Das Auto, das vom Acker wächst

SpOn hat heute eine Geschichte über “das Auto das vom Acker wächst” – Henry Fords Prototyp eines Hanfautos aus den 1930er Jahren, dem in unserem vor 20 Jahren erschienen Hanfbuch schon ein ganzes Kapitel gewidmet ist. Die Karosserie des Wagens war aus Hanfasern hergestellt, es fuhr mit Hanöl und Ford experimentierte auf seiner Versuchsfarm in Michigan mit dem Universalrohstoff Hanf auch noch weiter, als mit dem “Marijuana Tax Act” 1937 die Hanf-Prohibtion eingesetzt hatte und der Anbau dadurch zum erliegen kam. Hauptsponsor des Hanfverbots war seinerzeit der Chemiekonzern Dupont, der einerseits gerade neue Additive für Benzin hergestellt hatte (und kein Interesse an mit Pflanzenöl betriebenen Dieselmotoren hatte) und andererseits gerade die  aus Rohöl hergestellte Kunstfaser “Nylon” patentiert hatte, der die Naturfasern aus Hanf und Flachs im Wege standen. So wurde mit der Propaganda vom “Mörderkraut” Hanf die grüne Konkurrenz vom Acker beseitigt und der Nimbus des gefährlichen Rauschgifts, der der Cannabis-Pflanze damals angehängt wurde, wirkt bis heute.

Als das Buch 1993 erschienen war – die ersten Ausgaben war auf Hanfpapier gedruckt – bekam ich einen Anruf von der “Daimler Benz” – Entwicklungsabteilung in Suttgart, die nach Hanffasern zum Testen fragte. Damals führten wir mit einer Agrargenossenschaft aus Brandenburg gerade einen Prozess gegen die Bundesrepublik Deutschland, um den Anbau von Hanf wieder durchzusetzen, es gab noch keine Fasern aus heimischem Anbau, doch aus Ungarn hatten wir Rohfasern besorgt, die ich den Mercedes-Leuten schickte. Gratis – und mit der Bitte, uns im Gegenzug die Testergebnisse über Haltbarkeit, Zugfestigkeit usw. zukommen zu lassen. Weil das Buch sehr viel Aufsehen erregte und ich viele Interviews dazu gab, berichtete ich den Journalisten auch von diesen Tests bei Mercedes – und bekam dann die Rückmeldung, dass man das ihnen aus Stuttgart nicht bestätigt hätte. Als ich daraufhin bei Daimler nachfragte sagte man mir, dass ich doch bitte keine Journalisten mehr informieren sollte – Hanf sei ja eine illegale Droge und das wäre schlecht für’s  Image. Die Rufmord-Kampagne aus den 1930er Jahren sorgte also nicht nur dafür, dass Fords Hanfauto über einige Prototypen nicht hinauskam, sie verhinderte auch, dass 1993/94 mit  Forschung und Entwicklung in Sachen Hanf ernsthaft begonnen wurde. Und wahrscheinlich wird es noch weitere Jahrzehnte dauern, bis dieser demagogische Unsinn aus der Welt geschafft ist und der Anbau des nützlichsten Rohstoffs der Welt endlich wieder massenhaft und ohne Hemmnisse durch die Prohibition stattfinden kann. Es gibt viel zu tun, pflanzen wir’s an!

Strategie der Spannung

UPDATE: Gestern ging beim Boston-Marathon wieder einmal eine perverse Bombe hoch. Am selben Tag an dem – festhalten ! – die “Boston Bomb Squad” eine Übung zur “controlled explosion” durchführt. Ist wahrscheinlich ein Zufall – wie bei 9/11 zufällig die Entführung von Zivilmaschinen simuliert wurde und am 7.7. 2005 in London ein Bombenanschlag in der U-Bahn – und irgendeine terroristische Wickelmütze wird sich bald finden. Mehr hier.

Nach dem desaströsen Bombenanschlag in Madrid 2004 , der zuerst kurz der baskischen ETA und dann dauerhaft “Al-Qaida” zugeschrieben wurde, hatte ich aufgrund der “Handschrift” vermutet, dass dies eine Operation von “Gladio” – der geheimen “stay behind”-Armee der NATO – gewesen sein könnte. Der Grund für diesen Verdacht lag in den Paralellen zu der Serie von Anschlägen im Italien der 70er Jahre, die  anarchistischen Linken in die Schuhe geschoben wurden, aber von rechtsradikalen Gladio-Agenten ausgeführt worden waren – als Operationen im Rahmen der “Strategie der Spannung”, mit der im Kalten Krieg gegen linke Bewegungen und für die Errichtung  eines autoritären Sicherheitsstaat gekämpft wurde. Dass diese Strategie  nach 1989 und dem Niedergang des alten Erzfeinds “Kommunismus” auch noch bei den Anschlägen von 9/11 sowie in Madrid 2004 und in London 2005 gegen einen nunmehr neu konstruierten Erzfeind, den Islamismus, zum Tragen kamen – dieser Verdacht galt und gilt nach wie vor als “Verschwörungstheorie”, die man weder denken noch gar öffentlich äußern sollte, um nicht als hoffnungslos Verrückter und übler Demagoge abgestempelt zu werden. Denn massenmörderischer Terror wird doch niemals im Namen des Staats, sondern immer von radikalen Extremisten im Namen wahnsinniger Ideologien ausgeübt. Und wenn wie in Italien dann Jahrzehnte später unzweifelhaft bewiesen wird, dass es doch anders war, dass nicht die vermeintlich “Bösen”, sondern die “Guten” hinter diesen Anschlägen steckten, dann ist genug Gras über die Sache gewachsen um mit Achselzucken über die Sache hinwegzugehen. So wird es wohl auch den neuen Enthüllungen über das Oktoberfestattentat in München 1980 ergehen, von dem jetzt unzweifelhaft festzustehen scheint, dass auch hier kein verrückter Einzeltäter, sondern “Gladio” verantwortlich war. Andreas Kramer, dessen Vater als Gladio-Agent damals für den Bombenbau zuständig war, hat dazu jetzt vor einem Gericht in Luxemburg ausgesagt – mehr dazu in einem am Wochenende erschienen Interview mit der Jungen Welt.

UPDATE 2: Markus Kompa hat Daniele Ganser, den ausgewiesen Experten in Sachen “Gladio”, dazu interviewt

70 Jahre LSD

Eigentlich war  Dr. Albert Hofmann (1906-2008) , der Leiter des Naturstofflabors der Sandoz AG in Basel, auf der Suche nach einem Kreislaufmittel, als er  am 16. April 1943 mit halb-synthetischen Abkömmlingen des Mutterkorn-Pilzes experimentierte. Doch mit dem Lysergsäure-Diäthylamid entdeckte er dabei zufällig die stärkste bewusstseinsverändernde Substanz überhaupt: LSD. Drei Tage später geriet er bei einem Selbstversuch mit einer vielfachen Überdosis auf den ersten „Horrortrip“ der Geschichte. Doch richtig dosiert und in geeigneter Umgebung hat LSD seitdem oft zum Gegenteil von Angst und  Verwirrung geführt,  zu Inspiration und Innovation. Im Folgenden zehn bedeutende Entwicklungen, die wir Albert Hofmanns Wunderdroge, die zugleich sein „Sorgenkind“ wurde, verdanken.

1. Delysid®: Bis zu seiner Illegalisierung 1966 war LSD unter dem Markennamen “Delysid” als Medikament im Handel. Psychiater und Psychotherapeuten lobten es als einzigartiges “Teleskop in den Weltraum der Seele”. Einer der Pioniere, der Arzt Oscar Janiger, behandelte zwischen 1954 und 1966 fast 1.000 seiner Patienten damit, darunter viele Künstler und Kreative. Einer seiner berühmtesten Klienten, der Schauspieler Carry Grant, sagte nach knapp 100 Sitzungen: “Ich mag eigentlich keine Drogen, aber LSD hat mir sehr gut getan. Ich finde, alle Politiker sollten LSD nehmen.”

2. DNA: Wie die Desoxyribonukleinsäure, die die Erbinformation aller Lebewesen tragende DNA, aufgebaut ist, war lange ein Rätsel – bis David Watson und Francis Crick 1953 ihre Struktur in Form einer Doppelhelix entdeckten. In einem Interview, das erst nach seinem Tod 2004 veröffentlicht wurde, bekundete Francis Crick, dass ihm die Idee einer doppelten Spirale unter dem Einfluss von LSD gekommen sei. In niedriger Dosierung hatte er es oft für seine Arbeit benutzt.

3. PCR: Auch die Polymerase-Kettenreaktion, die grundlegende Methode, die DNA zu vervielfältigen und das wichtigste Werkzeug der modernen Genetik, wurde unter dem Einfluss von LSD entdeckt. Kary Mullis, der dafür 1993 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, schrieb 1998 in seiner Autobiografie “Dancing Naked In The Mindfield”, dass ihm die Eingebung für das Verfahren auf einem LSD-Trip in seinem Ferienhaus in Kalifornien zuflog.

4. Die Computer-Maus: Myron Stolaroff richtete 1961 in Stanford das International Institute for Advanced Studies ein, das sich der Erforschung von LSD und seinem Einfluss auf kreative Problemlösungen widmete. Unter seinen Probanden waren auch Mathematiker und Computerwissenschaftler des “Augmentation Research Center” der dortigen Uni. Dessen Leiter Doug Engelbart erfand bei seinem ersten LSD-Versuch einen Ball, der sich bewegt, wenn er von einem Wasserstrahl getroffen wird. Dann kamen aus seinem Institut viele Innovationen, darunter die Computer-Maus.

5. Apple: Der Erfolg von Apple ist ohne Steve Jobs nicht denkbar – und Jobs nach seiner eigenen Aussage nicht ohne LSD: “LSD war eine profunde Erfahrung, eines der wichtigsten Dinge in meinem Leben. LSD zeigt dir die andere Seite der Medaille – wenn es nachlässt, kannst du dich nicht daran erinnern, aber du weißt es. Es verstärkte mein Gefühl für das, was wichtig ist – große Dinge zu schaffen, anstatt Geld zu machen und die Dinge, so gut ich konnte, zurück in den Strom der Geschichte und des menschlichen Bewusstseins zu bringen.”

6. Router-Software: Nachdem der persönliche Computer dank Steve Jobs und Bill Gates – auch er hatte LSD probiert, allerdings, laut Jobs, “zu wenig” – Realität geworden war, stand bald auf jedem Schreibtisch ein Mac oder PC. Allerdings isoliert – bis Kevin Herbert, einer der frühen Programmierer der Firma “Cisco Systems”, die Software schrieb, die heute auf Millionen von Routern läuft und die Computer verbindet. Wenn er dabei vor hartnäckigen Problemen stand, nahm er LSD und trommelte zur Musik von Grateful Dead: “Es ändert irgendetwas in der internen Kommunikation meines Gehirns. Welcher innere Prozess auch immer mich die Probleme lösen lässt, er arbeitet anders oder benutzt vielleicht andere Teile meines Gehirns.”

7. Lucy in the Sky with Diamonds: Es ist ein Mythos, dass der Titel des berühmten Beatles-Songs auf die Abkürzung LSD anspielt. Tatsächlich hatte John Lennons Sohn Julian in der Schule seine Klassenkameradin Lucy gemalt und seinem Vater das Bild als “Lucy in the Sky with Diamonds” erklärt. Fakt aber ist, dass die bis dahin nur Alkohol und Speed konsumierenden Beatles 1964 von Bob Dylan mit Marihuana und LSD bekannt gemacht wurden – und 1967 eine signierte Platte ihres LSD-inspirierten “Sgt. Pepper”-Albums an Albert Hofmann schickten. (Foto: Christian Rätsch)

8. Einer flog über das Kuckucksnest: Als Student jobbte Ken Kesey im psychiatrischen Krankenhaus in Menlo, Kalifornien, und nahm dort als Freiwilliger an LSD-Versuchen der CIA teil. Seine Erfahrungen verarbeitete er zu dem Roman “Einer flog über das Kuckucksnest”, nach dessen Erfolg er 1962 die Kommune “Merry Pranksters” gründete. Diese tourte in den folgenden Jahren mit einem alten Schulbus durch die USA und veranstaltete “Acid Test” genannte Happenings, bei denen zur Musik ihrer Hausband, den späteren Grateful Dead, sämtliche Zuschauer LSD nahmen.

9. Love & Peace: Nicht nur mit Freiwilligen führte die CIA auf der Suche nach einer “Wahrheitsdroge”, einem Mittel zur Gehirnwäsche und zur chemischen Kriegsführung in den 50er Jahren höchst fragwürdige LSD-Experimente durch. Wegen seiner Unkalkulierbarkeit stellte sich der Stoff für militärische Zwecke allerdings als ungeeignet heraus. Wie in einem Lehrfilm des britischen Militärs zu sehen, löst LSD bei Soldaten statt Kampfeswut eher Lachkrämpfe aus (http://url9.de/ACO). Statt einer neuen Waffe bescherte LSD als Treibstoff der Welt eine Generation von Love, Peace und Kriegsdienstverweigerung.

10. Sterbehilfe: Als größtes Geschenk zu seinem 100. Geburtstag 2006 betrachtete Albert Hofmann die Wiederzulassung von LSD für die medizinische Forschung. In der Schweiz und in den USA wird es seitdem wieder wissenschaftlich erforscht. Vor allem bei terminalen Krebspatienten und anderen tödlich Erkrankten konnte die Bewusstseinserweiterung durch LSD  (und seinen ebenfalls von Dr. Hofamnn entdeckten Verwandten, Psylocibin, den Wirkstoff der “heiligen Pilze”) eine wunderbare Wirkung entfalten: Sie haben weniger Angst vor dem Sterben und können die letzte Zeit ihres Lebens besser genießen.

Der Beitrag ist in der heutigen Ausgabe der taz  erschienen – mehr zum Thema in dem Buch “Albert Hofmann und die Entdeckung des LSD”, das ich mit Roger Liggenstorfer zum 100. Geburtstag Albert Hofmanns 2006 herausgegeben habe.

 

Texte und Essays von Christian Semler

“Immer schon hat mich die Schatzbildnermentalität angeödet, dieses Glitzern in den Augen, wenn’s um Zahlen und Prozente geht. Und immer hat mir die Haltung des Barons von Wolzogen gefallen: Mit seinem letzten Geld mietete er ein Luftschiff und warf aus großer Höhe Handzettel ab. Auf ihnen stand zu lesen: „Ich grüße Berlin.“

Christian Semler (geb. 1938) – Jurist, Historiker, führender Kopf der 68er, Maoist, Solidarnosc-Unterstützer, Generalist und langjähriger Autor und Redakteur der taz – starb im Februar 2013. Kommende Woche erscheint das Buch “Kein Kommunismus ist auch keine Lösung” mit Texten und Essays von Christian Semler.

Der von Stefan Reinecke und Mathias Bröckers herausgegebene Band versammelt eine Auswahl seiner Texte über Politik, linke Geschichte, deutsche Szenen, Ostmitteleuropa, Stalin und Shakespeare. Mehr dazu hier

Raubritterburgen der Neuzeit

Anläßlich der Offshore-Leaks, die derzeit von verschiedenen internationalen Medien veröffentlicht werden, hier noch einmal ein Re-Post eines Beitrags aus dem November letzten Jahres einschließlich einer Buchempfehlung, das nunmehr aktueller denn je scheint – unter besonderer Berücksichtigung der am Ende des Texts verlinkten größten und kriminellsten Raubritterburg, die ja nicht in der Karibik oder der Südsee, sondern mitten in der britischen Hauptstadt liegt:

“Medienteam deckt Offshore-Geheimnisse auf”  lautet heute die Überschrift eines Telepolis-Artikels, der über eine Recherche des Guardians und der BBC auf den British Virgin Islands berichtet. Um Geheimnisse handelt es dabei aber nur insofern, als der Medienmainstream über dieses Steueroasen so gut wie nie berichtet und die Politik ganz offenbar unfähig ist, diesem Zweig der organisierten Kriminalität einen Riegel vorzuschieben.  In einem hervorragenden Buch hat Nicholas Shaxson 2011 diese Raubritterburgen der Neuzeit recherchiert: “Treasure Islands – Tax Havens and The Men Who Stole The World” , eine deutsche Ausgabe ist unter dem Titel “Schatzinseln: Wie Steueroasen die Demokratie untergraben” mittlerweile ebenfalls erhältlich. Wobei “Steueroasen” eigentlich ein viel zu lieblicher Titel für diese uneinnhembaren Festungen von Schwerkriminellen ist, deren größte und kriminellste übrigens nicht irgendwo in der Karibik liegt, sondern mitten in Europa, im Herzen der britischen Hauptstadt, es ist die City of London. Alles Gerede und alle Maßnahmen in Sachen “Finanzkrise” müssen definitv erfolglos bleiben und  sind nachgerade lächerlich, solange diese Raubritterburgen nicht gestürmt und ein für alle Mal geschlossen werden.”

Bewusstsein nach dem Tod ?

Ein Cartoon zeigt ein Zwillingspaar im Mutterleib. “Gibt es eigentlich ein Leben nach der Geburt?” fragt der eine, worauf der andere antwortet: “Man weiß nichts Genaues, es ist noch keiner zurückgekommen.” Diesen kleinen  Witz erzählt mein Freund Ralph Metzner in seinem jüngsten Buch, das demnächst auf deutsch erscheint ( “Der Lebenszyklus der Menschenseele” ) und in dem er unter anderem  die Erfahrungen der Geburt und des pränatalen Lebens, die unbewussten psychischen Prägungen der Empfängnis und  die Entscheidung der Seele für eine menschliche Wiedergeburt behandelt. Anhand der Pionierie der westlichen Welt, die in den vergangenen Jahrzehnten Zugänge zu Bereichen des Bewussteins erforschten, die zu den tiefsten spirituellen Mysterien gehören. Der oben zitierte Dialog in der Gebärmutter verweist auf unsere pränatale Existenz als Wasserwesen, die durch den als Todesangst empfundenen Horror der Geburt unterbrochen und in einer neuen Existenz nunmehr als Luft atmendes Wesen fortgesetzt wird. Dass mit dem Ende des Atmens, dem Stillstand des Herzens und der Blutzufuhr im Gehirn auch das Bewusstsein erlischt, gilt in der herrschenden Wissenschaft als definitive Tatsache. Zweifel daran, dass Bewusstein nur ein Nebenprodukt der Gehirnaktivität ist, wurden lange als metaphysische Spekulationen abgetan und in die Esoterikecke verbannt. Doch mittlerweile sind aufgrund der Fortschritte bei der Wiederbelebung von Patienten die Berichte über bewußte Erlebnisse nach dem klinischen Tod so zahlreich, das sie zum Gegenstand harter Empirie geworden sind. Zu den besten Büchern, die ich dazu in jüngster Zeit gelesen habe, zählt die Arbeit des niederländischen Kardiologen Piet van Lommel – “Endloses Bewußtsein” . In diesem Video spricht er über seine Erforschungen der Nahtoderfahrengen:

Was ist Bewusstsein?

Auf TED werden seit vielen Jahren Vorträge und Diskussionen aus Technologie, Entertainment und Design präsentiert. Unter dem Motto “Ideas Worth Spreading” werden Wissenschaftler, Querdenker, Innovatoren und Forscher aus diesen Bereichen eingeladen, um ihre Ideen vorzustellen und zu verbreiten – und schon oft habe ich mir dort äußerst interessante Vorträge angeschaut. Unlängst aber wurden zwei TED-Vorträge von der Videoseite verbannt, weil sie angeblich wissenschaftlichen  Standards nicht genügen, und sie stammen ausgerechnet von zwei Autoren, die ich sehr schätze: Graham Hancock und Rupert Sheldrake. Sheldrake, zu dem ich anläßlich des Erscheinenes seines jüngsten Buchs “Der Wissenschafts-Wahn”  hier zuletzt geschrieben hatte, wird vorgeworfen, dass er in seinem Vortrag die Konstanz der Lichgeschwindigkeit angezweifelt hätte;  und Graham Hancock wurde für die Behauptung abgestraft, dass zum Problem des Bewusstseins keine  wissenschaftliche Forschung stattfände. Das ist sicher falsch, ebenso wie es gute Gründe gibt, an Einsteins universellen Tempolimit der Lichtgeschwindigkeit festzuhalten – und dennoch liegen Sheldrake und Hancock völlig richtig mit ihrer Kritik und tun nichts anderes, als  aus den Erkentnissen ihrer Forschungs,- und Erfahrungsgebieten logische Konsequenzen zu ziehen.

Der Biologe Sheldrake hat in jahrzehntelanger Forschung empirische Belege für seine Hypothese gesammelt, dass  lebende Organismen über ein Kommunikations,- und Übertragungsfeld verfügen, das jenseits der klassischen, elektromagnetischen Felder funktioniert. Zwar gelten die von ihm postulierten “morphogenetischen Felder” noch als unbewiesen, gleichwohl können mit ihnen einige ungelöste Rätsel der Naturwissenschaft, wie etwa die Kristallbildung, äußerst elegant erklärt werden. Freilich um den Preis, dass dafür einige klassische Parameter, wie eben das Tempolimit der Lichtgeschwindigkeit, über Bord geworfen werden müßten. Nun ist die Lichtgeschwindigkeit ja keineswegs so eine ausgemachte Sache wie ihre Defintion als “Naturkonstante” behuaptet, wie die  schon in den 1920er Jahren entdecken rätselhaften – weil überlichtschnellen – Verschränkungen der Quantenwelt zeigten. Diese “spukhafte Fernwirkung” (Einstein) ist bis heute ein Mysterium und die von Sheldrake ins Spiel gebrachten Bewußssseinsfelder könnten dafür einen möglichen Erklärungsansatz bieten. Dass seine Thesen dazu vom Bannstrahl des szientifischen Mainstreams getroffen werden ist weder neu noch ungewöhnlich, denn sie rütteln an den Grundfesten des wissenschaftlichen Materialismus. Und dies ist wohl auch der Grund für die Verbannung der Thesen von Hancock aus der TED-Community- wegen seiner Zweifel daran, dass Bewusstsein nichts anderes als ein Nebenprodukt der Gehirntätigkeit und auschließlich in der dunkeln Kammer des Schädels stattfinden soll. Hancock hat eines der besten Bücher über das “Bewußtseinsmolekül” DMT (Dimethyltriptamin) geschrieben ( Supernatural: Meetings with the Ancient Teachers of Mankind ), den psychokativen Wirkstoff des Ayahuasca, des jahrtausende alten Sakraments der Amazonas-Indiander. Und wer die absolut erstaunliche DMT-Wirkung je erfahren hat, kann Hancock nur zustimmen, wenn er sagt, dass eine wissenschaftliche Bewusstseinsforschung den Namen nicht verdient, wenn sie diese Aspekte nicht berücksichtig. Dass Graham Hancock Journalist und Autor, aber kein Wissenschaftler ist, ändert nichts an der Berechtigung dieser Aussage, die im übrigen auch von Professor Benny Shanon ( The Antipodes Of The Mind: Charting the Phenomenology of the Ayahuasca Experience ) und seiner höchst soliden empirischen Untersuchung über die DMT-Wirkung gestützt wird. Aber auch Hancock rüttelt damit am Paradigma des Materialismus als über jeden Zweifel erhabene Welterklärung  – und wird deshalb vom selben Bannstrahl getroffen wir Sheldrake. Würden die akademischen Sesselpuper, die derlei veranlassen, sich aber mal wie Hancock in den Urwald aufmachen oder sich in ein psychonautisches Labor begeben, um das Phänomen DMT am eigenen Leibe zu erfahren, würden ihnen die Beschränktkeit, Einfältigkeit und Dumpfheit ihrer materialistischen Modelle schlagartig klar. Und sie müßten sie Abenteurer Hancock oder Pioniere wie Sheldrake eher zu Ehrendoktoren küren als sie aus dem Diskurs zur wichtigsten aller ungelösten wissenschaftlichen Fragen zu verbannen: Was ist Bewusstsein?

UPDATE: Nach den zahlreichen Protesten gegen die Zensurmaßnahme hat TED die beiden Videos wieder eingestellt.

Washingtons Papst?

Jorge Mario Bergoglio, neuerdings Papst Franziskus I., war in den 1970er Jahren Chef des Jesuitenordens in Argentinien – doch anders als katholische Amtsträger in Chile, die  1973 den von den USA inszenierten Putsch gegen den sozialdemokrtaischen Präsidenten Allende und das faschistische Militärregime protestierten, blieb es 1976 nach der von der CIA lancierten Machtergreifung einer Militärjunta in Argentinien  seitens der Kirche und Padre Bergoglio völlig ruhig.  Und nach den Belegen, die Michel Chossudovsky in seinem Beitrag “Washingtons Pope – Who is Pope Francis I ? Cardinal Jorge Mario Bergoglio and Argentina’s “Dirty War”   dokumentiert hat sich der derzeitige Papst dem Militärregime nicht nur qua Gebet in die innere Immigration entzogen, sondern den Säuberungsschwadronen der Junta auch aktiv zugearbeitet und mindestens zwei seiner “abtrünningen” Ordensbrüder bei den Militärs denunziert. Nicht gerade christlich im engeren Sinne, im weiteren aber durchaus normal, denn 1933 ff. lief es in Deutschland mit unseren christlichen Würdenträgern kaum anders und noch als der Naziterror vorbei war liess der Vatikan auf der Rattenlinie seine Protagonisten entkommen – nach Südamerika, wo sie wie Klaus Barbie, der “Schlächter von Lyon” gleich die nächsten faschischtischen Mörderbanden ausbilden konnten.

Immerhin nicht schlecht dass Jorge Mario Bergoglio als Franziskus auf das tuntige rote Schuhwerk und anderen päpstlichen Zinnober verzichtet. Würde er aber auf echte Franziskanerart mit der Armut wirklich ernst machen und den Hofstaat Vatikan samt seiner Schatztruhen und sämtlicher Intrigen wirklich ausmisten wäre ihm wahrscheinlich eine ebenso kurze Amtszeit beschieden wie seinem Vorvorgänger, der das auch schon versuchte und nach 33 Tagen tot im Bett aufgefunden wurde.

UPDATE: Einer der Betroffenen hat Papst Franziskus jetzt entlastet: mit seiner Entführung durch die Junta damalige Jesuitenchef nichts zun tun.