
Unser Buch “Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder: Wie uns die Medien manipulieren” war eines der meistgelesenen Bücher im Herbst 2014 und wochenlang in den Bestsellerlisten. Bis heute ist das Interesse an diesem Werk nicht abgerissen, was bei der üblichen Kurzlebigkeit aktueller politischer Sachbücher recht ungewöhnlich ist. Ein Grund dafür ist sicher, dass sich an der Einseitigkeit, mit der über den Ukraine-Konflikt und Russland berichtet wird, nicht nur wenig geändert hat, sondern weitere eklatante Beispiele für das unqualifizierte Russland-Bashing hinzugekommen sind, gegen das wir uns ironisch und provokativ als “Putinversteher” geoutet hatten. Auch bei dem Novichok-Skripal-Fake in England und dem “Russiagate”-Pipifax in den USA lieferten die Medien wieder den bekannten Schwarz/Weiß-Film, mit Putin als dem Ultrabösen.
Diese Rolle soll dem russischen Präsidenten jetzt auch bei dem jüngsten Zwischenfall in der Meeresenge von Kertsch zufallen, bei dem Russland drei ukrainische Militärschiffe festsetzte und die Besatzung verhaftete. Seit Russland in Rekordzeit zwischen der Krim und dem russischen Festland eine Brücke über diese Wasserstraße erstellt hat sind Durchfahrten nur noch mit Anmeldung möglich. Daran hatten sich auch ukrainische Schiffe, die den Hafen Mariupol anlaufen wollten, bisher gehalten und konnten problemlos passieren. Jetzt aber wollte die Regierung in Kiew ein wenig provozieren und lies drei Militärschiffe unangemeldet aufkreuzen, um den russischen Bären zum Einschreiten zu zwingen und den Ultrabösen als skrupellosen Aggressor wieder ins Gespräch zu bringen. Das hat der amtierende Oligarch Poroschenko vier Monate vor den Wahlen in der Ukriane dringend nötig, in den Umfragen liegt er derzeit bei nur 7,8% Zustimmung. Vorsorglich hat er wegen des Zwischenfalls jetzt das Kriegsrecht ausgerufen, was die Möglichkeit gibt, die Wahlen zu verschieben.
Dass das Regime in Kiew die EU, die Nato und deutsche Kriegsschiffe zum Eingreifen auffordert, wird im Westen auf taube Ohren stossen, dafür ist das Täuschungsmanöver einfach zu plump. Da in Porschenkos TV-Kanal sogar schon Pläne diskutiert wurden, die Kertsch-Brücke in die Luft zu sprengen, ist vollkomen klar, dass die russische Küstenwache mit Argusaugen darauf achtet, welche Schiffe die Brücke passieren dürfen. Zwar hat der PR-Stunt, perfekt getimed vor dem G20 Gipfel, dem Ultrabösen wieder einmal ein paar Negativschlagzeilen beschert, viel mehr wird für Poroschenko aus dem Zwischenfall nicht zu holen sein.






