I can hear music

Ich war 11  oder 12  als ich das erste Mal “Barbara Ann” hörte und sofort “Beach Boys” Fan wurde. Zum Geburtstag schenkte man sich unter Freunden damals gern eine Single und ich hatte bald neben den Odeon-grünen (Beatles) und den Decca-roten (Stones) auch einige der Capitol-violetten: “I can hear music”, “I Get Around”  und natürlich den Jahrhundert-Song “Good Vibrations”  Jetzt feiern die Beach Boys feiern ihr 50-jähriges Band- Jubiläum – und die alten Männer singen immer noch wunderschön. Der “Rolling Stone” hat eine (wg. der hiesigen  GEMA-Schutzgeld-Eintreibung nur teilweise anzuschauende) Videosammlung aus 50 Jahren zusammengestellt.Continue reading →

Eine neue Geldordnung

Ende der 80er Jahre schrieb ich als “Mc CashFlow” eine Börsenkolumne für die taz und besuchte häufiger Pressekonferenzen zu  Finanz,- und Wirtschaftsthemen. Einmal referierten dabei zwei der sogenannten “Wirtschaftsweisen” – die Namen haben ich, wohl zu Recht, lange vergessen – über Inflation, Konjunktur und Staatsverschuldung. Als die Fragerunde eröffnet war und die Kollegen nur ein, zwei langweilige Nachfragen hatten, stellte ich die “Systemfrage”: ob denn nicht die Wurzel der erörterten Problem in dem Systemfehler der Geldschöpfung und des Zinseszins liege. Der Professor warf mir einen mißmutigen Blick vor und sagte dann nur, mit einer abwertenden Handbewegung: “Ach, Sie haben wohl Silvio Gesell gelesen, das ist doch alles längst überholt und widerlegt.” Mit meinem “Ja, aber..” kam ich dann nicht mehr zum Zuge, weil der “Weise”  sofort  zu einem ganz anderen Punkt sprang. Am Ende der Konferenz kam dann ein sehr alter Herr auf mich zu: “Sie haben da eine wirklich interessante Frage gestellt, aber damit kommen Sie hier nicht durch. Ich hab das schon 1946 versucht.” Er lächelte, und gab mir auf meinen erstaunten Blick seine Karte. Seine Name war Hans R. L. Cohrssen. Wir tranken einen Kaffee zusammen und er erzählte, dass er in den 20ern in die USA ausgewandert sei, in den 30ern bei Irving Fisher Volkswirtschaft   (pdf) studierte und mit ihm 1933 das Buch Stamp Scrip herausgab, über ein an Gesell orientiertes kommunales Geld, dessen Konzept sich im Zuge der Finanzkrise von 1929 schon in vielen Kommunen durchgesetzt hatte – bis Finanzministerium und Federal Reserve ihm einen Riegel vorschoben. 1945 kam er als Offizier der US-Armee nach Deutschland und versuchte die verschiedenen Finanzauschüsse der Besatzungsmächte von diesem stabilen Geldsystem zu überzeugen – und blieb damit ebenso erfolglos wie später als Aufsichtsrat einer Großbank und als Professor. Wir korrespondierten nach diesem Treffen noch und er sandte mir einige seiner neueren Artikel zu, doch das Buch, das ich über das Geldsystem schreiben wollte, kam nie zustande. Umso größer die Freude jetzt zu sehen, dass die alten und top-aktuellen Ideen von Gesell und Fisher wieder aufgegriffen werden, wie jetzt von Joseph Huber in seinem Buch “Monetäre Modernisierung”, das eine “Vollgeldreform” vorschlägt.

Wie die domestizierten Primaten an ihrem entscheidenden Evolutionsvorteil scheitern

“Cogito Ergo Bum” hieß mein 2007 erschienenes Buch, welches neben dem Befund, dass es meistens knallt wenn “homo sapiens” das Gehirn anwirft, 49 weitere Beweise über die Unausweichlichkeit des Scheiterns enthält. Einen davon – über das Scheitern der domestizierten Primaten an ihrem entscheidenden Evolutionsvorteil, dem Feuermachen (Foto aus dem sehenswerten Film “Am Anfang war das Feuer” (1981)  von J.J.Annaud)- wollen wir den prima Klimaexperten dieses Blogs nicht vorenthalten:

Als vor 65 Millionen Jahren ein riesiger Asteroid auf der Erde einschlug und sie in einen riesigen CO2-stickigen Bakofen verwandelte, wurden durch diese globale Klimakatastrophe mit den Sauriern in der Folgezeit auch zwei Drittel aller Lebewesen vernichtet. Heute, so haben Naturforscher ausgerechnet, hat die Massenausrottung von Arten wieder dasselbe Tempo erreicht wie nach diesem kosmischen Unfall. Doch dieses Mal heißt die Katastrophe »Mensch«. Deshalb sind wir um unserer selbst und unserer Nachkommen willen zum schnellen Lernen gezwungen. Nach dem lange Jahrhunderte vorherrschenden Irrglauben, dass sich die Menschheit als naturbeherrschende Krone der Schöpfung selbstverständlich auf dem aufsteigenden Ast befindet, setzt sich zunehmend das Wissen durch, dass die Gattung dabei ist, den Ast, auf dem sie sitzt, abzusägen – sowie die Ahnung, dass diese Selbstzerstörung mit einem weitgehenden Missverständnis der Erde, des Lebens, des Selbst zu tun hat.Continue reading →

Schnee von gestern

Dass es immer noch Leute gibt, die den menschengemachten Klimawandel  für ein Hirngepinst halten, das der Bevölkerung  von einer großen Verschwörung aus Umweltschützern und Medien eingepflanzt wird, hat damit zu tun, dass diese Verschwörungstheorie nicht nur von ein paar Bloggern sondern auch von einigen “seriösen” Medien und Wissenschaftlern verbreitet wird. Besonders hervorgetan hat sich hier das “Wall Street Journal”, das ja seit  die Interessen von Big Oil und des militärischen-industriellen Komplexes vertritt. Selten freilich tritt der hemmungslose Lobbyismus des Blatts so krass zu Tage wie jetzt, wo es in Washington gerade ein bißchen geschneit hat, was man für einen guten Zeitpunkt hielt, Zweifel an der anthropogenen Erderwärmung zu säen und einen entsprechenden Artikel zu veröffentlichen, den  16 meist pensionierte Metereologen, Ingenieure und Wissenschaftler anderer Felder unterschrieben hatten, aber keine aktuellen Klimaforscher.  Letztere verfaßten eine Erwiderung der unhaltbaren Thesen, doch den Abdruck lehnte das WSJ ab, obwohl sie von 255 Mitgliedern der National American Academy of Sciences unterzeichnet war. Sie wurde jetzt im Magazin “Science” abgedruckt:

(i) The planet is warming due to increased concentrations of heat-trapping gases in our atmosphere. A snowy winter in Washington does not alter this fact.

(ii) Most of the increase in the concentration of these gases over the last century is due to human activities, especially the burning of fossil fuels and deforestation.

(iii) Natural causes always play a role in changing Earth’s climate, but are now being overwhelmed by human-induced changes.

(iv) Warming the planet will cause many other climatic patterns to change at speeds unprecedented in modern times, including increasing rates of sea-level rise and alterations in the hydrologic cycle. Rising concentrations of carbon dioxide are making the oceans more acidic.

(v) The combination of these complex climate changes threatens coastal communities and cities, our food and water supplies, marine and freshwater ecosystems, forests, high mountain environments, and far more.

Nun müssen die 255 Experten nicht recht haben, nur weil sie mehr sind als die 16, die das Gegenteil meinen. Deren Behauptungen sind allerdings derart schräg, dass sie als “Wissenschaft” nicht bezeichnet werden können. So reden sie davon, dass es seit zehn Jahren keine Erderwärmung gäbe, obwohl 2011 das 35. Jahr in Folge war, in der die Erwärmung über dem langjährigen Durchschnitt lag. Dass über derart simple Tatsachen wie die Temperatur immer noch gestritten und die an jedem Alpengletscher  zu besichtigende rapide Schmelze einfach abgestritten wird, hat nichts mit diesen glasklaren Fakten zu tun, – hier ein NASA-Video, das im Zeitraffer die Temperatur-Daten von 1880-2011 visualisiert – sondern mit dem Lobbyismus gekaufter Experten und ihrer Organe wie dem War Street Journal…
Über die Wege, wie man auf die dramatischen Änderungen des Klimas und der Ökosysteme am besten reagiert – und ob  eine CO-2-Reduktion ausreicht – kann und muß es weiterhin Streit geben, denn anders als die Temperaturdaten sind diese Fragen komplex. Grundsätzlich aber ist klar, dass die Parole nur “Downsizing” heißen kann. Also so das Gegenteil von dem, was das WSJ und seine falschen Propheten propgagieren, nämlich “ewiges Wachstum”.

Verfassungsschutz ? Abschaffen!!!

Die Nachricht, dass 27 Abgeordnete der Linkspartei vom Verfassungsschutz beobachtet werden hat insofern etwas Beruhigendes, weil so ja Kräfte und Kapazitäten gebunden werden, die ansonsten in Agenten für den Nazi-Untergrund gesteckt würden. Dass diese großartige Behörde jetzt PDS-Bespitzelung statt NSU-Förderung betreibt – wobei man ja nicht weiß ob sie ihre Aktivisten aus dem rechten Sumpf wirklich zurückgezogen hat –  ist ja immerhin schon mal was, und ein weiterer Schritt,  mit der der Verfassungsschutz an seiner längst überfälligen Abschaffung arbeitet. Denn wozu braucht es eine Behörde, die entweder gefährlich ist,  weil  sie auf rechte Gewalt mit Ignoranz oder gar mit Sponsoring reagiert  – oder völlig unterbeschäftigt, weil sie öffentliche Figuren wie Gregor Gysi oder Petra Pau bespitzeln muß ? Richtig, die braucht es gar nicht. Ebensowenig wie eine Behörde, die jahrelang behauptet, dass die in Berlin abgefackelten Limousinen  dem “gewalttätigen links-autonomen Spektrum” zuzuordnen seien, bis die Polizei dann einen psychotischen Pyromanen fasst, der für 90% dieser Brände verantwortlich war.

Und wenn sich jetzt nach 45 Jahren herausstellt, dass die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg 1967 kein Zufall war, sondern eine gezielte Exekution – dann hat sich diesen Mord zur Radikalisierung der friedlichen Studentenproteste nicht der Schütze (und Stasi-Spitzel) Karl-Heinz Kurras ausgedacht, und auch nicht seine Chefs,  der Polizeipräsident oder der damalige Bürgermeister Albertz – die beide zurücktraten – sondern natürlich der Verfassungschutz. Der schreckte zur Tarnung und Täuschung selbst vor einer Leichenschädnung des Opfers nicht zurück – und ließ im nächsten Schritt an die wütenden und empörten Studenten Sprengstoff und Waffen verteilen. Peter Urbach, der die RAF mit den ersten Waffen versorgte, war ein Agent des Verfassungsschutzes, der mit dieser Aufrüstung eine perfekte Budgetbeschaffungsmaßnahme initiiert hatte, denn fortan gab es “echte” bewaffnete Verfassungsfeinde und Terroristen, die man natürlich jagen mußte. So wie noch unlängst die VS-gepamperten Bubis, denen man noch den Friseurbedarf für ihre Wasserstoffbomben verschaffte um sie dann als  islamistische “Sauerlandbomber” vorzuführen. Brauchen wir einen solchen Verein ? Nein!!!

Disclaimer: Ich bin Verfassungspatriot und halte das Grundgesetz für einen absolut schutzwürdigen Wert. Etwas Besseres als diese Verfassung hat das Land in seiner Geschichte niemals gehabt und die sich daraus ableitenden Grundrechte gilt es zu verteidigen. Ebenso wie eine  öffentliche Behörde, die für diesen Schutz und die Unantastbarkeit des Grundgesetzes zuständig ist und Gefahren, die diesem drohen im Auge behält. Ein auf dem rechten Auge blinder Geheimdienst aber, der die Verfassung mißbraucht wo es gerade politisch paßt, der in der Abwehr tatsächlicher  Staatsfeinde und Terroristen völlig versagt und sich in der Bespitzelung demokratisch gewählter Abgeordneter ergeht – ein solcher Dienst ist eine Gefahr. Wer die Verfassung schützen will, muß ihn abschaffen.

UPDATE: Die “Zeit” kommt in ihrer Chronique scandaleuse am 28.01.2012 zum selben Schluß

 

Alles – außer 9/11!

Nachdem Anfang November das Radio Berlin Brandenburg” (RBB)  seinem langjährigen “Ken FM”-Moderator Ken Jebsen mitten in der Sendung das Mikrophon abgestellt hatte, weil ein paar islamophobe Blogger und ihr Lautsprecher Broder haltlose Antisemitismusvorwürfe geäußert hatten, konnte er zwar kurz darauf wieder auf Sendung gehen – wenige Wochen später jedoch kündigte der RBB das Arbeitsverhältnis,  mit der Begründung, er “hätte sich nicht an Absprache gehalten” und gegen “journalistische Standards verstoßen”.  Das ist Ken Jebsen nach über 10 Jahren und 545 Sendungen ein bißchen zu dürftig, weshalb er jetzt Klage  gegen die Kündigung eingreicht hat.  Er will genaueres wissen. Gegen die Antisemtisimus-Vorwürfe hat ihn der RBB selbst in Schutz genommen, die sind also nicht der Grund für den Rausschmiß, doch welche Standards er ansonsten verletzt haben soll wurde nie konkretisiert.  Was sind die “Standards” einer Rock’n Roll Sendung, die  wie “Ken FM” mit ihrem Mix aus Musik, Glosse, Essay und Satire zum Kult auf “Fritz”-Radio werden konnte ? “Würde man Monthy Python vorwerfen, dass sie historisch nicht korrekt sind ?” fragt  der Moderator, weist aber darauf hin, dass nicht alles in seiner Sendung nur Satire war.

Das trifft auch auf die KenFM-Sendung vom 11.9.2011 zu, für die er mich eine Stunde lang über das neu erschienene Buch zu Thema interviewte – und die er mit einem faktengesättigten Teaser unter dem satirischen Titel “Happy Birthday Terrorlüge” einleitete. Als ich mittags um 14 Uhr das Radio einschaltete und diesen grandiosen Parforce-Ritt des Schnellsprechers Jebsen zum ersten Mal hörte, fiel ich fast vom Stuhl, vor Begeisterung und Ziehen meines nicht vorhandene Huts: besser als in diesen zehn Minuten konnte man den Shitstorm, der uns seit 9/11 als Märchen von Osama und den 19 Teppichmessern aus allen Medienkanälen ins Hirn geblasen wird, einfach nicht auf den Punkt bringen. Als wir uns zwei Wochen zuvor für das Interview getroffen hatten, waren meine Erwartungen eher gering. Zwar hatte Ken Jebsen vor dem Gespräch das Buch tatsächlich gelesen – was in der Branche keineswegs üblich ist – und sehr präzise Fragen, auf die er mich ausführlich antworten liess, aber aus den vielen Interviews zum Thema 9/11 weiß ich, was hinterher meistens gesendet wird: im besten Fall ein längerer Auschnitt, im schlechten ein paar Fetzen mit abwertender An-und Abmoderation.  Nicht so bei KenFM – hier lief das Interview nahezu  ungeschnitten und nur unterbrochen von Musik. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Zumal nach den Erfahrungen, die ich mit der ARD gemacht hatte, für die ich auf verschiedenen Radiokanälen und Sendern in den 80er und 90er Jahren häufig als Autor tätig war.  In der Wahl meiner Themen für Kommentare, Rezensionen oder Features war ich immer frei, bis es im Spätherbst 2001 hieß: “Du kannst alles machen- außer 9/11!” Ohne dass es ein Direktive der Intendanz gegeben hätte wußten die Redakteure, dass sie Ärger bekommen, wenn sie anderslautende  Meinungen zulassen. Auch wenn  es an dem Dogma der offiziellen Version fundierte Zweifel gab, gerüttelt werden durfte daran nicht.

Dass das nun 10 Jahre danach anders zu sein schien, dass nicht nur meine Recherchen bei KenFM gebührlich zu Wort kamen, sondern auch noch andere kritische Stimmen – und dass der Moderator dies alles in einem zündenden “Happy Birthday”-Kracher zusammengefaßt hatte, gab durchaus Anlaß zur Freude. Die Inquisition, das öffentlich-rechtliche Medien-Mittelalter schien zu Ende, das Tabu, 9/11 anders zu beurteilen als das Weisse Haus, schien gebrochen. Bis der Radiomann, der sich diese Freiheit genommen hatte, gefeuert wurde.  Weil er “journalistische Standards” verletzt hat. Insofern könnte das Verfahren vor dem Arbeitsgericht interessant werden, in dem man hoffentlich mehr über diese Standards erfährt –  und vielleicht auch über die Tatsache, dass die gebührenfinanzierte Meinungsfreiheit nach wie vor und selbstverständlich alles umfaßt – außer 9/11.

80 Jahre Robert Anton Wilson

“You should see the world as a conspiracy run by  very closely-knit group of nearly omnipotent people – and you should think of these people as yourself and your friends.”  –  ist nicht von ungefähr das Motto von Robert Anton Wilsons Website. Es ist eine wichtige Regel, die deutlich macht, dass es sich bei RAW nicht um einen “Verschwörungstheoretiker” – im Sinne des Unworts des Jahrzehnts zur Beseitigung mißliebiger Meinungen – handelt, sondern wenn überhaupt dann um einen Verschwörungstheoretiker zweiten Grades, der  sich stets darum bemüht, die Landkarte, die er zeichnet, nicht mit der Realität zu verwechseln. Und sich darüber bewußt ist, dass alles, was wir als Realität empfinden,  stets ein Konstrukt des Bewußtseins, des eigenen “Realitätstunnels” ist.

Um dieser Maxime gerecht zu werden, hatte ich meinem Buch “Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.”  (2002) über die Realität des Vertuschens, Verschweigens und Nichtaufklärens eine Art Landkarte des allgemeinen Verschwörungswesens beigelegt, die eigentlich niemand mit der Realität verwechseln konnte, denn sie war einfach nur komisch und von vorn bis hinten mit meinem Freund Seyfried, der sie gezeichnet hatte, ausgedacht – hier und hier .  Es geschah allerdings doch, wie wir anhand einiger mails erfuhren, denn in diese Konstruktion waren natürlich zahlreiche Realitätspartikel eingebaut – darunter auch SS-Symbole und ein 2 Millimeter großes Hakenkreuz, das der Künstler in einer Israelflagge platziert hatte. Weil Hardcore-Israelisten  auch gern mit der Lupe suchen um zB die weltweite Antisemiten-Verschwörung aufzudecken, führte das sogar zu einer Anzeige und Beschlagnahme durch einen übereifrigen Staatsanwalt. 9/11 indessen interessierte die Staatsanwälte nicht, obwohl das Buch 100 offene Fragen dokumentierte, die in jeder normalen staatsanwaltlichen Untersuchung eines Verbrechens selbstverständlich ermittelt werden müßten. Diese ziemlich harten Fakten der Realität wurden von der Staatsgewalt ignoriert, die schrägen Fiktionen der Kunst dagegen führten zum unmittelbaren Einschreiten.

Für Guerilla-Ontologen der RAW-Schule stellt das allerdings keine große Überraschung dar, denn außer der unbewußten Verwechslung von subjektiver Landkarte und objektiver Realtiät ist die bewußte, gezielte Verschwechslung, Täuschung, Desinformation im politischen Geschäft natürlich an der Tagesordnung: “A monopoly on the means of communication may define a ruling elite more precisely than the celebrated Marxian formula of monopoly in the means of production.”  In der Tat. Und das ist der Grund, warum Bob so große Hoffnungen auf das Web und seine Dezentralität setzte, die jedes Monopol – und damit jede unverrückbare Wahrheit, jedes eherne Dogma, jede “offizielle” Aussage – unterlaufen kann. Solche unverrückbaren Dogmen zu zerschlagen, auch und gerade wenn sie  mit Inbrunst von Kanzeln und Kathedern verkündet werden – das war, wenn man ein Werk von 35 Büchern überhaupt auf einen Nenner bringen kann, die Arbeit und das Vergnügen des Robert Anton Wilson. Nicht ohne freilich als Menschenfreund  aus dieser Dekonstruktion auch eine positive Vision zu bauen – einer Welt, die Wunder und Paranormales zuläßt, und nicht mit dem “irrationalen Rationalismus” einer neuen Inquisition verfolgt; einer Welt die gemäß den Entdeckungen der Quantenphysik mehr Möglichkeiten als nur die beobachtergeschaffenen Wirklichkeiten enthält; einer Welt in der wir wieder mehr “vielleicht” sagen… (Und die  nicht verbietet 100-prozentige Arschlöcher auch so zu nennen, selbst wenn sie nur 90-prozentige sind…)

Vielleicht sollten wir eine solche Welt, zum heutigen 80. Geburtstag von Robert Anton Wilson, ab sofort einfach immer hochleben lassen….

 

“SM-I²-LE”

“LSD seems to suspend the imprinted and conditioned brain circuits that normally control perception/emotion/thought, allowing a flood – an ocean – of new information to break through” – meinte Robert Anton Wilson, und das ist eine etwas zurückhaltendere Erläuterung  der LSD-Erfahrung als Timothy Learys vollmundige Aussage:  “Zweifellos ist LSD das mächtigste Aphrodisiakum, das der Mensch je entdeckt hat.” Das ist, wie das meiste was Leary sagte, vielleicht richtig, aber es als Harvard Professor zu sagen, und dann auch noch  in einem Playboy-Interview, hatte Folgen. Der Stoff wurde verboten, und Leary – wegen eines Joints, der bei seiner Tochter gefunden wurde – zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. RAW besuchte ihn dort und war erstaunt über die andauernde Fröhlichkeit mit der sein Freund den Knast ertrug. In dieser Zeit schrieben sie zusammen das Buch “Neuropolitics – The Sociobiology Of Human Metamorphosis”, ein Buch voller optimistischer Vorstellungen und Visionen über eine sich dank technischer Entwicklung und Erweiterung des Bewußtseins entwickelnde Menschheit, inkl. der Gründung von Kolonien im Weltraum und Lebensverlängerung auf der Erde. Tim Leary nannte es das  “SM-I²-LE”-Prinzip(Space Migration, Intelligence Increase, Life Extension), was andeutet, dass es so ganz ernst nicht gemeint war – aber im Großen und Ganzen eben doch. RAWs Tochter Christina erzählt in dem  Interview, das BoingBoing zur Robert Anton Wilson Week mit ihr geführt hat, dass sie sich in ihrer Familie Anfang der 70er durchaus darauf einstellten, die Auswanderung ins All und die Lebensverlängerung noch zu erleben.

Dieser Optimismus, das Zuvertrauen in technische Machbarkeit und die Hoffnung, die (von LSD offenbarten) Potentiale des menschlichen Gehirns ausschöpfen und nutzen zu können, durchzieht das Werk RAWs und Learys, ist in seiner Mischung aus Spiritualität und High Tech auf eine typische Weise kalifornisch und erschien unseren,  mit teutonischer Denkschwere belasteten Köpfen, manchmal ein bißchen naiv. Als ich Tim Leary Mitte der 80er fragte, wieso er jetzt weniger von Bewußtseinserweiterung, sondern nur noch von Netzwerken  und Computern redete, wo doch  “Computer nicht  intelligenter sind als Kartoffeln” antwortete er: “Oh, ich mag Kartoffeln.”  Um von ihnen dann flugs bei den acht Schaltkreisen unserer Gehirne, der “human biocomputers”, zu landen, deren Modell er zusammen mit RAW beschrieben hatte und die deutlich machten, dass wir auch als “höhere” geistige Wesen die Kartoffelhaftigkeit der unteren Amöben,- Säugetier, -Primatenschaltkreise nicht so einfach abschalten können. Dennoch sei es wichtig, das Recht auf einen persönlichen Computer in die Charta der Menschenrechte aufzunehmen. Das war 1984, und wenn wir mehr als ein Vierteljahrhundert später den ausgezeichneten Vortrag des Boing-Boing-Bloggers Cory Doctorow auf der letzten CCC-Konferenz  hören – The Coming War on General Computation – wird deutlich, dass diesen Denken keinesfalls “naiv”war, sondern nur seiner Zeit ziemlich voraus…