Unabhängig, unerschrocken, unbeugsam – Robert Parry R.I.P.

Mit Robert Parry ist Ende Januar einer der besten und letzten unabhängigen Journalisten der Vereinigten Staaten gestorben. In den 80er Jahren, als Ronald Reagan und sein Vize George Bush Todesschwadronen und Terrormilizen in lateinamerikanischen Ländern unterstützten, war er einer der wenigen Reporter, der diese Art von Außenpolitik als das beschrieb was sie war: mörderisch und kriminell. Für die Nachrichtenagentur AP und das Magazin „Newsweek“ berichtete er von der Front dieser illegalen Kriege – nicht als „emebededes“ Propaganda-Organ, sondern als echter Journalist. Ein Glücksfall, denn sonst wäre 1986 der Absturz eines amerikanischen Transportflugzeugs über dem nicaraguanischen Dschungel samt seiner Kokain-Landung wohl eher im Sande verlaufen. So aber brachten Robert Parrys Reportagen ins Rollen, was als „Iran-Contra-Skandal“ bekannt geworden und mittlerweile in die Geschichtsbücher eingegangen ist: als dokumentiertes Beispiel für Terrorismus, Waffen,- und Drogenhandel im Namen des Staats.

Kurz gefasst wurden in diesem Fall direkt aus dem Weißen Haus, dirigiert von Bushs Adjutant Oliver North, illegal Waffen an den Iran verkauft und der „Contra“-Miliz der Import von Kokain in die USA gestattet, um mit den Profiten aus diesen Geschäften einen Krieg gegen die linksgerichtete nicaraguanische Regierung zu finanzieren. Robert Parrys Berichte sorgten dafür, dass der US-Kongress einen Untersuchungsausschuss startete, der zwar am Ende nur ein paar Bauernopfer kostete, aber dennoch einige Enthüllungen zeitigte, die sehr hilfreich sind. Wenn man verstehen will, wie der „Krieg gegen Drogen“ und der „Krieg gegen Terror“ eigentlich funktionieren und warum sie nicht für weniger, sondern für mehr Drogen und mehr Terror sorgen.

Der Chefpilot der Iran-Contra-Flotte, Barry Seal, hatte wöchentlich bis zu 1.500 Kilo Kokain in die USA gebracht, im Auftrag und unter Aufsicht der CIA, ausgestattet mit modernstem Gerät der US-Armee zur Überlistung der Radarüberwachung. Als dies ruchbar wurde und der Kongress einen Untersuchungsausschuss einberief, kosteten schon die Voruntersuchungen, wie Robert Parry damals schrieb, den Leiter des Ausschusses John Kerry „fast seine Karriere“. Dass er später noch Außenminister wurde und Karriere machte – wie auch die wegen Mitwisserschaft und Vertuschung verurteilten hochrangigen Beamten, Exverteidigungsminister Caspar Weinberger, Sicherheitsberater Robert McFarlane und Admiral John Pointdexter, die von Bush senior bald begnadigt wurden – zeigt schon, dass auch diese Untersuchung nur an der Oberfläche kratzte und die Strukturen dieses Netzwerks organisierter Kriminalität nicht beseitigte. Doch immerhin verdanken wir ihr ein Dokument, das zwar nicht in den Geschichtsbüchern steht, wo die „Iran-Contra“-Geschäfte wenn überhaupt als kleine „Affäre“ vorkommt, das aber die Machenschaften des „tiefen Staats“ völlig unverblümt benennt und rechtfertigt. Es handelt sich um die Aussage des CIA-Chefs William Casey, der auf die Frage ob seine Behörde den massenhaften Import von Kokain, der die Crack-Epidemie in Amerika auslöste, tatsächlich gebilligt habe, zu Protokoll gab:

„Meine Aktionen mögen als kriminell angesehen werden, weil sie zahllose Amerikaner zur Drogenabhängigkeit verdammen. Das ist mir egal. Jeder Krieg produziert Opfer. Grundsätzlich ist ein Krieg um so kürzer, je gewalttätiger er ist. Meine Wahl war, entweder einem andauernden Guerillaaufstand des Kalten Kriegs in Lateinamerika zuzuschauen oder die verfügbaren Mittel zu nutzen, um einen gewalttätigen Krieg von kurzer Dauer für die Demokratie zu finanzieren und zu führen. Ich stehe zu meinen Entscheidungen. Das Werkzeug ist Kokain. Der Trick ist zu verstehen, dass die Drogenkonsumenten die Freiheit der Wahl haben. Sie wählten die Droge. Und ich entschied, ihre Gewohnheit zu benutzen, um die Demokratie zu finanzieren, an der sich alle Amerikaner erfreuen. Und um diese Amerikaner vor der kommunistischen Bedrohung zu schützen, die an unsere Hintertür in Lateinamerika klopft. Um dies zu ändern muss der Drogenkonsument seinen gesellschaftlichen Beitrag leisten.“

Soweit der O-Ton des CIA-Chefs vom 9. Dezember 1986. Und wer sich fragt, warum Amerika heute von einer Opioid- und Heroin-Epidemie in erschreckendem Ausmaß geplagt ist und ob dies etwas damit zu tun hat, dass Afghanistan seit dem Einmarsch der US-Armee zum größten Opiumproduzenten der Welt aufgestiegen ist, muss für eine Antwort eigentlich nur diese Akten studieren. Wobei die Frage, warum diese grausamen Geschäfte seit Jahrzehnten ungestört weiterlaufen, auch recht einfach zu beantworten ist: Journalisten vom Schlage Robert Parry sind eine aussterbende Art. Sein Kollege Garry Webb, der die „dunkle Allianz“ staatlicher und mafioser Strukturen vom Iran-Contra-Import zur Crack-Epidemie weiter verfolgte, verlor seinen Job als Chefreporter der „Mercury News“ und kam später mit zwei Kopfschüssen aber offiziell durch Selbstmord ums Leben. Robert Parry wurde 68 und starb an Krebs – die Website Consortium News, die er in den letzten Jahren aufgebaut hat, soll weitergeführt werden, in seinem Geiste: unabhängig, unerschrocken, unbeugsam. So wie echter Journalismus zu sein hat.

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Auch als Podcast auf KenFM

Mehr über die dunkle Allianz von Krieg und Drogengeschäft in meinem Buch  „Die Drogenlüge – Warum Drogenverbote den Terrorismus fördern und der Gesundheit schaden“ 

Der symbiotische Planet

Kommende Woche wird nach mehr als 20 Jahren wieder ein Buch der Mikrobiologin Lynn Margulis (1938-2011) auf Deutsch erscheinen, die ich für eine der wichtigsten Wissenschaftlerinnen unserer Zeit halte. Ihre Entdeckung, dass sich Leben auf diesem Planeten nicht im “Kampf ums Dasein” entwickelt hat, sondern durch Symbiosen von Einzellern und Bakterien, hat das darwinistische Paradigma von Mutation und Selektion als einzige “Motoren” der Evolution erschüttert.  Ihre erste Arbeit mit Beweisen für diese These wurde 1966 von 12 Fachverlagen als zu “revolutionär” abgelehnt. Eine ausführliche Rezension erscheint hier demnächst. Jetzt aber schon einmal der Hinweis auf eine TV-Sendung, in der Lynn Margulis und ihre revolutionäre Symbioseforschung ein Thema sein wird, am kommenden Donnerstag um 21 Uhr auf 3sat: Die Macht des Miteinander  – Symbiosen sind die Voraussetzung für Biodiversität

Lynn Margulis: Der symbiotische Planet oder Wie die Evolution wirklich verlief
208 Seiten, 20,00 Euro, erscheint am 9.2. im  Westend-Verlag

Update: Hier der Buchtipp von Gert Scobel: “Absolut lesenswert” seine Kolumne zum Thema Symbiosen

Wimpel verbrennen muss erlaubt bleiben!

Vergangene Woche  hat der Bundestag die Einsetzung eines Antisemitismusbeauftragten beschlossen. Dieser soll künftig ressortübergreifende Maßnahmen der Bundesregierung zur Bekämpfung von Antisemitismus koordinieren und für aktuelle und historische Formen des Antisemitismus sensibilisieren.

So sieht es ein gemeinsamer Antrag von Union, SPD, FDP und Grünen vor, der die Notwendigkeit eines solchen Beauftragten unter anderem mit der Gefahr eines durch Zuwanderung erstarkenden Antisemitismus begründet. Neben der neuen Stelle werden weitere Maßnahmen vorgeschlagen, etwa Ausländer, die zu antisemitischem Hass aufrufen, bevorzugt abzuschieben. Auch die AfD-Fraktion hat dem Antrag zugestimmt, die „Linke“ hat sich aus Protest enthalten, weil sie bei der Ausarbeitung des Antrags nicht beteiligt worden ist. Die Union hatte darauf gedrängt, „extreme“ Parteien bei der Abfassung auszuschließen und damit das nicht nach einer „Lex AfD“ aussah durfte auch die Linke, die den Antrag mitgetragen hätte, nicht dabei sein.

In welchem Ministerium die neu geschaffene Stelle angesiedelt wird ist noch unklar, ebenso wie die Person, die sie besetzen wird. Davon wird natürlich abhängen, was ein Bundesbeauftragter in dieser Position bewirken kann. Aufrufe zu rassistischem Hass und Gewalt fallen ja auch jetzt schon unter das Strafrecht, ebenso wie die öffentliche Leugnung des Holocausts; auch bisher schon können verurteilte Straftäter ohne deutsche Staatsbürgerschaft  leichter abgeschoben werden als ihre gesetzestreuen Landsleute.  Was der neue Funktionsträger da zusätzlich tun soll und welche „Maßnahmen“ ergriffen werden sollen, um den Judenhass einzudämmen, ist ebenfalls noch offen – und auch wenn es grundsätzlich gut ist, wenn eine Regierung  einen Posten schafft, der gegen Antisemitismus vorgehen will, ist die einstimmige Resolution des Parlaments nur klassische Symbolpolitik. Wie auch das selbst gemalte Israel-Fähnchen, das im letzten Jahr bei einer Demo am Brandenburger Tor von einigen Jugendliche  angezündet wurde und das jetzt sämtliche Medien-Veröffentlichungen zu dem neuen Bundesbeauftragten begleitet.

Soll dieser jetzt etwa dafür sorgen, dass das Verbrennen von Fahnen strafbar wird ? Dass die vermutlich palästinensischen Demonstranten nach Donald Trumps Provokation, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, vor dem Brandenburger Tor ein Israel-Fähnchen verbrannten, war und ist nichts Illegales.  Das Verbrennen von Fahnen ist  in Deutschland erlaubt. Nur  bei der heimischen Flagge, die als Staatssymbol unter besonderem Schutz vor Verunglimpfung steht, macht das Gesetz eine Ausnahme. Ansonsten dürfen alle Fahnen der Welt – sofern sie nicht an offiziellen Gebäuden, Botschaften oder dergleichen hängen – nach Belieben abgefackelt werden. Auch dies ist ein symbolisches Ritual, das von politischen Demonstranten ebenso gerne durchgeführt wird wie von Fußballfans.

Dass Fahnen verfassungswidriger Organisationen, allen voran die Symbole des Dritten Reichs, in Deutschland nicht geduldet werden, ist nachvollziehbar und vernünftig, das rituelle Verbrennen von Flaggen aber sollte um des liberalen Rechtsstaats willen weiter erlaubt bleiben – auch wenn es sich um die israelische Flagge handelt.

Zumal zum 1. Januar 2018 gerade der Paragraph 103 des Strafgesetzbuchs gestrichen wurde, der die  „Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten“ unter Strafe stellte. Anlass für die Abschaffung  des unzeitgemäßen Paragraphen war die Klage des türkischen Präsidenten Erdogan,  der sich von einem obszönen Gedicht des  ZDF-Kabarettisten Böhmermann beleidigt fühlte. Auf Vertreter ausländischer Staaten darf also laut Gesetz aus allen satirischen Rohren gefeuert werden – auch wenn es sich um den israelischen Präsidenten handelt.

Oder müsste ein Schmähgedicht, das Bibi Nethanjahu irgendwelchen Ziegenficker-Schweinkram anhängt,  jetzt vom Antisemitismusbeauftragten geahndet werden ? Oder der nächste Auftritt Roger Waters’ von Pink Floyd, weil sich der für die BDS-Kampagne, den Boykott israelischer Produkte, einsetzt ? Wo hört notwendige Kritik an der völkerrechtswidrigen Besatzungspolitik  Israels auf und fängt einzudämmender Antisemitismus an ? Ist es okay, die jüngsten israelischen Gesetze zur Eheschließung zwischen jüdischen und arabischen Partnern als „rassistisch“ zu bezeichnen, oder ist das schon Judenhass ? Wenn das Existenzrecht Israels aus nachvollziehbaren Gründen zur Staatsräson Deutschlands gehört, ist es dann antisemitisch, auf den Landesgrenzen dieser Existenz zu bestehen und die Einhaltung des Völkerrechts zu fordern ?

Ein Bundesbeauftragter, der mehr tun will als  mit ernstem Gesicht Phrasen zu verlautbaren,  hat einen langen Fragenkatalog abzuarbeiten. Notwendig wäre das in der Tat, denn der Dissens (und der Hass) ist auf diesem Feld extrem – dumpfer Antisemitismus in der uralten Tradition der Verfolgung jüdischer Minderheiten auf der einen Seite,  und auf der anderen ein rasender Philosemitismus, der mit Blindheit für die aktuelle Apartheid gegenüber der palästinensischen Minderheit geschlagen ist. Dazu eine rechts-zionistische Regierung in Israel, die jede Kritik von außen grundsätzlich als Antisemitismus deklariert.

Auch – natürlich – die Verwendung von Begriffen wie „Apartheid“, selbst wenn die Diskriminierung von Nicht-Juden in den besetzten Gebieten damit ziemlich genau beschrieben ist. Wer da als  Bundesbeauftragter nicht als verlängerter Arm einer der Kriegsparteien wirken und weiter Öl ins Feuer gießen will, sondern die Konflikte entspannen und die Toleranz fördern möchte, muss zuallererst für eine saubere Klärung der Begriffe sorgen.

Schafft zwei, drei viele Hanfgenossenschaften!

Über die Hanfpioniere Brandenburgs –  die Genossenschaft “Hanffaser Uckermarck” – hatte ich im letzten Sommer ausführlich berichtet, jetzt hat KenFM sie im Rahmen der Reihe “Die Macher” besucht und ein ausführliches Interview mit dem Gründer Rainer Nowotny geführt. Nicht nur weil es um meine Lieblingspflanze geht möchte ich dieses Porträt nachdrücklich empfehlen. Außer den einzigartigen Eigenschaften des Hanfs, aus dem die Hanfgenossen in der Prenzlauer Hanffabrik vor allem Dämmmaterial und Baustoffe gewinnen, kommen auch die Hintergründe zur Sprache, die neben einer Energiewende auch eine Rohstoffwende unausweichlich machen. Und damit den nachwachsenden Universalrohstoff  Nr.1 auf diesem Planeten: Hanf.
Dass die Entkriminalisierung des Heil,-und Genussmittels Hanf überfällig ist und mit dem größten US-Bundesstaat Kalifornien 2018 jetzt so weit vorangeschritten ist , dass ein globaler Domino-Effekt nicht mehr sehr weit sein kann, ist erfreulich. Doch eine fröhlich und legal kiffende Weltbevölkerung hilft wenig bis nichts, wenn die Lebensgrundlagen der Erde immer weiter ruiniert, die Wälder abgeholzt, die Böden und Gewässer mit Pestiziden verseucht werden und die letzten fossilen Reserven nur noch mit Krieg und Terror ausgebeutet werden können. Deshalb ist die kleine Hanfgenossenschaften ein Musterbetrieb, von dem es künftig sehr viele geben muss, wenn wir unseren Nachkommen diese Erde nicht als vergiftete Kloake hinterlassen wollen.

Kleiner Aufruf zum Klassenkampf

Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit für unsere Neujahrsansprache:

„Wenn ich alle unsere Staaten, die heute irgendwo in Blüte stehen, im Geiste betrachte, und darüber nachsinne, so stoße ich auf nichts anderes, so wahr mir Gott helfe, als auf eine Art Verschwörung der Reichen, die den Namen und Rechtstitel des Staates missbrauchen, um für ihren eigenen Vorteil zu sorgen. Sie sinnen und hecken sich alle möglichen Methoden und Kunstgriffe aus, zunächst um ihren Besitz, den sie mit verwerflichen Mitteln zusammengerafft haben, ohne Verlustgefahr festzuhalten, sodann um die Mühe und Arbeit der Armen so billig als möglich sich zu erkaufen und zu missbrauchen. Haben die Reichen erst einmal im Namen des Staates, das heißt also auch der Armen, den Beschluss gefasst, ihre Machenschaften durchzuführen, so erhalten diese sogleich Gesetzeskraft.

Indessen … scheint es mir – um offen zu sagen, was ich denke – in der Tat so, dass es überall da, wo es Privateigentum gibt, wo alle alles nach dem Wert des Geldes messen, kaum jemals möglich sein wird, gerechte oder erfolgreiche Politik zu treiben, es sei denn, man wäre der Ansicht, dass es dort gerecht zugehe, wo immer das Beste den Schlechtesten zufällt, oder glücklich, wo alles an ganz wenige verteilt wird …“.

Unsere „Ansprache“ stammt aus dem Jahr 1516 und wurde von dem Anwalt und Politiker Thomas Morus in seinem Werk „Utopia“ veröffentlicht. Es beschreibt die Zustände in einem idealen Gemeinwesen, das auf der fiktiven Insel „Utopia“ angesiedelt ist –  sowie die realen Zustände im Europa des frühen 16. Jahrhunderts. Diese waren von den heutigen Zuständen ganz offensichtlich nicht sehr weit entfernt. „Es herrscht Klassenkampf, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“ – so hat der Milliardär Warren Buffett die Lage im 21. Jahrhundert auf den Punkt gebracht. Und was tut die Politik ? Sie sorgt, im Namen des Staats dafür, dass die Klassenkämpfer ihre Machenschaften weiter führen können.

Da lässt es dann schon aufhorchen, wenn ein führender Politiker in einem Artikel einen Umsturz, genauer eine „konservative Revolution“ fordert. Will hier einer wirklich zu den Erkenntnissen und Werten zurück, die der Humanist Thomas Morus schon 1516 einforderte und die seit Jahrhunderten währende Umverteilung von unten nach oben beenden ?

Natürlich nicht, denn bei unserem neuen Revolutionsführer handelt es sich  um den ehemaligen Verkehrsminister Dobrindt von der CSU und der Umsturz, den er fordert, richtet sich gegen einen Pappkameraden: die „linken Meinungsdiktatoren“ , die „selbst ernannten Volkserzieher und lautstarken Sprachrohre einer linken Minderheit“ in  den „Schlüsselpositionen“, denen man 50 Jahre nach 68 jetzt endlich den Garaus machen müsse.

„Linke Ideologien, sozialdemokratischer Etatismus und grüner Verbotismus hatten ihre Zeit“, behauptet Dobrindt – und ehe man sich fragt wann diese Zeit war: in den 16 Jahren „geistig-moralischer Wende“ unter Kohl, den Jahren unter Schröder als Abrissbirne der Sozialdemokratie oder den 12 Jahren unter Merkel ?? –  fordert Dobrindt schon, dieser „linken Revolution der Eliten“ nun „eine konservative Revolution der Bürger“ folgen zu lassen.

Dass die „Schlüsselpositionen“- Vorstände von Banken, DAX-Konzernen und Wall Street-Hedgefonds – von Linksrevolutionären besetzt wären, ist bis dato allerdings nicht aufgefallen, auch wurde weder bei Warren Buffett noch bei einem seiner Kollegen aus der Milliardärs-Elite ein kommunistisches Parteibuch entdeckt. Gegen wen sollen denn nun die „Bürger“ konservativ revoltieren? Wen hat der große Vorsitzende des revolutionären Zentralkomitees der Konservativen, der Verkehrsminister ohne TÜV, als Großfeind ausgemacht ?

Die 68er, die mittlerweile über 70 sind! Wenn sie nicht- wie einer ihrer Anführer, Rudi Dutschke- an den Folgen eines Attentats gestorben sind, zu dem lautstarke Sprachrohre einer rechten Minderheit, allen voran die „Bild“-Zeitung, nach Kräften gehetzt hatten.

Dutschke war einer der letzten, der das Wort „Klassenkampf“ nicht nur in den Mund nahm, sondern es auch ernst damit meinte – so wie Warren Buffett es ernst meint, wenn er sagt, dass seine Klasse, die Reichen, diesen Kampf führt und ihn gewinnen wird. Solange ihm von unten nichts entgegen gesetzt wird.

Solange sich die Mehrheit der Bürger von der winzigen Elite einer Minderheit einlullen lässt.

Und solange diese Bürger – ob konservativ oder progressiv – nicht checken, dass die Konflikte zwischen Inländern und Ausländern, Männern und Frauen, Heteros und Homos, Christen und Moslems, und so weiter… nichts anderes sind als Scheingefechte auf Nebenkriegsschauplätzen, die nur ablenken und nichts ändern an dem grundlegenden Krieg, den 1% von oben gegen 99% von unten führen. Seit 1516.

Auch als Podcast bei KenFM

9/11 ist der Lackmustest

Aufgrund eines Todesfalls in der Familie habe ich an der Veranstaltung im “Babylon” nicht teilgenommen und – aufgrund des ganzen Hickhacks darum und der schlußendlichen Nichteilnahme des Preisträgers – wohl auch nichts versäumt. An meiner Laudatio auf Ken Jebsen und KenFM hat sich trotz der unrühmlichen Begleitumstände aber nichts geändert – sie ist heute auf Rubikon erschienen.

Update: Hier das Video der Lesung bei der Preisverleihung

 

Me too, Mrs. Robinson!

#Metoo und kein Ende: Die Nachrichtenagentur AP hat unlängst die neueste “Weinstein-Liste” prominenter Männer veröffentlicht, die sexueller Übergriffe bezichtigt werden,  eine “Zeit”-Journalistin schreibt von einer privaten  Liste mit (ungenannt bleibenden) Namen aus dem Berliner Kulturbetrieb und es ist zu erwarten, dass die Welle noch weiter geht. Sex sells und für unerlaubten, übergriffigen Sex gilt das nämliche – it’s entertainment.  Führen würde das Medienspektakel nur dann zu etwas, wenn die betroffenen Frauen Anzeige erstatten, nur so könnte die Hemmschwelle übergriffiger Männer erhöht werden. Solange nur #metoo getwittert wird – und das Spektrum vom dumpfen Herrenwitz bis zur Vergewaltigung reicht – bleibt das Ganze eher ein digitaler Pranger, der wenig zum Besseren ändert. Oder nur zu lachhaften polictial correctness – Debatten führt, ob nach “Urin” Langstrumpf jetzt auch Grimms Märchen zensiert werden müssen, weil sich der Prinz, der das schlafende Dornröschen küsst, eines sexuellen Übergriffs schuldig gemacht hat.

In der Kriminologie kennt man das Paradox der “Prävention durch Nichtwissen” – wären alle unbestraften, unaufgeklärten Verbrechen allen bekannt, würde der Respekt vor den Gesetzen massiv zurückgehen: wenn gewußt wird, dass viele es tun und sehr viele damit straffrei durchkommen sinkt die Hemmschwelle.  Unter diesem Aspekt ist das Argument der Verteidigerinnen der #metoo-Kampagne – dass  es auf jeden Fall sein Gutes hat, wenn das Ausmaß sexualisierter Gewalt sichtbar wird – nur dann nicht zweischneidig, wenn die Täter tatsächlich zur Rechenschaft gezogen werden. Und wenn auch bei genialen Künstlern – What Do We Do with the Art of Monstrous Men? – kein Auge mehr zugedrückt wird.  Andererseits: jetzt alle Hans Albers Filme ohne den Hauptdarsteller nachzudrehen, weil er einst einer 17-jährigen Statistin unaufgefordert sein Gemächt präsentierte, geht vielleicht ein bißchen zu weit..

Wo zieht man die Grenze ? Mein Rat an die Frauen wäre: wenn Männer auf euer  klares “Nein!” nicht hören und auch wenn ihr ihnen auf die Finger gehauen habt noch handgreiflich werden: bringt die Kerle vor den Kadi.  Wenn es aber nur ein “Jein” war, haltet besser die Klappe! Nun ahne ich, dass in dieser Sache Ratschläge von einem “alten weißen Mann” weniger als Rat und mehr als Schläge empfunden werden, zumal ältere, alleinstehende Herren tendenziell als Tätergruppe gelten, auch wenn sie sich, wie yours truly,  gegenüber Frauen stets zurückhaltend und unaufdringlich verhalten. Dies vielleicht deshalb, weil sie in Sachen Sex eine wichtige Lektion früh gelernt haben: dass sich nämlich die Frauen die Männer aussuchen und nicht umgekehrt, die Machtverhältnisse im Bett also anders aussehen als in der männlich dominierten Gesellschaft  Wie lernt man das ?

Bei mir war es mit 16  eine Art “Mrs.Robinson”-Erlebnis: sie war nicht so schön wie Anne Bancroft, die den jungen Dustin Hoffman verführt, und sie war auch nur 12 Jahre älter als ich, es war nur eine Nacht im  Schlafzimmer und diese “Reifeprüfung” führte auch noch nicht zum finalen “Verkehr” – aber zu der Erkenntnis, dass die Frauen Bescheid wissen und man sie beim Sex erst Mal einfach nur machen lassen soll. So kam ich später nie auf die Idee, beim Flirten mehr als Freundlichkeit und zarte Überredungskünste walten zu lassen. Wer auf  diese Balzversuche nicht ansprang, musste dann schon gar nicht mehr explizit “Nein!” sagen.

Ein psychoanalytisch geschulter Freund, dem ich meine These vortrug, dass mehr “Mrs.Robinsons” zu weniger “#metoo”-Beschwerden führen würden und daher die Aufforderung an alle Frauen ergehen müsste, sich mehr jüngere, unerfahrene Männer zur Brust zu nehmen, sie an das Thema heran zu führen und entsprechend zu erziehen, hatte Zweifel, dass dies zu einer allgemeiner Entspannung beitragen würde. “Du weißt doch, was die Feministinnen gemacht haben”, sagte er, “sie haben uns zu Sitzpinklern erzogen und sind dann mit den Stehpissern ins Bett.” Dies sei ein grundsätzliches evolutionsbedingtes Dilemma, da die sexuell attraktivsten Männchen eben nicht immer auch die zuverlässigen Versorger abgeben, die für die Weibchen zwecks Nachwuchs unverzichtbar sind. Außerdem meinte er, ich würde meine “Mrs.Robinson”-Episode im Nachhinein romantisieren, so etwas sei auch nicht verallgemeinerbar und hätte im Übrigen wohl eher mit einer altersbedingten Art “Triebumkehr” zu tun, weil ich mir wohl “unbewußt” wünschen würde, “ein Mister Robinson zu sein, dem jüngere  Schönheiten zufliegen.”

Ähem… wer wünscht sich das nicht – mal abgesehen davon, dass Sex wohl die am meisten überschätzte Angelegenheit auf Erden ist. Sie wurde von unseren ziemlich unterbelichteten Vorfahren vor vielen Milliarden Jahren erfunden, um auf dem damals äußerst unwirtlichen Planeten fortpflanzungsmäßig über die Runden zu kommen und deshalb mit einer starken Dosis chemisch-neuronaler Leckerli ausgestattet. Diese Belohnungen mussten sein, weil sich sonst kein Lebewesen freiwillig dem ganzen Paarungs,-und Beziehungsstress unterzogen hätte und man lieber bei der schon lange bewährten asexuellen Selbstvermehrung geblieben wäre.

“Oh, dass wir unsere Ur-ur-ahnen wären/Ein Klümpchen Schleim in einem warmen Moor/Leben und Tod, Befruchten und Gebären/Glitte aus unsern stummen Säften vor”,  zitierte mein Freund dann Gottfried Benn. Angesichts des äffischen Zirkus um die Sexualität, der fortpflanzungsmäßig  mittlerweile überflüssig und sogar kontraproduktiv (Stichwort: Überbevölkerung) geworden ist, möchte man sich diesem Wunsch gern anschließen.  “Bis die Evolution dafür sorgt, dass die neuronalen Belohnungscocktails für “Orgasmus” nicht mehr auschließlich mit Befruchtungsgymnastik verknüpft werden, wird es aber noch sehr viele Generationen brauchen.” Wohl wahr.  Aber bis dahin scheint mir Forderung richtig, dass es mehr Mrs. Robinsons  – “Jesus loves you more than you will know!” – geben müsste, die jungen Männern beibringen, wie man sich benimmt. Wo sollen sie es denn sonst lernen….?

Maidan-Massaker: Mörder gestehen – Medien schweigen

Drei aus Georgien stammende Männer haben zugegeben, am 20. Februar 2014 zu den Schützen gehört zu haben, die auf dem Maidan in Kiew auf Polizisten und Demonstranten feuerten. Das Massaker auf dem zentralen Platz der ukrainischen Hauptstadt war bekanntlich der Auslöser,  der in der Folge zur Absetzung und Flucht des Präsidenten Janukowitsch, zur Abspaltung der Krim und zum Bürgerkrieg in der Ostukraine führte.
Mit diesen Geständnissen gerät die offizielle Version der westlichen Medien und der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft, die Sicherheitskräfte des damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch seien für das Massaker verantwortlich, weiter ins Wanken.  Schon 2015 und im vergangenen Jahr hatten die Aussagen zweier Maidan-Kämpfer, an der Schießerei beteiligt gewesen zu sein, große Skepsis an der offiziellen Schuldzuschreibung geweckt. Mit den Geständnissen der drei Schützen, die in einer Dokumentation des italienischen Fernsehens ausgestrahlt wurden, sind diese Zweifel jetzt nicht nur bestätigt worden – ihre Aussagen benennen auch die Personen, von denen sie rekrutiert, angewiesen und mit Waffen versorgt wurden:  führende Mitglieder der oppositionellen “Vaterlandspartei” und des militanten “Rechten Sektors”.
Zuerst, so einer der Todeschützen, sei es ihre Aufgabe gewesen, auf dem Platz “Provokationen zu arrangieren, damit die Polizei die Menge angreift“.  Als dies nicht geschah – die Polizei riegelte tagelang nur das Regierungsgebäude ab, ohne aktiv gegen die Demonstranten vorzugehen – seien am 18. Februar Waffen verteilt worden. „Die Dinge sind komplizierter geworden, wir müssen anfangen zu schießen“, habe der Kommandeur, ein Georgier namens Mamulashvili, den Kämpfern gesagt. „Wir können nicht bis zu den Präsidentenwahlen warten.“ Es sei egal, wohin genau geschossen würde, es ginge darum, Chaos und Verwirrung zu stiften.
Mit Dutzenden Toten gelang dies auf tragische Weise,  ebenso wie die sofortige Schuldzuweisung durch die Medien: an den moskau-freundlichen Janukowitsch und Wladimir Putin, die wahllos auf die friedliche, demokratische, europa-freundliche Masse hätten feuern lassen. An dieser Erzählung hält der ukrainische Generalstaatsanwalt, der die Dokumentation kurzerhand als “Fake” bezeichnete, bis heute fest, ohne freilich nach fast vier Jahren irgendwelche anderslautenden Ermittlungsergebnisse vorweisen zu können.

Stellen wir uns vor, statt der vom “Rechten Sektor” angeheuerten Scharfschützen hätten drei von Russland rekrutierte Söldner solche detaillierten Geständnisse abgelegt, in einer seriösen Dokumentation, von einem erfahrenen Korrespondenten des italienischen Fernsehens. Was wäre da los ? – vom “Brennpunkt” nach der Tagesschau bis zu Titelseiten in der “New York Times”, mit “Breaking News”  und Sondersendungen würden die Großmedien aus allen Rohren feuern, um die Botschaft rüberzubringen: der Russe war’s! Durchgeknallte Olivgrüne wie Rebecca Harms und Marie-Luise Beck würden gleich den atomaren Erstschlag fordern und Hillary Clinton schäumen, wenn die “Putin-Marionette” Trump nicht sofort auf den roten Knopf drückt. Kurz: die Hölle wär los.

So aber hören wir von diesen explosiven Geständnissen… Nichts! Und gäbe es nicht Organe wie Telepolis, Rubikon oder KenFM hätten Sie und ich wahrscheinlich bis heute davon nie  gehört und würden es vielleicht nie erfahren. Selbst wenn es sich bei diesen Geständnissen um einen Fake handeln würde – was ziemlich unwahrscheinlich ist – wäre das der  Berichterstattung und Recherchen wert, denn das Maidan-Massaker war und ist ein weltweit bedeutsames Ereignis, die Intialzündung eines immer noch andauernden Bürgerkriegs. Deshalb spricht das durchgängige Schweigen der Großmedien zu diesen Geständnissen Bände.  Sie sind noch immer Tag für Tag mit der  “Russiagate” -Luftnummer unterwegs, da wäre die Enthüllung einer echten “false flag”, ein  “Euromaidan-Nazi-Gate”-Skandal, jetzt einfach kontraproduktiv. Okay, wir haben verstanden…

Mehr zum Ukraine-Konflikt und zum neuen Kalten Krieg  in “Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder Wie uns die Medien manipulieren” .  Wie der aktuelle Fall zeigt ist das 2014 erschienene Buch nach wie vor höchst aktuell. Nach der tschechischen Ausgabe ist es jetzt auch in russischer Sprache erschienen und im Verlag Rosspen, Moskau, erhältlich.

 

 

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