
Dass “Ukrainegate” wie schon “Russiagate” ein Flop wird, hatten wir vorgestern hier ja schon prognostiziert und die Vorhersage gewagt, dass auch diese gehypte Nullnummer Trump nicht stürzen, sondern im Wahlkampf nur nützen wird. Nachdem schon das Transkript des Telefonats zwischen Trump und Selinskyi veröffentlicht war, ist nun auch die Beschwerde des nach wie vor anonymen “Whistleblowers” publiziert worden. Der freilich, wie die Lektüre sofort zeigt, gar keiner ist, denn außer diversen Zitaten aus Zeitungen sowie von verschiedenen ungenannten “Offiziellen des Weissen Hauses”, die irgendetwas gesagt haben sollen, steht in diesem Papier nichts Neues oder Brisantes – außer den Ausschnitten aus dem mittlerweile bekannten Telefonat, aus dem sich nur mit sehr viel Gymnastik eine Anklage wegen Amtsmißbrauch zimmern läßt. Denn was Trump von seinem ukrainischen Kollegen verlangt – die Korruptionsfälle im Zusammenhang mit dem Sohn von Joe Biden und der Beteiligung von ukrainischen Offiziellen an der “Russiagate”-Manipulation der Wahlen 2016 zu untersuchen – sind Dinge, deren Aufklärung ja durchaus im öffentlichen Interesse der USA liegen. Zumal das Justizministerium gerade ermittelt, wer beim FBI, NSA, CIA und anderen Institutionen für den Russiagate-Hoax gesorgt und ihn zwei Jahre am Laufen gehalten hat. Warum ein Wunsch nach Unterstützung bei diesen Ermittlungen mißbräuchlich sein soll erschließt sich einfach nicht – und wird auch keine Mehrheit für ein Impeachment im Senat einbringen. Da mag der “Spiegel” mit seinen Quatschartikeln noch so drohend “Deep Throat” und “Watergate” an die Wand malen, denn was da jetzt veröffentlicht wurde ist kein Leak, kein Dokument, keine smoking gun, sondern ein Klatschartikel. Flurfunk aus dem Weissen Haus, getränkt von Gerüchten und Hörensagen. Und sein Autor ist kein Whistleblower, der mutig über Mißstände in seiner Behörde berichtet, sondern laut New York Times ein mittlerer Beamter der CIA, der im Weissen Haus gearbeitet hat. Wie Caitlin Jonhstone gewohnt schwungvoll zusammenfasst:
So there you have it. A mysterious stranger from the lying, torturing, propagandizing, drug trafficking, assassinating, coup-staging, warmongering, psychopathic CIA was working in the White House, heroically provided the political/media class with politically powerful information out of the goodness of his heart, and then vanished off into the Langley sunset. Clearly there is nothing suspicious about this story at all. In all seriousness, even to call this spook a “whistleblower” is ridiculous on its face. You don’t get to call someone from the US intelligence community a whistleblower unless they are actually whistleblowing on the US intelligence community. That’s not a thing. A CIA officer who exposes information about government officials is an operative performing an operation unless proven otherwise, because that’s what the CIA does; it liberally leaks information wherever it’s convenient for CIA agendas while withholding all other information behind a veil of government secrecy. A CIA officer who exposes information about CIA wrongdoings without the CIA’s permission is a whistleblower. A CIA officer who exposes information about someone else is just a spook doing spook things.
That’s it. Und wer sich wundert, seit wann ein solcher CIA-Agent “Whistleblower” genannt werden und damit unter dem Schutz des “Intelligence Community Whistleblower Protection Act (ICWPA)” stehen kann: am 24. September, zwei Tage bevor die am 12. August eingereichte “Beschwerde” an die Öffentlichkeit kam, wurde das neue Formblatt zur Einreichung von Beschwerden beim Intelligence Community Inspector General (ICIG) hochgeladen. Der Absatz “FIRST HAND KNOWLEDGE REQUIRED”, in dem stand, dass die Beschwerde nur bearbeitet werden kann, wenn es sich um Informationen aus erster Hand und nicht um Hörensagen handelt, wurde stillschweigend gestrichen. Seitdem kann der Beschwerdeführer ankreuzen, ob seine Informationen aus “direktem persönlichen Wissen” oder “von anderen Personen” stammen. Weil die Beschwerde über Trumps Amtsmißbrauch in Sachen Ukraine keinerlei direkte Zeugenschaft, sondern nur Hörensagen von ungenannten “Offiziellen” enthält, wäre sie nach den zuvor gültigen Bedingungen zum Whistleblower-Schutz gleich im Papierkorb gelandet. Da jetzt aber auch Nachrichten aus der Gerüchteküche dem Standard entsprechen können nun auch “Rumorblower” den heldenhaften Status des mutigen Aufdeckers und Enthüllers genießen und von den Medien als heldenhafte “Whistleblower” gefeiert werden. Was eine schwere Beleidigung für die wirklich mutigen und heldenhaften echten Whistleblower ist. Denn die werden nicht gefeiert, sondern wie Chelsea Manning mit Beugehaft, Julian Assange mit Isolationsfolter und Edward Snowden mit Exil bestraft.
P.S.: Es gäbe viele sehr gute Gründe, Trump zu “impeachen” – die illegalen Kriege in Irak, Syrien, Yemen zum Beispiel – aber die finden die US-Demokraten ja prima, weshalb sie es mit Gerüchten und Fake-Whistleblowern versuchen…






