Ich werde jetzt ein Woche offline sein, deshalb heute schon mal die Ankündigung eines voraussichtlich netten Abends am 29. November, an dem ich über eines meiner Lieblingsthemen – das Scheitern – in Berlin einen kleinen Vortrag halte. Der Eintritt ist frei, anmelden kann man sich hier. Das Buch zum Thema “Cogito Ergo Bum – und 49 weitere Beweise für die Unausweichlichkeit des Scheiterns” ist vergriffen, gebraucht aber noch sehr günstig erhältlich. Es wird demnächst in einer Neuauflage als e-Book erscheinen.
Petraeus-Abgang: Eher Agententhriller als Seifenoper
Nachdem wir im letzten Posting zum Fall Petraeus das Ganze eher als Seifenoper aufgefasst und entsprechend lustig behandelt haben, spricht mittlerweile einiges dafür, dass es sich dabei nicht um ein Eifersuchtsdrama mit einem alten Generalshengst zwischen zwei bissigen Jungstuten handelt, sondern eher um einen Agententhriller, in dem eine Hauptrolle weniger der Petraeus-Biografin Paula Broadwell als der “Freundin” der Petraeus-Familie Jill Kelley zufällt. Justin Raimundo hat auf antiwar.com dazu ein ausführliches Stück veröffentlicht, das sowohl die Hintergründe des Benghazi-Falls (und der dort für die Sicherheit zuständigen Privatfirmen unter Leitung von Hardline-Neocons) beleuchtet, als auch die von Mrs. Kelley und ihrem hemdlosen FBI-Bekannten Fred Humphries (ein islamophober Hardline-Neocon), der den Fall ins Rollen brachte. Danach suchte Jill Kelley sich vor einigen Jahren gezielt eine stattliche Villa in der Nähe des US-Zentralkommandos CENTCOM auf der MacDill Airforce Base in Tampa/Florida und begann mit ihrer Zwillingsschwester Natalie, dort großzügige Parties für Mitglieder des Offizierkorps zu veranstalten. Die beiden “heißen Feger” stiegen schnell zu Gesellschaftsdamen der Militär-und Geschäftselite auf, betrieben ihre aufwändigen “social liaisons” nahezu fulltime und führten ohne größeres Einkommen einen sehr luxuriösen Lebensstil. Jill Kelley erwarb sich den Titel eines “Honorarkonsuls”, was bekanntlich eher mit Ausgaben als mit Einnahmen verbunden ist; Natalie liess sich mit Krediten eines Militär-Lobbyisten sponsorn. Die anonymen Mails, in denen Paula Broadwell Jill Kelley aufforderte, die Finger von Petraeus zu lassen und seinen Nachfolger als Centcom-Chef in Tampa, General Allen, vor der “Verführerin” Jill Kelley warnte, scheinen von daher weniger irgendeiner Eifersucht geschuldet, sondern dem Versuch, die Generäle davor zu schützen, in eine Agenten-Falle zu tappen. Für wen genau Jill Kelley tätig war, ist unklar, die Washington Post beschreibt sie als “selbsternannte” Mittlerin ” for Central Command officers with Lebanese and other Middle Eastern government officials.”
Wolkensäule vs. Schieferstein
Wenn ein Palästinenser-Führer einen permanenten Waffenstillstand mit Israel vorbereitet – wie der militärische Chef der Hamas-Regierung in Gaza, Ahmed Jabari, in der vergangenen Woche – und dann durch einen israelischen Bombenanschlag ermordet wird, läßt das eigentlich nur einen Schluß zu: an Frieden besteht auf Seiten Israels kein Interesse. Verständlich wird dieses Desinteresse mit einem Blick auf die Landkarte der palästinensisch und israelisch kontrollierten Gebiete, die zeigt, wohin die “Selbstverteidigung” Israels in den vergangenen Jahrzehnten geführt hat. Der permanente Krieg ist für Israel äußerst erfolgreich und jeder Waffenstillstand oder gar Friedenschluß bedroht diesen Erfolg – weshalb Israel, als Arafats Fatah sich in den 80ern in diese Richtung bewegte alles dafür tat, die islamistische Hamas in den besetzen Gebieten zu etablieren. Auf die Dschihadisten war denn auch Verlass, auch wenn seit 2004 in Israel nur 26 Zivilisten durch Hamas-Raketen starben (und 258 an Erdnuss-Allergie), lieferte dieser Terror den Anlaß für weitere militärische Operationen (mit tausenden getöteten Zivilisten in Gaza), weitere jüdische Siedlungen in besetzen Gebieten, den Mauerbau und andere Schikanen der arabischen Bevölkerung.
Bibi Netanjahu will die Wahl im Januar gewinnen und das funktioniert in Israel am besten mit der Entschlossenheit, Palästinenser zu killen. Dass das brutale Bombardement des Freiluftgefängnisses namens Gaza-Streifen – “Ziel ist Gaza ins Mittelalter zurückzubomben” so Innenminister Eli Yishai – zu einem regionalen Konflikt mit Ägypten eskalieren könnte, würde Bibis Traumziel – ein Krieg gegen den Iran – möglicherweise ein Stück näher rücken. Aber nur wenn USA, NATO und der Rest der westlichen Welt so wahnsinning sind, dabei mit zu machen. Anstatt einzusehen, dass hier auf beiden Seiten religiöse Verrückte am Werk sind – die Israelis haben ihren Krieg (nach dem Buch Exodus) “Operation Wolkensäule” genannt, die Islamisten ihre Rache-Raketen (nach der Koran-Sure 105.4) “Operation Schieferstein”. “Eine Bodeninvasion könnte kurz bevorstehen,” meint Pepe Escobar, “Bibi könnte aber – wieder einmal – einen Happen zu viel an Gefilte Fisch abbeißen, als er kauen kann. (…)Wenn Obama Eier hätte, würde er vor Wut schnauben. Dann würde er Bibi zu Boden strecken. Man sollte nicht darauf wetten. Wir wissen, er wird es nicht tun.”
“Titten raus und Stimmung!”
“Hosen runter (von den Chefsesseln) Röcke hoch” lautet heute die Schlagzeile auf der Titelseite der taz, die nur von Frauen gemacht wurde und eine höhere Quote weiblicher Besetzungen von Chefposten in den Medien fordert. Dass die Sache mit der Frauenquote für die seit über 10 Jahren von weiblichen Chefredakteuren geleitete taz ein uralter Hut ist, hat Ute Scheub im Hausblog noch einmal erzählt und dazu auch das Foto des legendären taz-Plenums im November 1980 veröffentlicht, bei dem die taz-Frauen alle männlichen Kollegen (darunter auch mich) wegen Sexismus entlassen wollten. Der Grund waren zwei Artikel, die auf den Kulturseiten erschienen waren, von denen der eine (“Eine Traumfrau zieht sich aus”) unter dem Autorennamen Gernot Geiler von dem Besuch in einer Peepshow erzählte; und der andere, in dem der kenntnistreiche Musikkritiker Hans-Dieter Grünfeld beklagte, dass er nach zwei avancierten Jazzkonzerten in der Nacht noch in den Club “Eierschale” geraten wäre, wo ein dumpfe “Titten raus und Stimmung!”-Musik gespielt worden sei. Dass solche “frauenverachtenden” Formulierungen gedruckt würden stieß bei diesem Plenum auf scharfe Kritik durch die taz-Frauen – und unsere Reaktion darauf (“Verklemmtheit!”, Prüderie!”) hatten sie erwartet und zogen daraufhin in konzertierter Aktion ihre Brüste blank. Da war dann am großen Tisch der “Kommune 1” in der Weddinger Wattstraße schlagartig Stimmung – wie man an den entspannten Gesichtern der Mädels und Jungs auf dem Foto im Hausblog (mit einem Klick wird es größer) sehen kann. Zumal als der Kollege Thomas Hartmann sich nicht lumpen lassen wollte und daraufhin mit einem Fellmantel und nichts drunter in den Raum kam und sein Gemächt zur Schau stellte. Oh ja, wir waren weit vorne damals – frei nach Walter Benjamin “Immer radikal, niemals kompetent” – und verglichen damit ging es auf der Redaktionskonferenz gestern morgen mit den Top-Journalistinnen Deutschlands (sowie Funk und Fernsehen) doch sehr piefig und spießig zu. Länger als drei Minuten konnte ich mir das nicht antun – und schon gar nicht den Vorschlag machen “Titten raus und Stimmung!” mit einem aktuellen Foto aller Beteiligten auf’s Cover zu nehmen…
Petraeus-Abgang: Opium, Honigfalle, Stutenbissigkeit ?
Die “taz” hat mich heute als Verschwörungsexperten konsultiert um die verschiedenen Theorien zum Rücktritt des CIA-Chefs und Vorzeige-Generals David Petraeus auf ihre Wahrscheinlichkeit und Originalität abzuklopfen. Hier das sehr vorläufige Ergebnis:
Der General stolperte einfach nur über eine außereheliche Affäre mit seiner Biografin, was nach US-amerikanischen Moralempfinden ein weitaus schlimmerer Vorwurf ist als etwa die 175 Kinder, die in den letzten Jahren durch CIA-Drohnenangriffe getötet wurden.
Wahrscheinlichkeit: mittel, Originalität: gering
Nach seinen äußerst dubiosen Erfolgsmeldungen als Kommandierender des Irakkriegs wurde Petraeus von Kritikern mit dem Nickname „Betrayus“ versehen. Auch als Chef der US-Truppen in Afghanistan und dann der CIA mußte er ständig betrügerische Erfolgsmeldungen absetzen. Davon hatte er die Nase jetzt endgültig voll und benutzte die Affäre für einen schnellen Abgang.
Wahrscheinlichkeit: gering, Originalität: hoch
– Petraeus hatte nicht nur was mit seiner attraktiven Biografin Paula Broadwell, sondern den Titel ihres Buchs „All in“ auch bei Jill Kelley, einer etwa gleichaltrigen, ähnlich gutaussehenden Mitarbeiterin des Außenministeriums wörtlich genommen. Er wurde ein Opfer der Stutenbissigkeit seiner beiden Geliebten.
Wahrscheinlichkeit: hoch, Originalität: mittel
– Petraeus war diese Woche als Zeuge für den Ausschuss geladen, der den Sturm auf das US-Konsulat in Bengahzi (Libyen) und die Ermordung des Botschafters untersucht. Er hätte dort zugeben müssen, dass dieses „Konsulat“ eigentlich ein CIA-Operationszentrum ist, das „Al Qaida“-Kämpfer für den Aufstand in Syrien rekrutiert. Um eine solche Aussage zu verhindern wurde die schon lange bekannte Liebesaffäre jetzt öffentlich gemacht.
Wahrscheinlichkeit: mittel, Originalität: gering
– Paula Broadwell hielt am 26. Oktober an der Universität Denver einen Vortrag, in dem sie erstaunliche Kenntnisse über die Vorfälle in Benghazi offenbarte. Um die Plaudertasche aus dem Verkehr zu ziehen mußte die CIA ihrem Chef seine Liaison mit ihr unterbinden.
Wahrscheinlichkeit: mittel, Originalität: gering
– Nach fast 40 Jahren asketischem Militärdasein und eher freudlosem Eheleben mit derselben Frau entdeckte der Ex-General dank seiner neuen Bettgenossin, dass die Hippies mit ihrer Parole „Make Love Not War“ doch recht hatten und Streicheleinheiten einfach besser kommen als Kriegsverbrechen.
Wahrscheinlichkeit: sehr gering, Originalität: sehr hoch
– Für ein Statement, dass die Besatzungspolitik Israels die Konflikte im Nahen Osten ständig anheizt, wurde Petraeus von der Israel-Lobby scharf kritisiert. Auch was einen Angriff auf den Iran betrifft war der Ex-General zögerlich. Der Mossad hat ihm deshalb eine „Honigfalle“ gestellt um ihn loszuwerden.
Wahrscheinlichkeit: gering, Originalität: mittel
– Dass das FBI die Emailkonten des Geheimdienst-Chefs ausspioniert ist ein Ding der Unmöglichkeit, dafür hat die CIA eigentlich ihre eigenen Sicherheitsdienste – es steht aber in der Tradition des ersten FBI-Chefs J.Edgar Hoover, der über sämtliche Amtsträger Dossiers anlegen lies um sie unter Druck setzen zu können. Petraeus wurde ein Opfer dieser Tradition.
Wahrscheinlichkeit: gering, Originalität: mittel
Petraeus hatte auf einen Wahlsieg Romneys gesetzt, da die Mormonen bekanntlich die Vielweiberei akzeptieren. Nach dem Erfolg Obamas sah er keine Chance mehr, mit seinen drei Frauen glücklich zu werden und bat deshalb um Rücktritt.
Wahrscheinlichkeit: sehr gering, Originalität: hoch
Dass in Afghanistan unter seinem Kommando die größte Opium,-und Heroin-Produktion aller Zeiten entstand hat den General zwar nicht an der Sinnhaftigkeit dieses Kriegs zweifeln lassen, ihn aber auf den Geschmack gebracht. Nachden nun in Colorado zumindest Marihuana legalisiert wurde will er dort jetzt eine Hanffarm aufmachen.
Wahrscheinlichkeit: gering, Originalität: hoch
John F. Kennedy hatte während seiner recht kurzen Amtszeit Dutzende verschiedene Geliebte, was in Washington auch kein Geheimnis war und dennoch nicht zu einem Rücktritt führte. Dass jetzt ein CIA-Chef wegen einer Affäre sein Amt niederlegen muß ist untypisch, es muß politische Hinterrgünde geben.
Wahrscheinlichkeit: hoch, Originalität: gering
Die Wahrheit über den Rücktritt werden wir nie erfahren. Nur 10% der CIA arbeitet nachrichtendienstlich, der Rest an verdeckten militärischen Operationen, die geheim bleiben müssen. Deshalb wird außer den verdeckten Missionarsstellungen ihres Chefs nichts an die Öffentlichkeit kommen.
Wahrscheinlichkeit: sehr hoch, Originalität: sehr gering
Harodim – Nichts als die Wahrheit ?
Wer in Hamburg oder Umgebung wohnt: heute Abend ist die Premiere des 9/11-Films “Harodim” mit anschließender Diskussion, um 20 Uhr im Kino Koralle, 22359 Hamburg.
Rocky Mountain High
John Denvers alte Country-Hymne “Rocky Mountain High” wird nach diesem Wahltag in Colorado sicher noch oft geklickt, denn die eigentliche Sensation des Wahltags fand nicht in Washington D.C. sondern in Colorado und Washington State statt. In diesen Bundestaaten stimmte eine Mehrheit für die Legalisierung von Marijuana – und dies nicht mehr nur zu medizinischen Zwecken, wie bisher schon in 17 US.Bundesstaaten, sondern grundsätzlich. Als Rohstoff, Medizin, und als Genußmittel für Erwachsene kann Hanf in diesen Bundesstaaten künftig legal angebaut, produziert und verkauft werden. Genau 75 Jahre nach dem mit dem “Marijuana Tax Act” 1937 das Verbot der Hanfpflanze in den USA begonnen hatte und vom ersten US-“Drogenzar” Harry Anslinger nach dem 2. Weltkrieg in die UN-Gesetze gehievt wurde, ist im Mutterland der Hanf-Verfolgung das Ende der Prohibition eingeläutet. Und damit der Beginn einer rationalen, schadensmindernden Drogenpolitik, die mit der Besteuerung und kontrollierten Abgabe von Cannabis einen Meilenstein für die USA und den Rest der Welt setzen wird. Selbst in den Niederlanden, wo der Verkauf in Coffeeshops seit Jahrzehnten geduldet wird ist Cannabis de iure ja immer noch illegal, Colorado und Washington sind somit die ersten Staaten, die sich defintiv von der Prohibition und dem “war on drugs” verabschieden.
Die angenommenen Gesetzesvorlagen in Colorado und Washington (Measure No.502) werden nicht nur den Verbraucher,-und Jugendschutz stärken und für eine deutliche Entlastung von Polizei und Justiz sorgen, die sich künftig um wirkliche Kriminelle kümmern kann, mit ihren Vorgaben, wie die neuen Steuereinnahmen zu verwenden sind – vorallem für Gesundheits,-und Bildungszwecke – können sie auch zum Vorbild für eine neue Sozial,-und Kommunalpolitik in den USA werden. Sowie zu einem Prüfstein für die Aussage in Obamas Siegesrede: “Das Beste kommt noch!” – denn auf Bundesebene hat sich der Präsident stets für eine Beibehaltung der Prohibtion ausgesprochen und zu Beginn seiner ersten Amtszeit auch noch die von Bush & Co. betriebenen Schikanen gegen die medizinische Abgabe in den Bundestaaten fortgesetzt. Verfassungsrechtliche und politische Auseinandersetzungen sind also zu erwarten. Ob der neue alte “Hoffnungsträger” dem “Yes we can!” folgt, das die Wähler in Colorado und Washington einer überkommenen Drogenpolitik entgegen gesetzt haben, bleibt eine spannende Frage.
Als ich heute morgen vom Ausgang dieser Wahl erfuhr, mußte ich zuerst an meinen 2010 gestorbenen Freund und Ko-Autor Jack Herer denken, ohne dessen unermüdliches Engagement und sein bahnbrechendes Buch dieses Ergebnis nicht möglich gewesen wäre. Und es ist klar, welche feurige Rede der “Hempster of the Century” im Hanfhimmel heute halten wird: dass nämlich zwei Bundesstaaten viel zu wenig sind, weil es 47 weitere und den ganzen Rest der Welt auch noch gibt – und er erst dann Ruhe geben wird, wenn die wichtigste Pflanze der Welt überall wieder legal geworden ist.
Anfang vom Ende der Hanf-Prohibition ?
Update: Dass Obama wieder gewählt wurde, ist keine Überraschung. Die Sensation fand woanders statt: Nach den ersten Hochrechnungen sind die Initiativen für die Legalisierung von Hanf/Cannabis/Marijuana in Colorado und Washington angenommen worden !!!
Seit Jahrzehnten habe ich mich in Artikeln und Büchern für eine Reform der Drogengesetzgebung und vor allem für die Legalisierung von Cannabis ausgesprochen und das erste Buch, das ich mit Jack Herer vor knapp 20 Jahren dazu veröffentlichte – Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf – hat einiges in dieser Richtung ins Laufen gebracht, namentlich die landwirtschaftliche Nutzung von Hanf und die Wiederzulassung als Medizin. Auch wenn die überragenden Eigenschaften des Rohstoffs Hanf und sein Potential als Heilmittel nach wie vor durch den unsinnigen “Krieg gegen Drogen” behindert werden, sind diese positiven Entwicklungen nicht mehr rückgängig zu machen. Am kommenden Dienstag nun könnten die Anstregungen für eine rationale Politik und einen Friedenschluß im Krieg gegen Hanf einen weiteren Schub erhalten: in einigen US-Bundestaaten steht neben der Abstimmung über Cola oder Pepsi Obama oder Romney auch die Legalisierung von Marijuana zur Wahl. Dabei geht es nicht mehr nur um die medizinische Nutzung, die bereits in 17 Bundesstaaten wieder legal ist, sondern um eine grundsätzliche Freigabe und Besteuerung als Genußmittel für Erwachsene. Und nach den letzten Umfragen in den Staaten Washington und Colorado scheint es eine deutliche Mehrheit dafür zu geben. Wenn sich diese Prognosen am Wahltag bestätigen wäre das ein Durchbruch, der nicht nur im Mutterland der Hanf-Prohibtion Folgen hätte „Diese Abstimmungen”, so Gerog Wurth vom Deutschen Hanf Verband, ” sind für uns das Ereignis des Jahres. Die Legalisierung in Colorado und Washington wird mittelfristig Wellen bis nach Deutschland schlagen. Das ist der Anfang vom Ende des weltweiten Cannabisverbots.“
Selbst bei einem positiven Ausgang bleibt indessen offen, wie lange sich dieses Ende noch hinziehen kann; in meinem letzten Buch zum Thema – Die Drogenlüge – werden die Faktoren benannt, die eine vernünftige Drogenpolitik bis heute verhindern: die Profite die dank der Prohibtion gemacht werden – und die Beharrlichkeit der Desinformation, die seit einem Jahrhundert ein irrationales Tabu zementiert. Dies wird nicht von heute auf morgen zu brechen sein, selbst wenn die Bevölkerung in Washington und Colorado sich davon jetzt endgültig verabschiedet – aber ohne Frage: ein Anfang wäre gemacht. Es gibt viel zu tun, pflanzen wir’s an!
Zero !
Die Realität ist manchmal phantastischer ist als die phantasievollste Einbildung und die Wirklichkeit oft komischer als die verrückteste Satire. Bisweilen aber sind Fiktionen den Fakten auch ein Stück voraus und nehmen als Vorstellung schon vorweg, was später zur Wirklichkeit wird. Ob es sich dabei Zufall oder um selbsterfüllende Prophezeiungen handelt, bei denen die Fakten die vorgegebenen Fiktionen einfach nur imitieren, ist unklar, manchmal scheint die fiktive Vorwegnahme von später eintretenden Tatsachen in ihrer Detailgenauigkeit geradezu an Magie zu grenzen. Berühmtes Beispiel ist die “Liebesgeschichte auf hoher See”, in der der amerikanische Autor Morgan Robertson 1898 die Katastrophe des Kreuzfahrtschiffs “Titan” schildert, das im Atlantik mit einem Eisberg kollidiert – was 14 Jahre später mit der “Titanic” dann wirklich geschah – oder auch die am 14. März 2001 ausgestrahlte Folge der TV-Serie “The Lone Gunmen”, bei der Flugzeuge ins WTC gesteuert werden.
In eigener Sache und in diesem Zusammenhang habe ich deshalb gestern erstaunt die Meldung in der “Financial Times” zur Kenntnis genommen, dass die Europäische Zentralbank jetzt eine Studie über virtuelles Geld erstellt hat, das zwar noch nicht als Gefahr empfunden wird, aber nunmehr offenbar unter verschärfter Beobachtung steht. Denn genau darum geht es in dem von mir mit verfassten Thriller “Zero” von John S.Cooper, der 2010 erschienen ist. Wir dürfen gespannt sein, ob und inwieweit die Fakten auch in diesem Fall der Fiktion folgen…