Warum musste JFK sterben?
Am 22. November jährt sich der Mord an John F. Kennedy zum 60. Mal. Mein Buch “JFK- Staatsstreich in Amerika” ist aus diesem Anlass in einer aktualisierten Taschenbuchausgabe erschienen. Mit Roberto Lapuente vom Overton-Magazin habe ich darüber gesprochen.
Warum musste Kennedy sterben?
Armageddon now ?
Der UN-Generalsekretär António Guterres liest sicher nicht diesen Blog, auf dem am 20.Oktober darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Krokodile im Kaspertheater der Angst nur ohne Kontext funktionieren, aber er sagte genau dasselbe, als er darauf hinwies, dass der Terroranschlag der Hamas nicht “im luftleeren Raum” stattgefunden hätte. Und erntete wie Slavoj Zizek auf der Buchmesse wütende Proteste. Auch nur im Hinterkopf zu haben, dass die Attacken aus dem Ghetto Gaza etwas mit dem jahrzehntelangen Besatzungsregime zu tun haben könnte, gilt mittlerweile als Gedankenverbrechen. Selbst mit Fragen, wie weit Israels unabdingbares Recht auf Selbstverteidigung eigentlich geht und ob 3195 getötete Kinder in drei Wochen Gaza-Bombardement auch nach alttestamentarischen Maßstäben (“Auge um Auge”…) nicht wirklich genug sind, ist man schon auf gefährlicher gedankenverbrecherischer Spur.
Wer das neue Weltböse, die “Terrororganisation Hamas”, nicht explizit beim Namen nennt, wie Guterres, und schlicht zum Waffenstillstand aufruft, wie es die UN-Resolution tut, kann nicht auf Zustimmung aus Berlin zählen: 120 Länder stimmten der dafür, nur 14 von 193 Ländern stimmten unter Führung von USA und Israel dagegen und 44 enthielten sich, neben Deutschland auch Großbritannien und einige EU-Länder, Frankreich und Spanien jedoch stimmten der Resolution zu. Willkommen zum Ende der unipolaren Welt, die auch in den US-dominierten Vereinten Nationen von ihrem Schicksal ereilt wird. Der “Westen” verliert den “globalen Süden” und macht sich nach Russland und China nun auch die gesamte islamische Welt zum Feind, die eine ethnische Säuberung des Gaza-Streifens nicht tatenlos hinnehmen wird. Dass Präsident Netanjahu jetzt mussolini-artig im Schwarzhemd auftritt und den Kampf des “Volk des Lichts” gegen das “Volk der Finsternis” mit biblischen Prophezeiungen und dem Erzfeind “Amalek” beschwört, ist kein gutes Zeichen… die Welt steuert auf einen eschatologischen Endzeit-Wahnsinn zu. Mit mörderischen Fanatikern auf beiden Seiten.
Mittlerweile spricht einiges dafür, dass Israel die Attacke der Hamas, deren Vorbereitungen nicht unbemerkt geblieben sind, geschehen lies, so wie Roosevelt einst den Angriff auf Pearl Harbour oder George W.Bush 2001 die Attacke auf das World Trade Center. Es geht um den Eintritt in einen großen Krieg. Im Mittelmeer waren seit 1970 noch nie so viele US-und NATO-Kriegsschiffe versammelt wie aktuell, einschließlich zwei milliardenteuren Flugzeugträgern. Weil es für das Freiluftgefängnis Gaza keine solchen Waffen braucht, sieht Pepe Escobar den Iran als Ziel der Eskalation
Die für die US-Außenpolitik verantwortlichen Kriegstreiber, die nicht gerade Bismarcksche Vertreter sind, glauben, dass, wenn das Projekt Ukraine unerreichbar ist, das Projekt Endlösung in Palästina stattdessen ein”ethnischer Säuberung”-Spaziergang sein könnte.
Ein plausibleres Szenario ist jedoch, dass Iran-Russland – und die neue “Achse des Bösen” Russland-China-Iran – alles haben, um den Hegemon in einen zweiten Sumpf zu ziehen. Es geht nur darum, das eigene, verwirrte Hin und Her des Feindes zu nutzen, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihn in die Irre zu führen.Die Wunschvorstellung des Weißen Hauses, dass die “Forever Wars” in der Ukraine und in Israel demselben erhabenen “Demokratie”-Anspruch unterliegen und für die nationalen Interessen der USA unerlässlich sind, ist bereits nach hinten losgegangen – sogar in der amerikanischen Öffentlichkeit.
Das hindert die Israel-verbündeten US-Neocons jedoch nicht daran, das Tempo zu erhöhen, um den Iran zu provozieren – durch eine sprichwörtliche falsche Flagge, die zu einem amerikanischen Angriff führen würde. Dieses Armageddon-Szenario passt genau zur biblischen Psychopathie des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu. (übersetzt mit deepl.com)
Wenn solche Endzeit-Fanatiker über einen roten Knopf und Nuklearwaffen verfügen wäre es allerhöchste Zeit, zwei Männer im weißen Kittel und mit einem Sedativum zu schicken, um den Patienten in eine erholsame Heilanstalt zu verfrachten. Was aber leider nicht absehbar ist. Stattdessen wurde der wahnsinnige Plan geleakt, die über 2 Millionen Gaza-Bewohner in Zeltstädte nach Sinai zu deportieren.
Über all das und mehr habe ich mit Robert Fleischer und Dirk Pohlmann in der neuen Ausgabe des “3. .Jahrtausend” geredet.
JFK, CIA und der Krieg in Permanenz
“JFK – Staatstreich in Amerika” – mein Buch über den Mord an John F. Kennedy am 22.November 1963 – ist in dieser Woche in einer aktualisierten Taschenbuchausgabe erschienen.
Nach Obama und Trump hat sich jetzt auch Joe Biden geweigert, dem “JFK-Records-Act” Folge zu leisten, und bis 2017 sämtliche Behördenakten zu JFK freizugeben. Mehr als 4.600 Dokumente bleiben weiter unter Verschluss. Mit einem Erlass hat Biden weitere Veröffentlichungen unter einen “Transparenzplan” gestellt, der unter Aufsicht der…Trommelwirbel…Fanfare…der “Central Intelligence Agency” aka CIA steht. Mehr dazu im Buch und in den vielen Beiträgen hier auf dem Blog.
Mit Milena Preradovic habe ich im Schnelldurchgang über die lange Linie des deep state und des permanenten Kriegs vom Kennedymord bis heute gesprochen.
Mathias Bröckers, “JFK – Staatsstreich in Amerika”, WestendVerlag, Oktober 2023, 304 Seiten, 14 Euro
Die Rückkehr nach Eleusis
Beim Pax Terra Music-Festival habe ich im August einen kleinen Vortrag gehalten. Weil wir mit den Kollegen vom 3. Jahrtausend dort auch noch eine Live-Sendung machten, wollte ich nicht noch einmal über die aktuelle Lage am Ende der unipolaren Welt reden, wie es angekündigt war, sondern entschied mich kurzfristig to “something completly different”. Was aber zu Frieden, Erde und Musik sehr gut zu passen schien – ein Bogen über 2500 Jahre: vom Mysterium von Eleusis über Albert Hofmanns Entdeckung des LSD 1943 -vor 80 Jahren – bis in unsere Tage. Und über die wichtige Botschaft, die Eleusis hinterlassen hat – “Wenn du stirbst bevor du stirbst, wirst du nicht sterben wenn du stirbst” – an die sich unsere Gesellschaften domestizierter Primaten dringend erinnern müssen, bevor sie den Planeten vollständig in Schutt und Asche gelegt haben. Ausführlicheres zum Thema ist in meinem Essay “Die Rückkehr nach Eleusis” nachzulesen, sowie in dem Buch, das ich 2006 mit Albert Hofmann zu seinem 100. Geburtstag gemacht habe.
Das größte Geburtstagsgeschenk für ihn war damals nicht der Internationale Kongress zu seinen Ehren mit 2000 Besuchern in Basel, sondern die Zulassung der medizinischen Anwendung von LSD durch die Schweizer Gesundheitsbehörden. Sterben bevor man stirbt ist seitdem wieder legal, wenn auch nicht für alle, sondern nur für Schwerkranke; auch in den USA und in vielen anderen Ländern ist die psychedelische Medizin mittlerweile zurück gekehrt. Die Forschungen und Erkenntnisse, die Professor Timothy Leary einst zum “Staatsfeind Nr.1” gemacht hatten sind mittlerweile Standardprozedur in Kliniken und Arztpraxen.
„Glückselig ist der von den Menschen auf Erden, der das geschaut hat: Wer nicht in die heiligen Mysterien eingeweiht wurde, wer keinen Teil daran gehabt hat, bleibt ein Toter in dumpfer Finsternis.“ heißt es schon in den Hymnen Homers und später bei dem Tragödienautor Sophokles »Dreifach glücklich sind jene unter den Sterblichen, die, nachdem sie diese Riten gesehen, zum Hades schreiten; ihnen allein ist dort wahres Leben vergönnt.« Auch bei seinen philosophischen Zeitgenossen Platon, Sokrates und anderen findet sich nicht mehr als solche raunenden Andeutungen – es war bei strengen Strafen verboten, über die Erfahrung in Eleusis zu schreiben oder zu sprechen. Ehrfurchtgebietende, dunkle Äußerungen wie diese liegen in großer Zahl vor, doch was sie rechtfertigte, welche Offenbarung die Teilnehmer derart überwältigte, dass sie selbst den Tod für überwunden glaubten – dieses Geheimnis blieb auch nach dem endgültigen Niedergang der athenischen Kultur verborgen. Selbst römische Kaiser wie Marc Aurel und Hadrian, die zu den Eingeweihten zählten, hielten sich an das Schweigegebot, und von Cicero, der nach Eleusis gepilgert war, ist gleichfalls nur ein raunendes Zeugnis überliefert: “Nicht nur haben wir dort den Grund erhalten, dass wir in Freude leben, sondern auch dazu, dass wir mit besserer Hoffnung sterben.”
Weder mit einer rituellen Theateraufführung – die Einweihung fand in einer stockdunklen Halle statt – noch mit einem Becherchen Wein – wie es den Initianten beim Eintritt in das “Telestrion” gereicht wurde, – hätte das Mysterium von Eleusis fast 1500 Jahr lang Menschen derart beeindrucken können – es war das psychedelische Gebräu der Demeter, das aus Mutterkorn zubereitet war. Demselben Pilz, in dessen Alkaloiden Albert Hofmann 1943 das LSD entdeckte und diese Spur 1978 mit Gordon Wasson und Carl Ruck nach Eleusis zurückverfolgte. Ihr Buch dazu -” Der Weg nach Eleusis – Das Geheimnis der Mysterien”- ist gerade wieder neu erschienen.
Kein Kontext – nur Krokodile
“Ich habe etwas Merkwürdiges festgestellt: Sobald man anfängt, den komplexen Hintergrund der Situation zu analysieren, wird man verdächtigt, den Terrorismus der Hamas zu unterstützen oder zu rechtfertigen. Ist uns klar, wie merkwürdig dieses Analyseverbot ist? In welche Gesellschaft gehört ein solches Verbot?”
Mit diesem Hinweis löste Slavoj Zizek mit seiner Rede bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse Tumulte im Publikum aus. Nun redet der Philosoph und Psychoanalytiker oft und viel und gern auch mal ziemlichen Unsinn – wie zur Ukraine oder in Sachen “Pandemie”, als auch Jürgen Habermas und andere prominente Intellektuelle sich als analytische Versager entpuppten und dem “Stockholmsyndrom” zum Opfer gefallen waren. Dass aber jetzt schon der banale Hinweis auf “audiatur et altera pars”, auf den fundamentalen Grundsatz, dass jede angemessene Beurteilung immer beide Seiten berücksichtigen muss – wenn schon solche Selbstverständlichkeiten öffentlich nicht mehr geäußert werden können ohne beim hochmögenden Hochkulturpublikum zum Skandal zu werden, dann sieht es wahrlich finster aus im freien Werte(hof)-Westen. Will sagen: beim Recycling klassischer Werte und Werkzeuge der Wahrheitsfindung, den Methoden aufgeklärter, praktischer Vernunft muss einiges sehr schief gelaufen sein, wenn ein anerkannter Kopf wie Zizek mit ein paar Selbstverständlichkeiten das Buchmessenpublikum erschrecken kann, wie Oskar aus der Mülltonne die Kinder in der Sesamstraße.Und der Direktor der Show die lieben Kleinen zum Abschluss noch mal erinnern muss, dass es einmal so etwas wie die “Freiheit des Worts” gab. Aber damit rasch ins Bett oder vor die Glotze und weiter träumen, von bösen, animalischen Palästinenser:Xinnen und guten, menschlichen Israeli:Xinnen. Und dass unser großer Onkel Sam schon alles richtig macht wenn er jetzt Flugzeugträger an die Küste verlegt…
Dass ausgerechnet auf einer Buchmesse der Hinweis auf die unverzichtbare Notwendigkeit von Kontext und Hintergrund skandalisiert und ausgebuht wird, hat mehr als nur ein “Geschmäckle”, es indiziert die mittlerweile vollkommene Infantilisierung des öffentlichen Diskurses. Die schon im Zuge der Pandemie und des Kriegs in der Ukraine perfektionierte Desinfektion des Meinungskorridors erreicht damit fraglos einen weiteren Hygiene-Höhepunkt: nicht nur “Querdenken” – einst gesuchte Kompetenz in allen Unternehmen – wird diskriminiert, jede Art von Analyse wird verboten.
“Ist uns klar, wie merkwürdig dieses Analyseverbot ist? In welche Gesellschaft gehört ein solches Verbot?” hat Zizek gefragt, aber seinem infantilisierten Publikum ist das ganz offensichtlich nicht klar – es wähnt sich stets und eindeutig bei den Guten. Das “Wer nicht fragt bleibt dumm” aus der Sesamstraße haben sie in der “Mehrkomponentenwertstofftonne” entsorgt. Wenn auf der Bühne des medialen Kaspertheaters das Krokodil auftaucht, muss man ja auch wirklich keine Frage stellen, egal ob es Al Quaida, Covid, Putin oder Hamas heißt, Krokodil ist schließlich Krokodil und immer gefährlich und böse. Aber zum Glück wissen die amtierenden Kasper immer was zu tun ist um das Publikum von dem Bösen zu erlösen…bis es dann “See you later alligator” klingt und das nächste Krokodil durchs mediale Dorf getrieben wird. “Krieg in Permanenz” heißt der profitable Zirkus und funktioniert nur, wenn schreckliche Krokodile Schrecken verbreiten und niemand sie mit “Wieso? Weshalb? Warum?” in Frage stellt. Sie müssen aus heiterem Himmel auftauchen, ohne Ursache, Motiv, Hintergrund…ohne Kontext. Nur aus allen Zusammenhängen, jeder Komplexität, jeder Geschichte gerissen zeigen sie Wirkung. Und wehe jemand wagt, wie Slavoj Zizek eine harmlose Frage zu stellen, da saust ihm wie vom Kasper mit “Ho Ho Ho” die Klatsche die Holocaust-Keule ins Genick: als Hamas-Verharmloser, Judenfeind und Antisemit.
Um das strikte, kontextfreie Schwarz-Weiß-Narrativ nicht zu gefährden wurden in der Schweiz jetzt vorsorglich pauschale Demonstrationsverbote erlassen. Dass vom Publikum zwei Krokodile gefordert werden, kann nur zu Verwirrung führen, mehr als ein akut gefährliches Monster auf der Bühne wäre eine Überforderung. Kriegsverbrechen auf beiden Seiten anzuprangern geht gar nicht, oder nur dort, wo man mit der grauenhaften Realität konfrontiert ist – in Israel. – und nicht mit Kaspertheater. An Berliner Schulen wird unterdessen das Tragen des Palästinenserschals verboten:
“Am 13. Oktober erhielten alle Berliner Schulleitungen, Schulämter und Schulaufsichtsbehörden ein Schreiben der Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) mit dem Titel: “Umgang mit Störungen des Schulfriedens im Kontext des Terroranschlages in Israel”.Schulleitungen und Lehrkräfte sind nun aufgefordert, alle “Symbole, Gesten und Meinungsäußerungen” zu verbieten, die “noch nicht die Grenze zur Strafbarkeit erreicht haben”. Darunter fallen unter anderem das “sichtbare Tragen einschlägiger Kleidungsstücke” wie der Kufiya, der traditionellen arabischen Kopfbedeckung, oder auch Aufkleber mit der Aufschrift “Free Palestine”. Lehrer werden zudem aufgefordert, “im Verdachtsfall” ihre Schüler “unverzüglich” bei der Polizei anzuzeigen.”
In welche Gesellschaft gehören solche Verbote ? Wäre ich noch ein leicht renitenter Oberschüler wie vor der Reifeprüfung, hätte ich mir so ein inkriminiertes T-Shirt besorgt und es mit dickem Filzstift durchge-ixt und vielleicht noch BEFEHL IST BEFEHL! darunter geschrieben…
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Zuletzt erschienen:
Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt, Fifty-Fifty (Oktober 2022), 288 Seiten, 20 Euro
Der internationale Bestseller über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:
Die Reifeprüfung
Dass mein Gymnasium, die Tilemannschule Limburg, die schriftlichen Abiturarbeiten ein halbes Jahrhundert lang archiviert, hätte ich nicht gedacht, doch am vergangenen Wochenende bekam ich sie mit weiteren Veteranen ausgehändigt. Samt der Beurteilungen der zuständigen Lehrer und was der arme Herr Schilling mir hier bescheinigt, kann ich nur unterschreiben. Ich hatte ihn schon in den letzten beiden Schuljahren frustriert, weil ich Griechisch-Übersetzungen verweigerte, bei Klassenarbeiten leere Blättrer abgab, und ins Café entschwand. Eine Eins in Deutsch war mir sicher, damit konnte ich die Sechs im Hauptfach Griechisch ausgleichen, bei den letzten beiden Versetzungen und auch im Abitur, in den anderen beiden Hauptfächern Latein und Mathe war ich mindestens ausreichend, es konnte also bei den Prüfungen eigentlich nichts anbrennen. Aber ein leeres Blatt abzugeben, davon war mir wg. Verweigerungshaltung abgeraten worden, also entwarf ich ein Phantasiegemälde, nachdem ich mir anhand von ein paar geläufigen Vokabeln eine rote Linie zusammengereimt hatte. Und schrieb munter über Staatskunst und Gerechtigkeit drauf los. Weil die Übersetzung auch noch kommentiert werden musste, folgten nochmals 1,5 Seiten, auf denen ich meinen erfundenen Quatsch interpretierte. “Hat nichts mit dem Original zu tun !” stellte Zweitgutachterin Frau Dr. Schwind dazu sehr richtig fest. Leider war das Original nicht dabei, aber ich werde die Stelle ausfindig machen um Fakten und Fiktion zu vergleichen.
Die Sechs in Griechisch ging auf jeden Fall in Ordnung und weil ich alle mündlichen Prüfungen zwecks Verbesserung der Noten ablehnte, hatte ich ab Mitte April schulfrei und stieg gleich bei der Deutschen Bundespost ein, Paketpost am Bahnhof, wo ich mit der Elektrokarre die Postsäcke aus den Zügen holte während die Kollegen noch zwei Monate lang mit Schultasche den Gymnasiumsberg hoch trotten mussten. Die feierliche Überreichung der Zeugnisse mit Orchester, Tralala und Reden war ein, zwei Jahre zuvor abgeschafft worden, weil es irgendwelche Randale gegeben hatte. So fand sie dann ganz unzeremoniell durch den Klassenlehrer statt und ich konnte das Papier in der Pause schnell abholen, in meiner Arbeitsjacke mit Posthorn. Trotz ungenügendem Griechisch war ich schnell zum Briefzusteller aufgestiegen und bekam zu dem ohnehin sehr guten Lohn noch Zuschläge und Trinkgelder! Letztere vor allem, weil Lottogewinne noch bar vom Briefträger ins Haus gebracht wurden. Meinen Gewinn, das Zeugnis der Reife, habe ich dann ein einziges Mal im Leben, bei der Immatrikulation an der Universität, vorzeigen müssen. Es schlummert seit 50 Jahren irgendwo in einem Schrank. Non vitae sed scholae discimus!
Palästina schlägt zurück
Ich bin gerade auf verschiedenen Baustellen sehr beschäftigt und kann weder den Nachrichten aus der Ukraine noch denen über den seit Samstag tobenden Krieg in Palästina wirklich folgen. Hier deshalb nur ein paar Anmerkungen und Links zu interessanten Artikeln:
- merkwürdigerweise wurde die direkte Vorgeschichte der palästinensischen Angriffe auf Israel am 7. Oktober in den westlichen Medien gar nicht gemeldet: Am 5. Oktober hatten 800 israelische Siedler und Extremisten unter Schutz der israelischen Armee die Al-Aqsa-Mosche auf dem Tempelberg in Jerusalem gestürmt, die heiligste Stätte des Islams in Palästina, die eigentlich nur muslimischen Pilgern zugänglich ist.
- auch die lange Vorgeschichte des aktuellen Kriegs mit Zehntausenden Toten und Millionen Vertriebenen wird in den westlichen Narrativen über den “unprovozierten Angriff” unterschlagen, hier ein kurzer Überblick.
- warum sich die militante, fundamental-religiöse “Hamas” im Gaza-Streifen, dem größten Freiluft-Gefängnis der Welt, überhaupt etablieren konnte, machte der israelische Geheimdienstchef 2007 deutlich – wie aus einer von Wikileaks publizierten Depesche hervorgeht: “Israel would be happy if Hamas took over Gaza because IDF could then deal with Gaza as a hostile state”.
- Ich schrieb 2012 hier auf meinem Blog dazu: “Wenn ein Palästinenser-Führer einen permanenten Waffenstillstand mit Israel vorbereitet – wie der militärische Chef der Hamas-Regierung in Gaza, Ahmed Jabari, in der vergangenen Woche – und dann durch einen israelischen Bombenanschlag ermordet wird, lässt das eigentlich nur einen Schluss zu: an Frieden besteht auf Seiten Israels kein Interesse.”
- dass Hamas von den israelischen Geheimdiensten Mossad und Shin Beth komplett unterwandert sein könnte und es sich bei den Attacken um eine Flase Flag Operation handeln könnte, wird derzeit spekuliert, unter anderem von Paul Craig Roberts. Dass seitens der USA Ablenkung vom verlorenen Ukraine-Krieg, seitens Israel Netanjahus anstehende Wiederwahl und ignorierte Vorwarnungen durch Ägypten dafür sprechen könnten, wie auch die angebliche “Überraschung” durch Massen von Waffen in einem völlig ummauerten und total überwachten Gebiet – diese Informationen reichen nicht aus, um False Flag- Theorie valide zu begründen.
- Moshe Zuckerman schreibt über das “Debakel mit Folgen”:
“Bei allem Pathos und Entsetzen angesichts des Eingetretenen muss man den Vergleich mit Jom Kippur ablehnen. Denn 1973 war Israel in seiner Existenz bedroht. Man bedenke, dass selbst Mosche Dajan am zweiten Tag nach Kriegsausbruch vom »Untergang des Dritten Tempels« sprach (nach dem Untergang der beiden ersten Tempel in der Antike galt die Errichtung des Staates Israel als der Dritte Tempel). Die USA richteten eine Luftbrücke mit massiven Waffenlieferungen nach Israel ein. Und es heißt, selbst ihre (nuklear bewaffnete) sechste Flotte im Mittelmeer sei in Bereitschaft versetzt worden. Davon kann diesmal nicht die Rede sein. Israel ist durch den Angriff der Hamas nicht in seiner Existenz bedroht, obgleich es einen empfindlichen Schlag erlitten hat und die Schockwirkung noch anhält und vermutlich noch lange fortdauern wird.Eine unmittelbare Auswirkung ist gleichwohl zu verzeichnen. Die Protestbewegung (Bild oben vom 30.9.2023), die Israels gesellschaftliche Opposition zur Regierungspolitik in den vergangenen neun Monaten so eindrucksvoll geprägt hat, ist momentan paralysiert. “
3JT #96: Ein Jahr Nordstream
Der Anschlag auf die Nordstream Pipelines: Ein Jahr nach der Sprengung stellt sich die Frage: Waren deutsche Stellen darin verwickelt? Unser Kollege Dirk Pohlmann hat seine neuesten Recherchen vor dem UN-Sicherheitsrat vorgestellt. Außerdem: Hochrangige frühere Regierungsbeamte aus Deutschland haben einen Plan für Frieden in der Ukraine vorgelegt. Gleichzeit findet in Bergkarabach eine neue Flüchtlingstragödie statt. Und der Nobelpreis für Medizin geht dieses Jahr an die Erfinder der mRNA-Technik. All das und noch viel mehr besprechen Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers im 3. Jahrtausend #96.




