Das Hanfbuch – wie alles anfing

Vor 30 Jahren, im Sommer 1987, landete die Urfassung von “The Emperor Wears No Clothes – Hemp and the Marijuana Conspiracy”  von Jack Herer auf meinem Schreibtisch bei der taz. Das sehr alternativ und hippiemäßig aufgemachte Werk enthielt gleichwohl zahlreiche Fakten und Dokumente aus der Geschichte des Hanfs und seines Verbots in den 1930er Jahren, die mir bis dahin unbekannt waren. Als ich dann von der Zeitschrift “Transatlantik” den Auftrag für eine Reportage über die Cannabis-Szene bekam, zitierte ich in meinem Text –  “Kleine Kulturgeschichte der nützlichsten Pflanze der Welt” (PDF, 3,8 MB) – einige dieser Informationen und versuchte dann, bewaffnet mit diesem Artikel, einen Verlag für eine Übersetzung des Buchs zu finden. Doch die größeren Verlage sagten schon ab, wenn die nur das Wort Marihuana hörten, den kleinen, alternativen war eine Übersetzung zu aufwändig  und so schlummerte die Idee von einer Wiederentdeckung des Hanfs in Deutschland über Jahre in meinem Büchregal.
Ein Zufall – oder ein Zauber der Hanfgöttin – änderte das erst 1992, als Zweitausendeins-Chef Lutz Kroth mich bei der Buchmesse zu einem Abendessen ins Interconti einlud bei dem unter anderen  auch die amerikanischen Agenten des Comiczeichners Robert Crumb dabei waren. Als nach dem perfekten Dinner einer von ihnen meinte, jetzt fehle eigentlich nur noch ein kleiner Joint konnte ich mit diesem Nachtisch aushelfen, für den wir uns kurz auf den Hof verdrückten. Zurück an der Bar kam das Gespräch auf Hanf, ich erwähnte die Buchidee, die auch Zweitausendeins vor Jahren nicht wollte und Lutz erinnerte sich nicht mehr und bat darum, ihm die Sache nochmal zu schicken. Zwei Wochen später telefonierten wir –  “Wir würden es machen, wenn du es herausgibst und ergänzt.” – “Ich würde es machen, wenn ihr es auf Hanfpapier druckt.” – und so nahmen die Dinge ihren Lauf.
Neun Monate später, im Juli 1993, erschien die erste Auflage von “Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf.” Gedruckt auf Hanfpapier, mehr als doppelt so umfangreich wie Jack Herers Urtext und ergänzt durch eine Studie des Katalyse-Instituts. Die hatte der Verlag angefordert als ich das Manuskript geliefert hatte – um die Glaubwürdigkeit des Ganzen zusätzlich noch wissenschaftlich zu unterstreichen und abzusichern. Dass eine Pflanze derart vergessen, verboten und verbannt sein konnte, die hochwertige Nahrungsmittel, Textilien, Baumaterial, Papier und Medizin liefert, die keinerlei Pflanzenschutzmittel benötigt, die in jedem Klima wächst und eine Vielzahl der ökologischen Probleme des Planeten lösen kann, schien einfach unglaublich. Aber es war und ist wahr. Und auch wenn einiges davon mittlerweile ins öffentliche Bewusstsein gedrungen ist – das Buch liegt in der 43. Auflage vor  –  ist es nach wie vor ein gigantischer Skandal, dass Menschen wegen dieser Pflanze gejagt werden und in Gefängissen sitzen. Im Mutterland der Hanf-Prohibtion USA ist man – auch dank dieses Buchs – mittlerweile dabei, diesen Wahnsinn zu beenden. Es wird Zeit, dass dies in Deutschland und Europa auch geschieht.

4 Comments

  1. Der Artikel “Hanfdampf” besitzt eine Komponente die eventuell erklärt, was die Bundeswehr am Hindukusch verteidigt. So schreiben Sie(Seite 8): “[…]George Bush. Nachdem er 1977 den Dienst bei der CIA quittiert hatte, war er Direktor des Pharmer-Konzerns Eli Lilly geworden und hatte sich mit beträchtlichen Aktienpaketen an den Pharmaunternehmen Abbot-Laboratories, Bristol-Myers und Pfizer beteiligt.”

    Nun ist bekannt, dass der Schlafmohn-Anbau in Afghanistan, vor dem generalstabsmäßigen Überfall der US geführten NATO unter dem Deckmantel “Rache für 9/11”, am Boden lag. Erst nachdem die US geführte NATO weitestgehenst die Kontrolle über das Land hatte, stieg der Anbau wieder – diesmal – rekordverdächtig an. Etwas zeitversetzt kamen “Gerüchte” über Missbrauch opiathaltiger Medikamente in der Zivilgesellschaft der USA auf, offensichtlich wurden diese wie Bonbons über den geplagten US-Mittelstand mit bekannten Folgen verklappt. Kurz, die Leute wurden abhängig. Wer jetzt glaubt, dass unter diesen Vorzeichen die Besatzung Afghanistans durch den “Westen” jemals ein Ende haben wird, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

    Danke für den aufschlussreichen Artikel.

     
    1. Wie auf Bestellung, heute, den 22.05.2017, wurde dieses “Phänomen” in SpiegelTV unter der Überschrift: “Deuschlands neue Sucht – Das Geschäft mit Schmerzmitteln” thematisiert. Leider ohne Erwähnung, dass Opiate aus Schlafmohn gewonnen werden und Afghanistan seit US-NATO Besatzung ein einziges Mohnfeld ist.

       

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