Nach Maßgabe der Möglichkeiten

Nachdem wir hier schon vor einiger Zeit  kurz vorgerechnet hatten, dass  ein Flüchtling auf 107 Einwohner ja nicht allzuviel ist und die sterbenden Städte, Dörfer und Regionen in Brandenburg, Meck-Pomm und anderswo durchaus wiederbelebt werden können wie es einst der Alte Fritz mit den Hugenotten vorexerzierte. Auch Thomas Fischer, seit einiger Zeit  mein Lieblingskolumnist, hat die Rechnung jetzt nochmal aufgemacht und entscheidend erweitert… was man ja wohl noch mal sagen dürfen können muss:

“Aus diesen und aus vielen anderen Gründen musste jetzt endlich einmal gesagt werden dürfen: Wenn alle armen Menschen dieser Welt (so die Staatskanzlei Bayern) oder alle Kriegsflüchtlinge dieser Welt (so Prof. Winkler) gleichzeitig zu uns (gemeint: Deutschland in den Grenzen von 1990) kämen, könnte es eng werden. Mein lieber Herr Professor! Das ist ja eine Zeitenwende der Erkenntnis! Darüber haben wir ja – außer 1975, 1983, 1992, 1998 und 2003 – praktisch noch nie nachgedacht! Lassen Sie uns überlegen: 360.000 Quadratkilometer für 82 Millionen angebliche Deutsche macht 4.300 m² pro deutschen Menschen (220 pro km²). Kämen nun, sagen wir mal 60 Millionen dazu (derzeit geschätzte Zahl der Kriegsflüchtlinge auf der Welt), blieben für jeden gerade einmal noch 2.600 m², die Dichte stiege auf 360 pro km² an. Das entspricht ziemlich genau der Bevölkerungsdichte von Israel (370), Indien (370) oder Japan (340) und liegt zwischen den Niederlanden (400) und Belgien (350). In Bangladesch (1070) gilt das als gähnende Leere; auch in Südkorea (520) ist’s ein bisschen enger. Trotzdem – und auch dies muss man einmal sagen dürfen: Die schaffen das”

Nicht nur  weil Fischer in der Folge Heinrich August Winkler,  den “Chefinterpret der deutschen Geschichte” und dessen Ansinnen Asyl nur noch  nach “Maßgabe der Möglichkeiten” zu gewähren, gnadenlos zerpflückt sind alle 5 Teile dieses Artikels unbedingt lesenswert.

Mein Lieblingsbuch

05.10.15 22:10-Bildschirmkopie

Mein Lieblingsbuch, 1998 erstmals erschienen, ist jetzt wieder als eBook erhältlich. Die freundlichen Versandhändler bieten hier eine kleine Vorschau auf das Werk, in dessen Einleitung es heißt:

»Wunder geschehen nicht im Gegensatz zur Natur, sondern im Gegensatz zu dem, was wir von der Natur wissen«, verkündete der Kirchenlehrer Augustinus im 5. Jahrhundert. Seitdem hat sich diese Erkenntnis vielfach bestätigt. Ein Mensch der Frühzeit, der mit den technischen oder medizinischen Errungenschaften unserer Tage konfrontiert worden wäre, hätte wohl kaum eine andere Auffassung von Flugzeugen, Fernsehern oder Röntgengeräten gewinnen können, als dass es sich dabei um übernatürliche Wunder handelt. Doch nicht anders als wir heute das Unwissen und die Naivität vergangener Epochen belächeln, werden die Historiker der Zukunft dereinst auf unsere Zeit zurückblicken. Dass sich der Wissensschatz der Menschheit in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht hat und moderne Forschungsmethoden sowohl bei der Durchdringung des Allerkleinsten als auch der unendlichen Weiten des Universums große Erkenntnisfortschritte gebracht haben, hat nichts daran geändert, dass bis heute fundamentale Bereiche der Natur im Dunkeln liegen.

Den Biologen ist es zwar gelungen, die Gen-Bausteine der Organismen zu identifizieren, doch auf die entscheidende Frage »Was ist Leben?« haben sie noch keine Antwort gefunden; den Physikern gerannen die immer kleineren Materie-Teilchen, deren geheimnisvolles Wechselspiel sie beobachteten, zu einer unfassbaren »Wahrscheinlichkeitswolke«; und die meisten Kosmologen geben offen zu, dass zu einem Urknall ein Knallgesetz gehört, dass also am Anfang des Universums eigentlich nicht der Urknall gestanden haben kann, sondern die physikalischen Gesetze, nach denen der Knall abläuft. Trotz allen Erkenntniszuwachses scheint ein allwissendes Physiklehrbuch als Anfang aller Dinge von jenem mysteriösen Schöpfergott, dem Augustinus die Sache noch zuschrieb, nicht allzu weit entfernt. Auch wenn Forscher wie der Astrophysiker Stephan Hawking die bevorstehende Entdeckung der alles erklärenden Weltformel so tollkühn annoncieren wie die Adepten früher Zeiten den quasi auf der Hand liegenden Stein der Weisen – von einem durchdringenden Verständnis des Universums, der Materie und des Lebens kann auch mit dem Anbruch des 21. Jahrhunderts keine Rede sein. Und so ereignet sich auch in unseren Tagen noch vieles im Gegensatz zu dem, was wir von der Natur wissen, beziehungsweise im Gegensatz zu dem, was die Wissenschaft als Naturtatsache gelten lässt.

Dieses Buch stellt neue Denkansätze, Hypothesen, Theorien aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen vor, die das etablierte Naturverständnis überschreiten. Es berichtet über ihre Forschungsergebnisse und Diskussionen – darunter Kosmologie, Biologie, Geologie, Quantenphysik, Evolutionsgeschichte, Katastrophentheorie und Bewusstseinsforschung – die in den vergangenen 25 bis 30 Jahren in ihren Fachbereichen für Aufsehen und Umwälzungen sorgten. Aufregend sind dabei aber nicht allein diese Forschungsergebnisse, es sind vor allem die neuen Verbindungslinien, die sich dadurch ergeben und die eine erweiterte Perspektive unseres Naturverständnisses eröffnen. (…)

Krieg in Pipelinistan

23.06.14 17:05-Bildschirmkopie

Weil der Kollege Fefe fast nur im Internet und kaum Bücher liest, stellt er  erst jetzt fest, dass in “Wir sind die Guten” auch etwas über den Hintergrund des Syrien-Konflikt steht. Nämlich über den  Krieg in Pipelinistan, in dem sich auf der einen Seite Assad, Russland und Iran und auf der anderen Katar, Saudi-Arabien und die USA gegenüberstehen. Unten zitiere ich mal einen kurzen Abschnitt dazu, denn auch für Nicht-Buch-Leser ist dieser Hintergrund interessant, zumal Russland jetzt in Syrien ebenfalls militiärisch eingreift.

Dass die ersten Berichte über die zivilen Opfer der russischen Luftschläge schon erschienen, bevor die Bomber überhaupt in der Luft waren, passt zu der desinformierenden Art und Weise der gängigen Berichterstattung über den Konflikt. Beim durchscannen der Artikel dazu war immer wieder zu lesen, dass die Russen die falschen, nämlich die von der CIA gesponsorten “moderaten” Terroristen getroffen hätten. Und nicht den IS – der freilich ebenfalls CIA-gesponsort ist, und zwar  von “Exon”-John McCain persönlich, welcher jetzt logischerweise zu den ersten gehörte, der die russischen Luftschläge scharf verurteilte.

 “Schon seit 2010 in Betrieb ist die russische Pipeline Blue Stream, die Gas durch das Schwarze Meer in die Türkei befördert und die Russland mit Blue Stream 2 verlängern möchte – nach Syrien. Dass sich Syriens Diktator Assad auf dieses Angebot eingelassen hat und das Angebot einer von den USA und der EU projektierten Pipeline, die Erdgas aus Katar durch Jordanien und Syrien ans türkische Mittelmeer befördern soll, ablehnte, ist vermutlich der eigentliche Grund für den vom Westen massiv propagierten Regimewechsel in Damaskus sowie für die Tatsache, dass Katar und Saudi-Arabien die Rebellen im syrischen Bürgerkrieg finanzieren und mit Al-Qaida-Söldnern unterstützen. Es geht dabei nicht um Demokratie oder Menschenrechte, sondern um das Milliardengeschäft mit den energiehungrigen europäischen Anrainern des Mittelmeers. Diesem Geschäft ist Assad im Weg und will zudem nicht nur russischem Erdgas Zugang zum Mittelmeer verschaffen, sondern hat auch mit dem Iran einen milliardenschweren Lieferungsvertrag geschlossen. Das – und nicht die unzweifelhaften Diktatur des Herrschers Assad – ist der Grund für den vom Westen mit Geld aus Katar und Saudi-Arabien geförderten Bürgerkrieg in Syrien und für die Unterstützung, die Assad in diesem Konflikt durch Russland erfährt. Es ist das große Spiel um Ressourcen und Marktzugänge – und hier gelten der Doppelstandard und die Gesetze des Dschungels: Täuschung, präemptive Attacken, Krieg.
Im August 2013 standen die Truppen der USA, Englands und Frankreich kurz davor, mit Bombardements in den syrischen Konflikt einzugreifen, weil nach mehreren Giftgaseinsätzen, die der Assad-Regierung zugeschrieben wurden, laut Präsident Obama eine »rote Linie« überschritten war. Nachdem am 21. August in der Stadt Ghuta erneut mehrere hundert Zivilisten durch den Einsatz chemischer Waffen ums Leben gekommen waren, legte Präsident Obama den Termin des Bombenangriffs auf den 2. September fest, England verlegte ein U-Boot und Kampfflugzeuge nach Zypern, eine Staffel der französische Luftwaffe wurde in Bereitschaft versetzt. Ohne Frage wäre es zu diesem Angriff auf Damaskus gekommen – der US-Präsident hatte ihn sogar schon öffentlich angekündigt. Dass er im letzten Moment abgewendet wurde, verdankte sich einem russischen Agenten, der dem britischen Geheimdienst MI 6 ein Muster des in Ghuta verwendeten Giftgases zukommen ließ – samt eines vertrauenswürdigen Belegs, dass dieses nicht aus russischen Beständen stammte und daher auch nicht im Arsenal von Assad gewesen sein konnte. Nachdem die Chemiker des MI 6 dies geprüft hatten, funkten sie eilig nach Washington: »Wir wurden reingelegt!« Wie dies geschah, deckte Seymour Hersh in zwei investigativen Reportagen einige Monate später auf: Als eine klassische »False-Flag-Operation« hatten die »Rebellen« selbst das Giftgas eingesetzt. Die Kampfstoffe stammten aus der Türkei und waren auf der von der CIA eingerichteten »Rattenlinie« zur Versorgung der Aufständischen nach Syrien gebracht worden. Mit dem von der Türkei, Katar und Saudi-Arabien ausgeheckten Plot sollten die Großmächte in den Konflikt hineingezogen werden, was Russland verhinderte und danach einen Deal mit Assad aushandelte, sämtliche syrischen Chemiewaffen zu vernichten.
Wer nun glaubt, dass das Auffliegen der Geschichte und die Beweise, dass nicht der »Schlächter« Assad gegen sein eigenes Volk einschließlich Kindern mit Chemiewaffen vor- ging, sondern die vom Westen eingeschleusten Söldner der Al-Nusra-Front, zu einem Ende des verdeckten Kriegs in Syrien geführt haben, irrt. Die »rote Linie«, die gesetzt wurde, gilt nach dem doppelten Standard eben nur für eine Seite: Wir, die Guten, dürfen so etwas, weil wir für »Freiheit« und »Menschenrechte« unterwegs sind, weil wir »Diktatoren« beseitigen und den »Terror« bekämpfen. Und wenn unsere Helfershelfer dabei auch mal Giftgas einsetzen und einen Massenmord unter falscher Flagge veranstalten, ist das kein Grund, sich von ihnen zu trennen: Es geht um Größeres, um das große Spiel, in dem jedes Mittel erlaubt ist und in dem »wir« immer die Guten sind. (Bröckers/Schreyer: Wir sind die Guten, Frankfurt 2014, S. 58 ff.)

 

Ein ausführlicher Report über die aktuelle militärische Lage ist heute auf Telepolis erschienen: “Terrorismusbekämpfung zwischen Kuhhandel und Blockkonfrontation”

Ethik oder Etat – Sind unsere Werte nur noch Börsenwerte ?

Die erste “Positionen” -Gesprächsrunde bei Ken FM – Krieg oder Frieden in Europa – die im Juni online ging, haben mittlerweile mehr als 500.000 Menschen gesehen. Eine hervorragende Quote für ein über 2,5 Stunden dauerndes Gespräch, die zeigt, dass es  jenseits des üblichen Talkshow-Zirkus durchaus großes Interesse an politischer Debatte gibt, wenn nicht die immer gleichen talking heads ihren immer gleichen Sermon ablassen.  Da sich  öffentlich-rechtlichen Sender von ihrem gesetzlich gebotenen Bildungsauftrag weitgehend verabschiedet haben und politische Positionen nur noch in minimaler Bandbreite zu Wort kommen läßt, muß man mittlerweile ins Internet gehen um über den Tellerrand des  aktuellen CDU/SPD-Meinungspektrums hinauszublicken.  Das macht Ken Jebsen mit den Gästen seiner zweiten Gesprächsrunde, die heute online gegangen ist, einmal mehr möglich. Für einen langen TV-Abend empfehlen wir deshalb hier die Diskussion über “Ethik oder Etat” mit Prof. Dr. Athanassios Giannis (Leiter des Instituts für organische Chemie der Universität Leipzig), Peter König, der über 20 Jahre für die Weltbank Wasserentwicklungsprojekte geleitet hat, Ernst Wolff, Autor des Buches “Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzuges”, und  Albrecht Müller, Ökonom, ehemaliger Wahlkampfleiter von Willy Brandt und Kopf des alternativen Nachrichtenportals NachDenkSeiten.

 

Warum “Dieselgate” keine Anti-VW-Verschwörung ist

VW

Dass die realen Emissionen von Dieselmotoren nicht dem entsprechen, was im Prüfmodus an Stickoxiden gemessen wird, ist keineswegs eine Neuigkeit. Zuletzt  hielt eine Studie des International Council on Clean Transportation im Oktober 2014 fest, dass der tatsächliche Stickoxid-Ausstoss aktueller Diesel-Fahrzeuge sieben Mal höher liegt als die “Euro 6” Norm vorschreibt.  Und das nicht nur  bei VW-Motoren. Noch beschwören BMW, Mercedes und andere Hersteller zwar, dass die keine Tricks angewendet haben, um ihre Diesel bei der Zertifizierung durch die Zulassungsbehörden “clean” erscheinen zu lassen – besonders glaubhaft scheint das aber nicht.

Bei VW soll die Motorsteuerungs-Software, die den Prüftstand erkennt und den Stickoxid-Output reduziert, schon seit 2005 eingebaut sein und  weil das wahrlich kein programmiertechnisches Hexenwerk  darstellt, ist davon auszugehen, dass die Kokurrenz nicht seit 10 Jahren schläft und derlei kleine (Betrugs-)Helferlein ebenfalls eingebaut hat. Und auch davon, dass Ministerien und Zulassungsbehörden nicht erst seit einer Woche davon wissen, dass in Sachen Verbrauch und Abgas geschummelt und geschönt wird was das Zeug hält,  und die Vollgas-Lobby  – die dunkle Seite der Macht – bisher mächtig genug ist, damit durchzukommen.

Für die von diversen Konspirationisten vorgebrachte Mutmassung, dass die fiesen Amis Deutschland abstrafen wollen und deshalb VW an den Pranger stellen, gibt es keinerlei Indizien – sehr viel wahrscheinlicher ist, dass es sich um branchenüblichen, markenübergreifenden Betrug, also um organisierte Kriminalität,  handelt, und der VW-Konzern als zweitgrößter Hersteller der Welt eben nun als erster erwischt worden ist.   Auch wenn der sog. “Motor-Journalismus” notorisch korrupt ist,  sollte man schon sehr bald damit rechnen, dass auch die Abgasreinigung anderer Hersteller genauer unter die Lupe genommen wird und ähnliche Hintertüren offenbart.

Überraschend wäre das nicht, denn wer kann schon zulassen, dass die Dieselmotoren der Mitbewerber um ein Vielfaches “sauberer” sind als die eigenen. Sehr überraschend dagegen wäre, wenn VW technisch derart hinterherhinkte, dass sie auf faule Tricks angewiesen wären, während die Konkurrenz  – die ja ebenfalls die von Bosch stammenden Katalysatoren oder vergleichbare Technik einsetzt – die Abgastests ohne Manipulation locker besteht.

Also: Dieselgate ist keine Verschwörung gegen VW und Deutschland – auch Hyundai und Kia wurden von der US-Umweltbehörde schon beim Schummeln erwischt – sondern hoffentlich der Anfang vom Ende des systematischen Betrugs der Auto-Industrie, dem die Verbraucher seit Jahrzehnten ausgesetzt sind:  durch völlig realitätsferne, desinformierende Verbrauchs, -und Emissions-Angaben.  Dass sich der Ex-VW-Boss Winterkorn stets für das TTIP-Abkommen inkl. privater Schiedsgerichte ausgesprochen hat, macht da absolut Sinn: er hätte dann dort gegen die strengen kalifornischen Abgasregelungen vorgehen können, die geschäftsschädigend für  den Umsatz mit Diesel-Autos sind.

Die größte Rauschgiftparty der Welt

5272-DrugWarVor 18 Jahren, am 20.9.1997, berichteten Manfred Kriener und Walter Saller auf der Titelseite der “taz” über die Exzesse bei der “Massenintoxination in München”, dem Oktoberfest. Vor fünf Jahren nahm ich ihren Bericht – zusammen mit einem  Report über eine Goa-Partyin mein Buch“Die Drogenlüge”  auf.  Hier aus aktuellem Anlass ein Re-Post dieses wunderbaren Texts über die “weltweit größte Orgie mit Suchtmitteln”, die  gerade wieder in der bayerischen Landeshauptstadt tobt:

“Schwerste Exzesse von voraussichtlich mehr als sechs Millionen Drogengebrauchern werden beim heute beginnenden sogenannten Oktoberfest in München erwartet. 16 Tage und Nächte lang trifft sich auf der Theresienwiese eine internationale Drogenszene zur weltweit größten Orgie mit Suchtmitteln. Die Polizei rechnet mit täglich Zehntausenden von berauschten Probierenden und Dauerkonsumenten aller Altersstufen. Die Rettungsdienste halten rund um die Uhr ein massives Aufgebot an Hilfskräften in Bereitschaft. Allein das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hat nach Auskunft von Sprecherin Helge Walz 73 Ärzte und 831 Sanitäter und Schwestern im Einsatz. In den Kliniken stehen Notfallbetten zur Behandlung akuter Intoxikationen, rauschbedingter Psychosen und Verletzungen bereit. Chillout- Räume mit „Ausnüchterungsliegen“ wurden beim „Schottenhammelzelt“ auf dem Festgelände eingerichtet. Die stark ritualisierte Drogenaufnahme der Abhängigen beginnt heute um 12 Uhr mit dem gewaltsamen Öffnen eines riesigen Holzzubers, in dem sich große Mengen der psychoaktiven Substanzen befinden. Unter Aufsagen kultischer Formeln („O`zapft is!“) beginnt der Missbrauch.Continue reading →

Royal Babylon: “Direct Action” gegen Corbyn

“Die Windsors sind ein Schandfleck im kulturellen Erbe Großbritanniens. Die Monarchie ist das Schmierfett der Kriege Großbritanniens, denn sie überzeugt ihre Soldaten, allzeit pflichtbewusst fürs Vaterland zu sterben.


Um schließlich, nach Ehrung der Opfer staatlichen Gemetzels, die Profite der Waffenhändler zu vermehren. Waffenhersteller und ihre Kunden werden auf Schloss Windsor gern zum Tee geladen – Flugschauehrung inklusive – denn Monarchie und Militärgeschäft sind eng verwoben. In Großbritannien ist “Rüstungsindustrie” ein royaler Markenname..

Die Majestäten profitieren die ganze Zeit auch selbst vom Geschäft mit Waffen,
 dank ihrer Kronagenten, die ihre Unternehmensbeteiligungen verwalten und mit Lockheed und BAE Systems ungerührt Anteile
 an Streubomben-, Uranmunition und Landminenproduzenten halten.”

So heißt es in dem investigative poem von Heathcote Williams “Royal Babylon – The Criminal Record of The British Monarchy”, das als notwendiges Antidot für das anschwellende Pomp,-und Popgedröhne anläßlich des Staatsbesuchs der Oueen in diesem Sommer auf Deutsch erschienen ist ( Die Windsors – Eine schrecklich nette Familie, Westend-Verlag).

Vor ein paar Tagen hat die britische “Stop The War”-Coalititon Teile daraus auf ihrer Website veröffentlicht, worauf jetzt der konservative Telegraph ein weiteres Schmierensüppchen gegen den  jüngst zum Labour-Chef gewählten Jeremy Corbyn kocht: er sei wegen dieser “schändlichen Schmähschrift”  als Vorsitzender von “Stop The War” zurückgetreten. Das stimmt zwar nicht, den Corbyn hatte schon nach seiner Wahl zum Labour-Chef  bekanntgegeben, dass er diesen Vorsitz niederlegen wird, ermöglicht aber einmal mehr,  sowohl die Friedensbewegung als auch Corbyn als Majestätsverächter in die Extremistenecke zustellen. Dass Corbyn  bei der  Erinnerungsfeier an die “Battle of Britain” die Hymne nicht mitsang, wurde ihm ebenfalls schon schwer angekreidet, wie auch seine Nicht-Antwort auf die Frage, ob er als Mitglied des Staatrats vor der Königin niederknien wird. Na ja, könnte man sagen, die Briten mögen halt diesen Windsor-Zoo mit seinen milliardenschweren Marionetten und wer diesen staatsfetischistischen Zirkus nicht mitmacht, muss sich nicht wundern, als Spielverderber und Un-Patriot hingestellt zu werden. Selbst wenn er die “schändliche Schmähschrift” auf der “Stop The War”- Website gar nicht kennt und sein Rücktritt dort nichts damit zu tun hat. Ok, Schmierenschurnalismus as usual eben. Ungewöhnlich und beängstigend allerdings ist, wie ein leitender General der britischen Armee von der “Sunday Times” (hinter der Bezahlschranke) heute zitiert wird:  “armed forces would take “direct action” to stop a Corbyn-Government downgrading them”.  So kann man einen Putsch ja schon mal androhen…

Das Geschäft mit der Angst

RisenHeute auch auf den Nachdenkseiten erschienen, eine Rezension von  James Risens Report über das Milliardenbusiness des „War On Terror“

Dass der „Krieg gegen Terror“ nicht zu gewinnen ist, weil „Terror“ eine Strategie ist, gegen die „Krieg“ nichts ausrichten kann – zu dieser Einsicht konnte man schon kommen, als Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nach dem 11. September 2001 ankündigte, dass der „Great War On Terror“, den man begonnen habe, sich über „mehrere Generationen“ hinziehen würde. Vierzehn Jahre, also etwa eine halbe Generation später, lässt sich nun feststellen, dass dieser Krieg nicht nur nichts gegen den Terror ausrichten konnte, sondern im Gegenteil immer mehr und immer neuen Terror produziert. Nicht in den USA, die in Bezug auf heimischen Terrorismus eines der ruhigsten Jahrzehnte überhaupt erlebten – in den 60er und 70er Jahren gab es im Zuge der Bürgerrechts- und Anti-Kriegs-Bewegung deutlich mehr Anschläge als seit 9/11 – sondern überall dort, wo der „War On Terror“ geführt wurde und weiter geführt wird. In Afghanistan, Pakistan, Irak, Libyen, Syrien hat dieser Krieg nicht dazu geführt, dass der Terror besiegt wurde, sondern vielmehr dazu, dass wie jetzt mit dem „Islamischen Staat“ terroristische Milizen ganze Regionen regieren.

Wenn man dem Imperium in Washington nicht die Absicht unterstellen will, die Entstaatlichung ganzer Regionen nach der Strategie „Teile und Herrsche“ bewusst zu betreiben, um dank Krieg und Terror in den Peripherien als globaler Hegemon unangefochten zu bleiben – wenn also dieser „War On Terror“ tatsächlich zur Jagd auf internationale Terroristen gedacht war, dann hätte man bei dieser verheerenden Bilanz spätestens nach der Erledigung des vermeintlichen Ober-Terroristen Osama Bin Laden den Sieg und das Ende dieses Kriegs verkünden können. Das geschah bekanntlich nicht, der Friedensnobelpreisträger Obama hakte weiter an jedem „Terror Tuesday“ auf der Liste die per Drohne (und oft von deutschem Boden via Rammstein) zu erledigenden „Terroristen“ ab und führt den ungewinnbaren Krieg unbeirrt weiter. Wenn es nun aber kaum eine bessere Methode gibt, neue Terroristen und „Feinde der Freiheit“ zu produzieren, als Predator-Raketen auf Hochzeitsgesellschaften zu feuern, wenn es militärisch also überhaupt keinen Sinn macht, auf diese Art den Terrorismus zu bekämpfen, warum wird dieser absurde Krieg nicht beendet?

Eine wenig erfreuliche Antwort auf diese Frage liefert der „New York Times“- Reporter und zweifache Pulitzer-Preisträger James Risen schon mit dem Titel seines neuen Buchs: „Krieg um jeden Preis – Gier, Machtmissbrauch und das Milliardengeschäft mit dem Kampf gegen den Terror“ (Westend Verlag, 312 Seiten, 17,99). In einem rasanten Ritt beschreibt er den Goldrausch, den der am 11. September 2001 begonnene Anti-Terror-Kampf auslöste und ganze Heere von Geschäftemachern an die überquellenden Füllhörner des Pentagon und des neuen Heimatschutz-Ministeriums lockte.

Der Mega-Skandal, den Donald Rumsfeld noch einen Tag vor 9/11 enthüllt hatte und der im Horror der Attacken dann unterging – dass das Verteidigungsministerium für 2.300 Milliarden (!) Dollar seiner Ausgaben keine Quittungen finden konnte – erhält mit Risens Buch in gewisser Weise seine Fortsetzung: „Der gesamte Krieg gegen den Terror hat schätzungsweise vier Billionen Dollar gekostet. Das ist ein enormer Geldtransfer in einen neuen Wirtschaftssektor, die Sicherheitsindustrie.“ Und dieser wirkte wie ein Magnet, nicht nur auf Gauner und Glücksritter, die das Geschäft mit der Angst nutzten, um den Sicherheitsbehörden Millionen aus der Tasche zu ziehen, sondern auch auf große Militärkonzerne wie KBR und Blackwater. So klar es ist, dass die Fälle von Betrug, Verschwendung und Vertuschung, die Risen anekdotisch schildert, nur die Spitze eines Eisbergs darstellen, so deutlich wird auch, wie der Lockruf des großen Etats jede Ethik außer Kraft setzt. Etwa bei den Psychologen, Verhaltenswissenschaftlern und Ärzten, die sich mit neuartigen Foltermethoden bei Militärs und Geheimdiensten andienten – und diese Methoden dann mit ihren privaten Firmen auch anwendeten. Die Drehtüren, in der die neue Sicherheitselite zwischen Staatsapparat, Auftragsfirmen, Denkfabriken und TV-Studios rotiert, sind beängstigend – und werden weiter dafür sorgen, dass Milliarden für „die Sicherheit“ niederregnen, um jeden Preis. Dem pessimistischen Ausblick des Autors kann man sich daher nur anschließen: „Dank des parteiübergreifenden Anstrichs, den er unter Bush und Obama bekommen hat, befindet sich Washingtons globaler Krieg gegen den Terror nunmehr in seinem zweiten Jahrzehnt. Es gibt keine Anzeichen, dass er sich abschwächt; Gauner und Freibeuter schlachten ihn weiter nach Herzenslust aus, und immer mehr unbeabsichtigte Konsequenzen dieses Kriegs türmen sich auf.“