Die Drei-Grad-Welt: Von Propheten, Professoren und Profiteuren

Neue Werkzeuge gebären neue Weltbilder. Wobei sich die Geburt oft lange hinzieht. Als der Tuchhändler Antoni van Leeuwenhoek das erste Mikroskop gebaut und festgestellt, dass in menschlicher Spucke “kleine Tierchen” lebten, erklärte man ihn erst Mal für verrückt. Den Ingenieur Galilei aus Padua, der sich ein Fernrohr gebaut hatte und damit beweisen konnte, dass sich die Erde um die Sonne dreht, verurteilte man zu Hausarrest. Ähnlich wie diesen Entdeckern ging es vielen Pionieren, die mit neuen Werkzeugen oder Ideen in unbekannte Bereiche  vorgestoßen waren und Erkenntnisse mitbrachten, die dem allgemeinen Stand des Wissens und der herrschenden Meinung zuwider liefen.  Auch wenn es nicht wie bei Galilei immer über 350 Jahre dauert, bis sie offiziell rehabilitiert und Konsequenzen aus ihren Entdeckungen gezogen werden, zögern allgemeine Trägheit und institutionelles Beharrungsvermögen Innvovationen oft unmäßig hinaus.
Ein Blick auf die obenstehende Grafik, die jetzt im  “Guardian” erschien, zeigt wieviel Zeit noch bleibt, um auf die Erkenntnisse zu reagieren, die neue Werkzeuge der Beobachtung des Klimas und der Atmosphäre mit sich gebracht haben. Wenn die Erderhitzung und damit der Meeresspiegel weiter so ansteigt wie von den Forschern vorhergesagt, wird  sich die Weltkarte gegen Ende des nächsten Jahrhunderts dramatisch geändert haben. Städte wie Shanghai, Osaka, Rio de Janeiro, Miami, Alexandria sowie Den Haag und fast ganz Holland werden dann geflutet sein und 275 Millionen Menschen auf der Suche nach einer neuen Bleibe.

Ähnlich wie der Papst im 17. Jahrhundert den Blick durch das Fernrohr zu verweigerte, um die dank neuer Werkzeuge gewonnenen Erkenntnisse unter den Tisch zu kehren,  scheint angesichts der Lage keine Lösung. Und doch mutet die Sekte der “Klimaskeptiker” ganz so wie jene Kirchenvertreter an, die die Entdeckung des Kopernikus oder die experimentelle Bestätigung Galileis für eine ketzerische, teuflische Verschwörung hielten. Und ähnlich wie diese Kämpfer gegen den Heliozentrismus vom Vatikan einst mit Mitteln ausgestattet wurden, werden die Kämpfer gegen die “Klimalüge” heute von großen Konzernen finanziert. Sie haben “wissenschaftlich” nachgewiesen, dass es einen globalen Temperaturanstieg einfach nicht gibt – und falls doch, dass er keinesfalls mit dem Verballern fossiler Rohstoffe durch Menschen zu tun hat. Und sie bedienen sich dabei  denselben Methoden der wissenschaftlichen Verwirrung mit der zum Beispiel die Tabakindustrie Konsequenzen aus den Erkenntnissen über die Krebsgefahren durch Rauchen verhindern wollte.

“Und sie bewegt sich doch” soll Galilei gemurmelt haben, als ihm die Heilige Inquisition jegliche Äußerungen über die Erdumdrehung verbot – und er sollte recht behalten, als Prophet ( von lat. profiteri: gestehen, bekennen) gegen die Profiteure und Professoren (von proficere: nützen). Seine neuen Werkzeuge hatten den Blick nach außen gelenkt und die Autoritäten mit der Nachricht geschockt, dass der vermeintliche Mittelpunkt der Welt, die Erde,  nicht mehr ist als eine Billardkugel im leeren Raum.
Die neuen Messgeräte und Computer, die seit einigen Jahrzehnten neue Erkenntnisse über die Atmosphäre und Biosphäre ermöglichten, lenken den Blick jetzt wieder zurück, auf den Planeten Erde und die dünne, zerbrechliche Hülle in der Leben möglich ist. Und der Schock, in welche Kloake wir sie mit der brutalen Zerstörungskraft unserer Wirtschaftsweise verwandelt haben, ist für die heutigen Autoritäten – die kapitalistischen Konzerne – mindestens so groß wie damals Galileis Entdeckung für den Papst. Insofern wundert es nicht, wenn Profiteure und Professoren die Prophezeiungen der Klimaforscher ins Lächerliche ziehen. Nie aber lagen die Argumente für ein unbeirrbares “Weiter so” derart nah an der zynischsten aller Parolen: “Nach mir die Sintflut!”.

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Die geheimen JFK-Akten (9): No “come along with Russia”!

Dieser Tage wurde ich wieder einmal gefragt, warum ich mich immer noch mit dem Kennedy-Mord beschäftigen würde, das wäre doch ein Fass ohne Boden und so lange her, dass selbst eine vollständige Aufklärung heute gar nichts mehr nützen würde. Was das Fass betrifft, stimme ich teilweise zu, was die Aufklärung angeht aber gar nicht. Für die Weltmacht USA und das “amerikanische Jahrhundert”  war der 22. November 1963 ein entscheidendes Datum, ein Wendepunkt, der die von Kennedy angekündigte und schon eingeleitete Wende – den Rückzug aus Vietnam und ein Ende des Kalten Kriegs – rückgängig machte. Mit den folgenden (und ebenfalls bis heute ungeklärten) Morden an Martin Luther King und Robert Kennedy, der JFKs Erbe antreten wollte, war das Rollback komplett und mit den charismatischen Reformern unter der Erde auch jede Wende zu einer friedlicheren, kooperativeren Politik der Vereinigten Staaten definitiv beerdigt.
Seitdem regiert was Kennedys Vorgänger Eisenhower in seiner Abschiedsrede den “militärisch-industriellen Komplex” genannt und vor seiner Einflußnahme gewarnt hatte. Der bekam nach Kennedys Tod was er wollte – einen gigantischen Krieg in Südostasien, bei dem die Air Force allein über Laos, einem kleinen Land von Reisbauern, mehr Bomben abwarf als über Deutschland im Zweiten Weltkrieg – und sorgt seitdem mit immer gigantischeren Budgets überall auf der Welt dafür, dass dieses Bombengeschäft weiter läuft.
Mit JFK, der mit einem Erdrutschsieg für weitere vier Jahre im Amt bestätigt worden wäre und seinem Bruder Bobby als Präsident für weitere vier oder acht Jahre danach,  hätte Amerika sowohl innen,- wie außenpolitisch einen deutlich anderen Kurs genommen. Deshalb war dieser “Königsmord” ein so einschneidendes Ereignis und deshalb ist die Ermittlung seiner Hintergründe und Hintermänner bis heute von so großer Wichtigkeit, denn die Folgen erschüttern die Welt bis heute – mit einer brutalen imperialistischen Politik, die nur eine Alternative kennt: Pax Americana oder Bombenteppich.
Diese Politik, so hatte er in seiner “Friedens”-Rede im Juni 1963 deutlich gemacht,  wollte JFK beenden.  Nach dem folgenden Besuch in Deutschland und der umjubelten “Ich bin ein Berliner”-Rede vor dem Rathaus Schöneberg hatte Kennedy  seinen Beratern angekündigt, dass er nach der Wiederwahl nach Moskau zu reisen werde, um einen Friedensvertrag mit der Sowjetunion zu schliessen. Was die Schüsse von Dallas verhinderten.
Merkwürdigerweise sitzt nun 54 Jahre später ein Präsident im Weißen Haus, der sich nicht nur verhindert sieht, dem Gesetz nachzukommen, nach dem sämtliche Kennedy-Akten bis zum 26.10.2017 veröffentlicht sein müssen – gerade mal 58 von über 3000 Geheimdokumenten lagen zum Stichtag vor –  sondern auch daran, nach Moskau zu reisen, um sein im Wahlkampf verkündetes Vorhaben zu starten: “to come along with Russia”.  Paul Craig Roberts – einst  unter Reagan im Finanzministerium und ehemaliger Herausgeber des “Wall Street Journals” – fragt, warum Trump eine Normalisierung der Beziehung zu Russland “schier unmöglich gemacht wird”.  :

Warum ist die Opposition gegen eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen unseres Landes mit einer Atomsupermacht wie Russland derart groß? Warum sind selbst die heimischen Grünen auf den Anti-Trump-Propagandazug aufgesprungen? Sind sich die Grünen den Auswirkungen, die ein nuklear geführter Krieg auf unseren Planeten haben würde, nicht mehr im Klaren? Und warum sind die verrückten und inhaltlich haltlosen Bemühungen zur Amtsenthebung eines US-Präsidenten, der die bilateralen Beziehungen zu Russland zu normalisieren beabsichtigte, derart groß? Und warum werden solche Fragen nicht im öffentlichen Diskurs aufgeworfen? Das Versagen der politischen Führung, der Konzernmedien und der intellektuellen Schicht Amerikas sowie ein Mangel an politischer Führung in unserem Land sind komplett. Der Rest der Welt wird Mittel und Wege finden müssen, um Washington zu quarantänisieren, bevor Washington das Leben auf unserem Planeten zerstört.

So himmelweit die Unterschiede zwischen Kennedy und Trump sind ist die Parallele doch unübersehbar: “to come along with Russia” ist damals wie heute verboten, es unterminiert das Geschäftsmodell der Rüstungsindustrie…

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Die geheimen JFK-Akten (8): Eine Farce, ein Fiasko, ein Hohn

Es ist eine Farce, ein Fiasko, ein Hohn: 25 Jahre hatten Regierungen und Behörden der Vereinigten Staaten Zeit, sämtliche amtlichen Dokumente im Zusammenhang mit der Ermordung John F.Kennedys öffentlich zugänglich zu machen.  Doch was das National Archiv eine Stunde vor Ablauf der Frist am 26.Oktober auf seine Server hochlud, ist nur ein Bruchteil des Materials, das laut Gesetz zum Stichtag vollständig veröffentlich sein sollte. Darunter auch 3100 Dokumente – vor allem aus den Akten der CIA und des FBI – die bis dato noch kein Historiker zu Gesicht bekommen hat. Anders als die Medien über die Veröffentlichung berichten, nach denen nur ein kleiner Teil der JFK-Akten noch zurückgehalten wurde, ist es tatsächlich der größte Teil. Die ersten Forscher haben noch in der Nacht der Veröffentlichung durchgezählt und kamen gerade mal auf 52 Dokumente, die bisher tatsächlich geheim waren, der Rest der Veröffentlichung sind bereits bekannte Akten, die bisher nur redigiert und ohne Namensnennungen verfügbar waren.

Donald Trump hat den Geheimdiensten nun eine Frist von 180 Tagen gesetzt, die Nichtfreigabe der restlichen Dokumente zu begründen – wenn sie die “nationale Sicherheit” bedrohen oder Namen noch lebender Personen enthalten, bleiben sie weiter gesperrt. Historikern und Forschern bleibt dann  nur die Möglichkeit, im Namen des “Freedom of Information Act” vor Gericht zu klagen und diese Begründungen überprüfen zu lassen. Was sie bisher auch schon getan haben, und oft ohne Erfolg – wie etwa Jeff Morley, der seit mehr als zehn Jahren die Freigabe der “Operational Files” von George Joannides einklagt, einem leitenden CIA-Offizier, der eine Anti-Castro-Studentengruppe in Miami dirigierte. Diese fiel dadurch auf, dass sie schon wenige Stunden nach dem Attentat eine Pressekampagne startete, die Oswald als Kommunisten und Agenten Fidel Castros porträtierte. Da dieser in Dallas noch verhört wurde, öffentlich nichts über ihn bekannt und dies der erste “News”-Fetzen über den vermeintlichen Täter war, landete die Behauptung weltweit in den Medien und legte den ersten Grundstein für die offizielle Legende.

Welche Rolle die CIA bei dieser Medienkampagne spielte könnte die Akte Joannides zeigen – aber sie bleibt bisher weiter gesperrt. Ebenso wie die Akte von William Harvey, dem Attentats-Spezialisten der CIA, die von David Atlee Philipps, der mit Lee Harvey Oswald vor dem Attentat gesehen wurde oder von E.Howard Hunt, der auf dem Sterbebett vor einigen Jahren ein merkwürdiges Geständnis abgelegt hatte. Was 54 Jahre nach dem Attentat und lange nach dem Tod dieser CIA-Agenten noch so sicherheitsbedrohlich sein soll, dass es für die historische Forschung Tabu bleiben muss, erschließt sich dem gesunden Menschenverstand nicht. Auch das Argument, dass die Geheimdienste oder das FBI kein Interesse daran haben, sich mit Inkompetenz oder illegalen Aktivitäten bloßzustellen, sollte nach einem halben Jahrhundert längst verjährt sein.

Als Staatsanwalt Jim Garrison 1967 verdächtige CIA-Mitarbeiter aus dem Umfeld von Lee Harvey Oswald angeklagt hatte, brachte die CIA in einem berühmten Memo den Begriff “Verschwörungstheorie” als Diffamierung für jeglichen Zeifel an der Einzeltäterthese in Umlauf. Der bis dahin neutrale Begriff  wird zu einem Kampfbegriff der psychologischen Kriegsführung.  Und nichts anderes ist diese skandalöse und gesetzeswidrige Teilveröffentlichung der JFK-Akten: sie stiftet weitere Verwirrung statt Aufklärung und sie schürt Verdächtigungen, statt zur Wahrheitsfindung beizutragen. Sie füttert Verschwörungstheorien durch Veröffentlichung von Informations-Schippseln weiter an, statt sie durch vollständige Offenlegung zu beenden.
Wäre Lee Harvey Oswald tatsächlich der verwirrte Einzeltäter, als der er im Lexikon steht, wäre das ganze Tarnen und Täuschen schon seit über 50 Jahren unnötig gewesen. Dass zum Stichtag der gesetzlich vorgeschriebenen Offenlegung nur eine neue, gigantische Nebelkerze gezündet wurde,  räumt letzte Zweifel aus. Hier geht es um mehr als um einen einsamen Irren oder um Vertuschung von “Behördenversagen”, hier geht es um einen regime change von Innen: die Beseitigung eines Präsidenten, der den Vietnamkrieg beenden, den Kalten Krieg stoppen und die CIA in tausend Stücke zerschlagen wollte. Kein US-Präsident hat sich in den letzten 50 Jahren um eine Offenlegung der Akten und die Aufklärung des Mordes bemüht. Und auch Trump frißt den Geheimdiensten aus der Hand und hat die Lektion gelernt: Wer als Präsident aus der Reihe tanzt, dem blüht Dallas.

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Die geheimen JFK-Akten (7): Cover Up geht in die Verlängerung

Dass in einem Rechtsstaat niemand über dem Gesetz stehen kann, ist auf dem Papier bekannt. In Wirklichkeit ist es ein frommer Wunsch, denn Regierungen und Geheimdienste müssen nur “Nationale Sicherheit!” rufen und schon sind Gesetze Makulatur. So auch der 1992 erlassene JFK-Records-Act, nach dem bis zum 26. Oktober 2017 alle behördlichen Akten im Zusammenhang mit dem Mord an John F.Kennedy veröffentlicht sein müssen. Doch das sind sie nicht. Zwar hat das National Archive zum Stichtag eine große Menge von Akten online verfügbar gemacht, doch tausende von Seiten bleiben weiterhin unter Verschluss. In einem Memorandum hat Präsident Trump – laut CNN “unhappy”, weil diese Restriktionen nicht “dem Geist des Gesetzes” entsprächen – den Geheimdiensten und dem FBI aber nun weitere 180 Tage eingeräumt, um ihre Begründungen für zurückgehaltene Dokumente zu überprüfen. Wenn sie dann weiter “nationale Sicherheit” rufen, wird auch weiter nichts veröffentlicht.

Laut Larry J. Sabato, Historiker der University Virgina, der Oswald für den einzigen Schützen hält und sich in der Nacht einen ersten Überblick über das “Durcheinander” des Rohmaterials gemacht hat, wird eine vernünftige Auswertung nicht nur viel Zeit brauchen, die meisten wichtigen Sachen – “the good stuff” – seien auch weiterhin unter Verschluss. Und werden es auch bleiben, es sei denn, Trump sieht das dann anders und ordnet die Publikation an. Was er auch jetzt schon hätte tun können. Dass er es sich in einem halben Jahr anders überlegt und  gegen das Votum der unsichtbaren “Intelligence”-Meister entscheidet, ist unwahrscheinlich.  Auch wenn Trump  am Samstag anderes twitterte

Das Cover Up geht also in die Verlängerung. Das Chaos ist komplett – und nichts Anderes war wohl auch beabsichtigt.Warum sonst hat man 25 Jahre gewartet, um genau eine Stunde vor Ablauf der Frist abertausende von Seiten zu publizieren ? Fiel es erst fünf Minuten vor Zwölf auf, dass die Veröffentlichung bestimmter Dokumente die “nationale Sicherheit” bedrohen, oder noch lebende Informanten bloßstellt ? Warum verkündet Trump zuerst “full disclosure” von 31.000 Akten und dann werden drei Tage später doch nur 28.000 veröffentlicht ? Eine solche Inszenierung dient nicht der Aufklärung, sondern der Verwirrung, nicht der Ermittlung eines ungeklärten Verbrechens, sondern der weiteren Vertuschung, nicht dem Ende von Verschwörungstheorien durch zweifelsfreie Fakten, sondern ihre Fortsetzung ad infinitum…

Die geheimen JFK-Akten (6): Fake-News vs. Fakten

(Update unten) Die auf über 110.000 Seiten geschätzten unveröffentlichten Akten im Zusammenhang mit dem Mord an John F.Kennedy, die laut Gesetz spätestens  am heutigen Stichtag zugänglich gemacht werden müssen, sind bisher (18.00 MEZ) auf der Website des National Archives noch nicht aufgetaucht. Aber in den USA ist noch kein Büroschluß, es könnte also noch etwas kommen. Auf den allerletzten Drücker, aber o.k. – das  Archiv hatte ja auch nur 25 Jahre Zeit. Was zeigt, wie wichtig es sämtlichen Präsidenten seitdem war, die wahren Hintergründe dieses Mords aufzuklären. Offenbar hatten sie die wichtigste Lektion gelernt: wer aus der Reihe tanzt als POTUS, dem blüht Dallas.
Jeff Morley hat einige Punkte zusammengefaßt, die man zu den anstehenden Veröffentlichungen wissen sollte. Auch in meinen vielen Postings zum Thema steht schon einiges darüber, was zu erwarten ist. Bevor die Unmengen von Files durchforstet sind, gilt das erste Interesse natürlich der Frage, welche Akten auch weiterhin zurückgehalten werden,  weil Trump den Einsprüchen der Geheimdiensten folgt, die “nationale Sicherheit” vorschützen.
Dass das  ehemalige Nachrichtenmagazin  gegen weitere Geheimhaltung nichts einzuwenden hat, weil : “…der Akten-Hype dürfte falsche Fährten eröffnen, die Verschwörungstheoretiker befeuern, das Vertrauen in den Staat weiter erodieren und Trumps parallele Schattenwelt stärken, in der Realität und Fiktion immer mehr im Fake-News-Dunst verschwimmen” –  wundert kaum. Wer wie der “Spiegel” wider besseres Wissen nach wie vor die Einzeltäterthese des Reichstagsbrands von 1933 hochhält, hat mit dem Märchen von Oswald und der magischen Kugel natürlich auch kein Problem. Genausowenig wie mit der Behauptung, dass nicht die Geheimhaltung, sondern die Veröffentlichung von Akten “Verschwörungstheoretiker befeuert”  und die Publikation von behördlichen Dokumenten, Protokollen, Unterlagen – von dokumentierten Fakten also – nicht zur Aufklärung, sondern zum “Fake-News-Dunst” beiträgt. Auch die FAZ befürchtet, dass die Veröffentlichung “den Verschwörungstheoretikern neue Nahrung liefern.”
Hallo “Qualitätsmedien” ! Seit wann habt ihr Angst vor Fakten, Akten und verstaubten Dokumenten ? Macht euch doch bitte gleich an die Arbeit, wenn das National Archiv in die Hufe kommt. Es könnte zwar sein, dass euer Märchenglaube und die dumpfe Copy-Paste-Fake-News-Produktion von einigen dieser Fakten erodiert wird…aber hey, dafür sind Journalisten doch eigentlich da. Wie ? Zuviel, können wir nicht schaffen? Okay, dann macht halt weiter Fake-News, es glaubt euch eh schon kaum noch ein  Schwein….

UPDATE 27.10.:  Wie schon erwartet bleiben etliche Dokumente auch weiter unter Verschluss, meldete das National Archive am Abend: “Based on requests from executive offices and agencies the President has allowed the temporary withholding of certain information that would harm national security, law enforcement, or foreign affairs.”

Die geheimen JFK-Akten(5): Wer nicht fragt bleibt weiter dumm

Den Rant von Markus Kompa über die Inkompetenz der heimischen Presse in Sachen JFK-Akten kann ich nur unterschreiben: “Das Attentat auf JFK ist seit 54 Jahren der Lackmus-Test für die Qualität und Unabhängigkeit politischer Berichterstattung. Der deutsche Rudeljournalismus versagte jedoch bereits im Ansatz. Was man im Blätterwald und im teuersten Rundfunksystem der Welt zum Kennedy-Attentat vernehmen konnte, löst Fremdscham aus. Durchweg halten es deutsche Qualitätsjournalisten für eine ausgemachte Sache, Oswald habe Kennedy erschossen, und wer das bezweifelt, sei ein Verschwörungstheoretiker…”
Dass man es besser machen kann, zeigen Veröffentlichungen im Ausland  – wie etwa hier im Independent und selbst das Schweizer Boulevardblatt Blick berichtet sachlicher als die hiesigen Flachpfeifen, die ohne jede eigenen Recherche nur bewährten Bullshit nachtröten.
Wäre es nach dieser Sorte Pseudojournalisten gegangen, wäre es zu einer Veröffentlichung dieser Akten niemals gekommen. Schon Oliver Stones Film “JFK”, der vor einem Vierteljahrhundert den “JFK Records Act” ins Rollen brachte – das Gesetz, nach dem sämtliche JFK-Akten in 25 Jahren frei gegeben werden müssen – basierte nicht auf Recherchen der selbsternannten “Qualitätsmedien”, sondern auf denen von unabhängigen Journalisten und Forschern – und so ist es bis heute geblieben.  Ernsthafte Recherchen und entsprechende Berichterstattung  zum JFK-Mord, zu 9/11 oder zu den illegalen Kriegen des US-Imperiums findet in deutschen Leitmedien nicht statt. Wieso ? Weshalb? Warum? “Wer nicht fragt bleibt dumm!” Und dumm bleiben schützt davor, Dinge zu erfahren, die nicht ins Bild passen. Wie etwa der seit mehr als einem halben Jahrhundert offiziell als Tatsache verkündete Bullshit, dass eine einzige “magische Kugel” JFK getötet und dem vor ihm sitzenden Gouverneur ein halbes Dutzend schwere Verletzungen beigebracht hat.
Dass sich für dieses Märchen in den 34.000 Dokumenten, die morgen zur Veröffentlichung anstehen, keinerlei Bestätigung finden wird, darauf kann man jede Wette  eingehen. Dass weitere Belege für die sehr viel realistischere Geschichtschreibung auftauchen, nach der John F. Kennedy zum Opfer eines Staatsstreichs wurde, scheint dagegen durchaus wahrscheinlich.

Die geheimen JFK-Akten (4): Trump will nichts mehr blockieren

Donald Trump hat getwittert, dass er alle Kennedy-Files freigeben wird – wobei das offizielle Statement des Weissen Hauses das notorische Hintertürchen ( “…unless agencies provide a compelling and clear national security or law enforcement justification otherwise.” ) natürlich offenließ.

Wie “überzeugend und klar” nationale Sicherheitsbedenken überhaupt noch sein können, wenn es sich um 54 Jahre alte Akten handelt, muss man ja ohnehin in Frage stellen. Jetzt dürfen wir wenigsten ein bißchen gespannt sein. Nicht, weil auf irgendeinem vergessenen Notizzettel eine „smoking gun“, ein unwiderlegbarer Beweis, gefunden wird.  Sondern weil sich unter diesen vielen tausend Seiten, deren Sichtung und Auswertung dauern wird, womöglich einige entscheidende Puzzlesteine befinden, die Lücken eines schon bestehenden, sehr deutlichen Bildes füllen. Nämlich dass Lee Harvey Oswald nicht der Todesschütze war, sondern wie er immer gesagt hat, “nur der Sündenbock”.
Da die Metadaten – Titel, Themen und Autoren – der freizugebenden Akten schon bekannt sind, weiß man bereits, was zu erwarten ist; so unter anderem eine Reihe sogenannter OPS-Files (Operational Files) zu vielen Akteuren, von denen in meinem Buch zum Thema ausführlich Rede ist, wie William Harvey, David Philips, George Joannides und E.Howard Hunt, der 2004 auf dem Sterbebett noch ein (falsches?) Bekenntnis abgelegt und Namen genannt hatte. Auch über die Aktivitäten von James Jesus Angelton – des paranoiden Chefs der Gegenspionage der CIA – könnte einiges ans Licht kommen. Dass Angelton den angeblichen JFK-Mörder Lee Harvey Oswald schon Jahre vor den Schüssen von Dallas zu Geheimdienstzwecken einsetzte,  hat Jeff Morley in seiner eben erschienen Biographie Angeltons schon dokumentiert. Allein dies sollte ausreichen, das Bild vom einsamen, verwirrten Einzeltäter zu revidieren.

Big Pharma Crime: Die Opioid-Epidemie

Im August schon hatte die US-Regierung wegen der Opioid-Epidemie den nationalen Notstand ausgerufen:  95 Millionen Amerikaner bekommen Opioide verschrieben, knapp 3 Millionen sind davon abhängig,  59.000 kamen vorletztes Jahr davon ums Leben. Jetzt mußte der von Donald Trump nominierte neue “Drogenzar” Tom Marino auf das Amt verzichten, nachdem ihm Spenden der Pharma-Industrie sowie eine Rolle bei der Gesetzesänderung 2016 nachgewiesen wurde, die den Zugriff der Drogenfahndung DEA auf verdächtige Großlieferungen erschwerte.

Wenn eine winzige Privatklinik irgendwo in der Provinz täglich über 100 Rezepte für eine 2-Monats-Ration “Oxycontin” ausschrieb, reichte für die DEA der Verdacht, um Lieferungen zu beschlagnahmen und Ermittlungen aufzunehmen. Nach dem unter Obama durchgewunkenen Gesetz muss sie nun zuvor Beweise dokumentieren, dass es sich dabei tatsächlich um kriminelle Verschreibungen handelt – und bei den aus dem ganzen Land anreisenden “Patienten” um Dealer, die den Stoff in ihren Heimatstädten dann weiterverkaufen.  Da dies nur mit riesigem Aufwand möglich ist hat das neue Gesetz der ohnehin schon grassierenden Epidemie weiteren Auftrieb gegegeben – und dass Trump nun außer dem Ausrufen des Notstands wirksam dagegen vorgeht, ist nicht erwarten. Warum ? Auf jeden Kongressabgeordneten kommen derzeit zwei Lobbyisten der Pharmaindustrie, Big Pharma ist der Industriezweig mit den meisten politischen Spenden, von 100 US-Senatoren stehen 97 auf der Empfängerliste der Drogenhersteller.

Opioide wie “Oxycontin” kamen erst 1996 auf den Markt, der Familienclan des Herstellers, Purdue Pharma – der zuvor Ohrenschmalz-Entferner herstellte – zählt mittlerweile zu den 16 reichsten Familien der USA. Der Trick,  mit dem aus während des 1. Weltkriegs in Deutschland erfundenen, morphin-ähnlichen Präparat ein Milliardengeschäft und die neue Todesdroge der USA werden konnte, werden konnte, war simpel: man verschaffte dem sofort wirkenden Stoff durch Beimischungen eine länger wirkende “retard”-Wirkung – und behauptete, dass so das Suchtpotential nahezu verschwinde. Den Rest tat dann eine massive Werbekampagne und “Oxy” wurde ein Hit.

Flashback 1896: eine kleine Chemiefabrik in Elberfeld am Rhein – die zuvor vor allem Farben herstellte – brachte ein Opioid auf den Markt, mit dem sie bald zu einem der weltgrößten Pharmaunternehmen wurde. “Heroin” hieß das Wundermittel der Firma Bayer, mit dem die aus dem deutsch-französischen Krieg als Morphinabhängige heimgekehrten Soldaten wieder zu Heroen gemacht werden sollten. Man hatte das Morphin durch Beimischungen ein wenig verändert – und behauptet, dass so das Suchtpotential nahezu verschwinde. Den Rest tat dann eine massive, weltweite Werbekampagne und “Heroin” wurde in einigen Ländern zum meistverkauften Arzneimittel, ein Hit!
An den Geschäftsmodellen hat sich in den letzten 100 Jahren also nichts geändert, genausowenig wie an dem Stoff, um den es geht, den seit der Antike als Schmerz,-und Schlafmittel bekannten Saft des Mohns: Opium. “Ich hab ein Arkanum und heiß’ es Laudanum” hatte Paracelsus einst seine Opiumtinktur gelobt, die mit ihm in die europäische Medizin einzog und bis Anfang des 20. Jahrhunderts für wenig Geld rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich war. Zu Epidemien und massenhaftem Sterben durch Überdosierung und Mißbrauch kam es in all den Jahrunderten allerdings nicht, die setzen erst ein, als mit patentierten Stoffen wie “Heroin” und anderen Opioiden quasi der Turbo gezündet wurde.
Vielleicht wäre es – bevor der nationale Notstand weitere zig-tausende Leichen produziert – durchaus angebracht, als Erste Hilfe das gute alte Laudanum wieder preisgünstig in die Drugstores zu bringen. Weil es kein Patent darauf gibt und keine großen Profite zu erwarten sind, stehen die Chancen dafür allerdings gering. Ein paar Leben liessen sich so immerhin retten. Und ein wenig Zeit gewinnen um die Ursachen dafür anzugehen, warum ein Drittel der Bevölkerung ihr Leben offenbar nur noch mit starken Schmerz,-und Schlafmitteln bewältigt und warum Ärzten und Pharma-Industrie keine andere Therapie einfällt, als sie davon  abhängig zu machen…

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