Die Konsensfabrik

Um Propaganda, Rudeljournalismus und den Kampf um die öffentliche Meinung geht es in einem neuen Buch, das Jens Wernicke herausgegeben hat: “Lügen die Medien?”.  Dazu hat er eine Reihe erfahrener und namhafter Journalisten und Medienforscher –  darunter Walter van Rossum (WDR),  Ulrich Teusch, Volker Bräutigam (ARD), Ulrich Tilgner (ZDF), Stephan Hebel (FR), Noam Chomsky   –  befragt. Leute also, denen man schwerlich unterstellen kann, sie redeten der dumpfbackigen Parole “Lügenpresse” das Wort, die aber dennoch klar machen, dass es sich bei dem Buchtitel durchaus um eine rhetorische Frage handelt.

Was Helmut Schmidt 2010 konstatierte,  dass “die politischen Journalisten eigentlich mehr zur politischen Klasse gehören und weniger zum Journalismus” – dass also das, was an Berichten und Kommentaren zur Politik in den Medien erscheint auch nicht nach journalistischen Grundsätzen und Standards gemessen werden kann, ist spätestens seit  dem 11.September 2001 sehr offensichtlich. Solange die Nichtaufklärung des Jahrhundertverbrechens  und  ein auf Foltergeständnissen basierenderer Untersuchungsbericht von nahezu allen politischen Journalisten klaglos hingenommen wurde und wird, solange kann von echtem Journalismus keine Rede mehr sein. Wenn das geht, wenn ein derart offensichtliches B-Picture als Realität verkauft werden kann, dann ist schlechterdings alles möglich.
9/11 ist der Lackmus-Test in der Konsensfabrik des politischen Journalismus, stillschweigende Akzeptanz der offiziellen Legende zählt neben Rechtschreibkenntnissen zu den Mindestanforderungen der Branche. Skepsis und kritischer Verstand sind in der Schmuddelecke des Verschwörungswahns entsorgt.

Paul Schreyer zitiert in seiner Rezension des Buchs den von den Leitmedien hochgeschätzte Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, der unlängst die die Frage, warum er für Verschwörungstheorien selbst nicht anfällig sei, mit dem schlichten Satz beantwortete : „Mein Systemvertrauen ist letztlich größer.“
That’s it. Und so sind wir im postfaktischen Zeitalter wieder im dogmatischen Mittelalter angelangt, wo einst die “Una Sancta Catholica”  als Konsensfabrik  fungierte und ihre hochheilige Inquisition “Systemvertrauen” herstellte. Mit Foltergeständnissen wurde auch schon damals Politik gemacht und dank des Niedergangs des Journalismus funktioniert das bis heute.
Wie und warum es funktioiniert, darauf wirft dieses Kompendium einen ebenso fundierten wie ernüchternden Blick – auf eine Ruinenlandschaft. Des politischen Journalismus und des Vertrauens, das das Publikum ihm entgegenbringt….

Jens Wernicke (Hrsg.):Lügen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung. Westend-Verlag, 368 Seiten, 18 Euro

Lügenbaron mit Software-Update

Es war absehbar, deutete sich schon vor einem Jahr an und jetzt rückt das Comeback immer näher: einer der Favoriten im politischen Schmierentheater des Landes,   der Lügenbaron zu Guttenberg, Freiherr von Copy zu Paste und Doctor Sub Omni Canone ist wieder da. „Die Rückkehr der Guttenbergs“ brüllt „Bild“ auf der Titelseite und jubiliert, dass 80% der Leser den überführten Hochstapler nach einer Wahlkampfrede jetzt wieder für kanzlertauglich halten. Schon im Oktober 2015 war Guttenberg ja in Seehofers “Kompetenzteam” berufen worden und hatte erste Vorträge in Deutschland gehalten.  Ohne Gel im Haar und mit “amerikanischer Lässigkeit” zieht er “das Publikum in seinen Bann”,  freute  sich die FAZ.  Ganz der alte Blender bekannte sich der Ex-Minister “abgrundtief schuldig” für seine Verfehlungen, zeigte sich , so die Zeitung, “schuldbewusst, geläutert, gar gereift” und spielte – Zitat – auf dieser „Klaviatur…ungewohnt virtuos”.

Wir merkten: Gutti kann jetzt auch Demut. Als er freilich hinterherschob: “Ich habe lange gebraucht um meine Eitelkeit zu überwinden,” war es damit auch schon wieder vorbei. Denn wer wirklich bescheiden ist  kann derart eitles Selbstlob gar nicht vom Stapel lassen. Wie schon bei seiner Selbstverteidigungs-Rede 2011, mit der er als “oberfränkische Wettertanne” noch weiter am Amt klebte und den Vorwurf des Plagiats und der Titel-Erschleichung als „abstrus“ vom Tisch wischte, blieb auch sein “mea culpa” hohl – “wie das Grinsen ohne Katze leer in der Luft.” Er hatte auch in fünf Jahre Amerika nichts wirklich dazu gelernt, war aber beim bajuwarischen Publikum als charismatischer Hochstapler immer noch der Doppelmoralapostel der Herzen.  Und insofern natürlich auch wieder minsitrabel und auch  präsidiabel.

Als der Freiherr von Copy zu Paste vor zwei Jahren vom CSU-Patriarchen Seehofer in  sein “Kompetenzteam” berufen wurde munkelt es schon aus Bayern, dass  es ihm bei der Resozialisierung Guttenbergs vor allem um den Aufbau eines Nachfolgers geht, weil er seinen Vize und Vollpfosten Markus Söder als Ministerpräsidenten verhindern will. Außerdem freilich schien im postfaktischen Zeitalter der Fake News jetzt offenbar auch das Alleinstellungsmerkmal gefragt, das “Gutti” als pseudo-promovierter Fake-Experte ohne Frage mitbringt.

Ich hatte die Doktorspiele des Lügenbarons seinerzeit nicht nur wegen der besonderen Dreistigkeit ausführlich beobachtet, mit der Guttenberg  abgekupfert und zusammenkopiert hatte und sein Machwerk auch noch wochenlang verteidigte. Sondern auch weil ich weiß, wie viel Arbeit wirkliche Juristen in ihr Studium und eine echte “Summa Cum Laude”- Dissertation stecken müssen, während sich da ein Schnösel mit großzügigen Spenden an die CSU-Universität Buy-reuth ein Puddingexamen und einen Top-Doktortitel kaufte.

Wäre es aber nicht doch an der Zeit, den nun mit einem Software-Update amerikanischer Think-Tanks ausgerüsteten Politik-Boliden wieder für den Verkehr zuzulassen und ihm ein öffentliches Amt anzuvertrauen ? Wenn mit dem Wurst-Uli ein Millionenbetrüger beim FC Bayern wieder Präsident werden kann, sollte dann nicht auch Fake-Gutti eine zweite Chance bekommen ? Eher nicht, würde ich sagen. Denn anders als Uli Hoeneß, der seinen Fehltritt sofort zugab und mit Knast büßte, setzte sich der Lügenbaron in die USA ab und lies nur Gras über die Kleinigkeit wachsen, die dieser Betrug in seinen Augen war. Insofern würde ich dem geläuterten Uli sofort wieder die Vereinskasse anvertrauen; für den Blender Karl-Theodor aber gilt weiterhin: Wer einmal derart dreist lügt, dem sollte man auch später nur höchstens so weit trauen, wie man seine Waschmaschine werfen kann. Der Witz, mit dem er nach seinem jüngsten Auftritt gegen „Gazprom-Gerd“ Schröder austeilte und der überall in den Medien zitiert wurde, war denn auch wieder ein Plagiat, es war eine Überschrift aus der FAZ und gilt nicht nur für Putinfreunde sondern auch für Plagiatoren: „Alte Liebe rosneft nicht.“

Auf KenFm auch als Podcast erschienen

«Мы хорошие»

Drei Jahre nach dem Erscheinen von   “Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren” kommt jetzt auch die russische Ausgabe des Buchs heraus. Gestern bekam ich die Druckfahnen und das Cover zugeschickt um noch einen Blick darauf zu werfen und letzte Korrekturen anzubringen, was von meiner Seite sofort erledigt ist, denn ich spreche kein Russisch und kann es kaum richtig entziffern. Das Bildmotiv des Umschlag finde ich ein bisschen plakativ, aber kann damit gut leben und werde dem Verlag da nicht reinreden, denn der kennt die potentiellen Leserinnen und Leser in Russland besser als ich.

In Deutschland ist unser Werk nach wie vor sehr gefragt, von den mittlerweile über 200 Leser-Rezensionen bei amazon sind die allermeisten sehr positiv, in der dortigen Liste Bestsellerliste zum Thema Russland belegt “Wir sind die Guten” noch immer einen Platz unter den Top 3. So schön das für die Autoren sein mag, so schlimm ist es, dass in der Ukraine noch immer Bürgerkrieg herrscht und ein Buch, das scharfe Kritik am Verhalten des Westens in diesem Konflikt geübt hat, nach wie vor so aktuell ist.

Wenn Wahlen etwas ändern würden…

Dass die alten Griechen einst erfanden, was wir heute Demokratie nennen – jeder volljährige Bürger hat eine Stimme, das Staatsvolk trifft mittels freier Wahlen seine am Gemeinwohl orientierten Entscheidungen und die Minderheit beugt sich dem Willen der Mehrheit –  entspricht nur sehr bedingt der historischen Realität. Stimmberechtigt waren in Athen nur die “freien Männer”, die etwa 10 % der Gesamtbevölkerung ausmachten. Nur auf diese beschränkende Weise konnte man davon ausgehen, dass auch tatsächlich verantwortungsvoll und informiert im Sinne der Gemeinschaft entschieden würde – denn wer keine Ahnung hat, worum es überhaupt geht, wählt ja immer nur seinen persönlichen Vorteil, also das Falsche. Nicht gemeint war daher: Jede/r wählt mit. Dieses Szenario kannten die alten Griechen nur als Alptraum unter dem Begriff „Ochlokratie“ – also „Herrschaft des Pöbels.“

Schon Aristoteles hatte ja die Gefahr kommen sehen, „dass die Armen, weil sie Mehrheit bildeten, das Vermögen der Reichen unter sich aufteilten”, und James Madison, einer der Gründungsväter der ersten Demokratie der Neuzeit unterstrich noch in der Verfassungsversammlung der Vereinigten Staate anno 1787: „Die erste Verantwortung der Regierung ist es, die Minderheit der Reichen vor der Mehrheit zu schützen.“ Darum geht’s und das ist das Problem, denn die Armen sind noch immer in der Mehrheit, die zudem ständig wächst. Doch sie werden so intelligent geleitet, dass bei sogenannten freien Wahlen nur selten irgendetwas schief geht. Unsere Eliten steuern Wirtschaft, Medien, Politik und Geistesleben mit sanfter, unsichtbarer Hand. Mit bewundernswerter Konsequenz und verantwortungsvoller Klarheit ist es ihnen dabei gelungen die Illusion von Mitbestimmung der Massen aufrecht zu erhalten – mittels schlichter Konsumreize und des Schürens von Ängsten, vulgo: Propaganda. Der Vater der modernen Meinungsmanipulation, Edward Bernays,  der Politik schon 1928 ins Stammbuch: „Unsere Demokratie muss von einer intelligenten Minderheit geführt werden, die weiß, wie man die Massen leitet und lenkt.“

Das weiß sie und tut sie und so schwer ist das auch gar nicht, wenn man mal auf die Statistik schaut (wie wir das in “Die ganze Wahrheit über alles” getan haben) : “Um Deutschland mit absoluter Bundestagsmehrheit (50,1%) zu regieren, benötigt man lediglichdie erklärte Zustimmung von 22,5% der Bevölkerung, also 18 Millionen von 82 Millionen Bürgern. Dass ein knappes 1⁄4 der Bürger de facto als absolute Mehrheit gegen den Willen der anderen 3⁄4 alle Entscheidungen treffen kann, relativiert die Aussage, unsere Form der Demokratie sei repräsentativ. Zustande kommt die Schieflage primär dadurch, dass die meisten Bürger gar nicht repräsentiert werden, insbesondere jene, die alle zukunftsweisenden Wahlentscheidungen am allermeisten angehen, nämlich Kinder und Jugendliche. Zu diesen 18 Millionen „nicht Wahlberechtigten“ gesellen sich 18,6 Millionen Nichtwähler (Tendenz zunehmend) sowie knapp 7 Millionen, die für Parteien gestimmt haben, die die 5%-Hürde nicht überspringen. Etwa 54% der Bevölkerung sind also schon bei Ermittlung der Bundestagsmandate nicht mehr repräsentiert. 1/5 der verbleibenden 46% sind über 70 Jahre alt. Mit etwas mehr als  2/5 der verbleibenden 46% erreicht eine Partei die absolute, demokratisch ermittelte Mehrheit, entscheidet also allein mit den Stimmen von saturierten Rentnern und Systemgewinnern über alle relevanten Zukunftsfragen im Alleingang.”

Der alte Spruch “Wenn Wahlen etwas ändern würden wären sie  verboten” ist nicht aus der Luft gegriffen ist und es stellt sich die Frage: Soll man da noch mitmachen ? Die absentistische Parole “Geht nicht wählen! Das ermuntert die doch nur!” hätte ja durchaus was für sich, aber nur wenn alle ihr folgen…. weil sie nicht mehr bereit sind als  willfährige Statisten bei der Aufführung “Repräsentative Dekoratie” mitzuwirken. Ansonsten – siehe Nichtwähler oben – fallen Absentisten einfach unter den Tisch.
So bleibt am Wahltag einmal mehr nur ein Sortiment kleinerer Übel…in vielen trendigen Geschmacksnoten, für AfD-Protestwähler jetzt auch mit der Note „dumpf-deutsch“. Die Grünen, die nach dem Friedensgebot nun dabei sind eine weitere ihrer Wurzeln – den Umwelt,-und Klimaschutz – zu kappen, treten mit starkem Diesel-Odeur an. Die FDP macht auf Hipster-Jungbrunnen für ältere Zahnärzte und die SPD steuert dank eines Spitzenkandidaten mit dem Charisma einer nassen Nudel auf ein neues All-Time Low zu. Aber erst wird noch ein bisschen Valium-Wahlkampf geführt und am Ende gewinnt Merkel und ändern wird sich NICHTS.

Auch als Podcast auf KenFM erschienen

Freuet Euch des wahren Scheins!

Bevor ich mal ein paar Tage ans Meer verschwinde hier noch eine Liste der Bücher, die ich – weil schon mit Gewinn gelesen – nicht mitnehmen kann: letzten Sommer  hatte ich als Urlaubs-Schmöker die Fortsetzung von Gregory David Roberts grandiosem Bombay-Unterwelt-Thriller “Shantaram”  empfohlen, die gerade auf Englisch erschienen war, mittlerweile gibt es “Mountain Shadow” auch auf deutsch. Wie so oft nach einem absoluten Welthit waren  einige Fans vom Nachfolger enttäuscht, ich war aber sofort wieder drin in der Geschichte und  erneut vollauf begeistert.

Einen Welthit hatte Arundhati Roy vor 20 Jahren mit “Der Gott der kleinen Dinge”, aber nicht nur wegen diesem Roman, sondern wegen der politischen Sachbücher, die sie seitdem geschrieben hat, gehört Arundhati zu meinen absoluten Lieblingen unter den zeitgenössischen Autoren. Insofern war ihr vor einigen Monaten herausgekommener erster Roman seit zwei Jahrzehnten – “The Ministry of Utmost Happiness” – natürlich Pflichtlektüre. Das “Ministerium des äußersten Glücks” liegt auf einem Friedhof in Dehli, auf dem sich eine Queer-Frau und andere ausgestoßene Helden der Gesellschaft häuslich eingerichtet haben. Und einmal mehr schafft es Arundhati Roys magischer Realismus, dass man schon nach ein paar Seiten die Slums und Hinterhöfe Indiens sieht und riecht und fühlt, so wie das Leid und Elend der Erniedrigten und Beleidigten – und gleichzeitig ihr volles wunderbares Menschenleben.

Ebenfalls zu meinen All-Time-Favourites zählt der Anarchist Peter Kropotkin, seit ich vor Jahrzehnten sein bekanntestens Werk “Gegenseitige Hilfe in der Tier-und Menschenwelt”  las. Als Soldat im soeben vom Zaren eroberten Sibiren stationiert  – und Leser von Darwins eben erschienener “Enstehung der Arten”  – hatte er bei seinen Beobachtungen der unberührten Natur statt einem “Kampf ums Dasein”  überall eher das Zusammenwirken in Kooperationen und Symbiosen festgestellt. Und damit schon sehr früh die andere Seite der darwinistischen Medaille entdeckt. Jetzt erst kam ich dazu, auch Kropotkins Autobiographie  “Memoiren eines Revolutionärs”  zu lesen, die ich nicht nur Anarchisten sehr ans Herz legen kann. Toll geschrieben und sehr lehrreich. Leider endet sie schon 1886, denn die schöne Geschichte über den großen Empfang, den Russland nach der Revolution dem aus dem Exil heimkehrenden Anarcho-Fürsten bereitete, hätte man gern aus erster Hand gehört. Lenin soll sehr genervt gewesen sein: “Dieser Kropotkin redet dauernd nur von Genossenschaften!” Mit Kommunismus und Planwirtschaft “von oben” hatte Kropotkin einfach nichts am Hut.

Letztes Jahr hieß es hier: “Ende August  erschien “The Kingdom of Speech” von  Tom Wolfe,  von jeher bzw. seit “Electric Cool Aid Acid Test” einer meines Lieblings -Schreiber/Reporter/Erzähler und als ich in der Ankündigung sah, dass es sich a) um non-fiction und b) um Darwins Evolutionstheorie  und Chomkys Universalgrammatik handelt, musste ich das Werk sofort bestellen und lesen. Weil ich a) Wolfes Romane zwar meistens  gut  fand, seine Reportagen aber immer vom Feinsten und mich b) schon viel mit Darwin und seinen mißratenen neo-darwinistischen Jüngern befasst habe sowie in den 70ern fünf Jahre Linguistik studiert und Chomsky quasi als studentische Muttermilch inhaliert hatte. (…)Es geht um das Drama Establishment vs. Außenseiter, Zitadelle der Wissenschaft vs. praktische Forschung, autoritative Ideologie vs. subversive Fakten. Klar, dass Wolfe seine spitze Feder eher Letzteren leiht – auch mit 85 schreibt er noch derart frisch, fröhlich und frei, dass diese 170 Seiten wie im Flug vergehen –  und klar auch, dass er mit seinem Anti-Darwin und Anti-Chomsky-Approach weder Kreationisten, noch Evangelikalen oder anderen Dumpfbacken das Wort redet. Sondern nur deutlich macht, dass weder die Evolutionstheorie noch die Universalgrammatik das Wunder erklären können, das uns erst zu Menschen macht: die Sprache.” Mittlerweile gibt es das “Königreich der Sprache” auch auf deutsch.

Über König Donald und die unsichtbaren Meister des “tiefen Staats” habe ich hier im Blog und in meinem letzten Buch einiges geschrieben. Im Zusammenhang mit seinen Untersuchungen zum Mord an JFK hatte Prof. Peter Dale Scott diesen Begriff schon vor einigen Jahrzehnten geprägt, um damit Machtstrukturen zu beschreiben, die jenseits demokratischer Regierungen und Institutionen existieren. Weil der eigentlich unsichtbare “deep state” seit der überraschenden Wahl Donald Trumps jetzt sehr offensichtlich am Thron des Präsidenten sägt, hatte ich es vorgezogen, im satirischen Ton eines Real Game of Thrones darüber zu schreiben.  Dass es sich aber bei diesem “Tiefenstaat” nicht um Fantasy handelt, und auch nicht um etwas was nur in “Bananrepubliken” vorkommt, kann man bei Mike Lofegreen sehr gut nachlesen: The Deep State: The Fall of the Constitution and the Rise of a Shadow Government”

Und was nehm ich jetzt mit an den Strand ? Wenn gerade kein aktuelles Lesefutter lockt greife ich mir immer einen der 143 Bände, die ganz oben auf dem Regal thronen: Goethe. Er wird mich auch dieses Mal nicht enttäuschen. Zuletzt stieß ich, zwischen der “Metamorphose der Pflanzen” und der “Metamorphose der Tiere” auf diese wunderbaren Zeilen:

“Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen:
Denn was innen das ist außen.
So ergreifet ohne Säumnis
Heilig öffentlich Geheimnis
Freuet Euch des wahren Scheins.
Euch des Ernsts des Spieles
Kein Lebendiges ist Eins
Immer ist’s ein Vieles.”

Nord Stream 2: Kauft nicht beim Russen

Nach dem US-Kongress hat nun auch der Senat mit großer Mehrheit neue Sanktionen gegen Russland beschlossen – nur zwei Senatoren stimmten dagegen, der libertäre Rand Paul und Bernie Sanders. Es scheinen die beiden letzten im Senat verbliebenen Vertreter zu sein, die ihren ökonomischen Verstand noch nicht völlig verloren haben. Denn, so hat es der keineswegs russland-freundliche Wirtschaftsdienst „Bloomberg“ unlängst vorgerechnet: schon die bisherigen Sanktionen haben Russland eher genutzt als geschadet. Trotz des niedrigen Ölpreises und der Sanktionen wird für 2017 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 % erwartet und die Zustimmungsraten für Präsident Putin lagen im Juli bei 81 % – weder der russischen Wirtschaft noch der Beliebtheit des Kreml-Chefs konnten die Handelsbeschränkungen also wirklich schaden.  Warum also nun ein weitere Sanktionen?

Die Antwort liefert ein großes Schiff, das zum selben Zeitpunkt in Großbritannien anlandete, als Donald Trump zum G-20-Gipfel in Europa weilte: der erste Transport von Fracking-Gas  aus den USA. Mit der ökologisch bedenklichen und ökonomisch aufwändigen Gewinnung von Erdgas durch Fracking, bei dem Wasser und Chemikalien mit hohem Druck in die Tiefe gepumpt werden, wollen die Vereinigten Staaten künftig Energieexporteur werden. Und Europa, wo die Schiefergas-Förderung nach einem kurzen Hype als gefährlich und unrentabel schon wieder ad acta gelegt wurde, soll den Amerikanern ihren Stoff abkaufen. Was die rohstoffarmen EU-Länder aber nun kaum tun werden, wenn sie sich preiswert und zuverlässig quasi aus der Nachbarschaft versorgen könnten.  Wie über eine zweite Erdgas-Pipeline durch die Ostsee, Nord Stream 2, deren Bau und Finanzierung fünf europäische Konzerne im Juni beschlossen haben. Das vitale Interesse der westeuropäischen Industrieländer, allen voran Deutschland, an zuverlässiger Energieversorgung – und des Rohstoffriesen Russland, diese Nachfrage kostengünstig zu gewährleisten – macht „Nord Stream 2“ zu einer Win-Win-Situation für beide Seiten. Direkt durch die Ostsee statt auf dem Landweg, wo Anrainer mit Transitgebühren die Hand aufhalten, oder, wie die Ukraine, den Stoff illegal gleich selbst abzapfen.

Dass Kanzlerin Merkel und  ihr Vize Gabriel  wegen der amerikanischen Kritik an der zweiten Ostseeröhre schon im Juni  in Richtung Washington relativ lautstark protestierten, zeigt wie essentiell die Sache für den Industriestandort Deutschland ist. Warum ist ein partnerschaftliches Verhältnis von USA, EU und Russland so schwer möglich ? Die Antwort auf diese Frage lautet:  “Dass die energiehungrige EU aus Regionen versorgt wird, die sich nicht dem Diktat des US-Imperiums beugen, läuft der Doktrin der “Full Spectrum Dominance” zu wider und wird von Washington als feindseliger Akt betrachtet.”

So einfach ist das:  “Kauft nicht beim Russen!” lautet die Parole, kauft beim Kopf-Ab-Saudi und den wahabitischen Wickelmützen oder –  noch besser – lasst euch direkt von uns versorgen: mit Fracking-Gas per Schiff – aber keinesfalls direkt und kostengünstig von eurem Ostsee-Nachbarn Russland. Es kann und darf zwischen Europa und Asien, zwischen Deutschland und Russland, keinen friedlichen Handel und “Wandel durch Annäherung” (Willy Brandt) geben, weil dieses kontinentale Zusammenwachsen im ost-mitteleuropäischen “Herzland” – wie es einst der britische Geo-Stratege Mackinder nannte und sein jetzt verstorbener Schüler Zbig  Brzeziński  in „Die einzige Weltmacht“ fortschrieb –  die unipolare Vormachtstellung der Vereinigten Staaten verhindert.

Es geht also bei diesen Sanktionen in erster Linie um Geopolitik und nicht um Ökonomie. Dass die westeuropäischen Regierungen, allen voran die deutsche, sich diesem Diktat massiv verweigern müssen, ist klar, denn sie schneiden sich damit nur selbst ins eigene Fleisch. Russland kann sein Erdgas jederzeit nach China und ganz Asien verkaufen, für Deutschland und die EU aber sind Energie-Importe absolut essentiell. Sich von der ökonomisch wie ökologisch schwachsinnigen Frackingas-Verschiffung aus den USA abhängig zu machen käme einem Selbstmord des Industriestandorts Westeuropa gleich.

Der Kommentar ist heute auf KenFM erschienen und dort auch als mp3 verfügbar

Aus den geheimen JFK-Akten (2)

Warum die historische Rolle des “tiefen Staats” bei der Entfernung des 35. Präsidenten der USA aus dem Amt untersuchen, wo diese Rolle doch bei der  Entfernung des 45. Präsidenten jetzt gerade “live” zu besichtigen ist ?  Zwar (noch) nicht gewalttätig, aber – mit der kruden Verschwörungstheorie einer “russian collusion”, der Trump angeblich den Thron verdankt – durchaus schon illegal und kriminell ? Nun…mit JFK fing in gewisser Hinsicht alles an und solange die große Lüge, dass er Opfer eines einsamen kleinen Kommunisten wurde, Bestand hat und seine Ermordung nicht als Staatstreich von innen bewiesen und aufgeklärt ist, solange werden auch andere große Lügen – allen voran 9/11 – unangefochten im Lexikon stehen. Und solange sind Fragen, wer denn nun mehr lügt – Donalds jüngste Tweets oder die neueste CNN oder WaPo-Story eines anonymen CIA-“officials” – vergleichsweise irrelevant.

“Not believed relevant” (NBR) war auch die jetzt mit der ersten Lieferung der letzten geheimen JFK-Files veröffentlichte Personalakte von Earle Cabell gekennzeichnet, die zeigt, dass der Bürgermeister von Dallas (1961-1964) seit 1956 Agent der CIA war. Als isoliertes Faktum mag die Mitgliedschaft eines Bürgermeisters beim Auslandsgeheimdienst für einen Archivar im Zusammenhang mit dem Kennedymord als unwichtig erscheinen, ohne Kontext scheint  es ja auch tatsächlich irrelevant. Bedeutung bekommt diese kleine Akte – und voraussichtlich noch einige andere vom “National Archive”  als “NBR” eingestufte Dokumente – erst dann, wenn man sie in ihren Kontext stellt.
JFK lag mit der CIA im Krieg, er hatte nach der Schweinbucht-Invasion angekündigt, sie “in tausend Stücke zu zerschlagen”, er hatte ihren Übervater Allen Dulles und seinen Vize, General Charles Cabell – den Bruder von Earle Cabell – gefeuert, er hatte ein Ende der verdeckten Überfälle auf Kuba und der Mordanschläge auf Fidel Castro befohlen, was diverse CIA-Obere aber ignorierten.  Earle Cabell wiederum hatte seit 1959 diese Angriffe auf Kuba unterstützt und mit George H.W.Bush für die “Operation 40” Geld gesammelt. Er hatte den vorgesehenen Auftrittsort Kennedys in Dallas und die Route des Autokorsos kurzfristig geändert – mit einer unnötigen Schleife auf der Dealay Plaza – und dort auf die notwendigen und üblichen Sicherheitsmaßnahmen verzichtet.  Auf diesem Hintergrund ist der Nachweis, das Earle Cabell im Nebenberuf auf der payroll der CIA stand, durchaus nicht irrelevant. Zumal ihm als Bürgermeister  auch die lokale Polizei unterstand über deren merkwürdiges Verhalten ich in “JFK-Staatsstreich in Amerika” schrieb:

“Und so rief der leitende Sheriff der Polizei in Dallas zwei Stunden vor dem Attentat, das direkt gegenüber seinem Fenster an der Dealey Plaza stattfinden sollte, alle etwa hundert diensthabenden Beamten zusammen und erklärte ihnen: »Wir nehmen in keiner Weise an den Sicherheitsvorkehrungen des Autokorsos teil.« Er befahl seinen Leuten, »einfach nur vor dem Gebäude in der Main Street 505 zu stehen und das Büro des Sheriffs zu repräsentieren«.
Wie es dazu kommen konnte, dass die gesamte Polizeitruppe von den Sicherheitsvorkehrungen abgezogen wurde, beschrieb später der Polizeichef von Dallas, Jesse Curry, in seinem Bericht: »Das Dallas Police Department führte sorgfältig die Sicherheitspläne aus, die ihm von Mr. Lawson, dem Verantwortlichen des Secret Service in Washington D.C., dargelegt worden waren.«Zu diesen Plänen gehörte auch, dass keine bewaffnete Motorradeskorte links und rechts neben der Präsidentenlimousine herfuhr, sondern bloß zwei Motorräder, die sich hinter dem Wagen hielten. Einer der beiden Fahrer, Bobby W. Hargis, wurde von einem Assistenten der Warren-Kommission nur einige Minuten lang befragt und bezeugte, dass bei dem tödlichen Schuss »der Kopf des Präsidenten zu explodieren schien und ich mit Blut und Gehirn bespritzt wurde«. Der Name dieses unmittelbaren Augenzeugen wurde im Warren-Report nicht einmal erwähnt, seine Aussage stand in direktem Widerspruch zum Ergebnis des Reports: ein tödlicher Schuss von hinten.”

(Das Bild zeigt den vom “Blut und Gehirn” des Präsidenten getroffenen Bobby Hargis, der links hinter der Limousine fährt – kurz vor den Schüssen. Einen besseren physikalisch belegten Augenzeugen-Beweis, dass der tödliche Schuß von rechts vorne gekommen ist, kann es kaum geben. Für Lee Oswald – angeklagt aus  dem 6. Stock des hinteren Gebäudes (mit der Feuertreppe) den Schuß abgegeben zu haben – hätte deshalb jeder ordentliche Gerichtsprozess mit einem Freispruch enden müssen.)

Aus den geheimen JFK-Akten (1)

Dass in den letzten, nach mehr als einem halben Jahrhundert nun zur Veröffentlichung kommenden Akten zum Kennedy-Mord wohl keine “smoking gun” gefunden wird, hatten wir hier schon des Öfteren betont. Hoch interessant sind die bisher geheimen Unterlagen aber dennoch, weil sie zahlreiche Mosaiksteine enthalten, mit denen schon bestehende Szenarien belegt ( oder verworfen ) werden können. Professor John Newman, einer der führenden Experten in der Auswertung historischer Geheimdienstakten, fühlt sich deshalb derzeit “wie ein Kind im Bonbonladen”, weil er nun Akten im Klartext erhält, die er bisher nur stark redigiert oder überhaupt nicht einsehen konnte.
Ein kleiner Mosaikstein wurde jetzt in den ersten Paketen der veröffentlichten Akten schon entdeckt: der Mann, der den vorgesehenen Auftrittsort JFKs in Dallas und die Route des Autokorsos kurzfristig änderte – und am Dealey Plaza auf sämtliche Sicherheitsbestimmungen wie versiegelte Fenster und Scharfschützen auf den Dächern verzichtete –  der Bürgermeister von Dallas,  Earle Cabell, war seit 1956 Agent der CIA. 
Ich werte das als ein “Bingo” für meine Darstellung der Rolle, die CIA und der Militärgeheimdienst bei diesem Attentat und seiner Vertuschung spielten. Hier dazu eine Passage aus “JFK – Staatsstreich in Amerika”, in der die dubiose Rolle von Earle Cabell schon kurz erwähnt wird:

“Das erste Verhör von Oswalds Ehefrau Marina nach dem Attentat wurde nicht, wie eigentlich zu erwarten, von der Polizei in Dallas, vom Secret Service oder vom FBI geführt, sondern von Jack Crichton, einem Reserveoffizier des Militärgeheimdienstes…(..)Von Peter Dale Scott wissen wir, dass das 488th Army Intelligence Detachment in Dallas eine wichtige Rolle in der ersten Phase der Vertuschung spielte, bei der Oswald der Tat bezichtigt und in Verbindung mit Kuba und der Sowjetunion gebracht wurde. Diese von Jack Crichton geführte Spionageeinheit arrangierte die falschen Übersetzungen der Aussagen von Marina Oswald.(…) Die 488. Geheimdienstreserve schickte am Tag der Ermordung auch ein Kabel mit den Falschbehauptungen raus, dass Oswald 1959 »nach Kuba« übergelaufen und ein »eingetragenes Mitglied der kommunistischen Partei« sei.
An die 50 Mitglieder des Dallas Police Departements gehörten der 488. Einheit an, darunter auch der örtliche Deputy Chief George Lumpkin, der Crichtons Stellvertreter war und in dem ersten Wagen des Kennedy-Autokorsos fuhr, der aus unerklärlichen Gründen vor dem Texas School Book Depository anhielt.
Jack Crichton, der sich vor dem ersten Verhör von Marina Oswald mit dem rechtsextremen Ölmagnaten H.L. Hunt getroffen hatte, war außerdem der Geheimdienstchef der Dallas Civil Defense, die ein Notfallzentrum unter dem Gesundheits- und Wissenschaftsmuseum von Dallas unterhielt – und hatte Zugriff auf ein geheimes Kommunikationsnetzwerk mit direkter Verbindung zu den Spitzen des Militärgeheimdiensts in Washington. Dass das dortige Telefonnetz direkt nach den Schüssen merkwürdigerweise für eine Stunde ausfiel und zivile Behörden von jeder Kommunikation abschnitt, macht die Relevanz dieses militärischen Telefonnetzes deutlich.
Crichton stand nicht nur in enger Verbindung mit H.L. Hunt und weiteren Ölmagnaten in Texas, sondern auch mit Gruppen von Exilkubanern und mit George H.W. Bush, mit dem er 1959 Geld für das Kommando “Operation 40” zum Sturz Castros aufgetrieben hatte. Für den Lufteinsatz bei der geplanten Invasion sollte Crichtons texanischer Freund General Charles Cabell zuständig sein, seit 1953 Vizedirektor der CIA, der von Kennedy nach der Schweinbucht-Operation gefeuert wurde. Sein Bruder Earle Cabell war von 1961 bis 1964 Bürgermeister von Dallas und unter anderem für die Route des Autokorsos verantwortlich.

UPDATE: Markus Kompa berichtet auf Telepolis ebenfalls über den neuen Aktenfund.

Die letzten geheimen JFK-Akten

Die “National Archives” haben mit der Veröffentlichung der geheimen Akten begonnen, die bis zum 26. Oktober 2017 freigegeben werden müssen. Bis dahin werden 3.571 bisher unbekannte Dokumente und 34.000 weitere veröffentlicht, die bisher nur in redigierter Form und mit Schwärzungen zugänglich waren – es sind die letzten aller noch im Archiv befindlichen Unterlagen zur Ermordung Kennedys. Da die Metadaten – Titel, Themen und Autoren – der freizugebenden Akten schon bekannt sind, wissen die Forscher bereits ungefähr, was sie erwartet ; so unter anderem eine Reihe sogenannter OPS-Files (Operational Files) zu vielen Akteuren, um die es in meinem Buch  “JFK – Staatsstreich in Amerika” geht, wie William Harvey, David Philips, George Joannides und E.Howard Hunt, der 2004 auf dem Sterbebett noch ein (falsches?) Bekenntnis abgelegt und Namen genannt hatte.
Da “von oben” wenig Interesse an einer Aufklärung des Falls besteht und keine öffentlich bestallte Historiker-Kommissison mit der Auswertung befasst sein wird, ist der “Schwarm” von unten gefragt, die mehr als 113.000 Seiten zu durchforsten.

Eine Übersicht der “Batches” hier . Die ersten Files stehen jetzt gezipped zum Download bereit