Pandemien und Orakel

Sollten “Verschwörungstheoretiker” nicht langsam “Wahrsager” genannt werden, fragte unlängst ein Leser, nachdem sich einmal mehr eine “verschwörungstheoretische” Prognose über das angebliche “Killervirus” als zutreffend herausgestellt hatte. Nun gilt “Wahrsager” in unseren Zeiten ja nicht mehr als ehrenwerter Berufsstand, sondern als Synonym für Humbug und Hokuspokus, steckt also in derselben Schubalde des Irrationalen, in die auch sämtliche “Verschwörungstheroetiker” gepackt werden. Also alle, die das offizielle Narrativ von der Menschheitsgefahr Covid und der einzigen Rettung durch das Sakrament der Impfung bezweifeln.

Sich mit einem Ablass Rettung vor der Hölle erkaufen zu können war im Mittelalter lange ein erfolgreiches Geschäftsmodell des Vatikans, bis die Zweifel an der Wirksamkeit auch von der Inquisition nicht mehr zu stoppen waren und zur Reformation führten. In einem solchen Religionskrieg befinden wir uns auch heute – Sachfragen sind in den Bereich von Glaubensfragen verschoben und wer letztere in Frage stellt wird als frevelhafter Ketzer exkommuniziert. Anders als vor 500 Jahren, als die Dogmen der Erlösung noch in Stein  gemeisselt waren und Gläubige wie Ungläubige wussten woran sie waren, sind die heute “ex cathedra” erlassenen Verkündigungen allerdings morgen schon wieder haltlos, wie zum Beispiel die Versprechen der in Deutschland für Glaubensfragen zuständigen Institution:

Während man sich im August also noch vor einer Ansteckung geschützt fühlen konnte,  schützte die Impfung Anfang September nur noch vor schwerem Verlauf  und dient seit Ende des Monats nur noch zur “Vorbeugung”. Da mittlerweile aber immer mehr Geimpfte an Covid erkranken – und zwar vor allem in Ländern mit hoher Impfquote scheint es auch mit der Vorbeugung nicht allzuweit her zu sein. Warten wir also auf das nächste Update,  und darauf dass die “Verschwörungstheoretiker”, die gestern unbotmäßige Zweifel an der Impfung äußersten – etwa: “Umgerechnet auf die Zahl der Geimpften erhielt das Paul-Ehrlich-Institut in Zusammenhang mit den sogenannten Corona-Impfungen rund 54 mal mehr Todesfallmeldungen als in den 21 Jahren davor zu allen anderen Impfstoffen insgesamt.”   – morgen als “Wahrsager” bezeichnet werden müssen.

Ein Titel, den sich auch yours truly als Diplom-Konspirologe schon verdient hat, wenn man z.B. diesen Artikel aus dem März 2020 über die  desolate Datenbasis der Corona-Prognosen und der darauf begründeten Maßnahmen liest, an der sich auch nach 18 Monaten NICHTS geändert hat. Im Gegenteil: noch immer wird der ganze Zirkus mit Zahlenkonfetti über “Inzidenzen” am Laufen gehalten, die aber jetzt nichtssagender denn je geworden sind, weil Geimpfte  ja gar nicht mehr getestet werden, denn sonst, so der Gesundheitsminister, “hört die Pandemie nie auf”. Da hat er ausnahmesweise vollkommen Recht, weshalb wir wahrsagermäßig hier ja auch schon lange nicht mehr von “Pandemie”, sondern von  “Testemie” reden (die wie von Zauberhand sofort enden würde, wenn das Testen gestoppt wird) und verschwörungstheoretisch davor gewarnt haben, das Bill Gates(-Microsoft)-Geschäftsmodell regelmäßiger Updates auf das Gesundheitswesen zu übertragen (was jetzt mit der “Booster”-Propaganda schon massiv Gang gekommen ist.)

Nun war es ja auch schon in Delphi und anderen Wahrsager-Destinationen der Antike oft nicht  entscheidend, was gesagt wurde, sondern  – weil die Wahrsager*innen nicht immer Klartext redeten – wie diese Aussagen ausgelegt wurden. Nicht jedes Orakel hatte bei allen Autorität und selbst das weit anerkannte Orakel von Delphi stand bisweilen im Verdacht, von Opfergaben und Spenden korrumpiert zu sein. Diese Gefahr besteht bei diesem kleinen Wahrsager-Blog hier  sicher nicht,  aber gegen die großen Instanzen und ihre Orakelpriester anzukommen ist nahezu unmöglich, selbst wenn deren Ansagen so widersprüchlich sind wie die oben zitierten. Oder wie die Horror-Prognose der Pythia Dr.Drosten aus dem April 2020 – „Da werden wir (aus Afrika) Bilder sehen in der Zeit zwischen Juni und August, die wir nur aus Kinofilmen kennen. Da wird es Szenen geben, die wir uns so heute nicht vorstellen können.” –  den man aber als falschen Propheten nicht mit Schimpf und Schande aus dem Tempel gejagt hat, sondern munter weiter orakeln läßt. Jetzt, da die Zombiefilme  in Afrika ausgefallen sind, mit drohenden 100.000 Covid-Leichen in Deutschland.

Weil ich auf derart aktuelle Nachrichten schon lange kaum noch etwas gebe, aber auch nicht völlig uninformiert sterben will, würfele ich mir morgens oft ein Jahr in der Geschichte aus, zu dem ich dann die Tagesnachrichten suche. Neulich bin ich da im Jahr 430 vor Christus gelandet, mitten in der Pandemie von Athen und dagegen ist die derzeitige ja wirklich eine Lachnummer: innerhalb von zwei Jahren starb damals fast die Hälfte der Bevölkerung. Wogegen in Deutschland „mit“ Pandemie sogar weniger Menschen gestorben sind als in den Jahren vorher „ohne“. Was schwer zu erklären ist und wohl damit zu tun hat, dass die Griechen eine andere Definition von Pandemie verwendeten und nur dann davon sprachen, wenn wirklich viele krank wurden und starben. Sie hatten noch keine so genialen Testmöglichkeiten wie wir heute, die “Pandemien” ja schon erkennen, bevor überhaupt jemand krank geworden ist. Und  die – ein Novum in der Menschheitsgeschichte – “symptomlose Krankheiten” entdeckt haben, also pechschwarze “weisslose Schimmel”.

In Athen aber starben Kinder wie Greise innerhalb von wenigen Tagen nachdem sie erste Symptome gezeigt hatten. Als sich die Seuche vom Hafen Piräus in die Stadt ausgebreitet hatte, verordnete Regierungschef Perikles verschärfte Opfer an der Statue der Hygiea, der Tochter des Heilgottes Asklepios nach der unsere heutigen Hygieneverordnungen benannt sind – und die Opposition behauptete, dass der Erreger in die heimischen Brunnen infiltriert worden wäre, vom Feind in Sparta,  den man sofort angreifen müsse. Die „Spartaner-Seuche“ nahm also Donald Trumps Rede vom „Chinesen-Virus“ schon irgendwie vorweg. Als die Hygiea-Opfer und die Rituale der Asklepios-Priester  nichts halfen und irgendwann auch Perikles infiziert war und starb, holte sein Ziehsohn Alkibiades einen innovativen Heilpraktiker von der Insel Samos, Hippokrates, der mit seinen neuen Methoden aber auch nichts ausrichten konnte. Weil ihm aber aufgefallen war, dass im verräucherten Quartier der Schmiede, hinter dem Tempel des Hephaistos, wo ständig Feuer brannte, kaum jemand krank geworden war, vermutete er eine Übertragung durch die Luft und empfahl, überall in der Stadt große Feuer zu machen. Weil sich die „Pest“ in Athen allerdings, wie man heute weiß, höchstwahrscheinlich durch Typhus-Bakterien im Wasser verbreitet hatte, halfen auch diese Räucheraktionen nichts. Doch Hippokrates hatte quasi schon die „Aerosole“ entdeckt, vor denen sich heute viele derartig fürchten, dass sie die frische Luft nur mit Gesichtswindel genießen.

Das „Social Distancing“ nahm in Athen übrigens ziemlich üble Formen an, weil Erkrankte allein in ihren Häusern zurückgelassen wurden, was sich dann Räuber und Diebe zu Nutze machten, sodass manche Häuser schon leergeräumt waren, bevor die wehrlosen Besitzer den letzten Löffel abgeben mussten. Selbst Tiere und Aasfresser rührten Verstorbene nicht an, berichtet jedenfalls Thukydides, weshalb man auch auf die üblichen Beisetzungsrituale verzichtete und die Leichen mitten in der Stadt verbrannt werden mussten. Verglichen mit derlei apokalyptischem Schauspiel, das der Maler Michiel Sweerts  1653 auf seinem Bild  “Die Attische Seuche” (oben) mit einigen attraktiven Grazien verzierte, wirkt die derzeitige Pandemie ja doch eher wie eine blasse Pantomime.
Nicht dass ich mir als “alter weißer Mann” aus meinem Logensessel hier mehr grausame Action wünschen würde, aber die Panik, die wegen Corona gemacht wird, scheint verglichen damit doch ziemlich übertrieben. Gegen die Rituale der Seuchen- und Schadensabwehr wie Maskenpflicht und Lockdown zu verstoßen, die zwar “wissenschaftlich” genannt werden,  in ihrer Wirksamkeit aber ebenso zweifelhaft sind wie  die “religiösen” Pandemie-Maßnahmen des Perikles, ist damals wie heute bei Strafe verboten. Athen war wegen der Seuche seinerzeit übrigens ziemlich pleite und musste den schon angezettelten Krieg gegen Sparta erstmal zurückstellen. Bei uns aber wurde der Etat der Bundeswehr trotz Pandemie weiter erhöht und der neue Imperator in Washington verkündete sofort  einen weiteren Rekordhaushalt für die Armee. Beruhigend eigentlich, denn wo knapp die Hälfte aller Staatsausgaben für Waffen und Söldnerheere ausgegeben werden können, kann keine wirkliche Not herrschen und keine lebensgefährliche Seuche…

Nachdem ich die fast 2.500 Jahre alten Breaking News aus Athen gecheckt hatte, konnten mich jedenfalls die Tabellen der Inzidenz-Liga, die jetzt jeden Tag abgedruckt werden, nicht mehr schrecken. Wenn das alles Leichen wären, ok, dann müsste man sich langsam Sorgen machen bzw. müsste es nicht mehr, weil man sich als alter Mann aus der Top-Risiko-Gruppe ja schon im Jenseits vergnügen dürfte, aber diese inzidenten „Infizierten“ sind ja nicht mal krank, geschweige denn tot und 95% kriegen von der “Inzidenz” nicht mal einen Schnupfen. Dass sie aber jetzt nicht mehr als Gesunde gelten, sondern als “symptomlos” Kranke, die eine Gefahr darstellen, dass es Gesunde eigentlich gar nicht mehr gibt, sondern nur noch Geimpfte und Ungeimpfte und letztere sich auf keinen Fall gesund fühlen dürfen, sondern nur als behandlungsbedürftige Kranke, die man notfalls zur “Gesundheit” zwingen muss… dies alles scheint von einer Willkür, wie sie sich die Athener nach Perikles dann selbst von den Dreißig Tyrannen nur acht Monate lang bieten liesen. Sie pfiffen auf alle (von Oligarchen bestochenen) Orakel und führten die Demokratie wieder ein.

Der Ursprung von Covid-19

Im April 2020 schrieb ich über den Verdacht des französischen Virologen Luc Montagnier – 2008 für seine Erforschung des HI-Virus (HIV) mit dem Nobelpreis ausgezeichnet – dass das SARS-CoV-2 Virus nicht von einem Tier übertragen worden ist, sondern in einem Labor entstanden sein muss. Auch Montganiers großes Renomeé half freilich nicht dagegen, dass dieser Verdacht sofort als  üble “Verschwörungstheorie” diffamiert wurde. Mehr als ein Jahr später, Anfang Juni 2021, wagten dann auch erste Mainstream-Journalisten in den USA, über die zahlreichen Evidenzen zu berichten, die klar auf ein “Lab Leak” und nicht auf einen natürlichen Ursprung dieses Virus hindeuteten und hier erschien “Die Frankenstein-Viren aus der “Eco-Health”-Hexenküche”. Auch in unseren Sendungen “Das dritte Jahrtausend” hatten wir über die Finanzierung und Zusammenarbeit und  des Viruslabors in Wuhan mit US-Instituten und die Biowaffenforschung in Fort Detrick  seit Frühjahr 2020 mehrfach berichtet. In den Großmedien wurden diese Zusammenhänge wenn überhaupt nur am Rande erwähnt oder gleich als Querdenker-Geschwurbel in die Tonne getreten. Im Rahmen der “Alles auf den Tisch”-Interviews kommen die von den notorischen Faktencheckern als unerwünscht ausrangierten Fakten jetzt erneut auf den Tisch – im Gespräch von Felix Adlon mit dem Nanotechnolgie-Forscher Prof. Dr. Dr. h.c. Prof. h.c. Roland Wiesendanger:

 

Das SARS-CoV-2 Virus weist charakteristische Merkmale von biotechnologischen Manipulationen zur Anpassung von SARS-Viren an menschliche Zellrezeptoren sowie Einführung einer Spaltstelle des „Spike“ (Zacken-) Proteins auf, welche es diesem Virus besonders leicht macht, in menschliche Zellen einzudringen. Damit können nicht nur obere Atemwege des Menschen befallen werden wie bei herkömmlichen Coronaviren, welche lediglich Erkältungskrankheiten auslösen, sondern auch die Lunge und andere innere Organe. Jüngste Offenlegungen von Forschungsanträgen führender Virologen beweisen, dass solche biotechnologischen Manipulationen auch mit MERS-Viren erfolgen sollten, welche wesentlich tödlicher sind als SARS-Viren. Auch andere, noch tödlichere Viren werden derzeit in biotechnologischen Laboren weltweit für Menschen gefährlicher gemacht. Auf Grund der Tatsache, dass sich jährlich eine dreistellige Zahl von Laborunfällen in biotechnologischen Laboren selbst der höchsten Sicherheitsstufen 3 und 4 ereignen, muss man sich bewusst werden, welchen riesigen Gefahren die Menschheit – selbst bei einer beabsichtigten friedvollen Nutzung dieser Technologien – zukünftig ausgesetzt ist, von den nachgewiesenermaßen existierenden Beziehungen zur Biowaffenindustrie ganz zu schweigen. Der Albtraum der biotechnologischen Bedrohung ist mit nichts zu vergleichen, was die Menschheit leidvoll im Zuge beider Weltkriege erfahren musste – der Entwicklung und dem Einsatz chemischer Kampfstoffe und atomarer Waffensysteme. Wir benötigen dringend internationale Abkommen und eine unabhängige internationale Aufsichtsbehörde für diese Art der biotechnologischen Forschung – ähnlich der Atomaufsichtsbehörde – um die Menschheit vor noch viel schlimmeren, menschengemachten Pandemien eventuell zu bewahren.

Kleine Geschichte vom Absinth

“Der Legende nach ließ sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein französischer Arzt namens Pierre Ordinaire im Schweizer Tal Val-de-Travers nieder. Angeblich aus politischen Gründen war er aus Frankreich geflohen – mit einem ganz besonderen Rezept im Gepäck: ein Destillat aus Wermutkraut, Anis, Fenchel und einer Menge anderer Kräuter. Ordinaire gab dem Getränk nach der lateinischen Bezeichnung des Wermutkrauts den Namen Absinth.Damit beginnt eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Wie sie im Detail verlaufen ist, haben Mathias Bröckers, Christine Heidrich und Roger Liggenstorfer in ihrem Buch »Absinthe – Die Wiederkehr der Grünen Fee« zusammengestellt. Sie fängt – wie bei vielen Rauschmitteln – in der Medizin an. Denn die Verwendung des Wermutkrauts reicht lange zurück. Auf Grund seiner Eigenschaften als Entwurmungsmittel wird es zunächst als medizinisches Produkt genutzt. Im 18. Jahrhundert entwickeln Tüftler daraus Getränke, die nicht einzig Leib, sondern auch der Seele guttun sollen.So soll, wie eine weitere Ursprungslegende des Absinths besagt, in der Nähe des Ortes Couvet im Val-de-Travers eine Frau namens Henriette Henriod das erste Rezept für Absinth erstellt haben. Welche Legende auch immer stimmt, schlussendlich landet die Rezeptur bei einem gewissen Henri-Louis Pernod (1776–1851). Dieser gründet daraufhin 1797 in Couvet die erste Absinthdestillerie, zieht aber bald darauf ins französische Pontarlier um den Markt in Frankreich bedienen zu können.” (…)

Weiter lesen auf Spektrum.de

Oder gleich in unserem kleinen Buch Absinthe – Die Wiederkehr  der Grünen Fee”, das 2006 in Solothurn entstand, wo meine Freunde Chris und Roger zwei Jahre zuvor die gleichnamige  Absinthe-Bar eröffnet hatten. Die erste in der Schweiz nach 94 Jahren Prohibition und in der Kronengasse 11 noch immer geöffnet.

Der Wink mit dem Zeitpfahl

Frisch aus dem Archiv: Neun Tage nach der Maueröffnung 1989 erschienen in der taz meine “Spekulationen über den 9.November”. Was die  Prognose betrifft, dass dies das Ende der Ära Kohl sei, lag ich als pseudo-kabbalistischer Wahrsager damals schwer daneben. Ansonsten sind die datumsmagischen Koinzidenzen aber nach wie vor verblüffend:

Wenn in Deutschland jemand einen Witz macht, sitzt bekanntlich die halbe
Nation auf dem Sofa und nimmt übel. Kaum ist in Deutschland einmal
irgendetwas Außerordentliches passiert, muß jemand gleich einen
National-Feiertag daraus machen – und die halbe Nation nimmt übel. Über
Hans-Jochen Vogels schlechten Witz, den 9. November zum Nationalfeiertag zu machen haben sich sofort diverse Bedenken erhoben und auf die Kollison mit der Pogromnacht 1938 und die Unvereinbarkeit von Bußtag und Freudenfest verwiesen. Wer noch genauer auf den Kalender blickt, dem kann eine sehr viel mysteriösere Koinzidenz nicht entgehen: der 9. November 1918 (Sturz des Kaisers, deutsche Revolution), der 9. November 1923 (Hitler-Putsch), der 9. November 1938 (”Reichskristallnacht”) und der 9. November 1989: Durchbruch der Berliner Mauer. Vier mal entladen sich die politischen Prozesse in einem explosiven Ereignis, vier mal brechen latent gärende Tendenzen plötzlich an die Öffentlichkeit: das Ende des Kaisertums, der erste Aufmarsch des 3. Reichs, der eigentliche Beginn seines Weltkriegs – gegen die eigene Bevölkerung, und jetzt das Ende der Mauer. Vier mal hat sich das deutsche Volk am 9. November zu Wort gemeldet und ein entscheidendes Kapitel der Geschichte aufgeschlagen.
Daß all dies Zufall sein soll, will mir nicht in den Kopf – doch welchen
Umständen verdanken wir es, daß die Turbulenzen der Geschichte mit deutscher Pünktlichkeit ihre Quantensprünge in eine neue Ordnung ausgerechnet am 9. November vollziehen?

NEUnter NOVEMber – zweimal, deutsch und lateinisch, das Wort “neu” – kein anderer der 365 Tage ist von seinem Namen her besser geeignet, ein Omen – ein schicksalhaftes Zeichen -zu geben. Das Wort “neu” wird etymologisch der “Neun” zugeordnet, mit der bei der ursprünglichen Zählweise im Vierer-System ein “neuer” Vierer-Block begann.
Auch numerologisch geben die 9. November etwas her, die magische 5
jedenfalls tauchte bei meinen pseudo-kabbalistischen Berechnungen dauernd auf: Von 1918 bis 1923 – 5 Jahre, vom ersten Aufmarsch des 3. Reichs 1923 bis zum perversen Anfang seines Endes – 15 Jahre, diese 15 umgekehrt ergeben 51 – 51 Jahre, nachdem die Deutschen in der Pogromnacht 1938 einen Bevölkerungsteil brutal von sich abtrennten, geschieht am 9. November 1989 das exakt umgekehrte Ereignis: auf sanfte Weise werden sie mit einem anderen, scheinbar auf ewig abgetrennten Bevölkerungsteil, plötzlich wieder zusammengeführt. Die Hölle des Hasses auf dem Berliner Kudamm 1938 reinkarniert sich also 1989, gleiche Stelle gleiche Welle, als Himmel der Versöhnung? – Schwachsinn, sage ich mir, es haben sich nicht Juden und Deutsche, sondern Mördersöhne und Täterinnen -Töchter versöhnt. Doch der Kabbalist gibt sich noch nicht geschlagen: Daß es “ganz andere” sind, die sich da versöhnen, zeigt nur, daß die Emanationen der Weltgeschichte nicht der Mechanik eines Hollywood-Schinkens folgen, sondern der fraktalen Dramaturgie einer Zeitwelle, die eben nicht das immer Gleiche, sondern permanent Transformiertes spiralisiert – und sich den 9. November als psychokinetischen Plot-Point ausgesucht hat.

Die Frage, ob man in Deutschland nun trauern oder feiern soll, hat die
Weltgeschichte am 9. November ganz eindeutig beantwortet: wer fortan nicht trauert und feiert, hat keines von beiden verstanden. Der Abgang des
Kaisers und das Verschwinden Helmut Kohls, der Aufstieg des Führers und der Abschied vom Führerprinzip (Einheitspartei), das ekstatische Morden und die begeisterte Umarmung – von tieferer Weisheit als am 9. November kann ein Wink mit dem Zeitpfahl nicht sein. Dieses Datum darf natürlich nicht auf einen neuen “Tag der deutschen Einheit” reduziert werden. Es muß, schul- und arbeitsfrei im gesamten geographischen Gebiet, als raumzeitliches Ereignisfeld deklariert werden, als Aussichtspunkt in die verborgene Landschaft der kollektiven Psycho-Energie, als ein Magnetfeld der Geschichte. Der Bevölkerung muß an diesem Tag vor allem Zeit gegeben werden. Um Vergangenheit und Zukunft zu beobachten, das Unerwartete zu erwarten und – gegebenenfalls – geistesgegenwärtig zu handeln.

Die Lehre vom Kollaps

Dmitry Orlov, dessen Buch „Die Lehre vom Kollaps“ Mathias Bröckers übersetzt hat, geht von einem fünfstufigen Zusammenbruch aus, dem finanziellen folgt der kommerzielle, dann der politische, der den sozialen Zusammenbruch nach sich zieht und das Ganze endet im kulturellen Kollaps. Die Überlebenden fangen wieder neu an als Bauern und Viehzüchter. Norbert Häring sieht das „Endspiel des Kapitalismus“ — so der Titel seines aktuellen Buches — als Chance bessere Verhältnisse zu stiften, und Max Otte rechnet mit erheblichen Verwerfungen.

Alle drei haben aber auch verstanden, dass die enorme Schieflage des Kapitalismus auch von ihren Urhebern längst erkannt wurde. Vermutlich seit geraumer Zeit arbeiten sie an einer Agenda — The Great Reset —, den Kollaps zu kontrollieren, um sich danach als neue Feudalherren die Welt gänzlich zu Untertanen zu machen.

Wer nach diesem Gespräch noch Fragen hat, dem empfehlen wir folgende Bücher:


9/11 Review: Turmopfer im geopolitischen Schach?

Unter “9/11 Review” werden hier in loser Folge einige der historischen Beiträge erscheinen, die jetzt in  dem Sammelband  11.9.-20 Jahre danach – Einsturz einer Legende neu erschienen sind. Heute ein Artikel vom 7.Dezember 2001.

07.12.01

»Seit den Anfängen der Kontinente übergreifenden politischen Beziehungen vor etwa fünfhundert Jahren ist Eurasien stets das Machtzentrum der Welt gewesen … Inwieweit die USA ihre globale Vormachtstellung geltend machen können, hängt davon ab, wie ein weltweit engagiertes Amerika mit den komplexen Machtverhältnissen auf dem eurasischen Kontinent fertig wird – und ob es dort das Aufkommen einer dominierenden, gegnerischen Macht verhindern kann … Eurasien ist somit das Schachbrett, auf dem sich auch in Zukunft der Kampf um die globale Vorherrschaft abspielen wird.«

Nicht nur die ersten Sätze aus Zbigniew Brzezinskis 1997 erschienenem Buch The Grand Chessboard lesen sich wie ein Skript des »war on terrorism« genannten Krieges gegen Afghanistan. Und es wäre naiv, Brzezinski (Jahrgang 1928) nach seinem Abgang als Jimmy Carters Sicherheitsberater für einen abgehalfterten Professor zu halten, der nicht weiter ernst zu nehmen ist. Als einer der Vordenker und Mitbegründer der Rockefeller-Thinktanks Council an Foreign Relations (CFR)und der Trilateralen Kommission hat er nach wie vor bedeutenden Einfluss. Zum Beispiel auf den Vizepräsidenten Cheney, der 1998 bekundete: »Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der eine Region so schnell strategisch bedeutend geworden ist wie die kaspische …« – Cheney war damals noch als Chef von Halliburton, dem größten Ausrüster der US-Ölindustrie, der gerade das Pipelineprojekt durch Afghanistan projektiert hatte. Wegen der gigantischen Bodenschätze hat für Brzezinski »die Pipelinefrage für die Zukunft des Kaspischen Beckens und Zentralasiens eine zentrale Bedeutung«. In seinem vorausschauend »Der eurasische Balkan« genannten Kapitel über die Region heißt es weiter:

»Falls die wichtigsten Ölleitungen der Region weiterhin durch russisches Territorium zum russischen Absatzmarkt am Schwarzen Meer in Noworossijsk verlaufen, werden sich die politischen Konsequenzen, auch ohne dass die Russen die Muskeln spielen lassen, bemerkbar machen. Die Region wird eine politische Dependance bleiben und Moskau darüber entscheiden können, wie der Reichtum der Region verteilt werden soll … Amerikas primäres Interesse muss folglich sein, mit dafür zu sorgen, dass keine einzelne Macht die Kontrolle über dieses Gebiet erlangt und dass die Weltgemeinschaft ungehindert finanziellen und wirtschaftlichen Zugang zu ihr hat. Geopolitischer Pluralismus wird nur dann zu einer dauerhaften Realität werden, wenn ein Netz von Pipeline- und Transportrouten die Region direkt mit den großen Wirtschaftsknotenpunkten der Welt verbindet, über das Mittelmeer und das Arabische Meer ebenso wie auf dem Landweg.«

Die Hervorhebungen »Weltgemeinschaft« und »geopolitischer Pluralismus« sind von mir und kennzeichnen den Jargon, in dem die Interessen der USA mit denen der Weltgemeinschaft und die Dominanz Washingtons mit »Pluralismus« gleichgesetzt werden. Nicht nur von Brzezinski, sondern auch von seinem Kollegen Samuel Huntington, den er in seinem Buch zitiert: »Die Fortdauer der amerikanischen Vorherrschaft ist sowohl für das Wohlergehen und die Sicherheit der Amerikaner als auch für die Zukunft von Freiheit, Demokratie, freier Marktwirtschaft und internationaler Ordnung in der Welt von zentraler Bedeutung.«

Zum Schlachtruf »Entweder für uns oder für die Terroristen« ist es von da nicht mehr weit. Andreas von Bülow weist darauf hin, dass geostrategische Studien wie Brzezinskis Chessboard oder Huntingtons Clash of Civilizations als Auftragsarbeiten der CIA in der Regel aus einem. allgemein gehaltenen, zur Veröffentlichung bestimmten Teil sowie aus einem unter Verschluss bleibenden Anhang mit konkreten Vorschlägen und Handlungsanweisungen bestehen. Wie diese aussehen, ließ sich auch schon vor dem 11.9.2001 mit »an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit« erkennen: » Covert Operations der Geheimdienste (sind) das Mittel der Wahl beider Durchsetzung amerikanischer Großmacht– und auch Wirtschaftsinteressen, während der Einsatz der Militärmacht eher unpopulär bleibt.« Dies bestätigte eine CFR-Sprecherin in einer BBC-Sendung: Verdeckte Operationen seien »weniger teuer« und oft »effektiver« als offizielle Militäreinsätze.

Es geht um einen verdeckten Krieg, um ein Shoot-out in bester texanischer Tradition mit »dead or alive«-Steckbriefen, Aufrufen zur Lynchjustiz und der Einführung von Standgerichten. Selbst einer monströsen Terrorbande wie den Nazis wollten die Amerikaner nach Kriegsende mit zivilen, rechtsstaatlichen Methoden beikommen. Warum ist das mit dem zum Terrorprinzen aufgestiegenen saudischen Milliardärslümmel Bin Laden nicht möglich? Warum war zu keinem Zeitpunkt auch nur von dem Versuch die Rede, ihn vor den internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen? Warum wurde der erste internationale Haftbefehl für Bin Laden bei Interpol 1998 nicht von Washington, London oder Berlinbeantragt, sondern von Tripolis, also von niemand anderem als ausgerechnet Moamar Al-Gaddhafi (der Osama für die Unterstützung islamistischer Terroranschläge in Libyen verantwortlich machte, bei dem u. a. zwei deutsche Geheimdienstmitarbeiter getötet wurden)? Warum lässt man unsere neuen Freunde von der Nordallianz, die das Land vor den Taliban als brutale Schlächter zugrunde richteten, nun als blutige Rächer zurückkehren? Sind wir damit, wie Robert Fisk im Independent meint, nicht endgültig auf die Seite von Kriegsverbrechern gewechselt? Warum finden die Statements der afghanischen Frauenorganisation RAWA, die auf diese grauenhafte Absurdität hinweisen, keinen Eingang in die Medien, geschweige denn ihre Vertreterinnen einen Platz am Petersberger Verhandlungstisch? Warum sieht sich der Ölriese Unocal, der mit den Taliban jahrelang intensiv über die Pipeline verhandelte, zu einem Statement genötigt, die Islamschüler zu keiner Zeit unterstützt und gehätschelt zu haben?Könnte es sein, dass all dies mit einer Politik zu tun hat, die John Pilger, der Seniorkorrespondent des britischen Mirror, den »geopolitischen Faschismus« der USA nennt?

Richard Falk, Professor für internationale Politik in Princeton, hat das erklärt. »Westliche Außenpolitik, sagt er, »wird in den Medien selbstgerecht und moralisch einseitig dargestellt, mit positiven Bildern westlicher Werte und Porträts bedrohter Unschuldiger, die eine Kampagne unbegrenzter politischer Gewaltrechtfertigen. Der Aufstieg von Rumsfeld und seinem Vertreter Paul Wolfowitz sowie seinen Partnern Richard Perle und Elliot Abrams bedeutet, dass ein Großteil der Welt jetzt offen von einem geopolitischen Faschismus bedroht ist, der sich seit 1945 entwickelt und seit dem 11. September beschleunigt hat. Die amtierende Gang in Washington besteht aus authentischen amerikanischen Fundamentalisten. Es sind die Erben von John Foster Dulles und Alan Dulles, jener baptistischen Fanatiker, die in den 50er Jahren das State Department bzw. die CIA leiteten, Reformregierungen in einem Land nach dem anderen niedermachten – Iran, Irak, Guatemala – und internationale Verträge aufkündigten wie die Genfer Indochina-Vereinbarungen von 1954, deren Sabotage durch John Foster Dulles direkt zu Vietnam und fünf Millionen Toten führten. Die Twin-Tower-Attacken sorgten in Bushs Washington sowohl für einen Auslöser als auch für eine bemerkenswerte Koinzidenz. Pakistans früherer Außenminister Niaz Naik hat enthüllt, ihm sei von hohen amerikanischen Vertretern Mitte Juli gesagt worden, dass eine Militäraktion in Afghanistan Mitte Oktoberbeginnen würde. Außenminister Powell war damals in Zentralasien unterwegs und sammelte schon Unterstützung für eine antiafghanische Kriegskoalition.«

Wenn bei einer Schachpartie der Verlust einer Figur zu einem strategischen Vorteil führt, spricht man von Opfer. Für den Laien sind solche Opferstrategien schwer zu erkennen, zumal wenn wichtige, scheinbar unersetzliche Figuren betroffen sind wie zum Beispiel zwei Türme. Der Profi freilich kann sich durchaus vorstellen, zwei Türme an der Heimatfront zu opfern, um sich dadurch tief in der gegnerischen Hälfte festzusetzen und einen unschlagbaren strategischen Vorteil – »globale Vorherrschaft« – zu erzielen, der das verlorene »Material« allemal wieder wettmacht. Es spricht sehr viel dafür, dass die geopolitischen Schachmeister in Washington die talibanische Attacke auf ihre Türme vorhergesehen und sogar aggressive Läufer wie den FBI-Jäger Bin Ladens, John O’Neill, zurückgepfiffen haben, um die gegnerischen Vorbereitungen nicht zu stören. Intellektuelle Vordenker wie Brzezinski und Huntington – Letzterer hat sich u. a. auch als CIA-Berater für die Aufstandsbekämpfung nach dem Sturz von Diktatoren einen Namen gemacht – hätten einfach ihren Job verfehlt, wenn sie in den unter Verschluss bleibenden konkreten Szenarien ihrer Studien nicht auch solche Opferstrategien durchspielen würden. Und wir wären einfach blind, wenn wir hinter dem menschelnden Jargon von »geopolitischem Pluralismus«, »Menschenrechten«, »freier Welt« und »humanitärer Intervention« nicht das auf Sieg und Vorherrschaft um jeden Preis programmierte »Great Game« sehen würden.«

Auszug aus: Mathias Bröckers, Andreas Hauss, Christian C. Walther:  11.9.-20 Jahre danach – Einsturz einer Legende , Westend Verlag, 1182 Seiten, 18 Euro

9/11 Review: Osama Meets CIA

Heute vor 20 Jahren, am 4. November 2001, erschien der Artikel “Juli 2001: Osama meets CIA”, der dem deutschen Publikum einmal mehr die enge Verbindung des Top-Terroristen mit den USA enthüllte. Unter “9/11 Review” werden in loser Folge hier noch weitere der historischen Beiträge erscheinen, die jetzt in  dem Sammelband  11.9.-20 Jahre danach – Einsturz einer Legende neu erschienen sind.

“Ein von Kritikern des konspirologischen Denkens oft angeführter Einwand lautet, dass es bei großen Verschwörungen mit vielen Beteiligten, wie z.B. dem Kennedy-Mord, unmöglich sei, alle Zeugen und Beweise über Jahre oder Jahrzehnte unter der Decke zu halten. Schon aufgrund dieser Unwahrscheinlichkeit könnten solche Verschwörungstheorien in den seltensten Fällen zutreffen. Das scheint auf den ersten Blick einleuchtend, auf den zweiten aber auch etwas naiv, denn nur die allerdümmsten Verschwörer weihen sämtliche Beteiligte in den gesamten Plan ein. In aller Regel arbeitet schon die einfachste Mafia-Struktur nach dem “need to know” -Prinzip: das einzelne kleine Rädchen weiß nur, was es wissen muss, und wenig oder gar nichts über das ganze Vorhaben – auch wenn der eine oder andere Beteiligte auffliegt, bleiben die Köpfe der Verschwörung.

Was den WTC-Anschlag betrifft, könnte auch eine solche Großverschwörung nicht auf Dauer völlig unter der Decke bleiben, ganz gleich, ob sie nun von Geheimorganisationen wie “Al Qaida” ausgeführt wurde oder von solchen wie “CIA”, von beiden zusammen oder von jemand ganz anderem. Das eine oder andere Rädchen wird auftauchen, enttarnt werden, ans Tageslicht kommen – die Gesamtstruktur ist damit aber noch lange nicht aufgedeckt, zumal es gleichzeitig Bemühungen gibt zu vertuschen, zu tarnen, zu täuschen. (…)

Doch während ich noch über die Nebenrollen kleiner halbseidener Agenten nachdenke, lässt die Pariser Tageszeitung “Figaro” eine Bombe hochgehen, die über die dubiose Rolle kleiner Randfiguren weit hinausgeht: Der Statthalter der CIA in Dubai stattete im Sommer dieses Jahres im dortigen “American Hospital” einen Lazarettbesuch der besonderen Art ab, nämlich beim derzeitigen Weltfeind Nr. 1 Usama Bin Ladin, der dort vom 4. bis zum 14. Juli 2001 stationiert gewesen sein soll:

“Während seines Krankenhausaufenthalts empfing Bin Ladin viele Besuche von Familienmitgliedern und prominenten Saudis und Emiratis. Dabei war auch der lokale CIA-Agent, den viele in Dubai kennen und der gesehen wurde, als er den Hauptaufzug zu Bin Ladins Krankenzimmer nahm. Einige Tage später prahlte er einigen Freunden gegenüber, dass er Bin Ladin besucht habe. Amtliche Quellen berichten, dass der CIA-Agent am 15. Juli, dem Tag nach dem Bin Ladin nach Quetta (Pakistan) zurückkehrte, in das Hauptquartier zurückgerufen wurde.”

Diesem Mann von der Filiale der “Firma” in Dubai einmal interviewmäßig auf den Zahn zu fühlen, um was es denn acht Wochen vor dem Anschlag beim Plauderstündchen mit dem topterroristischen Urologie-Patienten so ging, im Großen und Ganzen und im Besonderen, wäre journalistisch sicher eine reizvolle Aufgabe. Was bringt man so einem prominenten Millionärsbösewicht, der ja schon alles hat, beim Krankenbesuch Besonderes mit? Eine Handvoll Teppichmesser sicher nicht, ein Döschen Anthrax vielleicht – mit freundlichen Empfehlungen der chemischen Abteilung -, ein Kilo Koks zur Erfrischung ermatteter heiligen Krieger, den letzten Geschäftsbericht der Carlyle-Group – mit Grüßen von der ganzen Familie Bush an die ganzen Familie Ladin? Oder die notwendigen Codes für die Hijacker, um die Flugsicherung austricksen und Direkttelefonate mit der Air-Force-One führen zu können ? (Bush soll kurz nach dem Anschlag einen “Drohanruf” direkt in seinen Flieger erhalten haben)

Schade, dass ein solches Interview aus Gründen der “nationalen Sicherheit” derzeit nicht geführt werden kann. Auch die Frage, warum Osama am 14. Juli unbehelligt von der US-Air Force mit seinem Privatjet von Dubai nach Pakistan zurückschweben und in seiner Höhle verschwinden konnte, muss deshalb unbeantwortet bleiben. Aber sie liefert einen Grund mehr, das Schläfernest des CIA-Hauptquartiers Langley nicht mehr nur unter Observation, sondern langsam vielleicht auch unter Beschuss zu nehmen.

Die konspirative Einflussachse “CIA-ISI-Osama-Taliban”, die wir hier seit Wochen ventilieren, ist mittlerweile aus dem Bereich der Vermutungen anhand von Indizien und des Verdachts aufgrund historischer Parallelen in den Bereich des Faktischen getreten. Ein detaillierter Artikel von Professor Michel Chossudovsky: “Cover-up Or Complicity of The Bush Administration? The Role of Pakistan’s Military Intelligence Agency (ISI) in the September 11 attacks!” vom 2. November zeigt es wohl dokumentiert auf. Wo war der wegen der Überweisung an Atta mittlerweile entlassene ISI-Direktor, Generaleutnant Mahmud Ahmad (siehe Manus Manum Lavat – Money Money Lavamat), am 11. September? In den USA. Und was tat er da? Er führte schon in den Tagen vor dem Anschlag Gespräche mit Spitzenvertretern des Pentagon und des Auswärtigen Auschusses … über die Nachkriegsordnung.

PS: Natürlich wurde der Le-Figaro-Bericht von der CIA umgehend dementiert – auch Bin Laden dementierte später in einem Interview mit einer pakistanischen Zeitung seinen Aufenthalt in Dubai. Doch die Reaktion George W. Bushs auf die in den folgenden Tagen weltweit kursierende Meldung ist bezeichnend. Am 10. November verhängte er vor der UN seinen Bannfluch über »frevelhafte Verschwörungstheorien« . Der Verdacht, dass es sich bei Osama Bin Laden nicht nur um einen ehemaligen Mitstreiter, sondern um ein nach wie vor aktuelles geopolitisches Werkzeug der US-Außenpolitik handelt, konnte auch in den folgenden Wochen und Monaten nicht ausgeräumt werden.”

Auszug aus: Mathias Bröckers, Andreas Hauss, Christian C. Walther:  11.9.-20 Jahre danach – Einsturz einer Legende , Westend Verlag, 1182 Seiten, 18 Euro

JFK – Die Vertuschung geht weiter

Nach einem im Jahr 1992 erlassenen Gesetz sollten bis Dezember 2017 sämtliche in Staatsbesitz befindlichen Dokumente zur Ermordung John F.Kennedys freigegeben werden. Sowohl Barack Obama wie auch sein Nachfolger Donald Trump haben die Freigabe dieser letzten Akten – etwa 5 % des gesamten Bestands – verhindert und jetzt hat auch  Joe Biden eine weitere  Verschiebung bis Dezember 2022 angekündigt:

“Ein vorübergehender Aufschub ist notwendig, um erkennbare Schäden für die militärische Verteidigung, nachrichtendienstliche Operationen, die Strafverfolgung oder die Pflege der auswärtigen Beziehungen abzuwenden, die so schwerwiegend sind, dass sie das öffentliche Interesse an einer sofortigen Veröffentlichung überwiegen.”

So deutlich hat noch keiner seiner Vorgänger klar gemacht, warum diese Dokumente auch 58 Jahre nach dem Mord noch immer blockiert werden: wenn das Militär und Geheimdienste von diesen Akten nichts zu befürchten hätten, wären sie schon längst alle bekannt. Weshalb die Vertuschung auch nach dem jetzt angeküdigten Datum mit Sicherheit weitergehen wird. Dass bis heute zwei Drittel der US-Bevölkerung nicht an den offiziellen Einzeltäter Lee Harvey Oswald glauben, hat nichts mit einer genetischen Paranoia zu tun, sondern schlicht mit der Tatsache, dass der Mord bis heute nicht aufgeklärt ist und  zahlreiche Beweise dafür  vorliegen, dass Oswald nicht der Täter sondern nur der prädestinierte Sündenbock war. Und dass CIA und US-Militär bis zur Halskrause in den Fall verwickelt sind. Deshalb heißt mein 2013 erstmals erschienenes Buch “JFK – Staatstreich in Amerika”, denn nichts anderes als ein interner Putsch, ein heimischer regime change, war dieser Anschlag auf JFK und die folgenden Ermordungen  seines Bruders (und sicheren Nachfolgers) Robert F.Kennedy und des Bürgerrechtlers Martin Luther King. Das ließ sich auch schon mit den 95% der bereits veröffentlichten JFK-Files sehr deutlich aufzeigen und es wird von den noch unter Verschluß gehaltenen Akten garantiert nicht widerlegt, sondern bis aufs letzte i-Tüpfelchen bewiesen.

Der Mord an John F. Kennedy war ein Staatsverbrechen gegen die Demokratie: Hochverrat – und dieser Verrat hat die amerikanische Demokratie schwer beschädigt. Was einer der größten Staatsmänner der Geschichte, Marcus Tullius Cicero, im Jahr 58 vor unserer Zeitrechnung sagte, erweist sich auch noch 2000 Jahre später als zutreffend: »Eine Nation kann ihre Dummköpfe und sogar ihre Ehrgeizigen überleben, aber nicht Verrat von in- nen.« Die Verräter nach fünf Jahrzehnten zur Verantwortung zu ziehen kann nicht mehr gelingen, nur wenige dürften noch am Leben sein. Dennoch gilt es, weiterhin für die Aufklärung dieser Verbrechen zu streiten, die Freigabe immer noch gesperrter Akten der Geheimdienste zu fordern und weiteres Licht in die noch immer dunklen Bereiche dieses Kapitels der Zeitgeschichte zu bringen. Denn um mit dem spanischen Philosophen George San- tayana zu sprechen: »Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen.« Doch wer sich nur an ein Trugbild der Vergangenheit erinnert, ist dazu verurteilt, sich auch weiter betrügen zu lassen.

Verdeckte Operationen unter Beteiligung staatlicher, militärischer und wirtschaftlicher Eliten haben nach den Morden an den Kennedy-Brüdern und Martin Luther King nicht aufgehört. Vielmehr ziehen sie sich nahezu durchgehend durch die folgenden Jahrzehnte: vom erfundenen Zwischenfall im Golf von Tonkin, mit dem die Massenbombardements in Vietnam legitimiert wurden, über die Watergate-Affäre, die zum Rücktritt Präsident Nixons führte, und den Iran-Contra-Skandal mit seinem aus dem Weißen Haus organisierten illegalen Großhandel von Waffen und Drogen bis hin zum 11. September 2001 und den erfundenen Massenvernichtungswaffen des Irak. In allen diesen Fällen wurde die Bevölkerung, der Souverän jeder parlamentarischen Demokratie, mit Lug und Trug am Nasenring durch die Manege geschleift, und in den wenigsten dieser Fälle wurden die Verantwortlichen in angemessener Weise für ihre kriminellen Handlungen zur Rechenschaft gezogen. (..)

Fünfzig Jahre nach dem 22. November 1963 wird es höchste Zeit, sich diesen Dissonanzen endlich zu stellen – nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger der USA, die die offizielle Legende vom Einzeltäter Oswald mehrheitlich noch nie für die Wahrheit gehalten haben, sondern vor allem für die Meinungsmacher,Leitartikler, Journalisten und Historiker. Es ist auch höchste Zeit, dass diese sich von dem billigen Argument verabschieden, »dass wir die Wahrheit über den Kennedy-Mord wohl nie erfahren werden«, um sich mit dieser selbsterfüllenden Prophezeiung vor der Verantwortung zu drücken, die Lügen über diesen Mord zu entlarven. Andere Länder wie zum Beispiel Südafrika, Chile oder Argentinien haben in teilweise schmerzhaften Prozessen vorgemacht, wie eine Nation mit schrecklichen »Staatsverbrechen gegen die Demokratie« umgehen kann – und umgehen muss, um sie in Zukunft zu vermeiden.

Solange aber die Vereinigten Staaten diesen Beispielen nicht folgen, solange die verdeckte Staatsaktion zur Ermordung Kennedys nicht restlos aufgeklärt wird, solange Staatsverbrechen gegen die Demokratie ungeklärt und unbestraft begangen werden können, solange werden sie sich wiederholen. Nur, wer das will, kann den Fall John F. Kennedys für erledigt erklären und das Märchen von Oswald und der magischen Kugel in den Geschichtsbüchern stehen lassen.
Mathias Bröckers: JFK – Staatstsreich in Amerika, 2017, S. 254 f.

3JT #70: GEHIRNKRIEG

Der Fall Julian Assange – zum ersten Mal fordern die USA die Hilfe eines britischen Gerichts bei der Verfolgung eines Menschen an, den die CIA ermorden wollte. Wie steht es um den Auslieferungsprozess, der gerade verhandelt wurde? Außerdem: Die Desinfektion der öffentlichen Meinung schreitet immer weiter voran. Inzwischen haben Wissenschaftler und Militärs ein neues Schlachtfeld eröffnet: Unser Gehirn. Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #70 des 3. Jahrtausends.