“Das Handwerk des gelegentlich unbotmäßigen Zweifels”

“Dabei ist Bröckers Sündenregister der Versäumnisse und Widersprüche bei der Aufklärung des 11. September weder antiamerikanisch noch verschwörungstheoretisch. Der Autor konstruiert keine Antworten, sondern er besinnt sich einzig auf eine uralte journalistische Tugend: auf das Handwerk des gelegentlich unbotmäßigen Zweifels.” – so  urteilte “Titel, Thesen, Temperamente”  über das neue Buch gestern abend im Ersten. Sehr zutreffend,  wie ich finde, aber möglicherweise auch nicht vorteilhaft was die Journalisten betrifft. Denn wenn einem unbotmäßigen Zweifler uralte journalistische Tugenden bescheinigt werden heißt das ja wohl, dass die eilfertigen Ja-Sager und Abnicker  ihr grundlegendes Handwerkszeug in Sachen 9/11 schlicht außer Acht gelassen gelassen, sprich: gefuscht, geschlampt, versagt haben. Continue reading →

9/11 – Zehn Jahre danach

(1 Update) Wenn ein neues Buch frisch aus der Druckerei kommt steht am Anfang immer die optische und olfaktorische Prüfung – Anschauen und Bechnuppern, dann wird ein bißchen geblättert, das Papier befühlt und kontrolliert, ob die letzten Korrekturen auch wirklich drin sind. Und wenn alles stimmt freut sich der Autor wie Mr. Natural nach dem Abwasch : “Just another job well done!” Was in diesem Fall noch mit einem besonderen Aufatmen verbunden ist, denn dieser Job war echte Steinbrucharbeit: monatelange “Unter Tage”-Maloche in Akten,- und Dokumentenbergen, mühseliges Vorantreiben neuer Stollen und stetige Gefahr, von herabstürzenden Materialbergen verschüttet zu werden. Continue reading →

Buchhaltung (1)

“Buchhaltung” – unter diesem Titel  will ich an dieser Stelle gelegentlich die lesenswerten Bücher würdigen, die hier vom Schreibtisch oder Nachttisch ins Regal wandern, also behalten werden. Für ausführliche Rezensionen fehlt meist die Zeit, deshalb sollen kurze Hinweise genügen.

Werner Pieper gebührt nicht nur der Verdienst, mit  seiner Hilfsorganisiation für gefangene Hanf-Händler, der “Grünen Kraft”, einst den Markennamen der Grünen etabliert zu haben, anders als die später gegründete Partei ist er auch nicht “realpolitisch” zur Unkenntlichkeit (und Überflüssigkeit) mutiert, sondern macht nach wie vor ein “grünes” und geistreiches Verlags-Programm, die “Grünen Zweige”. Zuletzt erschien dort “Der Gammler” von Brummbär, der erste Teil der Autobiographie von Bernd B., der sich 1964 der Prä-Hippie und Prä-68er-Jugendbewegung der “Gammler” anschloß,   sich als Pflastermaler, Überlebenskünstler und Experte für das damals legale (und tripartig wirkende) Hustenmittel Romilar durch Europa schlug. Continue reading →

The Science Of Spying

Ein Privatflugzeug hatte am Samstag Funkkontakt verloren, sich dem Feriensitz des US-Präsidenten auf  6 Meilen genähert und wurde abgefangen: “F-15 fighter jet intercepts plane near Obama’s Camp David location” .  Geht also, wenn man will – wie es abläuft, wenn man nicht will, steht in unserem neuen Buch “11.9 – Zehn Jahre danach” das Ende kommender Woche ausgeliefert wird.

Warum man manchmal nicht will – bzw.  warum Kriminalität, Betrug, Bestechung, Lügen und Attacken unter falscher Flagge zum selbstverständlichen Arsenal der Geheimdienstarbeit gehören erklären Allan Dulles und andere CIA-Urgesteine in dem folgenden  (von Cryptome ausgegrabenen) historischen Streifen – wobei derlei Schweinereien natürlich nur im Kalten Krieg zur Anwendung kamen, heute wird so etwas garantiert nicht mehr gemacht.

CIA atmet auf: Foltern ist o.k.!

Da völkerrechtliche und rechtsstaaliche Minimalstandards im US-Imperium  kontinuierlich vor die Hunde gehen, können jetzt auch die Folterknechte der CIA beruhigt sein: von 101 Fällen “verschärfter” Verhöre, die von der Staatsanwaltschaft zwei Jahre lang untersucht wurden, kommt es in 99 nicht zu einer Anklage. Da es sich bei den anderen Fällen um Folterspezialisten privater Vertragsunternehmen handelt, können die CIA-Folterer nunmehr offiziell aufatmen. Continue reading →

Das V-Wort

“While we were not watching, conspiracy theory has undergone Orwellian redefinition. A “conspiracy theory” no longer means an event explained by a conspiracy. Instead, it now means any explanation, or even a fact, that is out of step with the government’s explanation and that of its media pimps”

Paul Craig Roberts’ Beschreibung des Orwellschen Neusprech trifft den Punkt:  der Begriff  “Verschwörungstheorie” hat nichts mehrmit seinem eigentlichen Gegenstand zu tun, dem  Erklärungsversuch einer Verschwörung, sondern dient als diskreditierende Bezeichnung für unerwünschte Abweichungen von der herrschenden Meinung.Wie  hier ausführlich beschrieben handelt es sich dabei nicht nur um den Mißbrauch eines Begriffs sondern auch um den eines analytischen Werkzeugs.Continue reading →

Grimme-Preis für GuttenPlag

“Wie die technologischen Fortschritte der Web-Kommunikation Vertreibung  von “freundlichen” Diktatoren wie Ben Ali, Mubarak (und hoffentlich weiteren) erleichterte, hat  web-basierte Kollaboration  nun auch die Enttarnung  von “sympathischen” Blendern, Täuschern, Bauernfängern befördert – wem die wichtigsten Grimme,- und  Medienpreise 2011 gebühren  sollte damit klar sein…” hieß es in  diesem Blog am 21. Februar.  Jetzt hat das  GuttenPlag-Wiki den Grimme-Online-Award erhalten.

1 : 118 000 000 000 000 000 000 000 00

Das US-Distriktgericht Manhattan hat eine “nolle prosequi”-Order in Sachen Osama Bin Laden erlassen: der Angeklagte wird nicht weiter verfolgt, sämtliche Anklagen werden fallengelassen. So weit, so gut – und justizüblich nach dem Tod eines Angeklagten. Wobei sich das Gericht, dem vom Verteidigungsministerium Beweise dafür vorgelegt wurden, dass es sich bei dem am 2. Mai in Pakistan erschossenen  Verdächtigen wirklich um Osama Bin Laden  handelt, ausgesprochen sicher ist: “‘The possibility of a mistaken identification is approximately one in 11.8 quadrillion.”. Eine Quadrillion ist eine Eins mit 24 Nullen – wir dürfen also beruhigt sein, was eine mögliche Verwechslung betrifft: OBL ist tot, Akte zu! Dass in dieser Akte keine Beweise für eine Beteiligung Bin Ladens an den 9/11-Anschlägen enthalten sind und auch dem FBI solche nicht vorliegen – geschenkt!

Update: Auch der Bundesregierung ist es schnuppe, ob OBL etwas mit 9/11 zu tun hatte. Sie verweist, auf eine Anfrage der Linkspartei, auf einen “einschlägigen internationalen Haftbefehl” (in dem von 9/11 keine Rede ist), und auf die Video- und Audiobotschaften  in denen er sich “wiederholt als Verantwortlicher bekannt” hat (was nicht der Fall ist).

Opium Wars

Dass England “durch den Druck der gesamten zivilisierten Welt” gezwungen werden muß, “den Zwangsanbau von Opium in Indien und dessen gewaltsame Verbreitung in China einzustellen,” forderte 1858 der Londoner Korrespondent der New York Herald Tribune, Karl Marx,  doch es sollte noch mehr als ein halbes Jahrhundert dauern, bis das britische Empire auf seine lukrativste koloniale Profitquelle verzichten mußte – und dann auch bald kein Empire mehr war. Diese Rolle füllten dann die  amerikanischen “Cousins” aus, die das Drogengeschäft in Indochina von dem ebenfalls niedergehenden französischen Kolonialreich übernahmen und ihre derzeitigen Imperialkriege mit afghanischem Heroin finanzieren (siehe Eintrag unten). Die Opiumkriege dauern also bis heute an. Darüber, wie sie 1839 anfingen, zum Wochenende ein kleiner Web-Kinotip:  “The Opium War” , ein spannendes 2,5 stündiges Historiendrama, das bei seiner Entstehung 1997 die aufwändigste Produktion der chinesischen Filmgeschichte war – und trotz massiver staatlicher Förderung kein dumpfer Propagandafilm wurde.