Aus den geheimen JFK-Akten (2)

Warum die historische Rolle des “tiefen Staats” bei der Entfernung des 35. Präsidenten der USA aus dem Amt untersuchen, wo diese Rolle doch bei der  Entfernung des 45. Präsidenten jetzt gerade “live” zu besichtigen ist ?  Zwar (noch) nicht gewalttätig, aber – mit der kruden Verschwörungstheorie einer “russian collusion”, der Trump angeblich den Thron verdankt – durchaus schon illegal und kriminell ? Nun…mit JFK fing in gewisser Hinsicht alles an und solange die große Lüge, dass er Opfer eines einsamen kleinen Kommunisten wurde, Bestand hat und seine Ermordung nicht als Staatstreich von innen bewiesen und aufgeklärt ist, solange werden auch andere große Lügen – allen voran 9/11 – unangefochten im Lexikon stehen. Und solange sind Fragen, wer denn nun mehr lügt – Donalds jüngste Tweets oder die neueste CNN oder WaPo-Story eines anonymen CIA-“officials” – vergleichsweise irrelevant.

“Not believed relevant” (NBR) war auch die jetzt mit der ersten Lieferung der letzten geheimen JFK-Files veröffentlichte Personalakte von Earle Cabell gekennzeichnet, die zeigt, dass der Bürgermeister von Dallas (1961-1964) seit 1956 Agent der CIA war. Als isoliertes Faktum mag die Mitgliedschaft eines Bürgermeisters beim Auslandsgeheimdienst für einen Archivar im Zusammenhang mit dem Kennedymord als unwichtig erscheinen, ohne Kontext scheint  es ja auch tatsächlich irrelevant. Bedeutung bekommt diese kleine Akte – und voraussichtlich noch einige andere vom “National Archive”  als “NBR” eingestufte Dokumente – erst dann, wenn man sie in ihren Kontext stellt.
JFK lag mit der CIA im Krieg, er hatte nach der Schweinbucht-Invasion angekündigt, sie “in tausend Stücke zu zerschlagen”, er hatte ihren Übervater Allen Dulles und seinen Vize, General Charles Cabell – den Bruder von Earle Cabell – gefeuert, er hatte ein Ende der verdeckten Überfälle auf Kuba und der Mordanschläge auf Fidel Castro befohlen, was diverse CIA-Obere aber ignorierten.  Earle Cabell wiederum hatte seit 1959 diese Angriffe auf Kuba unterstützt und mit George H.W.Bush für die “Operation 40” Geld gesammelt. Er hatte den vorgesehenen Auftrittsort Kennedys in Dallas und die Route des Autokorsos kurzfristig geändert – mit einer unnötigen Schleife auf der Dealay Plaza – und dort auf die notwendigen und üblichen Sicherheitsmaßnahmen verzichtet.  Auf diesem Hintergrund ist der Nachweis, das Earle Cabell im Nebenberuf auf der payroll der CIA stand, durchaus nicht irrelevant. Zumal ihm als Bürgermeister  auch die lokale Polizei unterstand über deren merkwürdiges Verhalten ich in “JFK-Staatsstreich in Amerika” schrieb:

“Und so rief der leitende Sheriff der Polizei in Dallas zwei Stunden vor dem Attentat, das direkt gegenüber seinem Fenster an der Dealey Plaza stattfinden sollte, alle etwa hundert diensthabenden Beamten zusammen und erklärte ihnen: »Wir nehmen in keiner Weise an den Sicherheitsvorkehrungen des Autokorsos teil.« Er befahl seinen Leuten, »einfach nur vor dem Gebäude in der Main Street 505 zu stehen und das Büro des Sheriffs zu repräsentieren«.
Wie es dazu kommen konnte, dass die gesamte Polizeitruppe von den Sicherheitsvorkehrungen abgezogen wurde, beschrieb später der Polizeichef von Dallas, Jesse Curry, in seinem Bericht: »Das Dallas Police Department führte sorgfältig die Sicherheitspläne aus, die ihm von Mr. Lawson, dem Verantwortlichen des Secret Service in Washington D.C., dargelegt worden waren.«Zu diesen Plänen gehörte auch, dass keine bewaffnete Motorradeskorte links und rechts neben der Präsidentenlimousine herfuhr, sondern bloß zwei Motorräder, die sich hinter dem Wagen hielten. Einer der beiden Fahrer, Bobby W. Hargis, wurde von einem Assistenten der Warren-Kommission nur einige Minuten lang befragt und bezeugte, dass bei dem tödlichen Schuss »der Kopf des Präsidenten zu explodieren schien und ich mit Blut und Gehirn bespritzt wurde«. Der Name dieses unmittelbaren Augenzeugen wurde im Warren-Report nicht einmal erwähnt, seine Aussage stand in direktem Widerspruch zum Ergebnis des Reports: ein tödlicher Schuss von hinten.”

(Das Bild zeigt den vom “Blut und Gehirn” des Präsidenten getroffenen Bobby Hargis, der links hinter der Limousine fährt – kurz vor den Schüssen. Einen besseren physikalisch belegten Augenzeugen-Beweis, dass der tödliche Schuß von rechts vorne gekommen ist, kann es kaum geben. Für Lee Oswald – angeklagt aus  dem 6. Stock des hinteren Gebäudes (mit der Feuertreppe) den Schuß abgegeben zu haben – hätte deshalb jeder ordentliche Gerichtsprozess mit einem Freispruch enden müssen.)

1 Comment

  1. Danke, sehr interessante Serie. Nach dem Betrachten einiger Videos und Berichte zur Ausführung des Mordes in Dallas fällt insbesondere die vielfache, aber letztlich doch grobe Durchdringung der Sicherheitsmaßnahmen für den Präsidenten und der Ermittlungen nach dem Attentat auf. Beispielsweise gehört dazu die gezielte Umleitung des Konvois durch Earle Cabell: wirksam, aber nicht sonderlich versteckt.
    Auch beim deutschen Terror findet man diese Handschrift wieder, u.a. bei der Fahndung nach dem entführten Schleyer, am deutlichsten aber bei der Zersetzung der Sicherheitsmaßnahmen für Alfred Herrhausen. Für eine kriminelle Organisation, die mit JFK durchgekommen ist, wäre der Herrhausen-Mord nur ein Kinderspiel gewesen.

     

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