Betr.: John S. Cooper

OK, der “Spiegel” hat uns enttarnt – aber was soll man machen ? Wenn zwei Autoren wegen einer Dokumentation über 9/11 zusammenstoßen, nach Durchsicht der Fakten feststellen, dass man darüber eigentlich nur noch einen Thriller schreiben kann, und zwar am besten einen amerikanischen –   fast, dark, hard-boiled – ; und dass man angesichts der haarsträubenden Fakten nicht viel Phantasie braucht um einen überzeugenden Plot finden. Wenn sich  dann beim Pingpong des ersten Brainstormings  gleich eine spannende Storyline abzeichnet – fiktiv, aber weitaus realistischer als das als  Realität verkaufte Osama-Märchen – und  sich beim Erstellen eines Exposés und der ersten Probekapitel heraustellt, dass das Pingpong nicht nur bei den Ideen, sondern auch in Stil und Schreibe prima funktioniert und die Lektüre bei einigen Verlagen auf großes Interesse stößt, dann muß man dieses Buch eigentlich schreiben.

Blieb nur noch das Problem, dass die Typen, die amerikanische Thriller schreiben, James Ellroy heißen oder John Grisham oder Stephen King, aber nicht Sven Böttcher & Mathias Bröckers, aber das beschlossen wir  zu vertagen und schrieben erstmal das Buch. Bis der Verlag anrief, dass jetzt die Prospekte gedruckt würden und man dringend den Autorennamen brauchte – bis übermorgen. Der Name mußte kurz sein wie Ellroy/Grisham/King, unauffällig wie Müller/Meyer/Schmidt und zudem nicht vorhanden im Bücher-Universum von Amazon & Co. Gar nicht so einfach und wir fanden so schnell keinen passenden, aber dann kam uns unser Auto zu Hilfe.  Denn zufällig fuhren wie beide nicht nur dieselbe Marke (Mini), sondern auch dasselbe Modell (Cooper) und auf den Allerweltsvornamen John konnten wir uns schnell einigen. So kam es, dass  der ‘amerikanische’ Thrillerautor John S. Cooper im Frühjahr 2007 mit seinem ersten Roman in Deutschland reüssierte: “Das fünfte Flugzeug”.

Auch wenn das Buch jubelnde Kritiken erhielt und aus dem Stand zu einem Bestseller wurde, war allerdings unser Masterplan, es gleichzeitig auch in den USA erscheinen zu lassen, nicht aufgegangen. Obwohl die Cooper-Legende somit von Beginn an ein gewisses Leck hatte, versuchten wir, die Anonymität dieses No-Name-Autors solange wie möglich beizubehalten . Auch der Wettbewerb von Arte TV “Fasst Cooper!” führte nicht zur Enttarnung und nachfragenden Journalisten gegenüber – dass bei den Stichworten “9/11” und “Verschwörung” der Name Bröckers fällt, war ja naheliegend – gaben wir uns ahnungslos. So wie jetzt, als Ole Reißmann von “Spiegel Online” unter einem Vorwand zum Video-Interview bat – und nicht nur über unsere Coopers Bescheid wußte, sondern auch das Anagramm des Übersetzers – “Sam van Heist” als “Mathias” und “Sven” – entschlüsselt hatte. Das ehemalige Nachrichtenmagazin also endlich mal investigativ – wenn auch nur auf dem Felde der Unterhaltungsliteratur, aber ein Anfang…

Dass “Zero” der beste Thriller zur aktuellen Finanzkrise ist und es über 9/11 keinen spannenderen Roman  als “Das fünfte Flugzeug” will ich hier nicht  hervorheben – wer sie  geschrieben hat  ist, wie bei jedem guten Buch, eigentlich gänzlich unerheblich.

Update: Fefe hat das Bashing dieser Spiegel-“Enthüllung” in seinem Blog sehr schön kommentiert

Update 2: Ein investigativer Leser hat jetzt auch ein erstes Foto des mysteriösen Mr. Cooper aufgetrieben: hier

Update 3: Beide Thriller gibt es – gesprochen von Wolfgang Condrus – auch zum Hören: “Das fünfte Flugzeug” als Audio-CD ,  “Zero” bei audible als mp-3-Download. , mit kurzem Videotrailer hier Für Tablet-Leser gib es die iPad-App von “Zero” hier

12 Comments

  1. Der Artikel im EhNaMag ist aber äußerst unsouverän:

    “Auch “Zero” schiebt dem Thriller-Publikum wieder wilde Verschwörungstheorien unter, die ansonsten nur die Stammklientel aus latent paranoiden Faktenverdrehern in den Untiefen des Internets oder den Randzonen des Literaturbetriebs unterhalten würden. Dass der Plan von Bröckers und Böttcher aufgehen könnte und die Leser, mit neuer Skepsis ausgestattet, empfänglicher für abstruse Theorien werden, dafür gibt es allerdings keine Hinweise: Wer bei “Amazon” das “Fünfte Flugzeug” oder “Zero” gekauft hat, greift laut Kaufempfehlungsliste nicht automatisch auch zu Verschwörungsbüchern.”

    “Schiebt dem Publikum wilde Verschwörungstheorien unter” – ach du meine Güte, geht’s noch eine Nummer dicker aufgetragen? Der “Plan, die Leser empfänglicher für abstruse Theorien” zu machen – uff, so schreibt man eigentlich nur, wenn man von dem, was man in der eigenen Redaktion zu schreiben gezwungen ist, selbst nicht überzeugt ist. Dann muss man alle, die plausibler schreiben, und sei es nur in einem Roman, diffamieren und in den Dreck ziehen. Das EhNaMag ist inzwischen zu einem absoluten Käseblatt verkommen. Ich habe da mal zeitweise im Forum mit diskutiert – alles, was medienkritisch im Allgemeinen oder gar kritisch gegenüber dem Spiegel ist, wird gnadenlos zensiert. Dafür darf z.B. pausenlos gegen Minderheiten gehetzt werden. Fürchterlich, mir graut bei dem Gedanken, dass ich bis vor, na ja, vielleicht 10, vielleicht 15 Jahren ganz gerne mal einen Spiegel am Kiosk kaufte. Der wurde aber spätestens nach Augsteins Tod zu dem, was er heute ist, nämlich einem ehemaligen lesenswerten und jetzigen Käseblatt.

  2. Glückwunsch, Herr Bröckers, zu ihrer “Läuterung” :

    “Wer bei “Amazon” das “Fünfte Flugzeug” oder “Zero” gekauft hat, greift laut Kaufempfehlungsliste nicht automatisch auch zu Verschwörungsbüchern.”

    Es ist schon ziemlich irre, wie der Spiegel neutrale Begriffe wie “Verschwörung” und “Verschwörungstheorie” seit dem 11.9. dämonisiert – was natürlich nur damit zu tun hat, dass er als oberster Apologet des Osama-Märchens selbst die größte VT und Faktenverdreherei verbreitet.

  3. Der SPIEGEL ist einer Verschwörung nachgegangen – und kam der Wahrheit auf die Spur.
    Man könnte beim SPIEGEL ja daraus was lernen …… jedoch ….

    Kompliment an das Autorenteam Bröckers und Böttcher:
    Erstens: Affengeiles MARKETING; zweitens: Konnten die Bücher damals nicht miesgemacht werden von einem z. B. auf Bröckers eingegifteten SPIEGEL (Stern, Springerpresse).

  4. @Hal23: Wieso USA? u2r2h ist doch keine Amerikanerin. 😉 So ist das mit Pseudonymen. Man kann schnell aufs Glatteis geraten.

    Bist du eine sprechende Bombe?

  5. Kurz+Knapp:

    GLÜCKWUNSCH!

    Riesenfreude, Bröcki dass du den
    Giftschleudern vom Speigel dies schöne
    Blamage beschert hast,
    und auch, dass die Bücher gut laufen!
    Cheers
    E+B

  6. Haha, also doch…

    ich hatte es Dir [ihm (Bröckers)] ja schon im April 2008 auf den Kopf zugesagt… eben eine gut funktionierende Mustererkennung (mit dem Betreff lässt sich die email wieder finden).
    🙂

    Walther

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