Hillarys “House of Cards” wankt

Screen-Shot-2016-02-25-at-10.00.07-AM-1024x741Da hat der perfide Putin jetzt auch noch das FBI unterwandert und manipuliert in übler Despotenmanier die freien und  demokratischen Wahlen in den USA, indem er den offensichtlich unter seiner Kontrolle stehenden FBI-Direktor dazu bringt, zehn Tage vor der Abstimmung die Ermittlungen gegen Hillary Clinton wieder aufzunehmen. Auch die Generalstaatsanwältin wird mittlerweile offenbar von raffinierten Russen gesteuert, denn noch im Juli hatte sie sich diskret mit Bill Clinton getroffen und gleich danach das FBI angewiesen, die Ermittlungen gegen Hillary und die Clinton-Stiftung einzustellen.  Jetzt aber lies sie zu, dass ihr FBI-Direktor diesen Brandbrief an das Parlament schickte, nachdem neu gefundene Emails den Verdacht auf weitere Gesetzesbrüche der Kandidatin erhärtet hätten und weitere Ermittlungen notwendig machten.

Mit dem in der Geschichte der US-Wahlen einmaligen Ereignis steht Hillarys House of Cards vor dem Zusammenbruch. Hatten ihre Medienbattalione vor Kurzem noch einen zweistelligen Vorsprung in den Umfragen gemeldet, ist jetzt von nur noch von 2% die Rede, und wenn schon das “War Street Journal” bekundet: “She has built her own career monument of deception and public mistrust” kann man davon ausgehen, dass etwas Erntshaftes im Busch ist – die unsichtbare Regierung beginnt, sich von ihrer Favoritin zu distanzieren. Der als Gegenkandidat in dieser Freakshow aufgebaute Donald Trump ist aber für die Oligarchen genausowenig akzeptabel, glaubt zumindest ein ehemaliger Insider, Ronald Reagans Vize-Finanzminister Paul Craig Roberts:  “Vielleicht ist Trump, wie seine Feinde behaupten, nur ein weiterer Schwindel. So wie Obama die Wählerschaft hinters Licht geführt hat. Jedoch greift Trump die Oligarchie so stark an, dass schwer zu glauben ist dass er es nicht ernst meint. Trump bettelt um eine Kugel wie John F. Kennedy, wie Robert Kennedy, wie Martin Luther King oder wie George Wallace. In Amerika werden Dissidenten beiseite geschafft.”

Dass Trump ein wirklicher Dissident ist, darf bezweifelt werden – und eine Kugel bräuchte es gar nicht, ihn zu verhindern. Würde sich Madame Clinton morgen krank melden und Bernie Sanders auf den Schild heben hätte Trump keine Chance. Doch Bernie ist keine Alternative, weil die Masters of The Universe  jeden Hauch von Sozialdemokratie fürchten wie der Teufel das Weihwasser ist und nicht ruhen, bis auch der letzte Fleck Erde dem “freien Markt” ihrer neoliberalen Diktatur unterworfen ist. Trump ist da kein wirkliches Hindernis und sorgt allenfalls für Verzögerungen.

Ein weiterer Treppenwitz – nachdem schon der ganze email-Zirkus ja nur ins Rollen kam, weil die zickige Hillary vom Secret Service kein abhörsicheres Blackberry  wie Obama bekam und sich deshalb einen privaten Server einrichten lies – ist nun der email-Fund auf dem privaten Computer ihrer engsten Mitarbeiterin und “zweiten Tochter” Huma Abedin, der nur deshalb in die Fänge des FBI geriet, weil Humas Ehemann Anthony Weiner Sexnachrichten mit Minderjährigen austauschte. Diese Leidenschaft des ehemaligen Abgeordneten war nicht nur im Clinton-Lager lange bekannt, auch Trump sprach schon im April 2015 davon, dass Staatsgeheimnisse bei der Gattin eines “Perversen” nicht gut aufgehoben seien.  Abedin hatte noch im Sommer unter Eid bekundet, sämtliche Mails ihrer Chefin den Behörden ausgehändigt zu haben.

In die Tür und Exit (2)

der-fall-ken-jebsen-coverWie kommt es, dass einer der eigentlich Musikexperte und Rock’n Roll-Journalist ist, mit KenFM die erfolgreichste nutzer-finanzierte Plattform für politischen Journalismus im deutschen Internet macht ? Heute ein weiterer Vorabdruck aus meinem neuen Buch über die Reizfigur, das Phänomen, den Pionier Ken Jebsen (Teil 1 hier)

Zum einen beherrscht Ken Jebsen nach 25 Jahren Radio- und Fernseharbeit schlicht sein Handwerk, nicht nur als Reporter, sondern auch auf der technischen Seite, weshalb KenFM in jeder Hinsicht professionell sendet. Nicht im Klicki-Bunti-Stil von YouTube-Fastfood, sondern eher an die geistreichen Gespräche von Alexander Kluge erinnernd, oder auch wie sie einst Günter Gaus führte. Zum anderen sind es natürlich die Gäste, die Ken Jebsen einlädt und bei denen es sich oft um solche handelt, die aus dem öffentlich-rechtlichen Diskurs und den Großmedien ausgeschieden sind. Nicht weil sie nichts zu sagen hätten, sondern weil das, was sie sagen, unerwünscht ist und die herrschenden Politik- und Geschäftsinteressen stört. Ob Kritik an Waffenexporten oder Plädoyers für die Abrüstung, Kritik an den imperialen Kriegen der USA oder an der Konfrontation mit Russland oder am herrschenden Geldsystem oder an der Auste- ritätspolitik von IWF und Banken. Es sind Themen, die von der »Lückenpresse« gerne ausgespart werden, und Köpfe, die dort nicht zu Wort kommen, die das Programm bei KenFM füllen und zu Quotenrennern werden.
Der Falschbehauptung, er sei wegen Antisemitismus vom rbb entlassen worden, die von zahlreichen Medien ungeprüft wiedergegeben wurde, ist Ken Jebsen mittlerweile mit mehr als zwei Dutzend erfolgreichen Abmahnungen und Gegendarstellungen entgegengetreten. Doch diffamierender Dreck, einmal geworfen, bleibt gerne hängen, auch wenn die Weste wieder sauber sein sollte, zumal wenn er in den Echokammern der sozialen Medien weiter herumspukt. Nachdem Ken Jebsen dann als Privatmann auf einigen Friedensdemonstrationen, etwa den Montagsmahnwachen, gesprochen hatte, die im Zuge des eskalierenden Ukrainekonflikts stattfanden, wurde er von einigen Medien und in einer merkwürdigen Studie der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung zum Anführer einer Querfront stilisiert, in der Linksextreme und Rechtsextreme eine Koalition bilden würden.

Zur Last gelegt wurde ihm hier, dass er mit dem Herausgeber des Compact-Magazins Jürgen Elsässer verbunden sei. Der ehemalige Redakteur explizit linker Zeitungen wie Junge Welt, Konkret oder Neues Deutschland, der vor nicht allzu langer Zeit scharf nach rechts abgebogen ist und jetzt mit Fremdenfeindlichkeit, Islamhetze und Deutschtümelei die Kreise von Pegida und AfD bedient, hatte noch zuvor Ken Jebsen nach seinem Rauswurf 2012 angerufen und zu einer Veranstaltung seines gerade gegründeten Magazins eingeladen. Er wollte ihn zu der Intrige zu Wort kommen lassen, die zu diesem Rauswurf geführt hatte. Ein Angebot, das Jebsen nicht abschlagen konnte, denn kaum ein anderer Journalist hatte ihn dazu befragt. Als ihm Elsässer dann anbot, die Bühne seiner Compact-Veranstaltungen für Interviews zu nutzen, nahm er das ebenfalls an und interviewte ihn selbst auf KenFM zum Jugoslawienkrieg und zur NATO-Politik, Themen, zu de- nen Elsässer vor seinem Schwenk ins Deutsch-Nationalistische kenntnisreiche Bücher geschrieben hatte. Als jedoch Compact begann, eine deutsch-nationale Familienpolitik zu propagieren und dumpf rassistischen Wichtigtuern wie Akif Pirinçci Raum gab, zog Jebsen mit etlichen anderen ehemaligen Autoren mit einem offenen Brief die Reißleine und trennte sich von der fleischgewordenen Ein-Mann-Querfront Jürgen Elsässer.

Und doch ist Ken Jebsen in linken und linksliberalen Kreisen nach wie vor schlecht beleumundet. »Er ist eben an der rechten Flanke offen«, wie es eine Kollegin ausdrückte. Ähnliches habe ich in Kollegenkreisen öfter gehört, wobei dann auf Nachfrage aber nichts kam außer Gerüchten: Kontaktschuld mit Elsässer, Teilnahme an »Mahnwachen«, bei denen auch Ufologen auftraten, sowie die Diffamierung »antisemitisch«. Inhaltliches, Kritik am Programm von KenFM, konkrete Aussagen oder Beispiele für »rechtes« Gedankengut konnte mir keiner nennen. Was kein Wunder ist, denn wenn man das Archiv von KenFM durchforstet, ist davon absolut nichts zu finden. Im Gegenteil.

Mindestens zwei Tabus aber hat Ken Jebsen verletzt, deren Übertretung automatisch zum Ausschluss aus den Kreisen des sich seriös nennenden Qualitätsjournalismus führt. Er hat, noch zu seiner Zeit beim rbb, massive Zweifel an der offiziellen Geschichte der 9/11-Anschläge geäußert. Sollte dies ein Journalist nicht immer tun? Zweifeln an offiziellen Verlautbarungen? Und er hat auf KenFM nach den Bombardements in Gaza die rechts- extreme Politik der israelischen Regierung als »zionistischen Rassismus« scharf kritisiert. Beides ist in Deutschland verboten und wird von den Inquisitoren des politischen Diskurses mit Verbannung in die Schmuddelecke des Verschwörungswahns bestraft. Wer also wie Ken Jebsen der Nicht-Aufklärung des 9/11-Massenmords zum zehnten Jahrestag eine vierstündige Sendung widmet und mit seinem persönlichen Kommentar »Happy Birthday, Terrorlüge!« auch noch das schärfste Radiostück zum Thema liefert, das je über den deutschen Äther lief, muss sich nicht wundern. Auch wenn er doch eigentlich nur seinen Job als Journalist und Reporter macht und als Kommentator eine pointierte Meinung äußert. Doch weder Fakten noch Meinungen sind in der Tabuzone 9/11, der Mutter des »War on Terror«, erlaubt. Da duldet die neue Inquisition, ganz wie die alte, keine Abweichler oder Zweifler.

Fortsetzung folgt

“Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” (256 S., 18,00 Euro) ist ab sofort im Buchhandel und direkt beim Verlag erhältlich.

In die Tür und Exit (1)

24-10-16-2051-bildschirmkopieSeit diesem Wochenende ist mein neues Buch in den Buchläden erhältlich, bei dem ich aber weniger als Autor, sondern mehr als Geburtshelfer und Herausgeber tätig geworden bin. Denn “Der Fall Ken Jebsen” ist die Geschichte von Ken Jebsen, die er aber nicht zu Papier brachte, weil er Tag und Nacht für seinen Kanal KenFM unterwegs ist und arbeitet. Weshalb wir uns zwischen zwei Terminen im Sommer für drei Tage im Hotel Elbresidenz in Bad Schandau trafen und er mir seine Geschichte erzählte. In den nächsten Tagen werde ich hier einige Auszüge posten – in der Hoffnung, dass möglichst viele dadurch angeregt werden, das Buch zu kaufen und zu lesen. Und damit nicht nur die Unabhängigkeit des nutzer-finanzierten Internet-Kanals KenFM unterstützen, sondern auch diesen Blog, der ja nicht von Luft und Liebe leben kann, sondern seine Brötchen in der analogen Welt verdient, d.h. mit schwarz auf weißem Papier gedruckten Worten.

Was KenFM geschafft hat –  aus einer  GEZ-finanzierten Radioshow ein “crowd-gefundetes”, “community-supportetes” Journalismus-Portal zu machen – ist im Zeitalter der Zeitungs,- und Medienkrise und der im steilen Sinkflug befindlichen Auflagenzahlen der “Qualitätspresse” mehr als bemerkenswert. Und es war, wie alles im Leben des Ken Jebsen, gar nicht geplant, sondern begann mit einem Rausschmiss, der aber nicht zu einem Absturz führte, weil es sich bei dem Rausgeschmissenen um einen Fallschrimspringer handelte:  “Wir sagen als Fallschirmspringer ›In die Tür und Exit‹. Und das gab es in meinem Leben permanent: in die Tür und Exit. Du bist irgendwo drin, hast auch die Fähigkeiten, aber irgendwann musst du sagen: Jetzt raus! Du musst im wahrsten Sinne loslassen, in den freien Fall gehen, du brauchst Urvertrauen. Wo springst du da rein? In so ein Standbild aus vier Kilometer Höhe. Und so war das immer: als mein Vater die Kurve kratzte, auf der Waldorfschule, als ich bei der Bundeswehr dumm aufgefallen bin, als ich beim rbb rausflog. Überall: in die Tür und Exit. Und dann, bamm!, geht der Schirm auf. Und du denkst: Wow, das Ding kann man ja lenken, das hätte ich ja schon längst mal machen sollen.”

 

“Bis in die New York Times schlugen die Wellen, als Ken Jebsens Sendung »KenFM« 2012 nach über zehn Jahren beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) abgesetzt wurde, weil er angeblich den Holocaust leugnen würde. Nachdem er und seine Anwälte schnell richtiggestellt hatten, dass an diesem infamen Vorwurf absolut nichts dran war, ging er wieder auf Sendung. Doch bald darauf trennte sich das ARD-Radio »in gegenseitigem Einver- nehmen« von seinem Reporter, der in dem Jugendradio »Fritz« jeden Sonntagnachmittag vier Stunden Programm gemacht hatte. Der Grund war nicht die mangelnde Quote – KenFMs Mischung aus Pop und Politik zählte zu den beliebtesten Sendungen des Kanals –, sondern die politischen Themen, denen sich Ken Jebsen mit Reportagen, Interviews und Kommentaren ge- widmet hatte: der uranverseuchten Munition der NATO, den traumatisierten Afghanistan-Soldaten der Bundeswehr oder den Zweifeln an der offiziellen Darstellung der 9/11-Anschläge. Themen, die, wenn überhaupt, in den Medien nur am Rande auftauchen und mit spitzen Fingern behandelt wurden und werden, kamen bei KenFM nicht nur ausführlich vor, sondern im Mix mit Musik so aufbereitet, dass sie junge Menschen auch erreichten. Aber das war offenbar zu viel – nicht dem Publikum, sondern dem Sender, der eine faktenfreie Diffamierung zum willkommenen Anlass nahm, die Sendung und ihren unbequemen Macher loszuwerden.

Doch falls die Verantwortlichen mit diesem Rausschmiss erreichen wollten, solche unerhörten Themen unter der Decke zu halten, denen KenFM mit professionellem Journalismus Öffentlichkeit verschaffte, dann hatten sie ihre Rechnung ohne Ken Jebsen gemacht. Sowie ohne die Tatsache, dass dank des Inter- nets heute niemand mehr einen Sender und superteures Equip- ment braucht, um Radio oder Fernsehen zu machen und eine große Öffentlichkeit zu erreichen. Und so nahm sich Ken Jebsen einen Keller, baute mit privaten Möbeln ein kleines Studio auf und transferierte KenFM mit einem kleinen Team vom öffent- lich-rechtlichen Äther ins weltweite Netz. Und die Fans, die er in 545 Radiosendungen gewonnen hatte, transferierten ebenso, nämlich ihre Gebühren, mit dem sie den neuen Kanal freiwillig unterstützten und KenFM zu einem der erfolgreichsten crowdfi- nanzierten Journalismusprojekte im Internet machten. Nicht nur in Deutschland, auch in Russland, wo die von einem Fan seit zwei Jahren synchronisierten Sendungen schon Millionen von Klicks haben, von Südamerika bis in den arabischen Raum sind KenFM-Sendungen synchronisiert erreichbar – und das alles nicht von einem globalen Medienkonzern mit Milliardenvon oben inszeniert und kontrolliert, sondern selbstorganisiert von unten: von den Usern, der Crowd, der Community.

Dieser Zuspruch ist umso erstaunlicher, als dass das neue KenFM im Netz eine zentrale Säule der erfolgreichen Radioshow, Live-Bands und Musik, einfach gekappt hat und sich im Wesent- lichen auf politische Kommentare sowie Interviews und Ge- spräche beschränkt. Nicht mit Stars und Sternchen, sondern mit Wissenschaftlern, Schriftstellern und Intellektuellen, und nicht mal kurz für drei bis fünf Minuten, sondern über ein bis zwei Stunden, in denen nicht das neue Album oder eine Tour- nee zur Sprache kommen, sondern komplexe Themen der Geo- politik, der Finanzwelt, der globalen Ressourcen oder der Friedensforschung. Es ist letztlich nichts anderes als das gute alte Bildungsfernsehen, was KenFM macht. Ein Genre, das die Öffentlich-Rechtlichen, eigentlich per Gesetz primär dazu verpflichtet, verkommen ließen, als Füllmaterial in nächtliche Nischen abschoben und das angeblich als Quotenkiller gilt. Bei KenFM aber ist es ein Hit: stundenlange Gespräche mit Ökonomen, Soziologen oder Theologen kommen in kürzester Zeit auf sechsstellige Zuschauerzahlen. Wie das ?”

Fortsetzung morgen

“Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” (256 S., 18,00 Euro) ist ab sofort im Buchhandel und direkt beim Verlag erhältlich.

Der Fall Ken Jebsen

der-fall-ken-jebsen-coverAm 2. November erscheint das erste Buch des neuen fifty-fifty-Verlags. In Vertriebskooperation mit dem Westend-Verlag werde ich künftig als Herausgeber von fifty-fifty fungieren: “Programmschwerpunkte sind moderne Klassiker aus den Bereichen Politik, Psychologie und Geschichte sowie Bücher zu kontrovers diskutierten gesellschaftlichen Themen”, heißt es in der Ankündigung. Da paßt es, dass der erste Titel von einem der bekanntesten Journalisten des Landes stammt, der gleichzeitig so kontrovers diskutiert wird, wie kein anderer: Ken Jebsen. Sein TV-Kanal KenFM ist das erfolgreichste nutzer-finanzierte Journalismus-Portal im Netz, seine ausführlichen Interviews mit Wissenschaftlern, Autoren und Aktivisten erreichen sechstellige Zuschauerzahlen und auf Facebook hat KenFM mehr Fans als viele etablierte Medien. Gleichzeitig kursieren in diesen Medien und in den Echokammern des Netzes zahlreiche Vorwürfe, Ken Jebsen sei “rechtspopulistisch”, “antisemitisch” und Anführer einer ominösen “Querfront” – Vorwürfe, die ich bei Sichtung des Programms von KenFM in keiner Weise bestätigt finden konnte.  Genausowenig in den Interviews, die er mit mir zu meinen letzten beiden Büchern gemacht hatte, oder in den Gesprächen die wir  davor oder danach führten. Deshalb forderte ich ihn auf, diese Vorwürfe doch einmal richtig zu stellen und seine Position und Haltung klar zu machen, zum Beispiel in einem Buch. Gute Idee, meinte er, und dass er auch schon mal angefangen hätte das alles aufzuschreiben, aber er käme einfach nicht dazu. Bei dem Output, den er als Reporter, Moderator, und “Intendant” von KenFM liefert, wunderte mich das nicht. Und weil der Mann fraglos schneller denkt und spricht als er schreiben kann, schlug ich vor, dass wir uns an einem ungestörten Ort für ein verlängteres Wochenende treffen, und er mir alles erzählt: über sein Leben, seine Arbeit, seinen Rausschmiss bei der ARD und das Erfolgsgeheimnis von KenFM.

Das Ergebnis liegt ab kommender Woche im Buchhandel vor: “Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” (256 Seiten, 18 Euro), eine Sneak Preview auf das Vorwort gibt es hier und um Vorbestellungen beim Verlag  (notfalls auch bei den üblichen Verdächtigen) wird gebeten.

Die Clinton-Trump-Verschwörung

Screen-Shot-2016-02-25-at-10.00.07-AM-1024x741Heute ein Gastbeitrag meiner Kollegin Eva C. Schweitzer, die gerade ihr neues Buch “Trump Party: Der weiße Wahn. Wie Amerikas Neue Rechte nach der Macht greift” veröffentlicht hat.

Arbeitet Donald Trump heimlich für Hillary Clinton? In dieser Wahl, an Verrücktheiten und Verschwörungen nicht arm, scheint alles möglich. Dass Donald, gänzlich frei von gewachsenen Bindungen an die Republikaner, in Wirklichkeit ein Doppelagent der Clintons ist, ein Manchurian Candidate, ein U-Boot. das glauben immer mehr Amerikaner. Sie denken, Trump wolle gar nicht Präsident werden; sein eigentliches Ziel ist es, die Republikaner von innen heraus zu zerstören wie das trojanische Pferd die gleichnamige Stadt. Trump, die Geheimwaffe der Clintons!
Wie kann das sein? Natürlich kennen sich die Trumps und die Clintons. Schon lange. Trump ist New Yorker, und die Clintons wohnen im Staat; Bill hat sein Büro in Harlem. Da lädt man schon mal die örtlichen Baulöwen zum Spendensammeln ein. Und spenden für Politiker, das gehört in New York zum Geschäft. Vor allem für Demokraten, die Trump immer schon unterstützt hat: Hugh Carey, Mario Cuomo, Ed Koch. Es war auch Ed Koch, der langjährige Bürgermeister, der Trump und die Clintons einander vorgestellt hat. Trumps Anwalt und rechte Hand Roy Cohn war Demokrat. Und Peter Vallone, der demokratische Stadtratsvorsitzende, war lange auf Trumps Gehaltliste.
Und auch den Clintons hat Trump Geld gegeben, für die gleiche Stiftung, die er jetzt dauernd öffentlich schmäht. Und nicht nur das: Er hat die beiden auch zu seiner Hochzeit eingeladen, seiner dritten, mit seiner Frau Melania. Nach Florida. Das Foto zirkuliert schon seit einiger Zeit, alle lachen sich darauf an und sind glücklich. Spätestens das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Einer Golffreundschaft. Donald und Bill gehen nämlich zusammen golfen. Bill hat ein beachtliches Handikap und Donald ein paar beachtliche Golfplätze. Da kommt man schon mal ins Gespräch und wenn die Zeit beim Golfen nicht ausreicht, ruft man sich auch mal an. So rief Donald den Bill im Frühjahr 2015 an und ließ sich beraten (angeblich), ob er denn als Präsident kandidieren solle, und wie. Das Gespräch ist bestätigt, Donald und Bill streiten aber ab, dass es dabei um Politik gegangen sei. Sie hätten nur über Golf gesprochen. Na, wer weiß.
Und da sind die Kinder. Chelsea und ihr Mann Mark Mezvinsky, Ivanka und ihr Mann Jared Kushner. Beides Demokraten. Beide Paare feiern den Sabbat im Kreis der Familie. Gemeinsam. Schließlich gehören sie beide zur New Yorker Gesellschaft, die so groß dann auch wieder nicht ist. Ob die Eltern auch vorbeischauen? Beide Elternpaare? Schon der Enkel wegen, die bestimmt bald in den gleichen Kindergarten gehen.
Natürlich ist eine Korrelation keine Kausalität, und dass Bill Clinton seinem Parteifreund (oder früheren Parteifreund, seit ein paar Jahren ist Donald ja Republikaner) den Präsidentschaftsfloh ins Ohr gesetzt hat, mag sein, ist aber nicht beweisen. Allerdings wäre sowas nicht das erste Mal: Als Clinton 1992 in den Vorwahlen kandidierte, als Präsident für die Demokraten, hatte er zwei Mitbewerber, Paul Tsongas und Jerry Brown, der heutige Gouverneur von Kalifornien, beide links von Clinton. Tsongas gab vorzeitig auf, aber Clinton überredete ihn, seine Delegierten im Rennen zu behalten, damit die nicht zu Jerry Brown überliefen. Clinton gewann bekanntermaßen die Nominierung.
Und bisher hat Trump Hillary große Gefallen getan; vor allem hat er in der Vorwahl alle Republikaner, die ihr hätten gefährlich werden können, geschlachtet. In den Wikileaks-Emails, die in diesen Tage ans Licht kamen heißt es, Hillary habe mit ihren Vertrauten darüber diskutiert, dass ein extremer Kandidat am besten für sie sei, einer, der die Republikaner unwählbar mache. Wie Ben Carson, Ted Cruz oder Donald Trump.
Warum aber führt Trump jetzt aber so einen gemeinen Wahlkampf gegen Hillary? Wirklich? Er lässt eine seit langer Zeit umstrittene Kandidatin vernünftig und gefestigt aussehen. Und was er ihr politisch vorwirft, sind meistenteils olle Kamelllen. Und dass er dauernd betont, wie nahe Hillary der Wall Street steht, und wie sie den Linksaußen Bernie Sanders um seine Wahlchancen hat — wen soll das beeindrucken? Wall Street Kritiker wählen sowieso nicht Trump und Großspender aus der Industrie lassen sich nicht davon abzuschrecken, dass ein Kandidat angeblich zu nett zur Wall Street ist.
Warum aber macht Donald mit? Bestechen kann man ihn nicht, denn er ist ja reich. Ein mehrfacher Milliardär. Oder? Gut, so reich doch wieder nicht, dass er Steuern zahlt. So genau weiß das eigentlich keiner, aber Geld hat er schon. Vielleicht gibts noch etwas anderes, was er möchte. Etwas, was das Publikum nicht sieht. Ein Bauauftrag, eine Sendelizenz, ein Botschafterjob. Vielleicht reicht es ihm auch, ein Jahr lang der berühmteste Mann der Welt gewesen zu sein, und er zieht sich danach auf sein Landgut auf der Krim zurück. Ja, die guten alten Zeiten, als die Demokraten verdächtigt wurden, mit den Russen zusammenzuarbeiten, und nicht die Republikaner, aber ich schweife ab.Arbeitet Trump also heimlich daran, dass Hillary gewählt wird, indem er sich so schräg aufführt, dass er alle, die Kernwähler ausgenommen, abschreckt? Oder ist er nur eine Marionette des überschlauen Bill Clinton und will nicht wahrhaben, dass er Hillary indirekt hilft? Oder ist sein eigentliches Ziel, die Republikaner zu zerstören? Von innen heraus? Er hat bereits alle Parteifreunde, die ihn nach Pussygate nicht mehr unterstützen wollen, als scheinheilig beschimpft und Rache geschworen. Mit derlei Interna verbringt er mehr Zeit als mit Hillary. Und was passiert noch? Werden wir noch sehen, wie Trump, einem Alien gleich, durch den Magen von Paul Ryan bricht und das Blut an die Wand splattert? Beißt sich Ted Cruz in den Hintern, weil er Trump erst zu spät, dann zu früh unterstützt hat? Sitzen die Bush-Brüder in Dallas, und kichern? Und welche Ratte kann noch rechtzeitig das sinkende Schiff verlassen? Alles scheint möglich. Wir leben, wie die Chinesen sagen, in aufregenden Zeiten. Und die Chinesen, das weiß Trump, sind klug.

Dr. Eva C. Schweitzer

Kriegstreiber, Rattenfänger, Trumpeltiere

Kanzlerin Merkel will die Sanktionen gegen Russland verschärfen und den Bundeswehretat verdoppeln, während der Grüne Cem Özdemir Kampfeinsätze gegen Syrer und Russen fordert, weil “Putin und Assad Syrien in die Steinzeit zurückbomben”  – soweit die Durchsagen der schwarz-olivgrünen Kriegstreiberfront vom Wochenende.   Was das Essen betrifft sind unsere Sinne ja ganz gut geschult, ungesunde, verschimmelte, vergiftete Nahrung zu erkennen: Augen, Nase oder der Mund registrieren sie und wenn diese Security versagt, spuckt spätestens der Magen sie wieder aus. Bei der mentalenNahrung, mit der uns die Medien füttern, sind diese Abwehrmechanismen längst nicht so automatisiert.  Deshalb schalte ich immer öfter einfach ab. Weil mir sonst übel wird.  Nun ist von einem “Young Leader” der Transatlantikbrücke nichts anderes zu erwarten, als dass er brav den Schaum schlägt, den seine Mentoren in Washington anrühren, dass er aber so unverfroren auf den verfassungs,- und völkerrechtswidrigen Kosovo-Krieg verweist, an dem man sich in Sachen Syrien jetzt doch mal orientieren solle, wundert dann doch. Denn die Forderung einer “Flugverbotszone” bedeutet nichts anderes als ein Krieg mit Russland, das zusammen mit der syrischen Armee den Luftraum bereits kontrolliert. Und das auch nicht lassen wird, weil Onkel Sam das gerne hätte oder ein Pimpf wie Cem das fordert. Die Olivgrünen können somit nunmehr komplett – und über die maidanbesoffenen, russophobistischen Tanten Beck und Harms hinaus – als integraler Teil des  militärisch-industriellen Komplexes abgebucht werden

Dass Mutti Merkel weitere Sanktionen fordert hörte ich im Autoradio. Als Begründung wurde der “Anschlag auf den UN-Hilfskonvoi” angegeben, der meines Wissens bis dato ungeklärt ist, was aber nicht gesagt wurde. Sie hätte bei Obama angerufen und der hätte Unterstützung für die “härtere Linie” zugesagt, für die Merkel bei den “EU-Partnern” werben wolle. Tolle Wurst: als ob Merkel mit der Idee vorpreschen und Obama um Unterstützung bitten würde. Aber so erzählen es die Nachrichten. Der Hase läuft natürlich genau anderes herum: Washington hat in Berlin und bei den anderen Vasallen weitere Daumenschrauben gen Moskau angemahnt, weil die Operation regime change in Syrien schiefläuft und mit der absehbaren Befreiung Aleppos von Al Qaida-Söldnern mit einem Ende des Kriegs zu rechnen ist.

Unterdessen läuft die Wahlkampf-Farce um das Weisse Haus im Turbo-Modus. Niemand weiß, wieviel genau über die Wahl-Maschinen manipuliert wird, bei denen die Wähler/innen per Touchscreen wählen und ohne Quittung nach Haus gehen – schickt die UN eigentlich unabhängige Wahlbeobachter und IT-Forscher, um diesen Zirkus zu checken ? – aber vermutlich müßte Trump schon “landslide” gewinnen, um als Sieger aus der Wahl hervorzugehen. Weil GOP, für die “Grand Old Party” der Republikaner , mittlerweile mit “Grap Our Pussies” übersetzt wird, ist Trump in den Umfragen abgerutscht. Für die großen Medien, die sich sämtlich Pro-Hillary positioniert haben, ist Donalds sexistisches Super-Machogehabe jetzt DAS Thema, um die Wikileaks-Enthüllungen über die korrupten Clintons und ihre Stiftung sowie  den dokumentierten Betrug  der demokratischen Parteispitze (DNC) an Bernie Sanders zu übertünchen. Außer in einer versifften Bananenrepublik wäre jeder Kandidat nach solchen Veröffentlichungen unten durch, nicht so in Amerika – wo es eben ein heftig durchgeknalltes Trumpeltier als Gegenkandidaten gibt. Damit es den gibt, und keinen halbwegs seriösen Republikaner, dafür hat das Clinton-Lager mit  seinen Medienpartnern von langer Hand selbst gesorgt: “We need to be elevating the Pied Piper candidates so that they are leaders of the pack and tell the press to [take] them seriously,” schrieb Clintons Wahlkampfchef Podesta. Die Rattenfänger herausheben und von der Presse fordern  sie ernst zu nehmen.  Wenn unsere Kandidatin die Pest und eigentlich unwählbar ist, geht es nur, wenn auf der anderen Seite  eine noch unwählbarere Cholera steht – so die Überlegung des DNC. Und so kam es, dass der Springteufel Trump ein Dutzendfaches der Sendezeit seiner Mitbewerber bekam und überhaupt auf den Schild gehievt werden konnte.

Don’t think twice it’s allright !

bob-dylan

Der größte US-Lyriker des 20 Jahrhunderts, Bob Dylan, hat den Nobelpreis für Literatur bekommen. Und ich kann nur mit einem seiner berühmtesten Titel zustimmen: Don’t think twice it’s allright !  Vor 11 Jahren schrieb ich zum 40. Geburtstag seines ersten großen Hits, der um ein Haar gar nicht erschienen  wäre und 40 Jahre später zum besten Rocksong aller Zeiten gewählt wurde:  „Like a rolling stone”.

Im Studio A im Obergeschoß des Columbia-Buildings in New Yorks Seventh Avenue  nahmen die Top-Stars von Columbia Records ihre Platten auf.  Frank Sinatra hatte hier „New York, New York“ und Dutzende weitere Klassiker eingespielt und jüngere Künstler wie  Barbara Streisand oder  Andy Williams  („Moon River“) gerade ihre ersten Hits produziert. Die Musiker, die sich am 15. Juni 1965  dort mit Bob Dylan versammelt hatten, entsprachen nicht dieser amerikanischen Mainstream-Musik, die Columbia groß gemacht hatte. Nach vier Folk-Alben mit Balladen wie „Blowin’ in the wind“ und „The times they are a’changin“ hatte Dylan im April 1965 seinen ersten Rocksong „Subterrean Homesick Blues“ aufgenommen, doch war dieser unterirdische Heimwehblues – eine Litanei,die heute von Historikern als Ur-Musikvideo und Vorgänger des Rap gefeiert wird  – nicht im Enferntesten in die Chartränge vorgestoßen, die die Hits dieses Frühjahrs belegten: die Beatles mit „Eight days a week“ und die Rolling Stones mit „Play with fire“. Die britischen Bands hatten dem ur-amerikanischen Rhythm & Blues neues Lebens eingehaucht, doch an den „Majors“ wie der CBS-Tochter Columbia-Records war dieser Trend vorbeigerauscht. Schon 1955 hatte man dem Rock’n Roller Elvis Presley keinen Vertrag gegeben und  1963 auch das erste Beatles-Album abgelehnt. Und dass Bob Dylan an diesem Junitag 1965 mit „Like a rolling stone“ gerade den besten Rocksong aller Zeiten eingespielte, wollten die Plattenbosse nicht hören – jedenfalls nicht sofort.
Continue reading →

Russland zieht die rote Linie

Der Syrien-Experte Professor Günter Meyer gibt in diesem Interview eine realistische Einschätzung zur Lage des Stellverterterkriegs in Syrien – und hat auf die Frage, wer hier eigentlichen die Guten und die Bösen sind, eine ebenso realistische wie richtige Antwort: “Aus meiner Sicht sind die USA die Hauptverantwortlichen für diese humanitäre Katastrophe, die wir im Moment erleben. Seit der US-geführten Invasion im Irak 2003 haben die Regierenden in Washington eine falsche Entscheidung nach der nächsten getroffen und damit die gesamte Region ins Chaos gestürzt.” Nachdem Amerika nun die bilateralen Abstimmungen mit Russland abgesagt hat, droht das Chaos in Syrien weiter zu wachsen. Der Kessel um die von Al Qaida besetzten Teil von Ost-Aleppo zieht sich Tag für Tag enger, wie sich den aktuellen Frontberichten hier entnehmen läßt, die jeder als Antidot zu den Verdrehungen und Lücken der hiesigen Mainstreammedien zur Kenntnis nehmen sollte.  Ebenso wie diese ausführliche Analyse des Saker zur aktuellen Lage.

Schon seit langem und jetzt wieder hat die syrische Armee sowohl die Evakuierung der Zivilbevölkerung als auch die Amnestie für jeden sich ergebenden Jihad-Kämpfer angeboten – die Schlacht um Aleppo könnte morgen zu Ende sein, würden die USA ihre salafistischen Terror-Söldner zurück ziehen. Daesh und das ISIS- “Kalifat” wären dann ebenfalls in Kürze Vergangenheit, Assad bliebe bis zu Neuwahlen an der Macht und Syrien ein säkularer Staat inklusive  einer kurdischen Region mit besonderen Autonomierechten.

Das wäre fraglos eine Niederlage für das Imperium, etwas was für die “exzeptionalistische” Nation natürlich nicht in Frage kommt, schließlich ist man rüstungsmäßig dem Rest der Welt dutzendfach überlegen. Wie aber sähe ein Sieg aus ? Damakus und sogar das ganze Land zu Schutt und Asche zu bombardieren, wäre für die US-Airforce kein Problem. Aber was dann ? Die Kopfab-Jihadisten, die man gegen Assad aufgerüstet hat, an die Regierung ?  Nur ein militärisch-industrieller-Komplex, für den Krieg in Permanenz Geschäft bedeutet, kann eine solche Lösung favorisieren. Doch zu der wird es wohl auch nicht kommen, denn der Rest der Welt wird sich das nicht länger bieten lassen.

Dieser “Rest der Welt” steht in Syrien dem Imperium schon jetzt  in Form von 4+1 (Syrien, Iran, Russland, China + Hisbollah) gegenüber und wie es ausschaut, wird er nicht zulassen, dass das Empire of Chaos weiter wütet. Der US-Doktrin der globalen “Full Spectrum Dominance”, der gewaltsamen Formung einer unipolaren Welt, wird ein Riegel vorgeschoben. Russland hat unmißverständlich klar gemacht, dass es ab sofort eine Flugverbotszone über Syrien gibt, nämlich für US-Flugzeuge. Auch Cruise Missiles gegen syrische Einheiten haben keine Chance mehr gegen das “Höllensystem”, wie n-tv die mobile russische Luftabwehrwaffe S 300/400 nannte, die als beste der Welt gilt. Die Luftunterstützung, wie sie die Al Nusra-Söldner von ihren Herrn in Washington fordern, wird also nicht kommen. Oder frühestens, wenn Obama als lame duck durch Clinton und ihre bellizistischen Neocons ersetzt wird, im neuen Jahr. Bis dahin aber wäre Aleppo befreit und damit der Krieg verloren sowie die US-Hegemonie im Mittleren Osten beendet. Deshalb ist jetzt die Gefahr sehr groß, dass das Pentagon auf eigene Rechnung und ohne präsidiales OK  “Zwischenfälle” arrangiert, wie unlängst das Bombardement von syrischen Kasernen, oder dass versucht wird, mit  “False Flag”-Operationen wie den Giftgas-Einsätzen vor zwei Jahren  die “rote Linie” zu überschreiten, um die Lage weiter zu eskalieren.

Weil ich zum 100. Geburtstag von John F. Kennedy im kommenden Frühjahr  gerade eine Neuauflage des Buchs “JFK – Staatsstreich in Amerika” vorbereite, kam mir in letzter Zeit öfter die Kuba-Krise in den Sinn, in der die beiden Atommächte USA und UdSSR kurz vor einem nuklearen Krieg standen. Hätte Kennedy damals auf seine säbelrasselnden  Generäle gehört und einem regime change via Bombenteppich zugestimmt – vorbereitet durch die Operation Northwoods, die “False Flag”-Angriffe  auf US-Passagierschiffe vorsah – wären die Metropolen der US-Ostküste von einem Hagel nuklearer Mittelstreckenraketen zerstört worden. Dass solche Sprengköpfe in Kuba bereits installiert waren, war  dem Generalstab und auch der CIA  schlicht entgangen. (Sie erfuhren erst 40 Jahre später auf einer Konferenz in Havanna davon, als die Russen dies erstmals enthüllten.) Ihr Plan, die Insel in zwei Tagen zu erobern, wäre auf tragische Weise schief gegangen. Nur weil Kennedy hinter dem Rücken seiner schießwütigen Militärs im Geheimen mit Präsident Chrustschow verhandelte, blieb diese Katastrophe aus.

Solche Diplomatie wäre auch jetzt das Gebot der Stunde, nicht nur um die Tragödie in Aleppo zu beenden, sondern um weitaus größere Katastrophen verhindern. Dass sich noch weitere Staaten (Israel, Saudi-Arabien, Türkei) in diesem Krieg Landgewinne versprechen, macht die Sache nicht einfacher. Doch ein “Weiter So!” wird es für das Imperium jetzt nicht mehr geben – das Chaos in Afghanistan, im Irak, in Libyen und 1,5 Millionen Leichen sind auch wahrlich genug. Die rote Linie, die Russland gezogen hat, ist kein Bluff. Mehr als die halbe Welt steht dahinter. Amerika spielt bekanntlich Monopoly und Russland Schach.  Mit ihrem Lieblingsspiel kommen die Amis jetzt aber nur noch  um den Preis der “mutual nuclear destruction” weiter. Dass es heute, wie damals in JFKs Generalstab, durchgeknallte Militärs geben könnte, denen das egal ist, macht die Lage äußerst gefährlich.

Vorsicht, Verschwörungstheorie!

816UV-zrvQLJens Wernicke hat mich anläßlich der Neuerscheinung des “Lexikons der Verschwörungstheorien” zum Thema befragt:

Herr Bröckers, Verschwörungstheoretiker – das sind doch die Spinner und Irren, die an Aliens glauben und Unfug verbreiten. Und nun geben Sie für diese als Zielgruppe das „Lexikon der Verschwörungstheorien“ heraus – werden Sie jetzt unseriös?

Die erste Ausgabe dieses Lexikons erschien in den USA schon Ende der 90er Jahre und weil ich fast alles, was Robert Anton Wilson geschrieben hatte, sehr schätzte, suchte ich in Deutschland einen Verlag und gab die deutsche Ausgabe heraus.

Wilson hatte mit seinem Kollegen Robert Shea in den 70er Jahren den großartigen Verschwörungsschmöker „Illuminatus“ geschrieben, eine psychedelisch überdrehte Romantrilogie über die mächtigen und seit Jahrtausenden im Untergrund geheim agierenden Strippenzieher der Weltgeschichte, die „Illuminaten“, und ihre ebenso untergründigen Gegenspieler, die „Diskordianer“.

Wilson wurde dann von vielen Lesern immer wieder darauf hingewiesen, dass nicht nur an den Realitätspartikeln, aus denen er seine fiktive Story zusammengebaut hatte, etwas dran war, sondern auch an den Zusammenhängen. Und dass man eigentlich nicht mehr unterscheiden könne, was nun wahr und was falsch sei.

Das erfreute den anarchistischen Erkenntnistheoretiker Wilson natürlich ungemein, und so entschloss er sich, mehr als zwanzig Jahre später mit diesem Lexikon noch eins drauf zu setzen:

„Du solltest die Welt als eine Verschwörung sehen, die von einer sehr eng verbundenen Gruppe nahezu allmächtiger Leute betrieben wird, und du solltest daran denken, dass es sich bei diesen Leuten um dich und deine Freunde handelt.“

Mit dieser Betriebsanleitung enthüllte er, was hinter all seinen Masken und Spiegeln, die vom Ironiker zum Philosophen, vom Witzbold zum Psychologen reichen, vom Wissenschaftler zum Poeten und vom Dokumentaristen zum Reporter, den Kern aller seiner Bücher ausmacht: die Anregung zum Selbstdenken. Also jenseits des Zauns der herrschenden Dogmen und etablierten Wahrheiten. Das wurde und wird von den Autoritäten, die sich darin wohl eingerichtet haben, grundsätzlich nicht gern gesehen und um ihre Dogmen, ihre Wahrheiten, ihren Unfug als „normal“ zu verteidigen, müssen sie alle anderen als Verrückte, als Irre, als Ketzer bezeichnen.

Wer vor ein paar Jahren die Belege und Indizien dafür angeführt hätte, dass die NSA sämtlichen E-Mail- und Mobilfunk-Verkehr bis zum Handy der Kanzlerin abhört, wäre sofort als böswilliger, antiamerikanischer „Verschwörungstheoretiker“ abgekanzelt worden.

Es gibt also a) Verschwörungen und das Buch listet sie b) alle auf…?

Natürlich gibt es Verschwörungen, und natürlich listet das Buch die nicht alle auf. Wichtig ist dem Autor und auch mir als Herausgeber, die Diskurse der Macht mit all ihren Verdrehungen sichtbar zu machen.

Das Buch stiftet Verwirrung, aber eine heilsame, denn es zeigt, dass vermeintlich klare und wahre Offensichtlichkeiten nicht mehr so klar und wahr sind, wenn man etwas genauer hinschaut…

Weiter gehts auf den Nachdenkseiten.

Hier das komplette Interview als PDF