Am heutigen Montag beginnt vor dem Magistrates’ Court in Horsham, West Sussex, der Prozeß gegen Anthony Rooke, weil der sich weigert, seine Rundfunkgebühren zu bezahlen. Zu seiner Rechtfertigung verweist Rooke auf Paragraph 15, Artikel 3, des drakonischen »Terrorism Act 2000«, der schon beim geringsten Verdacht, man könnte durch sein Tun, z.B. Spenden, den Terrorismus unterstützen, jeden britischen Bürger unter hoher Strafandrohung verpflichtet, von entsprechenden Handlungen abzusehen. Auf dieser Grundlage argumentiert Rooke, daß er sich durch die Zahlung der Rundfunkgebühr der Unterstützung des Terrorismus schuldig machen würde, denn durch die ständigen Desinformationen der BBC über den Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA decke der Medienkonzern die wahren Schuldigen und leiste somit Beihilfe zum Terrorismus. Mehr dazu in der Jungen Welt. Und hier
Ich kann vor Mr. Rooke nur meinen nicht vorhandenen Hut ziehen – und ergänzen, dass die hiesigen GEZ-Zwangsabgaben die öffentlich-rechtlichen Sender zu einer informationellen Grundversorgung verpflichten, die freilich – spätestens seit 9/11 – ebenfalls nicht eingehalten wird. Insofern wäre ein solche Klage möglicherweise auch in Deutschland angebracht.
Update: “District Judge Stephen Nicholls said that, even if he accepted and agreed with the evidence, that would not give him grounds to rule that Rooke was not guilty.He imposed a six month conditional discharge, with £200 legal costs.” Siehe auch hier.
Gestern nacht ist Christian Semler gestorben. Er wurde 74 Jahre alt und war einer meiner klügsten und sympathischsten Kollegen. Seinen Namen kannte ich schon als Teenager, denn er war neben Rudi Dutschke einer der führenden Köpfe der Studentenbewegung, später war er ein Mitgründer der maoistischen KPD/AO, was “Aufbauorganisation” hieß, von uns aber nur “A Null” genannt wurde, denn der rigide Parteikommunismus war nicht mein Ding. Als ich mich Ende der 80er Jahre von der taz verabschiedete, kam Christian gerade dazu – und als ich vor einigen Jahren in beratender Funktion wieder zur taz stieß war er, obwohl schon im Rentenalter, immer noch da. Und wenn man bestimmte Fragen hatte, etwa zu historischen Ereignissen der Weltgeschichte, gab es niemanden, der einem aus dem Stand gelehrter und ankedotenreicher dazu berichten konnte als Christian Semler. Obwohl eigentlich studierter Jurist war er eine wandelnde Enzyklopädie, besonders wenn es um sein Spezialgebiet, die Aufstände und Revolutionen der Erniedrigten und Beleidigten in aller Welt und zu allen Zeiten ging. Seinem einstigen maoistischen Dogmatismus stand er äußerst selbstkritisch gegenüber und meinte, wenn man ihn darauf ansprach: “Ein Glück, dass wir uns damals nicht durchsetzen konnte.” Für die Befreiungsbewegungen in den kommunistischen Ländern hatte er offene Augen und Ohren, doch ohne damit gleich – wie viele andere “Alt-68er” – in dumpf neo-liberale, kapitalistische Propaganda zu verfallen. Über die 
