John Denvers alte Country-Hymne “Rocky Mountain High” wird nach diesem Wahltag in Colorado sicher noch oft geklickt, denn die eigentliche Sensation des Wahltags fand nicht in Washington D.C. sondern in Colorado und Washington State statt. In diesen Bundestaaten stimmte eine Mehrheit für die Legalisierung von Marijuana – und dies nicht mehr nur zu medizinischen Zwecken, wie bisher schon in 17 US.Bundesstaaten, sondern grundsätzlich. Als Rohstoff, Medizin, und als Genußmittel für Erwachsene kann Hanf in diesen Bundesstaaten künftig legal angebaut, produziert und verkauft werden. Genau 75 Jahre nach dem mit dem “Marijuana Tax Act” 1937 das Verbot der Hanfpflanze in den USA begonnen hatte und vom ersten US-“Drogenzar” Harry Anslinger nach dem 2. Weltkrieg in die UN-Gesetze gehievt wurde, ist im Mutterland der Hanf-Verfolgung das Ende der Prohibition eingeläutet. Und damit der Beginn einer rationalen, schadensmindernden Drogenpolitik, die mit der Besteuerung und kontrollierten Abgabe von Cannabis einen Meilenstein für die USA und den Rest der Welt setzen wird. Selbst in den Niederlanden, wo der Verkauf in Coffeeshops seit Jahrzehnten geduldet wird ist Cannabis de iure ja immer noch illegal, Colorado und Washington sind somit die ersten Staaten, die sich defintiv von der Prohibition und dem “war on drugs” verabschieden.
Die angenommenen Gesetzesvorlagen in Colorado und Washington (Measure No.502) werden nicht nur den Verbraucher,-und Jugendschutz stärken und für eine deutliche Entlastung von Polizei und Justiz sorgen, die sich künftig um wirkliche Kriminelle kümmern kann, mit ihren Vorgaben, wie die neuen Steuereinnahmen zu verwenden sind – vorallem für Gesundheits,-und Bildungszwecke – können sie auch zum Vorbild für eine neue Sozial,-und Kommunalpolitik in den USA werden. Sowie zu einem Prüfstein für die Aussage in Obamas Siegesrede: “Das Beste kommt noch!” – denn auf Bundesebene hat sich der Präsident stets für eine Beibehaltung der Prohibtion ausgesprochen und zu Beginn seiner ersten Amtszeit auch noch die von Bush & Co. betriebenen Schikanen gegen die medizinische Abgabe in den Bundestaaten fortgesetzt. Verfassungsrechtliche und politische Auseinandersetzungen sind also zu erwarten. Ob der neue alte “Hoffnungsträger” dem “Yes we can!” folgt, das die Wähler in Colorado und Washington einer überkommenen Drogenpolitik entgegen gesetzt haben, bleibt eine spannende Frage.
Als ich heute morgen vom Ausgang dieser Wahl erfuhr, mußte ich zuerst an meinen 2010 gestorbenen Freund und Ko-Autor Jack Herer denken, ohne dessen unermüdliches Engagement und sein bahnbrechendes Buch dieses Ergebnis nicht möglich gewesen wäre. Und es ist klar, welche feurige Rede der “Hempster of the Century” im Hanfhimmel heute halten wird: dass nämlich zwei Bundesstaaten viel zu wenig sind, weil es 47 weitere und den ganzen Rest der Welt auch noch gibt – und er erst dann Ruhe geben wird, wenn die wichtigste Pflanze der Welt überall wieder legal geworden ist.
Die Realität ist manchmal phantastischer ist als die phantasievollste Einbildung und die Wirklichkeit oft komischer als die verrückteste Satire. Bisweilen aber sind Fiktionen den Fakten auch ein Stück voraus und nehmen als Vorstellung schon vorweg, was später zur Wirklichkeit wird. Ob es sich dabei Zufall oder um selbsterfüllende Prophezeiungen handelt, bei denen die Fakten die vorgegebenen Fiktionen einfach nur imitieren, ist unklar, manchmal scheint die fiktive Vorwegnahme von später eintretenden Tatsachen in ihrer Detailgenauigkeit geradezu an Magie zu grenzen. Berühmtes Beispiel ist die “Liebesgeschichte auf hoher See”, in der der amerikanische Autor Morgan Robertson 1898