“Die ganze Wahrheit” über die Wohlstandsverteilung

In „Die ganze Wahrheit über alles“ geht es von Arbeit/ Aufklärung/ Autos/ Banken/ Bienen und BIP bis Wettbewerb/ Wissenschaft/ Zuwanderung und Zukunft. Also von A bis Z. Und unter “V” geht es –  außer um die unvermeidlichen “Verschwörungstheorien”  – um die “Verteilung”,  nämlich die des Wohlstands auf diesem Planeten. Und dazu gibt es jetzt  auch  ein Video, das unser Freund Gerhard Seyfried gezeichnet hat.

“Die ganze Wahrheit” im Kurz-Video

In „Die ganze Wahrheit über alles“ geht es von Arbeit/ Aufklärung/ Autos/ Banken/ Bienen und BIP bis Wettbewerb/ Wissenschaft/ Zuwanderung und Zukunft. Also von A bis Z … und mittendrin auch um „Nationen und Nationalismus“. Ein Auszug aus diesem Kapitel hatte ich aus aktuellem Anlass Anfang Februar  hier  schon einmal gepostet.  Dazu  nun  ein Video mit Zeichnungen unseres Freundes Gerhard Seyfried . Das Buch zum Filmchen ist seit heute in allen Buchhandlungen erhältlich. (Disclaimer: Die Ähnlichkeit der Hauptdarsteller mit nationalistischen Akteuren der aktuellen Politik ist rein zufällig.)

Philosophendämmernung

Anfang Februar hatte ich mich unter dem Titel “Erregungsbereitschaft und Schießbefehl”  gewundert, warum zwei unserer philosophischen Welterklärer – Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski –   “einst durchaus freie, kosmopolitische Geister….auf ihre alten Tage zurück in nationale völkische Enge rudern.” Und gefragt, ob die Ängste  vor “Überflutung” und “Überrollung”, vor denen diese gestandenen Großdenker sich fürchten, möglicherweise als “Erregungs-Syndrom alter Säcke” zu deuten ist, “die sich – zumal nach dem Sylvester-Hype um viril-aggressive “junge Männer” – ins präsenile Abseits gedrängt fühlen ?” Diese Zuspitzung ist mir zwar  übel genommen worden,  doch sie war nicht böswillig aus der Luft gegriffen, wie wenig später der Soziologe Armin Nassehi zeigte, der die Äußerungen der beiden Philosophen ganz ähnlich, nämlich als Ressentiments alter Männer, interpretierte. Sodann lies auch der Politologe Herfried Münkler kein gutes Haar an der Grenzschließer-Mentalität der Großdenker und monierte die “strategische Unbedarftheit ihres Dahergeredes.” Dies wiederum wollte  Sloterdijk sich nicht sagen lassen, fühlte sich absichtlich mißverstanden und replizierte beleidigt über “Beisswut, Polemik und Abweichungshass” der Kritiker. Er sieht sich zu Unrecht in die “national-konservative” oder gar “neu-rechte” Ecke gestellt, wo er mit seinem “Lob der Grenze” doch nur Sorge zum Ausdruck bringen wollte.  Dass aber auch dabei der Ton die Musik und die Methaphern die Melodie ausmachen sollte gerade einem Wortkünstler bewusst sein,  ebenso wie  der Umstand, dass die Rede von  “Flut”, “Überrollung”, “Invasion”  das aktuelle AfD-Vokabular (und historisch noch weit fragwürdigere Saiten) bedient. Dies zu erkennen braucht es keine “intentionale Falschlektüre” seiner Texte, auch der Gutwilligste kann das nicht übersehen.

Dass, wer auf einer Linie mit Carl Schmitt oder Arnold Gehlen argumentiert – wie Sloterdijk und auch Safranski das tun –   dafür in die rechts-nationale Ecke gestellt wird ist nicht ehrrührig, sondern folgerichtig. Wem angesichts globaler Kriege und davor fliehender Massen nicht anderes einfällt, als die Zugbrücken vermeintlicher Trutzburgen – “Nation” und “Volk” – hochzuziehen, der segelt nun einmal  im rechtspopulistischen Wind . Und verkauft die nostalgische Beschwörung des Nationalstaats als Hort der Einigkeit und der Wohlfahrt als Krisenbewältigungsstrategie – gegen die kalte Luft der »Globalisierung« und die übelwollenden Fremden/Russen/Amis/Moslems/  (you name it). Das ist ebenso billig und unterkomplex wie falsch und gefährlich. Auch wenn man damit Wahlen gewinnen kann, wie die AfD Ergbnisse des heutigen Abends zeigen…

Update: Georg Seeslen sieht die Sache in diesem Interview ganz ähnlich

DGWÜA ist da!

Gerade hatten wir noch überlegt – im Blog zum Buch –  ob Die ganze Wahrheit über alles”  als Titel vielleicht mißverstanden werden kann, wobei uns dann ein etwas ausgewogenerer und präzisierender Titel wie etwa  „Ziemlich viel Wahrheit laut Böttcher und Bröckers über fast alle wichtigen gesellschaftlichen und politischen Lebensfragen und –konzepte – unter Weglassung der ganzen Wahrheit über den Sinn des Lebens sowie Fußball“  leider zu spät einfiel und möglicherweise auch einen Hauch zu sperrig ist. Aber das ist jetzt wurscht, denn heute kam DGWÜA aus der Druckerei und nach dem Auspacken kann ich nur sagen: hui! Es sieht nicht nur prima aus, sondern ist auch innerlich, rundherum und überhaupt genau so geraten, wie die Erzeuger sich das vorgestellt haben. Ein Prachtkind!

Genaueres können geneigte Leserinnen und Leser anhand der Leseprobe erfahren, die das Inhaltsverzeichnis und Vorwort des Buches enthält. Ansonsten sind die 336 Seiten mit über 50 Kapiteln und über 500 Anmerkungen und Quellen ab sofort für 18,00 Euro in allen Buchläden erhältlich. Im Namen aller Beteiligten bitte ich darum, von  diesem Angebot reichlich Gebrauch zu machen. Danke!

Springteufel Trump

Screen-Shot-2016-02-25-at-10.00.07-AM-1024x741

Im Kasperltheater der amerikanischen Vorwahlen punktet der Springteufel Donald Trump am Wochenende erneut, auch der nette Opi Bernie Sanders holt sich weitere zwei Bundeststaaten und bleibt der Wall-Street-Hexe Hillary auf den Fersen. Alle anderen Figuren spielen schon kaum eine Rolle mehr und vor allem den Republikanern geht mittlerweile der Arsch auf Grundeis: der irre Donald watscht die beiden vom Partei-Establishment favorisierten Wettbewerber  – den frömmelnden  Hardliner Ted Cruz und den blassen Bush-Zögling Rubio – nach Belieben ab. Und schwafelt nicht nur einen Haufen rassistisches, nationalistisches, obszönes Zeug, sondern sagt auch Sachen, die ans Eingemachte gehen – wie etwa, dass er mit Putin schon klar käme und sich überhaupt mit auswärtigen Ländern einigen würde, statt permanent Militärisches zu finanzieren und Krieg zu führen. Was dem militärisch-industriellen Komplex und den Neokonservativen schon einen  so gewaltigen Schrecken einjagte, dass sie Trump in einem offenen Brief als nationales Sicherheitrsrisiko bezeichnen;  die liberale  “Washington Post” befürchtet gar, dass der Springteufel das ganze Theater ruinieren könnte: “…we are two or three bad elections away from the end of NATO, the end of the European Union and maybe the end of the liberal world order as we know it.”

Uuuuhhh…. dann doch lieber Generalissima Killary Clinton , die “die liberale Welt wie wir sie kennen” unlängst so wunderbar nach Libyen exportiert hat – wo sich jetzt der “Islamische Staat” ausbreitet.  Mit dem würde er kurzen Prozess machen, kündigte “The Donald” indessen schon mal an, und ihn so lange bombardieren, dass danach keine großen Bodentruppen mehr gebraucht würden. Rustikal ist nach wie vor Trumpf bei Trump – und wenn er sich bei seinen Tiraden mal vergallopiert nimmt ihm das unter seinen Fans keiner sonderlich übel. Ihn als “Flip-Flop”-Kandidaten zu outen, der heute dies und morgen das Gegenteil erzählt – üblicherweise das Ende für jeden Kandidaten – hilft gegen den Springteufel nicht.

Dass sie ihn nicht zu fassen kriegen, macht den Strippenziehern und Spindoktoren hinter den Kulissen ernste Kopfschmerzen. Trump ist ein Dem/Rep-Hybrid: für Geburtenkontrolle, Sozialgesetzgebung und Medicare – das Geld dafür will er der Pharmaindustrie abknöpfen, der er überhöhte Preise vorwirft;  gegen TTP und aufgeblasene Militäbudgets – den Vertragsfirmen des Pentagon wirft er Abzocke vor: Positionen die der Parteilinie der Republikaner ziemlich zuwiderlaufen; andererseits setzt er mit seiner Zustimmung zur Folter, der Abwertung von Muslimen und dem Gestus der “weissen Überlegenheit” im Kern auf klassische republikanische Themen:Donald Trump’s Policies Are Not Anathema to U.S. Mainstream but an Uncomfortable Reflection of It.

Auch was die heiße Kartoffel Israel betrifft, ist Springteufel Trump nicht zu fassen: einerseits lobt er Bibi Netanjahu in höchsten Tönen, redet dann aber auch einer Zwei-Staaten-Lösung mit  neutralem Jerusalem das Wort, was die Likudniks im Dreieck springen läßt. Zudem verkörpert er eine weitere Hybridform: er ist als Millionenerbe, Casino,-und Baulöwe Teil des 0,1,% Establishments und gleichzeitig “Anti-Establishment” – unabhängig vom politischen Filz im Beltway Washingtons und den Einflüsterungen des “Council of Foreign Relations” kann er den Frust seiner Wähler gegen “die da oben” bedienen, obwohl er selbst dazu gehört. Insofern wird er kaum zu stoppen sein und weil die Republikaner ihn nach seinem Durchmarsch bei der Kandidaten-Kür im Juli nur noch mit bürokratischen Tricks verhindern können, ruft der “Tea-Party” – Moderator Glenn Beck schon nach dem Krokodil, welches im Kasperltheater für die gewaltsame Beseitigung von Figuren zuständig ist. Nachdem er Trump mit Hitler verglichen hatte machte Beck dann auch gleich den Stauffenberg und sagte, dass er ihn mit dem Messer erstechen würde falls sich die Gelegenheit ergibt, weshalb jetzt das FBI gegen ihn ermittelt.

In die Schublade zu dem bösen Mann mit dem kleinen Bart gesteckt zu werden, dürfte dem Schreihals mit der schrillen Orange-Tolle wohl noch öfter passieren – aber da gehört er gnausowenig hin wie etwa Sozialdemokrat Bernie Sanders in eine Schubalde mit Karl Marx. Der fordert nur mehr Mindestlohn und höhere Steuern für die Superreichen und wäre eigentlich der passende Gegenkandidat für den superreichen Trump.Doch dass es zu einem Duell der beiden kommt, werden Clinton und ihre Supporter in der Finanz,-und Rüstungsindustrie zu verhindern wissen, sodass es auf der Zielgeraden im November dann Hillary vs. Donald heißen wird. Wenn der Springteufel bis dahin mit seiner xenophoben Rhetorik  ein wenig zurückrudert und  ein “ein echtes A-Team” (Trump) als Schattenkabinett versammelt, könnte es sogar eng werden für die “Hexe”. Die Seifenoper im “Einparteiensystem mit zwei rechten Flügeln” (Gore Vidal) bleibt also spannend…

(Erschienen am 7.3.2015 bei telepolis)

“Hitler-Droge” zurück in die Apotheken!

03.03.16 19:00-Bildschirmkopie

Ob es stimmt, was die Bildzeitung heute behauptet, weiß man noch nicht – die Polizei hat sich zu der Art der 0,6 Gramm illegaler Drogen, die bei dem Grünen-Politiker gefunden wurden, als er am Nollendorfplatz von zwei Zivilfahndern kontrolliert wurde, noch nicht geäußert. Auf “Hitler-Droge” muss man aber erst mal kommen, um die Kleinstmenge eines Aufputschmittels zum holocaust-artigen Horror aufzublasen. Richtig ist, dass Methamphetamin  seit den 30ern in Deutschland hergestellt und unter dem Markennamen “Pervitin” zu einem wichtigen “Antriebsstoff” der Wehrmacht wurde, Hitler selbst aber wurde von seinem Leibarzt Dr.Morell, dem “Reichsspritzenmeister”, eher mit feineren Sachen –  wie  Opiaten und Kokain – versorgt und nicht nur mit dem billigen “Speed” für die Massen.  (Mehr dazu in in Werner Piepers 2-bändiger Dokumentation “Nazis on Speed” und in Norman Ohlers Der totale Rausch).

Als mir gestern abend die erste Nachricht über den Fall unterkam, postete ich sie bei Facebook mit dem scherzhaften Kommentar: “Da kann doch nur Putin dahinter stecken – einem führenden olivgrünen Nato-Freund und Russland-Feind Drogen unterjubeln und ihn dann hops nehmen lassen…”  – weil ich mir nicht vorstellen konnte wie man so blöd sein kann. Zivilstreifen am Nollendorfplatz kontrollieren nämlich in der Regel keine normalen Fussgänger, woraus man schließen muss, dass sie Beck auf der Straße beim Einkauf der Drogen beobachtet haben. Was man an einem Ort, der seit 100 Jahren ein Hotspot der Berliner Homo,.- und Drogenszene ist, schlicht nicht tun sollte. Dumm gelaufen…. aber so blöd darf man sich zumal als Parlamentarierer auch wirklich nicht anstellen.

Andererseits ist es natürlich ein absurder Witz, dass der Besitz von 0,6 Gramm einer Substanz, die wie “Pervitin” als verschreibungspflichtiges Medikament bis 1988 in jeder Apotheke erhältlich war, das Ende einer politischen Karriere bedeutet, während die Alkoholiker – von denen es unter den 631 Mitgliedern des Bundestags definitiv nicht wenige gibt – weiter fröhlich ihrem Volksvertretertum nachgehen. Was nicht immer, siehe “Whisky” Willy Brandt et.al., zum Schaden des Volkes sein muss, denn es gibt keine “harten” und “weichen” Drogen, es gibt nur richtigen und falschen Umgang damit. Das gilt für Alkohol ebenso wie für Pervitin, Heroin und Kokain. Stoffe, die erst echte Probleme machten, als sie illegal wurden, weshalb sie wieder dahin zurück müssen, wo sie herkamen. Auch die “Hitler”-Droge muss wieder zurück in die Apotheken !

Die ganze Wahrheit – Sneak Preview

dgw-cov-2Noch ist das Werk  nicht aus der Druckmaschine, aber eine Leseprobe – das Vorwort und Inhaltsverzeichnis – hat der Westendverlag auf seiner Website dankenswerter Weise schon zur Verfügung gestellt:

“Die ganze Wahrheit über alles ist, dass wir die Welt problemlos paradiesisch verbessern könnten; dass kein Mensch mehr verhungern müsste; dass es nicht einmal in der kurzen Übergangsphase von unserem derzeitigen zum kommenden System zu Blutvergießen, Not oder Elend kommen müsste. Die ganze Wahrheit ist, dass wir alles zum Guten wenden könnten, im Handumdrehen. Und dass neun von zehn Men- schen das auch gern täten, selbst wenn sie dafür ein paar Opfer bringen müssten.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass wir das nicht mehr schaffen – wir, die über 25-Jährigen, die Alten. Weil wir verwirrt sind und abgelenkt, gehetzt und desillusioniert; weil wir nicht mehr daran glauben, dass wir die Zukunft positiv gestalten können; weil wir meinen, neun von zehn Menschen seien unsere Konkurrenten und wollten uns ans Leder; weil wir Angst haben, vor allem.

Deshalb ist im Folgenden ständig die Rede von »wir« und von »ihr« – wenn wir euch meinen, unsere Kinder und Enkel. Dabei ist uns bewusst, dass ihr jedes »ihr werdet« als Zumutung empfindet, denn wieso solltet ihr euch ausgerechnet von Gescheiterten wie uns erzählen lassen, was ihr tun werdet. Oder solltet.

Wir können nur hoffen, dass ihr diesen Impuls nachsichtig ignoriert, indem ihr doppelt mildernde Umstände walten lasst. Erstens nämlich ist uns nichts Besseres eingefallen als »Was ihr daraus machen werdet«, um in den nachfolgenden, durchgehend konsequent formatierten Kapiteln die →Zukunft als tatsächlich machbar zu beschreiben, zweitens habt ihr zwar recht, wenn ihr uns als gescheitert betrachtet, aber das bedeutet ja nun noch lange nicht, dass wir bloß alte Besserwisser sind. Wir sind allerdings alt, tatsächlich, und wir sind ein bisschen müde. Sowie umzingelt von alten Leuten, mit denen einfach kein Staat mehr zu machen ist und erst recht kein Paradies. Aber ihr könnt das. Oder könntet. Mal sehen….”

Weiter  im Text gehts (als pdf) hier.