24
Jan, 2017

Yankee and Cowboy War 2.0 (11)

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Das Real Game of Thrones im exzeptionalistischen Königreich verwirrt noch immer die Gemüter, selbst den maulfertigsten Herolden und Lautsprechern, die sonst für jedes Ereignis pfeilschnell eine große Erzählung parat haben, fällt nichts mehr ein, außer Donalds Krönungsrede für eine Kampfansage zu halten

Zu König Donald ist auch nach seiner Thronbesteigung eigentlich nichts anderes zu hören, als was schon vorher dauernd verkündet wurde, nämlich wie unmöglich dieser Lügner, Betrüger und Frauenfeind doch sei. Dass diese Tiraden nichts nutzten und er trotzdem König wurde, weil die Leute nicht auf die Herolde hörten, änderte aber nichts: Sie poltern weiter mit Pauken und Trompeten. Und Donald zwitschert pikiert zurück.

So etwas war im Königreich eigentlich noch nie passiert – so heftig man sich in den Wahlkämpfen auch gestritten hatte, bei denen außer Herolden stets auch Einpeitscher, Giftschleudern und Denunziatoren eingesetzt wurden, am Ende konnte der siegreiche neue König damit rechnen, zumindest die ersten 100 Tage seiner Regentschaft halbwegs in Ruhe gelassen zu werden.

Warum das bei König Donald nun anders läuft, hat nicht nur mit seiner kindischen Eitelkeit zu tun, die ihn kaum im Amt zu der lachhaften Beschwerde brachte, die Zahl der gemeldeten Besucher bei seiner Inthronisation sei von den Herolden absichtlich niedrig gehalten worden. Solche psychologischen Marotten, wie im Fall Donald extremer Narzissmus, waren auch schon bei anderen königlichen Häuptern vorgekommen – “Tricky Dick” Nixon etwa galt als notorischer Lügner, König Jack, den man JFK nannte, war ein unersättlicher Lustmolch, den es täglich nach Mätressen verlangte, und der tölpelhafte George W. stilisierte sich als großer Texas-Ranger, hatte aber panische Angst vor Pferden. Doch hatten diese “Macken” der Regierenden nie dazu geführt, dass sie von den Herolden und Lautsprechern derart heruntergeputzt wurden wie Donald. Selbst als im fernen Italien einmal ein gelifteter Gangster König wurde, den man “Bunga Bunga Duce” nannte, ging man schonender mit ihm um.

Warum Donald so eine Hassfigur ist, erschließt sich, wenn man bei einen Blick in die Chroniken des exzeptionalistischen Königreichs erkennt, dass mit ihm ein Außenseiter an die Macht gekommen ist. Nicht nur, weil er noch nie eine Stellung bei Hofe oder in der Politik eingenommen hatte, sondern weil er nicht aus der Fraktion des Ostküsten-Adels stammt, die man die “Yankees” nennt und aus deren Kreisen seit Jahrzehnten alle Könige kamen.

Das Einparteiensystem mit zwei rechten Flügeln erlaubte dabei stets einen “demokratischen” Farbenwechsel und ein wenig Abwechslung auf dem Thron, die Kontrolle blieb aber stets bei den obersten Yankees, ihrem “Rat für auswärtige Beziehungen”, den unsichtbaren Meistern der Intelligence sowie natürlich den unermesslichen Schatzkammern des ultrareichen Rockefeller-Clans. Dass jemand gegen diese Instanzen und deren Macht überhaupt auf den Thron gelangen könnte, erschien völlig unvorstellbar – und erklärt die Schockstarre und Schnappatmung, in die die Herolde und sämtliche Diener der mächtigen “Yankee”-Herren durch Donalds Triumph versetzt wurden. Den Donald natürlich nicht alleine schaffte, selbst wenn er sich das mit seinem Hyper-Ego vielleicht einbildet…

Ein Chronist des Königreichs, Carl Oglesby, hatte die Zeit von der Ermordung JFKs bis zur Verjagung von “Tricky Dick” Nixon aus dem Weißen Haus einst als den “Yankee and Cowboy War” beschrieben, als Kampf zwischen dem alten Ostküsten-Geldadel und den neuen Öl-Oligarchen aus dem Süden. Letztere sorgten im Verbund mit den Meistern der Intelligence und einigen Heckenschützen, die man von einer Mörderbande namens “Mafia” angeheuert hatte dafür, dass JFK umgelegt wurde, erstere kickten dann später König Nixon mit dem sogenannten “Watergate-Skandal” aus dem Amt.

Tricky Dick hatte damals versucht, sich mit der Gründung einer ihm unterstehenden Truppe namens “DEA” an dem lukrativsten Topf im tiefenstaatlichen Geschäft zu bedienen: dem von den unsichtbaren Meistern der Intelligence kontrollierten Handel mit Rauschgift. Das konnten die “Yankees” und die Meister nicht zulassen und entfernten den “Cowboy” Nixon vom Thron, indem sie dem Investigativ-Herold Woodward ein wenig Kompromat zukommen ließen.

Der Großmeister der Intelligence, George Bush, ließ dann als Vizekönig unter Ronald I. das Geschäft direkt aus dem Weißen Haus organisieren. Zu dieser Zeit war es auch, dass der Chefkapitän der geheimen “Iran-Contra”-Flotte, Barry Seal, mit Säcken voller Rauschgift und Geld in seinem Heimathafen in Mena/Arkansas versehentlich von einem un-informierten Zollbeamten kontrolliert und festgenommen wurde, aber zwei Tage später aus dem Gefängnis frei kam – nachdem Vizekönig Bush einen Anruf bei dem aufstrebenden Gouverneur von Arkansas getätigt hatte, einem jungen Mann namens Bill Clinton.

Seit dieser Zeit waren Bill und Hillary im Geschäft mit dem Tiefenstaat und trotz anderer Parteifarben niemals Opponenten der Bushs, sondern stets partners in crime. So wurde “Free Willy” Bill als König dann auch zum Nachfolger des alten Bush und vererbte das Reich nach acht Jahren an dessen Sohn W.

Nach einem kurzen Farbwechsel mit dem sympathischen Prinzen Obama, den man ein wenig “Hope” verbreiten ließ, um ihn dann schnell zur lahmen Ente zu stutzen und nur dafür sorgte, dass während seiner Dienstzeit alle drei Stunden irgendwo eine Bombe abgeworfen wurde, sollte nun Queen Hillary den Job übernehmen. Aber da funkte Donald dazwischen …

Auch erschienen auf Telepolis, die bisherigen Folgen der kleinen Serie hier

Kommentare

8 Kommentare zu “Yankee and Cowboy War 2.0 (11)”

  1. claver am 24.01.2017 um 09:11 Uhr 

    hoffe, da wird ein buch draus
    freu mich wie bolle!

     
  2. Klaus K. am 24.01.2017 um 11:04 Uhr 

    wenn man einfach nur das erzählt, was man so aufschnappt und sich nur ein paar neue Vokabeln ausdenkt, hat man natürlich immer was zu sagen.

     
  3. Giant orange toddler with nukes am 24.01.2017 um 12:02 Uhr 

    Man kann Trump nur zustimmen, wenn er sagt, dass Handel keine Einbahnstraße sein sollte. Das gilt auch für Handelsdrohungen. Fangen wir mit Facebook an. Es braucht keine Strafzölle, um das Unternehmen an die neue Wirklichkeit zu gewöhnen. Es reicht, dass man Facebook zwingt, den deutschen Jugendschutz zu beachten. Wer die Verherrlichung von Gewalt oder Volksverhetzung duldet, muss mit empfindlichen Bußgeldern rechnen. Notfalls wird das Angebot indiziert und aus dem Verkehr gezogen. So sieht es das geltende Recht vor, man muss es nur anwenden wollen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es die Aktionäre von Facebook unbeeindruckt ließe, wenn der Dienst für ein oder zwei Wochen wegen einer Netzsperre nicht erreichbar wäre.

    VW hat sich vor wenigen Tagen bereit erklärt, wegen “verschwörerischer Umweltverschmutzung” vier Milliarden Euro zu zahlen. Es ist die höchste Strafe, die je einem Autokonzern in den USA auferlegt wurde. In der deutschen Presse ist das mit Genugtuung aufgenommen worden, ich habe das nicht ganz nachvollziehen können. Der neue Mann an der Spitze der Umweltbehörde in Washington glaubt nicht, dass menschliches Verhalten am Klimawandel schuld sei. Stickoxide hält Scott Pruitt aus Prinzip für ein überschätztes Problem. Weshalb zahlen wir für ein Vergehen, das es nach den Worten des obersten Umweltschützers der Trump-Administration also gar nicht geben kann?

     
  4. juggernaut am 24.01.2017 um 12:55 Uhr 

    ein amüsantes kleines erklärungsvideo mit dem titel : “here’s why they hate him”

    https://youtu.be/X_xN0u2d7AI

    passt prima zum thema. die miene von oh bummer allein schon..

     
  5. Jörg am 24.01.2017 um 14:21 Uhr 

    Hier noch mehr von den “von den unsichtbaren Meistern der “Intelligence” und auch darüber wie die meisten US-Präsidenten gemeinsame Sache mit diesen machten: https://off-guardian.org/2017/01/24/secret-government-the-constitution-in-crisis-1987/ – oder direkt zum Herunterladen.

    Und Trump wird bei dem schwungvollen Rauschgifthandel der “Intelligence” (besonders aus Afghanistan) eben nicht mitmachen. Dafür ist er einfach nicht der Typ.
    Und das macht sein Leben auch so bedroht.

    Das oben angegeben Video stammt noch aus der Zeit der “Iran-Contra-Affäre”. Aber es ist lehrreich zu sehen, daß der eigentliche Gründungszweck der “Intelligence”, nämlich die (angebliche) Verteidigung gegen die “kommunistischen Bedrohung”, längst fortgefallen ist. Gleichwohl ist diese Intelligence und ihre geradezu satanische Maschinerie – nun nicht mehr zu beseitigen. Sie propagiert einfach immer neue “Bedrohungen” oder – neuerdings (seit ein paar Jahrzehnten) – “humanitäre Notwendigkeiten”.
    Zum letzteren dieses nette Bild: https://pbs.twimg.com/media/CU6MQ2-WcAAA_zv.jpg

     
  6. Stefan am 25.01.2017 um 13:15 Uhr 

    Auch wenn Trump als Person ein rechtsdrehender, narzisstischer Unsympath ist, was er in seiner Thronrede sagte, hat teilweise revolutionären Charakter. Völlig verrückt und zu krass für jedes Drehbuch: Ausgerechnet ein milliardenschwerer, egomanischer, brutalkapitalistischer Tycoon samt einem Kabinett aus Bonzen, Bankern und Generälen rechnet mit seiner eigenen (nämlich der neoliberalen) Systemelite auf dem Höhepunkt ihres Erfolges bei der Umverteilung von Unten nach Oben ab und predigt Unerhörtes wie „die Macht dem Volk zurückgeben” zu wollen.

    Und wo ist die politische Linke, von der man als einfältiger Mitbürger etwas in der Art erwartet hätte? Die stellt jetzt beleidigt Großdemos auf die Beine, weil das unverschämte (und offensichtlich ideologisch ungefestigte) amerikanische Wahlvolk sich herausnimmt, den alten Glaubenssatz “Wenn Wahlen etwas ändern könnten, dann wären sie verboten” einfach zu ignorieren.

    Das kommt davon, wenn die US-Demokraten ihren glaubwürdigeren Gegenkandidaten – Bernie Sanders – mit Hinterzimmertricks ausbooten, um der (Zitat Urban Priol) “Matratze der Wallstreet” freie Bahn zu verschaffen. Und das kommt davon, wenn “Progressive” sich lieber mit systemkompatiblen Wohlfühl- und Zeitgeistthemen (Pseudoproblemchen von ideologisch wohlgesinnten JungdynamikerInnen) beschäftigen und von der ursprünglichen – abgehängten, “überflüssigen”, in vieler Hinsicht unattraktiven – Zielgruppe nichts mehr wissen wollen. Dann suchen die Verschmähten sich halt neue Freunde…

    Man muss übrigens die Logik eines Systems und dessen Establishments, das einen ständig größer werdenden Teil seiner Bevölkerung als “redundant” höhnisch aussondert, aber gleichzeitig allgemeine, freie Wahlen durchführt und sich anschließend auch noch über entsprechende Ergebnisse wundert, nicht verstehen.

     
  7. pecas am 25.01.2017 um 17:12 Uhr 

    Offen gestanden hat mich das hier ausgebreitete ‘Yankee-and-Cowboy’- Narrativ von Anfang an wenig überzeugt – auch wenn es, das will ich zugegeben, einen ganz amüsanten Comic hergibt (den man in Folge 11 dann sicher auch einmal gut mit einer gephotoshoppten ‘Fear-and-Loathing-in-Las-Vegas’- Collage herpfeffern kann, wobei es freilich wieder ein wenig zuviel der frommen Hoffnung sein dürfte, dass man die beiden Puritaner Trump und Putin jemals tatsächlich in derartigem Saft zu Gesicht bekommen würde).

    Was Carl Oglesby bereits zum Schluss seines einleitenden Kapitels in Yankee And Cowboy War für den seinerzeit noch zukünftigen Entwicklungsrahmen im Hinblick auf die USA jenseits der Cowboy/Yankee-Dichotomie befürchtete, scheint mir in “Agent Orange” – mag er sich vielleicht für den Wahlkampf auch als Cowboy verkleidet gehabt haben – ein viel zutreffenderes Gesicht gefunden zu haben (was wiederum den offenkundigen Schock der europäischen, bislang schön auf die sakrosankte Gesichtslosigkeit bzw. Verborgenheit des Monsters, dem man dient, gestützten Eliten erhellt):

    “the threat of a cancerously spreading clandestine state within”

     
  8. k. berkas am 26.01.2017 um 11:50 Uhr 

    A reminder: 90% of all terror attacks in the U.S. were committed by non-Muslims, 80% by US citizens or legal residents:

    Most terrorist attacks in the US are committed by Americans — not foreigners
    http://www.vox.com/2015/11/23/9765718/domestic-terrorism-threat

     

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