Vor 16 Jahren erschien “Everything under control” von Robert Anton Wilson erstmals auf Deutsch, übersetzt von Gerhard Seyfried, herausgegeben von mir. Das “Lexikon der Verschwörungstheorien” erlebte mehrere Auflagen , war aber jetzt schon seit einigen Jahren vergriffen. Am 1. August wird es nun wieder in einer unveränderten Neuausgabe im Westend Verlag erscheinen – einschließlich des langen Gesprächs, dass ich mit RAW dazu geführt habe, Auszüge daraus hier. Beim Titel allerdings haben wir uns für eine kleine Änderung entschieden, die aufgrund der inflationären Abnutzung des Begriffs “Verschwörungstheorien” sicher nachvollziehbar ist.
Einladung zum Vortrag in Wien
DIE GANZE WAHRHEIT ÜBER ALLES
Vortrag von Mathias Bröckers
Was geht Deutschland die Ukraine an? Und wie kommt es, dass ein gescheitertes Abkommen mit der EU zu einer der gefährlichsten Krisen geführt hat, die Europa in den vergangenen Jahrzehnten erlebte? Alles Putins Schuld? Oder ist die Wahrheit hinter diesem Konflikt, der nun den Frieden eines ganzen Kontinents bedroht, doch komplexer? Und welche Rolle spielen eigentlich die Medien? Sind sie noch unabhängige Berichterstatter oder längst selbst zur Partei geworden? Bestseller-Autor Mathias Bröckers schaut hinter die Kulissen eines politischen Spiels, das tödlicher Ernst geworden ist.
Mit im Gepäck hat er auch sein neues Buch „Die ganze Wahrheit über alles – Wie wir unsere Zukunft doch noch retten können“, gemeinsam mit Sven Böttcher publiziert. Er wird versuchen uns zu zeigen, dass alles ganz und gar nicht so kompliziert ist, wie die wenigen Gewinner im globalen Optimierungsspiel uns nur allzu gern glauben lassen. Die Menschheit ist in den letzten 5.000 Jahren gut vorangekommen – sie hat Ideen, Technologien und Gesellschaftsformen entwickelt, die den gesamten Planeten in einen paradiesischen Ort verwandeln könnten. Doch stattdessen ist sie dabei, daraus eine lebensfeindliche Wüste zu machen. Denn aus den gut gemeinten Ideen – von Agrarrevolution über Demokratie und Marktwirtschaft bis Wachstum und Zuwanderung – haben wir, die Generation der 1945 bis 2000 Geborenen, nicht nur ein Riesendesaster gemacht. Wir bekommen auch dauernd zu hören, dass daran nichts zu ändern ist, weil alles viel zu komplex und der eingeschlagene Holzweg daher „alternativlos“ ist. Weshalb man am besten gleich alle Hoffnung fahren lässt, weil man ja doch nichts ändern kann. Mathias Bröckers wird dies in seinem Vortrag eindrucksvoll widerlegen.
Aktionsradius Wien , 1200 Wien, Gaußplatz 11, Di. 10. Mai 2016, Beginn: 19.30 Uhr, Einlass: 19.00 Uhr. Eintritt: Spenden erbeten!
Anmeldung erforderlich!
Freetrade vs. Fairtrade
“Meine Damen und Herren, Geheimhaltung ist abstoßend in einer freien und offenen Gesellschaft. Als Volk haben wir eine natürliche und historische Abneigung gegen Geheimgesellschaften und Geheimbünde. Die Nachteile einer übermäßigen Geheimhaltung übersteigen die Gefahren, mit denen diese Geheimhaltung gerechtfertigt wird. Es macht keinen Sinn, einer unfreien Gesellschaft zu begegnen, indem man ihre Beschränkungen imitiert. Das Überleben unserer Nation hat keinen Wert, wenn unsere freiheitlichen Traditionen nicht ebenfalls fortbestehen. Es gibt eine sehr ernste Gefahr, daß der Vorwand der Sicherheit mißbraucht wird, um Zensur und Geheimhaltung auszudehnen. (..) Wir haben es mit einer monolithischen und ruchlosen weltweiten Verschwörung zu tun, die ihren Einfluß mit verdeckten Mitteln ausbreitet: mit Infiltration statt Invasion, mit Umsturz statt Wahlen, mit Einschüchterung statt Selbstbestimmung, mit Guerillakämpfern bei Nacht, statt Armeen am Tag. Es ist ein System, das mit gewaltigen menschlichen und materiellen Ressourcen eine komplexe und effiziente Maschinerie aufgebaut hat, die miltärische, diplomatische, geheimdienstliche, wirtschaftliche, wissenschaftliche und politische Operationen verbindet. Ihre Pläne werden nicht veröffentlicht, sondern verborgen, ihre Fehlschläge werden begraben, nicht publiziert, Andersdenkende werden nicht belobigt, sondern zum Schweigen gebracht, keine Ausgabe wird in Frage gestellt, kein Gerücht wird gedruckt, kein Geheimnis enthüllt. (..)
Kein Präsident sollte die öffentliche Untersuchung seines Regierungsprogramms fürchten, weil aus der genauen Kenntnis sowohl Unterstützung wie auch Opposition kommt, und beides ist notwendig. Ich bitte Ihre Zeitungen nicht, meine Regierung zu unterstützen, aber ich bitte Sie um Ihre Mithilfe bei der enormen Aufgabe, das amerikanische Volk zu informieren und zu alarmieren, weil ich vollstes Vertrauen … (Applaus) …. in die Reaktion und das Engagement unserer Bürger habe, wenn sie über alles uneingeschränkt informiert werden. Ich will die Kontroversen unter Ihren Lesern nicht ersticken, ich begrüße sie sogar. Meine Regierung wird auch offen zu ihren Fehlern stehen, weil ein kluger Mann einst sagte, Irrtümer werden erst zu Fehlern, wenn man sich weigert, sie zu korrigieren. Wir haben die Absicht, volle Verantwortung für unsere Fehler zu übernehmen, und wir erwarten von Ihnen, daß sie uns darauf hinweisen, wenn wir das versäumen. Ohne Debatte und Kritik kann keine Regierung und kein Land erfolgreich sein, und keine Republik kann überleben.(…)”
Diese Rede hielt John F. Kennedy am 27. April 1961 vor Zeitungsverlegern im Waldorf-Astoria in New York (der gesamte Text hier , der Audio-Mitschnitt hier ). Sie ist nicht nur wegen der geheimen Betrugsmanöver in Sachen “Freihandel” und der unsäglichen TTIP-Verhandlungen – der Vizechef der CDU-Budestagsfraktion fordert mittlerweile die Bestrafung der Whistleblower von Greenpeace, die die geheimen Dokumente geleakt haben – äußerst aktuell. Sondern auch einer der Gründe, warum ich meinem Buch über JFK und seine Ermordung den Untertitel “Staatsstreich in Amerika” gegeben habe. Wie weit sich Amerika seitdem von jener “freien und offenen Gesellschaft” entfernt hat, wie Kennedy sie forderte, wird deutlich, wenn wir den Klartext von Barack Obama zum “Freihandel” hören: “America should write the rules. America should call the shots. Other countries should play by the rules that America and our partners set, and not the other way around.”
Hanf auf Rezept
Meinen Nimbus als “Verschwörungstheoretiker” verdanke ich vor allem den Recherchen über reale Verschwörungen, die trotz akribischer Dokumentation von Fakten und Belegen so unglaublich schienen, dass sie nur einem verrückten Gehirn entsprungen sein konnten. Wie etwa die Behauptung, dass es sich bei Cannabis um eine der wertvollsten Nutz,-und Arzneipflanzen überhaupt handelt. Nach dem Erscheinen des Buchs “Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf”, dessen deutsche Ausgabe ich mit Jack Herer 1993 herausgebracht hatte, erreichten mich etliche Anfragen von Ärzten und Pharmazeuten, die das Kapitel über die erstaunlichen und einzigartigen medizinischen Eigenschaften von Cannabis für Fiktion hielten: sie hatten davon während ihrer gesamten Ausbildung kein Sterbenswort gehört und in ihren aktuellen Handbüchern keine Zeile darüber gefunden. Eine der ältesten Heilpflanzen der Menschheit war nicht nur zur »flora non grata« geworden, auch das medizinische Wissen darüber war nahezu verschwunden. Warum dies kein Zufall war, wer aus welchen Gründen an der umfassenden Prohibition der Hanfpflanze gedreht hatte und warum diese destruktive Politik schleunigst geändert werden sollte – all das war in unserem Buch zwar ausführlich dokumentiert. Doch in der Politik geschah nicht nur nichts, die Gesetze und die Jagd auf Hanfnutzer wurden in der Folge sogar noch verschärft; in “Die Drogenlüge” (2010) und “Kein Angst vor Hanf” (2014) habe ich diese weiteren Entwicklungen beschrieben. Und darauf hingewiesen, dass ein ein Gesetz zu Cannabis als Medizin, welches das Bundeskabinett heute verabschiedet hat und das die Verkehrs-, Verschreibungs- sowie Erstattungsfähigkeit von Cannabismedikamenten herstellen soll, nur ein erster Schritt sein kann. Nachdem nicht zuletzt unser Buch erreicht hatte, dass der Hanfwirkstoff Tetra-Hydro-Cannabinol (THC) 1996 wieder in das Arzneimittelregister aufgenommen wurde und in der Folge in Form (halb-)synthetischer Tropfen (“Dronabinol”) wieder verschrieben werden konnte, war es nicht politische Einsicht, sondern allein der Druck der Patienten, die mit Gerichtsklagen dafür sorgten, dass auch die gesamte Hanfblüte als Arzneimittel rehabiliert wurde. Diese waren bis dato nur mit aufwändigen Ausnahmegenehmigungen erhältlich, künftig reicht ein normales Betäubungsmittel-Rezept des Hausarztes. Der Selbstanbau bleibt aber auch für Patienten nach wie vor verboten. Wo kommen wir auch hin, wenn Kranke sich mit einem Kraut, das ihnen hilft, im Garten oder auf der Fensterbank selbst versorgen…? Vorallem wenn sich weiter herumspricht, dass es sich um ein jahrtausendelang bewährtes und gut verträgliches Anti-Depressivum und Sedativum handelt, welches den “Gute Laune”- und “Gute Nacht”-Bestsellern der Pharmaindustrie den Rang ablaufen könnte: Da sind wir dann schon wieder mitten in der verschwörungspraktischen Frage, welche Lobby eigentlich an den Gesetzen feilt, die eine der ältesten Heilpflanzen der Erde nach wie vor der Prohibition unterwirft…
TTIP ist tot
Dass es sich bei TTIP um einen unsäglichen, undemokratischen und betrügerischen Vertrag handelt, hatten wir hier schon im vergangenen Oktober festgehalten, als 250.000 Menschen in Berlin dagegen auf die Straße gegangen waren. Den großen Medien war dieser massive Protest letzten Herbst nur eine Randmeldung wert und Sigmar Gabriel schaltete großflächig Anzeigen, dass es eine “Absenkung der erreichten Standards” etwa beim Verbraucherschutz natürlich nicht geben werde, genausowenig wie die “privaten Schiedsgerichte”. Was jetzt die “Süddeutsche” in ihrer Monatgsausgabe enthüllt zeigt indessen, dass es den US-Verhandlern genau darum geht: sie wollen ihre Genfood,- und Hormon-Produkte hier auf den Markt bringen und drohen bei Nicht-Erlaubnis mit Strafzöllen für die europäische Autoindustrie. Auch die 1328 Chemikalien, die in Europa auf der Verbotsliste für Kosmetik stehen, sollen künftig erlaubt und nur verboten werden können, wenn nicht nur ein Verdacht, sondern ein Beweis für Krebserregung vorliegt. Usw. usf….. und der europäischen Forderung keine Privatgerichte zuzulassen, verweigern sich die USA nach wie vor. “Es bestätigen sich in den Texten bisher so ziemlich alle unsere Befürchtungen”, sagt der Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller dazu. Die Realität, so Heribert Prantl, “übertrifft alle dunklen Ahnungen” Was heißt: nichts ist so, wie es der Vizekanzler und Wirtschaftsminister, die Großkonzerne und Transatlantiker verkünden. Und was der Arbeitgeberverband “Niedersachsen Metall” und die Bertelsmann-Stiftung “Neue (A-)Soziale Marktwirtschaft”(anläßlich des Besuchs von Häuptling Big Ear auf der Hannovermesse) plakatierten, gehört nach den aktuellen Enthüllungen nun umgehend ins Museum für Kommunikation – als Musterbeispiel für Desinformation und neo-faschistoiden Orwellianismus.
Panzer-Uschi in der Wolfsschanze
In den Bestsellerlisten notiert der “Rassist der Herzen” (taz) Thilo Sarrazin derzeit auf Platz 1, knapp vor Adolf Hitlers “Mein Kampf” – und Deutschland läßt wieder Truppen gen Moskau marschieren. Zwar ist die Oberkommandierende, unsere Panzer-Uschi, noch nicht in der Wolfsschanze einquartiert, aber was nicht ist, kann die Leyen-Spielschar ja schon mal üben. Zumal unsere Altvorderen unter Adolf wie schon zuvor Wilhelm und Napoleon bei ihren Auswärtsspielen gegen Russland stets schwer auf die Mütze bekamen. Sportlich gesehen sind der Iwan und Mütterchen Russland so etwas wie der Angstgegner westlicher Champions-League-Aspiranten, da herrscht also fraglos verschärfter Trainingsbedarf. Dass seit ’45 Atomwaffen am Start sind, die beim Eindringen in den Strafraum gezündet werden – was für das Mittelfeld (Deutschland) die nukleare Apokalypse bedeutet – läßt solche Truppenbewegungen als geschichtsvergessene Gymnastikübungen zwar geradezu lächerlich erscheinen. Sie sind aber durchaus ernst gemeint, denn den Chefcoach Uncle Sam juckt es im Ernstfall wenig, wenn das Mittelfeld zum Schlachtfeld wird. Es geht, wie einst unter Adi, um Höheres, Größeres, es geht um Absolutes und Totales, um Full Spectrum Dominance, da müssen einfach Opfer gebracht werden. Dass sich 95 % der deutschen Bevölkerung eine politische Annäherung an Russland wünschen darf da keine Rolle spielen. So wie es ja auch keine Rolle spielt, dass 95 % aller Fußballfans eine Wüsten-WM bei 40 Grad in Katar absurd finden, wenn die FIFA das so beschließt – bzw. die NATO, als ihr geopolitsches Pendant und ebenso korrupt und überflüssig. Freilich eine Idee mehr transparent, denn Freundschaft mit Russland ist pures Gift für die Auftragsbücher, nur das Schreckensbild des aggresiven Bären garantiert steigende Budgets.
Wer sich an die Geschichte nicht erinnert, muß sie wiederholen. Und diese Nachrichten könnte man durchaus als einen solchen geschichtsvergessenen Retro-Trip deuten. Die Tragödie des zweiten Weltkriegs läuft jetzt als Farce. Für den Horror vor einer “jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung”, mit dem zu Krieg getrommelt wurde, sind nunmehr der Islam und einmal mehr die Russen zuständig. »Spätestens seit den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln kommen selbst grüne Professoren zu mir, die sagen: Ich habe zwei blonde Töchter, ich sorge mich, wenn jetzt 60 arabische Männer in 200 Meter Entfernung wohnen,« bekundete unlängst der grüne Bürgermeister von Tübingen. Und Otto Köhler fand auf Seite 1344 des Hitler-Werks das Originalzitat: »Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blute schändet und damit seinem, des Mädchens Volke raubt. Mit allen Mitteln sucht er die rassischen Grundlagen des zu unterjochenden Volkes zu verderben.« Da wäre dann auch “Türken-Thilo” wieder dabei, wenn auch etwas vornehmer formulierend. Einmal mehr lauert also ein heimtückischer Feind im Inneren – schwarzhaarig, krummnasig, satanisch – unseren blonden Töchtern und damit uns allen auf; und droht von außen der unberechenbare Iwan bis nach Paris vorzustossen, mindestens: “Putin will die Wetmacht!” (Joschka Fischer). Da ist ein kleines Reenactment an der Wolfsschanze das Mindeste. Zum 75. Jahrestag des letzten Überfalls wird man mit 250 Bundeswehr-Soldaten an der Grenze ja wohl noch ein wenig die Backen aufblasen dürfen – im Namen von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten, versteht sich…
Welchen Anteil am Elend hat der Zins?
Anfang des 20. Jahrhunderts stellte der Soziologe Max Weber fest: »Kein normaler Konsument weiß heute auch nur ungefähr um die Herstellungstechnik seiner Alltagsgebrauchsgüter. Nicht anders aber steht es mit sozialen Institutionen wie dem Geld. Wie dieses eigentlich zu seinen Sonderqualitäten kommt, weiß der Geldgebraucher nicht, da sich ja selbst die Fachgelehrten streiten.« An dieser Situation hat sich in den 100 Jahren, die seitdem vergangen sind, wenig geändert. Dabei reichen eigentlich schon die drei Stunden dieses kleinen Symposions – Christiane Reymann,Herrmann Ploppa, Franz Hörmann und Christoph Pfluger im Gespräch mit Ken Jebsen – um Licht ins Dunkel zu bringen:
Update: Christoph Pfluger, Herausgeber des sehr empfehlenswerten Zeitpunkt Magazins im Einzelgespräch über sein Buch “Das nächste Geld”.
Gegen die Alternativlosigkeit
Jasmin Kosubek (“Der fehlende Part”) hat mit mir über das neue Buch gesprochen:
28 Nebelkerzen
Obama reist nächste Woche mit mit schweren Waffen im Verkaufsgepäck nach Riad und die Saudis drohen mit 750 Milliarden Dollar Liebesentzug, falls in den USA ein neues Gesetz durchkommt, das Gerichtsklagen gegen saudische Regierungsmitglieder im Zusammenhang mit 9/11 zuläßt. Hintergrund ist die geforderte Veröffentlichung von bisher geheim gehaltenen “28 Seiten” des 9/11-Commission-Reports, für die sich vor allem der Senator Bob Graham stark gemacht hat – was uns schon 2011 etwas fishy vorkam, weil es nach “limited hangout” roch. Weshalb sich von dem aktuellen Hype um die “Saudi-Connection” der 9/11-Anschläge auch niemand benebeln lassen sollte, denn saudische Agenten wie die späteren “Hijacker” Al-Midhar und Al-Hazmi taten in den USA keinen Schritt ohne den großen Bruder CIA. In “11.9 – zehn Jahre danach” haben wir diese Zusammenhänge ausführlich dokumentiert. So sehr die Drohung, Prinz Bandar und seine Frau als Geldgeber der “Hijacker” gerichtlich mit Milliardenstrafen zu erpressen im diplomatischen Armdrücken durchaus steroidartige Wirkung entfalten könnte, so wenig ist realiter damit zu rechnen. Denn dieser Prinz heißt nicht zufällig “Bandar Bush”, sondern ging bei seinem Kumpel George W. tatsächlich ein und aus. Und diese Kiste macht man doch besser nicht auf, wie schon dieser kurze Auszug (S.84/85) deutlich machen sollte:
“Fassen wir die Akte Khalid Al-Midhar noch einmal kurz zusammen: Seit 1998 wurde das Haus seines Schwiegervaters im Jemen observiert, in dem er ein und aus ging; 1999 wurde er von Omar Al-Bayoumi in Kalifornien empfangen, einem Saudi mit Geheimdienstverbindungen (von dem der Commission Report verharmlosend vermerkt, er sei ein »unwahrscheinlicher Kandidat für klandestine Beziehungen mit islamistischen Extremisten«); im Januar 2000 nahm er an einem Al-Qaida-Planungstreffen in Kuala Lumpur teil, das vom malaysischen Geheimdienst auf Video aufgezeichnet und den US-Behörden übermittelt wurde; er und seine »Studien«-Kollegen in San Diego erhielten über ihren Mentor monatliche Schecks von der Frau des saudischen US-Botschafters Prinz Bandar; im September 2000 nahmen Al-Midhar und Al-Hazmi eine neue Wohnung in San Diego, im Haus des FBI-Informanten Abdussattar Shaikh. Danach reiste Al-Midhar in den Jemen, wo im Oktober 2000 der Anschlag auf das US-Schlachtschiff “Cole” erfolgte, für das sowohl Gäste des safehouse seines Schwiegervaters als auch Teilnehmer des Malaysia-Treffens verdächtigt wurden. Zum selben Zeitpunkt wurde der oberste Terroristenjäger des FBI, John O’Neill, davon abgehalten, im Jemen zu ermitteln und erhielt von Bushs Botschafterin Barbara Bondine Einreiseverbot. Stattdessen wurde Khalid Al-Midhar im Juni 2001 ein frisches Einreisevisum für die USA erteilt. (…) Wir unterdessen fragen uns, ob die Logistik und die Verbindungen des Khalid Al-Midhar nicht sehr stark darauf hindeuten, dass es sich bei ihm um ein »Asset«, einen »IM«, einen Agenten handelte, der in den USA tun und lassen konnte, was er wollte, weil er im Auftrag eines Geheimdiensts unterwegs war. Der zwar auf der Watchlist der CIA stand, weil er engste Verbindungen zu einem Al- Qaida-Nest im Jemen unterhielt, der aber von den saudischen Royals alimentiert und von saudischen Agenten umsorgt wurde und der bei einem FBI-Mitarbeiter zur Untermiete wohnte – kein einsamer Terrorist under cover im Feindesland, sondern ein Agent mit besten Kontakten. Der Autor Lawrence Wright sprach mit einigen der Beamten der FBI-Einheit I-49, die für Al-Midhar und Al-Hazmi zuständig gewesen wäre, hätte sie denn von seiner Rolle erfahren. Dass sie davon nicht erfuhren, so glaubt »mindestens die Hälfte der Jungs im Büro«, hatte damit zu tun, »dass die CIA Al-Midhar und Al-Hazmi schützte, weil sie hoffte, die beiden zu rekrutieren«. Oder, können wir hinzufügen, dass die CIA sie im Joint Venture mit den saudischen Kollegen schon rekrutiert hatte als V-Männer (oder Agents Provocateurs?) in der »Logistikzentrale« von Al-Qaida …”

