Cum cura et defectus intellectus

“Mit Sorge und Unverständnis verfolgen wir als Autoren und Künstler die öffentlichen Angriffe gegen das Urheberrecht”, hebt eine Online-Resolution an, mit der ein Schar von Urhebern “gegen den Dienstahl geistigen Eigentums” protestiert. Weil mich der pastorale Ton an päpstliche Enzykliken erinnerte , die immer nach ihren lateinischen Eingangsworten benannt werden und das Lateinabitur zu lange her ist,  habe ich vom  Google Translator checken lassen, was “Unverständnis” heißt – und “defectus intellectus” klingt nicht nur gut, sondern paßt auch in anderer Hinsicht zu dieser Bulle, denn so wirklich intelligent ist es nicht, was die Damen und Herren Urheber schreiben.  Dass das Ende des Holzwegs gekommen ist, haben sie offenbar noch nicht verstanden

“Die alltägliche Präsenz und der Nutzen des Internets in unserem Leben kann keinen Diebstahl rechtfertigen und ist keine Entschuldigung für Gier oder Geiz.” – wohl wahr, aber auch Mord und  Totschlag sind ja durch die Präsenz des Internets nicht entschuldigt. “Die neuen Realitäten der Digitalisierung und des Internets sind kein Grund, den profanen Diebstahl geistigen Eigentums zu rechtfertigen oder gar seine Legalisierung zu fordern. Im Gegenteil: Es gilt, den Schutz des Urheberrechts zu stärken und den heutigen Bedingungen des schnellen und massenhaften Zugangs zu den Produkten geistiger Arbeit anzupassen.” Hmmmh. Den letzten Halbsatz würde ich unterschreiben. Ansonsten aber scheint mir die ganze Erklärung als stures Beharren auf dem Status Quo und letztlich genauso naiv wie die “Alles Gratis”-Mentalität juveniler Netzpiraten.Continue reading →

Hordenjournalismus

Mit Nazivergleichen muß man vorsichtig sein, zulässig sind sie nur , wenn irgendwo “Freiheit” und “Demokratie” herbeigebombt werden sollen und zur allgemeinen Mobilmachung der nächste  “Hitler” ausgerufen wird. Da kann man es dann mit Analogien so richtig krachen lassen, wie seinerzeit zum Beispiel Hans Magnus Enzensberger mit Saddam Hussein als  Adolfs “Wiedergänger”. Weniger freundlich aufgenommen – und mit Nazi-Beschimpfungen bombardiert – wird hingegen, wer wie Günter Grass auf die Atomwaffen und die  Kriegsdrohungen Israels hinweist. Dass der Schriftsteller dieses Bombardement als mediale “Gleichschaltung”  bezeichnete wurde ihm umgehend als unkorrekter Nazivergleich vorgeworfen, was Grass zu der Präzisierung veranlasste, es handele sich um “Hordenjournalismus”. Das trifft es in der Tat besser – auch wenn man wie Rudolf Maresch in seinem Telepolis-Artikel heute – durchaus auch von Gleichschaltung der Medien sprechenkann.Continue reading →

Kognitive Infiltrierung

Auf die seltsamen Methoden eines Beraters und Vertrauten des US-Präsidenten Barack Obama, Cass Sunstein, im Umgang mit den Zweifeln an der offiziellen 9/11-Legende hatte ich in einem Artikel zum Jahrestag 2010 hingewiesen: “Cass Sunstein empfiehlt in einem Papier die “kognitive Infiltrierung” des 9/11-Truth-Movements. Von der Regierung bezahlte Agenten und Autoren sollen die Bewegung von innen diskreditieren. Die offizielle Verschwörungstheorie soll also dadurch gestärkt werden, dass die Regierung nun selbst alternative Theorien unter das Volk bringt. Nicht um der Wahrheitsfindung willen, sondern um die Verwirrung zu steigern. Wir dürfen also gespannt sein, was zum 10. Jahrestag 2011 da alles aufgefahren wird.”

Bei einer Veranstaltung an der Universität New York wurde der Harvard-Professor jetzt mit seinem Vorschlag konfrontiert – und gefragt, ob ihn derlei Propagandamethoden nicht an Joseph Goebbels erinnern würden… Doch Sunstein will sich nicht einmal mehr richtig erinnern, diesen Aufsatz überhaupt geschrieben zu haben.

Update: Wunderbar ins Bild der Propaganda-Fakes in der Church Of Fear paßt die neueste Version der Unterhosenbombe, die von der CIA bei irgendwem, irgendwie, irgendwo, irgendwann gefunden – aber…. gerade noch rechtzeitig entschärft wurde. War echt knapp !!!

Update 2: Der Bomber “turned out to be a CIA employee”, der Anschlag war erfunden, aber die Unterhose war echt. Immerhin.

Die Gasprinzessin auf der Erbse

Die Timoschenko-Kiste wird immer doller. Ich hatte ja schon 2004 gefordert, dass in dem Getue um die “demokratische” Gasprinzessin eigentlich nur noch Arni Schwarzenegger auftreten müßte, um die Hollywood-Schmonzette perfekt zu machen; aber jetzt hat sich immerhin Vitali Klitschko eingeschaltet, das könnte dann noch für eine Babelsberg-Vorabend-Produktion reichen. Der ukrainische Ex-Boxer und Politiker fordert Julia Timoschenko auf, den Hungerstreik abzubrechen, in den sie angeblich am 20. April getreten ist – wobei dieser möglicherweise ebenso ernst zu nehmen ist wie die komplizierten  Rückenschmerzen, die angeblich nur im Ausland behandelt werden können. Darauf lassen zumindest Angaben ihrer ehemaligen Zellennachbarin schließen, die auf den stets vollgepackten Kühlschrank in der Luxuszelle der Ex-Präsidentin verweist: “Wo gibt es denn sonst im Gefängnis eine Mikrowelle, Kühlschrank, Dusche, Plasmafernseher, Möbel, Geschirr, etc.?” Dem Opfer der ukrainischen Justiz-Willkür scheint es sooo schlecht nicht zu gehen – selbst die im Knast eigentlich verbotenen Haarfärbemittel werden der Fake-Blondine geliefert…. berichtet jedenfalls die ukrainische Presse, die möglicherweise allerderdings genauso ins Positive übertreibt wie die hiesigen Medien die Dame zum gequälten Folteropfer und zur Märtyrerin hochstilisieren. Und dabei stets  vergessen, dass jemand, der quasi über Nacht zu einem Milliardenvermögen gekommen ist, schon allein deshalb zu Recht in Untersuchungshaft sitzt. So sieht das im Übrigen auch die Bevölkerung in der Ukraine, die den PR-Schwindel mehrheitlich zu durchschauen scheint. Hierzulande wird indessen weiter auf aus allen Kanälen georgelt und getrommelt – und nachdem die Drohung diverser Politiker, der EM fernzubleiben von den Fußball-Fans weltweit mit Begeisterung, statt mit Schrecken begrüßt wurde, werden weitere Massnahmen geprüft. Minister Dirk Niebel, Spezialexperte für Mehrheitsbeschaffung, empfiehlt trotzdem hinzufahren aber  aus Solidarität “orange Schals” zu tragen in Erinnerung an das gleichfarbige Revolutionsgedöns der Oligarchin. Im Hochsommer ? Und gegen Holland ? Hier muß unser Verniebelungsexperte noch nachbessern – wahrscheinlich  hat die Naumann-Stiftung in Kiew noch Restbestände von der gefloppten Orange-Revolution im Keller, die er endlich loswerden wollte. Vielleicht sollte er bei Jogi Löw vorstellig werden, damit sich seine Buben  “Julia” auf die gestählte Brust schreiben um mit hochgerissenem Trikot nach jedem Tor Sympathie zu demonstrieren…beziehungsweise seinem Job als Entwicklungshilfeminister endlich nachkommen: dass es in der gesamten Ukraine mit ihren 50 Mio. Einwohnern keinen Orthopäden gibt, der einen Bandscheibenvorfall behandeln kann, ist ein untragbarer Zustand!

Wie auch immer, bis Juni werden wir sicher noch weitere Versuche erleben, die große Fußball-Gala zu instrumentalisieren, von Timoschenko-Fans, die zahlenmäßig zwar wenige sein mögen, aber weil sie an den Schaltstellen der Medien sitzen wie ein Posaunenchor tönen – und wichtige Informationen außen vor lassen. Wie etwa den Hinweis von Julian Assange, dass Timoschenko ihre ergaunerten Millionen in London geparkt habe. Im russischen Fernsehen beschwerte sich der Wikileaks-Gründer jetzt darüber, dass der “Guardian” diese Information aus einem Interview mit ihm herausgeschnitten habe. Solange solche geschäftlichen Hintergründe in der Berichterstattung unerwähnt bleiben, kann sich niemand ein halbwegs objektives Bild machen, was sich bei diesem Kampf der Oligarchen-Fraktionen in der Ukraine eigentlich abspielt. Klar ist nur, das die dumpfe Schmonzette mit dem demokratischen Engel hier und den tyrannischen Despoten da so falsch ist wie der güldene Haarkranz der Timoschenko…

OBLadi, OBLada

Zum Jahrestag des angeblichen Ablebens von Osama Bin Laden läuft der Kalenderschurnalimsus  mal wieder auf Hochtouren, Obama fliegt gar 11.000 Kilometer, um in Afghanistan 11 Minuten lang an den Showdown mit dem Terrorgespenst zu erinnern. Dass  in  Rechtsstaaten Exitus per Kopfschuss kein Schuldbeweis ist, diese Nebensächlichkeit findet in den Würdigungen zum Todestag des Terrorphantoms indessen keine Erwähnung. (Wo kämen wir da auch hin, wenn  “Terroristen” ordnungsgemäß angeklagt und verurteilt werden müßten, da säßen dann in 90 (95, 98 % ?) der Fälle Schlapphüte und  Staatsdiener auf der Anklagebank und dürften wg. “innerer Sicherheit” nicht aussagen.) Aber dann schleicht sich im ehemaligen Nachrichtenmagazin  doch eine Passage ein, die das ganze wohlfeile OBLadi OBLada-Geschwätz desavouiert:

“Belegbare Fakten gibt es tatsächlich kaum. Die Leiche wurde nie gezeigt, ein Foto vom toten Bin Laden bald als Fälschung enttarnt. Mehrere Bücher und Artikel darüber, was genau in jener Nacht in Abbottabad geschah, tun nur so, als seien es originalgetreue Rekonstruktionen der Bin-Laden-Tötung. Demnächst kommen in den USA zwei Spielfilme heraus, auch sie am Ende nur Spekulationen.

So wie die Spielfilme und Dokumentationen über 9/11 insgesamt. Unterschlagen wird dabei, dass in diesem Blog schon am 10.5.2011 exklusiv und zweifelsfrei enthüllt wurde, wie es in der Zentrale des globalen Terrornetzwerks wirklich aussah.

Revolutionsmusik

Mit der kulturindustriell produzierten “Revolutionsmusik” ist es bekanntlich eine zweischneidige Sache: zum einen ist es von oben gesteuerter, zum Geschäft gemachter “Protest”, zum anderen aber auch von unten kommende, authentische, radikale  “Rock-Power”.   “Wie musikalisch ist die Revolution ?” fragte Helmut Salzinger, Deutschlands erster “Poptheoretiker”, 1972 in einem Buch “Rock-Power” – ohne eine schlüssige Antwort zu finden, aber mit großen Hoffnungen auf das politische Potential, das in den Texten, Haltungen, Lebensstilen der Woodstock-Generation aufgebrochen war. Die währten nicht allzu lange…als ich Helmut Salzinger in den 80ern kennenlernte, hatte er sich schon in die Moore der Wesermarsch zurückgezogen und schrieb auf seiner “HEAD-Farm” am liebsten Naturgedichte. Den  Kopf von “Jonas Überohr” hätte ich jetzt gern konsultiert als die Nachricht kam, dass dem Übervater der politischen Popmusik – Bob Dylan – im Weissen Haus der Presidential Freedom Award verliehen wird. Von einem Präsidenten , der in seiner Amtszeit mehr Bomben geworfen und Leichen produziert hat als jeder andere Mensch auf der Welt,  einem waschechten Master of War.

O tempora, o mores – aber die Musik brauchen wir trotzdem (oder erst recht) , wie den einfachen Riff auf der ersten “Revolutionsplatte” meines Lebens, Street Fighting Man,  den man auf der Wanderklampfe nie so genau hinbekam, weil Keith Richards ihn in Open-G-Tuning und mit Kapo spielte – und den kreischenden Chuck-Berry-Lick von John Lennon, meine Revolutionsplatte Nummer zwei, schon gar nicht. Dann Berlin, der Mariannenplatz war blau soviel Bullen war’n da …und “Schreibt die Parole an jede Wand: KEINE MACHT FÜR NIEMAND. Die “Scherben” waren großartig, aber seit ihre Mucke seit hundert Jahren auf jeder Demo läuft, kann man sie irgendwie auch nur noch einmal im Jahr hören. Tolle Musik, aber vorbei – so wie Fela Kuti (International Thief Thief), Bob Marley (Get up, stand up), die Clash (Revolution Rock) und Gil Scott-Heron (The Revolution Will Not Be Televised) – aber gefacebooked, getwittert und gesimst wird sie auch nicht. Ja, was legen wir denn auf,  Talkin Bout Revolution am 1. Mai ?Continue reading →

Die Gasprinzessin

Weil angeblich ein Bandscheibenvorfall von Julia Timoschenko im Gefängnis nicht korrekt behandelt wurde, veranstalten ihre Anhänger derzeit großen Menschenrechtsalarm. Die pünktlich zur kommenden Europameisterschaft einsetzende PR-Kampagne ist insofern bererechtigt, als natürlich auch Mafiabräute im Knast ein Recht auf menschenwürdige Behandlung haben. Ob die rechtmäßig verurteilte Dame deshalb nun wirklich in die Berliner Charité ausgeflogen werden muss, weil es in der Ukraine keine Orthopäden gibt, darf indessen bezweifelt werden. Zumal wenn man den Hintergrund von Julia Timoschenko kennt.  Zur Erinnerung hier noch mal unser Blogeintrag vom 2.Dezember 2004 über die “Gasprinzessin”:

“Ikone des Widerstands“, „Heldin der Opposition“, „Prinzessin der Revolution“ – die Medien überschlagen sich gerade mal wieder im Hochjubeln einer politischen Figur, die als Heilsbringerin und Passinonara der Ukraine aufgeblasen wird. Die Töne erinnern fatal an den Sound, mit dem unlängst in den USA mit Achmed Chalabi ein verurteilter Finanzbetrüger zum Retter des Irak stilisiert werden sollte. Mit Julia Timoschenko wird nun erneut eine „demokratische“ Oppositions-Kandidatin auf den Schild gehoben, gegen deren kriminelle Aktivitäten sich Chalabis Bankschwindel vergleichsweise bescheiden ausnimmt. Ihr Patron, der einstige ukrainische Premier Pavlo Lazarenko, wurde in den USA verurteilt, 613 Millionen $ des Weltwährungsfonds (IMF) außer Landes geschafft und gewaschen zu haben; außerdem, so schrieb die „Financial Times“ erhielt Lazarenko „mindestens 72 Millionen an Bestechungsgeldern vom Gasimporteur UESU. Im Gegenzug half Lazarenko der UESU eines der führenden Unternehmen der Ukraine mit einem Jahresumsatz von 10 Milliarden $ zu werden.“ Geleitet wurde die UESU von niemand anderem als Julia Timoschenko, als Chef der ukrainischen Zentralbank firmierte zu dieser Zeit Viktor Juschtschenko, dem der IMF später in einem Gutachten bescheinigte, den Währungsfonds systematisch getäuscht zu haben. Einer Verurteilung entging er ebenso wie Julia Timoschenko, die nur kurz verhaftet wurde, sich aber – mittlerweile die reichste Frau der Ukraine – erfolgreich als „politische Gefangene“ positionieren konnte und straflos davon kam. Jetzt steht die kurzfristig erblondete Oligarchin – „Ihren geflochtenen Haarzopf hat sie wie einen Heiligenschein um das Haupt gewunden“ (Tagesspiegel) – gleichsam vor der Heiligsprechung. In seinem Buch „Casino Moscow“ (2001) schreibt der Autor Matthew Brzezinski über seinen Besuch bei der „11 Milliarden Dollar Frau“
“…she was guarded by an entire platoon of ex-Soviet special forces bodyguards. She once sent a plane to collect Brzezinski from Moscow, fly him to Dnipropetrovsk to meet her for lunch, and drop him off back at Moscow in the evening. When Brzezinski said he didn’t want to tie up the company plane, Tymoshenko said: “Don’t worry. I have four of them.” According to Brzezinski, as a result of Lazarenko’s patronage, “Tymoshenko gained control over nearly 20% of Ukraine’s gross national product, an enviable position that probably no other private company in the world could boast.”
Keine Frage, Prinzessin Julia ist eine der coolsten Ganovinnen der Gegenwart – und keine Frage auch, dass sie mit einem Milliardenkapital im Rücken Eindruck auf die „Kollegen“ im Westen macht, denen sie das Spielfeld in der Ukraine öffnen will. Und kein Wunder, dass die Konkurrenz im heimischen Groß-Gangstertum ihre Argus-Augen auf die coole Prinzessin wirft, die Revolutionärin spielt. Blonde Heldin, finstre Russen-Patriarchen, smarte Ami-Oligarchen… fehlt nur noch Schwarzenegger mittenmang und Hollywood könnte die Schmonzette übernehmen!

Was gesagt werden muß (3)

Dass wir den Titel des berühmt-berüchtigten Grass-Gedichts hier zur Serien-Überschrift machen hat gute Gründe, denn es gibt außer Israels Atomwaffen auch noch das eine oder andere Tabu “dessen Namen nicht genannt werden darf” und das den “Weltfrieden” ebenso gefährdet wie der militante Nuklear-Zionismus.  Eines davon haben wir schon gewürdigt, es ist der irrationale und mörderische Krieg gegen Drogen, der unbeirrt weiter geführt wird, obwohl jeder Mensch mit einem IQ über Zimmertemperatur weiß, dass er weitaus mehr Schaden verursacht als verhindert. Als ich Anfang der 90er  das Hanfbuch mit Vorträgen und Diskussionen präsentierte und dabei das Resumeé zog, dass wir eine Legalisierung “in diesem Jahrhundert” wohl nicht mehr erleben würden, kamen regelmäßig Widerspruch und Unglaube aus dem Publikum: jetzt, wo diese geballten Fakten über den Nutzen als Rohstoff und Medizin vorlägen, sei es doch absurd, am Cannabis- Verbot weiter festzuhalten, glaubten damals die meisten Leser. Und absurd ist es in der Tat und heute mehr denn je, was indessen nichts daran ändert, die Verfolgung aufrecht zu erhalten.  Womit wir bei einem dritten Tabu wären, dessen Name nicht genannt werden darf ohne nicht umgehend mit einer “magischen Verfolgungsmarke” ausgestattet zu werden: der Zweifel an der 9/11-Legende. Zwar sind auch hier geschätzte 80-90 % der Bevölkerung überzeugt, dass das Märchen von Osama und den 19 Teppichmessern nicht wahr sein kann – und wer unser jüngstes Buch dazu gelesen hat, weiß, dass es defintiv nicht wahr ist – doch auch das ändert nichts daran, dass jeder Zweifel von den Massenmedien genauso abgebügelt wird wie Grass’ Zweifel an der Friedfertigkeit des israelischen Atomarsenals. Allein: diese Bomben werden nicht friedlicher wenn man sie beschweigt, der Krieg gegen Drogen nicht humaner wenn man ihn als “alternativlos” erklärt und die Zweifel an 9/11 nicht weniger, wenn man  sie als “verrückt” deklariert und Zweifler mit der Verfolgungsmarke “Verschwörungstheoretiker” belegt. Und wenn Prof. Niels Harrit – hier in einer neuen Dokumentation von Dirk Gerhard aka Sitting Bull – etwa herausfindet, dass auf den Röntgenbildern der Lungen von Rettungshelfern des 11.9. nicht nur Asbest-Teilchen, sondern auch “Nanotubes” zu sehen sind, dann kann es sich  dabei um eine Fehlinterpretation handeln, oder um einen weiteren Beleg für die Anwesenheit des Sprengstoffs Nanothermit beim Einsturz des WTC. Aber: es muß aufgeklärt und nicht wegerklärt, recherchiert und nicht ignoriert werden.

Die Glühbirnenverschwörung

In einem Nachtzug von  Berlin nach Fulda im Jahr 1982 ging ich zum ersten Mal einer Großverschwörung auf die Spur, bei einem Gespräch mit Helmut Höge über Thomas Pynchons gerade deutsch erschienen “Enden der Parabel” und die dort erzählte Geschichte über eine unsterbliche Glühbirne namens Byron. Diese wird von den Häschern des Glühlampenkartells, das die Brenndauer weltweit auf 1000 Stunden herabgesetzt hat, gejagt – denn so etwas darf es natürlich nicht geben. Bevor wir herausfanden, dass es dieses Kartell tatsächlich gab und Pynchon die seit  1901  (bis heute) brennende Birne in der Feuerwache des kalifornischen Livermore zum Vorbild für “Byron” genommen hatte, hatten wir schon in allen möglichen Romanen, Texten, Kunstwerken, Werbeplakaten usw. Glühbirnen entdeckt – und dazu ein Interview mit Thomas Pynchon gemacht. Dieser gab allerdings damals (wie heute) keinerlei Interviews, weshalb wir uns die Antworten ausdachten und dazu noch die Geschichte erfanden, dass er,  wie auch zahlreiche andere bekannte Literaten, ihre Werke mittlerweile von einer  “Agentur Standard Text” schreiben lassen – die quasi als  geheimes Erkennungszeichen an den umöglichsten Stellen Glühbirnen einbaut. Was wir dann anhand zahlreicher Glühbirnen-Zitate aus aktuellen Romanen nachwiesen. Der fiktive Interview-Artikel, der dann in der Buchmessenausgabe der taz erschien, begeisterte nicht nur Pynchons deutschen Verleger Ledig Rowohlt, der seinen berühmten Phantom-Autor ja selbst noch nie zu Gesicht bekommen hatte (“Ja wie haben Sie denn das geschafft ??!”) –  dieser Fake war auch der Anfang unserer realen Glühbirnenforschung, die sich als deutlich brisanter herausstellte als der spannendste Roman. Spätestens dann, als Dieter Binninger, der mit der von ihm erfundenen 150.000-Stunden Glühbirne die ehemaligen Narva-Werke der DDR  retten wollte, mit seinem Privatflugzeug aus ungeklärter Ursache abstürzte – kurz nachdem sein großer Förderer bei der Treuhand, Detlef Rohwedder, unter ungeklärten Umständen erschossen worden war.

Aus der Nachtzugspinnerei über die “Glühbirnenverschwörung”  vor 30 Jahren ist mittlerweile ein veritables Mem und ein echtes Thema geworden, wie eine Google-Eingabe des Begriffs und viele Bücher und Filme zeigen. Und auch die “Energiesparlampenverschwörung” konnte Byron noch nicht den Garaus machen – Birnen werden nun auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Binningers Ewigkeitsbirnen jedoch werden noch immer nicht massenhaft gebaut, Narva ist geschluckt und abgewickelt und stattdessen hängt jetzt EU-verordnet giftiges Quecksilber in allen Wohnzimmern. Immerhin dieser Irrsinn sollte jedoch bald wieder der Vergangenheit angehören – dank einer jetzt vorgestellten   LED-Birne mit 20 Jahren Lebensdauer.  Aber, wie es bei Pynchon heißt: “Byron ist verdammt, bis in alle Ewigkeit weiterzuexistieren, wissend um die Wahrheit und doch machtlos, etwas zu verändern”.

P.S.: Bei einem Gespräch mit Binninger über sein Patent und seine Pläne war mir damals ein kleines Modell aufgefallen, das auf seiner Fensterbank stand, und das er mir begeistert erklärte, es war die “Batterie”, mit der er die Solarenergie seines Wochenendhauses bei Helmstedt speicherte: ein Gewicht, das von einem Elektromotor  angehoben wurde, wenn Strom produziert wurde – und das man bei Strombedarf sinken lies um einen Dynamo anzutreiben. Dieser simple und wartungsarme  Energiespeicher war nach Binningers Berechnungen allen chemischen Lösungen überlegen. Ich bin dieser Idee damals nicht weiter nachgegangen und zu wenig Ingenieur, um sie zu überprüfen – genial scheint sie immer noch. Und wer weiß, ob nicht auch ein “Batterienkartell” die Kapazitäten unserer Energiespeicher genauso limitiert wie die Brenndauer der Glühbirnen…