Götter kommen auch vor

Ken Jebsen spricht nicht nur viel und schnell, er liest auch noch viel mehr und offensichtlich noch schneller. Vorletzten Montag bekam er gegen 11.00 mit reitendem Boten unser neues Buch druckfrisch zugestellt, am Mittwoch um 14.00 trafen wir uns dann im Studio zu einem längeren Gespräch darüber. Und er hatte nicht nur den Klappentext gelesen – viele Moderatoren schaffen ja nicht mals das –  sondern das komplette Buch, wie ich an den Anstreichungen bis in den kleingedruckten Anmerkungs,- und Quellenanhang feststellen konnte. Sowie an den qualifizierten Fragen, die er sich auf vier Seiten ausgedruckt hatte und mir dann stellte. Unser Gespräch ist noch nicht online – aber in seiner regelmäßigen Tour d’Horizon “Me Myself & Media”  gibt es bei den Buchtipps am Ende schon eine kurze Empfehlung:

 

Birdie Sanders fliegt…

Seit dem Osterwochenende pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Bernie, Bernie, Bernie! Der Senator gewann die Vorwahlen in Alaska, Hawaii und Washington haushoch und während einer Rede in Portland/Oregon flog ein Spatz auf die Bühne, das Publikum lachte, Sanders unterbrach und der Vogel setzte sich für einen Moment direkt vor sein Mikrofon (Video hier). “Ich weiß, dass das keine Taube ist, aber dieser kleine Vogel steht für den Weltfrieden. No more wars!” Und nicht nur der Saal jubelte, sondern auch die sozialen Medien, in den sich die symbolische Szene in Windeseile verbreitete – und Sanders nicht nur weitere Wählerstimmen zutreiben wird, sondern vermutlich auch dafür sorgt – wie ein Kommentar vermerkte – dass Hillary für ihre nächste Rede wohl schon Tauben gemietet hat…  Als Sven mich vor einigen Wochen, nach den ersten Erfolgen Bernies, auf unserem Blog zum Buch fragte, ob sich Sanders  nicht auf dünnem Eis bewegt, weil ihn ein irrer Einzeltäter aus dem Rennen nehmen könnte, sah ich für einen neuen Lee Harvey Oswald keinen Bedarf, weil über den Kandidaten nicht von den Wählern, sondern letztlich von den Funktionären der Partei entschieden werden, die als “Superdelegierte”  das Wählervotum überstimmen können.  Was sie freilich noch nie getan haben in der Geschichte. Es bleibt also spannend und nachdem einer der zuverlässigsten US-Demoskopen nach den vorliegenden Umfragen voraussagt, dass Bernie alle noch ausstehenden Vorwahlen gewinnen wird, denke ich mittlerweile auch, dass er gefährlich lebt. Zumal Sanders in den Umfragen zur Präsidentschaftswahl sehr viel deutlicher vor Trump liegt als Clinton – und er wegen massenhafter Kleinspenden mehr Wahlkampfgeld als Hillary akquiriert. Und riesige Stadien für seine Auftritte mieten kann und  – anders als Clinton – Zehntausende meist junger WählerInnen begeistern, was auch die orchestriert auf Clinton/Trump fixierten Leitmedien dazu zwingt, dem “Außenseiter” endlich faire Sendezeit einzuräumen. Was seiner Kampagne für die entscheidenden Abstimmungen in Kalifornien und New York (im April bzw. Juni) weiteren Auftrieb geben dürfte. Und auch wenn Bernie keine echte Friedenstaube, sondern nur ein Spatz ist… man kann nur wünschen, dass er weiter und noch höher fliegt. Und am Leben bleibt…

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Gott und die Welt

Zuerst dachte ich: Oh no, zwei Stunden diesem Ex-Priester und seinem pastoralen Leierton zuzuhören, das schaff ich nicht. Aber dann geschah etwas Erstaunliches: ich war so angetan von diesen ebenso geistvollen wie welthaltigen Ausführungen, dass ich mir das ganze  Gespräch am nächsten Tag noch einmal anhörte. Denn Eugen Drewermann kennt sich als Theologe, Tiefenpsychologe und politischer Kopf überall aus – innen und außen, oben und unten – und er spannt faszinierende rhetorische Bögen: über Gott und die Welt, von Tagesaktualität zur Ewigkeit, von persönlichem Erleben in und nach dem Krieg zur geopolitischen Gesamtlage von heute. Über die Feiertage sollte jede/r  die Zeit haben, sich diese Einsichten und Ausblicke zu Gemüte zu führen. Es lohnt sich – und keineswegs nur, weil hinterher klar ist, dass bei uns eindeutig die falschen Ex-Pfarrer und Pfarrrestöchter am Regierungsruder sitzen….

JE SUIS sick of this shit

23.03.16 18:11-Bildschirmkopie

Nach einem Terroranschlag  schalten die Medien in den Turbo-Modus und setzen mit Live-Tickern und Breaking-News den Schrecken in Szene. Genaues ist erst einmal nicht bekannt, aber aber Schrecken, Chaos, Leichen, Blut und Tränen reichen aus, um in atemlosen Stakkato zu berichten. Das ist auch bei anderen Unglücken mit vielen Toten und Verletzen der Fall, doch bei Flugzeug,- oder Zugunfällen richtet sich der Fokus dann immer auch schnell auf die Frage nach der Ursache dieser Katastrophe. Nicht so bei Terroranschlägen.  Hier reicht es “gegen den Terror” zu sein,  und zum Krieg aufzurufen die Frage warum Terror entsteht und wie man seine Ursache beseitigen kann, wird gar nicht gestellt. Wohl weil dann in den Blick geraten würde, dass der “Krieg gegen den Terror” der entscheidende Verursacher ist. Dazu aus unserem neuen Buch ein kurzer Auschnitt aus dem Kapitel “Terrorismus”: 

“Die USA und ihre westlichen Verbündeten führen seit 15 Jahren einen Krieg gegen den Terror, mit dem ein gigantisches Wachstum der Rüstungs- und Sicherheitsausgaben (→Waffen) ebenso begründet wurde wie die Notwendigkeit stärkerer Überwachung der Bevölkerung und Einschränkungen von Bürgerrechten (→Freiheit). Nach dem 11. September 2001 hatte der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld angekündigt, dass dieser große Krieg gegen den Terror »länger als eine Generation« dauern werde, und nach 15 Jahren, also nach etwa einer halben Generation, fällt die Bilanz mehr als nur ernüchternd aus: Der Krieg gegen Terror verhindert Terrorismus nicht, sondern produziert ihn. Die 1,3 Millionen Menschen, die diesem Krieg (in Afghanistan, Pakistan, Irak, Libyen, Syrien) bisher zum Opfer gefallen sind, sind nicht für eine friedlichere Welt gestorben, denn ihre Ermordung hat in diesen Ländern Chaos und Rechtlosigkeit geschaffen und den Boden nicht für weniger, sondern für mehr Terrorismus bereitet. Die Sicherheitslage im gesamten Nahen und Mittleren Osten hat sich durch den War on Terror auf dramatische und tragische Weise verschlechtert. Und jedes Opfer hat bei seinen überlebenden Angehörigen nicht nur Trauer hinterlassen, sondern auch einen Samen der Wut und des Hasses auf die unsichtbaren Herren der Drohnen und Raketen, die ihre Heimat in Schutt und Asche legen. Bei weitem nicht alle, aber einige dieser Samen sind aufgegangen und haben Kämpfer heranwachsen lassen, die bereit sind, für ihren Hass und ihre Rache ihr Leben zu geben. Gegen solche Selbstmordattentäter ist jede Gesellschaft machtlos, und auch der massivste Überwachungs- und Polizeistaat kann nicht verhindern, dass ein Verrückter sich und andere an einem belebten Ort in die Luft sprengt. (…)

Mit dem Krieg gegen den Terror hat sich der »Tiefenstaat«, wie der kanadische Politikwissenschaftler Peter Dale Scott die verdeckte Ver- bindung staatlicher Organe mit dem militärisch-industriellen Komplex nennt, eine Art Perpetuum mobile erschaffen, einen Krieg ohne definiertes Ziel und ohne Exit-Strategie, der seine Ursache immer wieder selbst erzeugt und sich so die nötige Energie – ein nie versiegendes Budget – verschafft. Als Generator dieser Energie fungieren Furcht und Schrecken der Bevölkerung, weshalb dem Geheimdienst- und Kriegsapparat stets noch eine »Kirche der Angst« zugeordnet ist, ein Medienapparat, der den Schrecken des Terrors multimedial inszeniert und die Alternativlosigkeit des Krieges gegen den Terror predigt. Fragen nach dem Sinn, dem Zweck, der Strategie, dem Ziel sind dann überflüssig. Und so antwortet die Sprecherin der Bundesregierung auf die Frage, wessen Krieg die Bundeswehr in Syrien denn nun unterstützen wird, in aller Schlichtheit: »Ziel ist der Krieg gegen den Terror.« Und der ist selbsterklärend….”

Aus: Sven Böttcher, Mathias Bröckers: Die ganze Wahrheit über alles – Wie wir unsere Zukunft doch noch retten können, Westend Verlag, 336 Seiten, 18,00

Die Anti-Terror-Police

blog-86-300Zwar ist es in unseren Breiten nach wie vor weitaus wahrscheinlicher, durch einen Sturz von der Haushaltsleiter ums Leben zu kommen, als durch einen Terroranschlag, auch Autos, Hitzewellen oder Grippe-Epedemien stellen ein größeres Risiko für unfreiwilliges Sofortableben dar als Bomben von Terroristen. Da man sich gegen alles versichern kann und die Höhe der Prämie von der Eintrittswahrscheinlichkeit abhängt, steht “Tod durch Terroranschlag” auf den Risikotabellen von “Llodys” oder anderen Versicherten mit Sicherheit sehr weit unten. Ich werde demnächst bei einem Versicherungsvertreter meines Vertrauens für kleines Geld eine solche Police erwerben. Mit ein paar Euro den lieben Angehörigen im Falle eines Falles ein paar Millionen zu hinterlassen, das gibt ja nicht nur ein gutes Gefühl in Sachen Vermächtnis, es steigert auch die alltägliche Gelassenheit im “Angesicht des Terrors”.

Und entledigt überdies von der leidigen Frage, wer da nun wieder dahinter steckt, denn versichert bin ich natürlich gegen jede Art von Terroranschlag,  ob  von islamistischen Wickelmützen oder imperialen Schlapphüten ist völlig egal. Da Ermittlungen über die zunehmend verwechselbaren Täter sich bekanntlich jahrzehntelang hinziehen können, erfolgt die Auszahlung an die Begünstigten sofort, das heißt in dem Moment, wo Polizei, Politik und Medien von einem “Terroranschlag” sprechen und ich dessen tragisches Opfer geworden bin. Was – siehe oben – äußerst unwahrscheinlich ist, aber bis dahin  sorgt diese Anti-Terror-Police für eine deutliche Steigerung meiner inneren Sicherheit. Sie kann natürlich nicht verhindern, das ich zufällig in der Nähe bin, wenn irgendein Wahnsinniger irgendwo eine Bombe zündet, so wenig wie irgendeine Risiko-Lebensversicherung den Leitersturz beim Auswechseln der Glühbirne verhindert. Aber sie lindert die Folgen und damit die Angst, tödlichen Haushaltsunfällen resp. Terroranschlägen zum Opfer zu fallen.

Weil diese Police ja nur den Tod durch Terror abgedeckt kostet sie deutlich weniger als übliche Lebens,- oder Unfallversicherungen und kann im Ereignisfall dennoch siebenstellige Summen ausschütten. Den Angehörigen derart großzügig über den Verlust hinweg helfen zu können, sorgt ohne Frage für ein entpannteres Lebensgefühl als der permanente Horror, dass hinter jedem Busch ein Terrorist (oder hinter jedem Terroristen ein Bush) lauert. Dass die “Kirche der Angst” nach einem Anschlag wochenlang auf allen Kanälen das grausame Terrorgespenst und den “Krieg” dagegen beschwört, kann die Versicherten nicht mehr wirklich erschrecken – oder nicht mehr als ein Zug, ein Bus, ein Flugzeug. Der Terror verliert zwar nicht seinen Schrecken, aber das Risiko wird auf Normalmaß reduziert.

Vielleicht sollte der Minister unseres Inneren zur Förderung der inneren Sicherheit in Erwägung ziehen, eine solche Anti-Terror-Police für sämtliche Bürgerinnen und Bürger abzuschliessen, was deren persönliche innere Sicherheit und somit auch die allgemeine deutlicher und wirksamer fördern kann als etwa die Bundeswehr. Wenn dann mit einem solchen “Rundum-Terror-sorglos”-Paket auch noch die Einsicht (des Soziologen Mike Davis) einhergeht: “Die Autobombe ist die Airforce des kleinen Mannes” – und wir erstere vor unserer Haustür nicht eindämmen werden solange unsere letztere die halbe Welt mit Bomben bewirft…. ja dann ginge das Risiko eines Tods durch Terroranschlag rapide gegen Null…

Verteilung

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In unserem Buch geht es ja nicht nur in 72 Kapiteln um “alles”,  sondern diese Themen hängen logischerweise auch auf vielfache Weise miteinander zusammen, was im Buch mit einem Verweispfeil -> auf den jeweiligen Begriff gekennzeichnet ist. Wir haben diese Verweise nicht gezählt, aber mit Sicherheit einer der häufigsten führt auf -> Verteilung. Zu diesem Kapitel gibt es  auch einen kleinen Film, mit Zeichnungen von Gerhard Seyfried. Unter anderem zu der Tatsache, dass wenn wir uns die Erde als Dorf mit 100 Einwohnern vorstellen, ein einziger Bewohner  über mehr als Hälfte allen Wohlstands verfügt, neun andere besitzen zusammen über 40 % und um den verbleibenden Rest von 5 Prozent schlagen sich 90 Spieler. Die Hälfte von ihnen nagt am Hungertuch, und kommt kaum noch lebend über die Runden… Und von Runde zu Runde wird es enger… Im Nachwort heißt es zu diesen superreichen Dinosaurieren:

“Wenn ihr sie weiter fressen lasst und euch damit zufrieden gebt, was sie an Wiedergekäutem wieder ausspucken („Philantropie“) gehört ihnen bald alles – und ihr seid wirklich das, für das sie euch und uns schon immer gehalten haben: sheople, menschliche Schafe, eine Herde dummer Sklaven. Nun haben wir Punk („Eat The Rich!“) zwar hinter uns gelassen, doch ohne den neuen Feudalherrn wenn nicht an die Gurgel dann doch an die Brieftasche zu gehen, kann sich am System nichts ändern. Und weil sie über mindestens so viele stromtroopers verfügen wie Darth Vader im Kino, wird das kein Kinderspiel, ist aber machbar. Warum? Weil ihr die 99,9% seid, und keine Angst habt, weil euch gar nichts passieren kann”

Wer regiert das Geld ?

Paul Schreyer hat ein sehr gutes Buch über unser Geldsystem geschrieben – “Wer regiert das Geld ?” –  das kürzlich im Westendverlag erschienen ist. Wer die magische Luftnummer der Geldschöpfung sowie ihre Hintergründe und Folgen verstehen will, sollte dieses Buch lesen. Auf einem Blog zum Buch sind die ersten Rezensionen und weitere Artikel zum Thema versammelt. Lars Schall hat jetzt mit dem Autor darüber gesprochen:

“Die ganze Wahrheit” über die Wohlstandsverteilung

In „Die ganze Wahrheit über alles“ geht es von Arbeit/ Aufklärung/ Autos/ Banken/ Bienen und BIP bis Wettbewerb/ Wissenschaft/ Zuwanderung und Zukunft. Also von A bis Z. Und unter “V” geht es –  außer um die unvermeidlichen “Verschwörungstheorien”  – um die “Verteilung”,  nämlich die des Wohlstands auf diesem Planeten. Und dazu gibt es jetzt  auch  ein Video, das unser Freund Gerhard Seyfried gezeichnet hat.

“Die ganze Wahrheit” im Kurz-Video

In „Die ganze Wahrheit über alles“ geht es von Arbeit/ Aufklärung/ Autos/ Banken/ Bienen und BIP bis Wettbewerb/ Wissenschaft/ Zuwanderung und Zukunft. Also von A bis Z … und mittendrin auch um „Nationen und Nationalismus“. Ein Auszug aus diesem Kapitel hatte ich aus aktuellem Anlass Anfang Februar  hier  schon einmal gepostet.  Dazu  nun  ein Video mit Zeichnungen unseres Freundes Gerhard Seyfried . Das Buch zum Filmchen ist seit heute in allen Buchhandlungen erhältlich. (Disclaimer: Die Ähnlichkeit der Hauptdarsteller mit nationalistischen Akteuren der aktuellen Politik ist rein zufällig.)