Heute ist der 203. Geburtstag Charles Darwins, ein Tag, den seine Verehrer gerne zum offiziellen Feiertag erheben möchten, um dem Kreationismus – der Behauptung einer von einem Schöpfergott hergestellten Natur – etwas entgegenzusetzen. Diese vor allem in den USA geführte Debatte zwischen Evolutionisten und Kreationisten ist zu weiten Teilen ein fundamentalistischer Schlagabtausch, über das die dafür ins Feld geführten Protagonisten – Charles Darwin und der liebe Gott – nur den Kopf schütteln könnten. Über die Hardcore-Neodarwinisten, die ihrem angeblichen Materialismus durch die Hintertür mit intelligenten “egoistischen” Genen und “Memen” dann doch wieder engelartigen Wundergeist einhauchen müssen, ebenso wie über die Fundi-Christen, die das genaue Datum des Schöpfungsakts logisch aus der Bibel ableiten können und Darwin für eine Ausgeburt des Satans halten.Continue reading →
AMERICAN DRUG WAR
Auf der gerade gestarteten Berlinale, dem größten deutschen Filmfestival, läuft nach meinem zugegeben flüchtigen Programmüberblick nur eher belangloses Zeug… es ist also nix oder wenig dort mit “In Cino Veritas”, von daher muß man wo anders kucken. Etwa bei Kevin Booth und seiner Dokumentation “American Drug War – The Last White Hope”, die in zwei Stunden filmisch dokumentiert, illustriert und präsentiert, was ich in meinen Buch “Die Drogenlüge” auf 220 Seiten versucht habe darzustellen: dass der Krieg gegen Drogen keine ehrliche Gesundheitspolitik ist, sondern eine verlogene Geschäftspolitik, mit der Geheimdienste und Staaten illegale Bürgerkriege, Warlords und Terroristen sowie einen gigantischen Repressionsapparat finanzieren – und dieser verlogene Krieg mehr Schaden und Opfer produziert als die Drogen selbst.
“Three and a half years in the making, the film follows gang members, former DEA agents, CIA officers, narcotics officers, judges, politicians, prisoners and celebrities. Most notably the film befriends Freeway Ricky Ross; the man many accuse for starting the Crack epidemic, who after being arrested discovered that his cocaine source had been working for the CIA.
AMERICAN DRUG WAR shows how money, power and greed have corrupted not just drug pushers and dope fiends, but an entire government. More importantly, it shows what can be done about it. This is not some ‘pro-drug’ stoner film, but a collection of expert testimonials from the ground troops on the front lines of the drug war, the ones who are fighting it and the ones who are living it.”
ACTA ? – Nein danke!
Soeben wird gemeldet, dass Deutschland – zumindest vorläufig – das internationale Urheberabkommen ACTA nicht unterzeichnet. Dennoch sollte niemand versäumen, zu den Demonstrationen zu gehen, die morgen weltweit und in über 50 deutschen Städten stattfinden – weitere Infos und Links hier.
Wer noch nichts von ACTA gehört hat : hier sind einige FAQs dazu und hier eine Erklärung (pdf ), warum dieses von USA und Japan hinter verschlossenen Türen ausgekungelte Gesetz
- Demokratisch nicht legitimiert ist
- eine Gefahr für die Meinungsfreiheit und den Zugang zu Kultur bedeutet
- eine Gefahr für Datenschutz und Privatssphäre darstellt
- Innovationen behindert
- und Rechtsunsicherheit fördert
Stellen Sie sich vor, ihre Telefongesellschaft wird wegen Beihilfe verklagt, weil Kriminelle über ihre Leitungen einen Bankraub verabredet haben. Ja aber was kann die Telefongesellschaft dafür, wenn das über ihre Leitungen läuft ? Eben. Aber genau das verlangt ACTA von den Internetprovidern, wenn über ihre Leitungen gegen das Urheberrecht verstossen wird. Deshalb: ACTA? – Nein danke!
Gegenseitige Hilfe: Pjtor Kropotkin
Für das Buch “Gewinn für alle – Genossenschaften als Wirtschaftsmodell der Zukunft”, das zur Leipziger Buchmesse im kommenden Monat erscheint, habe ich einige kurze Porträts wichtiger Vordenker des Genossenschaftsgedankens geschrieben. Nachdem Genossenschaften lange nur noch als frühsozialistische Utopie bzw. aktuelles Beispiel für zwangskollektivierte kommunistische Mißwirtschaft galten, sind sie jetzt wieder ein Zukuftsmodell – in den letzten drei Jahren wurden in Deutschland mehr als 700 neue Genossenschaften gegründet. Die egalitäre Grundregel “one (wo)man one vote”, nach der jedes Mitglied unabhängig von seiner Kapitaleinlage eine Stimme hat, schützt diese Unternehmensform nicht nur vor Heuschrecken, sondern hat zum Beispiel auch dafür gesorgt, dass Genossenschaftsbanken und Credit Unions (wie sie in den USA heißen) von der Bankenkrise kaum betroffen wurden. Weil das Interesse ihrer Mitglieder nicht auf maximale Profitsteigerung durch Casinowetten gerichtet ist, sondern auf günstige Kredit,-und Bankdienstleistungen, mußten sich die Genossenschaftsbanken beim Zocken zwangsläufig zurückhalten. Die vor mehr als 150 Jahren entwickelten Grundsätze des Genossenschaftswesens scheinen insofern heute wieder zeitgemäß und marktkonform. Deshalb lohnt es auch, den Pionieren wieder Aufmerksamkeit zu schenken: dem kirchenfrommen Beamten Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dem Liberalen Hermann Schulze-Delitzsch, dem Sozialdemokraten Ferdinand Lasalle oder dem “Utopisten” Charles Fourier. Den Anfang machen wir jedoch mit einem meiner persönlichen Hausheiligen, dem Anarchisten Fürst Pjotr Kropotkin.Continue reading →
I can hear music
Ich war 11 oder 12 als ich das erste Mal “Barbara Ann” hörte und sofort “Beach Boys” Fan wurde. Zum Geburtstag schenkte man sich unter Freunden damals gern eine Single und ich hatte bald neben den Odeon-grünen (Beatles) und den Decca-roten (Stones) auch einige der Capitol-violetten: “I can hear music”, “I Get Around” und natürlich den Jahrhundert-Song “Good Vibrations” Jetzt feiern die Beach Boys feiern ihr 50-jähriges Band- Jubiläum – und die alten Männer singen immer noch wunderschön. Der “Rolling Stone” hat eine (wg. der hiesigen GEMA-Schutzgeld-Eintreibung nur teilweise anzuschauende) Videosammlung aus 50 Jahren zusammengestellt.Continue reading →
Eine neue Geldordnung

Ende der 80er Jahre schrieb ich als “Mc CashFlow” eine Börsenkolumne für die taz und besuchte häufiger Pressekonferenzen zu Finanz,- und Wirtschaftsthemen. Einmal referierten dabei zwei der sogenannten “Wirtschaftsweisen” – die Namen haben ich, wohl zu Recht, lange vergessen – über Inflation, Konjunktur und Staatsverschuldung. Als die Fragerunde eröffnet war und die Kollegen nur ein, zwei langweilige Nachfragen hatten, stellte ich die “Systemfrage”: ob denn nicht die Wurzel der erörterten Problem in dem Systemfehler der Geldschöpfung und des Zinseszins liege. Der Professor warf mir einen mißmutigen Blick vor und sagte dann nur, mit einer abwertenden Handbewegung: “Ach, Sie haben wohl Silvio Gesell gelesen, das ist doch alles längst überholt und widerlegt.” Mit meinem “Ja, aber..” kam ich dann nicht mehr zum Zuge, weil der “Weise” sofort zu einem ganz anderen Punkt sprang. Am Ende der Konferenz kam dann ein sehr alter Herr auf mich zu: “Sie haben da eine wirklich interessante Frage gestellt, aber damit kommen Sie hier nicht durch. Ich hab das schon 1946 versucht.” Er lächelte, und gab mir auf meinen erstaunten Blick seine Karte. Seine Name war Hans R. L. Cohrssen. Wir tranken einen Kaffee zusammen und er erzählte, dass er in den 20ern in die USA ausgewandert sei, in den 30ern bei Irving Fisher Volkswirtschaft (pdf) studierte und mit ihm 1933 das Buch Stamp Scrip herausgab, über ein an Gesell orientiertes kommunales Geld, dessen Konzept sich im Zuge der Finanzkrise von 1929 schon in vielen Kommunen durchgesetzt hatte – bis Finanzministerium und Federal Reserve ihm einen Riegel vorschoben. 1945 kam er als Offizier der US-Armee nach Deutschland und versuchte die verschiedenen Finanzauschüsse der Besatzungsmächte von diesem stabilen Geldsystem zu überzeugen – und blieb damit ebenso erfolglos wie später als Aufsichtsrat einer Großbank und als Professor. Wir korrespondierten nach diesem Treffen noch und er sandte mir einige seiner neueren Artikel zu, doch das Buch, das ich über das Geldsystem schreiben wollte, kam nie zustande. Umso größer die Freude jetzt zu sehen, dass die alten und top-aktuellen Ideen von Gesell und Fisher wieder aufgegriffen werden, wie jetzt von Joseph Huber in seinem Buch “Monetäre Modernisierung”, das eine “Vollgeldreform” vorschlägt.
Wie die domestizierten Primaten an ihrem entscheidenden Evolutionsvorteil scheitern
“Cogito Ergo Bum” hieß mein 2007 erschienenes Buch, welches neben dem Befund, dass es meistens knallt wenn “homo sapiens” das Gehirn anwirft, 49 weitere Beweise über die Unausweichlichkeit des Scheiterns enthält. Einen davon – über das Scheitern der domestizierten Primaten an ihrem entscheidenden Evolutionsvorteil, dem Feuermachen (Foto aus dem sehenswerten Film “Am Anfang war das Feuer” (1981) von J.J.Annaud)- wollen wir den prima Klimaexperten dieses Blogs nicht vorenthalten:
Als vor 65 Millionen Jahren ein riesiger Asteroid auf der Erde einschlug und sie in einen riesigen CO2-stickigen Bakofen verwandelte, wurden durch diese globale Klimakatastrophe mit den Sauriern in der Folgezeit auch zwei Drittel aller Lebewesen vernichtet. Heute, so haben Naturforscher ausgerechnet, hat die Massenausrottung von Arten wieder dasselbe Tempo erreicht wie nach diesem kosmischen Unfall. Doch dieses Mal heißt die Katastrophe »Mensch«. Deshalb sind wir um unserer selbst und unserer Nachkommen willen zum schnellen Lernen gezwungen. Nach dem lange Jahrhunderte vorherrschenden Irrglauben, dass sich die Menschheit als naturbeherrschende Krone der Schöpfung selbstverständlich auf dem aufsteigenden Ast befindet, setzt sich zunehmend das Wissen durch, dass die Gattung dabei ist, den Ast, auf dem sie sitzt, abzusägen – sowie die Ahnung, dass diese Selbstzerstörung mit einem weitgehenden Missverständnis der Erde, des Lebens, des Selbst zu tun hat.Continue reading →
Schnee von gestern
Dass es immer noch Leute gibt, die den menschengemachten Klimawandel für ein Hirngepinst halten, das der Bevölkerung von einer großen Verschwörung aus Umweltschützern und Medien eingepflanzt wird, hat damit zu tun, dass diese Verschwörungstheorie nicht nur von ein paar Bloggern sondern auch von einigen “seriösen” Medien und Wissenschaftlern verbreitet wird. Besonders hervorgetan hat sich hier das “Wall Street Journal”, das ja seit die Interessen von Big Oil und des militärischen-industriellen Komplexes vertritt. Selten freilich tritt der hemmungslose Lobbyismus des Blatts so krass zu Tage wie jetzt, wo es in Washington gerade ein bißchen geschneit hat, was man für einen guten Zeitpunkt hielt, Zweifel an der anthropogenen Erderwärmung zu säen und einen entsprechenden Artikel zu veröffentlichen, den 16 meist pensionierte Metereologen, Ingenieure und Wissenschaftler anderer Felder unterschrieben hatten, aber keine aktuellen Klimaforscher. Letztere verfaßten eine Erwiderung der unhaltbaren Thesen, doch den Abdruck lehnte das WSJ ab, obwohl sie von 255 Mitgliedern der National American Academy of Sciences unterzeichnet war. Sie wurde jetzt im Magazin “Science” abgedruckt:
(i) The planet is warming due to increased concentrations of heat-trapping gases in our atmosphere. A snowy winter in Washington does not alter this fact.
(ii) Most of the increase in the concentration of these gases over the last century is due to human activities, especially the burning of fossil fuels and deforestation.
(iii) Natural causes always play a role in changing Earth’s climate, but are now being overwhelmed by human-induced changes.
(iv) Warming the planet will cause many other climatic patterns to change at speeds unprecedented in modern times, including increasing rates of sea-level rise and alterations in the hydrologic cycle. Rising concentrations of carbon dioxide are making the oceans more acidic.
(v) The combination of these complex climate changes threatens coastal communities and cities, our food and water supplies, marine and freshwater ecosystems, forests, high mountain environments, and far more.
Nun müssen die 255 Experten nicht recht haben, nur weil sie mehr sind als die 16, die das Gegenteil meinen. Deren Behauptungen sind allerdings derart schräg, dass sie als “Wissenschaft” nicht bezeichnet werden können. So reden sie davon, dass es seit zehn Jahren keine Erderwärmung gäbe, obwohl 2011 das 35. Jahr in Folge war, in der die Erwärmung über dem langjährigen Durchschnitt lag. Dass über derart simple Tatsachen wie die Temperatur immer noch gestritten und die an jedem Alpengletscher zu besichtigende rapide Schmelze einfach abgestritten wird, hat nichts mit diesen glasklaren Fakten zu tun, – hier ein NASA-Video, das im Zeitraffer die Temperatur-Daten von 1880-2011 visualisiert – sondern mit dem Lobbyismus gekaufter Experten und ihrer Organe wie dem War Street Journal…
Über die Wege, wie man auf die dramatischen Änderungen des Klimas und der Ökosysteme am besten reagiert – und ob eine CO-2-Reduktion ausreicht – kann und muß es weiterhin Streit geben, denn anders als die Temperaturdaten sind diese Fragen komplex. Grundsätzlich aber ist klar, dass die Parole nur “Downsizing” heißen kann. Also so das Gegenteil von dem, was das WSJ und seine falschen Propheten propgagieren, nämlich “ewiges Wachstum”.