UPDATE: Um eine Auslieferung aus England zu erreichen – was bei drohender Todesstrafe wegen britischer und europäischer Gesetze nicht möglich ist – teilte das US-Justizministerium mit, dass Assange bei einer Verurteilung pro Anklage mit einer Höchststrafe von 10 Jahren Gefängnis rechnen müsse, für die erste Anklage der Verschwörung zum Eindringen in ein Computersystem wäre die Höchststrafe 5 Jahre. Es drohen maximal also “nur” 185 Jahre Gefängnis.
Das US-Justizministerium hat am Donnerstag eine erweiterte Anklage gegen Julian Assange erlassen. Wurde ihm in der ersten Anklage, die im vergangenen Monat veröffentlicht wurde, nur die Verschwörung mit der ehemaligen US-Militärgeheimdienstanalystin Chelsea Manning für einen Hackerangriff vorgeworfen, enthält die neue Anklageschrift nunmehr 18 Punkte, die unter das US-Bundesgesetz des Espionage Act fallen, der den Verrat militärischer Informationen unter Strafe gestellt. Nach dem im ersten Weltkrieg 1917 erlassene Gesetz, dessen Verstoss mit der Todesstrafe geahndet werden kann, wurde bisher noch niemals ein Publizist verurteilt. Die Juristen der Obama-Regierung hatten eine Anklage nach diesem Gesetz zwar erwogen, dann aber fallenlassen, weil davon dann auch sämtliche klassischen Medien betroffen wären, die die von Wikileaks bereitsgestellten Informationen ebenfalls veröffentlichten. “Rechtswissenschaftler glauben, dass die Verfolgung von Reportern wegen ihrer Arbeit das First Amendment (den Verfassungsgrundsatz der Rede,-und Pressfreiheit) verletzte, doch dies wurde noch nie von einem Gericht verhandelt, da die Regierung noch nie einen Journalisten unter dem Espionage Act angeklagt hat”, schreibt die New York Times.
Ein Sprecher des Minsteriums sagte bei einer Pressekonferenz: ” Das Ministerium nimmt die Rolle von Journalisten in einer Demokratie sehr ernst…Es ist nicht und war nie die Politik des Ministeriums, sie wegen ihrer Bericherstattung zu verfolgen. Aber Julian Assange ist kein Journalist.”
Die New York Times merkte dazu an: “Auch wenn er kein konventioneller Journalist ist, ist doch vieles was Assange bei Wikileaks tut auf rechtlich sinnvolle Weise schwierig von dem zu unterscheiden, was traditionelle Presseorganisationen wie die New York Times tun: Informationen zu finden und zu publizieren, die die Regierung geheim halten will, einschließlich Angelegenheiten der nationalen Sicherheit, und Schritte zu unternehmen um ihre Quellen zu schützen.”
Etwas anderes hat Julian Assange nie getan, soll nun aber in einem historischen Präzedenzfall dafür verurteilt werden. Wenn das gelingen sollte ist es mit jeder Form von Pressefreiheit definitiv zu Ende. Nicht nur in den USA, sondern überall dort, wo das Imperium oder seine Handlanger zugreifen können, wäre dann noch echter Journalismus möglich. Wenn nicht spätestens jetzt sämtliche Medien, Pressverbände und alle Institutionen denen an Demokratie und Pressefreiheit noch irgendetwas gelegen ist, auf die Barrikaden gehen, wann dann ?
Freiheit für Julian Assange! Friedensnobelpreis für Chelsea Manning!




