Live auf KenFM

​”KenFM im Gespräch mit: Mathias Bröckers (“Die ganze Wahrheit über alles”) Die Zeiten, in denen der Mensch am Ast der eigenen Existenz gesägt hat, sind lange vorbei. Mittlerweile ist er dazu übergegangen, den ganzen Wald um sich herum abzufackeln. Der Mensch übertreibt. Auf allen Gebieten. Ihm ist vor allem die Erkenntnis abhanden gekommen, dass er als Teil der Natur nicht ohne eben diese überleben kann. Die Krone der Schöpfung ist eine hohle Nuss, vor allem wenn es darauf ankommt.

Menschen leben seit Langem in immer abstrakteren Welten. In Großstädten, mit Gesetzen, Verhalten, Politischen Ideen. Das alles sind keine natürlich vorkommenden Produkte, sondern wurden vom Menschen für den Menschen erdacht und umgesetzt. Dahinter steckte im Kern immer die Idee, sich die Erde untertan zu machen. Gefügig zu machen. Was über Jahrtausende relativ erfolgreich funktionierte, hat spätestens im 21. Jahrhundert seinen Zenit überschritten. Der Mensch neigt dazu, übers Ziel hinauszuschießen. Die Dosis macht das Gift.

Egal wie gut ein gesellschaftliches Konzept, eine Idee, eine Technologie auch sein mag, ab Punkt X kommt es zur Überdosis und damit zu einem toxischen Effekt. Hier hilft nur, die Notbremse zu ziehen, eine echte Analyse zu wagen und dann an den Punkt zurück zu rudern, an dem alle aus dem Ruder lief.

Älteren Menschen fällt das besonders schwer. Sie kennen nur die Welt, die sie selber geschaffen haben und wollen sich keine andere vorstellen. Also müssen die jüngeren ran. Sie müssen, um es salopp auszurücken, die Karre aus dem Dreck ziehen, denn ihr Überleben hängt davon ab. Alles, was die Alten jetzt noch tun können, ist ihr grandioses Scheitern auf den allermeisten Gebieten einzuräumen. Gut gemeint war schon immer das Gegenteil von gut. Seht euch um.

Mathias Bröckers und Sven Böttcher sehen den Status Quo der Spezies Mensch dennoch mit Humor und haben einen extrem kurzweiligen Ratgeber für die nächste Generationen geschrieben. „Die ganze Wahrheit über alles – Wie wir unsere Zukunft doch noch retten können“ KenFM traf sich mit Mathias Bröckers, um mit ihm über den Ratgeber zum Überleben unser eigenen Spezies zu sprechen. Es wurde viel gelacht. Fazit: Wir haben kaum eine Chance, aber nutzen wir sie.”

Endspiel in Europa

27.06.13-2139-Bildschirmkopie-300x152Bevor auf diesem Blog für zwei Wochen Sommerpause ist, hier noch ein paar Prognosen und Hinweise:

– der Brexit wird heute knapp abgewählt, die Briten bleiben drin, was dann zum allgemeinen Aufatmen und fröhlichen “Weiter so!” in der EU führen wird. Aber nicht zu irgendeiner Lösung oder einem Stop der europäischen Disintegration.

– es wird auch weiterhin nichts Schlimmes geben, hinter dem nicht Putin steckt. Jetzt hat das ehemalige Nachrichtenmagazin “enthüllt”, dass auch die Hacker des IS “Cyber Kalifats” eigentlich Russen sind. Das Online-Magazin “Sputnik” hat mich  zu dieser neuen Volte im  kindergarten-artigen Russland-Bashing befragt.Continue reading →

Barbarossa 2.0

Vor 75 Jahren, am 22. Juni 1941, begann mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion der brutalste Vernichtungskrieg der Weltgeschichte. 27 Millionen sowjetische Männer, Frauen und Kinder fielen ihm innerhalb von vier Jahren zum Opfer, die wenigsten davon im Kampf, die meisten vom ihnen willkürlich ermordet oder dem Hunger, -und Kältetod preisgegeben. “Es kann keinen Zweifel geben, dass Leningrad verhungern muss” lautete ein Dekret der deutschen Generalität im November 1941 für die belagerte Stadt, was die Wehrmacht in den folgenden Wintern planmäßig erfüllte: 470.000 Menschen starben an Hunger.

Es ist deshalb mehr als ein symbolischer Akt, wenn Bundespräsident Gauck am Donnerstag nach St. Petersburg reist, um dieser Hungertoten auf dem Friedhof zu gedenken, die deutsche Schuld zu bekennen und den Nachkommen dieser Generation mit einem “Nie wieder!” die Hand zu reichen. Auch Angela Merkel zeigt Souveränität, indem sie sich vor dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, dessen älterer Bruder den “Hungerwinter” in Leningrad nicht überlebte, verneigt und sich für die Verbrechen Deutschlands beim russischen Volk entschuldigt.  Wie ernst es mit dieser Versöhungsgeste gemeint ist, zeigen die Historikerzunft und die Museen des Landes, die mit zahlreichen Ausstellungen und Konferenzen den Vernichtungskrieg gegen die “slawischen Untermenschen”  thematisieren.  So wie die christlichen Kirchen der im Namen des Herrn und des Führers  abgeschlachteten Russen gedenken und auch die jüdischen Gemeinden den Mitopfern dieses rassistischen Massenmords, dessen blanke Zahlen den Schrecken des Holocaust fast verblassen lassen.Continue reading →

Battle of Brexit

Queen Brexit

Dass man den Briten nicht nachweinen muss, wenn sie die EU verlassen, weil sie mit ihren ewigen Extrawürsten eh nur genervt haben, hatten wir vor einiger Zeit schon angemerkt ( hier und hier ). Europa kommt künftig auch ohne die verregnete Insel klar, die sich in Vergangenheit eher als Hemmschuh, denn als Förderer europäischer Kooperation erwiesen hat und dem Kontinent wirtschaftlich außer dubiosen “Finanzprodukten” nicht viel zu bieten hat. Außenpolitisch agiert England  ohnehin zuerst als Pudel bzw. Pittbull des großen Cousins in Washington und weniger im Interesse der europäischen Nachbarn und ist auch auf diesem Feld verzichtbar.Continue reading →

Aus dem Innenleben unseres Finanzsystems


Über Volker Handons Buch “Die Psycho-Trader – Aus dem Innenleben unseres kranken Finanzsystems” schrieb ich im letzen Jahr:

“Dass es auf den „internationalen Finanzmärkten“ um nichts anderes als ums Zocken und Wetten geht und das Ganze mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun hat zeigt schon eine Zahl: 700 Billionen Euro. Das ist der Wert aller Derivate, auf die weltweit an den Börsen Wetten laufen. Das Bruttosozialprodukt von USA und EU zusammen liegt bei etwa 30 Billionen; säßen also diese beiden als einzelne Zocker am Tisch, ginge es bei diesem Spiel um mehr als das 20-fache ihres Jahreseinkommens. Man muss kein Kenner von Poker oder Black Jack sein um zu erkennen, dass es in diesem Casino nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

Was, wie und warum es nicht mit rechten Dingen zugeht, darüber habe ich viel in einem neuen Buch gelernt, das ich  mit wachsender Begeisterung gelesen habe: “Die Psycho-Trader – Aus dem Innenleben unseres kranken Finanzsystems” (Westend Verlag). Volker Handon, seit Jahrzehnten selbstständiger Börsenhändler in Frankfurt, plaudert hier – ebenso authentisch und informativ wie unterhaltsam und spannend – aus dem Nähkästchen des Systems, in dem er als kleines Rädchen Tag für Tag operiert. Er wartetet nicht wie in viele andere Börsenbücher mit großen, spektakulären Enthüllungen á la “Wie ich an einem Tag 30 Milliarden versenkte” auf.  Vielmehr beschert er dem Leser mit Einblicken in das Seelenleben und Alltagsgeschäft eines Traders viele kleine, profane Erleuchtungen, die zusammen ein beeindruckendes Bild des Gesamtsystems ergeben.  Und ein Verständnis dafür, dass man es sich zuleicht macht, wenn man einfach nur die “bösen Banker” verabscheut. Sie sind nicht böser als die meisten anderen Menschen auch: Sie sind Spieler, die im Rahmen der vorgegebenen Regeln spielen und diese Regeln zu ihrem Vorteil ausznutzen und auch übertreten. Solange die Vorgaben nicht geändert werden, und wirksame Kontrollen und scharfe Sanktionen für “Fouls” unterbleiben, solange muss sich niemand wundern,  dass sie weiterzocken. (Die ganze Rezension hier )

Neues von der Ostküste

Zum Thema”Querfront” –  den mit den “Montagsmahnwachen” aufgekommenen Vorwurf, dass sich hier “Linke” mit “Rechten”, alte Hippies mit neuen Nazis, kremlgesteuerte Putin-Trolle mit irren “Reichsdeutschen” und friedensbewegte Pazifisten mit rechtsradikalen Pegidisten verbünden und dieses angebliche “Netzwerk”  zusammengehalten wird von “Verschwörungstheorien”, “Anti-Amerikanismus” und “Antisemitismus” – über dieses Phantom hatte ich in den letzten beiden Jahren schon öfter etwas geschrieben (  hier , hier und hier). Jetzt hat sich der Wirtschaftsjournalist und “Handelsblatt”-Autor Norbert Häring des Themas noch einmal angenommen, nachdem er in die Fänge derer geraten war, die das “Querfront”-Gespenst an die Wände malen. Der Grund: Häring hatte in einem Sachbuch über die Abschaffung des Bargelds des Wort “Ostküste” gebraucht – und sich damit als tendenziell rechtsextrem, völkisch, rassistisch geoutet. Wie das ?…  fragt der Fachmann und der Laie wundert sich.Continue reading →

Bernie or Bust ?

Screen-Shot-2016-02-25-at-10.00.07-AM-1024x741

Für ein endgültiges “Bye Bye Bernie” ist es zwar noch zu früh, Senator Sanders wird auf dem Parteitag der Demokraten noch einmal eine Rede halten, und versuchen, die Partei  von seinem Kurs zu überzeugen, doch die Kandidatur wird er Hillary Clinton nach ihrem Sieg in Kalifornien nicht mehr nehmen können. Als einst ein Bekannter dem alten Joe Kennedy zur Wahl seines Sohns beglückwünschte, antwortete JFK’s Vater:  “Mit dem Geld hätte auch mein Chauffeur die Wahl gewonnen.” –  was mit Sicherheit auch für die von Corporate America gestopfte Clinton bzw. ihre Friseurin gilt. Auch Bernie Sanders konnte sich über Millionen Dollar Wahlkampfspenden freuen, doch die kamen nicht von Goldman Sachs und der Rüstungs,-und Ölindustrie, sondern tatsächlich von seinen Wählern. So wie ja auch Donald Trump von seinen eigenen Millionen im Wahlkampf angeblich gar nichts einsetzen mußte, weil auch seine Show weitgehend von seinen Anhängern finanziert wurde  – und die Medien dem Springteufel reichlich Sendezeit spendierten. Sanders vs. Trump wäre also ohne Frage das Präsidenten-Duell der Herzen gewesen – und laut den Umfragen würde Bernie es deutlicher gewinnen als Hillary – doch jetzt wird es Clinton vs. Trump, was längst nicht so sicher ist. Weshalb sich nun auch Obama eingeschaltet und Sanders beschwört, jetzt Hillary zu unterstützen und seine Anhänger dazu aufzufordern, das ebenfalls zu tun. Ohne diesen Support, das ahnen die Parteioberen der Demokraten, hat Clinton keine Chance auf das Weisse Haus – und als Vizepräsident unter Hillary ist Bernie schwer vorstellbar, denn sie steht für das 1% Plutokraten, deren absolute Herrschaft Sanders beenden will. Weshalb seine Hardcore-Unterstützer der Partei auch die Parole “Bernie or Bust!” ins Stammbuch geschrieben haben und die Demokraten eher  verlieren lassen als sich hinter Clinton zu scharen. Ich gebe zu, dass auch ich die Dame auch niemals wählen könnte, auch nicht um die “Inkompetenz” und “Unberechenbarkeit” eines Trump zu verhindern. Denn Clintons Kompetenz und Berechenbarkeit sind nicht weniger furchterregend.