder eine neue.“„Trocken und heiß zog“ also dieser Septembertag „auf“. Das wirkt so schön authentisch, oder? Relotius verfasste seine Beiträge genau in dem Stil, den der Spiegel offensichtlich so schätzt: literarisch, erzählend. Mussten Sie im Zuge der „Relotius-Affäre“ auch an das Spiegel-Buch zum 11. September denken?
Was dem kreativen Jungautor Relotius vorgeworfen wurde, dass er zum Beispiel aus stinknormalen Trump-Wählern einer Kleinstadt in Minnesota ein finsteres Nest waffentragender Dumpfbacken gemacht hatte, ist letztlich genau das, was seine Vorgesetzten Fichtner et. al. nach dem 11. September 2001 betrieben haben. Mit dem einzigen Unterschied, dass sie sich Osama und die 19 »Hijacker« als Alleintäter nicht selbst ausgedacht haben, sondern vom Weißen Haus unhinterfragt übernahmen und dann eine geile Story nach der anderen daraus gestrickt haben. Dass die wahren Fakten völlig unklar und entscheidende Fragen offen waren, war zweitrangig – das Narrativ stimmte und der Schwurbel kam auf die Titelseite. Es geht nicht darum »sagen, was ist«, wie es einst Rudolf Augstein zur journalistischen Übermittlung und Einordnung von Fakten vorgegeben hatte, es geht im ehemaligen Nachrichtenmagazin nur noch um pseudojournalistisches Agendasetting und »Ausmalen, wie sich’s anfühlt«.
Die Anschläge scheinen jedenfalls für nahezu alle großen Medien abgehakt. Ein historisches Ereignis, das sich nun jährt. Das war’s. Ärgert Sie das?
Es ist ein gigantischer Skandal. „Well now, what can a poor boy do? ‘Cept to sing for a rock-n-roll band“. Weil ich nicht singe, schreibe ich darüber. Den „Street Fighting Man“ zu geben, dafür fühle ich mich ein bisschen zu alt, aber die Revolution ist nötiger denn je. Und ohne eine Neu-Ermittlung und Aufklärung von 9/11 als False-Flag-Operation wird sich nichts ändern, die Verantwortlichen sind nach wie vor auf freiem Fuß. Wer sich darüber nicht ärgert, hat mit den Traditionen der Aufklärung und der Demokratie nun wirklich nichts mehr am Hut. Weil dauerhaftes Ärgern aber keine gesunde Haltung ist, nehme ich den Niedergang des Journalismus eher resigniert zur Kenntnis.
Hat sich etwas an den Strategien, die Medien damals im Kampf um die Deutungshoheit angewandt haben, etwas geändert?
Eigentlich nicht, nur sind jetzt mit dem Wachstum der sozialen Medien sehr viel mehr Leute davon betroffen. Nach 9/11 waren es im deutschsprachigen Raum kaum eine Handvoll Autoren, die das offizielle Narrativ kritisch unter die Lupe nahmen, die konnte man recht einfach in eine Kiste mit der Warnung „Verschwörungsfanatiker“ (Spiegel) packen. Jetzt muss man den Twitter-Kanal von Donald Trump mit 70 Millionen Followern löschen, um eine bananenrepublikanische Zählung und Deutung der Wahlergebnisse sicher zu stellen. Eine Zensur findet aber nicht statt und Pressefreiheit ist weiterhin offiziell garantiert. Doch wenn man den Kommandeur der größten Weltmacht ungestraft von der Kommunikation abschneiden kann, ist auf dieser nach oben offenen Trump-Skala künftig alles möglich und kein kleinerer Akteur muss sich mehr wundern, wenn ihm der Saft abgedreht wird. Presse- und Meinungsfreiheit sind natürlich weiterhin gegeben, doch wer gehört werden darf und wer nicht, entscheidet kein ordentliches Gericht, sondern eine unsichtbare Instanz von Tech-Oligarchen, die über den Gesetzen steht und auch einen gewählten Präsidenten einfach abschalten kann. Da müssen sich dann im Netz erfolgreiche Journalisten, Blogger oder Youtuber nicht wundern. Willkommen bei der Silicon-Valley-Stasi, dem Wahrheitsministerium von Google, den Faktencheckern von Facebook und der Bewegtbildkontrolle von Youtube. Wem da der Satz von Adorno einfällt – „Ich betrachte das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potentiell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie“ – muss sich freilich hüten, nicht umgehend als gefährlicher Dissident zu gelten. Mit einer massiven Tendenz zum Totalitarismus hat das nämlich alles gar nichts zu tun – nur „Verschwörungsideologen“ können so etwas behaupten.
Gerade gab es in Berlin die Demonstrationen für die Grundrechte. Der Tagesspiegel hatte dazu einen „News-Blog“ eingerichtet. Wenn ich richtig gezählt habe, dann waren in 18 Einträgen im „News“- Blog Begriffe wie „Corona-Leugner“, „Verschwörungsgläubige“ und „Corona-Verharmloser“ zu finden. Sieht so nun der „Nachrichtenjournalismus“ aus?
Nach 9/11 reichte noch ein Besen, jetzt muss gekärchert werden, um die Desinfektion des Meinungsspektrums zu gewährleisten und multimedial möglichst 100-prozentige Diskurshygiene sicher zu stellen. Wer etwa die Unfehlbarkeit der neuen Dreifaltigkeit aus Regierung, Robert Koch-Institut und Professor Drosten bezweifelte und ihre Behauptungen und Maßnahmen in Frage stellte, musste umgehend mit Sanktionen rechnen, nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch am Arbeitsplatz und privat. Die erzeugte Panik vor dem unsichtbaren Schrecken, von dessen Existenz die Weltöffentlichkeit ohne PCR-Tests nie erfahren hätte und dessen Tödlichkeit dann je nach Region als normale oder schwere Grippewelle in die Sterbestatistiken eingegangen wäre, übertraf die Angst vor dem Terror nach dem sichtbaren Schrecken von 9/11 bei Weitem. Und entsprechend auch die Bereitschaft, als Antwort und Lösung dieser apokalyptischen Bedrohung sofort in einen Krieg, nunmehr »gegen das Virus« zu ziehen. Dass eine solche desinfektionistische Kriegshaltung, ein „Krieg gegen Viren“, noch absurder ist als ein „Krieg gegen Terror“, dies klarzumachen, wäre die Aufgabe eines funktionierenden, aufklärerischen Journalismus gewesen. Doch wie nach dem 11. September 2001 schalteten die Medien umgehend auf Kriegspropaganda. Skepsis und Widerspruch werden tabuisiert und denunziert, Kritiker als »Lebensgefährder« zu asozialen, unsolidarischen Volksfeinden gestempelt, Proteste gegen die Pandemie-Maßnahmen zu Aktionen von Nazis, Rechtsradikalen und gefährlichen „Verschwörungsideologen“ erklärt . Auch wenn die Pandemie so überraschend kam wie die Attacken des 11. September, wurde die »Wahrheit« dann genauso schnell verkündet und steht seitdem unverrückbar fest: ein tödliches Killervirus, dem nur mit Krieg (Maskenzwang/Lockdown/Versammlungsverbot/Ausgangssperren et cetera) begegnet werden kann, bis die Bevölkerung durchgeimpft ist. Sachlich kann diese „Wahrheit“ nicht mehr diskutiert werden, sie ist in den Bereich der Glaubensfragen verschoben und so muteten die Zeitungen mit ihrem Zahlenkonfetti der Inzidenz dann auch so an wie der „Wachturm“ der „Zeugen Coronas“. An einigen Orten sollen ja auch schon Corona-Missionare mit irgendwelchen Broschüren an Haustüren klingeln, um die „Impfbereitschaft“ zu erhöhen. Der Corona-Zirkus hat fraglos kultische, religionsartige Züge angenommen und die Medien werden nicht müde, das paradoxe Dogma dieses Kults zu predigen: nämlich einerseits „auf die Wissenschaft“ zu hören und die Gefährlichkeit des Killervirus ernst zu nehmen, aber andererseits sämtliche Kriterien dieser Wissenschaft zur Erprobung von Impfstoffen sofort zu vergessen.
Welches Fazit ziehen Sie aus Ihren Erfahrungen mit den Medien und dem Verhalten der Journalisten?
Als der Schriftsteller Upton Sinclair für sein Enthüllungsbuch über die Monopole, Methoden und Manipulationen der amerikanischen Presse ( The Brass Check. A Study Of American Journalism, Pasadena 1919, ) keinen Verleger fand, brachte er es im Selbstverlag heraus. Es wurde von den Zeitungen nicht rezensiert, die New York Times weigerte sich sogar, Anzeigen für das Buch aufzunehmen. Heute, wo das Geschäftsmodell der anzeigenfinanzierten Tageszeitungen zu Ende geht, wäre man da in Sachen bezahlter Anzeigen vermutlich deutlich ungenierter. Sinclair zitiert dort eine Rede, die der ehemalige Redaktionsleiter der New York Post und Doyen des amerikanischen Pressewesens, John Swinton, 1880 vor dem vornehmen New Yorker Presseclub gehalten hatte:
»Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Sie wissen es, und ich weiß es. (…) Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammons zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es, und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen, und wir tanzen. Unsere Talente, unser Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“
Das bringt den Zustand der aktuellen „Pre$$titution“ leider noch immer ziemlich genau auf den Punkt.
- Bröckers, Mathias: Mythos 9/11 – Bilanz eines Jahrhundertverbrechens. Westend. August 2021. 144 Seiten. 14 Euro.
- Bröckers Mathias/ Hauß Andreas/ Walther, Christian C.: 11.09. – 20 Jahre danach. Einsturz einer Legende. Westend. 16.08.2021. 1100 Seiten. 18 Euro.
- Böttcher, Sven/Bröckers, Mathias: Das fünfte Flugzeug – Der 9/11 Thriller. Fifty-fifty. 19.07.2021. 426 Seiten. 12 Euro.
Erschienen auf den Nachdenkseiten, auch als Podcast
Mythos 9/11: Die Lüge wird als Wahrheit akzeptiert
Marcus Klöckner hat für die Nachdenkseiten mit mir über das neue Buch gesprochen. Hier der erste Teil des Interviews. (Hier der zweite Teil)
20 Jahre sind seit den Terroranschlägen von jenem Dienstag im September 2001 vergangen, die die Welt verändert haben. Seit 20 Jahren stehen sich zwei „Wahrheiten“ gegenüber, die nicht miteinander zu vereinen sind. Die offizielle Version markiert die eine „Wahrheit“, festgeschrieben im Bericht der 9/11-Kommission, wonach Osama Bin Laden und sein Terrornetzwerk für die Anschläge vom 11. September verantwortlich sind. Die andere „Wahrheit“ findet sich in Begriffen wie „Staatsterrorismus“ und „Operationen unter falscher Flagge“. Mathias Bröckers, Mitbegründer der taz und Bestseller-Autor, war einer derjenigen, die die offizielle Version der Anschläge in New York und Washington von der ersten Stunde an hinterfragt haben. In dem Buch „Mythos 9/11 – Bilanz eines Jahrhundertverbrechens“ hat Bröckers gerade seine über 1000 Buchseiten zum 11. September mit einem neuen Buch ergänzt. In einem zweiteiligen NachDenkSeiten-Interview blickt Bröckers zurück auf jenen Tag und auf die Zeit, die folgte, und zieht ein Resümee. Außerdem hat er auch einiges über die Medien und die Berichterstattung zu sagen.
Herr Bröckers, seit „9/11“ sind fast 20 Jahre vergangen. Wer war für die Anschläge verantwortlich?
Das ist bis heute nicht wirklich ermittelt. Es gibt zwar eine Anklageschrift – den Report der 9/11-Untersuchungskommission – der Osama Bin Laden und 19 „Hijacker“ der Tat bezichtigt, aber kein ordentliches Gericht hat jemals über die Stichhaltigkeit dieser Anklage befunden. Der Kronzeuge für die Alleintäterschaft Bin Ladens und der „Hijacker“, Khalid Scheich Mohamed, wurde in Guantanamo vor seiner Aussage 182 Mal dem Waterboarding unterzogen. Zwar ließ selbst die „Heilige Inquisition“ nach dem Erscheinen der Cautio Criminalis des Jesuiten Friedrich Spee ab Mitte des 17. Jahrhunderts zunehmend davon ab, Beweisgeschichten über Teufel und Hexen mit Gewalt zu erpressen, doch seit 9/11 sind die Methoden des »Hexenhammers« von 1486 wieder en vogue. Und nach George W. Bushs Diktum „Mit uns oder mit den Terroristen“ sind wie im Original – »Es ist eine sehr große Häresie, nicht an das Wirken von Hexen zu glauben« – diejenigen, die das Wirken des Teufels (»Osama«) bestreiten, selbst von ihm besessen (»Terroristen«).
Bevor wir näher auf die Anschläge eingehen, lassen Sie uns ansprechen, was jener Tag im September 2001 ausgelöst hat, was er bedeutet und wie Sie damit verbunden sind. 9/11 war nicht nur der Anfang des globalen „War on Terror“, also dem „Krieg gegen den Terrorismus“. 9/11 hatte gewaltige Auswirkungen auf unterschiedlichen Ebenen, die bis heute präsent sind.
Dieser Tag bescherte dem neo-konservativen „Project New American Century“ (PNAC) das „katalysierende Ereignis“, das dieser Think-Tank mit vielen Mitgliedern der Bush-Regierung 1999 als erforderlich angesehen hatte, um massive militärische Aufrüstung für eine globale „Full Spectrum Dominance“ gegenüber der Bevölkerung durchzusetzen. Nach dem Abhandenkommen des Großfeinds Sowjetunion und Kommunismus drohten dem militärisch-industriellen Komplex erhebliche Umsatzeinbußen, die ohne eine neue Großbedrohung nicht wettzumachen waren. Nach Bushs massiver Aufrüstung bis 2009 haben seine Nachfolger das Pentagon-Budget noch einmal verdoppelt. Diese Anstrengungen im „War On Terror“ haben seitdem mehr als 800.000 Menschen das Leben gekostet und zahlreiche Länder verwüstet. Diese mörderischen Kriege sind sicher die tragischste Auswirkung der Anschläge. Zudem hatte der Phantomteufel „Terror“ noch den Vorteil, dass man ihn nicht nur im Ausland, sondern auch im Inland „bekämpfen“ konnte, mit einer massiven Aufrüstung zur Überwachung und Kontrolle der gesamten Bevölkerung. Der nach 9/11 vom US-Parlament ungelesen durchgewunkene „Patriot Act“ verschaffte Geheimdiensten und Polizei Möglichkeiten des Ausspähens und Abhörens, gegen die das „Horch und Guck“ der DDR-Stasi fast wie ein Kindergarten wirkt, was spätestens die Enthüllungen von Edward Snowden sehr deutlich gemacht haben.
Schon zu einem frühen Zeitpunkt nach den Anschlägen formierten sich im Internet Personen und Gruppen, die das Geschehen in den USA grundlegend hinterfragten.
Plötzlich war er da, der Kampf zwischen etablierten Medien und den alternativen Formaten. Auch wenn es schon früher, auch schon vor dem Internet, diesen „Kampf“ um unterschiedliche Wirklichkeitsauffassungen gab: Das Ausmaß hat sich verändert, oder?
Das Internet steckte 2001 noch in den Kinderschuhen. Die meisten Menschen informierten sich noch über die klassischen Medien. Netzrecherche war bei Journalisten noch ziemlich unbekannt und die Zeitungen und Radios, für die ich damals arbeitete, wollten von den Fragen und Fakten, auf die ich bei meinen ersten Recherchen gestoßen war, nichts wissen. Und „alternative Formate“ mit einer gewissen Reichweite gab es so gut wie keine, auch die taz, die ich in den 80ern als Redakteur mit aufgebaut hatte, war ja wie auch die Grünen seit dem Jugoslawienkrieg auf US- und NATO-Kurs eingeschwenkt. Was im Internet veröffentlicht wurde, blieb noch unter dem Radar der großen Medien, der „Kampf“ um die Deutung der Ereignisse fand weitgehend nur in Kommentaren und Blogs im Netz statt, die aber noch nicht wie heute Facebook & Co. von den Massen genutzt wurden, sondern eher von Nerds und IT-Freaks.
Sie waren damals ganz vorne mit dabei. Sie haben bei Telepolis eine Serie von Artikeln veröffentlicht, in der Sie Ungereimtheiten und Auffälligkeiten nachgegangen sind. Ihre Positionierung blieb nicht ohne Auswirkungen auf Sie selbst. Was ist damals vorgefallen? Und wie wirkt Ihre öffentliche Auseinandersetzung mit 9/11 auf Sie bis heute nach?
Ich war ja am 11. September 2001, wie schon in den Monaten zuvor, dabei, ein Buch über Verschwörungen zu schreiben. 1999 hatte ich mit Robert Anton Wilson, dem Autor von „Illuminatus“, des berühmtesten und witzigsten Verschwörungsromans überhaupt, sein „Lexikon der Verschwörungstheorien“ auf Deutsch herausgebracht. Als der Verlag sich ein weiteres Buch zum Thema wünschte und Robert schwer erkrankt war, hatte ich mich allein ans Werk gemacht, um anhand des historischen Materials die allgemeinen Merkmale, Strukturen und Verwendungsweisen von Verschwörungstheorien aufzuzeigen.
Sie waren also, was Verschwörungen und Verschwörungstheorien angeht, „warmgelaufen“, um es mal so zu formulieren?
Ich steckte in der Tat tief drin in einer Materie, die dann mit dem Anschlag hochaktuell wurde. Ich kam mir vor wie ein Archäologe, der seinen Forschungsgegenstand plötzlich live und auf freier Wildbahn beobachten konnte: DAS Verbrechen des Jahrhunderts und das „Making of…“ einer Verschwörungstheorie live im TV. Am Vormittag hatte ich notiert: „Verschwörungstheorien reduzieren komplexe Ereignisse auf einen Sündenbock und werden zu Propagandazwecken eingesetzt“.
Ziemlich schnell war der Namen Osama Bin Laden in den Medien zu hören.
Bereits eine Stunde nach den Anschlägen wurde er als Verdächtiger genannt und im Verlauf des Abends und der Nacht stand dann schon fest, dass nur er dahinterstecken konnte. Und mit der Elefantenspur am Flughafen – dem Koffer des „Rädelsführers“ Mohamed Atta samt Koran, Testament und Boeing-Handbuch – war auch der „islamistische“ Hintergrund vollkommen klar. Dass jede „Tatort“-Redaktion dem Drehbuchautor einen derart dumpfen Plot um die Ohren hauen würde, tat dem Erfolg der Story aber keinen Abbruch – im Reality-TV mit nahezu gleichgeschalteten Medien kam die US-Regierung damit durch. Der gigantische Schrecken, die der Massenmord und der Einsturz der WTC-Türme heraufbeschworen hatte, schrie gleichsam nach einem Sündenbock und einer Lösung und George W. zog sie – wie auch den „Patriot Act“ – aus der Schublade: „Bin Laden“ und „Krieg“. Ohne meine auf Komplexitätsreduktion, Sündenböcke und Propaganda eingestellte Optik hätte ich wie wohl die meisten Menschen erstmal keine großen Zweifel an der Geschichte gehabt, so aber fiel mir schon nach einer Stunde auf, dass hier etwas nicht stimmt. Und ich schrieb am folgenden Tag darüber einen Artikel. Dass daraus eine Serie mit 57 Folgen werden würde – immer noch abrufbar: „The WTC Conspiracy“ – war nicht geplant, aber da der Rest der Medien sich blind und taub stellte und zu Stenographen der Bush-Regierung mutierten, blieb mir nichts anderes übrig, denn die Ungereimtheiten waren offensichtlich und wurden ja nicht weniger, im Gegenteil.
Ihre Beiträge auf Telepolis blieben aber erstmal noch unter dem Radar der Medien, oder?
Ja, weitestgehend. Erst als die ungeheuren Ungereimtheiten und Widersprüche der offiziellen 9/11-Version im Sommer 2002 gedruckt schwarz auf weiß vorlagen, wurden sie zum Skandal, oder richtiger: nicht die offenen Fragen und ungeklärten Hintergründe wurden zum Skandal, sondern ich als Überbringer dieser Botschaft. Vorgegangen wurde dabei mit dem Üblichen: Denunziation und Diffamierung, in diesem Fall als anti-amerikanischer, anti-semitischer, anti-rationaler »Verschwörungstheoretiker«. Dabei hatte ich gar keine Theorien über die Täter und Hintermänner der Anschläge aufgestellt oder verbreitet, sondern nur anhand zahlreicher, unbestreitbarer Fakten belegt, dass es sich bei der offiziellen Geschichte um eine unbewiesene Verschwörungstheorie handelt.
Kommen wir zu den Anschlägen als solches. Mittlerweile ist eine neue Generation herangewachsen, die zum Zeitpunkt der Anschläge entweder noch sehr jung oder noch gar nicht geboren war. Wie würden Sie dieser Generation den 11. September erklären?
So wie man meiner Generation, wenn sie sich für Politik und Geschichte interessierte, „Sender Gleiwitz“ oder „Golf von Tonkin“ erklärt hat: als „False Flag“-Operation, mit der ein Angriffskrieg begründet und gerechtfertigt wurde. Dem gerade pensionierten Vier-Sterne-General Wesley Clark, der bis 2000 die NATO-Streitkräfte in Europa befehligt hatte, fiel ja der Unterkiefer nach unten, als er kurz nach den Anschlägen das Pentagon besuchte und ein alter Kollege aus dem »Joint Chiefs Of Staff« ihn in sein Zimmer zog: »Ich habe gerade diesen Merkzettel aus dem Büro des Verteidigungsministers bekommen, und hier steht, wir werden sieben Länder angreifen und deren Regierungen innerhalb von fünf Jahren stürzen. Wir werden mit dem Irak beginnen und dann nehmen wir uns Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, den Sudan und den Iran vor, sieben Länder in fünf Jahren.« Dass der ehrgeizige Zeitplan durchaus ins Stocken geraten könnte, hatte Bushs Vize Dick Cheney mit seiner Ankündigung klar gemacht, dass „dieser Krieg länger als eine Generation dauern wird“. Und ein Blick auf den Nahen Osten zeigt: Der mörderische Plan wird weiter abgearbeitet. Auch der angebliche Hoffnungsträger Barack Obama machte damit unbeirrt weiter, ließ in seiner Amtszeit mehr Bomben abwerfen als Bush und hat sich die Umbenennung seines Nobel-Titels in „Friedhofsnobelpreisträger“ redlich verdient.
Ihr aktuelles Buch „Mythos 9/11 – Die Bilanz des Jahrhundertverbrechens. 20 Jahre danach“ umfasst rund 143 Seiten. Dazu kommen noch über 1100 Buchseiten, die Sie in drei Büchern nach dem 11. September veröffentlicht haben und die nun in einer Gesamtausgabe erscheinen. Das ist ziemlich viel Lesestoff für ein Ereignis, das von großen Medien schon sehr früh als quasi „ausermittelt“ betrachtet wurde.
Dass die Bücher aus den Jahren 2002, 2003 und 2011 noch einmal unverändert in einer preiswerten Gesamtausgabe erscheinen, freut mich sehr. Es sind Zeitdokumente, die belegen, dass das Verbrechen des Jahrhunderts nicht ermittelt und aufgeklärt wurde und die offizielle Version der Ereignisse eine haltlose Verschwörungstheorie ist. Auch ich kenne die Wahrheit über den 11. September nicht, die nur mit einem ordentlichen rechtsstaatlichen Verfahren gefunden werden kann, das aber in Sachen 9/11 niemals stattgefunden hat. Als ich jetzt für die Neuausgabe die fast 20 Jahre alten Sachen noch einmal las, kam ich mir tatsächlich vor, wie damals viele Leser: „Das ist ja ein echter Krimi!“ Insofern ist der Wälzer zwar dick, aber nach wie vor spannend zu lesen und nach wie vor leider kein fiktiver Krimi, sondern eine Dokumentation historischer Realität. Und eines himmelschreienden Skandals: der Ignoranz der Medienbranche insgesamt, die ihre kritischen und investigativen Eigenschaften einfach über Bord warf, und des Komplettversagens der Intellektuellen, deren Verstand zwar alle Lügen des dümmlichen George W. Bush durchschaute, aber die offensichtliche 9/11-Lüge als Wahrheit akzeptierte und bis heute weitgehend akzeptiert.
Wer sich mit dem 11. September, den Abläufen, aber auch den Akteuren und schließlich dem Bericht der Untersuchungskommission auseinandersetzt, hat es mit einer Flut an Informationen zu tun. Was sind Ihre stärksten Argumente gegen die offizielle Version?
Vor zehn Jahren habe ich mit Christian C. Walther eine Handreichung für den (nicht vorhandenen) Staatsanwalt verfasst. Sie listet 38 zu ermittelnde Vorgänge auf, stellt die vorliegenden Hinweise und Indizien dar und benennt, welche Zeugen zur Beweisaufnahme vorzuladen und welche Dokumente freizugeben sind, um den jeweiligen Tatbestand zu klären. In diesem Buch werden alle uns zugänglichen empirischen Fakten und Indizien aufgeführt, die auf Verdächtige bei den jeweiligen Vorgängen hinweisen. Unser Job bestand dabei nicht in Hypothesen über mögliche Tathergänge und sondern allein in dem überzeugenden Nachweis, dass die offizielle Version falsch und eine (erstmalige!) Untersuchung und Beweisaufnahme auf strenger rechtsstaatlicher Basis das Gebot der Stunde ist. Auch dann, wenn das US-Imperium to big to fail (und auch to jail) ist und unklar ist, welches Tribunal, welche »Wahrheitskommission«, welches Gericht oder welche Historikerkommission der Zukunft eine solche Ermittlung durchführen kann. 2018 hat ein „Consensus Panel“ von 23 Experten unter Leitung des Philosophen und 9/11-Forschers Professor David R. Griffin neun Kategorien aufgelistet, in denen die Faktenlage der offiziellen Version klar widerspricht: Die Zerstörung der Twin Towers (1), die Zerstörung des WTC 7 (2), der Angriff auf das Pentagon (3) , die 9/11-Flüge (4), die Anrufe aus den 9/11-Flügen (5), die Militärübungen (6), das Verhalten der Militär- und Politikführung (7), Osama Bin Laden und die »Hijacker« (8) sowie das Insider Trading an den Börsen (9). Die Indizien zu jedem dieser Punkte entlarven das offizielle 9/11-Narrativ als gigantischen Schwindel, als schicksalhafte Mutter aller Fake News des 21. Jahrhunderts.
Was können Sie noch anführen?
2020 hat eine aufwändige Studie der Universität Fairbanks/Alaska gezeigt, dass der dritte Turm, das 174 Meter hohe WTC 7, das nicht von einem Flugzeug getroffen wurde, definitiv nicht durch brennende Büromöbel – wie offiziell behauptet – zum Einsturz gebracht worden sein kann. Auch wenn der Einsturz der Türme von Beginn an wie eine „controlled demolition“ aussah, bin ich dieser Frage erst ab 2004 nachgegangen, nachdem ich den Mann interviewt hatte, der als Letzter lebend dem einstürzenden Nordturm entkam: William Rodriguez, der in seiner Hausmeisterloge mit weiteren Zeugen vor dem Einschlag im 80. Stock eine Explosion im Untergeschoss wahrgenommen hatte und für einen Kollegen, der aus dem Fahrstuhl von unten mit brennenden Kleidern kam, einen Rettungswagen rief. Er wurde als „9/11-Hero“ vom Präsidenten mit einem Orden ausgezeichnet, weil er ein verschlossenes Treppenhaus geöffnet und dadurch Dutzenden Menschen das Leben gerettet hat, seine Klage gegen die Bush-Regierung wegen Verschwörung und Vertuschung der Anschläge wurde 2006 vom Gericht abgewiesen.
Wie sieht es mit dem 9/11 Commission Report aus, also der offiziellen Untersuchung?
Da kommen Zeugen wie William Rodriguez und die Aussagen vieler anderer wichtiger Zeugen überhaupt nicht vor und die Kernaussagen des Kronzeugen Khalid Scheich Mohamed zur Täterschaft von Bin Laden und „Al Qaida“ beruhen allein auf Folterprotokollen. Als der Report 2004 erschien, schrieb ich eine Rezension unter dem Titel „Harry Plotter und die Teppichmesser des Schreckens“ und bescheinigte dem Bericht: „Mythischer Kern, sagenhafte Struktur , gruselndes Ambiente – der Report der 9/11-Kommission hat das Zeug zum magischen Bestseller.“ Zu diesem Zeitpunkt wusste ich zwar, dass der Spiritus Rector und Chefautor des Reports, Professor Philip Zelikow, eine enger Vertrauter der nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice war. Dass er aber auch, laut seiner Universität Virgina, Experte »in der Schaffung und Erhaltung von, in seinen Worten, ›öffentlichen Mythen‹ oder ›öffentlicher Annahmen‹ war, die er als ›Glauben‹ definiert, den man als wahr annimmt (auch wenn man es nicht mit Sicherheit weiß)“, war mir unbekannt. Ebenso unbekannt war mir die Tatsache, dass er sich „in seiner akademischen Arbeit (…) darauf spezialisiert (hat), was er ›Einbrennen‹ und ›Formen‹ von Ereignissen nennt, die eine ›transzendente‹ Rolle einnehmen und deshalb ihre Kraft behalten, auch wenn die Generation, die sie erlebt hat, schon vergangen ist.“ Dass dies dem Mythenmetz und Märchenschmied Philip Zelikow mit seiner Prosa meisterhaft gelungen ist, muss man zum 20. Jahrestag neidlos konstatieren. Die aus Fakten und Fiktionen zusammengeschraubte Erzählung des 9/11-Reports hat die Anschläge erfolgreich kanonisiert und historisiert, Zweifel sind Tabu…
Lesetipp:
- Bröckers, Mathias: Mythos 9/11 – Bilanz eines Jahrhundertverbrechens. Westend. August 2021. 144 Seiten. 14 Euro.
- Bröckers, Mathias/ Hauß, Andreas/ Walther, Christian C.: 11.09. – 20 Jahre danach. Einsturz einer Legende. Westend. 16.08.2021. 1179 Seiten. 18 Euro.
- Böttcher, Sven/Bröckers, Mathias: Das fünfte Flugzeug – Der 9/11 Thriller. Fifty-fifty. 19.07.2021. 426 Seiten. 12 EuroErschienen auf den Nachdenkseiten, auch als Podcast
Mythos 9/11: Alles klar, Herr Kommissar
Am 2. August ist “Mythos 9/11 – Die Bilanz des Jahrhundertverbrechens” erschienen. Hier ein Auszug aus der Einleitung:
Die Terroranschläge des 11. September 2001 sind das »crime of the century«, das schrecklichste Verbrechen des Jahrhunderts. Nicht nur wegen der 3.000 Menschen, die in den Flugzeugen und durch den Einsturz des World Trade Center ums Leben kamen, nicht nur wegen der hunderttausenden Opfer, die in der Folge im sogenannten War on Terror getötet und den Millionen, die in die Flucht getrieben wurden, und auch nicht nur wegen der Einschränkung bürgerlicher Freiheiten durch eine Flut »Anti-Terror-« und »Sicherheits«gesetzen. Sondern vor allem weil dieses Verbrechen bis heute nicht aufgeklärt ist und seine Hintermänner auf freiem Fuß sind.
Dass der arabische Agent mit dem CIA-Namen Tim Osman, der 1986 in den USA Stinger-Raketen eingekauft, Schulungen erhalten hatte und später als »Osama Bin Laden« bekanntwurde, als Haupttäter die Angriffe aus einer Höhle in Afghanistan organisiert und gesteuert hat – diese schrecklich-schaurige Geschichte entspricht zwar der offiziellen Legende und dem Abschlussbericht der Untersuchungskommission (dem 9/11 Report), hat aber mit den Tatsachen wenig zu tun. Kein Gericht der Welt hätte die zentrale Aussage zur Täterschaft Osama Bin Ladens und der 19 »Hijacker«, die von dem in Guantanamo einsitzenden Kronzeugen Khalid Scheich Mohamed (KSM) in 182 Foltersitzungen durch Waterboarding gewonnen wurde, als beweiskräftig akzeptiert. Die von Präsident George W. Bush erst nach über einem Jahr und massiven Protesten von Opferangehörigen eingesetzte Untersuchungskommission durfte den Kronzeugen nicht persönlich befragen, auch seine Verhörer, denen gegenüber er seine Aussagen gemacht haben soll, durften nicht aussagen. Den Ermittlern wurden die Aussagen des Zeugen nur schriftlich zur Verfügung gestellt und auf Basis dieser Folterprotokolle, aus denen dann dutzendfach zitiert wird, erstellten sie den abschließenden 9/11 Report. Dass sich der Vorsitzende des Ausschusses, Thomas Kean, danach bitter beklagte, dass ihnen zentrale Beweisstücke aus Gründen der »nationalen Sicherheit« vorenthalten worden sind und ihre Ermittlung »zum Scheitern verurteilt« war, nahm dann kaum noch jemand zur Kenntnis. Mit dem Erscheinen des 9/11-Reports, der 2004 in Massenauflage und in dutzende Sprachen übersetzt in die Buchläden der Welt und in die Wiederholungs- schleifen der Medien gedrückt wurde, war das Narrativ von Osama und den 19 Teppichmessern – die Erzählung, dass 9/11 die Tat von 19 Einzeltätern war, die von Bin Laden aus einer afghanischen Höhle gesteuert wurden – als wahre, realitäts- gerechte Beschreibung der Ereignisse zementiert. So wurde die offizielle Legende zum Fanal einer Serie von Kriegen, dem »Great War on Terror«, der nach Aussage des damaligen Vizepräsidenten Dick Cheney »länger als eine Generation« dauern wird und der von langer Hand geplant war. Dem gerade pensionierten Vier-Sterne-General Wesley Clark, der bis 2000 die NATO-Streitkräfte in Europa befehligt hatte, blieb die Spucke weg, als er kurz nach den Anschlägen das Pentagon besuchte und ein alter Kollege aus dem »Joint Chiefs Of Staff« ihn in sein Zimmer zog: »Ich habe gerade diesen Merkzettel aus dem Büro des Verteidigungsministers bekommen, und hier steht, wir werden sieben Länder angreifen und deren Regierungen innerhalb von fünf Jahren stürzen. Wir werden mit dem Irak beginnen und dann nehmen wir uns Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, den Sudan und den Iran, sieben Länder in fünf Jahren.«
Als er sechs Jahre später eine Rede dazu hielt, sagte General Clark: »Ich habe diese Information für lange Zeit für mich behalten. Ich habe darüber etwa sechs oder acht Monate mit nie- mandem gesprochen. Ich war wie gelähmt darüber, ich konnte darüber mit niemandem sprechen. Und ich konnte nicht glauben, dass das die Wahrheit sein kann, aber es ist Wirklichkeit. (…) Dieses Land wurde von einer Gruppe von Leuten durch einen politischen Staatsstreich übernommen! Das waren Wolfowitz und Cheney und Rumsfeld und man kann ein halbes Dutzend anderer Kollaborateure nennen von dem ›Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert‹ (PNAC – US-Denkfabrik in Washington). Sie wollten den Nahen Osten destabilisieren, ihn auf den Kopf stellen, ihn unter unsere Kontrolle bringen.«
Dass sich diese Erkenntnis schon in den ersten Tagen und Wochen nach den Anschlägen gewinnen ließ und die verschleppten und verhinderten Ermittlungen in den Monaten und Jahren darauf die Hinweise auf einen »Staatsstreich« noch erhärteten, all das kann in meinen Büchern aus den Jahren 2002, 2003 und 2011 bis ins Detail nachgelesen werden. Sie erscheinen im Sommer 2021 in einem Sammelband (11.9. – 20 Jahre danach – Einsturz einer Legende, Westend Verlag) noch einmal. Ungekürzt, unkommentiert und genau so, wie sie im Original erschienen sind und in viele Sprachen übersetzt wurden. Mit allen Fehlern und Falscheinschätzungen, aber auch mit all den Fakten und Informationen, die in der offiziellen Darstellung unterdrückt und ausgeblendet wurden. Die aber gleichwohl jedem ordentlichen Kriminalisten oder auch Journalisten, der die Täter und Hintermänner dieses Massenmords wirklich finden will, hätten auffallen und zu denken geben müssen.
Die drei grundlegenden Kategorien zur Überführung eines Täters – Motiv, Mittel und Möglichkeit – scheinen bei Osama Bin Laden auf den ersten Blick vorzuliegen. Als terroristischer Warlord und fanatischer Anhänger des »Heiligen Kriegs« (Jihad) hatte er fraglos ein Motiv, die »gottlose« Moderne und ihr Symbol, das World Trade Center in New York, anzugreifen. Als Sohn eines milliardenschweren Bauunternehmers und er- folgreicher Spendensammler für den »Jihad« verfügte er wohl auch über die notwendigen Finanzmittel, die Anschläge durchzuführen – die 9/11-Kommission, die die Finanzierung der Attacken merkwürdigerweise gar nicht untersucht hat, schätzte den Bedarf auf 500 000 Dollar. Die Möglichkeit, dass 19 »Hijacker« mit Teppichmessern in vier Flugzeuge einsteigen, war wegen mangelnder Sicherheitschecks an Flughäfen ebenfalls gegeben.
Da es aber sehr viele Verdächtige geben kann, die über diese drei großen »M« verfügen, reichen diese Kategorien nicht aus. Zur Überführung des Täters müssen Beweise hinzukommen. Die wurden dann gleich nach den Anschlägen am Flughafen gefunden: Im hängengebliebenen Koffer des vermeintlichen Rädelsführers Mohamed Atta entdeckte man ein Koran-Gebetbuch und sein Testament und in einem der Mietwagen, mit dem seine Komplizen gekommen waren, einen Zettel mit der Handynummer von Osama Bin Laden. Also eindeutige Spuren auf »islamistische« Täter. Bingo!
»Alles klar, Herr Kommissar!« konnte da freilich nur sagen, wer als Kriminalassistent nicht genauer hinschaute und auf gar keinen Fall fragte, wie es kommt, dass die supersmarten Täter einer derart komplexen Attacke derart trottelhafte Elefanten- spuren am Tatort hinterlassen. Und ob derlei Vergesslichkeit damit zu tun hat, dass auch dem »Rädelsführer« Mohamed Atta offenbar erst am Vorabend der präzise geplanten Operation einfiel, dass er noch gar keine Tatwaffe hatte. »Ist das nicht merkwürdig, Chef?«, fragt der Assistent, »ein gigantischer, mit militärischer Strategie geplanter Terroranschlag und der Anführer lässt sich quasi fünf Minuten vorher beim Kauf des Teppichmessers im Supermarkt fotografieren. Und gibt sein Testament als Gepäck für den Flug auf, mit dem er sich eine Stunde später selbst in die Luft jagen will. Zwei Wochen vorher hat er ja noch ein Miles-und-More-Konto eröffnet, um mit dem Flug Meilen zu sammeln. Und die anderen ›Hijacker‹ haben ein paar Tage vor der Tat noch ihre Tickets wegen Falschparkens überwiesen und Miete im Voraus bezahlt – das passt doch nicht zu todesmutigen Selbstmordattentätern. Das müssen wir noch genauer ermitteln.«
Worauf der Kommissar nur sagt: »Hör auf damit, Harry. Generalstaatsanwalt und Regierung haben schon gratuliert, dass wir die Täter so schnell identifizieren konnten. Da werden wir den Teufel tun und weiter ermitteln. Hol schon mal den Wagen.«


